Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1938)
- Date
- 1938-08-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 61, 2. VIII. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Der neue Präsident der ZOA Von unserem. Korrespondenten Judendebatte im Parlament von Chile Von unserem Berichterstatter Santiago, 26. Juli Im Senat und in der Deputiertenkammer wurde eingehend über die Einwanderung von Juden debattiert. Der Senator Maximiliane Erräzuriz hielt in der Sitzung des Senats vom 12. Juli eine Rede, in der er darauf aufmerksam machte, daß die berufliche Schichtung der eingewanderten Juden zu einseitig sei. Es kämen überwiegend Kaufleutc ins Land. Chile brauche aber Bauern für den Süden. Die imrnigrierten Juden würden in ihrer Mehrzahl in der Hauptstadt bleiben und dadurch den Konkurrenzkampf vergrößern, ln seinen Ausführungen wandte er sieh an die Regierung, die Einwanderung von Juden zu beschränken. Er machte aber darauf aufmerksam, daß seine Rede lediglich 'den Zweck verfolge, auf die Gefahren der Einwanderung von Personen hinzuweisen, die Berufe haben, welche dem Land nicht nützen; keinesfalls sei er Antisemit. Dem Senator Errüzuriz antworteten die Senatoren Luis Gtmuteio und Oscar Schnake, die sich gegen seine Ausführungen wandten und der Regierung nahdegten, eine Eiinvandenmgspolitik zu treiben, die das Prinzip verfolge, die traditionell loyale Einstellung Chiles in Einwanderungsfragen auch bei der Beurteilung der Frage der Einwanderung von Juden zu beachten und die Tore Chiles für alle zu öffnen, die keine Gefahr für das Land bilden. Der Senator Borqnez schloß sieh den Ausführungen der Senatoren Gumucio und Schnake an. ln der Dcputi c rt enka 111 me r sprach der Deputierte Ricardo Latcham in der Sitzung vom E3. Jul! über die Irntnigration von Juden und vertrat noch eindringlicher den Standpunkt der Senatoren Gumticio und Schnake. Beachtenswert ist, daß die Presse der Landeshauptstadt in ihren Kommentaren zu diesen Debatten eine für Juden recht freundliche Haltung einnimmt, wie aus den Artikeln in der Regierungszeitung ״La Nacion" vom 14. Juli und ״El Mcrcurio" vom gleichen Tage hervorgeht. E s 111 u B in diese tn Z!1 s a tu m c n h a 11 g aber e r vv a h n t wer d e n, daß es z. Z t. fast u n m ö g - lieh ist, die Einreiseerlaubnis nach Chile zu bekommen. Zionistische Arbeit f ür Anfang August ist die Ankunft des Vertreters der Jewish Agency und des Keren Hajeßod für Südamerika, Dr. Abralmm Mibasehan, Buenos Aires, avisiert, der die Keren Hajeßod- und Keren Kajemeth-Aktion, die dieses Jahr in Chile gemeinsam durchgeführt werden, einleiten wird. ln der jüdischen Kolonie Chiles hat die Gründung eines Komitees, welches die Handelsbeziehungen zwischen Chile und Palästina fördern soll, lebhaften Anklang gefunden. Die vorbereitenden Arbeiten schreiten rüstig weiter. Am 2S. Juni fand eineVeranstaltung der ZionistischenJugend- Organisation im Circulo Israelita statt, die sehr gut besucht war, wobei die zionistischen Delegierten Samuel Goren, Leon Gomberoff, Leon üru/ko, Miguel Maldavski und Roberto Aron sprachen. — Am 16. Juli veranstaltete die jüdische Jugend- Organisation eine Kundgebung. Es sprachen der Präsident dieser Organisation, Marcos Kaffmann, und der Leiter der Kulturangciegcnhciten in der zionistischen Jugendorganisation, Guillcrmo Rosenberg. Im musikalischen Teil der Veranstaltung stellte der bekannte jüdische Geiger Victor Tcvah erneut sein großes Können unter Beweis. - Am lö. Juli fand im Circulo israelita eine sehr eindrucksvolle Hcrzl-Öialili-Gedächtnisfeier statt, bei welcher Roberto Lew und Isaac Blomenstein interessante Referate hielten. Der große Saal des Circulo Israelita war überfüllt. Auch die Juden aus Deutschland sind jetzt aktiver in zionistischen Dingen. Die Delegierte der Wi/o, Frau Ariel Benzion, hat eine Gruppe der Wi/o gebildet, die aus jüdischen Frauen aus Deutschland besteht und der bereits über 40 Damen angeboren. Die Gruppe, zu deren Präsidentin Frau Carola Heilbronn gewählt wurde, ist recht rührig. Die Radio-Station Santiagos ״Radio Baqiiedano“ hat zweimal in der Woche eine ״Hebräische Stunde" in ihr Programm eingesetzt. 600 Medizin-Studenten der Universität Melbourne riehteten an die australische Regierung eine Petition, die Niederlassung «migrierter Aerztc aus Oesterreich abzulehnen. New York, Ende Juli. Als die Zionistische Organisation von Amerika bei ilirer letzten Convention (Jahreskonferenz) in Detroit Rabbi Solomon Goldman aus Chicago zum Präsidenten wählte, wurden zwei herkömmliche Gewohnheiten verlassen. Zum ersten war dies das erste Mal in 40 Jahren organisierter zionistischer Bewegung in Amerika, daß das Haupt der Bcwegung aus dem M i 11 c I w e s t e n und nicht von der Ostküste kam, sodann ist überhaupt zum ersten Male eine W a 11 1 vorgenommen worden. Bei allen früheren Gelegenheiten war zwischen den führenden Persönlichkeiten eine Uebcreinkimft erzielt worden, so daß ein Präsident ohne Wahlkampf bcrufen worden war. Rabbi Solomon Goldman gilt als der hervorragendste Hebraist unter den konservativen Rabbinern Amerikas. Seine Anhänger wiesen vor der Wahl darauf hin, daß er der erste Präsident der amerikanischen Zionisten sein würde, der die drei zionistischen Organe in allen drei Sprachen (Hebräisch, Jiddisch und Englisch) würde lesen können. Rabbi Goldman hatte lange Jahre eine Kanzel in Cleveland inne, wo er mit Rabbi Abba Hillel S i I v e r, Vorsitzendem des United Palestine Appeal, durch engste Freundschaft vorblinden war. Diese Freundschaft ist späterhin allerdings in die Brüche gegangen und bis beute nicht wiederhergestcllt worden. Vor etwa 10 Jahren ging Rabbi Goldman nach C h i c ,1 g o , wo es ihm gelungen ist, eine der bedeutendsten und einflußreichsten Synagogen-Vcreinigungen des Landes aufzuhauen. Seine bemerkenswerteste Eigenschaft ist seine Freundlichkeit. Bei all seiner großen Bildung macht er niemals den I indruck vnn Distanziertheit oder Uchcricgenheit. Ob cs sich um Literatur, Wissenschaft, f ilm oder Menschen handelt, über alles spricht er mit einer Freimütigkeit und einem Sinn für Humor, die man nicht immer hei führenden Persönlichkeiten bemerkt. Die Vergangenheit von Rabbi Goldman wird zweifellos Anlaß zu Kommentaren für die Zukunft gehen. Er ist in seinen theologischen Ansichten keineswegs orthodox. ־Manche Aon derungen waren so ketzerisch, (laß voreilige Kritiker gar so weit gingen, ihn als ״Atheisten“ zu brandmarken. Sicher ־trifft zu, daß er im jüdischen Geistesleben den Akzent weniger auf spezifisch-theologische als auf allgemein-kulturelle Werte setzt. Der Kampf um die Präsidentschaft mit Dr. Israel Goldstein, dem Vorsit/emlen des Keren Kajcmctli Lejisrael in Amerika, wurde 11. a. gegen Gold man mit dem Argument geführt, daß er als ein Gelehrter für die zionistische Präsidentschaft nicht der richtige Mann sein wurde. Demgegenüber beabsichtigt Goldman, seine gun/e Aktivität fur seine Aufgabe ciri/usetzen. Er wird in diesem Sommer Palästina besuchen, um wieder Kontakt mit dem Lande zu gewinnen, das er vor einem Jahr nach einer erfolgreichen KKL-4 ournee durch Südafrika besucht hatte. Vom amerikanisch-jüdischen Kongreß Die Wahlen /um ״amerikanisch-jüdischen Kongreß“ haben Ende Jum stattgefunden. Ausweislich des Berichtes sind Wahl- Zertifikate ־ die etwa dem Schekel, der zur Wahl zum Zionisten-KongrelS berechtigt, entsprechen - in einer Zahl von (108 003 verteilt worden. Die Zahl der tatsächlichen M ahler zur Jahreskonvention des Amerikanisch-jüdischen Kongresses betrug 311671, was außerordentlich befriedigend ist und allgemein so bewertet wird, besonders angesichts der Tatsache, daß in sehr vielen Großstädten das Wetter an den Wahltagen schlecht war. Die Frage bleibt offen, was der .,Kongreß“, mit dieser Wählerschaft hinter sieh, nunmehr tun wird. Einstweilen machen Verhandlungen fur eine ״I inhatGi ont" mit dem Jewisli I aber (;omniiltcc und dem .American Jewish Committee toit-il! tt< Du I 1 1 I 11 1 1 1c '!!׳un Glue zwischen bare Anw neben antiserriitwclici Aktie 1t.1t in Amerika wirkt als Bestätigung fur die Autfa-Mmgcn, die ־com Amerikanisch• Der nengcwälilie Präsident der /ionisti-ihen < bganisation um Amerika, Rabbi Solomon (.1 nid man, begab sich nach London und wird von Hort, nach kurzem Aufenthalt in Jüdische Siedler in Recende (Brasilien) In der lca-Siedlung Hecende in Brasilien sind jüdische . ins׳ winnierer uns Deutschland 11111:• se׳/>׳•//. I nsert• Bilder, die uns von einem l.eser der ״J. R,“ eingcschickl werden, zeigen links ein Sicdlcrhaus im Hohlem, recht s ist der junge brachwuchs des Siedlers aus Haus und Shdl zu sehen Au«Undj<״to. > : ״Der Poet ist blind geworden“ Eine jiidisdic Didiiertragödic von 11. Leiwik ״Der Poet ist blind geworden“ heißt das neue, dreiaktige Drama von H. Leiwik, denn Dichter des jiddischen (vom Kulturbund in Uebcrsetzung gespielten) Dramas ״Golern“; es ist im dritten Band der ״Sammelbücher" erschienen (Verlag ״Sanimclbüclier“, redigiert von J. Opatoschu und Fl. Leiwik, New York 1038). Es ist die Tragödie jüdischen Dichtertums und erinnert vielfach an Einzelheiten aus dem Leben Morris Roscnfelds. Leiwik warnt aber entschieden davor, sein Werk für eine Dramatisierung von Rosenfelds Biographie zu halten; es ist alles andere als ein Schlüsseldrama. Leiwiks Hauptfigur beißt Maxim Dörnfeld, ist jiddischer Dichter von Berufung und Schneider Von Beruf, Er sitzt Tag und Nacht über der Maschine, wenn es Arbeit gibt, er steppt und ernährt damit mehr schlecht als recht seine Frau und seinen Jungen Bob. Das ist der Schneider Maxim Dörnfeld, und das ist sein Leben: halb zu verhungern, wenn er Seltneiderarheit hat, und ganz zu verhungern, wenn er keine hat. Der Dichter Maxim Dornfeld aber ist bekannt, beliebt, populär. Nur in den Redaktionen der jiddischen Zeitungen ist er schlecht bekannt und gar nicht beliebt; der Dichter kann dein Schneider nicht einmal zu einem kleinen Nebenverdienst verhelfen. Dafür hilft ihm seine Frau, eine brave Seele und rackert sieh gleichfalls au der Maschine ab. Der Sohn ist schon amerikanisiert; ein gerader, herzhafter, feuriger Bursche, versteht er nicht, wie das zugeht: sein Vater ist ein bekannter Dichter, und wenn er keine Schnciderarbeit hat, ist kein Brot im Haus. Was ist das für eine Sprache und Literatur, was sind das für Leser, die ihren großen Dichter an der Maschine sitzen, steppen und hungern lassen? Und der junge Bursche lehnt sich gegen die Sprache auf, in der sein Vater der große Dichter ist und hungert. Er empört sich eigentlich gegen das Jiddische, weil er selbst davon losgerissen lind amerikanisiert ist. Die Problematik des Jiddischen wird bis zum Absurden weiter profiliert. Ein Bruder des Dichters, gleichfalls Schneider, ist nur für Hebriiisch. ״Hebräisch ist Glauben, Jiddisch ist Verzweifeln!“ läßt ihn Leiwik sagen. Dieser Firmier liebt den Dichter, er ist ein feiner Kerl und will den Acrmsten retten — vom Jiddischen, als ob cs eine Rettung vor der Muttersprache gäbe. Aber der Dichter muß gerettet werden, er ist verzweifelt, verbittert, voll Gift und galligen Humors. Nur zu seinem Jungen ist er weich und gut. Aber der gute lungc findet sich nicht zurecht in dem Wirrwarr von Jiddisch, Poesie, Schneiderei, Ruhm, Arbeitslosigkeit und Armut; selbst der nutzlose Ruhm wird ihm zweifelhaft, als er im Hause eines Verehrers seines Vaters dessen Buch auf dem Klosett findet. Fines Tages hält der Sohn cs nicht mehr aus, verläßt die Litern und Amerika. Damit hat der Vater das Letzte verloren. Und plötzlich geht die Nachricht um, Maxim Dörnfeld sei erblindet. Tumult und Sensation im Publikum: der größte jiddische Dichter erblindet! Bald ist seine Wohnung von Reportern belagert, die ihn interviewen wollen, die Redakteurc, die ihn zuvor nicht kennen wollten, reißen sich um seine Verse, selbst ein Mäzen läßt sich herbei, der zwar selber nicht jiddisch lesen kann, dem aber ein Bekannter das Genie Mr. Dornfeld so sehr gelobt hat. Und eine Frau kommt weither gereist, des Dichters große Liebe, die von seinem Unglück erfahren hat. Der Dichter ist nun wirklich berühmt, beliebt, populär, von allen Seiten wird ihm Hilfe aufgedrängt, alle umsorgen, jedermann liest ihn ernstlich, selbst sein Sohn kehrt beim; das jüdische Volk hat seinen großen Dichter zurückgefunden. Der Dichter mit den toten Augen liegt auf seinem Schmerzenslager und weiß, alles hat sich gewandelt, er ist das verzärtelte Kind des Volkes geworden. Er lächelt bitter ־— ein Manu, der der Welt einen Streich gespielt hat. Aber sein Geheimnis lange für sich zu hehalten, ist er nicht imstande, er muß die Wahrheit aussprechen: er ist nicht blind. ״Ich begann zu spüren, daß ich imtergehe, daß ich verrückt und zunichte werde. Ich begann zu spüren, daß inan mich meidet, daß meine Bücher weggeworfen sind, daß inan mein Gedicht mit Füßen tritt. Ich wurde überflüssig, der Fabrikant quälte mich, zu Hause Stille, Hunger, Totenstille rings um mich...‘• Um dieser morde-, rischen Stille zu entgehen, ist er, vorgeblich, blind geworden. Was nun folgt, ist ein innerer Vorgang und für die äußere Handlung ohne Belang: die Läuterung des Dichters, der sich Rechenschaft gibt und klar einsieht, daß seine bisherige Lebenslinie krumm war und darum zu dem Spiel der Täuschung führen mußte. Fr halte die gerade Linie wahrhaften Schaffens und wirklicher Dichtung nicht durchhalten können, darum die Selbsthilfe durch eine Lüge an Stelle von Kampfbevvußtsein, Geduld und Vertrauen auf die Geschichte. Durch diese Erkenntnis, die seine vorherige Ent- Wicklung Lügen straft, wird aber die Lüge selbst rehabilitiert und nachträglich ervvahrt: er war blind, nämlich innerlich stockblind und ist nun sehend geworden. Mit offenen Augen sieht er jetzt seine Aufgabe und macht sich mit offenen Augen auf den Weg. Dieser Schluß ist ein Schritt aus dem Tragischen ins Erhabene ־ - ein im großartigen Sinne jüdischer Sihltiß, wenn imn ihn mit den Finales anderer Kiinstlertragödien unserer Zeit vergleicht, mit Martin Edens Selbstmord bei Jack London und Dick lleldars Kclbsiimird in Kiplings ״Das Licht erlo-ch"; Dick ilrldar sucht den Heldentod, weil er blind geworden ist, I eiwikx Held ist sehend geworden. l.eiwiks Drama bringt eine Lulle tragischer Prohleme zum Mort und zur Anseliaiitmg, die nicht nur den Dramatiker und seinen Dichter bet reffen. Morris Rosenfeld war - und jede!־ jiddische, hebräische, jeder für Juden schreibende jml 1 -1!סי c Dichter ist —• ein Maxim Dornfeld im Grunde seines Schicksals mul seiner Aufgabe. Man kann aber das Stuck nicht unter die Rubrik Künxtlertragödien einordnen, in denen sieh so h.iufig (meist mäßig begabte) Dich- 1er ihre eignen Nöte vom Heizen schreiben. Ls geht Leiwik um mehr, etwa um das Mißverhältnis zwischen Geist und Volk in der derzeitigen jüdischen Gesellschaft, tun die Not der jiddischen Sprache in der amerikanischen Umwelt, um die Isolierung des geistigen Menschen, um die Kluft zwischen assimilierten und, grölt gesagt, jüdischen Juden, um die Verstandnis- und Verständigungs-Unmöglichkeit /wischen den jüdiselten Generationen, um die materiellen Nöte als Ausdruck moralischer, seelischer, geistiger Not, um Herzensträgheit, Gemeinschafr, Lüge, Wahrheit und Sinn. Daß diese Probleme bei Leiwik Fleisch und Blut, Gestalt, Anschauung und Gegenständlichkeit gewonnen haben, kennzeichnet seine Dichtung. Die innere Tragik indessen, dieser Komplex von Proletarisierung, Dichtertum, Vater- und Judennot, hat Leiwiks Teilnahme so auf seinen Poeten Dörnfeld gesammelt, daß, dramaturgisch und psychologisch gesehen, die andern Figuren des Stückes zu kurz kommen. Die Frauen sind etwas blaß geraten, die Rückkehr des Sohnes als eine Heimkehr auch zu den sozialen Gedanken und der Sprache des Vaters ist nur angedeutet, und nur eine Gestalt kann neben der Hauptfigur bestehen. Das ist der Dichter Lew, Dornfelds Pendant und Widerpart, offenbar Leiwiks Idealbild eines Dichters: rein, offen, frei, naiv wie ein Kind. Lew vergöttert Dornfclds künstlerische Kraft, Dörnfeld Lews seelische Natur. Sie sind die aufrichtigsten I־rctinde, und wenn Dörnfeld sich von Grund auf läutert und wandelt, so war Lew sein Wegweiser Herrlich und für Leiwik typisch, daß sein Held sich durch eine Sünde entsühnt; die Simile, die Vorgcbung des Blindscins, als logische Konsequenz aus dem Mißverstehen des Lebens überhaupt und von Dörnfelds Rolle darin, isf die Negicrung von etwas Negativem, demnach dessen Aufhebung — minus mal minus gleich plus .und hat also die Aufgabe einer Fieberkrisis ־/wischen Erkrankung und Genesung. Line, wie gesagt, vergleichsweise sehr tröstliche Aufgabe in dieser tragisehen Welt, in welcher l ieberkriscii auch mit dem Tode ausgehen können. Leo H i r s c h