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Jüdische Rundschau · 1938-08-16 · Heft 65 (16.8.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 65 (16.8.1938)
Date
1938-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 65, 16. VIII. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Kunst als Jude zu leben Neue Probleme in Uebersee Schon vor vielen Jahren hat ein jüdischer Schriftsteller ein Buch über dieses Thema geschrieben — ein Thema, das so alt ist, wie die Zerstreuung der Juden über die Welt, das in jeder Generation neue Gesichtspunkte annimmt. Die Kunst, in der Welt ,als Jude zu bestellen, Erfolg zu haben und für die jüdische Gesamtheit positiv zu wirken, muß von jedem von uns geübt werden, der in die Welt hinauszieht. Und es ist verständlich, dali es mancherlei Mißverstandnisse und Streitpunkte in dieser Hinsicht gibt, die noch nicht endgiihig geklärt sind. Sehr viel kommt darauf an, wie jüdische Menschen, die in überseeische Länder kommen, von der dortigen Umwelt beurteilt werden; hängt doch von diesem Urteil zum guten Teil die Bereitschaft ab, weitere Einwanderer aiifzunehmen, um ihnen einen Platz in der dortigen Wirtschaft lind Gesellschaft zu geben. Sicher ist es im Allgemeinen so, daß in jenen Ländern eine starke Abneigung dagegen bestellt, daß die Einwanderer krampfhaft alles nach ah men, was sie in einer neuen Umgebung sehen; nichts dürfte so heftig abgelehnt werden, wie der Versuch, so zu tun, als ob man in der neuen Heimat mehr zu Hause sei als der Alteingesessene. Eine solche Haltung wirkt nicht nur unschön, sondern muß — mit Recht — den Widerstand der Bcvölkerung wachrufen, die sich in ihren Rechten bedroht fühlt. Auf der anderen Seite aber sieht man es oft nicht gern, wenn sich Einwanderergruppen im eigenen Kreise abkapscln, zur Umwelt nur den notdürftigsten Kontakt, der aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist, suchen und so als ein Fremdkörper empfunden werden. Hiergegen ist man in vielen überseeischen Ländern sein־ empfindlich, bemüht man sich doch in ihnen vielfach, ein eigenes NationalbewuBtsein zu schaffen und die aus vielen Quellen ziisammengeströmte Bevölkerung einheitlichen formenden Krähen zu unterwerfen. Man verlangt, wie es in manchen Reden und auch in gesetzliehen Bestimmungen ausgedrückt worden ist, daß die neu ins Land kommenden Menschen anpassungsfähig sind und sich loyal in die Volksgemeinschaft cinordnen. Beispiele hierfür boten in der letzten Zeit Südafrika und auch südamerikanische Länder. Man will gewiß keine Renegaten, die ihre Vergangenheit abschwören, keine ,,Marannen“, die sich unter fremder Maske verbergen, aber man wünscht zugleich keine Menschen und Mcuschcngruppen, deren Existenz in der neuen Heimat gleichsam ,.auf Abruf“ gestellt ist. Wer in überseeische Länder kommt, der soll mit dem vollen Recht, das ihm in der neuen Umgebung geboten wird, auch die volle Pflicht auf sieh nehmen, die die Verbundenheit mit dem Lande ihm aulerlegt. Dies bedeutet, daß der neue Einwanderer sich den Sitten des Landes, der äußeren Art des dortigen Lebens und auch seinem inneren Rhythmus allmählich eingliedert, daß er lernt, wie die Umgebung sich verhält und bewegt, und daß er jenes, was die dortige Tradition geschaffen hat, sich und seinen Kindern in einem gewiß nicht zu überstürzenden, aber doch bemerkbaren Prozeß aneignet. Die Erfahrung zeigt, daß ein solcher Vorgang möglich ist, ja daß gerade jüdische Einwanderer überall ein mit ihrer neuen Heimat besonders eng verbundenes Bcvölkcrungselemcnt darstellen, besteht doch für sie infolge der Verhältnisse in Europa zumeist keinerlei Möglichkeit der Rückwanderung. Die Juden sind in den Vereinigten Staaten zu wirklichen Amerikanern geworden, deren Lebensstil und Lebcnsrhythmus, deren Begriffe und Ideale mit denen des amerikanischen Volkes übcrcinstimmen, und zugleich sind diese Menschen in ihrem Bewußtsein Juden geblieben, wie sic auch von der Unweit als Juden betrachtet werden. Gewiß ist iltr Judentum stark verdünnt, aber dennoch stellt es, was wir gerade in der heutigen jüdischen Weltkrise sehen, einen wichtigen Faktor des jüdischen Gesamtbcwußtseins dar. Und ähnlich liegen die Dinge in Südafrika, wo fast alle Juden Zionisten sind, d. h. sich mit der praktischen Aufbauarbeit in Palästina aufs engste verbunden fühlen und dies durch die Tat beweisen, und wo sic* dennoch zugleich als Südafrikaner existieren. Die Konsequenz hieraus ist die Forderung, daß jeder jüdische Mensch, der aus unserem Kreise in die Welt hinauszieht, einen so guten F tm d u s an jüdischer S u b s t a n z, jüdischem Wissen und Bewußtsein mit sich hinausnimmt, wie es nur möglich ist. Vieles wird davon draußen trotz allem guten Willen verloren gehen, und wir werden in mancher Hinsicht schlechter bestehen, als die Menschen aus dem europäischen Osten, die jene überseeischen Juden baten begründeten und trotz der notwendigen Eingliederung in die Lebensverhältnisse der Umwelt sehr viel von ihren Judentum bewahrten, weil sie aus Europa einen umftngreichen und lebensvollen jüdischen Geistesbesitz mitbrarhten. Zugleich aber tut es not, mit offenen Augen und offnem Herzen die neue Welt zu erleben, manche allzu scheuatischcn Begriffe, die wir aus dem jüdisehen Leben in Euopa gewohnt sind, zu korrigieren, um den rechten Weg zu firJen zwischen dem, was für unsere niensehliehe Würde gefäWich wäre, und jenem, was unser Einleben in der neuen Untfcbung erschweren könnte. Innere W rd e tut dabei not, die im Eigenen wurzelt und uns stets al das in der Welt erscheinen läßt, was wir sind, nämlich als Jude ri, so daß Erscheinungen der Tarnung, die gelegentlich zu beobachetn waren, unmöglich w־rden. Auf der anderen Seite . ist es gewiß verstädlich, aber nicht unbedenklich, wenn — wie es manchma versucht wird — die Formen des Gem e i ת d e! e> e 11 s, die wir von hier gewohnt sind, einfach mit hinausgnoinmen und draußen unter ganz anderen Bcdingungen rncuert werden. Wohl können gerade Juden aus Dcutschlau! sehr viel Positives dazu tun, um das jüdische Leben in den überseeischen Ländern zu vertiefen, auch in organintorischcr Hinsicht, aber cs kann nicht geleugnet werden, aß die unveränderte Ucbcmalune der Organisationsformen ud Arbeitsinhalte aus Europa vielleicht nicht immer der rech* Weg hierzu ist. Würde man sie aufrecht erhalten, so würde cts den Verschmelzungsproezß mit den einheimischen Judenluten jener Länder außerordentlich erschweren. Dieser aber is erforderlich, nicht zuletzt deshalb, weil wir glauben, daß v1׳e unserer Auswanderer wichtige Funktionen im *allgemcien jüdischen Leben jener Länder erfüllen können. Niemüd wünscht ja auch, daß sich unsere Menschen fm ofeuen Kreise gesellschaftlich isolieren und dadurch den Konfkt zum Lehen der Umwelt mir schwer finden. Es ist sich־ begreiflich, daß die neu Eingewandertcn sich in lieberseeuisammeiischließen und in ihrer Sprache und in den ihnen ״Wissen, was man will“ Berufsarbeit in Buenos Aires BuenosAires, im August Nach und nach begegnet man in Buenos Aires immer wieder den ,,alten“ Bekannten aus den europäischen Komitees und Reisebüros, mit denen man zusammen in einer langen Schlange stand. Nach und nach gestaltet sieh ihr Leben auf dem neuen Kontinent, beginnt es feste Formen anzunelinicn. Unser früherer Butterlieferant aus Amsterdam bringt uns jetzt in Buenos Aires regelmäßig die Wurst. Butter gehört liier zu den täglichen Gebrauchsartikeln, bei denen man genau ־so wenig verdient wie bei Brot, Zucker. Fleisch, Gemüse und andern wichtigen Lebensmitteln. Wurst ist ein guter Artikel in Buenos Aires. Wer gut Wurst hcrzustcllen verstellt, dazu die Erlaubnis bekommt und genügend Kapital besitzt, um sich eine vorschriftsmäßige Fabrik einznriclitcn, der kann hier ohne Zweifel vorankommen. Es gibt Wurstfabrikanten, welche in der Zeit von Mai bis November soviel verdienen, daß sie vom Dezember bis April die Räume für Eisfabrikation vermieten können und vom gesparten Geld nur einen Teil für ein sorgenloses Sommerleben ausgeben. Aber nur einzelnen der früheren Händler und Hausierer gelang es, hier ihre alte Betätigung fortzusetzen. In Buenos Aires Kunden aufsuchen, ist mit viel Zeitverlust und großen Unkosten verbunden. Dem einen lohnt es sich nicht, weil er ein Drittel des Verdienstes verfahren muß, um die über der unendlichen Stadt verstreuten Bekannten und ״Empföhlenen“ aiifzusuchen, und dem andern mangelt es an den nötigen Sprachkeiintnissen. In der Hoffnung, es später einmal fortzusetzen, gehen sie vorläufig in die Fabriken. Diese Hoffnung beflügelt• manchen Einwanderer. ״Vorläufig“ ist ja ein relativer Begriff. Zufälle oder ein bißchen Glück spielen eine viel größere Rolle im Leben des Immigranten als alle festen Pläne und Hoffnungen. Wir kennen einen Anstreicher, welcher zwei Monate lang zur Untergrundbahn-Direktion lief, nachdem er sich drei Monate vergebens um die Eacharbeit bemüht hatte. Und als er endlich bei der Untergrundbahn Arbeit (and, erhielt er von einer Baufirma Bescheid, daß er anfaiigeil kann. Und da er min — gestutzt auf seinen Posten - sicher auftrat, hat er einen lahresvertrag bekommen. Mit einem Jahresvertrag in der fasche kann man viel unternehmen. Jeder muß wirklich wissen, was er will 11!1 11 was er kann. Unbedingte Festigkeit triumphiert. Wer nach Argentinien auswandern will, muß sich reiflich und überlegt die!־‘rage stellen: Was kann und was will ich? lös ist grundfalsch zu denken: Wenn ich drüben bin, habe ich genug Zeit zum Nachdenken! Nein: Hier hat man keine Zeit zu!11 Nachdenken. Und das Nachdenken und viele Ueberlegen selbst ermüdet den Ankömmling. Es gibt hier zu Lande sehr viele Auffassungen, w elche dem Europäer seltsam, ja sogar komisch erscheinen, denen er aber unbedingt Rechnung tragen muß. Im allgemeinen wird mehr gearbeitet als gehandelt. Viele sind Arbeiter und Händler zugleich. I )ic Letzteren stehen sich am besten. Es sind kleine, selbständige Handwerker, die gleichzeitig selbst ihre Produktion verkaufen. Ls sind meist solche Handwerker und Facharbeiter, die bei geringelt Unkosten selbständig arbeiten können, Kleiiiniöbel-Schreiner, Polsterer, Drechsler, Ulinnacher, Schäftunachcr, Schirmmachcr, Kappenmaehcr und andere mehr. Sie stellen sich nicht schlecht. G e I d ohne Facharbeit und -kenntnisse spielt in Buenos Aires eine ebenso grolle Rolle wie Fachkenntmsse ohne Gehl, oft aber auch eine• größere. 1)11111 mit Gehl kann man hier alles beginnen, mit l'aehkeiintnissen aber nie hl immer selbständig. Gute Fachleute müssen sich in Europa Kapitalisten suchen und umgekehrt. Wer Geld und I aelikeniitiusse Iresitzt, der kann sich hier eine sichere Emmen/ aufbaueu. Doch zum Geld und Fach gehört nueh die Sprache. Damm: Lernt spanisch! Mo-es 1( :11 z Reise nach Australien Sydney-Bon di, 10. Juli Att einem glühendheißen Tage traten wir unsere Reise in Marseille an. Wir hatten auch dort beim Komitee zu tun, das außergewöhnlich hilfsbereit war. Als wir morgens hinkamen, waren ca. 30 Leute versammelt, die die Absicht hatten, nach Südamerika wcitcrzinvandern. Nach zweitägiger Schiffsrcisc erreichten wir das färbenprächtige Algier, die erste orientalische Stadt. Die wenigen Juden, die nach 1933 nach Algier gekommen sind, haben Geschäfte gegründet. Es geht ihnen zum größten Teil gut. Die alteingesessenen Juden bilden allerdings wie fast überall einen Kreis für sieh, doch besteht das Bestreben, die neuen Juden möglichst einzuordnen. Nun ging unsere Reise weiter nach Point ä Pitre (Guadeloupe) und Fort de France (Martinique). Hierhin sind wohl kaum Juden gegangen. Bis löS'J lebten einige Tausend Juden dort, die damals auf Anordnung der französischen Regierung das Land verlassen mußten. In Martinique wurde diese Verordnung nicht so streng durchgeführt, so daß man dort noch wenige alteingesessene Familien finden kann. Wir trafen dort einen Herrn, der seif einem Jahr Westindien bereist. Auch er bestätigte uns, daß es dort kaum Juden gäbe. Wir kamen nun nach kurzer Fahrt nach C u r a g a o und machten einen Besuch hei dem dortigen Rabbiner, der aus Saloniki stammt, mehrere Semester in Deutsehlan-d studiert hat und gut Deutsch spricht. Er erzählte uns einige interessante Einzelheiten über das dortige jüdische Leben. Curaqao hat die älteste jüdische Gemeinde Amerikas, und zwar seit 1630. Es besteht noch eine ältere Gemeinde, und zwar die von Rio de Janeiro, doch lebten dort 200 Jahre lang gar keine Juden, so daß Cura^ao als die älteste Gemeinde gilt. Dort ist auch aas dem 17. Jahrhundert ein Friedhof erhalten geblieben, dessen Inschriften zwar etwas verwischt sind, der aber noch sehr interessant ist. Außerdem gibt es eine alte und neue Synagoge. Von den ca. 7000 Weißen, die dort wohnen, sind 730 luden. Gail/ (,inaeio hat eine Einwohnerschaft von ca. 00090 Menschen. 1' >ic alteingesessenen Juden stammen aus Portugal. In 11111־ letzten Jahren sind auch eine Anzahl Aschkenasim aus Poleii cmgewamlert, die sieh meist geschäftlich betätigen.!)ic Juden sind dort besonders bei den!׳,.ingeborene 11. Gurayao gilt als d:c wohl- ]labendste Gemeinde Mitti lanierikas und wird an Größe nur von Havanna übertroffen. I ine wie!große Rolle die Juden dort spielen, geht am besten daraus hervor, daß eine Reihe von Ländern (England, Frankreich, Spanien, Portugal, Schweden usw.) jüdische Konsuln haben. Der Handelskammerpräsideiit war bis vor kur/cm ebenfalls ein Jude, doch lehnte er bei der letzten Wahl das Amt ab. Der Rabbiner sagte uns, daß er seine Predigten in der Synagoge 111 Spanisch hielte, da diese Sprache dort am meisten gesprechen wurde, obwohl Curatpo eine holländische Kolonie ist. Nun ging unsere Fahrt weiter an Vene/tiela vorbei. In Colon (Panama-Kanal-Zone), wohl dem heißesten Ort unserer Reise, sollen ca. 25 Juden wohnen, die aber kaum eine Rolle spielen. Weiter ging es — 14 Tage nur Himmel und Meer — nach Tahiti, dem Südseeparadies. Und wirklich, es ist so schön, daß man es gesehen haben um fl, Worte reichen nicht aus, es zu beschreiben. Wir lernten dort eine holländisch-jüdische Familie kennen, die seit ca. einem Jahr dort wohnt umd sieh sehr glücklich fühlt. Natürlich 11׳ et et Tahiti kulturell wenig; man ist auf die Zeitungen und Bücher angewiesen, die aber auch mir mit dem Schiff kommen, da dort kein Luftpostverkehr besteht. Nach viel zu kurzem Aufenthalt von lh Tagen ging die Fahrt weiter nach Suva (Fidschi-Inseln) und Port Vila (Neue Hebriden); in Suva, das eine sehr saubere und gepflegte Stadt ist, leben einige Juden, die sich im Handel betätigen und denen cs sehr gut geht. Nach einigen Tagen erreichten wir Noiimea auf Neii-Kaledonicn, wo wir acht Tage blieben, bis uns ein anderes Schiff nach Sydney brachte. Heinz üumbert vertrauten Formen miteinander verkehren. Sehr viel nützliche Arbeit kann hierbei geleistet werden, insbesondere auf sozialein Gebiete. All das aber soll nur eine Uebergangsmaß nähme sein — und wird wohl von den Trägern dieser Arbeit auch so aufgefaßt —, um den neu Aiikonituenden den Zugang zum jüdischen und allgemeinen Leben der Umwelt zu erleichtern. Auf eines sei in diesem Zusammenhänge noch hingewiesen: Das ist die Rolle, die der Zionismus in manchen jener überseeischen Länder spielt. 111 Südafrika z. B. ist jeder Jude mit Selbstverständlichkeit Zionist (siehe den heute abgedruckten Brief eines Lesers aus Südafrika). Auch in USA. ist eine Art von Zionismus unter den breiten jüdischen Massen vorhanden, ganz unabhängig von ihrer Einstellung zur Zionistischen Organisation und den Parteikämpfen im amerikanischen Judentum. Uns scheint, daß dieser Zionismus eine der wesentlichsten seelischen Stützen jüdischer Würde für die überseeischen Judenheiten ist. Gewiß erscheint er uns, die aus Europa unter den! Eindruck der Judenfrage klare Entscheidungen gewohnt sind, verschwommen und sentimental — aber verkennen wir nicht die Bedeutung dieser Sentimentalität sowohl für den materiellen Aufbau Palästinas wie auch für die Erhaltung der inneren Kraft jener jüdischen Gemeinschaften seihst! Neben dem religiösen Faktor (und teilweise ohne diesen) ist sie eine der stärksten imierjiidischen Bindungen, und es wäre gewiß verfehlt, wollte man sie durch abstrakte Ideologien ersetzen, die nicht der Wirklichkeit des jüdischen Lebens in Uebersee entsprechen. Auch auf diesem Gebiete wird der jüdische Auswanderer aus Deutschland manches um- bzw. hin/ulenien müssen. Daß hervorragende Exponenten aus diesen Ländern persönlich nach Palästina tendieren und dort wichtige Aufbauarbeit leisten, ja daß auch einzelne idealistische Chaluzgruppeil ans Uebersee am Aufbau tcilnehmcn und ihre jüdische Gemcinschaft repräsentieren, steht damit gewiß in keinem Wider- Spruch, handelt cs sich doch nicht um Massenbewegungen — die von keinem Einsichtigen erstrebt werden —, sondern gerade um bedeutsame Einzelleistungen. Es ist selhstvcrstündlich, daß die zionistische Gesinnung der Juden in Uebersec sic in keiner Weise daran hindert, auf allen Gebieten des Lebens ihrer. Umwelt loyal mitzuarbeiten. Das ist in dem wichtigsten Lande jüdischen Lebens in Uebersee — in USA. — auch oft genug von beiden Seiten, sowohl von jüdischer wie von mn lig; Iicn ic!■ nichtjüdischer, zum Ausdruck gebracht worden und wird eine Grundlage des jüdischen Lebens dort bleiben, wie immer die politischcn Entscheidungen in der Palästinafrage ausfnllcn werden. * Es ist ein schmaler Pfad, der in der Well draußen dem Juden geebnet ist, wenn er die .,Kunst, als Jude zu leben“ üben will: der Weg innerer inciiscltliciicr Wurde, die im Judentum wurzelt, und zugleich der loyale Versuch, den Erfordernissen der neuen t umreit, ihren berechtigten An- Sprüchen und ihren Idealen Genüge zu tun. Die auswandern-, den Juden stehen außer vor den materiellen und seelischen Aufgaben, die ihrer draußen warten, auch vor dieser, zu ihrem Teil den rechten Weg 711 gehen, um nicht abzuirren und damit sich seihst und dem jüdischen Volke verloren zu gehen, und um zugleich dem zu entsprechen, was die Länder und Völker, die ihnen gastlich die Tür öffnen, von ihnen erwarten. K. L. Kleine Nachrichten Der neuernanntc Direktor des ständigen Büros des intergouverncmentalcn Komitees, das in Evian geschaffen wurde, (ieorge R 11 h I e e, verließ am 10. August New York an Bord der ,,Queen Mary‘‘, um sein Amt in London;n1zutreten. Wie gemeldet wird, werden 25 jüdische Familien aus Deutschland im Staate Virgin n (USA.) in der Nähe von Richmond als Farmer augesiedelt werden. Rabbi Gold 111 a 11 11, der Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika, verbrachte drei Tage in Warscha 11, wo er mit Vertretern sämtlicher zionistischer Körperschaften und der jüdischen Presse zusainmentraf. Von Polen begab sich Rabbi Goldmann nach Palästina. Paolo Enrico Salem, der Bürgermeister von Triest, der Jude ist, hat seine Demission gegeben. Der Vi/ebiügcrincistcr wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Salem war mehrmals Bürgermeister von Triest. Nach einer Verfügung des Reichspostininisters dürfen arische Absender auf ihren Postwurfsendungen künftig durch den Zusatz ״nicht ״״ Juden'1 zum Ausdruck bringen, daß bei der Verteilung jüdische Empfänger unberücksichtigt bleiben sollen. Weiter wird verfügt, daß Anträgen vom jüdischen Absendern auf Zulassung zum W e r be a 11't wortverfahren nicht mehr zu entsprechen ist. Bereits erteilte Genehmigungen werden widerrufen. Im 67. Lebensjahr verschied der Chef der Bekannten "!1■ dapester Theateragentur, Dr. Alexander Mart 0 11.

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