Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1938)
- Date
- 1938-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 Jüdische Rundschau Nr. 63, 9. VIII. 1938 Politik und Wirtschaft, verwahrt man sich gegen Zuwanderung, weil man empfindet, daß diese die idyllische Ruhe einer mehr oder weniger ■ausgeprägten Weltabgeschiedcnheit stören kann. Die Beispiele hierfür sind zahlreich; wir erinnern an die Proteste, die in den letzten Tagen aus Rhodesien gegen die Möglichkeit einer (an sich geringfügigen) Seßhaftmaehung indischer Einwanderer laut wurden, oder auch an die Stimmen, die man aus A ustralicn horte, einem Erdteil, der gewilS noch mit Leichtigkeit einer grollen Zahl arbeitswilliger .Menschen in allen Zweigen der Wirtschaft eine Existenz zu geben vermag. Diese Proteste sind aus einer engen Perspektive entstanden, die begreiflich ist, so sehr man dagegen ankämpferi muß, und so sehr es insbesondere die Aufgabe der Staatsmänner der Welt und aller jener Mensehen ist, die über ihren persönlichen Lebensbe/irk hinauszublicken vermögen, dagegen anzukämpfen. * Wir Juden, die in diesem Prozeß der Uinbesicdhing ganzer Erdteile in vorderster Front stehen, haben die Aufgabe von Pionieren. Das ist für uns nichts Neues, gab es doch in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden immer wieder die Erscheinung, daß Jude״ bei der Erschließung von Ländern und Erdteilen pionierhaft mitge- Wirkt haben, daß sie wichtige Wirtschaftszweige in ihnen entwickelten und zur Blute brachten. Auch heute könnte das so sein, wenn nicht nur die Juden, um die es geht, sondern auch die politischen und humanitären Instanzen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, den Blick über das Ganze hin Schweifen ließen. Es wurde an dieser Stelle bereits im Hinblick auf ein Spezial-Problem auf diese Möglichkeit Inngewieseii, nämlich auf die Bedeutung, die die Verpflanzung jüdischer Aerztc aus .Mitteleuropa in andere Teile der Weit haben kann. Hier bietet sich in einem vielleicht einmaligen Maße cin/ust 1/( 1 11 d 1 s nt 1 ן/ ן ן- י, h!nur Gruppe ton exponierten Gebieten scheinen solche Möglichkeiten vorhan- ׳den 71! sein, wobei es darauf an kommen wird, den Strom der sein, je nach der! Maßnahmen /u ihrer I enkirng' Denken w'ir an unsere eigene ('״•schichte zurück: Di־׳ Auswanderer aus Spanien von 1-492 sind m der Levante zu einem großen Teil sozial hcrabgcsimken und bilden dort, etwa in Saloniki, ein armseliges Proletariat, bei dem mir noch die Namen an eine stolze Vergangenheit erinnern. Anderswo dagegen, in Hol- Jand, auch in Amerika, haben die gleichen .Menschen blühende Industrien und Handelszweige ins Leben gerufen, haben den ׳Wohlstand ihrer neuen Heimat mitbegründen helfen und sind bis in unsere Tage angesehen und geistig lebendig geblieben. Es kommt eben darauf an, daß Wanderung nicht dazu dient, die Armut zu verschleppen und in der Welt neue Zentren des Elends einzupflanzen, sondern es gilt, Jrrrft ungebrochenen Kräften hinauszuziehen und etwas Neues aufzubauen. Nicht mir der Besitz von Mitteln ist in diesem Zusammenhänge w ichtig, sondern ebenso bedeutungsvoll ist das Vorhandensein von Qualifikationen in beruflicher *und g e i s t i g e r Hinsicht. Die Möglichkeit der berufliehen Ausbildung und Fortbildung b/w. beruflichen Um- Schichtung der jungen Generation, die für die Auswanderung bestimmt ist, stellt eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen des Ganzen dar. Is liegt im Interesse der Juden selbst wie in dein jener Lander. <he sie aufneluncn können, diesem Grunde ist die Erhaltung und der Ausbau der berufliehen Atishil d ti!1 g s m ״gl i'c h k e 1 t e 1 ״ m A ti s 1 a n d e eine Hauptsorge für uns. Es wird ,gewiß möglich sein, eine Gur, 1s 1 יי״״׳ ei , " \ 1 in), ,n *twjrbildct fru.htl, ,11׳ ׳ Z 11׳ ״ ■ ז׳ ״ , a - , ׳ ׳1׳ h'• ■nmngen der in Auswanderer druckend, als wenn die bisher bestehenden Möglichkeiten der Ausbildung eingeschränkt würden — abgesehen davon, cfali die Hilfe, die iugendlichen Menschen durch diese Ausbildung gewährt wird, ein wichtiges humanitäres Werk darstellt, das in dieser Zeit gewiß Bedeutung fiat, < Wir sehen heute in die Welt hinaus und verfolgen diejenigen, die den Weg der Auswanderung gegangen sind, mit unseren Blicken. Dabei sind wir davon überzeugt, daß die Menschen, die wir hinausschicken, nicht nur für sich selbst eine neue Existenz, finden werden, sondern daß sie ein hochqualifiziertes, geistig und moralisch einwandfreies Eiement des Aufhaus darsteilen, das bereit und fähig ist, in der neuen Heimat loyal zu arbeiten und sich als Glied der dorlägen Gemeinschaft Anerkennung zu erringen. Was wir 711 leisten vermögen, wenn wir auf uns selbst gestellt sind, haben wir in den vergangenen 20 Jahren in Palästina unter Umständen bewiesen, die unserer Arbeit nicht immer günstig waren. Zugleich glauben wir allerdings, daß die hinausziehemlen .Menschen auch im Rahmen der jüdischen Geschichte ihren Platz ausfüllen und daß sie einen Faktor darstellen werden, der einst in der Rückschau auf Jahrhunderte als Grundlage neuer Entwicklungen unseres Volkskörpers erscheinen wird. Die Familien und Gemeinden, die hier verschwinden, werden — so hoffen wir — auf neuer Erde unter Bedingungen neu aufgerichtet werden, die nicht leicht sein mögen, die aber durch Willen und Entschlußkraft gemeistert werden können. Dies zu erreichen, ist unsere Sache, uns dabei bei- 7 us tehe 11, ist die Sache jener, die empfinden, was das jüdische Schicksal in dieser Zeit unter historischen Perspektiven bedeutet und deren Herz, mit dem, unseren fühlt. K. L. Hoffnungen / New York, im Juli 1938 So, Sie haben also Verwandte drüben in USA; Vetter dritter! Grades, der vor zwanzig Jahren dort eingewandert ist ß Seine Adresse haben Sie auch ausfindig machen können und er wird Ihnen in ein paar Wochen «in Affidavit schicken? — Sie Glückspilz! Nun heißt es, sich umstellen aufs neue Land und die neue Existenz. Ein bißchen Englisch genügt aber nicht! Nehmen Sie doch gleich Unterricht bei einem Amerikaner, sonst müssen Sie hier erst wieder umlernen. Die meisten jüdischen Einwanderer kennen zwar eine ganze Menge eng- ־ ljscher Vokabeln aber das Sprechen macht ihnen unendlieh viel Mühe. Warum kann man nicht in Deutschland schon die alltäglichen Redensarten üben? Hinzu kommt, daß man bisher beim Englischlernen viel zu wenig Wert auf richtige Aussprache gelegt hat. Man kann das ״th“ doch gleich korrekt lernen, dann fällt es hier nicht mehr so schwer. — Dieser Fehler ist so häufig, daß einem immer derselbe Witz von dem Juden aus Deutschland erzählt wird, der, nach seinem Alter gefragt, ganz treuherzig antwortet: 1״ am dirty and mv wife is dirty, too.“ (Gemeint hat er natürlich ״thirthy“ 30 und nicht ״schmutzig“.) Sieh umstellen — das heißt sich schon zu Hause rigoros cinschrünken, damit es hier später leichter ist, sich einzuordnen: Aus der Scchs-Zimnier-Komfort-Woluuuig schon in Deutschland in eine Zwei-Zimmer-Wohnung ziehen, ohne Kinderfräulein, Stütze oder Gesellschafterin. Die Wäsche schon jetzt im eigenen Hause waschen, auch die ״grolle״ Stücke“ — denn hier ist es zu teuer, sie wegzugehen, lind die Gewebe werden durch die scharfen Laugen schnell zerstört. Aufwischen, Kehren, Fenster- und Schuheputzen sollte schon fleißig geübt werden, damit man sich in der neuen Heimat nicht gar so ungeschickt anstellt. Die übliche Redensart in Briefen aus Europa an Verwandte hier, selbst an solche, die gerade erst gelandet sindist: — ״Selbstverständlich werden wir n: entrind cm dort zur Last fallen, wenn wir erst einmal drüben sind!“ Kindliche Naivität. So etwas wirkt wie Hohn auf Menschen, die schwer kämpfen müssen, tim sieh seihst einigermaßen zu ernähren. Jeder Cent muß hier sauer verdient werden und Fahrgelder, Porto und Telephongespräche kosten einen Haufen Geld, auch wenn man in den ersten Woehen bei Verwandten wohnen und essen kann. ״Ach, bei uns war das viel besser, ja, früher...“ muß man sich auch abgewöhnen. Kein Gastgeber hört sich gern ungünstige Vergleiche an; eines schönen Tages wird er aus der Rolle fallen und seinem Gast unsanft beibringen, daß er entweder nie hätte auswandern sollen oder sich den imaginären Unbequemlichkeiten des fremden Landes anpassen müsse. Mit solchen Leuten, die immer nur meckern, hat man hier keine große F reude, die eigenen Verwandten dritten Grades auch nicht. Kein Amerikaner will abfällige Kritiken von ״Grünen“ hören. Ich warne alle, dies selbst auszuprobirren. Hope Simpson für offene Tür Auf der Sommerschule der liberalen Partei in England, die gegenwärtig' in Öxford abgehalten ־wird, sprach־ Sir John Hope Simpson, der (wi׳e von uns bereits mitgeteilt) im Aufträge des Royal Institute for international Affairs einen Bericht über Wanderungsfragen in der Nachkriegszeit verfaßt und publiziert hat, über das Flücl1t!i!ngsproblem. Wenn nicht Großbritannien in der Sache der Aus- Wanderung aus Deutschland bzw. Oesterreich etwas tun würde, so sagte Sir John, — von wem könne man dann etwas erwarten? Das Homc-Office (das englische Innenministcrium) lege eine höchst verständnisvolle Haltung an den Tag, sei jedoch in seiner Handlungsfreiheit durch Gesetze beschränkt, und ebenso beschränkt durch das Arbeitsministcrium, das seinerseits weitgehend Rücksichten auf die Gewerkschaften zu nehmen habe. Er sei jedoch überzeugt, daß die Bevölkerung Englands auf eine richtig gestellte Frage richtig antworten würde. In Hollau d seien von Einwanderern, die geschäftliche Unternehmutigen aufgebaut hätten, mehr Holländer in Nahrung gesetzt worden, als die Gesamtzahl der Einwanderer überhaupt beträgt. Auch in Belgien ist eine erhebliche Zahl von Belgiern in der gleichen Weise in den Arbeitsprozeß eingerei.ht worden, und in England selbst werden 25000 Menschen durch Refugees beschäftigt, also weit mehr, als Einwanderer zugeiassen worden sind. Es sei auch falsch, den Zuwachs an Intelligenz, den die Einwanderer dem eng-!!sehen Leben brächten, abzusperren. Er wünsche, daß Englaud von den Einwanderern nicht mehr eine Erklärung verlange, wonach'sie sich verpflichten, weder bezahlte noch unbezahlte Arbeit anzunehmen. Er würde ebenso befürworten, daß die Einwanderer den gleichen Anspruch aut die Hilfe der Wohlfahrtsinstitutionen der Allgemeinheit stellen dürften, wie gebürtige Engländer. Wer in die Vereinigten Staaten von Nordamerika kommt, hört auf, als ״Refugee“ zu gelten, und wird ein Einwanderer, dem alle Rechte des Landes offen stehen. Es würde der Tradition der Liberalen entsprechen, so erklärte Sir John, jede Anstrengung zu unterstützen, die darauf abzielt, das Tor etwas weiter zu öffnen und die Bedingungen für Einlaßsuchende etwas zu verbessern. Die ״leeren Räume“ bieten nach Meinung des Redners nicht die Möglichkeit einer unmittelbaren Lösung des Prohlems. Bevor man Massen in die noch umerschlossenen Gebiete des britischen Empire senden kann, bedarf es einer gründlichen vorherigen Prüfung, erheblicher Finanzierung«- möglichkeiten, sachverständiger technischer Hilfe bei der Ansiedlung, angemessener Fürsorge für soziale und kul- Greife Einrichtungen. Den jüdischen Organisationen zollte Sir John Hope Simpson für ihre Leistungen in den letzten 5 Jahren warme Anerkennung. Die jüdischen Organisationen hätten 125 000 Menschen zur Auswanderung gebracht; sie hätten sie ausgebildet, in Bewegung gesetzt, sie itn 50 verschiedenen Ländern angesiedelt, und das alles auf ihre eigenen Kosten, beseelt von dem Geist der Brüderlichkeit mit ihren bedrängten Glaubensgenossen. Er wünsche, die Christen hätten ebensoviel getan. Gegen Beschränkung: der Einwanderung In der ״Times“ ergreift unter Bezugnahme auf den (auch von uns in der vorigen Nummer wiedergegebenen) Artikel des Blattes James Malcolm, der wahrend der Friedenskonferenz Balfours Sekretär gewesen ist, das Wort. (Malcolm hat vor drei Monaten einen von der Peel-Kommission abweichenden Teilungsvorschlag veröffentlicht, den wir seinerzeit in der ,Jüdischen Rundschau“ nebst Karte wiedergegeben haben.) Er führt aus, man dürfe nicht verkennen, dan die Terroristenbewegung scheinbar antijüdisch,- in Wahrbeit aber anti britisch ist, und er' behauptet, daß eine große Zahl von Provokateuren sich 1m Lande be- Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten In den ersten Tagen nach der Ankunft besucht man alle Leute, deren Adressen einem die Freunde in der alten Heimat mitgegeben haben. Man spricht diese Menschen, die sich teilweise schon gut cingelcnt haben und ... sieht und hört nie mehr etwas von ihnen. — Ein alter Amerikaner sagte neulich sehr treffend: — ״Verwandschaftsgrade zählen hier nicht. Jeder ist sich selbst ■der Nächste und muß zuschen, wie er durchkomint. Wenn er nicht tüchtig genug ist, geht er unter. Ist er jedoch ein ganzer Kerl, so wird vielleicht noch mal was aus ihm. Hier eher, als irgendwo. Ausdatier muß inan eben haben.“ Man geht natürlich zu den Stellenvermittlungen.der .diver*. sen jüdischen Organisationen, aber geholfen kann nicht immer werden und man hört häufig Klagen von enttäuschten Hilfee suchenden. Es gibt auch jüdische Damen, die aus Idealismus ihre Freizeit opfern und ihren Rat und Hilfe den Neuen zur Verfügung stellen. Die Neuankömmlinge müssen sich oft mit niedrigen Gchaltern für ungelernte Arbeit zufrieden geben, so daß viele Leufe die Köpfe schütteln und sich wundern, daß die Grünen mit einem solchen Gehalt auskommen — aber, was sollen sie denn machen? Bei Verwandten herumsitzen und dies Wände anstarren? — dann schon lieber für ein paar Cents arbeiten und auf andere Gedanken kommen. Und dann haben die meisten Einwanderer aus Deutschland keinen praktischen Beruf, den sie hier verwerten können. Manch einer hat Glück, wie z. B. ein Patentanwalt, der seit Jahrzehnten für einen amerikanischen Konzern in Deutschland tätig war und vor einigen Monaten von dieser Firma hier mit Kontrakt engagiert wurde. — Ein junger Dekorateur kommt hier an, hat nur ein paar Cent in der Tasche, wohnt bei Verwandten, nimmt erst irgendwas an und ist jetzt bei einein der größten Warenhäuser fest angestellt in seinem Beruf; er hat schon seine kleine Schwester angefordert und sie im Haushalt untergebracht. Als Kinderfräulein und Haushaltshilfe kann man sich wenigstens Wohnung, Essen und ein Taschengeld verdienen. Mädchen und junge Frauen, die kochen können, sind übrigens viel leichter unterzubringen als junge Burschen. Im Haushalt braucht man ja nickt viel Englisch und mit gutem Willen verständigt sich die jüdische Arbeitgeberin mit ihr in gebrochenem Englisch, Jiddisch oder durch Zeichensprache. Viele junge Frauen aus dem Mittelstand haben Stellungen im Haushalt angenommen und dadurch sich und ihren Ehemännern über die erste Zeit hinvveggeholfen. Hut ah vor solchen Frauen! Heber eins sind sich aber alle einig: gefunden hat noch jeder etwas; bei manchen dauert es nur drei Wochen, bei anderen drei Monate oder sogar Jahre, aber untergekommen ist noch jeder.... vorausgesetzt, daß er arbeiten will und nicht zu ״vornehm“ ist, alles anzunehmen. Man hat eben Hoffnung — im Land der unbegrenzten Möglichkeiten .... Irmgard H. Schwarz finden. Der Hauptfehler sei die Beschränkung der jüdischen Einwanderung gewesen, denn die Terroristen nätten dies als eine Belohnung ihrer Mördereien betrachtet. Daher, so schließt Malcolm, müsse sofort nach der Rückkehr der Woodhead-Kommission das Prinzip der Ökonom»• sehen Fassungskraft für die jüdische Ein- Wanderung wieaerhergestcllt und außerdem für jeden von den Arabern seitdem ausgeführten Mord und jeden. Sabotageakt eine bestimmte Zahl zusätzlicher jüdischer Einwanderer ins Land gelassen werden._ Sir Ronald Storrs über Palästina Wie aus London berichtet wird, erörterte Sir Ronald Storrs, der der erste englische Gouverneur von erusalem war und im vergangenen Jahre über seine Erebnisse und Erfahrungen im Vorderen Orient in einem intcressanten Ruche ״Orientations“ berichtet hat (das wir seinerzeit ausführlich gewürdigt haben), bei einem Ferienkursus im Bedford College das Palästina - Problem■ Seit die Juden nach Palästina zurückkehrten, hätten sie dem. Lande ein ungeheures Maß patriotischer, begeisterter, ja fast verzückter Arbeit gewidmet, nicht zu reden von den 70 oder 80 Millionen Pfund, die absolut die Hoffnungen gerechtfertigt hätten, die man auf sie gesetzt habe. Zur Frage der Teilung meinte Sir Ronald, wenn man die verantwortlichen Juden veranlassen könne, nicht mehr auf der Forderung nach dem Mehrheitsstatus zu beharren, dann würde, man vielleicht eher eine Lösung des Problems finden. ״Solange die Juden darauf bestehen, daß die Araber um jeden Preis eine Minderheit sein müssen, solange verlangen sie etwas, was kein Volk mit Blut in seinen Adern jemals akzeptieren wird.“ Er trete rückhaltlos für die Niederschlagung und Ausrottung des Terrors ein. Welche Lösung immer gefunden werden würde, sie würde in keinem Falle dadurch kommen, daß man dem Terror freie Balm lasse. JR. Die Meinung eines Mannes, der das jüdische Aufbauwerk in Palästina so aus der Nähe kennt, wie Sir Ronald Storrs, muß uns wichtig sein. Die warme Anerkennung, die er ihm zollt, hat sicher eine besondere Beweiskraft, und wir begrüßen seine Betonung der Erkenntnis, daß man den Frieden im Lande, nach dem wir uns sehnen, nicht dadurch herbeiführen kann, daß man vor dem Terror zurückweicht. Wenn Sir Ronald meint, die beharrliche Forderung der Juden nach dem Mehrheitsstatus könne ״von einem Volke mit Blut in den Adern“ schlechterdings nicht akzeptiert werden, so haben wir freilich die Pflicht, darauf hinzuweisen, daß Zionismus und Wunsch nach jüdischer Mehrheit in Palästina entstanden sind, weil die Juden — auch sic — ein Volk ״mit Blut in den Adern“ sind. Die Peel-Kommission hat zutreffend die Gehurt dieses Wunsches aus dem Erlebnis der Judenfrage in der Welt erkannt. Steht Anspruch gegen Anspruch, dann kann nur von höherem Blickpunkt aus, der nicht nur das kleine Mandatsgebiet Palästina sieht, eine Lösung gefunden werden. Die Araber sind im Irak, in Syrien, in Saudia in unbestrittener Mehrheit. Die Juden sind allenthalben in der Minderheit; wäre das nicht der Fall, so würde es keinen politischen Zionismus geben. Sollte es nicht möglich sein, auf höherer und breiterer Ebene beide Ansprüche miteinander zu versöhnen, so daß im Vorderen Orient insgesamt das Arabertum praeponderiert, in Palästina, das nur ein schmaler Streifen dieses Raumes ist, ein jüdisches Uebergewicht beriindet wird? Könnte englische Staatskunst nicht zu diesem iele hinführen? Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Weltsch, Bcrlin-Charl. 0 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter» Kurt Loewensteln, Berlin W15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich L i e p m a n n, Berlin W 15. Gültig Anreigen־Preisliste 8 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A 11/1938 : 26 045. — Druck; Siegfried SrhnY:1!1 .. .״, Nh״nebcrg.