Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1938)
- Date
- 1938-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 5. VI». 1938 spricht nicht im eigenen Namen, sondern ״aus dem ,Munde des Volkes1״). Im Gegensatz zu ihnen allen identifiziert sich Agton mit seiner Welt, und zwar in immer fortschreitendem Maße, Zu Beginn seines Weges findet sich freilich hei ihm noch ein wenig von der Ironie MeiukTes; so gibt er der von ihm geschilderten Stadt den redenden Namen Schibbusch (etwa: Makel), ein ZwilbngsbriKicr der Städtcnamen Mendeles: Kissalon (etwa: Dummsdorf), Batalon (etwa: Faul- Stadt). Aber jenes Mitleid, mit dem sich Schalom Alechem zu »einen Gestalten verhalt, ist Agnon ganz fremd. Audi diejenigen seiner Menschen, die in ihrem Privatst hicksal unglücklich sind, fühlen sich in ihrer jüdischen Welt glücklieh, und selbst die wenigen ,Ausnahmen von dieser ]Regel wie Uriel, der ״Verstoßene“, der wegen seiner Neigung zum Chassidismus in Konflikt mit seiner Umgebung!gerat, bleiben auch im Kampf durchaus im Bann der jüdischen Gasse und rebellieren nicht gegen sie. Der nichtjiidische Bezirk sdilidilidi, der in den Erzählungen Stein bergt und Aschs einen so grober! und bedeutsamen Raum einnimmt, ist bei Agnon fjst gar nicht vorhanden: er bezeichnet nur die ferne Grenze seines eigenen Bezirks, der zugleich die jiidische Gcffcntlidikeit seiner Gest.!Iten ausmacht. Perez bringt den ,,Mund des Volkes“ zum Reden, und er ist zugleich 1 Idrer mul Sprecher, während Ag- חסת die Geschichte seiner Stadt, seiner Familie erzählt und Sich selbst als — vorläufig — letztes Glied in die goldene Kette einfügt, die er nicht mir zu beschreiben, sondern fortzusetzen beabsichtig!. Gegen all 113s |:Uh sich einwenden, daß es rein ideologisch gesehen ist und keinerlei künstlerische Bewertung enthält. Audi scheint durch den Hinweis auf die ״Idcntifikation“ das Argument des ״I nikiorisiischen" noch nicht widerlegt. I '!ul schließlich bleibt die Frage nach der besonderen B! ziehung der wc-tlichui Judciiheit zu Agnon weiterhin offen. Wir fanden den Bi griff der 111 e n t i f i k a t i on als •unterschiedliches Knbr.uin zu sdmi Agnon und seinen Vorgängern. In diesem Begriff sind zwei Stufen, zwei Epochen enthalte!: dm erste n a i v e Identifikation ist Aitersuersorgung mr: Philipp Ueko, IWw-Wita״״lfW. Urm״•<״!׳״,r1״.m״• Sw,«(. 22 / Ruf »9 74 43 nichts als ur.spiuiiglichcs Ideutocliscin. Noch hat sich kein Riß zwischen dem Siotf und der Form, zwischen der Welt und ihrer Gestaltung aufgrtan. Dies Nt die Stufe des ursprünglichen Med ho׳,, der in jedem Wort hUtoriscbe Quelle für den in ihm eiuhaltencn Stoff ist. Man darf etwa in den eben Mvthos sehen, eine TaDaclu׳, die offenbar Max'ßrod dazu verleitet lut, Agnon m seinem großen Essay mit Homer zu vergleichen. Du Irr (um ist augenfällig: er beruht vor allein darauf, daß das ursprüngliche mvthi- »che I d e 11 11 s c h s e i n keineswegs jener I d e n 11 f i k a - tion gleicht, die erst nach der Epoche der Zerstörung oder doch zum mindesten des Zweifels und der Kritik nötig und möglich ist. Ebenso wenig gleicht jene erste Naivität, die vor dem wbseuseliaftliciien Sumlcnfall liegt, einer zweiten, deren Gnade dem Umkehrer aus dem Rczirk der autonomen, gesctzgebendc'ii Vernunft werden mag. Uns sind nur wenige Reste aus jener Epoche der ursprüngliclictt Identität, des Mythos und der ersten Naivität erhalten. Zahlreich hingegen sind die Zeugnisse aus der Epoche der Zerstörung, des Zweifels und der Kritik, jener langen Zeit, die spätestens mit den griechischen Sophisten begann, noch immer andauert nml auch in die Zukunft hinein dauern wird und muß. Seifen und auservvälilt aber sind die Schriftsteller, aus deren Schöpfungen wir einen zarten und hellen Widerhall jener ersten mythischen Epoche vernehmen, ein Echo, das einen neuen und starken Glauben verkündet, der kommen wird. Dieser Glaube wird nicht nacn dem Bilde jenes ersten Glaubens geformt sein, sondern alle wahrhaften Errungenschaften der langen Zwischenzeit in sich ,,aulbeben״. Unter den Kündern einer solchen neuen Zeit nimmt Fortsetzung ist nicht iru;.11,1 msch, nicht frei von Erschütteder Kr Diese persönliche Stellung hat eine besondere Beilentung für Agnon» Künstlertum als eines großen epischen Erzählers. Epik kann sich mir aus historischer und sozialer Kontinuität entw icken, die mit : Irren Wurzeln im Erdreich der Vergangenheit steckt und deren Haupt den Himmel der Zukunft berührt. Duo st Ag!m:s künstlerischer Weg, Die meisten seiner Er/.ili'ungcii gehören in den Raum einer einzigen großen Geschichte. Sie haben einen Schauplatz: Scliibbtisch in (rali/ien. Ein kontjunerlk’liLT zeitlieber Zusammenhang umspannt sic: angefangeii von ״Und das Krumme wird gerade" bis /<!r ״Einfachen Geschichte‘‘. der Juden. Und sie haben keinen eigentlichen Schluß. Agnon schürzt den cpbclieii Knoten fast niemals bis zu Endr; stets hängt noch ein Faden heran«, an den er die nächste Ocschichte knüpft, wie etwa ״Eint׳ einfache Geschichte“ an ihre Vorgängerin ״In der Blute ihrer Tuge״, und noch immer ist All das steht in vollkommenem Gegensatz zur Folklore, Künstlerische Epik und Folklore schließen einander aus. Epik drängt auf Fortsetzung, Folklore will Verbirenes retten, Epik ist dem Leben;!!gewandt, Folklore — dem Museum. Agnon hat das Leben gewählte Und die westliche Jiidenhrit? Was also hat sie mit Agnon zu tun? Diese Judenhcit ist arm an Tuten mul in vieler Beziehung aus dem Joch der Gebote entlassen, Aber ihr stellt ein großes Verdienst zur Seite: sic wurde im Schmelzofen der europäischen Kultur geläutert, als diese geprüft und zu leicht befunden ward. Diese Judenhcit hat Briefmarken Fritz Lewin Lüt/o»!*tr JTfA viel vergessen und viel gelernt. Sic hat gelernt, den tmgczähmten Durst gerade und nur 11 ach fremden (,)!teilen zu bezwinge!!. Sie hat gelernt, sieh der sklavischen Verbeugungen vor der Schönheit jnphrts zu schämen, die sie überall, nur nicht in den Zeiten Sem», suchte. Trotzdem hat sie nicht vergessen, dasjenige von der Weisheit der Völker zu lernen, was sich in unseren Quellen nicht findet und nur durch krumme und verkrümmende Atnsleguugskimste aus ihnen ge'holt werden kann. Vor allem aber hat sic gelernt, wieder nach den Quellen des Judentums zu streben, deren Reichtum nicht auszuscliöpfcn ist, Die Westjudenlieit — d, h. natürlich nur ihr absolut und relativ kleiner Vortrupp!) Titel der Sammlung chassidischer und anderer Volkscrzählungcn von Perez. Aus dem Roman ״Der Verstoßene“ / Von S. J. Agnon Aus dem Roman ״Der Verstoßene", der demnächst in deutscher Ucbvrselzung von N. N. Glotzer und Moritz Spitzer im Schochen-Verlag, Berlin, erscheinen wird, bringen wir nachstehend zwei Abschnitte. Bei der Braut Fast wäre es zwischen Rabbi Meschuüam und dem Brautvater zu einem Zerwürfnis gekommen. Der Brautvater sagte: Mein Leben lang kränkte ich mich bei der JWischna- Stelle ,,Und hier fragt der Sohn“, da mir doch männliche Nachkommen nicht vergönnt worden sind. Dann dachte ich: Wann kommt mir ein Schwiegersohn, daß ich die vier Fragen aus seinem!Munde höre? Rabbi Mescliullain aber sagte zu ihm: Was soll das denn heißen, Schwäher! Ein Kind ist das ganze Jahr lang seinem Vaterhaus fern und soll nun, wo cs heimkommt, zu anderen gehen? Der Brautvater aber erwiderte: Wohnte ich an einem anderen Ort, käme er doch für alle Peßaclitagc zu mir; da ist es, wo Ich am Ort bin und er am Ort ist, doch nur recht und billig, da» er die Pcßachniiclite an meinem Tisch verbringe! Da sprach Rabbi Awigdor: Rufen wir den Jungen und befragen wir seinen Mund! Aber Rabbi Sundei, der Brautvater, stellte sich listig an und befragte ihn mit diesen Worten: Abgemacht, Gerscliom, daß du mit uns feierst? Und Gcrschom antwortete ihm: Was abgemacht ist, ist abgemacht, und er folgte dem Brautvater. Sic traten in das!!aus ein und begrüßten die Angehörigen des Hauses. Er zauderte mit der Sprache, da er nicht wußte, ob er Rabbi Sundel mit seinem Namen, und die f rau Rabbi Stindels mit ihrem Namen, oder ob er ihn als Schwiegervater und sie als Schwiegermutter ansprccheii sollte. Unterredet ein Mensch sich mit einem andern, braucht er seinen Namen nicht erst voranzustellen, hier aber wollte sieh keinerlei Rede mit dein Schwiegervater und mit der Schwiegermutter ergeben, die es nicht nötig gemacht haben würde, ihren Namen im voraus zu erwähnen. Gcrschom legte seine beiden Hände auf den Kopf und ließ seinen Kopf niedersinken; da erblickte er im silbernen Geschirr das Spiegelbild Menuchas, strahlend wie der Mond, und er wurde rot wie ein Mensch, der bei einer Sünde ertappt worden ist. Die Scham durchbrach sein Zaudern und die Frage, die ihn vorher beschäftigt hatte, kam ihm aus dem Sinn, Rabbi Sundel nahm die Haggada zur Hand, las die Sedcr-Vorschriftcn und prüfte nach, ob alles an seiner Stelle stehe. Indessen stand seine Frau ihm gegenüber, und betrachtete ihn und den Tisch. Der Tisch war gedeckt, die Lichter brannten, und die silbernen Geräte standen da, daß man sielt ihrer nach Art der Freien und Herren bediene. Der Geruch der Fnichttunke, des Bitterkrauts, der Petersilie und der anderen Kräuter brachte einen Geruch von Frühling im Haus hervor. Rabbi Sundel setzte sich auf den bereiteten Festsitz, und auch alle anderen saßen nun, ein jeder auf seinem Platz. Man schenkte die Becher ein lind nahm die Haggadabändchen zur Hand: Rabbi Sundel eines, seine Frau eines und Mcnucha eines; Gcrschom befürchtete schon, da,ß man ihn mit seiner Verlobten aus einem Buch werde lesen lassen. Rabbi Sundel hatte wohl eine Haggada für Gerschom bestellt, weil sie der Buchbinder aber, zugleich mit dem Talmud, erst kurz vor Peßach eingebunden hatte, ließ man sie vorerst unbenutzt, aus der Besorgnis, daß vielleicht noch Gesäuert cs daran wäre. Aber Rabbi Sundel stand nun auf, holte ein altes Gebetbuch vom Bücherbrett und gab es Gerschom, und Gerschom war bcruhigt. Sie sprachen den Segen über den Wein, lasen die Haggada, tianken, aßen dann und tranken dazu, sprachen den Tischsegeu und beendeten schließ!ich die Feier. Der Hausherr nahm seine Pfeife, aber noch ehe er sie richtig in den Mund gebracht hatte, überkam ihn der Schlaf, und er schlummerte ein; und auch die Herrin des Hauses machte es ihrem Mann B. HEUHAMM P I A NOS I KÖHLSCHRÄNKE■ BOSCH RADIO! PRIGIDAIRE ״. B. W15, KurfQr»t«ndamm 203 / Ruf: »13716 gleich, und sie nickte ein. Gerschom las noch immer weiter, und da er die vier Becher getrunken hatte und sein Herz voll geworden war, sang er mit voller Stimme. Mcnucha hörte zu und freute sich, als wäre ihr ein Bruder geschenkt worden, der das Haus mit der Stimme der Tora erfüllt. Eier Hausherr schlummerte auf seinem Festsitz, und die Herrin des Hauses hatte sich erhoben und war schlafen gegangen. Gerschom las das Lied vom Lämmchen, und Mcnucha fiel in den Refrain ein; ״Ein Lämmchen, ein Lämmchen, das gckauft mein Vater...‘‘. Und so lasen sie dann noch das Holle Lied, immer er einen Vers und sie einen Vers, bis sic das ganze Buch zu Ende gelesen hatten und auseinamlcrgingcii. Gerschom kam zum Schlafen in die Stube seines Großvaters. Schon am Tage hatte inan das Bett seiner Mutter hineingcsfellt und es ihm für die ganze Zeit seine» Aufenthalts in Schibbuscl! zur Lagerstatt bestimmt, damit sein Körper in Stille und Genuß liegen könne. Er legte sich ins Bett, sprach das ״Höre Israel“ und deckte sich mit der Decke zu, mit der seine Mutter sich zugedeckt hatte. Kindheit war in ihm, als wäre er noch ein kleines Kind und läge an der Seite «einer Mutter, bis der Traumengcl karn und ihm den Schlaf mit Versen aus den! Hohen Lied und mit dem Bild seiner Verlobten versüßte, Menudia Rabbi Awigdor wollte den Angehörigen seines Hauses das Herz, erheitern. Rabbi Awigdor sagte sich: Mein Schwieg_crsof!n Mescliullam tritt in sein »edtsunddreißigstes Jahr ein. Ich will eine Dankmalilzeit!)errichten. dieweil er der Geltung des Psalmworts ״die Männer von Bluttat und Trug erreichen die Hälfte nicht ihrer Tage“ eiitrafcn ist. Er sandte den Bethausdiencr aus und lud seine Verwandten zu einem Segensbecher am Abend. Rabbi Sundel hatte in seinem Haus ein Zimmer, darin ein Spiegel׳ aufgehängt war. Dort stand Mcnucha, che Verlobte üerschoms, dem Spiegel gegenüber, zog ein Kleid um das andere an und wieder aus, wie eine Braut, die sich ihre Gewänder am Körper anmißt, zierte sich mit ihrem Zierrat — wegen der Sefira-Tage anders als sonst —- und beschaute sich dabei im Spiegel. Um sie hemm standen ihre keuschen und züchtigen Freundinnen und halfen ihr dabei, die Kleider anzuzicheii und sieh mit dem Zierrat zu zieren. Ais sie dann geziert dastand, strahlte das ganze Zimmer von ihrem Glanz. Da fielen ihr die Freundinnen um den Hals, schlossen sie in die Arme und küßten sie. Eine vor! ihnen faßte sic an ihren beiden Händen und sagte ihr: Komm, ich will dir erzählen, was ich vom Vater gehört habe! Solches habe ich aus dem Mund meines Vaters gehört: Den ganzen Tag über hat der Laiulcsrabbiiier mit Gerschom einen gelehrten Disput gehalten. Du meinst wohl, er habe Gerschom besiegt? (i nein, Gerschom hat ihn besiegt. Du meinst wohl, er habe das nicht einbekamit? Ü nein, so hat er ausdrücklich gesagt: In all meinen Tagen hat mich noch niemals ein Mensch besiegt, außer diesem Milchbart. Du meinst wohl, er sei ärgerlich geworden? O nein, jedermann weiß, daß er für ihn ein Geschenk bcreithiilt. Was für ein Geschenk? Die Rabbinats-Autorisation. Und für wann? Für die Stunde, da du und Gerschom dasitzen und euch eurer Hochzeit freuen werdet. Menuclia stellte einen Korb mit Früchten vor ihre Freimdinnen hin, um ihrem Schwatzen eine Grenze zu setzen. Aber Prärien sind redefreudig, und wcrpi sie ihren Mund einmal aufgetan haben, will es nicht gelingen, sie wieder zum Schweigen zu bringen. Der Heilige, er sei gesegnet, sandte ihr zwei Tränen in die Augen. Sie 110h ihre beiden Augen auf und neigte den Kopf rückwärts, damit die Tränen vielleicht an ihren Ort zurückkehrten und ihre Freundinnen sie nicht bemerkten. Da kam Gokle aus dem Haus Rabbi Awigdors und brachte allerlei Leckereien für die Braut und ihre Mutter, damit sic an dem Genuß der Dankmalilzeit teilhätten, denn bei einem solchen Mahl essen die Frauen nicht mit den Männern. Golde betrachtete die Schönheit der Braut, sagte ihr vielerlei Lob und Preis und nannte sic Tochter eines Königs und Schönste unter den Frauen. Ihr Sinn wollte sich aber nicht beruhigen, bis sie sic umhalst hatte und so z.u ihr sprach: Die Lieblichkeit Gottes sei über dir, cs sei dir vergönnt, daß du zu einer guten und glückverheißenden Stunde unter das Trauzelt tretest, und deine Abkömmlinge mögen die Synagogen und Lehrhäuscr füllen. Und mir welker Greisin möchte cs vergönnt sein, daß ich deine Enkelkinder auf meinen Armen trage. Auch sic erzählte ihr von dem großen Disput, den Gcrschom mit dein Landesrabbiner geführt hat, und wie dem Rabbi vor Gcrschoitis Beschlagenheit der Geist schwach wurde und er ihn, damit sein Geist sich nicht überhebe, auf einen andern Gegenstand ablcnkte. Und worauf lenkte er ihn ab? Auf die Vorschriften für die Frauen, weil Gcrschom als ein Lediger in ihnen nicht so gut bcschlagen war. Mcnucha warf ihren Kopf zurück, um Golde merken zu lassen, daß ihre Rede ihr nicht willkommen sei, und sie׳ lieh ihre Stimme an ein Lied, vielleicht daß die Regungen ihres Herzens zur Ruhe kämen und ihr leichter würde: Schön FradcT sitzt einsam und traurig, Das Angesicht selmsuehtverhangon, _ Kommt da der König Sobieski vorbei, Und im Nu ist das Herz ihm gefangen, O komm doch, du Schönste der Maiden, Ich deck dir die Vt'cge mit Gold, Erhörst nur du heut mein Verlangen, Sind des Königs Schätze dir hold. Was sollt! ihr die Schätze des Königs, So ihr eigener Schatz ist dahin. Schön Fradcl sitzt einsam und traurig, Und Nebel die Gassen durclizichn. Die Mädchen sahen und wußten nicht was sie sahen. Aber Gott, er sei gesegnet, lieh der wahren Melodie jene Kraft, welche die Nichtigkeiten der Welt vergessen macht und die Seele des Hörenden in eine andere Welt erlieht. So begannen auch sic mit ihr zu singen, und die Süßigkeit ihrer Stimmen dauerte bis an den Abend. — ist ein wenig ernüchtert vom Rausch der Bildung, vom Rausch der Kultur. Sie verzichtet nicht auf ihre Bildung und auf ihre Kultur und wird nicht darauf verzichten, im Gegenteil; aber sic ist sich ihrer Grenzen bewußt geworden. Die Geschichte seihst hat der Wcstjudcnhcit eine Lehre erteilt, die das östliche Judentum in seiner Mehrheit bisher nicht erhalten hat, und am allerwenigsten die paläntincn» sischen Juden. Wir haben allerdings unsere Rechnung mit unserer Aufklänmgscpoche, der ״Haskala“, noch nicht gc-!nacht, und die geläufigen negativen Urteile werden ihr nicht gerecht, aber andererseits haben wir uns in vielen und wichtigen Fragen noch nicht von der Haltung der ersten Aufklärer befreit. Dazu kommt, daß die ״Haskala“ unserer Tage zu spät gekommen ist und ihre Stunde verpaßt hat, die ja nicht die Stunde politischer und religiöser Toleranz, der Völkerverbrüderung, der Schaffung des Welthandels und der Weltliteratur ist, wie das 18. Jahrhundert es war. Die Kraft der Bildung allein genügt nicht mehr, um neue Kräfte, von denen die alte Haskala noch nichts wußte, zu händigen. Für diese» Werk bedarf es göttlichen Geistes. Dieser göttliche Geist kann sieh nur der Kraft des O lau ben s vermählen, Das Chaos kann nur an seinen Ort zurückkehren, — der der Ort des Heiligtums ist! — wenn wir den Namen Gottes in cs liineimvcrfen, Wer das Chaos gesehen hat, sucht den Name n. Deshalb danken die westnchen Juden unter Agnons Verehrern dem Manne, der von Israel zeugt und erzählt als von Gotte» Volk. 20 Jahre Jawne. Die anerkannte Jüdische Oberschule Jawne in Köln (Refonnrealßyinnasium und Lyzeum) wird mit Ende des laufenden Schuljahres auf ein zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken können. Aus diesem Grunde bittet die Schulleitung alle ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Jawne im 111• und Ausland uni Angabe ihrer jetzigen Anschrift. Au« der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU‘‘v. 8. 8.19131 ln den jüngsten Tagen sind in Jerusalem wieder aus dem J e m e n traurige Nachrichten über die Drangsalicrang der dortigen Juden cingclroffen. Ein reicher jüdischer Kaufmann in Kalkutta, Josef Abraham Schalom, hat in Jerusalem ein größeres Terrain erworben, auf dem er 24 Wohnhäuser erbauen läßt, die armen spaniolisch'jiidischen Intuition zu je drei Jahren unentgeltlicher Benutzung überlassen werden sollen..,. Nach einer Mehlung der Jerusalemer Zeitung ״Ifacherulh“ hat Herr Schalom in der Kalhntiaer Filiale der Bank 0/ England anderthalb Millionen Francs für palästinensische Woldfahrtszwecke deponiert. PK RS I AN e Ht « NtRZi Silberfuchs«, samtl. Paiiar•*«! BERLIN W 5 0