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Jüdische Rundschau · 1938-08-19 · Heft 66 (19.8.1938) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 66 (19.8.1938)
Date
1938-08-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 11 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 66, 19. VIII. 1938 Das orthodoxe Patriarchat Radio Jerusalem Die Zeitspanne nach Sehabbnih-Ausgnng wird neuerdings musikalisch ausgestaltet: Zuerst wird ein aschkenasisehes, sefardisches, chassidisches, orientalisches oder modern bearbeiteies ,.Hamavvilil" gesungen — unlängst das von Darius Milhatid. Bisweilen vertritt eine Schallplatte den Sänger. Seit kurzem gibt es Anfänge eines Radio-Platten-Archivs, wodurch Aufführungen beliebig oft reproduziert werden, Lücken ausgefüllt und Felder oder Unvollkommenheiten verbessert werden können. Nach dem ,,MamawdiU pflegt es ein Instrumentalkonzert jüdischer Musik zu geben, in welches zur Abwechselung gelegentlich auch Gesangs vorträge cingefügt werden. Dieses Konzert stellt inhaltlich und stimmungsgemäß einen Uebergang von! Schabbath 711111 Werktag — also eigentlich eine Art erweiterter ,,Mawdaln*‘ dar. יEines dieser letzten Konzerte brachte zwei sehr schöne Baritongesänge ,,An den Strömen Babels“ von F'erruccio Busoni und ״Vision Jiritiijahus“ von James Simon. Das war nun freilich nicht jüdische Musik, aber doch sehr gehaltvolle religiöse, was den inu־rpretati\־rn Fähigkeiten Karl Salomons durchaus entspricht. Zwischendurch spie'tc Daniel Hofmekler mit bekannter lonscliünheit Joachim Saitschcwskis ״Kma“ (für Cello), ein edles, ernstes Werk. Eine andere Radioveranstaltung war den Klavierkompositionen der jüdisch-russischen Musikerfamilie Krcin (Gregor Krein, Alexander Krem und Julien Krein) gewidmet. Das Programm enthielt frühe Präludien von Gregor Krein, die teilweise noch etwas von Tscliaikowsky beeinflußt, aber sehr geschlossen und eindrucksvoll in der Ocsamthaltiing sind, 2wei ״Podmes*‘ von Gregor und Alexander Krein — wohl die bedeutendsten — und drei jüdische Tänze, ebenfalls von Alexander Krein, wohl die .,jüdischsten“ Stücke der Folge. Den Schluß bildeten unter den! Einfluß Schönbergs stellende kleine Kiavier.-tucke des ikamaU noch sehr jugendlichen Julien Krein, der ohne 1 rage die 1 igeiiartig-te Begabung der drei darstellt. (Piano; Alcoa Jncob-I.oeweu-on.) Ein seltener Genuß war die Gestaltung des einen Mendelssohnkon, citac dt»v!1 4a: a ';.׳h ipira. Fs •s־ ja bekannt, dal! die Zahl der Klavierkonzerte jüdischer A'rorcn geling ist. Regina Schein, «ine vorzügliche Ceüi.-tm, spicke ein auserlesenes Programm, teilweise von Erich Sach-,, tc'lwtiw durch Joachim Stutschcwski auf zweitem Cello begh iiet; eine Sonate von Sammartini, die Arpcgmcn-Soiintc \ oti Schubert, sowie ein Duo von Banierre. IH..r1n:1 Scheins Spiel zeichnet sich durch edlen Ton und vergeistigten Stil aus. Karl Salomo!!!na hte mit dein Rundfunk-Orchester Komposifionen zur An ifuhning, du• die Mitte hielten zwischen Konzert- und Salonnm-ik: Aiulai ״•!nAche Tänze von Respiglti, rumänische Volks( ui ׳!■ von Heia Bartok, Kompositionen von Huniperdinck, R. S11׳:mli und Smetaiia. _ Radio Kairo. Im Radio Kairo sang Alexander Bodannff die ״Pierrotlieder“ von Max Kowalski, i )as Konzert war auch von Palästina aus detnlwh timl klangschön zu hören. Iler Baritonist Bodanoff ist fnr derlei stinunlieh besonders geeignet, wenn auch die Zartheit des Vorn ,igs an manchen Stellen durch etwas mehr Plastik und kontrastreichere Tempi hatte ergänzt werden dürfen, Alice J acob-Loc w ens 0 n Musik in Rcchowoth. Das Sommerkonzert des Palästina- Orchesters mit Jascha Morcnsfein als Dirigent enthielt ein klassisch-romantisches Repertoire. Beethovens ״Eroica“ erklang zum erstenmal im ״Ileth-Haam“. Glänzend wurde das Scherzo aus Mendclsohns ״Sonunernachtstraum“ und Smetanas Ouvertüre zu ״Die verkaufte Braut“ wiedergegeben. In den beiden letzten Kannnermusikabendcn der ״Rehovot Musical Society“ wurde erstmalig ein Programm in der Kombination von Blas- und Streichinstrumenten resp. Klavier aufgefiilirt. Die Klarinette, von Herrn Zinim ermann (Mitglied des f tubernian-Orchi'stcrs), w irkte in der Brahms- Sonate Es-Dtir sehr klangschön. Herr Rudkkow am Flügel begleitete sicher und dezent. Als solistisch merkbar hervor* tretendes Instrument dominierte die Klarinette in besonderer Vollendung in Beethovens Klaviertrio B-Dur op. 11 (unter dem Namen ,,Klarinettcntrio“ bekannt). Im 6. Kammermusikabend (einem Mozart-Abend), der int Garten von Mosche Smilanski veranstaltet wurde, lernte man die Oboe und das Waldhorn kennen. Mozarts liebliches Oboenquartett interpretiert von den G!1׳ he-tc!!!;!!gliedern : S. v ה n den Rerg (Onoe), P o I i s h!! k (V:n!hc). Rai! (Viola), Poons (Cello), ist ein Prüfstein für Oboisten. Herr v. d. Berg bewältigte die schwierigen Passagen mit spielender Leichtigkeit und betonte besonders das (jrn/iö»c in dieser Komposition, ln dem Hornkon/( 1t mit Begleitung eines Streiclnniartetls zeigte H. S a I o ni o 1g!:!n-r!׳!׳״ beste:! Hornisten des Hubemian- Orclicstcrs, grobe Routine. f\1;־ Schluß des Abends bildete das .,jagdqua!tett'g - Fndlich verdient Erwähnung das Konzert des jungen Cellisten Ad'׳lf<> O d!10 possoff, der in Begleitung der Pianistin Alice Sei! m u c k I e r - H e s s Werke von Schubert, Gx—ado, H1׳׳h. Brahms, i:!״escobaldi u. a. widmete. Der futan/ieilc Ertrag war dem ,,Magen David Adam" gewiß m et. F rau S c 1! tu u c kl e r -11 e s s begleitete nicht nur wieder wundervoll /unickheitetici, sondern trat auch als Solistin in ('diopiit-chcn!<hv;ervverken - besonderen Eindruck machte das Scher/o j:1 B-Moil -״- hervor. S e e w E i s n e r Parallele in Kanada Die Feindschaft zweier Völker ln der in Jerusalem erscheinenden Zeitung ״Palesiine Post“ teilt ein Leser aus Tel Aw:w in einer Einsendung foifern!es mit: ״In einem wohl!v.kannten Bericht eines holten ritischcn Beamten an S. M, Regierung fand ich zufällig eine interessante Stelle, die anscheinend den gegenwärtigen toten Punkt in Palästina charakterisiert. Sie lautet folgendermaßen: ,.Der Kampf ... hat die VI k e r . A n i m o .5 i t ä t verstärkt; und diesr na! öiulr Atm-.-igiu!:: 11,1' die [xäitbche Differenz unver- *ähnlich tief werden lassen. Kein Heilmittel kann wirksam «in. das nicht auf beide t'ebrl cinwirkt. D1׳n!'nruhen zugrunde ... liegt der Konflikt der btU'ini Völker, die die Hcvülkerun״ bilden; bevor dieser Konflikt nicht bcigrVgf ist. kann keine vernünftige Regierung ausgeübt, werden, der.:! ob die politischen Institiitimien reformiert werden oder unverändert: bY.bcn, ob die Rcgicrungsmarht der Mehrheit Oder Minderheit ariwrirau' wird, wir können versichert sein, daß, solange die Feinds■׳! aft <10 ׳ V.ßker jede von ihnen die Regierung*- gewalt, wiirrh• man sie ihr anvec rauen, f,:r parteiisch« Zwecke gebrauchen würde.“ Zweifelsohne würden die meisten Leser dieser offenen, Sätze, so meint der Einsender, glauben, sie seien heute geschrieben worden. In Wahrheit stammen sie von Lord Durhatn, aus seinem berühmten Bericht über den Gegensatz, von Engländern und Franzosen in Kanada, vor hundert Jahren. Jedenfalls enthalten sie auch für die Gegen- Wart Und für Palästina einen Schuß Wahrheit.“ Wenn wir an die heutigen Verhältnisse in Kanada denken, dann liegt in dieser 100 Jahre alten Dar- Stellung auch etwas Tröstliches in bezug auf Palästinas Zukunft. Aus Jerusalem wird berichtet: In den letzten Tagen ist die Kommission zur Verwaltung der Besitztümer des griechisch-orthodoxen Patriarchats durch ein Regierungsdekret aufgelöst worden. Die Finanzgebarung des Patriarchates hat eine interessante Geschichte, die mit der Entwicklung des jiidisehen Jerusalems verflochten ist. Nach dem Weltkriege namlieh stellte sich heraus, daß auf dem Patriarchat eine Riesenschuld von X, 600 000 lastete. Diese Schuld hatte sich aufgehäuft, während der Patriarch Domianus an der Macht war, dessen Amtszeit von 1897 bis zu seinem Tode im Jahre 1932 dauerte. Dieser war eine starke Persönlichkeit, der viel Macht und Einfluß hatte. Er war ein hartnäckiger Kämpfer, der bald mit der Synode seiner Kirche, bald mit der türkischen Regierung, bald mit den gricchisch-orthodoxen Arabern, die den Großteil seiner Genieindemitglieder bildeten, bald mit den Großen der orthodoxen Kirche im Ausland, bald mit der englischen Mandatsregierung in Palästina im Streit lag. Natürlich machte •er auch der Kommission, die zur Prüfung der Zustände in seinem Patriarchat eingesetzt war, das Leben nicht leicht. Er schaltete ganz nach seinem Willen, und so überstiegen die Ausgaben des Patriarchats schon vor dem Kriege seine Einnahmen. Im Kriege wurde die Schuld größer, da die Einnahmen aus Rußland fehlten. So war der Patriarcli genötigt, Geld zu ungünstigen Bedingungen zu leihen, und man sagt, daß er sicli damals verpflichtet habe, türkisches Papiergeld in Gold zurückzuzahlen und daß der Zinssatz -10 ".0 erreichte. So war 1920 die Schuld auf .£ 600 000 angcwachsen, und gleichzeitig war es klar, daß die Einnahmen aus Rußland, die zum Fehlende Schulen Die im Aufträge der sozialen Abteilung des Waad Lcumi von Dr. Frankenstein vor einiger Zeit durchgeführte Untersuchung über den Bildungsstand der orientalisch-jüdisehen Jugend in Jerusalem hat einige Klarheit in dieses wichtige Gebiet der sozialen Arbeit gebracht. Ueber die uugeringende Schul- und Berufsbildung der orientalischen Jugendliehen, ihre vielfache körperliche und seelische Vernachlässigung, Zeichen und Gefahren von Verwahrlosung wurde wiederholt geschrieben. Aber die Oeffentlichkcit konnte sich egen Einzelerfahrungen und Vermutungen verschließen; sie ann es nicht gegen klare zahlenmäßige Feststellungen. I)i׳e wesentlichsten Ergebnisse der bei 2192 Familien in fünf orientalischen Jerusalemer Stadtvierteln durchgeführten Enquete lauten: Von den 4-—6jäl1rigen Kindern (etwa 4000) wurden weniger als ein Viertel, 21 «0 der Jungen und 31“ der Mädchen, von hebräischen Kindergärten erfaßt. 17*.'■» der Jungen ״!ernten“ daneben in primitiven Chedcrn. Die übrigen waren unter ungünstigsten Verhältnissen zuhaus. Von den etwa 8000 Kindern ,im Volksschulalter (7—13jährige) gingen 84".ו der Jungen und nur 67*/,> der Mäddien in Schulen, resp. in Chedcr oder Talmud-Tora. Mehr als 2000 Kinder blieben außerhalb der Schulen, 29*0 der in der Enquete erfaßten Kinder zwischen 9 und 13 Jahren konnten weder schreiben noch lesen; — die meisten, weil sie nie eine Schule besuchten, andere, weil sie nur ein bis zwei Jahre in einer in- oder ausländischen Schule oder ohne jeden Erfolg in einem Glieder waren. Von den Schulkindern beendeten nur 1G °ö die achtklassige Volksschule, 209,״ der .Mädchen wurden vor Beendigung des 10., 46*0 vor Beendigung des 12. Lebensjahres ausgeschult. Auch von den Knaben besuchte nur ein Drittel die Volksschule oder die Jeschiwa über das 13. Jahr hinaus. Etwa 500 Kinder besuchten Missionsschulen. Von den 14—19jährigen machten nur 30״b der Knaben und 6",0׳ der Mädchen eine ernstzunehmende Berufsausbildung durch. Von 600 Mädchen waren 40*0, von 700 Jungen 25*0 berufs- und arbeitslos. Jede dieser Zahlen erzwingt die Aufmerksamkeit der Gemeinschaft und zeigt, wo die öffentliche Hilfsarbeit anzusetzen hat. Am drängendsten aber ist die Frage des Schulbcsuchs. 4000 Kinder zwischen 4 und 13 Jahren wachsen (nach den Feststellungen der Enquete) allein in Jerusalem ohne Unterricht und zugleich ohne ausreichende Erziehung und körperliche Pflege auf. Hinzu kointnen etwa 1800 janz. ungenügend in primitiven Chedern unterrichtete Kinder (im ganzen besuchen in Jerusalem 3800 Jungen religiöse Schnlen) und mehr als 500 Zöglinge der Missionsschulen, die in die hebräischen Volksschulen eingeordnet werden!mißten. Weiches sind die Gründe für dies Versagen der öffentliehen Erzichungspflicht, und wie kann eine Aenderung erreicht werden? Die umfassendste Antwort lautet: durch Einführung der obligatorischen, unentgeltlichen Volksschule; überall wo der Schulzwang fehlt, werden sich ähnliche Erscheinungen zeigen. In einem rein jüdischen Territorium wird diese Forderung erfüllt werden können und müssen. In dem heutigen Palästina ist die Einführung des Schulzwanges noch viele Jahre hindurch nicht zu erhoffen; denn die Voraussetzung wäre ein umfassendas System von Volksschulen für die jüdische und die arabische Bevölkerung. Ob die Möglichkeit besteht, nur für den jüdischen Sektor den Schulbesuch obligatorisch zu machen, ist noch nachzuprüfen. Nach der von Frankenstein aufgcstellten Berechnung würde die schulmäßige Versorgung sämtlicher Jerusalemer Kinder zwischen 4 und 13 Jahren einen Mehrbetrag von £ 30 000 erfordern, der im wesentliehen aus speziellen Gemeindesteuern und einem vergrößerten Regierungszuschuß stammen müßte. Für den Augenblick muß hier, wie an so vielen Stellen, der Zwang durch Propaganda und freiwillige Mittelaufbringung ersetzt werden. Die Propaganda wird sich zunächst an die Eltern der un ei «geschulten Kinder wenden. Die verschiedenartigsten Gründe führen zu ihrem Versagen: die Forderung frühzeitiger häuslicher oder beruflicher Mitarbeit, mangelndes Verständnis für den Wert einer Schulbildurig (besonders für Mädchen), bewußte und unbewußte Abwehr von Vätern gegen die Höherentwicklung der Söhne; Uebcrschätz.ung primitivsten Wissens, die den Besuch der höheren Schulklassen als unnötig erscheinen läßt; Ungeduld gegenüber langsam weiterkommenden Kindern (64»’o der Knaben uud 57*0 der Mädchen sind zu alt für ihre Schul- Masse), — Dazu kommt in Teilen der orientalischen Bevölkcrung die Ablehnung gewisser Züge des hebräischen Schul- Werks, der (allerdings in Jerusalem vielfach aufgehobenen) Koedukation, und die geringe Beachtung der nichthcbräischcn Sprachen. Jerusalem hat keine sdiulgeldfreien Schulen. Die Schulgelder sind nach den Verhältnissen gestaffelt, aber auch Mindestschulgelder von etwa zwei Pfund jährlich, die in der Form von Pfennig-Einzahlungen in eine Schulbüchse geleistet werden, sind für sehr viele der armen, kinderreichen Familien untragbar. Noch vor wenigen Jahren waren dadurch die Armen fast völlig aus der Volksschule Teil aus russischem Grundjaesitz, zum Teil aus den Gaben von Pilgern und frommen Spendern stammten, und die bisher 64 *;0 der Gesamteinnahmen ausgemacht hatten, versiegt waren. Die von der Mandatsregierung eingesetzte Kommission einigte sich mit den Gläubigern auf einen Teilbetrag und ersparte dadurch dem Patriarch die Zahlung von etwa £ 200 000. Das Geld zur Bezahlung der Restschuld wurde durch den Verkauf eines Teiles der großen Liegenschaften des Patriarchats gewannen. Fast alle diese Böden wurden von Juden erworben, denn um diese Zeit, in den Jahren nach der Balfourdeklaration, waren die Juden die einzigen Käufer auf dem Orundstücksmarkte. Den größten Teil der Böden erwarb diq Palestine Land Developement Co. Unter den damals gekauften Böden befinden sich; ein Teil der Jaffastraße (vom ״Zion"-Kino bis zur King-George-Straße), die ganze Ben- Jehuda-Straße und ihre Umgebung, ein Teil der Mamilla- Straße und ganz Recliavia. In dieser Oegcnd waren früher Gärten gewesen und viele Jerusalemer erinnern sich noch dieser Gärten mit ihren Bäumen, Gittern und Toren. Jetzt befindet sich dort der wichtigste Teil der Jerusalemer Neustadt. Nachdem cs jetzt der Vcrwaltungskommission in einer 17jährigen Tätigkeit gelungen ist, fast alle Schulden! des Patriarchats zu begleichen — der Rest ist unbedeutend — hat das Patriarchat das Selbstverwaltungsrecht zurückwerde. ausgeschlossen. Dies ist dank der Einwirkung und Mitarbeit der sozialen Aernter besser geworden. Grundsätzlich soll heute die Aufnahme keines zahlungsunfähigen Kindes verweigert werden, wenn das soziale Amt die Verhältnisse geprüft und die unentgeltliche Aufnahme empfohlen hat, und wirklich sind z. 2. etwa 1000 von den 6700 Schülern der hebräischen Kindergärten und Volksschulen Schulgeldfrei. Aber Hunderte von andern, bei denen nicht die allerdringendste Not vorliegt, bei denen also die Befreiung von Schulgeldzahlungen ahgelehnt wird, bleiben auf der Straße, weil die Väter die unverhältnismäßig hohe Belastung nicht tragen wollen. Zu dem Schulgeld kommen die teueren Lehrmittel. In jeder Sprechstunde der sozialen Aemter kann man Frauen sehen, die stundenlang warten, 11m für ihre Kinder Schulbücher zu erbitten, die z. T. durch Sammlungen aufgebracht oder vom Wohlfahrtsamt bezahlt werden. Gelingt es aber selbst, diese Schwierigkeiten zu überwinden, so bieibt für die Familien der Armen die Belastung durch den Wegfall der Kinderarbeit, die in Jerusalem eine Alltäglichkeit ist. Die organisatorischen und geldlichen Leistungen des sozialen Hilfswerks mußten hier vervielfacht werden, und die Schule seihst müßte, um für diese Familien tragbar zu sein, den sdiulgeldfreien Unterricht noch durch wirtschaftliche Vorteile ergänzen. In gewissem Umfange geschieht dies durch die von der Hadaßa ei.ngeführteil Schulspeisungen, in denen die Kinder für ein minimales Entgelt und in besonderen Fällen ganz unentgeltlich eine warme Mahlzeit bekommen. Wcitergehend hilft der Direktor der oben erwähnten Knabenschule, indem er Jungen, die in der Schulküche kochen und in den Schulwerkstatten tischlern und buchbindcn lernen, für die Nachmittage in Speiscwirtsehafteii und zu Handwerkern vermittelt, so daß die Kinder, trotz des Schulbesuchs, einen Verdienst nach Hause bringen. Auch die an einigen Stellen mit Hilfe der Wizo eingerichteten Nachmittagskiubs für Schulkinder entlasten die Familien. Dabei sind angesichts der größten Not bereits an den verschiedensten Schulen neue Klassen für zusammen etwa 1000 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren eingerichtet warden. Aber weitere 1600 Plätze fehlen, und auch die neuen Klassen sind ungesichert. Sie werden von vier Seiten 11er finanziert: durch die Zahlungen der Erziehungsabteilung des Waad Leumi, die die von der Jcvvisli Agency, und der Regierung bewilligten Gelder verwaltet, — durch die in diesen Klassen besonders geringen Schulgeldzahiungen der Eltern, durch Spenden von Einzelnen und Organisationen, und schließlich durch die Leistungen der Lehrer, die nur für zehn Monate im Jahr Gehalt bekommen, und, auch wenn sie tarifmäßig höhere Ansprüche hätten, zu dem niedrigsten Tarif arbeiten. Auf die Einführung einer Schulsteuer durch die Stadt Jerusalem ist bei der momentanen politischen Situation kaum zu hoffen; inwieweit die Gemeinde zu Neulcistungcn fähig ist, wird sich zeigen. Da aber auch hier nicht mit einem sehr raschen und durchgreifenden Handeln gerechnet werden kann, bat sich die E’rzicluingsabteilung entschlossen, die Begründung ein« besonderen Komitees anzuregen, das_ die OeTfentiichkeit für das Schulproblem interessieren 11nd_ private Hilfsmittel aufbringen wird. Man hofft durch Stipendien und feste Mitgliedsbciträge die Summen zu erhalten, die für die Aufrechterhaltung der schon arbeitenden Klassen erforderlich sind, und die die Gründung neuer Klassen für die 500—WO bereits angemeldeten und aus Platzmangel abgewiesenen Schüler ermöglicht. Nach Erfüllung dieser drängendsten Augenblicksforderung wird dann mit Hilfe der Gemeinde una unter stärkerer Mitwirkung der Regierung daran gegangen werden müssen, das gesamte Jerusalemer Schulwerk auszubaucn und entsprechend den sozialen Notwendigkeiten zu reformieren. Marg. Turnowsky-Pinner Kleine Nachrichten Der bekannte amerikanische Reporter Hubert Knickerboker besucht jetzt Palästina. Die arabische Zeitung ״Adifaa“ wurde für 3 Wochen verboten. Devora Gin z. bürg liest am 19. August, 20.40 bis 21 Uhr, im Jerusalemer Sender eigene Gedichte und Prosa. Todesfall. Wie wir erfahren, ist die Siedlung der Rcxinger Juden ״Sc ha wc Zion“ bei Haifa durch das Ableben eines ihrer Mitglieder, Preßburgcr, der einer tückischen Krankheit erlag, in schwere Trauer versetzt worden. Es wird die Juden in Deutschland, die au dieser Siedlung 80 großes Interesse nahmen, mit tiefem Bedauern erfüllen, daß nach so kurzer Zeit die Siedlung bereits einen ihrer Besten verloren hat. Preßburgcr, obwohl bereits in vorgerücktem Mannesalter stehend, war ein überaus tüchtiger Arbeiter, der auch durch sein angenehmes persönliches Wesen und seinen Humor viel zum Gelingen des Unternehmens beitrug. (Auf den in der ״Jüdischen Rundschau“ vor etwa zwei Monaten veröffentlichten Photos aus Scliawc Zion ist auch Preßburgcr bei der Arbeit zu sehen.) (Schluß des Palästina-Teils) MRSIAMER IllberfUchse. Sämtl. NIRZI Pelzarten B ■ R L I N WfSO Augsburger Strasse 45

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