Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1938)
- Date
- 1938-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE, RUNDSCHAU Nr. 61, 2. VIII. 1938 Ausdruck, die in der vergangenen Woche erst im Oberhaus und dann im Unterhaus stattgefunden haben. Der Bischof von Chiclicstcr stellte im Oberhaus fest, daß England bisher folgendes getan habe: erstens, es habe beschlossen, die Konvention von '1 *)38 über die juristische Stellung der Rehigies zu ratifizieren, zweitens, es habe versprachen, die bereits in England befindlichen Rehigies zu absorbieren, drittens, eine beschränkte Anzahl von Auswanderern aus Oesterreich neu aufzunclimen und viertens, die Ansiedlung von Auswanderern auf dem Lande in gewissen ostafrikanischen Kolonien in Erwägung zu ziehen. Dies aber, so sagte der Redner, rührt nur an den äußersten Rand der Dinge. Etwas mehr, etwas Großzügigeres ist erforderlich, etwas, was beweist, welche neuen Dinge die britische Regierting zu tun bereit ist. Viele andere Länder würden dann entsprechend reagieren. Was bedeutet es aber, die Führung ergreifen? Zunächst zwei Punkte: erstens, die Vergrößerung der Möglichkeiten für die Ausbildung und Berufslehre junger Menschen aus Deutschland, und zweitens, genauere Angaben, wieweit die Regierung geneigt ist, die Tore ihrer kolonialen Besitzungen zu öffnen; dazu gehöre etwas mehr als eine so allgemeine Erklärung über Kenya und Nordrhodesien. Der Redner ging aber dann noch viel weiter. Er verbreitete sich ausführlich über die Menschcnar m u t großer G e b i e t e des b r i t i s c h e 11 Reiches und regte eine Aussprache der Regierung mit den Dominions an, denn es handle sich hier um eine Sache, die das ganze englische Weltreich angcht. Natürlich ist jedes Dominion für seine Einwanderungspolitik selbst verantwortlich und die englische Regierung hat darauf keinen Einfluß. Es handle sich aber um eine Sache, die für die Zukunft der ganzen Gemeinschaft britischer Staaten von hochster Bedeutung ist. Gibt es doch andere!.,ander, die einen rapiden Bevölkerungszuwachs aufweisen, Rußland 1. B. habe heu'e schon 175 ,Millionen, und die Vermehrung steigt weiter. Dagegen ist die G e 11 u r t e n zahl i n den Dominions stark absinkend. In dieser Situation wäre eine Zuwanderung von geeigneten, körperlich und geistig gesunden jungen Männern und Frauen für aile Teile des englischen Weltreiches ein großer Gewinn. Der Redner zitierte einen Ausspruch, den der jetzige Primen!inister Ncvillc Cham berlatn, damals Schatzsekretär, in seiner Budgetrede im Jahre 1935 im Unterhaus getan hat: Hier nun — das war die Essenz mehrerer Reden dieser außerordentlich bedeutungsvollen Parlamentsdebatten — bietet sich eine einzigartige Gelegenheit, auch für England und die englisch sprechenden Länder, M e n s c 11 e n a u f z u 11 e 11 m e n, die einen hohen Standard und hohe Bildung־ besitzen und, wie diese Redner sagten, von den Limvanderungsländern unbedingt als ein Gewinn betrachtet werden müssen. Immer wieder wurde auch darauf hingewiesen, wie falsch die Annahme sei, daß Einwanderer den Einheimischen die Arbeit wegnähmen. Sie nehmen nicht nur Arbeit, sondern sie schaffen auch Arbeitsgelegenheit für viele, und qualifizierte Elemente in Wissenschaft und Wirt- Schaft bringen auch sonst viele Vorteile mit sich, die der Gesamtheit zugute kommen. Von besonderem Interesse war die Debatte im U n ■ terhaus vor allem darum, weil dort als Vertreter der Regierung der Mann auftrat, der in der Konferenz von Evian der Hauptdelegierte Englands war, Lord Winterton. Interessanterweisc war auch der erste Redner (nach dem Antragsteller) — Capt. Cazalet — ein Teilnehmer der Konferenz von Evian. Lord Winterton machte die Mitteilung, daß er die englische Regierung auch bei der am Mittwoch in London beginnenden Fort- Setzung der Beratungen repräsentieren wird (das war nicht selbstverständlich, da in Evian die Möglichkeit offen gelassen wurde, daß die Regierungen bei der Fort- Setzung andere Vertreter schicken). Auch Taylor und Berengcr, so sagte Ford Winterton, werden in London wieder beteiligt sein. Unter den Eiriwanderiingsmoglichkeiten stehen, abgesehen von USA. und einigen großen Ländern Südamerikas,‘ in der Tat jetzt die großen Räume des britischen Weltreiches im Vordergrund der Aufmerksamkeit. Auch von uns aus können wir sagen, daß ״alle Augen auf England“ gerichtet sind. Das jüdisehe Volk wird gewiß mit Dankbarkeit und innerer Bewegung die Art und Weise registrieren, in der die englische öffentliche Meinung . repräsentiert vor allem durch die beiden Häuser des Parlaments an seinem Schicksal Anteil nimmt. Viele verständnisvolle Worte sind hier gefallen über das Los von Menschen, die nach einem bescheidenen Ort Ausschau halten und mit der grauenvollen Perspektive rechnen müssen, daß alle Länder, überlastet mit eigenen Sorgen und Schwierigkeiten, sich ihnen verschließen. Es ist eine Ermutigung in dieser schweren Zeit, zu vernehmen, daß ein über so gewaltige Möglichkeiten verfügendes Reich wie das britische, dem das jüdische Volk schon die Bahnung des Weges zum Jüdischen Nationalheim io Palästina verdankt, sich warmherzig dieses Problems annimmt. Maßgebende Engländer meinen, daß etwas geschehen kann, und daß cs zum Nutzen nicht nur der Einwanderer, sondern auch des Einwanderungslandes wäre. Wir Juden verstehen auch die Schwierigkeiten; Lord Winterton hatte recht, wenn er in dieser Hinsicht die Haltung der verantwortliehen großen jüdischen Organisationen anerkannte. Vielleicht enthüllt sich das komplizierte Wesen der Sache auch darin, daß manche Aenßerungen zu Mißverstandnissen führen können, wie 2. B. die Rede, die der australische Vertreter in Evian hielt, und aus der, wie Lord Winterton betonte, nicht falsche Schlüsse auf die tatsächliche Bereitschaft Australiens gezogen werden können. All diese Bereitwilligkeit bezieht sich nur auf Aufnahme von Einzelwanderern. Ist es auch heute unmöglich, bestimmte Projekte einer Massenauswanderung und geschlossenen Massenkolonisation zu realisieren, da, wie z. B. Lord Samuel im Oberhaus bemerkte, das erforderliche Riesenkapital hierfür nicht aufzubringen ist, Lord Samuel über Palästina Gelegentlich der Debatte im Britischen Oberhausc über die mit der Konferenz von Evian zusammenhängenden Fragen vom Mittwoch, dem 27. Juli, äußerte sich der frühere High Connnissioncr von Palästina, Viscount Samuel, '11. a. auch über Palästina. Wir geben diesen Teil seiner — im übrigen der Rchigiefrage gewidmeten — Rede im Wortlaut nach dem stenographischen Protokoll wieder, da wir annehmen, daß gerade dieser Teil in zionistischen Kreisen besonderes Interesse finden wird. Lord Samuel sagte: ״Dies ist nicht die Gelegenheit, bei der Eure Lordschaften eine allgemeine Aussprache der palästinensischen Situation wünschen werden. Vielleicht wird eine solche Diskussion etwas später im Jahre erwünscht sein, wenn der Bericht der O renzkommission veröffentlicht und die politische Situation dadurch geklart worden ist. Ich möchte dennoch einige wenige Bemerkungen bezüglich der gegenwärtigen Lage in Palästina machen. Ich habe das Land im letzten März wiedergesehen und bin mit einem etwas pessimistischen Eindruck zurückgekommen. Ich hielt es für meine Pflicht, dem Staatssekretär fiir die Kolonien meine Ansicht mitzuteilcn, daß die Situation dort sehr schlecht wäre — was offenkundig war — und daß es dort eher nach Verschlechterung als nach Verbesserung aussähe. Das hat sich in den letzten Monaten unglücklicherweise bewahrheitet. Ich fürchte, daß die gegenwärtige Lage wenig Aussichten für eine baldige Besserung bietet. Ais diese Angelegenheit vor einem Jahre bei dem Bericht der Peel-Kommission im Oberhause debattiert wurde, unternahm ich es, meine Ansicht auszusprechen, daß die hauptsächliche Empfehlung dieser Kommission, die Empfehlung der Teilung, falsch sei und Palästina nicht den Frieden bringen werde. Ich bedauere sehr, daß die Regierung sich diese Empfehlung in übereilter Weise zu eigen gemacht hat, ohne den beiden in Frage stehenden großen Gemeinschaften Gelegenheit zu geben, ihre Ansichten zu äußern und sich für Annahme oder Ablehnung dieser Lösung auszusprechen. Die Ergebnisse des letzten Jahres sind höchst beklagenswert. Icli bin noch immer überzeugt, daß die gegenwärtige Politik keinen Erfolg verspricht und Ich bekenne mich noch immer zu der Alternative, die ich vor einem Jahre dem Oberhause ausführlich dargestellt habe. Ich bin überzeugt, daß es wesentlich ist, daß beide Seiten ein Opfer bringen, daß die Juden sich angesichts der arabischen Gegnerschaff klarmaclii‘11 müssen, daß sie nicht hundert Prozent ihrer Forderungen erreichen können, und daß die Araber sich klarrnachen müssen, daß sic die Bewegung zur Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina nicht aufhalten können, wohl aber imstande und berechtigt sind; ihre eigene legitime Position zu schützen. Eine gegenseitige Anpassung ist deshalb von beiden Seiten her erforderlieh. Inzwischen ist das Land der Schauplatz großer Verlüste und großer Leiden. Britische Soldaten und Polizisten werden aufgerufen, ihr Leben zu opfern, und furchtbare Verbrechen bringen Tod und Verstümmelung für viele unschuldige Menschen,“ (Der Plan, den Lord Samuel im Oberhaus am 20. Juli 1037, also fast genau vor einem Jahre, bei der Diskussion über den Pecl-ßericht vertrug, ist etwa folgender: Die Juden sollten auf eine Einschränkung der Ein- Wanderung in dem Sinne eingehen, daß ein Abkommen geschlossen werden kann, wonach innerhalb der nächsten zehn Jahre die jüdische Bevölkerung Palästinas einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, etwa 40 °/0, nicht überschreite. Gleichzeitig sollten die Juden die arabische nationale Bewegung als vollwertigen Partner anerkennen und sich dafür einsetzen, daß mit Hilfe von England und Frankreich eine arabische Föderation entsteht, der Arabien, Syrien, Libanon und auch Palästina angehören solle. Palästina würde in dieser Föderation das reichste Mitglied sein, seine Industrie würde ein Hinterland und einen Markt bekommen. Demgegenüber ,sollten die Araber die Tatsache des Jüdischen Nationalheims anerkennen, und einer Teilung Transjordaniens für eine Besiedlung durch Juden und Araber zustimmen. Die britische Rcgierung sollte eine Anleihe zur Erschließung Transjordaniens arantieren. Fiir Palästina sollte ein System dernationaen Autonomie ausgearbeitet werden, in dem Juden und Araber ihre kulturellen Angelegenheiten selbständig verwalten, während die gemeinsamen Landcsangelegenheiten in einer Art Bundesrat verwaltet werden. — Der Vorschlag Lord Samuels fand damals in dem größten Teil der jüdischen Oeffentlichkcit eine scharfe Ablehnung, weil man darin einen Versuch sah, die Juden als Minderheit in Palästina zu stabilisieren. Anderseits wurde darauf hingewiesen, daß eine Einwanderung bis zu 40״״ der Bevölkerung innerhalb der nächsten zehn Jahre eine jährliche Einwanderung von über 30 000 Menschen möglich machen würde. — Red.) so wird es doch nicht abwegig sein, solche Piäne in einer modifizierten Form im Auge zu behalten, wobei nach dem Muster der Massenansiedlung in der Türkei, in Bulgarien und Griechenland, an gewaltige Erschlicßungsarbeiten durch Arbeitslegionen zu denken wäre, die sich auf lange Sicht auch materiell auszahlen. Vorderhand aber wendet man alle Aufmerksamkeit der Einzel- Wanderung zu, und in dieser Hinsicht ist das Problem der Juden aus Deutschland und Oesterreich nicht unlösbar. Es ist kein Zufall, daß die Konferenz am 3. August in London Zusammentritt. Alle Augen sind auf England gerichtet. Berufs um Schichtung in Ungarn Von unserem Berichterstatter Budapest, 29. Juli Die berufliche Umschulung der jüdischen Jugend hat systematisch noch nicht begonnen, wohl wegen der Sommerferien. Wohl meldet der Studentenverein MIEFHOE den Beginn seiner Umschichtungstätigkeit für ca. 800 derzeitige und gewesene Hochschulhörer, die Israelitische Ackerbau- und Gewerbelehranstalt M I K E F E nimmt Erwachsene behufs Ausbildung zu Landwirten an, auch die großen Provinzemeinden Szeged, Debrecen und Miskolc haben achausschüsse zu diesem Zwecke gewählt —- aber den wirklichen Anfang machte ein Privater. Ein Bäckermeister in der hauptstädtischen Lcopoldstadt, der sich selbst früher zum Arzt vorbereitet hatte, eröffnete auf eigene Kosten ein Unternehmen: ״Universum“, in dem er vorläufig 7 Fachlehrkurse für Textil-, Spielzeug-, Galanterie-, Konditorej- und Kunstgewerbe eingerichtet hat. Die Kosten des Unterrichtes, der Werkstätten trägt allein D. Katona, der den Absolventen auch bezüglich ihrer Unterkunft im Auslande mit Rat und Tat zur Seite steht. — Ein anderes interessantes Privatunternehmen hat der Debrecen er jüdische Gymnasialnrofessor, Verfasser des ersten modernen hebräisch-ungarischen Wörterbuches, Mör, Mannheim, ins Leben gerufen. In pädagogisch-systematischer Weise hält er hebräische Sprachkurse in Briefen, zu denen sich bisher an 300 Teilnehmer gemeldet haben, und zwar nicht nur aus Ungarn, sondern auch aus dem Ausland, z. B. Fiume. Das jüdische Gymnasium in Debrecen will im nächsten Schuljahr einen Oewerbckuts für Holz- und Metallarbeiten errichten. Der Redakteur von ״Mult 6s Jovö“, Dr. Josef P a t a 1, der soeben von seiner 14. Studien- und Gesellschaftsreise aus Palästina zurückgekehrt ist, hat vor seiner Abreise im Radio- Jerusalem einen Vortrag über den ״Anteil des ung arischen Judentums an der' Kultur Palästinas“ gehalten. — Im Herzi-Nordau-Saal des Zionisten- Verbandes fand am 20. Juli eine Herzl-Bialik -Gedenkfeier statt. Dr. Th. L antos würdigte die Persönlichkeit Herzls, der Rezitator Oskar Ascher trug Bialik-Oedichte vor. Oberkantor Bornstein, der Chor des Noar hazioni und das Makkabi-Trio besorgten die musikalische Begleitung. Dr. Markus Tyrnauer, Senatspräsident des Miskolcer Gerichtshofes, Repräsentanzmilglied der dortigen orthodoxen Gemeinde, wurde vom Reichsverweser zum Kurialrichter ernannt. — An der Szeged er Franz-Josef-Uni versität wurden drei jüdische Hörer der Medizin für* ihre wissenschaftlichen Arbeiten mit Preisen der Universität ausgezeichnet. In Budapest verstarb, 77 Jahre alt, der Leiter des Staatliehen Bauamtes in Szolnok und Vorsteher der dortigen Gemeinde, Arnold Komor. Einer seiner Brüder ist Direktor des Budapester Lustspieltheaters, ein anderer hat sich um die Heimtran.sportieiung ungarischer Kriegsgefangener aus Rußland große Verdienste erworben. Der ägyptische Premier-Minister Mahmud Pascha, der sich augenblicklich in London befindet, stattete dem Kolonialministerium einen Besuch ab, wo er von Malcolm MacDonald empfangen wurde. Man nimmt an, daß er mit dem Kolonialminister u. a, die gegenwärtige Lage in Palästina besprach. Auswanderungsarbeit in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., Wien. 31. Juli Die Israelitische Kultusgemeinde wendet sich mit einem Aufruf an die Juden Wiens, insbesondere an jene, ״die bereits in der glücklichen Lage sind, das Ziel ihrer Wanderung zu kennen und aus eigener Kraft zu. er- Teichen, an die Unzähligen zu denken, die bis zu ihrer Abreise in banger Erwartung leben, an all diejenigen, dje nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.“ ״Mehr als 15 000 Juden“ heißt es weiter, ״müssen täglich von der Kultusgemcind-e gespeist werden; viele Tausende erhalten von ihr die nötigen Mittel, uin sich bis zum Zeitpunkt ihrer Auswanderung ein Obdach zu sichern. Mehr als 4000 luden konnten 'mit Hilfe der Kultusgcmeinde alle Schwierigkeiten überwinden und ihre Wanderung antreten.“ Der Aufruf wiederholt die Bitte an jeden, der von hier scheidet, an die noch hier verbleibenden Schicksalsgenossen zu denken und bei der Auflösung des bisherigen Besitzes einen Teil jener Werte der Auswanderer, die für den Aufbau der neuen Existenz, nicht in Befracht kommen, zur Unterstützung ihrer notleidenden Brüder zu verwenden, um auch ihnen eine Auswanderungsmöglichkeit zu schaffen. ln einer Mitteilung der A 11 s w a n d e r u n gs a b t e i - lung der Kultusgemcinde wird bekanntgegeben, daß im Einvernehmen mit den von den zuständigen Behörden anerkannten zentralen jüdischen Auswanderungsinstanzen (Auswanderung«- abteilung der Kultusgcmeinde und Palästina-Amt), die ausschließlich Auswanderer betreuen, die der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehören, die Auswanderung«- aktion Gilde meester, Wien, I., Kohlmarkt 8, arbeitet, wo insbesondere Nichtarier, die der jüdischen Glaubensgemeinschaft nicht angehören, vorgemerkt werden. — Um eine möglichst genaue Uebersicht über die Zahl der jüdischen Auswanderer zu erhalten, insbesondere jener, die nicht über die Auswanderungsabteilung der Gemeinde gehen, wendet sich die Gemeinde an ihre Mitglieder neuerdings mit dem dringenden Ersuchen, ihr jede Ausreise mitzuteilcn, auch wenn sie ohne Mitwirkung der Kultusgemeinde zustandegekommen ist In den nächsten Tagen werden daher _ an die Gcmeindcrnitgüeder Registrierkarten verschickt werden, auf denen die Ausreise bekannter oder verwandter Personen mitgeteilt werden soll. — Mit Hilfe der Aus- Wanderungsabteilung der Kultusgcmeinde sind in der Zeit vom 17. bis 22. Juli weitere 53 0 Personen ausgewandert. Insgesamt beziffert sich die Zahl der mit Gemeindehilfe bisher allsgewanderten Personen auf rund 3718. Seitens der ausländischen Hilfsorganisationen wird vor nicht genügend vorbereiteten und ohne Bewilligung unternommenen Einreisen nach Belgien, Dänemark, Holland, Frankreich, Luxembürg und die Schweiz gewarnt. Der Aufenthalt in Triest ist nach den letzten Mitteilungen nur Auswanderern, die im Besitze von Schiffskarten sind, einige Tage vor Abfahrt des Schilfes erlaubt. — Für eine sehr beschränkte An• zahl freier Arbeitsplätze i!1 Australien konnten von der Gemeinde Anmeldungen hochqualifizierter Spezialarbeiter entgegengenommen werden. Auf Grund des neuen Ehcgesetz.es, nach welchem bekanntlich ab 1. August 1938 jede Eheschließung von dem zuständigen Standesbeamten vorgenommen werden soll, wird in den Gemeindesynagogen von diesem Tage an die rituelle Eheschließung erst nach Beibringung des staatlichen Trauungsscheines möglich sein. 1111 Zusammenhang hiermit verlauthart die Israelitische Kultusgcmeinde: Zur Vornahme der rituellen Eheschließung sind ausschließlich die hierzu autorigierten Rabbiner berechtigt. Diese Feier darf nur in den von der Gemeinde bestimmten Synagogen stattfinden. Nach Meldungen aus Warschau wird der Präsident der Zionistischen Organisation von Ostgaliz.icn, Dr. Emil Schmorak vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B), als Nachfolger von Dr. Rottenstreich in der Exekutive der Jewish Agency vorgeschlagen. Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert Weltach, Berlin-CharL (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern), Stellvertreter! Kurt Loewenatein, Berlin W 15. Anzeigenteile! und verantwortlieh fiir den Inhalt der Anreigen: Erich Liepmann, Berlin W 16. Gültig Anzeigen-Preisliite 5 vom 1. April 1936. Verlag und An• zeigenvcrwaltung! Jüdiache Rundschau, Berlin W18, Meiaekestr, 10. D.A. 11/1938: 26 045. —• Druck: Siegfried Scholcm, lü-rhn-Schöneberg.