Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1938)
- Date
- 1938-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 65/^׳ Jahrgang 43 JÜDISCHE RDNDSCHAO fUdnktton» Verlag and A nzeigenvcrwaltangt BerlInWI5, Molnekestr.10?«rnrafi 919C31, Telegramm -Adresse t Orghip. - In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugageböhren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Viertelahr RM 5,75; bet Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitun^sgebühr von 10,96 Rpf je Monat). — Postscheck Konten der Vertriebs - Abteilung ür Groß-Berlin: Berlin 71573, für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN י״ט אב תרצ״ח DIENSTAG, 16, AUGUST 1938 Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die AoxetgenprafsUate Nr. 5 vom 1. April 1936. Die *woifgespaltcnc mm-Zeile 20 Rpf, für Familien• Nachrichten 15 Rpf. Keine GcwHhr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmtes Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszshlung auf Postscheck *Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9—18 Uhr* Annahmeschluß für die Dienstag ־ Ausgabe: Montag löUhr, für die Freitag * Ausgabe! Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt IQr das jüdische Volk die Schäftung einer öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) MacDonalds Ausblick Der Kolomalminister über seine Palästinareise Der Staatssekretär für die Kolonien, Malcolm Mac- Donald, stattete am Donnerstag, dem 11. August, dem Premierminister Chamberlai n einen einstündigen Besuch ab, wobei er über seinen Palästina-Flug berichtete. Donnerstag abend hielt MacDonald im englischen Rundfunk eine Rede, i!1 der er zuerst seinen Flug beschrieb und dann fortfuhr: ״Ich ging durch die Straßen von Bethlehem und flog über Galiläa und Samaria, und sah voll Staunen herunter auf Nablus und Nazareth, auf Tiberias und Safed und auf etwa zwanzig andere Ortschaften, die sich in den wilden Bergen zusammen drängen oder in der Küstengegend hi!]gelagert sind. Es sind Namen, denen ewige herzenerhehende Macht innewohnt. Es sind Plätze, die durch die heilige Geschichte vor neimzchnhumiert Jahren für immer geweiht sind. Heute werden sie von Kampf und nackter Gewalt durchtobt. Sieht man auf den Landstraßen den arabischen Bauern auf seinem kleinen Esel reiten, so würde man denken, daß kein Land friedlicher ist. In Jerusalem sammeln sich fromme Juden in den Straßen, um einen ihrer Fasttage zu begehen, so als ob tausend Meilen um sie herum keine Gefahr bcstünde. Aber bewaffnete Soldaten und Polizisten patrouillieren durch die Straßen. 111 Stadt und L and ist jeder Omnibus mit dicken Eiscnricgeln quer über die Fenster geschützt, um seine Fahrgäste vor Bomben zu bewahren. Unter dem Mandat hat eine große Masse jüdischer Einwanderer sich in Palästina angesicdelt, um dort ihr Nationalheini zu finden. Dieses friedliche Eindringen hat die Araber alarmiert, und viele von ihnen werden in ihren Anstrengungen dagegen nicht im geringsten nachlasseii. Die dritte Partei, die in den Streit verwickelt ist, ist Großbritannien, die Mandatsinacht, die dort unter der Autorität des Völkerbundes wirkt, gebunden durch eine feierliche Verpflichtung, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu erleichtern, wobei die Rechte und die Lage der arabischen Einwohner des Landes gewahrt werden sollen. Unter unseren mannigfachen Verantwortlichkeiten, so erklärte der Staats- Sekretär, haben wir keine delikatere Aufgabe als diese Unsere Regierung dieses kleinen Landes, das einige der Heiligen Stätten der Christen, der Juden und der Mohammedaner zugleich in sich birgt. Zur Lösung des Problems des scharfen Zusammenpralls zwischen Arabern, die seit vielen Generationen in Palästina leben, und Juden, die aus ihrer Verbannung in das Land zurückkehren, das vor Jahrhunderten ihre Heimat war, hat kürzlich die Königliche Kommission ein drastisches Heilmittel empfohlen — Teilung des Landes in getrennte jüdische und arabische Staaten mit einem britischen Korridor zwischen beiden. Unsere Regierung hat diese Politik als die beste und ׳hoffnungsvollste 1. ö s u n g angenommen. Endgültige Entscheidungen können jedoch nicht getroffen werden, bevor nicht die Technische Kommission, die zur Zeit die Einzelheiten dieser Teilung untersucht, ihre Arbeiten beendet hat, was noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Danach muß mit der g e r i n g s t m ö gliehen Verzögerung entschieden werden. In der^ Zwischenzeit haben die Behörden die schwere Aufgabe, die Ordnung׳ wiederherzustellcn. Ich ging nach Jeru- Salem, um mit dem High Commissiooer mul mit General Haining, der die britischen Truppen dort kommandiert, die gegenwärtige I.age und besonders die Frage der Sicherheit zu erörtern. Diese beiden Menschen sehen sich einer Aufgabe gegenüber, d׳ic so schwierig ist, wie irgendeine, die seit dem Kriege in irgendeinem Lande britischen Beborden oblag; ihre Zusammenarbeit flößt Vertrauen ein. In einem Lande jedoch, in dem manche Teile so schwer zugänglich sind, Wo eine so furchtbare Fehde sich erhoben hat, wird ihre Aufgabe nicht rasch erfüllt werden. Möglicherweise kann sie nicht vollständig gelöst werden, bevor die Politik endgültig festgelegt und wirksam geworden ist. Die britische Regierung wird ihre Vertrauensaufgabc ausführen auf der Grundlage von Gerechtigkeit zwischen den Juden, die schließlich und endlich ihr Natioualheim erbauen, und den Arabern, deren Anspruch auf das Land ihrer Geburt nicht bestritten werden kann. Manchmal erscheint die Kraft des Menschen zur Versöhnung und Schöpfung gering. Es scheint, daß sic leicht überwältigt werden kann durch die Mächte der Gewalt und des Hasses, die ebenso leicht zu entfesseln sind. Aber es gibt einen Geist, der über Palästina webt, und mit Gottes Hilfe wird im Heiligen Lande der Friede wicderhcrgestellt werden.“ Vor dem Woodhead-Bericht Die Londoner ״Times“ vom 13. August widmet der Palästinafragc im Zusammenhang mit der Rundfunk-Ansprache des Staatssekretärs für die Kolonien einen Leitartikel, in dem es u.a, heißt: ״Ob cs auf den Besuch des Kolonialsekretärs zurückzufiihreii ist oder nicht, es gibt Anzeichen, daß der scharfe Terror in Palästina an Reichweite verliert und daß die Vorstellung wächst, daß politische Gewalttat sich nicht rentiert... Der Besuch sollte sicherlich geholfen haben, die politische Unruhe zu verringern; denn abgesehen von den technischen Verbesserungen in den Methoden der Unterdrückung des Terrors, die ohne Zweifel geprüft worden sind, haben die Rundfunkreden von Sir Harold MacMichae! am Schlüsse des Besuches und von Mr. MacDonald nach seiner Rückkehr keinen Zweifel gelassen, daß di« britische Politik von dem Grundsatz der Teilung durch den Terror nicht abgebracht worden ist und auch nicht abgebracht werden wird. Seit Lord Peel zuerst diese kühne Politik empfahl, ist ihr hauptsächlichstes Motiv, nämlich daß die beiden Völker so viel als möglich voneinander getrennt gehalten werden sollen, durch die Ereignisse bestimmt gerechtfertigt worden. Die Techniselie Kommission war bevollmächtigt, Modifikationen des Peel-Planes vorzusehlagen, nicht aber seine Preisgabe. Die ganze Tätigkeit der Kommission galt dem Ziel, die Einzelheilen seiner Inkraftsetzung zu regeln; und der Bericht wird sich mit so schwierigen Punkten wie Zöllen, Währung, Verkehr und Minderheitenschutz zu beschäftigen haben. Es map ebenso in die Erinnerung zurückgerufen werden, daß die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes, als der britische Plan dir vorgelegt wurde, eine Verlängerung der politischen L e!1 r z c i t für beide Völker entschieden empfohlen hat. Voraussicht und K o in p r 0 m i ß b c r c i t - schaff sind nicht Fähigkeiten, die die Araber!eicht verstehen, und sie schätzen die Bereitschaft zur nochmaligen Erwägung von Punkten zweiter Ordnung irrigerweise als Schwäche ein; aber in dem verwickelten Prozeß der lieberleitung des ursprünglichen Mandats in einen von ihm sehr verschicdenen Zustand haben alle beteiligten Parteien Voraussicht und Kompromißbereitschaft am dringendsten tiöt i g. Es mag seit der ersten Lancierung des Teilungsplaues manches unnötige Trödeln gegeben haben, aber am Donnerstag hat Mr. MacDonald versprochen, daß sobald die Empfehlungeu der Technischen Kommission in die Hände der Regicrung gelangt sind, mit der geringstniöglic h e n V e r z ö g e r u 11 g die Entscheidungen getroffen werden. Die Regierung bleibt entschlossen, ihre Aktion auf Grundlage gerechter Erwägung widerstreitender und oft unverträglicher Ansprüche durch/uführen. Die Araber, die seit so vielen Generationen in Palästina und Syrien gewesen sind, ohne für die Entwicklung dieser Länder viel zu tun, müssen den Juden erlauben, das Natioualheim wieder aufzubaucn, das vor zweitausend Jahren das ihre gewesen ist, und müssen ihnen die Chance geben, — um ein treffendes Wort zu gebrauchen, das Mr. Anier v einmal geprägt hat — zu vorsuchen, ״die Levante durch (len Zionismus zu verjüngen“. Das Gebiet im Mittleren Orient, das die Araber haben, wird immer noch unvergleichlich größer sein als das, das dem jüdischen Volke ztigewiesen werden soll; und unglücklicherweise wird in dem Land Israels für die Hunderttausende von Juden, die dort so gern eine Zuflucht vor ihren Leiden finden würden, kein Raum sein. Wie der diplomatische Korrespondent des ״Observer“ meint, wird der Bericht der Teelinischen Kommission zu Beginn des MonatsOktober vorlicgcn. Agency'Vertreter bei MacDonald London, 11. August. (Lkilcor.) Der Staatssekretär für die Kolonien, Mr. Maleolm MacDonald, empfing׳ Vertretcr der Jewisli Agency, um sie von dein Zweck seines׳ Palästina-Flugs in Kenntnis zu setzen. Der Zweck seines Besuches in Palästina sei gewesen, mit den dortigen Behörden über die gegenwärtige Lage, insbesondere über die Frage der Sicherheit, zu beraten. Ferner empfing der Kolonialmiuistcr den arabischen Vertreter in London, Dr. Izzat Tannous. 800 Jug-endliche nach Palästina Die Zertiiikatszahl des Sommer-Halbjahres im Rahmen der gültigen Eiiiwanderuiigs-Sdiedule hat die englische Mandats-Regierung der Jugend-Alija außergewöhnliehe Möglichkeiten eingeräumt, indem sie ihr Zertifikate ohne numerische Beschränkung zugesagt hat. Diese bevorzugte Regelung macht es der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija möglich, bis zutn Ablauf dieser Schedule, also bis 1. Oktober 1938, insgesamt 800 Jugendliche zur Ein- Wanderung nach Palästina zu bringen. Bis jetzt sind 167 Jugendliche bereits zur Alija gekommen, und zwar folgende Gruppen: Nach Gewa In das Aliawa-Hcim In das Iwdi-Heim Nach Kfar Jecheskiel Nach Ain Charod 20 Jugendliche 25 ״ 12 ״ 50 ״ 60 Im Laufe dieses Mo 11 werdeiJ noch etwa 5 00 Ju Jugend-Alija nach Palästina Gruppen: Nach Merchawia Nach Kirjath Anawim Nach Tel Jossef Nach Givvatl! Brenner Nach Kwuzath Schiller Nach Bctl! Sera Nach Gvvatli Nach Ben Schemen Nach Mikwe Jisracl Nach Nahalai Nach Giwatli Chajim Nach Ain Schemcr Nach Gau Selumiel ln das religiöse Jugenddorl (Kfar noar dati) ats und des Septembers mgen und Mädchen zur kommen, und zwar folgende 25 Jugendliche ״ 30 סי¬ " 60 ״ 20 25 30 ״ 15 50 50 40 ״ 30 ״ 30 Außerdem stehen noch die Bestätigungen für etwa 143 Zertifikate in folgenden Siedlungen in Aussicht: Sarid, Naau, Ramath David, Rodges und Sde Jaakow. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija hat demnach innerhalb eines Halbjahres mehr als 8 0 0 Jugendliche zur Einwanderung nach Palast in a gebracht. Ussischkm Zu seinem 75. Geburtstag in die zionistischen Jiigtiidgiuppen unserer Tage kommen Menschen, die der Meinung sind, daß Tel Awiw immer einen Hafen hatte; sie wissen es nicht anders. Daß Tel Awiw selbst einmal weniger Einwohner hatte als 136 000, ist ihnen schwer vorstellbar, und daß das indische Palästina von heute überliaupt einmal noch gar nicht existierte, daß einzelne Men■. sehen, kleine Gruppen in Europa, das alles Stück für Stück mit Opfern and Rückschlägen mühselig aufgebaut haben, ist schwer verständlich zu machen. Und wer kann denn noch etwa aus eigener Anschauung von der Chibbath Zion, von Herzl und Nordau erzählen! Wenige gibt es noch, ׳die die Verbindung ■mit der großen und heroischen Tradition des Vorkriegszionisnuis, der Herzl- Zeit, der Chowewe Zion persönlich verkörpern! Aber da ist einer, der schon im ersten Anfang mit dabei war und immer noch im Mittelpunkt steht: Meiiachem Mendel U s s i sc h - k i n, Präsident des Aktmiis-Coinites und des Keren Kajcmeth LejIsrael. Er ist heute geradezu die Inkarnation der alten 7ionistiseiien Tradition; ein ungebrochener Eiferer, ein Mann von starrer Einseitigkeit, der sein ganzes!.eben nur dieser einen Sache weiht. Am 17. August wirrt er 75 Jahre alt, und die Zionisten, ja, die gesamte Jmlenheit 111 Deutschland bringt ihm in Ehrerbietung und Dankbarkeit ihre (ilückWunsche dar. Etwas Legendäres webt sich um die Gestalt des Mannes, der in Jerusalem - Revliawia in einem großen Hause an der Ecke einer Straße wohnt, die nach ihm selbst gena 11 nt ist. Wie weit wir die zionistische Geschichte auch zunickverfolgeri, überall stößt man auf Uss'sclikin. Die erste Palästiiiareise hat der damals Neunzehnjährige 1882 unternominell. An allem, was es in der Bewegung der Chowewe Zion gab, nahm er Anteil. Er war in ihrem Kreise schon eine maßgebende Figur, alslier/l auftrat. Den großen Kampf um Uganda hat Ussisclikin am leidenschaftlichsten und hartnackigsten geführt; er führte nach dem VI. Zionistenkongreß 1903 die Opposition der russischen Zionisten gegen Herzl, Nordau, Marmorek und ZangwiU; er organisierte von Charkow aus die Zione-Zion, die Zioiis/ionisten; er sammelte vor dem VII. Kongreß in Freilnug i. Br. die Neinsager und schmiedete aus ihnen eine entschlossene Front. Mit seinem denkwürdigen Antrag auf diesem VII. Kongreß 1905, der Uganda ablehrite, die praktische Kolonisationsarbeit in Palästina verstärkt aufzunchmen, parallel zur diplomatischen Arbeit ״und als Stärkung derselben“, war der sogenannte synthetische Zionismus geboren, noch bevor ihm Weizmanti den Namen gab und ihn im Haag und in Hamburg kongreßpolitisch an die Macht führte. Diese Epoche von 1903 bis 1903 hat Ussisclikin zur vollen Entfaltung seiner Persönlichkeit geführt. So wie damals ist er bis heute geblieben; was immer er getan und gesprochen hat, es steht im Zeichen jenes Kampfes, in dem der Zionismus zu seinem eigentlichen Wesen fand. Der Rayon von Jekaterinoslaw galt in der zionistischen Organisation des alten Rußland als der ain besten durch- &sie* Ue&vMUk ln den letzten Tagen kam es in Palästina zu einer An• zahl von Gefechte n. Auch hei Angriffen und Terrorakten gab es mehrere Tote. In W ien fand eine Konferenz der jüdischen Gemeinden Oesterreichs statt, die der Besprechung von Wände• rungsfragen diente. Der Schoeken-Konzern ist in andere Hände übergegangen Der Schockcn-Verlag bleibt bestehen, ebenso das Lehr• gut WinkcL