Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1938)
- Date
- 1938-08-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 9. VIII. 1938 Innere und äußere Umschichtung Gestehen wir es: die gebotene Umschichtung bildet das schwierigste Problem unserer Zeit, — psychologisch gesehen, vielleicht darum, weil damit eine innere Umschichtung verbunden sein muß. Wir Juden waren seit 2000 Jahren das ״Volk des Buches“, d. h. das Geistige stand im Mittelpunkt des Denkens und Strehens. Und in Westeuropa waren wir in der Neureit in der Mehrzahl Kopfarbeiter, Akademiker oder Kaufleute. Gewiß nicht immer des äußeren Ruhmes und des Gcldverdienens wegen, sondern entweder weil andere Möglichkeiten verschlossen waren, oder auch aus innerer Neigung. Der Jude hat vom Hause aus eine übertriebene Verehrung für Kultur. Und das führt häufig zu Verhängnisvollen Konsequenzen. Wir haben cs heute erkannt, aber man kann eine falsche Entwicklung einer langen Geschichtsepoche nicht von heute auf morgen rückgängig machen. Und man kann leichter äußere Bequemlichkeiten als eingebürgerte Vorstellungen über Bord werfen. Das Nichtvcrgessen- Können ist ein schweres Uebel, an dem jede Ucbergangszcit krankt. Man kann der Hand leichter als der Seele gebieten. Und doch muß es einen Ausweg geben, beides miteinander zu verbinden, wenn die Judenhcit der Zukunft körperlieh und seelisch gesund sich entwickeln soll. Diese Verbimdüng bedeutet: nach Bildung streben, nicht als Beruf, sondem zur inneren Befriedigung. Also geistige Erhebung außerhalb des täglichen Berufes, oder richtiger ausgedrückt: alles Aeußere in den Dienst des Inneren stellen. Das mag überschwenglich klingen, und ist doch echt jüdisch. Wir wissen, daß viele Größen der talmudischen Zeit ein Handwerk betrieben. Und sie scheinen stolz darauf gewesen zu sein, denn sie werden in ihren halachisehen Entscheidunen mit ihrem Beruf genannt: Rabbi Jizchak, der Schmied, abbi Jochanan, der Sandalenmacher. Im Mittelalter finden wir auch in Deutschland fast alle Handwerke unter den Juden vertreten, und diese Handwerker standen, wie aus den rabbinischen Responsen hervorgeht, dem geistigen Judentum nicht fern. Aber auch in neuerer Zeit sehen wir im Osten, wo die wirtschaflsgcscliichtiiche Entwicklung anders als im Westen war» jüdische Ackerbauer, in verschiedenen Gegenden waren die Juden die einzigen Vertreter des Handwerks, und an manchen Häfen konnte man Tausenden jüdischer Lastträger begegnen. Und das Merkwürdig« dabei ist, daß sich hier häufig der agrarische oder handwerkliche Beruf ganz natürlich mit geistigem Streben verband. In der Nähe von Troki in Litauen war eine alte jüdische Ackerbaukolonte, und als ich als Kind nach dem Ortsrabbiner fragte, zeigte man mir einen Mann mit langem Bart und durchgeistigtem Gesicht, der barfuß auf dem Felde stand und seine Gemüse- Pflanzungen betreute. Als Honorar bekam er kein Geld, sondern ein Stück Land, das er genau wie alle Oemeindcmitglieder bearbeiten mußte. Das hinderte weder seine talmudischc Forschung, noch minderte es sein Ansehen in der Gemeinde. In Kowno, wo der größte Talmudist der Zeit. Rabbi Jizchak Ekhanan Spektor, den Rabbinerstuhl zierte und vor einem auscrwählten Kreis den täglichen talmudisehen Vortrag (Schiur) hielt, war ein Schuhmacher Jakob Wolf, der den großen Rabbi im Verhinderungsfälle zu vertreten pflegte. Und dieser gelehrte Schuster war auch ein ethisch hochsteiiender Mensch. Er berechnete bei Bestellung von Stiefeln und Schuhen stets die Auslagen und einen bescheidenen Lohn für seine Arbeit, nie einen Pfennig mehr. Einmal gab er nachträglich einem Kunden einen halben Rubel zurück mit der Bemerkung, er habe sich bei den Auslagen zu seinen Gunsten verrechnet. In Bialystok in Polen lebte in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhundert» ein Gcmcindeschächter Meier, der im Nebenberuf unentgeltlich Augenheilkunst ausübte. In schwierigen Fällen fl egte er seine Patienten mit einer genauen Krankheits- «Schreibung zu Prof. Hirschberg nach Berlin zu schicken, und der weltberühmte Gelehrte hatte einen großen Respekt vor diesem Schächter. Diese Falle ließen sich zu hunderten und tausenden vermehren, und sie zeigen, daß bei manueller Arbeit der kulturelle Idealismus nicht abstirbt, sondern sich vertieft. Wo die Liebe zur Bildung losgelöst von allem Materiellen ist und ein Lernen des Lernens wegen — ״Thora lischma“ nennen es die Pirke Abbot — darstellt, da kann sie sich freier und reiner entfalten. Läßt sich aber diese Verbindung körperlicher und geistiger Arbeit ohne Schaden für beide auch heute verwirklichen? Ja, wenn auch in anderen Formen. Das jüdische Wirtschaftsleben in Deutschland war in jüngster Zeit falsch aufgebaut, und auch unsere Kulturarbeit folgte häufig dem leeren Schein und blieb fern vom Ausgleich, von Harmonie mit unserer inneren Natur. Nach der erlangten Emanzipation hätte man nicht mit dem jüdischeu Kommerzienrat, sondern mit dem jüdischen Ackerbauer und Handwerker anfangen sollen. Man beginnt einen Bau mit dem Fundament und nicht mit dem Dache. Und auch später sollten wir nicht um den jüdischen Reserveoffizier, sondern um den jüdischen Schwerarbeiter kämpfen. Titclsucht und äußere Geltung sind die Schattenseiten und nicht das Wesen der Kultur. Die Kultur bedeutet innere Bereicherung und Vertiefung. Das ist in jedem Stande erreichbar. Unsere auswandernde Jugend soll ihrer Liebe zur Kultur nicht untreu werden, aber einen neuen Ausdruck für diese Liebe suchen. Man kann heute in jeder größeren Stadt die Mittel zur Weiterbildung finden, und man kann bei gutem Willen auch die Zeit dazu finden. Und wenn wir von Kultur sprechen, wollen wir auch an die jüdische Kultur denken. Die großen Dichter und Denker aller Völker haben auch für uns gedichtet und gedacht, aber wir haben auch unsere Dichter und Denker, die uns teuer sind. Wir wollen nachholcn, was wir lange versäumt haben, uns für unsere Gemeinschaft, für die jüdische Zukunft erziehen. Das allein ist wahre, gesunde Kultur. Wir wollen auch ferner das Volk des Buches, aber auch des Lebensbuches sein. Wir wollen Idealisten, aber keine Illusionisten sein. Ein echter Jude kann ohne Kultur ebensowenig wie ohne Brot leben. Aber die Kultur soll nicht neben dem Leben laufen, sondern das ganze Leben durebdringen, es veredeln, vertiefen. Die innere Umschichtung, d. h. die Erkenntnis des neuen Lebenszieles innerhalb der jüdischen Gemeinschaft,, scheint sehr gefährdet bei Einzelcinwandcrungen nach fremden judeuarmen Landen. Eine Gruppe von 15—20 gleichgestimmten jüdischen Menschen kann genügen, einander geistig und sittlich-religiös zu stützen. Daran sollten unsere Hilfsmstitutionen denken. Unser Ziel ist ja, nicht nur die Existenz der jungen jüdischen Menschen zu retten, sondern auch sie als Juden zu erhalten. Die Umschichtung ist ein schweres Problem, aber die Lösung ist eine bessere und gründlichere, wenn damit eine innere Umschichtung verbunden ist. Wo das Gefühl innerer Würde und klarer Zielbewußtheit fest verankert ist, kann man leichter alle äußere Schwierigkeiten überwinden. Wenn man sich sagt, ״du bist Träger des jüdischen Schicksals, aber auch des jüdischen Ideals, du lebst nicht nur dein Leben, sondern auch das Leben deiner Gemeinschaft“, dann kann man sich mit dem neuen Berufe nicht nur Brot, sondern auch neues Glück erkämpfen. Unser Schicksal und das Schicksal unserer Gesamtheit ist stärker als wir, wir können cs nur selten ganz meistern. Was wir aber können, das ist, das Schicksal so auffassen, daß kein innerer Schaden daraus entsteht. Die Geschehnisse der Zeit sind, tiefer gesehen, keine Episoden, sondern organische Glieder der geschichtlichen Kette. Wir können sie nicht willkürlich gestalten, aber daraus etwas lernen: die Erkenntnis unseres wahren Berufes, unserer Aufgabe für die Zukunft. Fabius Schach ״Folk Songs of the New Palestine“ In dem New-Yorker Verlag ״Nigun“ erscheint eine Serie ,.Volkslieder des neuen Palästina“. Die Veröffentlichung dieser Serie übernimmt die zionistische Jugendorganisation ״Masada" in Gemeinschaft mit dem ״Hechaluz“. Der Herausgeber ist Dr. Hans Nathan, der bekannte jüdische Musiker zur Bearbeitung dieser Lieder herangezogen hat. Die erste Nummer liegt mit zwei Horras vor: ״Kuma echa“ von Postolsky in der Bearbeitung von Erich Walter Sternberg ■und ״Banu“ von Welbach, von Aaron Copland bearbeitet. Nathan gibt eine instruktive Einführung in die Horra und die beiden Volkslieder. Er kommt an Hand der vorliegenden *Quellen zu dem Resultat, daß die in Palästina gepflegte!Tanzform der Horra in wesentlichen Teilen ihrer Ausfüh- TUng eine besondere Note hat. Damit erkennt Nathan die spezifisch jüdische Seite dieses Tanzes an, der, in der Tat — ln Palästina allerdings in dem völlig anders gelagerten Umkreis — eine Abwandlung der chassidiscnen Tanzwcise gicichkommt, die, weit mehr als es Nathan annimmt, im Osten bei allen freudigen und religiösen Anlässen Ausdruck jüdischer Mentalität geworden ist. Die jungen eingewanderten Chaluzim scheinen sich in Ermangelung eines eigenen jüdisehen Namens für diese Tanzweise den Namen ״Horra“ aus dem Wortbegriff ihrer früheren Umwelt zugelegt zu haben. Der Sternbergschen Bearbeitung des ״Kuma echa“ liegt, soweit ich es noch in Erinnerung habe, seine Mannerchorbearbeitung zugrunde, die wir durch Winawer kennenlernten. Der Rhythmus dieser motivisch eindringlichen Melodie bleibt in der Begleitung erhalten, die Akkorde selbst sind nicht sehr farbig und kräftig, doch setzt sich die Wirkung in der Steigerung des Schlusses durch. Copland findet in dem .,Bann“ geeigneten Stoff zu einer rhythmischen Studie, holt aus ihn! die kantige Schlagkraft des Horrathemas, bewußt primitiv geführt im nackten Rhythmus auf sekundär bleibender Melodie. Nach diesem erfreulichen Beginn erwarten wir mit Spannung die weiteren Hefte mit neuen Beispielen von Bearbeitungen, die Farbe und Atmosphäre des palästinensischen Liedes einzufangen versuchen. Dr. Jakob Schönberg Musikgeschichte Gerald Abraham, ״A Hundred Years of Music“. — Duckworth, London 1938. Vom jüdischen Standpunkt ist die Entwicklung־ der Musik!11 den letzten hundert Jahren in zweifacher Hinsicht wichtig. Es geschieht zum erstenmal in einer Epoche der europäischen Musik, daß Musiker jüdischer Abstammung nicht mehr als vereinzelte Falle (wie z. B. Salomonc Rossi), sondern in einer Reihe bedeutender Komponisten Persönlichkeiten an der allgemeinen Entwicklung dieser Kunst aktiv teilnehmen. Lind weiter sieht dieses Jahrhundert in seinen letzten Dezennien das Erwachen eines national-jüdischen Geistes in den Schöpfungen von Musiker״, die wohl aus der Musiktradition ihres Geburtslandes hervorgingen, jedoch in bewußter Weise um die Schaffung eines jüdischen Musikstils bemüht sind. Es ist ein Verdienst von Gerald Abraham, dem nicht jüdischen Autor des vorliegenden Buches, das in großen, jedoch markanten und übersichtlichen Zügen den weiten Strom der musikalischen Geschehnisse des letzten Jahrhunderts darstellt, jene beiden Punkte bei der Besprechung jüdischer Komponisten erkannt zu haben. Bei dieser Unterscheidung zwischen Kornnonisten jüdischer Abstammung und Komponisten jüdischer Musik scheint mir jedoch Abraham zu weit gegangen zu sein, wenn er Musiker wie Mendelsohn, Meyerbeer, Mahler und Schönberg als Eklektiker, wenn auch im besten Sinne des Wortes, bezeichnet. Er hebt jedoch dieses sehr verallgemeinernde Urteil ztitn Teil selbst wieder auf, wenn er von einem typischen ״.Meyerbeerstil“ spricht. Das Werk Schönbergs erfährt bei Abraham eine ausführliche Be- Handlung. Abraham sieht in Ernest Bloch den Komponisten, aus dessen Werken ״die Stimme des jüdischen Volkes zum erstenmal in der Kunstmusik spricht“, sie hat wohl für ihn ״einen merkwürdigen, halhorieiitalischen Klang, aber sie hat eine eigene, neue Botschaft zu künden“. Dr. M. C. Karol Rathaus: Drittes Streichquartett. — Oxford Univcrsitv Press, London. Das bei dein kürzlich in London abgehaltenen Internationalen Musik fest erfolgre:cb aufgeführte Streichquartett Nr, '3 von Karol R a t h a 11 s ist im!druck erschienen. Die gclegentlich jener Aufführung hier bereits geäußerte Ansicht ־(vgl. ״J. R.“ Nr. 52) daß dem Kompmvsten mR diesem Streichquartett ein technisch wie musikalisch ausgezeichnetes Werk gedungen ׳st, wird durch ein näheres Studium der Part'tur bestätigt. Der Hauptakzent liegt unzweifelhaft auf inspirierter expressiver Lyrik, die die fünf?ätze, je nach Von primitiven Völkern J. W. Page: ״Primitive Races of To-Day“. — Verlag George G. Harrap &־ Co., London 1938. Der V'erfasser gibt eine kiirzgefaßte Völkerkunde, in der sehr übersichtlich alle heute bekannten primitiven Stämme geschildert werden, wobei leider auf wesentliche Gebiete, wie z. B. Religion, kulturelles Leben teilweise ganz Verzicht geleistet, teilweise nur andeutungsweise eingegangen wird. Zu den Primitiven im ethnologischen Sinne gehören auch die Beduinen, von denen Page eine eingehende Darstellung gibt. Anzumerken ist seine Feststellung, daß sie keine reinrassigen Semiten sind, sondern eine Mischung aus vielen ethnischen Gruppen Südwestasiens und des Ufers des Mittelmeers. Am Schluß des Kapitels weist der Autor darauf hin, daß sich bedeutende Wandlungen in Arabien vollziehen, indem die städtische Kultur immer stärker eindringt und die Stammesorganisation immer schwächer wird; andererseits sind auch bereits in den letzten Jahren einige Beduinenstamme seßhaft geworden. Ein abschließendes Urteil, wohin diese Entwicklung führen wird, wagt der Verfasser freilich nicht zu fällen. —im. Und am nächsten Tag nach dem Gebet lief er nicht zur Schenke, sondern pflanzte sich ins Lehrhaus ein, lind richtete seinen ganzen Sinn darauf, die Worte der Gelehrten zu hören. Erwähnten sie den Namen eines Buches, so wiederholte er den Namen wie ein Kind, das einen Spruch aus dem Munde des Lehrers hört sind ihm nachspricht. Und hörte er einen Gelehrten sagen: So sieht in diesem Talmudtraktat, so wird in jenem Buche angeführt, strengte er sich au, ihre Namen zu erlernen und ihren Standort zu behalten, bis er ein jedes Buch kannte. Und brauchte ein Gelehrter irgendein Buch, sofort lief Asriel Mosche herzu, holte es aus dem Schrank und gab es ihm zur Hand. So tat er Tag für Tag und nahm immer mehr zu an Wissen; und sobald er heimgekehrt war, schrieb er jeden Namen, den er im Lehrhaus gehört hatte, an, und legte seinen Mund auf die Schrift und küßte sie in großer Freude, weil ihm vergönnt worden war, die Namen der Weisen der Tora zu erfahren, und er weinte um sic, weil ihm nicht vergönnt war, ihre Tora selbst zu erfahren. Und die vielen Tränen verlöschten die Schrift immer mehr. Was tat er? Er kaufte sich ein Blatt Papier und schrieb all die Namen mit Bleistift auf, und wenn er müßig auf dem Marktplatz stand, las er diese Hainen. Und auch dies tat dieser Mann Asricl Mosche: Er las im Kalender die Zahl der Jahre seit der Erschaffung der Welt, seit der Sintflut, seit der Geburt unseres Lehrers Mose, seit dem Auszug aus Aegytcn, seit der Erbauung des ersten Tempels, seit der Zerstörung de? Reiches Israel, seit der Makkabäerzeit, seit der TempelzcTstörung, seit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg usw. Und sieh, es heißt im Sohar: Denkt ein Mensch einen guten Oedanken, sofort geht dieser Gedanke zum Herzen, welches das Fundament des Leibes ist, und danach geht dieser gute Gedanke zu allen anderen Gliedern des Leibes, und sogleich verbindet sich der Gedanke mit den anderen Gliedern, und sie ziehen auf ihn einen Abglanz der Gottheit nieder. Und es ist gewiß, daß dieser Mann Asriel Mosche ein anderer Mensch wurde. Von nun an verwandelten sich die Ordnungen seines Lebens. Zankte sein Weib ihn aus, so dachte er angestrengt an die Namen der großen Männer, und erwiderte ihr nicht mit Schmähungen. Weil er aber seinen Schimpf anhört« und nichts darauf antwortete, riß auch sic ihre Leidenschaft immer weniger fort, ihn?11’ verwünschen, bis Friede zwischen ihm und ihr war. Ja mehr; sie begann’ ihn zu achten und rühmte sich seiner vor ihren Nachbarinnen! Und auch die begannen, ihm Ehre zu bezeugen, sic kamen zu ihm, und jede Frage in Dingen der Zeitenberechnung, wie: Wann fällt dieser Festtag, wann fällt jene Jahrzeit?, brachten sie vor ihn. Und er streicht seinen Bart und antwortet: Warte, ich will im Kalender nachsehen I Und steht auf und nimmt den Kalender vom Bort, sicht darin nach und gibt Antwort, bis schließlich sein Ruf von einem Ende der Stadt bis zuin andern reichte. Ja mehr: mitunter lud er einen Gelehrten an seinen Tisch, und es versteht sich, daß dieser nicht nach Art der Gierschhinde aß, die den Segensspruch eilends aus dem Munde schleudern und sich die Speise voller Eifer in den Mund befördern, sondern er aß gesetzten Sinnes und an cintm ansgebreiteten Tischtuch, und ehrte Gott mit seiner Kehle, das ist mit einer schönen Melodie. Und zwischen den Gängen erzählte man gute Geschichten von den Frommen an seinem Tisch, und Asricl Mosche gab acht, irgendeine rechtschaffene Verhaltensregel zu erlernen. Wir haben aus dem Munde wahrheitsliebender Männer gehört, die ihn kannten und bezeugten, daß dieser Mann Asriel Mosche eine ansehnliche Erscheinung gewann und seinem Gesicht nicht anzumerken war, daß er nur ein einfacher Mensch war. Sich aber und lies, was in dem heiligen Ruche ״Die beiden Bundestafeln“ geschrieben steht, und au wirst staunen. Es heißt dort; ״Ich habe gelesen und eine Ueberliefcrung empfangen, daß, wenn einer auch ganz unwissend ist, diese Namen aber das sind die Namen der Weisen und ihrer Bücher) liest und .ust zu ihnen hat und weint, weil er sie nicht versteht, so ist er bei Gott in Gnade angenommen und es wird ihm das gewährt sein in der Zeit, die einst kommt.“ Und als dann einige Jahr« später die Könige auszogen, Krieg miteinander nt führen, da kamen Gewalttäter in die Stadt des Asriel Mosche. Viele aus Israel flohen in Wälder und Felder, und der Rest nahm das Gericht Gottes auf sich, wem das Schwert bestimmt war, das Schwert, wem der Hunger, den Hunger, und Israel zerstob. Dieser Mann Asriel Mosche aber lief zum roßen Lehrhaus und nahm viele Säcke und füllte sie mit Ochern und verwahrte sie. Und täglich stärkte er sich im großen Lehrhau» in Gebetmantel und Fasten und tief die Namen der Mischnalehrer und der Talmudlehrer und die Namen der übrigen Großen Israels, der Heiligen Gottes, und die Namen ihrer heiligen Bücher, bis der Feind eindrang. Er sah den Asriel Mosche und seinen Bart und entsetzte sich vor ihm, w׳ie es heißt: Alle Völker der Erde werden sehen und dich fürchten. Sogleich floh er um sein Leben. Sprach sein Oberst zu ihm: Hast du dort Gericht gehalten? Sagte er zu ihm: Einen Greis sah ich dort und Angst hat mich erfaßt. Sogleich sammelte der Oberst all seine Scharen und drang mit ihnen ins Lehrhaus ein. Das war an einem Montag und in einem Augenblick, da Gott zürnte, und das Zeichen des Skorpions ging schon zum Schützen hin, im Jahre 1817־ nach der Zerstörung des Hauses unseres Gottes, das ist das Jahr 1917 nach der Zählung der Völker. Und sie umringten diesen Mann Asriel Mosche. In dieser Stunde wandte Asriel Mosche sein Gesicht nach oben und richtete sein Herz auf seinen Vater im Himmel und sprach so zu ihm: ״Herr der Welt, nimm doch meine Seele, solange mein Sinn noch klar und mein Herz ganz bei dir ist, damit ich — bewahre der Himmel — den Gott Israels nicht verleugne.“ Und er erkannte Gottes Gericht an und streckte seinen Hals den Schlächtern hin. Sie faßten ihn und henkten ihn an dem Strick, der an seinen Lenden war, und an *einem Barte. Sie kehrten das ganze Haus um und fanden die Bücher und rissen all die Bücher in ihrer Wut in Stücke und zerstreuten sich über die ganze Stadt, zu vernichten alle Juden dort. Und dieser Mann Asriel Mosche hing an seinem Barte, bis Elia kam — zum Guten sei seiner gedacht ־— und ihn herunterholte, ihn aut seine Füße stellte und zu der Höhle Rabbi Gadids des Kindes brachte. Sogleich erhob sich Rabbi Gadiel das Kind, kleidete sich ins Gewand der Ahndung ״und brachte ein verbrannt wurden, und schrieb in der Schrift der Wahrheit alles auf, was die Frevler an diesem Mann Asriel Mosche getan hatten. Er ging ihm entgegen und gab ihm den Friedensgrüß und flocht ihm eine Ruhmeskrone und brachte ihn zur Wohnstatt der zehn Märtyrer, des Rabbi Akiba und »einer Freunde, Und weil er den Namen eines jeden Buchet kannte, stellten sic ihn dort am Bücherschränke auf, und dieser Mann Asriel Mosche steht dort und bedient sie, So lautet die Oeschichte von Asriel Mosche dem Lastträger, welcher Asriel Mosche der Bücherwart ist. Am 30. Juli starb der Direktor des Botanischen Jflititutes der Universität Jerusalem, Dr. A. Eig, im Alter von 44 Jahren. Wir werden die Leistung dieses Gelehrten noch eingehend würdigen.