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Jüdische Rundschau · 1938-08-16 · Heft 65 (16.8.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 65 (16.8.1938)
Date
1938-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65. 16. VIII. 1938 Jahre der Einordnung Als Einwanderer in Südafrika Aus dem interessanten Privalhrief eines Lesers geben wir nachfolgend einige Teile wieder, die zeigen, wie ausgewandertc Juden aus Deutschland sich in ihren Einwanderungsländern eine neue Existenz erkämpfen. Red. Johannesbur g. im Juli ... Wir haben es nicht bereut, daß wir erst nach Durban gegangen sind. Ich gebe gern zu, daß die ersten Tage in Durban nicht sehr schön waren. Wir gerieten in ein Hotel, das fast ausschließlich von Immigranten bewohnt war und in dem natürlich die typischen Immigranten-Unterhaltungen an der Tagesordnung waren, die ja einem Neuankömmling zunächst psychologisch sehr zusetzen. Von unseren Garanten, die in Durban eine sehr angesehene Stellung bekleiden, wurden wir sehr nett aufgenommen, was uns das Einleben bedeutend erleichterte. Was uns aber eine riesige Hilfe war, ist, daß wir beide verh ä 11 n i s rn ä ß i g gut englisch sprachen. Es ist wirklich unfaßbar, was sich viele von den Immigranten in dieser Hinsicht leisten: Nicht nur, daß sie sich vor ihrer Auswanderung kaum bemühen die Sprache ihres neuen Aufenthaltslaiidcs zu lernen, auch auf der Reise und nach der Ankunft wird in dieser Hinsicht kaum etwas unternommen. So gibt es hier immer noch Leute, die schon zwei Jahre und länger im Lande sind und sich kaum englisch verständigen können. Nicht etwa Handwerker, bei denen man sagen könnte, daß die Kenntnis der Landessprache nicht so unbedingt notwendig ist, wenn sie sonst in ihrem Fach etwas leisten, nein, Kaufieute, Reisende usw. sind darunter. Meistens sind sie dann noch!stolz darauf, wie ,,glänzend“ sie mit ihren Sprachkenntnissen und -Unkenntnissen auskommen. Ich kann jedem Auswanderer — und diese Tatsache hat sich bei vielen Bekannten von uns bewiesen — empfehlen, zu sehen, sich so viel wie möglich von der Landessprache anzueignen, und zwar so früh wie möglich, und sich nicht darauf zu verlassen, daß man die Sprache ja doch lernt, ״wenn man erst mal im Lande ist״. Das ist grundfalsch, man findet immer wieder, und das ist kein Zufall, daß Menschen, die sich in guten Stellungen befinden oder sonst eine gute Existenz haben, gut englisch sprechen. Feh bekam in der ersten Woche schon eine Stellung, und zwar als Buchhalter in einer Häuteexportfirma. Die Stellung war zwar nicht besonders interessant, die Arbeit war eintönig und bot kaum Chancen, irgendwie weiterzukommen, da das Geschäft ganz von den Chefs besorgt wurde, die also nur untergeordnete Hilfsarbeit brauchten. Aber es war doch ein Start, und es stellte einen starken psychologischen Antrieb dar, da man doch sah, daß man imstande war, eine wenn aucli bescheidene Anstellung auszufüllen. Auch meine Frau fand sehr schnell eine Stellung, da es für wirklich gelernte Schneiderinnen hier immer ein Auskommen gibt. Sie hätte ohne Mühe gleich selbständig zu arbeiten anfangen können und hätte sicherlich gut damit verdient. Sie hielt es aber für richtiger, zunächst einmal die Verhältnisse kennenzulernen, und nahm eine Stellung in einem Modesalon an. Durban liegt am Indischen Ozean In einem subtropischen Klima. Wir waren gerade in den Sommer hineingcraten, der dort wirklich mörderisch ist. Da meine Frau die Hitze schlecht vertragen konnte und da wir auch sahen, daß es für uns beide nur ein sehr langsames Vorwärtskommcn in Durban geben würde, entschlossen wir uns — nachdem wir ein halbes Jahr in Durban waren —, den Versuch in Johannesbürg zu machen. Meine Frau fand dort auch sehr, schnell eine Stellung, die ihr zusagte, nämlich als Direktrice in einer Kleiderfabrik. Nachdem sie also eine Stellung hatte, gab ich meine in Durban auf und kam auch nach Johannesburg, was mir gar nicht sehr angenehm war, denn ich nahm das Risiko aut mich, mich von meiner Frau erhalten lassen zu müssen, falls ich dort nichts finden würde. Und die Situation in Johannesburg mit seinen mehreren tausend jüdischen Immigranten ist natürlich viel schwieriger als in einem kleineren Ort wie Durban. Aber ich hatte Glück: nach etwa drei Wochen hatte ich eine Steilung, ohne das Committee in Anspruch zu nehmen, ohne Beziehungen, die sich für mich bemüht hätten. Und was noch erstaunlicher war, es war eine Stellung, die mir wie wenige gelegen hat. Ich kam bei der hiesigen Filiale eines großen Einzelhandelsgeschäftes unter. Ich arbeitete zunächst als Lohnbuchhalter, ich hatte die Bücher lind Konten für etwa 300 weiße Angestellte und 100 Neger zu führen und die Gehälter auszuzahlen, was hier wöchentlich geschielit. Seit dieser Zeit habe ich aber meine Stellung weiter ausbaueit können, so daß ich heute etwa Personalche) bin. Ich engagiere selbständig die Angestellten, entlasse auch, wenn es nötig ist, und habe vollständig die Kontrolle über das Personal. Daneben habe ich auch —und hierbei kamen mir meine europäischen Kenntnisse sehr zugute — eine kleine statistische Abteilung ganz selbständig aufhaucn können, die zwar noch sehr bescheiden ist, aber doch einen Erfolg darstcllt, da man hier so etwas bisher nicht kannte und auch zunächst ziemlich dagegen eingestellt war. Ich kann nur sagen, daß ich mich in meiner Stellung ausgesprochen wohl fühle. Nun dürfen Sie nicht glauben, daß sich der Existenzkampf hier bei bei allen so einfach vollzieht. Ich habe wirklich Glück gellabt, ich hätte aber diese Steilung bestimmt nie bekommen, wenn nicht mein Englisch verhältnismäßig gut gewesen wäre. Jedenfalls gibt es liier in Johannesburg eine Reihe von jüdischen Immigranten, die sich sehr plagen müssen, einer ganzen Anzahl geht es sogar sehr schlecht, und es gibt nur einen ganz kleinen Kreis, der sich wirklich eine Existenz, d. h. eine gewisse Zukunft, geschaffen hat. Sehr erleichtert wurde uns das Einleben auch dadurch, daß wir eben zu zweit waren; das macht einen ganz ungeheuren Unterschied. Einige Worte über das zionistische Leben im Lande, •das einem aus Deutschland kommenden Zionisten zunächst etwas merkwürdig erscheinen muß. Das, was in Deutschland zunächst das zionistische Leben auszeichncte, die Gewinnung der Menschen für den Zionismus, das gibt es hier nicht. Jeder Jude ist hier eo ipso Zionist, vielleicht mit der unrühmlichen Ausnahme vieler Einwanderer aus Deutschland, von denen manche von betonter Gleichgültigkeit sind, andere von ausgesprochen antizionistischer Einstellung. Mit Recht wird den Einwanderern auch diese Einstellung von den eingesessenen Juden immer wieder vorgeworfen, lind cs wäre eine wichtige Aufgabe, in dieser Beziehung aufklärend und werbend auf den Immigranten aus Deutschland zu wirken. Von einer zionistischen Bildung, wie wir sie kennen, kann nicht die Red« sein. Man nimmt lebhaftes Interesse an der Entwicklung in Palästina, die jüdischen Zeitungen sind voll von Berichten von dort, es gibt viele Menschen, die bereits in Palästina waren, es herrscht eine lebendige Beziehung zmn Lande, aber es bestellt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum eine Bemühung, in den geistigen Gehalt und in die Werte des Zionismus einzudringen. Man ist Zionist, genau so wie man Jude ist, ohne sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen, indem man die fertige Tatsache hinnimmt. In einer Beziehung zeigen die südafrikanischen Juden sich allerdings von der besten Seite: das ist in bezug aiif ihre G e b e f r e 11 tf i g k e i t. Mit Sammlungen von kleinen Beiträgen gibt man sich dabei kaum ab, das erscheint den Leuten überflüssig! Eine KKL-Sammlung in Durban hat sich Max Weissler Berlin W,2״lKlei8tstr. 12 etwa folgendermaßen abgespielt: zwei, drei junge Leute setzen sich an einem Sonntagmorgen in ein Auto und nach 2—3 Stunden Arbeit haben sic ihre 1000 oder 2000 Pfund, zusammen. Bei einer Naehmittagssitzung der ׳zionistischen Frauenorgänisation, die zugunsten einer Sammlung stattfand, wurden 7000 Pfund (siebentausend!) gezeichnet. Man kann über eine zionistische Tätigkeit, die vorwiegend nur aus Geldgeben besteht, denken wie man will, wenn man aber in den letzten zwei Jahrzehnten auch in anderen Ländern so gehandelt hätte, würde es heute in Palästina wohl anders aussehen. Versuche z.u zionistischer Arbeit unter den Einwanderern aus Deutschland haben bisher nur zu sehr mageren Resultaten geführt. Immerhin stellte sich ein Kreis von Zionisten aus Deutschland für die Sehekelaktion zur Verfügung, und es wurde uns von seiten der Zionist Federation hoch angerech* net, daß wir uns an einer solchen Aktion beteiligten. (Uebrfgctis der Kuriosität halber: für solche Aktionen stehen keine Adrcssenlistcn zur Verfügung. Man gellt von Haus zu Haus und sucht sich alle Leute mit jüdischen Namen heraus, zu denen man dann geht.) Mit Rücksicht auf die Gründung der Zionist Societv, eines allgemeinen Forums zionistischer Aktivität, haben wir zunächst von weiterer Tätigkeit abgesehen. Sollte aber diese Gründung nicht unseren Erwartungen entsprechen, würden wir doch versuchen, die geistige Arbeit unter den Einwanderern aus Deutschland fortzusetzen, eine Idee, die übrigens aucli die volle Billigung der Zionist Federation findet. das Hausf.gaachmicKo. organisierte; es war Ussischkins Rayon. Und Ussischkin war es, der von allen Zionisten der damaligen Epoche am elementarsten nach Palästina drängte. Nicht am leidvoll:ten — das muß von der! Arbeitern der II. Alija gesagt werden, nicht mit der sachlichsten Ueberlegung und mit der gründlichsten Vorbereitung — dieses Prädikat gebührt Arthur Ruppin — aber am elementarsten, mit einer Kraft des Willens und der Vorstell ungsgabc, die aus ein paar hundert Pardessanim mul Arbeitern aus wenigen Kolonien einen Kongreß der palästinensischen jtidenheit zustande brachte, der kaum den Träumern das Bild eines zukünftigen großen jischuw geben konnte und doch, wenn man so will, die erste Vorstufe der Knesseth Jisrael war. Mit Weizmann und Sokolow stand er 1010 vor der Friedenskonferenz und vertrat das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina, in hebräischer Sprache. Er ging darin selbst ins Land, als Leiter der Zionist Commission, die damals, 1018 bis 1021, die Zionistische Organisation in Palästina vertrat, und wurde 1021 zum Vorsitzenden des Keren Kajemeth Lejisrael bestellt, des Bodenkaut-Eonds, der der großen Kolonisation die Grundlage zu schaffen hat. In diesen! Amt wirkt er bis heute, und wer du reit Palästina fährt, muß fast überall seine Arbeit selten. Wer heute durch Lj 11 Charod, Bcth Alpha, Tel Jossef geht und staunend sieht, was jn 17 Jahren dort geworden ist, der muß wissen: Ussischkin hat diesen Boden gekauft, noch bevor der Zionistenkongreß diesen Kauf gutgeheißen hat. Wer im Emek Ctiefer von Siedlung zu Siedlung kommt, der soll erfahren, daß Ussischkin 1923 nach Kanada fuhr, um von den dortigen Zionisten das Geld zum Kauf zu bekommen. Unmöglich alles auf zu zäh len: die Leistung des stämmigen Mannes’ mit Er ist dem Walii-mmch seiner liinend treu geblieben: ״Nichts bestellt vor einem festen Willen'‘־. Line solche Persönlichkeit kann nicht ohne Ecken und legenhcit", " über politische Anschauungen zu diskutieren. In vielen, ja in lebenswichtigen Fragen naturgemäß Meimingswar in verschiedenen Stadien der zionistischen Geschichte selbst tunk;impft. Wir haben oft Gelegenheit gehallt zu beobachten, mit welch eigentümlicher Energie Ussischkin alle Ansprüche einer sich dauernd verändernden politischen Situation ablehnt und auf dem eigenen Standpunkt bcharrt. Aber wir wollen den (ihickwunsch, der von Herzen kommt, nicht mit Erörterungen beschweren, die der Stimmung des Jubiläums ferne sind. Die Verehrung fiir Ussischkins eigenwüchsige Natur, die Freude daran, daß wir ihn in unserer Mitte haben und hoffentlich noch lange, lange haben werden, die Dankbarkeit für das, was er getan hat und tut (nicht zuletzt für die Alija aus Deutschland), wird uns aucli im Alltag stets erfüllen. Was Kraft und Hingabe aucli unter schwierigsten Bedingungen vermögen, dafür ist Ussischkins Leben ein leuchtender Beweis. Kraft zu entfalten, Hingabe zu bewähren wird eine junge Generation aus seinem Vorbild lernen, W. O. Gemeinde-Tagung in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 10. August Am 7. August fand im Sitzungssaal der Israelitischen Kuitusgcmeinde Wien eine Tagung über Wnnderungsfragen statt, an der die Vertreter von 28 jüdischen G e tu e i!1 d e n O e s t c r r e i c 11 s tcilnahmen. Der Leiter der Kuitusgcmeinde, Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz, eröffnete die Tagung und erstattete einen allgemeinen Bericht Über das Auswandemngsproblein. Ueher die bestehenden Einwandennigsmögiichkcitcn berichtete der Leiter der Auxwanderungsabteihing der Kultusgemeinde, Amtsvorstand 1: 11 g e I. Anschließend an dieses Referat schilderte Abteilungsleiter Dr. Blauer die Tätigkeit der AuswanderungsribieiUmg. Von den rund 41 000 ausgege- Irenen Emigrationsbogen Kt ein Großteil bereits statistisch bearbeitet. Die Emigrationsgeseüschaft .,Huts־־ hatte 14 000 Fragebogen ausgegeben, von diesen wurden 6000 bereits paely New York weitergeleitet. 111 einigen hundert l allen ׳wirtschaftlichen Fragen befaßte, besprach der^ Referent der Beratungsstelle fiir I )rvisenange legenheifcn, Dr. Kapralik, Schluß referierten die Vertreter der einzelnen Gemeinden in kurzen Berichten über den AuswanderungsSiaiKi in ihrem Bereich. Die Kuitusgcmeinde wird ein Provnureferat im RGimn I,״, \ Am.eu.-dt um s 1,4!kn, Namens Kuitusgcmeinde G r n'z, Dr. *'s n 1: ״ c'inva 1 d, Dr. Vö w e\t~ - 1' e r z sowie den leitenden Berunten der Kultusgemeinde für ihre Tätigkeit. Vom 31. Juli bis zum 5. August ß)'U wurden in der Ausvandertmgsabteiiung der Kultiisgciiieinde weitere 580 Personen abgeiertigt, so daß bis jetzt mit Hilfe der Ausvvandcrungsabteilung insgesamt 1080 Personen ausgewandert sind. 16 J u g c!1 d lieh e, 1 i Knaben und 5 Mädchen, sind am 9. August als Avantgarde der J 11 g e ״ d - A 1 i j a aus Oesterreich nach Ercz. Israel abgereist. Palästina-Konferenz in Antwerpen Vom 3. bis 10. September findet in Antwerpen eine große interterritoriale Zusammenkunft der Mitarbeiter des Keren Hajeßod statt, die vom Hauptbüro in Jerusalem einberufen ist. Wie mitgeteilt wird, sind bereits über SO Delegierte aus der ganzen Welt zur Teilnahme angemeldet. Die Konferenz wird sich mit allen Fragen der praktischen Palästina-Arbeit befassen und einen Ucberhlick über die gegenwärtige Lage in Palästina und die nächsten Aufgaben geben. Es werden Referate nicht nur über die verschiedenen Arbeitszweige des Keren Hajeßod gehalten werden, sondern auch über politisehe, wirtschaftliche und organisatorische Fragen des Jischuw in Palästina, sowie über die Propaganda des Palästina- Gedankens. Man rechnet damit, daß auch Dr. Weizmann an der Konferenz teilnehmen und eine Ansprache halten wird. Kein Kongreß im Dezember Jerusalem, 12. August. (Palcor.) Anläßlich einer gestern abend in Tel Awiw ahgeliaitenen Pressekonferenz erklarte das Mitglied der Agencv-Exekutive, Mosche Schertok, daß eine (von einigen jüdischen Zeitungen verbreitete) Meldung, wonach die Exekutive die L, .״!mg des Zionistenkongrosses im Dezember erwogen hätte, jeder Grundläge entbehrt. Fremdenpolizei in Frankreich Von unserem Berichterstatter K. Paris, im August Dje französische Regierung hat eine völlige Rcorganisation der Fremden polizei vorgenoinmen. Nachdem durch die letzten Fremdengesetze, die bereits an dieser Steile besprochen wurden, die gesetzlichen Grundlagen für eine straffere Ueberwachurig der Ausländer auf französischem Boden geschaffen worden sind, werden diese Gesetze jetzt durch organisatorische Reformen ergänzt. Das Ziel der neuen Gesetzgebung ist, wie die Regierung erklärt, einen Aufcnthalt der zahlreichen Ausländer auf französischem Boden in Ordnung zu ermöglichen. Um die Durchführung der neuen Gesetze zu ermöglichen, wird einmal die Zahl ״der mobilen Brigaden“, die sich besonders mit der Fremdenüberwachung befassen, wesentlich erhöht und die Beamten werden zugleich mit den modernsten technischen Mitteln ausgestattet. Ferner wird die französische Grenzpolizei verstärkt. 150 Inspektoren vi erden jetzt neu den Präfekten der Grenzbezirke zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt, in jedem Grenzdepartement wird ein Sonderkomitce für Grenziiberwachung geschaffen, und diese Komitees werden in einem Zentralausschuß, der ständig im französischen Ministerium des Innern tagt, zusammengeschlosscn. Neben der Grenzkontrolle wird aucli die lieber wachung der auf französischem Boden lebenden Ausländer verstärkt. Das Zentraldepartement fiir Aus- Linder ist reorganisiert und die Zahl der dort beschäftigten Beamten erhöht worden, — Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß die französische Polizei in den letzten Wochen systematisch Razzien in den wichtigsten fran- 7ösischcn Fremdenzentren, vor allem in Paris, durchgeführt hat und daß dabei zahlreiche Ausländer, die Delikte begangen oder sich nicht in geordneten administrativen Verhältnissen befanden, verhaftet und ausgewiesen wurden. Die französisch-palästinensische Handelskämm er wandte sich in ihrer letzten Sitzung, die unter Vorsitz von Senator Godart stattfand, gegen die französischen Behörden in Syrien, die gegenüber der Tätigkeit des Ex- Mufti von Jerusalem eine so überraschende Duldsamkeit zeigen. Der Schocken-Konzern übergegangen Schocken-Verlag und Gut Winkel bleiben bestehen Wie wir erfahren, ist der Schocken-Konzern nach längeren Verhandlungen, die vor kurzem zum Abschluß gekommen sind, nunmehr in andere Hände ilbergegangen. Der Schocken-Verlag, der bereits vor dieser Zelt aus dem Warenhausuiiteruehnien ausgegliedert worden war, bleibt ais selbständige Gesellschaft weiter bestehen und führt seine Arbeit unverändert fort. Von den bisherigen Wohlfahrtsleisfungcn der Familie Schocken gehört zu den wichtigsten die Erhaltung des Simon S c h o c k e n - Leh r gutes in Winkel, in dein zur Zeit 120 junge Menschen landwirtschaftlich ausgebildct werden. Die rertführung des Lehrbetriebes ist sichcrgestellt. Die jüdisciien Angestellten des Schocken-Kon• zerns sind zum größten Teil schon im Laufe der letzten Jahre nach und nach ausgeschicdcn und aus Deutschland ausgewandert; die Firma Schocken hat bereits seit dem Jahre 1933 ihre jüdischen Angestellten in bezug auf Zukunftspläne ständig beraten und ihnen die Durchführung ihrer Auswanderung ermöglicht. Eine große Zahl von Angestellten ist in Deutschland teils auf landwirtschaftliche, teils auf handwerkliche Berufe umgeschichtet worden. Nach den vorliegenden Berjchten der früheren Angestellten des Schocken-Konzerns ist die Einord• uung der Ausgewanderten im allgemeinen gut geglückt, was insofern interessant ist, als es sich hierbei um Menschen handelt, die früher ausschließlich kaufmännisch gearbeitet hatten. Von den ausgewanderten jüdischen Angestellten des Schockern- Konzerns gingen ungefähr 40 ßo nach Palästina, 20 «jo nach Südamerika, 15 °/0 nach europäischen Ländern, 15 0/0 nach Südafrika, 10 °,ö nach USA. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert W e 11 s c h, Bcrlm-CharL 0 (aucli verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt T 0 e w c n s t e i 11, Berlin W 15. Anaeigcnlcitcr und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich Licpmann, Berlin W 15. Gültig Anzcigcn-Frci.di-Ue 5 vom 1. Apri! 1936. Verlag und Anzeigen Verwaltung: Jiidbdic Rundschau, Berlin W 15. Mcinekestr. 10. D.A. 11/1838: 26 045. -י Druck: Siegfried Scholcm, Berlin-Schönebrrg.

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