Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1938)
- Date
- 1938-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nt. 67, 23. VIII. 1938 Aufenthaltes müßte teilweise von den jüdischen Hilfsorganlsaiioneii dumigdtihrt weiden, könnte aber wahrscheinlich teil«, iw nlieh auf eine Kreditoperation gestützt werden, die das kfinf:./..׳ flinkuumieti der Einwanderer selbst in zweckmäßiger Weise besteuert, so daß sie gewissermaßen kleine Dari; 111־n bek1):״men, die spiiter abgegolten werden. Solche Ideen kleinen hier natürlich nur andeutungsweise wiedergeg; beit werden, da es suis auf Einzelheiten nicht ankonimt und wir nur /um Viwlruek bringen wollen, daß für den Fall, daß sieh h׳r die a1!swamk׳rnsH11׳ Einwanderungskandidaten, die also so/ r.-,ag eil / w 1 >; e 11 c 11 A u s w a n d e r u 11 g und Ein w a nd e r 1: n >dnvt bei!, eine gastliche Stiitte des Zwischenaufenthaltes findet, die J u d c n gewiß ihr Acußcrstes tun w 11 r d e 11. 11 m seihst das (1 e | j n g c n und die Durchf 11 11 r 11 11 ־/ e i n e s .solchen Planes 1 11 erleichtern. l):1> \V;eh!;!-!.• :st, die Juden, die doch früh er oder später aus* wamloni m:1•■־.־■::, n loht in ei neu- Situation zu lassen, In der sie dti'ah Ungewißheit, unfreiwillige Untätigkeit, Warten usw. nervloh!;;1.1 *ס1!׳״, h /!•,׳(inirbt werden. Die Einwanderungsländer, die irre höre di ״ ein A.-vl sueliemlcn .Menschen öffnen, haben gewii'i auch ein Interesse daran, die Menschen in einem Zusfaiul nuf/tmclimen, der sic für ein produktives, der Cesanitkt'i׳ iim/'iches I.Huii geeignet macht. Wir verkennen nicht, wieviele Schwierigkeiten auch einem .solchen Projekt entgegeiistelien. Aber in dieser Saelio gibt es ubei ii/tipt keinen Schritt, der nicht voll von fast umün.Tsteigbeli wirkenden Schwierigkeiten wäre. Ungew d h 11! i c 11 e Zeiten wie diese erfordern ungew o 11 n 1 i c h e M a!5 n ,11 ו m e n. Die Anwendung der schon für ת or 111 1: ׳ e Zeiten!:;■■Hernien Bestimmungen kann selbstvcrst.i:!•!!:c!1 ׳ח« ht aureichen, denn cs geht ja um ein in nor- »n.i.'e'i /•- Ce. n!1׳'d!t voi handelt gewesenes, ■ein z US ätz- 1 i c i; e -■ I’:1:1 .:• 1•>׳. und dieses!-! mir durch einen kühnen E!: 1 < e :■ : 1,/ ד!..",v.!n:.;r:1, der etwas V eucs bringt, über da. 1er . r!•״■; vhievk■ Ahe hinaus. Der Einwand liegt 1: ei e ■ ee Woו! .,;׳ ui'e; dm Welt 11 .ngni lind daß alle Minn! 1 er 1 V, . v. de!!!■den konnten, von ihren eigenen Sorgen getue■ ׳■־' 1;׳;; . e . .:,.j 1 '.),1 ()<,;■11 glauben ».vir, daß es liier um < ׳ :״ 's . .■;.־, d'e den Einsatz der Kräfte lohnt. Dg.:■- ■g; :!!;■de! e:1 Welt! ragen, ist das, was hier als eine zu e. v. ׳: ׳׳de 'ge׳, :•mg V'irgehraclit wird, vielleicht noch lei cht ׳■׳ r ’ ■:. ‘ce h .he in -■־Hhe;! hingen schwer zugiinglkhe 1■!1■eh i:■■ dl־!:::!;■■ :inin, iier wichtiger Länder begreift jetzt ‘"" :!■ ■״. de' ־;•! e n ■׳ e w!'. h n! i e h e r Eingriff in dieser Sache 1־־!■' vciantw oitkche judiwhe Instanz, der die kdi. g e ve: g: ־ jüdische Auswanderung obliegen würde, k'rn'c dgg!: dm׳ \ls:v. i:kung viele Sicherungen, die etwa für tte1; ■:.■:־ de1״ würden, s.-luticig Wiciitig ist aber, daß mit K r o 1:! er 1; e - e 1!! e 11 n i g 1! u g ein entscheidender Schritt S1eü:.״׳r Mg f'dd.dce und die anderen verantwortlichen Mant.'cf /(•!)11:10 .-.׳- uer.Kn dw gewiß ficgrcifen. Man kann die Mi זז -chelg die :g:-w:mJern mus-eii, aller nicht cinwandern körnt; 1־. nrcht einfach sii!! selb,! uberlassen. Wenn jemals Hilfe ig.:־ag .so hier. I's muß eine Zwischenlösung gefunden Werden. Ein arabisches Programm ln einer Zu-ehrift an den Herausgeber der Londoner Zeitschrbt ,.(in■;!! B r 1 t .1 i 11 and the East“ vom IS. August erl.uiUrt die ehrenamtliche Sekretärin des arabischen Propnga;1da-Zert, ums in London, Mrs. Beatrice Erskine, die r1<)׳ di niugi n. d!e der Delegierte der palästinensischen Araber in Pumheg,!//:!t I 3 n n o 11 s, bei seinen dortigen Bemühungen vufr.it. 1;rer ■dem "IitcI eines ״arabischen Charters für i’ .־!! : -• t i n a" w erden fünf Eordeiungen aufgeführt: 1. ‘hu׳ ־die i׳t l’ah'i-tiiui bereits ansässige Bevölkerum.!, de ׳«:.eb-g-he y ie auch die indische, als Treuhänd׳׳riu de- 11: f! ■!■!! I.;111׳1־ - betrachtet werden soll: 2. daß eine l. inde-ic.׳;( iging gebildet werden soll, die allen Ein- Hugmii, u1׳!bk 1,׳!g:.g ujii Volk'tum oder Glauben, gleiche pehti'-iu ■ Pe.md e und r1dgi!-e Rechte gewähren soll; 3. >■'/־ Ie ־mm -■■!.!.e:1 Khgguung ־die einzelnen Gruppen de!!׳ •׳■hg ■ .eg־ ■' r.:g / v:h nniä'li. cn Anteil entsprechend '■:t '■־' יי ׳ ■'■ -mkn, mucr י iarantie der Rechte der Min- ‘tu1, t '■; 1. d : 1 in V; l'uig zwischen .׳ irollbritaimien und D.u! :.'■! ׳ ■ Mo ■eg ■־erden -oll, der die legitimen Intere ■■" ״. I ■g pt, ,ähnlich den Verträgen Englands!־' t '׳־■ / u ■ h r ■tun Imk: 5. dal! mit Unterzeichnung e ■ '■ ■ ־ ■ ■; - Maw'.it erlösche 11 soll, wobei bis zu u ־ ■■;״:.״■ ■:■■ ■ ׳ 1 ״■ ׳:de weitere Lmwanderiutg nach ■■t : ■־: e.dut w ־ul, an!' <iruinl der Annahme, daß '1.־1•: ■ ' ' ־.duimg iiire Verpflichtungen gegcniihcr den .!:■ 1 '■•■'. b '1 ■■■! ׳- ..\.d:oi!a!liei111s•• in Palästina er- I <■ " : ' '-’■■ m' I ׳/ I ■ :t.artikel in :11.-1׳ gleichen Ausgabe vntt Me־.: I'■:1:1! gml tlte lia-t״ n.inmt auf dieses Pro- I ־ ׳',m w - ־ Ff/.6■. -׳>mb r!1 i-t dem f’alästinaflugc des K: '־ ׳־'/ d h - . ■«.: h-u ׳, wobei mit tic-onderem Nachdruck b;* ׳:: V■. ,M. ■.'■., ,:;,־ ketcu-ent,uitca der britischen Hoheit m :MM-1 d■ r \ :i %;1 gud nmkhait'o-cn Unterstützung der!/־ד■•!. יי de t 1h. :׳;;mg -ichcr siieti. Wie sehr die Zeit- -ui" ׳t. ■K .׳< 1 -'׳./ j:1 der engli-cheii!< 0fonialhiirokratje an- II ־ ״ i:■ u ״ 1 .׳■■׳ ie:1 durf. dm l'ortdauer der politischen Un- ־! 1־.::- d M-; -Mudibgi empfindet, geht u. a. aas einer IK m. :1'י: ■g in:e; W iii-eiiaftsteils hervor, die den Rück-!mim; des pal.i teiee-ii-cbcn Außenhandels auf das Nach- Ia~-w! des jü-lucticn friinvamlerungsstromes zurückfiihrt. ,.Kenn׳ es /11 einer B! fricdnng in Palästina, die der Gesetzle/i;le n 1 i 1 iule!nuclit und den jiidiseilen Siedlern Sicherheit gibt, so kann als erwiesen gelten, daß die Räder der Indu -trle sehr rasch wieder auf die normale Tourenzahl kommen werden, Fs ist eines der hoffnungsvollsten Kennzi’ivhui der Situation, daß die Juden bewiesen haben, daß sie in kurzer Zeit verlorenes Terrain wiedergewinnen können.״ Kleine Nachrichten Die Pa'-'istina-Tedungskommission vernahm in einer ges.ehi'-w: :1 S.l/ung in London Bernhard A. Rosenblatt, den tud-cren Vizepräsidenten der Zionistischen Organisation von Awwi'Lo Mi. R״-cnblatt legte vor der Kommission seinen PI. 11 tut׳ duöciiaffu 11g von ..Vereinigten Staaten von Palästina und I miu-jord:! 1g!.־;1׳‘ da:•. (Wir berichteten über dieses Projekt in Nr. dk '-oin M .\nrit 10 iS.) 1111 Alter von 73 Jahren starb in Zürich Prof. Ludwig!! < 1 r c 11 a r d t. der auf dem Gebiete der Aegyptologie einen ludigii Ruf guioß. Durch seine Initiative wurde das Ardiäidogbchc• Inst tut in Kairo geschaffen, dessen erster Uirektor er gcwc-eit ist. Im Alter von?«') Jahren starb der bekannte amerikanische Bankier und Philanthrop Adolph Lewinsohn. 1!er amerikanisrhe Komponist livin Berlin, der Er- (inder des Jazz, federte vor kurzem sejnen 50. Geburtstag. Kapellmeister Hermann Ludwig (Schlesinger) hatte als Leiter eines Sinfoniekonzertes im Teairo Lasalle in Buenos Aires großen Erfolg. Er ist für die Leitung weiterer sechs Sinionitkoozerte verpflichtet worden. Psychologie der Auswanderer Erfahrungen in Südamerika Es gibt wohl kaum noch ein Land auf der Welt, welches den Auswanderungskandidaten nach der Ueberfülle der Presseberichte und -Reportagen unbekannt ist. Alle glauben, die große Welt in den Einzelheiten auf den Gebieten der Wirtschaff, Qekonomie und Politik zu kennen, besonders in den Ländern, wo Juden in großen Massen leben. Fragt man aber einen Auswanderer Näheres über das Land seines Ziels, so weiß er gewöhnlich nur — Zahlen, mit denen man jahrein, jahraus seinen Kopf vollgestopft hat. Wenn auch dem Aus- Wanderer vorerst scheinbar nichts anderes interessiert, so sind selbst die wichtigsten Zahlen tote Dinge und Begriffe. Zahlen verändern sich von Tag zu Tag; der Charakter, die Sitten und Gebräuche eines Volkes aber nicht. Ich erhalte Briefe von Lesern aus Deutschland, Holland und der Schweiz, deren Inhalt mich ebenso erschüttert wie erstaunt. Fast in allen Briefen kommt die Ungewißheit und Ratlosigkeit zum Ausdruck. Wie ich eindeutig aus den Briefen ersehe, verlassen sich die Auswaiiderungskandidaten nicht einmal auf die Auskünfte des Hilfsvereins in Buenos Aires. Dem mutigen Auswanderer aber sei hiermit gesagt, daß Auskünfte nicht von Wert sind. Wer alles gewinnen und nichts verlieren kann, den iiftcressicren keine Auskünfte. Ich war in der Lage, einem Brief schrei her wirklich gute Ratschläge in einem bestimmten Fach erteilen 711 können; zufällig habe ich hier einen Freund aus derselben Branche, der mir für den Bittsteller die besten Aussichten gab. Trotzdem konnte ich das Antwortschreiben nicht ohne die Bemerkung schließen, daß ihm auf jeden Fall Enttäuschungen lind Entbehrungen bevorstehen. Die Auswanderer aus Deutschland sollten sich ein Beispiel 'an den Ostjuden nehmen. Der Ostjude sagt; ,,Zores werden nicht fehlen!“ Er glaubt an die Zores und dieser Glaube stimmt ihn optimistisch. Fr ist so sehr davon überzeugt, daß es schief gehen wird, daß es ihm wirklich gut geht. In Wirklichkeit geht es vielen Juden aus Deutsch-!and — was die materielle Lage anbetrifft — viel besser als den Ostjuden. Beide betrachten alles vom Standpunkt ihrer Heimatländer - und darin liegt das Geheimnis. * Juden mit Schiffskarten in dpn Taschen vor ihrem Ozeandampfer — wer konnte sich mit ihnen vergleichen? Augen voller Träume, voller Sehnsucht-, voller Freude und Hoffnung schauten sic in die Unendlichkeit, auf das lebendige, rausehende Meer, auf Wälder beflaggter Masten wie zum ersten Mal in ihrem Leben, obwohl sie von Stockholm, Amsterdam, Antwerpen und Hamburg kamen. Sie waren von einem vielsagenden Schweigen ergriffen... Vielleicht segneten sie all die Ursachen, welche sie nach Hamburg führten? Das große Erlebnis entschädigte sie für alle Strapazen. Sie versöhnten sich mit dem Leben, das sich immer noch lohnte. Jedes Städtchen hat seinen Narren, jedes ״Stadt!“ seinen Schauten und jedes Passagierschiff seinen Batlen — mitunter auch mehr, Ich hatte das Glück, mit 60 Juden auf einem Schiff zu reisen. Das ist heutzutage keine besondere Bevorzugung. Auch jeder der 61 Passagiere hatte dasselbe Citiick. Und wieviele mit Juden vollbesetzte Schiffe fahren nach Palästina? Aber die Palästinawanderer haben fast alle ein Ideal und c I n Ziel. Die Atnerikawanderer dagegen haben nicht bloß viele Ideale und Ziele, sondern auch — Manien. Es war ein großes Glück, daß die Manien keine angeborenen waren. Zehn Mensehen mit derartigen Manien konnten eine Welt auf den Kopf stellen. Aber Menschen mit angeborenen Manien sind nicht so gefährlich wie diejenigen, welche sie sich unterwegs ״zu* gelegt“ haben. Wie anders war der einzige, junge Chaluz, welcher für Palästina vorbereitet wurde und auf Beschluß seiner Eltern nacli Argentinien verreiste? Und docii entstammte dieser junge Mann einer assimilierten Familie. Wir unterhielten uns sehr viel, besonders über das Thema: Jüdische Gemeinden und Rabbiner in Deutschland. 111 unserer Schiffsklasse befinden sich auch einige Sonderlinge. Benno ist ein solcher äußerlich und innerlich. Er hielt sich fast immer in der III. Klasse auf. Die Aufmachung der I. Klasse und die Art der Passagiere regten ihn furchtbar auf. Mit Wi-der״ willen kommt er herauf zum Essen. Fr schaut niemanden in die Augen, nur wenn er einige Früchte für die Kinder der III. Klasse einsteckt... Selten begegnete mir solch ein aufrichtiger, so/ialgesimiter Mensch. Unter den eifrigen Sprachstudiercnslen befindet sich ein Genie, das jiddisch für wichtiger hält als spanisch. Länger mit ihm streiten hat keinen Sinn mehr. Er bißt sieh nicht überreden, auch nicht von nur. Fr ist überzeugt, mit jiddisch weiterkonnnen zu können. Wehe seinen Landsleuten, die etwas ihm nicht Passendes über die Ostjuden sagen. Wie seine Liebe zu den Ostjuden und ihrer Sprache zu erklären ist? Das war mir anfänglich schwer zu erraten. Darum unterhielt ich mich mit ihm bei anderen Gelegenheiten über belanglose Dinge. Nur so erfährt mau alles, ras man wissen will. Ein Funktionär eines Komitees war besonders freundlich zu ihm und hat ihn oft zu sich eingehukm. Dieser hat seine Auswanderung erwirkt und ihm dann beim Abschied gesagt: ״Saintnv, sei ein Jude und vertrage Dich vor allem gut mit den Ostjuden, die Dir gute Freunde sein werden. Lerne auch jiddisch, es wird Dir nicht schaden,'־ Wie Ahschiedsworte wirken! Mit der Hartnäckigkeit eines Chassids, welcher genau die Ratschläge seines Rabbis befolgt, befolgt dieser Jude aus dem Rheinland die des Ostjuden und lernt jiddisch, Felix ist der beste Kartenspieler und — Sockenstopfer. Er gewinnt und verdient Geld. Noch vor Rio de Janeiro hatte er bereits einen beträchtlichen Teil seiner Reisespesen heraus. Wenn Felix mit seinem Stopfkörlwben auf dem Schiffsdeck erscheint, erinnern sich unsere Leute auf einmal an ihre Pflichten. Der eine erlicht sich, um Briefe zu schreiben, der andere hat gerade keine' Zigaretten frei sieh, der dritte flucht auf den Bademeister und der vierte erblickt gerade einen Bekannten und steht auf. Nach zehn Minuten befinden sich alle .wieder eine Etage tiefer oder höher. ״Stopfen Sie so gerne Socken?“ fragte ich ihn einmal, als alle verschwanden und nur ich sitzenblieb. Er lächelte siegreich und sagte fest: ״Hier—ja!“ —״Aber ist das nicht ein bi liehen übertrieben, hier, in der I. Klasse, wo die Offiziere auf und ab gehen, Socken zu stopfen? Was soll das Schiffspcrsonal über uns denken?“ —- ״Quatsch! Wir sind alle arme Emigranten, das wissen die Schiffsleute besser als die anderen, meine Handlung ist bestimmt nieb.t aufsehenerregend. ״Aber das können Sie doch in der Kabine tun!“ — ״Fällt mir nicht ein.“ ״Aber woher haben Sie all die Socken?“ ״Von Passagieren der III. Klasse,“ So entpuppte er sielt als ein Wohltäter. Moses Kat 7, Buenos Aires Umschichtung: in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 21, August Die von der Kultusgemeinde durchgeführte Umschichtungsarbeit erstreckt sich nunmehr auf einen Zeitraum von über drei Monaten. Trotz der großen Zahl der bereits errichteten Kurse und der beträchtlichen Anzahl der bereits cingeteilten Umschichtler stellt mit Rücksicht auf den außerordentlichen Andrang der Umschichtungswilligen das Umschichtungswcrk der Gemeinde erst am Beginn seiner Tätigkeit. Der Leiter der Berufumschichtungsstelle der Auswanderungsabteilung, Dr. A. Schmcrlcr, gab Ihrem Korrespondenten felgende Informationen. Di« Organisierung der Lebrkurse Die Umschulungskurse sind oft auch Naclischuiungsiehrgange und haben den Zweck, den ungelernten Arbeitern, sowie den geistig Tätigen Gelegenheit zur Erlernung eines Grund- Handwerkes zu geben, andererseits aber auch den gelernten Handwerkern zur Vervollkommnung und Spezialisierung zu verhelfen. Die Umschichttingsstelle umfaßt auch das Gebiet der Landwirtschaft, der Gärtnerei und der Geflügelzucht. Doch sind hierbei große Schwierigkeiten hinsichtlich der Beschaffung der geeigneten landwirtschaftlichen Objekte zu überwinden. Bisher sind rund 201K) Umschulungsteilnehmer in 120 Lehrgängen untergebracht worden. Von Mitte Juni bis Ende Juli, also innerhalb von sechs Wochen, konnten von rund 20 000 Umschichtungswilligen 0560 Umschichtler eingestellt werden. Dae Alter der Umschichtler Von den 6560 Umschichtlem entfallen 2159 auf Frauen und 4401 auf Männe r. Das Alter bewegt sich zwischen 17 und 50 Jahren. Die Höchstzahl der männlichen Umschichtler (1425) rekrutiert sich aus den Jahrgängen zwischen 36 und 45, die der weiblichen (724) umfaßt die Jahrgänge von 31 bis 40. Im Alter von 17 bis 20 Jahren befinden sich 477 männliche und 2% weibliche Umschiehlier. Zwischen 46 und 50 Jahren sind 510 Männer und 160 Frauen, über 50 alt sind 527 männliche und 143 weibliche Umschichtler. Der me istge wünschte Beruf ist inännlichcrseits die Metallindustrie (1270 Teilnehmer), als zweiter fimgiert die Lebensmittelindustrie, der sich 733 Personen z!!wenden. In einigen Abständen folgen dann das Bekleidungsgewerbe (416) und die Lederwarenerzeugung (441). Max WeisslerQ“ ן;'rr Berlin W, Klaiststr. 12 Die anderen gewünschten Berufe sind: Baugewerbe (286), Chemische Industrie (259), Körperpflege (243), Holzbearbeitung (210) Graphisches Gewerbe (187), Landwirtschaft (!55), Textil- Industrie (157), Tapezierer (39), Moderne Musik (5). Bei den weiblichen Teilnehmern dominiert der Haushalt mit 808 Personen. Das Bekleidungsgewerbe mit 554 steht an zweiter, die Körperpflege mit 272 an dritter Stelle. Mod ist er ie mit 163 und Kunstgewerbe mit 136 Teilnehmern sind die nächsten gutfrequentierten Kurse. In der Lebensmittelindustrie sind 84, in der Textilindustrie 49, in der Erziehung interessanterweise bloß 44, in der Landwirtschaft 22, in der Chemischen Industrie 20, und in dem Graphischen Gewerbe I Kursteilnehmerinnen registriert. Aus der Wirtschaft Das Bekleidungsgeschäft Pich & Co. in Bernburg!st von der arischen Firma Gerhard Saccker, die in Könnern a. d. Saale ein Herrenartikelgeschäft betreibt, erworben worden. — Die Firma Johanna Oadiel, Fabrikation von Sportkleidem und jugendlichen Fraucnkleidern, Berlin, ist in arischen Besitz übergegangen. — Die Firma Gutmaiin & Marx in Neuffen (Württemberg),’ ist von der Banduitd Gurtenweberei C. J. Sclirrkhardt GmbH, in Elnhausen bei Nagold erworben wordm. — Mit Wirkungvom 1. August 1038 hat der Kaufmann Leonhard Retzen die seit 1891) in Berlin bestehende ImmobilienErma Israel Schmidt Söhne erworben und führt das Geschäft unter der Firma ״Betzen KG. vorm. Isr. Schmidt Söhne“ weiter. — Die Firma Rudolph Loewinberg, Mäntel, Kostüme. Pelze, Berlin, ist in arischen Besitz übergegangen. — Die Tuehgroßhand-lung Max Bauer in Nürnberg ist von der ncugegründcteri Firma Ellrich fV Gramp KG. erworben worden. — Das Warenhaus M. Knopf in Worms ist in arischen Besitz iihergcleitet worden. — Bei der Firma Hutstoffwerke A.G. in Fulda sind die Aktien der Gesellschaft in arische Hände iibergideitet worden. Die Aktiengesellschaft wird in eine Kommanditgesellschaft umgewanilelt. — Das bisher irn Besitz der Familie Eduard t.ippmann gewesene Warenhaus Heinrich Ticfz in Greiz ist zum Zwecke der Arisierung von einer Greizer Kaufhaus GmbH, erworben worden, deren Gesellschafter sich aus Kreisen des Einzelhandels zusammensetzen. — Die Firma Max Fabisdi fk Co., Inhaber Fritz Cohnreich, Damenbekleidung in Berlin, ist in den Besitz der neugegründeten Kommanditgesellschaft Stolzenburg & Cie. übergeleitet worden. — Die Firma Wallmann & Wassermann, Modelle in Kleidern und Complets, Berlin, ist auf die Firma Müller H Midier übergegangen. — Die Firma Hermann Schwersenzer, Fabrikation von Kleidern und Blusen, Berlin, ist i.11 den Besitz der neugegründeten Firma F. Weitzik & Co. übergegangen. —- Das Scluihltaus Isidor Scheinmann in Mündien ist in arischen Besitz übergegangen. —־ Die Schuhgroßhanrllung Sigmund Stern in München ist in arischen Besitz übergegangen. — Die Firma Louis Oppenheimer, Uniformtueh-tiroßhatidlung, in Bruchsal, ist in den Besitz der Firma Ernst!'ranke <N Ca. GmbH, übergegangen. — Sämtliche Anteile der Regeiimantelfabrik Sturmflut GmbH, in Hamburg sind in arischen Besitz übergegangen. Um die Nachfolge von Cardozo. Infolge des Todes von Benjamin Nathan Cardozo ist ein Richteramt beim Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten von Amerika freigeworden. In der amerikanischen Oeffentlichkeit machen sich Stimmen geltend, die dafür eintreten, daß Felix Frankfurtcr als Nachfolger berufen wird. Frankfurter, der der jüdischen Welt durch seine Zugehörigkeit zu der vor etwa 20 Jahren von Louis D. Brandeis geführten Gruppe der amerikanischen Zionisten bekannt ist (er gehörte 1919 der Abordnung der ,־unerikanischen Jmlenheit für die Pariser Friedenskonferenzen an und war der Empfänger des bekannteil Briefes, in dem der Emir Feisal seine Sympathie mit 1k׳n zionistischen Bestrebungen ausdrückte), ist ein hervorragendes Mitglied der Havard Law School und genießt als Jurist außerordentliches Ansehen. Senator Norris von Nebni-ska ist mit einer öffentlichen Empfehlung Frankfurters an Präsident Rooscvclt hervorgetreten. l'er.mtwortli/her Rcdakicur: Dr. Robert tV e 11 s c h, Berlin-CharL 9 (auch vcraii!/örtlich fiir die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt l.uc wenst ei n, Bciliu W 15. Anieigenlcitcr und verantwortlieh für den Inhalt der Anreigen: Erich Licpmann, Berlin W 15. Uiihig Anzeigen Piri-di-tf 5 vom 1. Apiil 1938, Verlag und Anrcigenvenvahung: |i!Ji,cl!e Runrl■cluru, Berlin 5Y 15. Meiuckestr. 10. D.A. 11/1938: 26 0-15. — 1)1 uek: Siegt'iicd Schalem, Berlin■ Schöneberg.