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Jüdische Rundschau · 1938-08-16 · Heft 65 (16.8.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 65 (16.8.1938)
Date
1938-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÖPISCHE RUNDSCHAU Nr. 65, 16. VIII. 1938 Junge jüdische Bauern zu vertreiben. Heute morgen wurden in der Nähe der Siedlung zahlreiche Blutspiirui gefunden. Polizeihunde, die auf die Spur der Mörder der Familie Babajoff gesetzt wurden, führten zu einem in der Nähe gelegen cn Araberdorf, in dem zahlreiche arabische Bauern zwecks Verhör f e 51 g e n o 111 m e n wurden. Bei einem Kampf zwischen Militär und Arabern in den Bergen westlich von Dschenin wurden sieben Terroristen getötet und sechs verwundet, von denen vier gefangen genommen wurden. Die Soldaten beschlagnahmten 13 Gewehre. Während einer Spazierfahrt in der Nähe von Bethlehem geriet ein englischer Offizier in einen Hinterhalt und wurde in seinem Kraftwagen erschossen. Von der Woche Nach einer Meldung der Zeitung ״Haboker“ soll es zwischen Auni Bey Abdul Hadi. einem der verbannten arabischen Führer, der sich augenblicklich in Aegypten befindet, und dem Mufti zu einem Bruch gekommen sein. Auni beschuldigt den Mufti, daß dieser gegen die für Oktober in Kairo' geplante panarabische Konferenz Obstruktion treibe. Der Vorsitzende der Jerusalemer Exekutive der Jewish Agency, David Ben Ourion, ist nach London abgercist. Die Zentrale des \V e 11 - M i s r ,1׳ e h i bat der englischen Regierung eine Petition um die Begnadigung von Mordechai Schwa rtz unterbreitet, die 70 000 Unter- Schriften von Juden aus allen Teilen Palästinas enthält. Schwa rtz ist ehemaliges Mitglied des f lapoel Hamisrachi. Die Fertigstellung der Straße von Klar Saba nach Ramath Ha ko wes eh wurde begonnen. Diese Stratie ist von besonderer strategischer Bedeutung; ihr Bau wird von dem Verteidigungs-Fonds des |D1huw finanziert. Iin Keren Haielh>d-( iehäinle 11! Jerusalem wurde ein Empfang zu I hren von Mmris M a r g 111 1 e s, dem Sekretär der Zionistischen Organisation v1!״ ‘Amerika, veranstaltet, bei dein .Mitglied• r der Exekutive der Jewish Agency, Vertreter des Keren lipcssod und anderer jüdischer Körperschaften anwesend waren. _ Aus den Nachbarländern Unser Pariser K-Uenehterstaltcr schreibt: die Ratifizierung'' d e s t r a!1 1u s'1, c 11 - sVr i s e h cn Vcrträges sind jetzt wieder aufgcnonimcn worden. Der svrische Ministerpräsident 1) j e in;1 1 M c r d a in Bey ist erneut in Paris cmgvtroiteu und hat dort ׳.he französisch(; Regierung über die Unzufriedenheit informiert, die in Damaskus infolge der verzögerten Ratifizierung des französisch-syrischen Verträges durch das französische Parlament herrscht. Die syrisehe Kammer hat in ihrer letzten Beratung der Verschlechterung der syrischen!Stimmung gegenüber Frankreich sowohl Regelung der Saiul.-rhuk-Aff.ire Ausdruck gegeben. Ulejchzeitig mit dem syrischen Ministerpräsidenten ist auch der französische Oberkommissar für Syrien de Märtel in Paris angekommen und nimmt an den Besprechungen teil. De Martei gilt als Anhänger einer rascher! Ratifizierung der Verträge, da er sonst Komplikationen in der französischen Levantepolitik Voraussicht. — Im engen Zusammenhang mit diesen Besprechungen steht auch die frage der Wiederaufnähme der französisch-türkischen Verhandlungen, die für den September in Ankara vorgesehen ist. Wenn es die europäische Lage gestattet, wird sich der französische Außenminister Bonn et zu diesen Verhandlungen nach der Türkei begeben. Ziel dieser Verhandlungen ist, den neuen französisch-türkisehen Freundschaftsvertrag durch ein französisch-tiirkisch-syrisch es Abkommen 711 ergänzen, das ein Element der Stabilitat in der Levantepolitik werden soll. Kunstgalerie auf dem Scopus Wenn die Studenten und Studentinnen sich während der Pausen, und besonders um die Mittagszeit in der Mensa des neuen Clubhausts versammeln, haben sie Gelegenheit, in der großen Vorhalle eine Ausstellung zu betrachten, die dort jetzt'veranstaltet wird. Au da! Wänden des hellen Raumes sieht man in ausgezeichneten Reproduktionen eine Auswahl von Gemälden und Zeehnungen vier großer französischer Impressionisten: Manet, Monet. Degas und Renoir. In einigen Wochen wird d.ese eiste Ausstellung durch eine zweite abgelüst werden, die Werke von Gauguin und Cezanne umfassen soll; eine dritte wird v a 11 Gogh gewidmet sein. Welche Künstler dann folgen werden, steht im Augenblick noch nicht fest, doch ist sicher, daß hier ein interverspricht: Gute, im einzelnen wcrfwelnde Reproduktionen sollen ständig im Rahmen einer richtigen kleinen Kunstgalerie gezeigt werden. Die Fortführung der Ausstellung liegt nicht nur in der AlWchf der Universitätsleitu-ng, sondern wird auch durch ehe lebhafte Zustimmung unterstützt, die bereits die erste Bilderscham bei der Studentenschaft gefunden hat. Der Musiker Rudolf Colin gestorben. Professor Rudolf Colin aus Königsberg, der vor kurzem in Jerusalem starb, gehörte einer Familie au. deren .Mitglieder als Musiker hohes Ansehen genossen. Rudolf Cohn selber war ein theoretisch wie praktisch hochgebildeter Pianist und Musiktheoretiker. Der Verstorbene beherrschte das gesamte Klavierwerk Max Regers und brachte es noch nach seiner Ali ja in Jerusalem und später in den Mosehawoth zum Vortrag. IJeberhaupt war Professor Cohn bis in die letzten Jahre seines Lebens hinein von einer bewundernswürdigen musikalischen Aktivität: er versorgte die Musiksammlung der Universitätsbibliothek mit wertvollen Büchern und Noten aus seiner reichhaltigen Privatsammlung lind gab zahlreiche Konzerte. Es war immer ein Vergnügen, mit dem alten Herrn zu musizieren und Gespräche über Musik zu führen. Dabei war die AettBerungsform dieser liebenswerten Musikernatur immer bescheiden und zurückhaltend — gerade dadurch trat die Funöiertheit besonders in Erscheinung, ln den letzten Jahren seines Lebens begann Rudolf Cohn sich immer mehr auch der jüdisehen Musik zuzuwenden: neben Werken von Bach, Reger und Beethoven brachte er auch neue jüdische Klavier- und Kammermusik zum Vortrag, Er hatte für dieses Gebiet eine gute Tradition: sein Vater war der Kantor Herrmann Cohn in Königsberg. Wir nehmen mit großer Trauer Abschied von dieser feinsinnigen Musikergestalt. Alice Jacob-Loewenson Vorträge in Jerusalem. Trotz. Krise und Curfcw bcsteht die .Jüdisch-Theologische Gesprächsrunde“ in Jerusalem schon das zweite Jahr. Schalom Ben Chorin hat sie ins Leben gerufen und ist bemüht, in Themen von großem Umfang und Geweht den Zusammenhang neuer jüdischer Theologie mit den Ford'-rungeii der Zeit darzulegen. So hat die ,,Runde“ dieses Jahr Hermann Cohen, Oskar Goldberg, Soeren Kierkegaard und A. D. Oorrlon durch Vorträge und Diskussionen zu deuten versucht. B׳n Chor!״ selbst beschloß die Abende dieses Sommers mit einem Vorfrag über Max Brods ״Heidentum, Christentum, Judentum.“ . Heinz Politzer ״Jugand-Alija“ aus Deutschland im Moschaw Was sind Moschawim? Es ist nicht überflüssig, die Frage vorweg zu streifen. Die Kwuzoth, die mit Hilfe der nationalen jüdischen Fonds nach dem Kriege geschaffenen Siedlungen wie Bctli Alfa, Ejn Charod, Giwath Brenner, hatte die Entwicklung unseres Aufbauwerkes neben den großen ,,alten" Kolonien entstellen lassen, den Mosch awoth vom Schlage Rechowoths und Chcderas. Zwischen die gemeinwirtschaftlich betriebene Kwuza und die Moschawa, die statt nach solchen ״kollektivistischen“ Grundsätzen völlig auf dem Fundament privaten Fleißes und Gewinnstrebens errichtet ist, trat in denselben Jahren, in denen Ejn Charod und lieth Alfa mit der ״Eroberung des Etnek“ entstanden, der Moschaw Owdini als Siedlung von ,,Einzelbauernwirtschaften mit genossenschaftlichen! Zusammenschluß“ (Adolf Boehrtt). Von den kolonisatorischen Gemeinschaften des Chaluz übernahm dieser Siedluugstyp den Gedanken weitreichender gegenseitiger Hilfe, den einzelnen Bauern aber verstand er, nach dem Vorbild der jüdischen Pflanzer und Weinbergbesitzer in den alten Kolonien Judäas und des Galt!, unmittclbar an seinen Hof, seinen Landbesitz ztr fesseln. Nahalal, das berühmte ,,Runddorf“ im Jesreeltal, schuf auf dieser Grundlage in den anderthalb Jahrzehnten seines Bestehens Menschen, die ebenso ihren Bauernhof und ihr Feld zu lieben und zu pflegen, wie für ihre IDorfgemeinschaft einzustehen wissen. Das gleiche gute Ergebnis hat die Entwicklung der übrigen, kleineren und jüngeren Moschawim — Mosclme Owdim — schon lieute gezeitigt: den sei- 11er Scholle verbundenen palästinensisch-jüdischen Bauern. Konnte man daran Vorbeigehen, als es vor einem Jahrfünft notwendig wurde, die Hunderte und Tausende jüdischer Jungen und Mädchen aus Deutschland, die als Jugend- A1 i j a seit 1933 nach Palästina kamen, auf dem Lande zu verwurzeln? Schwierigkeiten des Anfangs Dennoch wurde in Moschawim nur ein Bruchteil dieser Jugend untergebracht, ln den vier Jahren, die seit dem Einsetzen dieser Jugend-Aiija bis heute verflossen sind, beendeten 1045 ihrer Angehörigen die vorgescltriebene palästinensische Zweijahres-Fiachschara. Darunter fanden sich nur 50, die diese Zeit in einem Moschaw Owdim (Nahalal) verbracht hatten. Und von den weiteren 1139 Jungen und Mädchen aus Deutschland, die sich zur Zeit noch in ihrer Haehschara befinden, leben nur SO im Moschaw: 50 itt Kfar Jehoschua und 30 in Ssde Jaakob, einer von gesetzestreuen Kreisen geschaffenen Siedlung. Insgesamt hundertdreißig Jugendliche dieser Alija-Bewegung im Moschaw — keine überwältigende Ziffer, gewiß! Auch, wenn man den Plan berücksichtigt, in der allernächsten Zeit, während der kommenden Monate dieses Sommers, weitere 50 Mitglieder der Jugend-Aiija nach ihrem Eintreffen in Palästina zur Haehschara in das schöne Kfar Jecheskicl zu bringen, den zweitgrößten Moschaw Owdiin Erez Israels, verbessert sich das zahlenmäßige Ergebnis kaum. Hinzu tritt eine zweite, auf den ersten Blick nicht minder auffallende, ja, befremdende Tatsache: seitdem die Organisation der Jugend-Aiija ins Leben getreten war, vergingen mehr als zwei Jahre, bevor der Moschaw Owdim als Stätte der allgemeinen und fachlichen Einordnung dieser jungen Einwanderer an die Seite der Kwuzoth trat, in die sich ihre übergroße Mehrheit begab. Die Jugcnd-Alija-Gruppe in Nahalal begann ihre ,,Lehrzeit“, die sie gerade unlängst abgeschlossen hat, im Frühjahr, und die Gruppe in Ssdö Jaakob begann sie im August vor zwei Jahren, ln Kfar Jehoschua trafen die Fünfzig, die dorthin zur Haehschara eingeordnet worden waren, erst am 10. Januar dieses Jahres ein. Warum entschloß man sich erst so spät, und auch dann nur in einem vergleichsweise so bedauerlich engen Rahmen dazu, das dörfische Milieu des Moschaw׳ und die beispielgebende Kraft, die im bäuerlichen Tageswerk seiner Siedler liegt, für die Jugend-Aiija auszuwerten? Aus der Fülle der verschiedenen, zum guten Teil organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten, die sich der Sache zunächst entgegcustciltcn, .seien hier zwei genannt: Erstens. Als die Frage der Unterbringung der jungen Olim während ihrer Haehschara-Zeit in Palästina zuerst erörtert wurde, glaubten die für die Jugend-Aiija verantwortliehen Stellen — wenn nicht in Palästina, so doch in Deutschland — anfangs, daß diese Frage nur im Wege von Wohngemeinschaften in der Form etwa der althergebrachten Internate gelöst werden könne, ln der Kwuza war die Schaffung solcher Wohngemeinschaffen aus manchen Gründen der nächstliegende Weg, so fremd auclt der Gedanke von Internaten dem Kollektiv einer palästinensisch-jüdischen Chaluzsiedlung natürlich ist. Die Vertreter der Mos cha \v! m jedoch betonten, daß der gegebene Weg im Moschaw die Unterbringung der Anköm mlinge in den Familien der einzelnen Bauern sei; sie lehnten die andere Möglichkeit, besondere Internatshäuser zu bauen und Internatsbetriebe einzurichten, als im Widerspruch mit der dörfischen Atmosphäre ihrer Siedlungen ab. Mit vollem Recht! Die innige Verbindung mit den tagtäglichen Pflichten und Mühen, den Freuden und Sorgen des Bauernsiedlers, die erst das Leben in seinem Heim möglich machte, hat den mit der Jugend-Alijah Gekommenen viel stärker, als cs im Moschaw sonst möglich gewesen wäre, mit der Arbeit vertraut gemacht, die er zu lernen hatte, mit der hebräischen Sprache und überhaupt dem Ganzen, das man die Wirklichkeit Erez Israels nennt. Das lehrt die Erfalirung der beiden jetzt abgeschlossenen Ausbildungsjahrc in Nahalal. ebenso wie das bisherige, gleichermaßen erfreuliehe Ergebnis in Kfar Jehoschua. (Lediglich in Ssdö Jaakob wurde besonderer örtlicher Bedingungen halber der andere internatsmäßige Weg der Unterbringung der Jugendliehen gewählt.) Zweitens. Zu dieser einen Schwierigkeit, die leider erst nach dem Hin und Her zweijähriger Verhandlungen beseitigt werden konnte, trat von der Seite der jungen Olim her anfänglich die Neigung, für die Jahre ihrer Haehschara im Lande — von Plänen für die spätere Zukunft zu sehvveigen — aus gewissen grundsätzlichen Vorstellungen der K w 11 z a d e n ’ V ס r z 11 g vor den Moscltwe Owdim zu geben. Die Mitglieder der Jugend-Aiija kamen zu ihrem vielleicht bedeutendsten Teil aus jener zionistischen Jugendbewegung in Deutschland, die das fdeal des chaluzischen Lebens in der Kwuza auf ihre Fahne geschrieben hatte; in ihren Bünden hatten sie gelernt, Zionismus und dieses Leben in solchem Maße gleichzusetzen, daß sich gerade ihre Besten, oft die Menschen mit der größten Aktivität tmd dem entsprechenden Einfluß auf die Altersgenossen, ihre persönliche Zukunft außerhalb der Kwuza gar nicht vorzustellen vermochten. Die Stimmung weiter Teile dieser Jugend war mit anderen Worten, wenn nicht ״moschaw-feindlich“, .so «loch von einer charakteristischen Gleichgültigkeit gegen die Siedlungsform der Moschawim getragen; und es dauerte seine Zeit, bis besonnene und der Wirklichkeit des Landes stärker verbundene Freunde der Sache, die dieser Stimmung entgegentraten, ihrem Einfluß Geltung verschufen. Erst der besuch, den eiri Vertreter des Verbandes der Moschawim, Zwi Jchuda, einer der Gründer Nahalals, den für die Jugend-Aiija verantwortlichen und an ihrem Werk interessierten Kreisen der Zionisten Deutschlands bzw. der Jüdischen Jugendhilfe und der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Aiija in Berlin im Sommer des Jahres 1935 abstattete, beseitigte ebenso die in jener Stimmung entstandene Schwierigkeit wie das Bedenken, die Jungen und Mädchen anders als in intcrnatsähnüclier Form unterzubringen. Gemeinschaftlich wurden danach von Miß Henrictta Szold als der Leiterin der bei der Jewish Agency bestehenden ,,Jugend- Alija-Abteilung“, von der Deutschen Abteilung der Agency, den Vertretern der Jugend-Alija-Bewegung in Deutschland und vom Verband der Moschawim die Richtlinien festgesetzt, nach denen sich die Haehschara dieser Jugendgruppen seitdem vollzieht. Ungefähr die Hälfte der Werktage ist dem Schulunterricht gewidmet, die andere Hälfte des Tages der Arbeit auf dem Feld, in der Orangenplantage, dem Weinberg-, dem Kuhstall und Hühnerstall, dem Fiof der Wirt- Schaft des Bauern, bei dein der Einzelne lebt. Um geeignete Räume für den Schulunterricht zu schaffen, wurden in den drei Orten Nahalal, Ssdc Jaakob und Kfar Jehoschua Schulhäuser — gute, zweckvoll ausgestattete Beton* bauten — errichtet, die Arbeitersiedlungsgesetlschaft ״Nir“ gab den Moschwe Owdim zum Bau dieser Häuser, die im Besitz der Siedler bleiben werden, auf zwölf Jahre Darlehen, deren Zinsen niedrig bemessen wurden und zum Teil überdies von der Deutschen Abteilung der Jewish Agency bzw. dem mit ihr eng zusammenwirkenden Jugend-Alija-Amt Frau Szolds gedeckt werden. Aus den gleichen Fonds werden an die Siedler, in deren Häusern die Jungen und Mädchen lebe«, Unterhaltskosten gezahlt: im ersten Haehschara-Jahr drei Pfund je Monat und Jugend-Ole, im zweiten Monat — zweieinhalbes Pfund. Diese Zahlungen decken sämtliche Kosten und Auslagen; von der Verpflegung bis zur Wäsche und den Betrügen zur bekannten palästinensisch-jüdischen Gewerkschafls-Krankcnkasse. der Kuppath Cholim. hei der jeder Jugendliehe durch ,,seinen“ Bauern anzumelden ist. So wurde der äußere Rahmen festgelegt. Und das Belspiel Nahalals zeigt jetzt, da die dorthin gegangene Gruppe das Lfoppeljahr ihrer Haehschara soeben beendet hat, wie groß die erziehlichen Erfolge und die .Ergebnisse der landwirtschaftlichen Fachausbildung sind, die in diesem Rahmen erreicht werden konnten. Nahalal — ein Beispiel Die fünfzig Jungen und Mädchen, Fünfzehn-, Sechzeh«־, Siebzehnjährige stellten, als sie im Frühjahr vor zwei Jahren in Nahalal eintrafen, keinen in sich geschlossenen Kreis herartwachsender Menschen dar. Ein Teil kam aus Deutschland, ein anderer aus Frankreich; Schwierigkeiten der sprachliehen Verständigung erschwerten das gegenseitige Sich- Kennenlernen, solange die Gruppe noch nicht begonnen hatte, sich zu hebraisieren. Meinungsverschiedenheiten . grundsätzliehet Natur unter den Ankömmlingen traten hinzu: denn einige von ihnen kamen aus dem ״Haschomer Hazair“ und suchten dieser zionistischen Jugendbewegung neue Freunde zu werben. Angesichts dessen stand der von der Kolonistenleitung Nahalals eingesetzte Dreierausschuß, dessen Aufgabe die Betreuung der Jugendlichen war, vor keiner leichten Aufgabe. Als die Alija-Gruppe hebräisch zu sprechen begann, verwischten sich zunächst die ,,landsmannschaftlichen“ Gegensätze. Es blieben zwar die innerzionistischen Trennungslinier, zu denen die Mitgliedschaft in den verschiedenen Jugendverbänden den Grund schon in Deutschland oder Frankreich gelegt hatte; doch der Hang zur ״Politisierung“, den der Dreierausschuß vom ersten Tage an bekämpft hatte, verminderte sich nach und nach. Die jungen Menschen kamen sich näher und näherten sich — was mindestens ebenso wichtig war — auch der ortsansässigen Dorfjugend, an deren Schabbath-Fcststunden, Sportveranstaltungen usw. sie bald teilzunehmen begannen. Der Schulunterricht umfaßte in den beiden Jahren ebenso alle in Betracht kommenden jüdischen Fächer (von jüdischer Volksgeschichte und der Lektüre biblischer Stoffe bis zur modernen hebräischen Literatur) wie allgemein-bil* dungsmäßige, und voran naturwissenschaftliche Themen (Biologie, Darwinismus, Elektrizität, Atomlehre!), und natürlich die Disziplinen der Zoologie, Botanik, theoretischen Land- Wirtschaftskunde, des Gartenbaus,1 der Imkerei, Vieh- und Geflügelzucht, der landwirtschaftlichen Betriebslehre und Agrarchemie, die Probleme der Fragen des Absatzes landwirtschaftlicher Produkte usw. Hauswirtschaftliche Unterrichtung trat für die Mädchen in der Form von Schneiderei- und Kochkursen hinzu. Eine gewichtige Rolle spielte der Sport, den Geländeübungen belebten und Kurse für Erste Hilfe (bei Unglücksfällen) ergänzten. Die Schuldisziplin ließ während des Unterrichts, der je nach den pädagogischen Erfordernissen in zwei oder gelegentlich in drei Klassen gegeben wurde, im allgemeinen nicht das Mindeste zu wünschen übrig. Ein günstiges Bild! Doch dieser schulmäßigen Wissens- Vermittlung lief das ausgezeichnete fachliche Können parallel, das sich die Jungen und Mädchen im Feld, Hof und Garten der Bauernfamilien, in deren Mitte sie lebten, während dieser zwei Jahre erwarben. Sie lernten arbeiten; bessere Lehrmeister als die Kolonisten, mit denen sie arbeiteten, ließen sich nicht denken. Nach wenigen Monaten bereits betrachteten sie die Bauernwirtschaft, deren Besitzer ihr Instruktor, Vormund, ,.Pensionsvater“ und Freund in einem geworden vvar, häufig allen Ernstes als ״ihren Betrieb“ — in solchem Maße begannen sic sich für sein Gedeihen verantwortlich zu fühlen! Ja, sie wurden in der kurzen Spanne jener zwei Jahre Kinder Nahalals, gleich den im Orte Aufgewachsenen, ihren neuen, gleichaltrigen Freunden und Gefährten, brennend am Lehen und Wirken des Moschaw interessiert, gesund und kräftig, arbeitsfroh und der. Zukunft vertrauend gleich den Söhnen und Töchtern der Siedler... Der Teil der Jugend-Olim Nahalals, der aus den Kreisen des ״Hasehomer Hazair“ hervorgegangen war, steht jetzt, nach dem Abschluß der Haehschara, itn Begriff., sich in Maabaroth, einer Kwuza des ״Haschomer Hazair“ im Süden Chederas, ansässig zu machen. Mehr jedoch als die Hälfte der Nahalaler Jupend-Alija-Gruppe, 27 Jungen und Mädchen, werden die gemeinsame Bewirtschaftung der Stock sehen Farm bei Nahalal übernehmen, die die Bauern des be.nachharten ,,Runddorfes“ die Siedler Nahalals, eigens zu diesem Zwecke dem Inhaber, einem Zionisten aus Triest, für die Dauer mehrerer Jahre abgepachtet haben. Dort werden sie sog. ״Hilfswirtschaften“ errichten und sich die dabei erforderliehen zusätzlichen Gcldvcrdicnstc durch die Ucbernahme von Arbeitsaufträgen im Lohn- bzw־. Akkordverhältnis in der Umgegend ihrer Farm sichern. Die Bauern Nahalals werden ihnen, den Jungen, mit förderndem Rat und, wo es not tut, tätiger Hilfe auch fernerhin zur Seite stehen. Sie, die ״Alten“, fühlen sieh dieser Jugend dauerhaft verbunden, als sei sie ״ein Stück von ihnen“. Sie wurde ein ״Sfück von ihnen“ — ein Stück Nahalal. H a r N e c h 0, Tel Awiw (Schluß des PalMstina-Teils)

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