Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1938)
- Date
- 1938-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit• 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 29. VII. 1938' Die Arisierung von Gewerbebetrieben Vorschriften des Berliner Polizeipräsidenten barer Widerspruch zu bestehen; er existiert gewiß in der Theorie, wenn man nämlich diese Angelegenheit als eine Prestigefrage betrachtet, nicht aber dann, wenn man an die ökonomisch und sozial wirklich wünschenswerte Ent- Wicklung des Nationalheims denkt. Waffenstillstand Man spricht heute in Palästina von der Notwendigkeit eines Waffenstillstandes. Es hat wenig Sinn, davon zu sprechen, wenn man nicht an seine Bedingungen denkt, und wenn man sich nicht darüber klar ist, daß es nach dem heutigen Stand der Dinge keinen Sieger, sondern aut beiden Seiten nur Verzichtende gehen kann. Daß ein solcher Waffenstillstand und eine sich daran anschließende Befriedung in ihren Bedingungen nicht für die Ewigkeit geschlossen zu werden braucht, ist eine Binsen- Wahrheit, da es sich ja darum handelt, auf Grund der heutigen Machtverhältnisse zu einem Abkommen zu gelangen. Aus diesem Grunde ist der gelegentlich in der Diskussion aufgetauchte Vorschlag, eine derartige Regelung für eine bestimmte Zahl von Jahren, etwa für ein Jahrzehnt abzuschließen, sicher beachtenswert. Es ist klar, daß solchen Vorschlägen gegenüber sogleich esagt werden wird, es sei heute nicht die Zeit dafür, man ürfe mitten im Kampfe nicht zu Abkommen gelangen und müsse erst ״bessere Zeiten“ abwarten, in denen wir stark genug sind, um unsere Bedingungen zu diktieren. Diese Rede kennen wir. Mit ihr hat man in kritischen Zeiten jeden konstruktiven Vorschlag erstickt, um in den guten Zeiten zu sagen, daß doch alles in Ordnung sei, so daß man gar nichts zu tun brauche. Denken wir aber daran, daß. -- so schwer die jetzigen Tage sind — vielleicht noch viel chwerere kommen können. Das aber darf nicht sein, und dies zu verbindern, ist eine schwere und gewiß nicht durch Formeln zu lösende Aufgabe, die unsere verantwortlichen Menschen heute zu bewältigen haben. Die Chance des Gelingens liegt dabei darin, daß auch die arabische Seite durch den Brand, der im Lande ausgebroclicn ist, aufs Schwerste gefährdet wird, und daß für sie die Gefahr besteht, in einem *ich entwickelnden Chaos unterzugehen. Und die Gola? Man fraßt vielleicht: Und die U 0 1a? Wie werden die J11den der Welt eine solche 1 laltimg aiifnehniai? Können wir es tun in einer Zeit, j!1 der die Wanderungsnot gegen die Tore Palästinas drückt? Wird die zionistische Bewegung ihren verantwortlichen Männern nachfolgen, wenn schwere Ent- Schlüsse nottun? Das ist gewiß eine ernste krage, die an uns herantritt, zumal nachdem Jahrzehnte hindurch von uns selbst Illusionen genährt wurden und nachdem die Stimmen der Besinnung kaum Resonanz im jüdischen Volke fanden. Um so mehr gilt es heute, die Geister zu erhellen, die wahre Situation in ihrer ganzen Schwierigkeit darzustellen und zugleich den Entschluß zu stärken, daß wir uns zwar elastisch den politischen Gegebenheiten dieser Zeit anpassen und das beste aus ihnen machen, was nur möglich ist, daß wir darüber aber nicht vergessen, welche tieferen Ideale in unserer nationalen Renaissance enthalten situi. Sie bestehen unabhängig von der politischen Konjunktur und werden uns die Kraft verleihen, auch Zeiten der Sorge zu überleben und die Chaneen auszunutzen, die uns die Zukunft zur Erweiterung und Vertiefung unseres Werkes etwa gewähren mag. Eine große Aktion der Aufklärung und Erziehung ist daher sowohl in Palästina wie in den Ländern der Gola erforderlieh, um die politisch notwendigen Entschlüsse im Volke zu vertreten und es zugleich politisch reifer zu machen. Vergessen wir doch nicht, daß wir eine junge Nationalbewegung sind, die vieles nachzulernen* hat, was anderen, politisch geschulteren Völkern selbstverständlich ist. Das zeigt sich in einem kritischen Moment wie dem jetzigen besonders deutlich und ergibt eine nach innen gewandte Aufgabe für unsere Verantwörtlichen Menschen und Instanzen, deren Bewältigung ebenso viel Mut, Geschick und Flau erfordert wie die Vertretung unserer Sache nach außen. Mögen die ,Menschen, auf die es heute ankommt, der Größe der ihnen gestellten Aufgabe gewachsen sein! Möglichkeiten in Australien Wie uns von einem Leser aus Sydney (Australien) berichtet wird, ist der dortige Oberrabbiner Lew, der aus Südafrika nach Australien berufen war und dort drei Jahre wirkte, jet/t nach London iibersiedclt. Man vermutet, daß dieser Abgang durch den Rückgang des orthodoxen Judentums verursacht worden ist. Wie tm< weiter mitgeteilt wird, wurde jetzt mit mehr Lrfolgsaussicht eine Reformsynagoge gegründet, in der statt der hebräischen die englische Gebetssprache «•iugelührt wird. Bei der Gründling hat Rabbiner f)r. Sacnsjcr, froher Berlin, jetzt Melbourne, mitgewirkt. Eine in Svdncv ausgegebene offizielle Information über die wirt s c h;! 1 t 1 1 e h e 11 Möglichkeit e n für j ü d i - *che Ei ״ w a n d ercr a 11 s D c u t s e 11 i a n d enthält eine ziemlich vollständige l Übersicht über die verschiedenen Berufskategonen und deren Aussichten. Bezüglich Kaufleute mit einigem Kapital könne, so heißt es, keine allgemeine Auskunft gegeben werden, da cs hier auf die Höhe des Kapitals, auf die geschäftlichen Erfahrungen und Ausbildung ankomme. Sehr zurückhaltend werden die intellektuellen Berufe beurteilt, bei denen fast allgemein die Aussichten für Einwanderer verneint werden, nur in der Rubrik ״industrielle Chemiker“, heißt es, es gäbe gelegentliche Anfragen. Dagegen bei M o d e z e i c h n 0 r n wird vermerkt: ״gute Aussichten, wenn auch praktischer Zuschneider.“ Für kaufmännisclic Angestellte gibt es gar keine Möglichkeiten. Auch bei Handwerkern sind die Möglichkeiten sehr gering, dagegen gibt es Aussichten für gute Schneider und Zuschneider. Dabei wird die Bemerkung angefügt, daß sich die ans Deutschland kommenden Schneider bisher nicht als zufriedensteilend erwiesen haben. Lehrlinge bis zum 16. 1 ebensjahre haben gute Aussichten; über dem 16. Lebensjahr sind sie schwer in guten Stellungen untcmibringcn. Bei weiblichen Berufen gibt es keine Möglichkeiten für Sekretärinnen, wenig Nachfrage nach Kindermädchen, da «gegen viele freie Stellen für Köchinnen und Hausangestellte. Köchinnen rnüssen bereit sein, auch Hausarbeit zu machen. In dieser Berufskategorie wird das Alter von 18 bis 35 bevorzugt. — Die Information gilt offenbar nur für die Stadt Sydney. Fahrt nach Nordamerika. Ein Merkblatt über die rituellen Verpflegungsmöglichkeiten auf den Datnpferlinicn nach Nordamerika, sowie in den Abfahrtsb/w. Ankunftshäfen, gibt di« ״Religiöse Auswanderer-Betreuung Agudas Jisroel Berlin“, Berlin N -t, JohaniiisstiaHc S, heraus. Der Polizeipräsident von Berlin teilt mit: Nach den unter dem 5. Juli 1938 vom Reichswirtschaftsministerium erlassenen AusführungsbestiiHmungen zur Anordnung auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom 26. April 1938 (Reichsgesetzblatt I, Seite 415) Ist hinsichtlich der Arisierung von Betrieben die folgende Regelung getroffen worden: Zuständige Stellen, a) Soweit die Errichtung von jüdischen Gewerbebetrieben und die Ueberführung jüdischer Gew erbebetriebe in arische Hände einer Genehmigung auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels und seiner Durchführungsbestimmungen bedarf, wird die Genehmigung nach § 1 und 7 der Anordnung auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens vom 26. April 1938 durch die nach dem Gesetz zum Schutze des Einzelhandels zu erteilende Genehmigung ersetzt. b) Das gleiche gilt sinngemäß für Veräußerungsgeschäfte, für die bereits auf Grund des Reichsgesetzes über das Kreditwesen eine Genehmigung des Herrn Reichskommissars für das Kreditwesen vorgeschrieben ist. c) Die Veräußerung oder die Verpachtung eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes sowie die Bestellung eines Nießbrauchs an einem solchen Betriebe bedarf im allgemeinen gemäß § 3 der Anordnung auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom 26. April 1938 nicht der Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörden nadi § 1 am angeführten Ort, weil ander« Genehtnigungsbehörden zuständig sind. Hierzu kommen als G en e hm i g ungs beh ö r d cn für den Polizeibezirk Berlin in Frage: zu a) die Bezirksbürgermeister, zu b) der Reichskommissar für das Kreditwescit, zu c) 1. Soweit das Rechtsgeschäft der anerbengerichtliehen oder der fideikommißrechtlichen Genehmigung bedarf: Kennkarten Sur Juden Im Reichsgesetzblatt vom 26. Juli 1938 Ist eine Verordnung Uber die Einführung eines allgemeinen polizeiliehen Inlandsausweises enthalten, die am 1. Oktober 1938 in Kraft tritt. Nach dieser Verordnung wird als allgemeiner polizeilicher Inlandsauswels eine Kennkarte eingeführt. Der Reichsminister des Innern hat וווו Einvernehmen mit dem Reichsjustizminister in einer dritten Bekanntmachung bestimmt, daß Juden (§5 der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935), die deutsche Staatsangehörige sind, unter Hinweis auf Ihre Eigenschaft als Jude bis zum 31• Dezember 1938 bei der zuständigen Polizeibehörde die Ausstellung einer Kennkarte zu beantragen haben. Für Juden, die nach dem Inkrafttreten dieser Bekanntmachung geboren werden, ist der Antrag innerhalb von drei Monaten nach der Geburt zu stellen. Claude G. Monteiiore in snemoriam Ais Student gehörte Wh in Breslau einem Kreis an, der zu Salotnon Sch echt er eng« freundschaftliche Beziehungen unterhielt. Dort hörte ich wie von einem Märdtenprmzen von dem jungen Claude Montef iore erzählen, der den genialen Mann zu seinem Lehrer gewählt hatte und dadurch entscheidend in sein Schicksal erngriff. Welchen Nimbus der Name Montefiore — es war wenige Jahre nach Sir Moses’ Tod — damals hatte, davon macht sich das heutige Geschlecht kaum eine Vorstellung. Claude Montefiore bereicherte die vornehme Familientradition großzügiger Philanthropie durch einen neuen Zug, da er seine Kraft und einen Teil seines Vermögens den jüdischen Studien widmete. Die jüdische Forschung war damals ohne Leben und Bewegung — Achad Haam stellte Totenstille fest, Claude Montefiore versuchte, ihr beides einzuhauchett, ihr Lebensnähe zu bringen, lebenswichtig« Probleme zur Erörterung zu stellen. Er selbst studierte die klassische Zeit von Israels epochcmadhendem geistigen Erscheinen, aber seine Anschauungen über die Bibel schienen zu radikal zu sein, uni uns jungen Menschen mitgeteilt zu werden. Um die Jahrhundertwende kam meine älteste Schwester in das Haus von Israel Abrahams in London und brachte Montefiores Bible for Home Reading mit — für uns damals eine Offenbarung, daß die in Christliehen Kreisen häufig behandelten Fragen nach der Erhabenheit und Schönheit der Bibel hier von jüdischer Seite in faszinierender Weise dargestellt wurden. Wieder einige Jahre später tat Montefiore den entscheidenden Schritt, auch in das religiöse Leben, das ihm starr und stumpf schien, Leben und Bewegung zu bringen. Er gründete die Jewish Religious Union; ein intimer Freund von mir wirkte an ihr mit und unterrichtete mich über ihre Bestrebungen und Fortschritte, auch über die ihr entgegentretendem Widerstände. Montefiore war von Natur kein Kämpfer, er war viel zu besorgt, dem andern nicht voll gerecht zu werden, aber, wo es um das Letzte und Höchste ging, ließ er es an Entschiedenheit nicht fehlen. Das Ergebnis seines Kampfes ist bekannt. Schließlich lernte ich ihn selbst kennen. Er gehörte zu den seltenen Menschen, deren persönliche Bekanntschaft nicht enttäuschte, die bei näherem Umgang immer mehr gewannen. Er hatte nicht nur Liebe zu den Menschen, sondern stand auch jedem Können mit Ehrfurcht gegenüber; obwohl er viel zu sagen hatte, besaß er die nicht häufige Gabe, schweigen zu können und Menschen anzuhören. Von seiner Person ging eine sittliche Größe aus, deren Eindruck sich niemand entziehen konnte. Dieser Charme seiner Persönlichkeit ist es vor allem, den wir durch seinen Tod verlieren. Alle menschlichen Fähigkeiten und Leistlingen mögen zu ersetzen sein, eine solche Persönlichkeit ist unwiderbringlich. Von ihr gilt die Klage, die im Talmud beim Tode eines ausgezeichneten Gelehrten erhoben wird: ״Dieser da hat alle Kostbarkeiten der Welt mit sich genommen und ist von dann«! gezogen!“ I. Elbogen Als erstes Ergebnis der Prüfung der Wiener Anwaltsliste nach den Gesichtspunkten der Verordnung vom 31. März 1938 wurde 721 Juden die Ausübung der Praxis im Bereich der Wiener Rechtsanwa 1 tskammer untersagt. Die zunächst Ausgeschlossenen sind Juden, die nach dran 1, August 1914 in die Anwaltsliste eingetragen wurden und keinen Frontdienst getan haben. Weitere Streichungen werden nach der Ueberpriifung aller Unterlagen folgen. die nach den einschlägigen Gesetzen zuständigen Behörden. 2. Soweit das Rechtsgeschäft der Genehmigung nach der Grundstücksverkchrsbekanntmachung vom 26. Januar 1937 (Reichsgesetzblatt I, Seite 35) nebst Ausführungsverordnung bedarf: die Bezirksbürgermeister, und in allen übrigen Fällen der Polizeipräsident für Berlin, C2, Magazinstraße 3—5. Maßgebend für die Zuständigkeit ist in allen Fällen der Sitz de• zu übernehmenden oder zu eröffnenden Gewerbebetriebes. Unterlagen, a) Zur Beschleunigung des Geschäftsganges sind vom Antragsteller stets Anträge in vierfacher Ausfertigung und Gcnehmigutigs unterlagen (Originalvertrag oder beglaubigte Abschrift hiervon, Bilanz) in dreifacher Ausfertigung eüizureichen, damit die zu beteiligenden Stellen nebeneinander gehört werden können. b) Der arische Nachweis muß seitens des Käufers lückenlos durch Vorlage von Urkunden erbracht werden. c) Bei der Stellung des Antrages sind die Vor- und Zunamen, Geburtsdaten und Staatsangehörigkeit des jüdischen Vertragspartners und seiner Ehefrau anzugeben. Gleichzeitig ist mitzuteilen, ob es sich bei den genannten Personen um Juden oder Mischlinge (ersten oder zweiten Grades) handelt Aus der Wirtschaft Die Cerf & Bielschowsky — Dr. Diehl Schuhfabrik, Erfurt, ist in arischen Besitz ühergegangen. — Die Mechanische Weberei Bleicherode Philipp Schlesinger in Bleicherode bei Nordhausen ist von der Weberei Kroll & Kicinschmidt m Mühlhausen (Thür.) gekauft worden. — Das Kaufhaus Krell & Co. (Inh. Arthur Bolun) in Reichenbach i. V. ist von Ernst Jockisch in Zwickau erworben worden. Juden über 15 Jahre haben sich, sobald sie eine Kennkarte erhalten haben, auf amtliches Erfordern jederzeit über ihre Person durch ihre Kennkarte auszuweisen. Sie haben, sobald sie eine Kennkarte erhalten haben, bei Anträgen, die sie an amtliche oder parteiamtliche Dienststellen richten, unaufgefordert auf ihre Eigenschaft als Jude hinzuweisen, sowie Kennort und Kennummer ihrer Kennkarte anzugeben oder, falls die Anträge mündlich gestellt werden, unaufgefordert ihre Kennkarte vorzulegen. Das gleiche gilt für jede Art von Anfragen und Eingaben, die Juden an amtliche oder parteiamtliche Dienststellen richten, sowie bei der polizeilichen Meldung. Wird ein Jude bei derartigen Anträgen und Eingaben durch eine dritte Person vertreten, so hat der Vertreter unaufgefordert auf die Eigenschaft des Vertretenen als Juden hinzuweisen, sowie Kennort und Kennummer des Vertretenen anzugeben. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen sind als besonders schwere Fälle im Sinne der Strafbestimmungen der Verordnung über die Einführung von Kennkarten anzusehen. Auswanderung^- und UmschicHtungsarb eit In Wien Von unserem Berichterstatter J. R., W i e n, 24. Juli Die Tätigkeit der Ausvvanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde erstreckt sich nunmehr auf den Zeitraum von bald drei Monaten. Bis zmn 15. Juli sind mit Hilfe der Auswanderuugsabteilung der Gemeinde insgesamt 3336 Personen ausgewandert. Unter den von den Auswanderern angegebenen Zielländern stehen von den U e be r s ee-Ländern USA. mit 662, Argentinien mit 138 und Palästina mit 115 Auswanderern an der Spitze. Berücksichtigt man noch die 350 Personen, die von der Auswanderungsabteilung am 9. Juli nach Griechenland mit der Bestimmung nach Ucbersee (Palästina) abgefertigt wurden, ergibt sich, daß Palästina nächst Amerika die größte Zahl an Auswanderern aufgenommen hat. Ucbcr die Entwicklung des Uinschichtungswerkes der Kultusgcmeinde wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Zu den bereits bestehenden 77 Kursen mit einer Teilnehnterzahl von rund 1200 kommen noch vier landwirtschaftliche Um- Schulungskurse, die gegenwärtig außerhalb Wiens, und zwar in Stadlau, Lang-Enzersdorf (beide bei Wien), Unterholz- Brunnhof und Etchgraben am Stein im Betrieb sind. In diesen Kursen erhalten 350 Schiller in allen Fächern der Landwirtschaft, der Gärtnerei und Kleintierzucht ihre Ausbildung. Im Rahmen eines Sofortprogramms hat das Schulamt der Israelitischen Gemeinde bis jetzt insgesamt 63 Kurse errichtet, die von 1818 Teilnehmern besucht werden. Allein 56 Sprachkurse umfassen 1678 Teilnehmer. 18 Sprachkurse dienen 631 Teilnehmern mit Hebräisch-Unterricht. Die anderen Kurse vermitteln Englisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch. Vier Kurse gelten der Palästina-Kunde und drei der Hygiene und der ersten Hilfe, die je von je 20 Teilnehmern, die für die Jugend-Alija vorgeinerkt sind, besucht werden. __ Wie!nitgeteilt wird, wurden von den! nur für Juden eingerichteten Paßamt in Wien (V. Bezirk) bisher insgesamt etwa 25 000 Personen zur Auswanderung abgefertigt. Unter den Auswanderungsländem stehen an erster Stelle Nord- und Südamerika, Palästina und England. 2? Tfritot briift_v1_ Hi Aus der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU“ v. 1. 8.1913: zlm Freitag, den 25. Juli, kam es gelegentlich eines Ein* brachsversuchs einiger Beduinen in die jüdische Kolonie Rechoboth zu einem Krawall. Bei der Verfolgung der Beduinen wurden ein Jude und ein Araber getötet und mehrere Leute verwundet. Hebräische Sprachkurse in Palästina. Wir wenden uns noch einmal an die jüdischen Studentenschäften mit der Aufforderung, sich als Teilnehmer für die im kommenden Wintersemester geplanten Kurse zur Erlernung der hebräischen Sprache anzumelden... Für jeden Teilnehmer entstehen nur die Ausgaben für die Reise und den verhältnismäßig billigen Aufenthalt in Jaffa. PELZE -KALU SKI Persianer, Nerze, SilberfUchte Sltmlllche Pelzarien BERLIN W 50 Aug>burgerStr.4S