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Jüdische Rundschau · 1938-07-26 · Heft 59 (26.7.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 59 (26.7.1938)
Date
1938-07-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 JO Dl SCHI RUftftSgftAt) Nr. 59, 26■ VII. 1938 zehn Personen wurden verwundet, «ine davon gefährlich, und ins Krankenhaus geschafft. Ein Milchwagen von Ata rot h, der aus Jerusalem zu• rückkehrte, wurde heute abend auf der Landstraße von einer Steinbarrikade nufgehalten. Als der Chauffeur aussticg, um die Steine wtg/uschafferi, wurde aus dem Hinterhalt plötzlieh heftig geschossen. Zwei Insassen wurden leicht verletzt. Es gelang Ghaffirim, die Angreifer zu vertreiben. Amschel Steingart, der gestern bei den! arabischen Ueberfall bei Ramath Hakoweseh verwundet wurde, ist heute seinen Verletzungen erlegen. Steingart kam im Jahre 1036 von Deutschland nach Palästina. Er hinterlaßt eine Witwe. In Haifa wurden heute viele Araber, meist Dörfler, bei Haussuchungen verhaftet, die von der Polizei in der ganzen Stadt durchgeführt wurden. Die arabische Wochenzeitschrift .,Palestine and Trans- Jordan“, die in englischer Sprache erscheint, wurde von den Behörden für sechs Monate verboten. In den vergangenen zwei Tagen bestätigte General- Lieutenant Haining fünf Todesurteile, die von Militärgerichten über Araber verhängt wurden. Jerusalem, 21. Juli. (Palcor.) Gestern wurde in der Nähe von Nablus und Tulkerem eine beträchtliche Anzahl Araber von der Polizei verhaftet. Heute mittag wurde ein jüdischer Omnibus von Arabern bei Naharia mit Schüssen aus dem Hinterhalt überfallen. Ghaffirim erwiderten das Feuer und vertrieben die Angreifer, wobei sie ihnen Verluste zugefügt haben sollen. Ein Omnibuspassagier namens Chaim Lindenberg (32 Jahre alt) wurde bei dem Ueberfall leicht verwundet. Bombenattentat in Haifa Jerusalem, 25. Juli. Auf dem arabischen Gemüsemarkt in H a i f a wurde heute früh eine Höllenmaschine zur Explo- Sion gebracht. Die An-svirkungeii waren furchtbar. Nach den tötet. Die Zahl der Verwundeten betragt 50 bis 60. Man befurchtet. t!a ß sich die Zahl der Opfer noch erhöht. Allem Anschein nach handelt es sieh bei "der Höllenmaschine um eine Zeitinitio. Für ganz Haifa wurde sofort Aus gehverbot an geordnet. " Auch aus anderen Gebieten werden neue Bluttaten gemeldet. So wurden unweit von Nazareth zwei Araber J u d e״'wie’weiter gerne Idet wird, ist auch i n Haifa ein Jude getötet worden. An mehreren Geschäften wurden Die Forderung nach Geduld In der ״Times" hatte Sir Laurie Hammonil, eines der Mitglieder der Pcel-Kommi'?10n, sich gegen den in Palästina zirkulierenden Wedgwood-Brief (vgl. ״J. R.“ Nr. 57), der den Juden ״pas>i\e11 Widerstand׳* empfahl und dessen Verbreitung von der Palastma-Regicrung verboten wurde, _ausgesprechen. Nun veröffentlicht Co!. Wedgwood in der ״Times“ vom 21. Juli einen Brief, in dem er sich gegen Sir Laurie Hamnioiuls Forderung nach Geduld wendet, da die Anarchie in Palästina von Tag zu Tag schlimmer werde, weil — trotz Peel-Bericht — die aussichtslose Politik der Versöhnung weiter fortgesetzt wird. ״Wir, die wir Geduld von den Juden gefordert haben in der Hoffnung auf Aenderung, haben kein Recht, dies noch länger zu fordern, am wenigstens aus Angst davor, was die Terroristen denken oder dazu sagen werden. Was wir betonen können, ist, daß passiver Widerstand und aktiver Protest wirksamer und moralischer sind als Racheakte an unwichtigen Personen, durch die das jüdische Volk in zwei feindliche Lager gespalten wird.“ Zum Schluß erwähnt Wedgwood die Behändlung der Ille g a l e!1 Ein w a n dere r. Man möge sich vorstellen, daß in Kettva englische Männer und Frauen in Ketten vor den Arabern von Moinhma vorubergeführt würden, dann erhalte man eine schwache Ahnung von dem, was die Juden gegenüber der ״unparteiischen״ Verwaltung in Palästina empfinden. __ Anfragen im Unterhaus Im Unterhaus be-tätizte am 20. Juli Kolonienministcr Malcolm McDonald, daß die Palästina-Komniissiqn keine Zeit verlieren wurde, um nach ihrer Rückkehr im nächsten Monat an die Abfassung des Berichts hcranzugehen. In diesein Zusammenhang bestritt der Minister, daß Lord Winterdal, d> I s!1 , י י d.r m 1 - ,1 חיי mi inderung nach den Bevblkeninesverhältmsses gemacht wurden, irgendeinen Wechsel in der "’Politik der Regierung bedeute. Es sei vielmehr eine bloße Bestätigung dafür gewesen, daß die gegenwärtige Einvandciumgspolit:k nur eine zeitweilige Maßnähme wahrend der jetzigen Uebergangsperiode sei, die ihr Ende fintier! wurde, sobald'" die Regierung in der Lage sei, eine Entscheidung über ihre Politik in Palästina zu treffen. Auf Grund von Anfragen gab McDonald über die Opfer der L'rmitie״ folgende Zahlen bekannt (vgl. auch ״J. R.“ Nr. 55): 1056 wurden 2s Engländer, 81 Juden und 203 Araber getötet; 1037: 20 Engländer, 33 Juden und 44 Araber; von Januar bis 19. Juli 193?: 16 Engländer, 71 Juden und 139 Araber. Die Zahlen für 1936 umfassen nur die sechs Monate, wahrend deren schwere Unruhen herrschten. Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 22. Juli wurden in Tel Awiw folgende Kurse notiert: Allgemeine Hypothekenbank, Swdge Pfandbriefe 9Q3j״״, öhoige Pfandbriefe 102*/B<0<־, 60״ige Vorzugsaktien 111"•», Stammaktien 1170"2;ג. Palestine Land Development Co. Ltd., 6״!igc Vorzugsaktien 945׳sgo, Stammaktien 88G0״. ßizur öGige Obligationen Ser. 2 99‘V,0. Mir 4%ige Oligationen Ser. 1 S5UT), Nir 40־״ige Obligationen Ser. 2 85׳w, 5״״ige Vorzugsaktien 69 Vs0'״. Pasa 4Gigc Obligationen 79•י■׳• Palestine Potash 5G0״ Vorzugsaktien sh 16 9d. Art der Tel Awiwcr Börse ist Sommerstille eingetreten, und die Umsätze bewegten sich in engen Grenzen. Angebot und Nachfrage konnten sich fast vollständig aiisglciclic-n. Kurs Veränderungen sind daher so gut wie gar nicht zu verzeichnen gewesen; lediglich die Preference Shares der Palestine Potash Ltd. konnten ihre Aufwärtsbew cgütig fortselzen. Der Vorsitzende der palästinensisch-rumänischen Handelskammer, C11 c 1 o u c h e, begab sich von Bukarest nach Palästina zurück, nachdem er ein Abkommen über den Handel zwischen Rumänien und Palästina abgeschlossen hatte. Das Appcllationsgericht in London erwog das Gesuch von Mordechai Schwärt/ um Erlaubnis, gegen das über ihn vom Obersten Gericht in Palästina ausgesprochene Todesurteil wegen Mordes an einem arabischen Polizisten im September 1937 Berufung einzulegen. Das Gesuch, das von den Rechtsanwälten N cvillc Laski und Frederick Levy unterbreitet wurde, wurde ab ge lehnt. Hilfe im Wirtschaftskampf Von unserem paI8sti n en s i s0han Korrespondenten gl. Tel Awiw, Mitte Juli 1938 Erneute Stagnation In den Frühlingsmonaten dieses Jahres wehte in Palästina ein optimistischer Wind. Uebcrall sprach man von besseren wirtschaftlichen Aussichten, viele prophezeiten den Anfang der neuen Prosperität, eine bessere Stirnmung war in der Geschäftswelt zu spüren. Die Experten, die in ihren Büros das wirtschaftliche Barometer des Landes messen, neigten dazu, diesen Optimismus zu bestätigen. Ihre sorgfältig geführten Kurven über die Konjunkturbewegungen zeigten hier und da eine aufsteigende Tendenz. Der vorsichtige politische Optimismus dieser Tage, der ein baldiges Abschwellen des Terrors voraussagte, bestätigte das günstige ökonomische Urteil. Freilich gab cs eine ganze Anzahl Wirtschattier, die schon damals darauf hinwiesen, daß mail nicht wisse, ob wir es mit einer rein Saison mäßigen Erleichterung zu tun hätten oder uns wirklich an einem Wendepunkt der Konjunkturkurvc befänden. Heute wissen wir bereits, daß das leichte Ansteigen der wirtschaftlichen Aussichten im Lande nur eine kurze Zwis c 11 e!1 p e r i o d e war. Wir befinden uns erneut in der Stagnation; die Kurven, die die ökonomischen Bewegungen verzeichnen, zeiget! fast durchweg ein neues Absinken. Und vielleicht noch nie in den letzten Jahren ist das Wirtschaftliche Problem so scharf gewesen wie gerade heute. Eine Analyse der wirkenden Faktoren beleuchtet die Gründe für die Besserung im Frühjahr. Einerseits wirkte die Saison, der Abschluß des Zitrusexporls und ein gewisses Ansteigen der Touristik. Andererseits verstärkte sich in diesen Monaten auch die Einwanderung von Kapitalisten aus Ostcuropa. Wäre in dieser Zeit die politische Beruhigung ein getreten, auf die das Land hoffte und wäre der natürlichen Belebiing eine kräftige Ankurbelung zuhilfe gekommen, so batte sich der Tiefpunkt der Krise vermutlich überwinden lassen. Die politischen wie auch die ökonomischen Voraussetzungen des Umschwungs blieben jedoch aus. Und Palästina sank nach einer leichten hoffnungsvollen Brise wieder in die Flaute der Wirtschaftsdepression zurück. Skizze der Situation Unter diesen Umständen sicht die ökonomische Situation in ihren Grundlinien nicht viel anders aus als vor jenen leichteren Frühlingsinonatcn. Wir haben so ziemlich auf allen Gebieten — bis auf die vorhandenen Kapitalien — ein vveiteres Absinken. Die Lage wandelt sieh seit langem nicht mehr in scharfen Schlägen zum Schlechten, sondern sie hat einen gewissen Tiefpunkt erreicht, auf dem sich das gesainte Wirtschaftsleben zu halten und cinzurichten sucht, wie nicht anders bei der politischen Entwicklung zu erwarten, die auf die wirtschaftliche einen unmittelbaren Einfluß nimmt, sind alle Gebiete der jüdischen Wirtschaft von der Depression betroffen. Die Baubewegung ist stark zusammengeschrumpft, die Industrie, die keine genügenden Märkte findet, arbeitet an vielen Stellen nur mit teilweiser Ausnutzung der Betriebe, was ihre Rentabilität herabsetzt, die Landwirtschaft hat durch den sinkenden Lebens- Standard einen kleineren Absatzmarkt, und der Transport ist sowohl durch die Gesamtlage als auch die Unsicherheit in Mitleidenschaft gezogen. Die Pflanzer haben in diesem Jahre ein besseres Schicksal gehabt als im vorigen, aber sie sind erst dabei, sich aus den Schwierigkeiten herauszuarbeiten, und nicht imstande, «inen belebenden Einfluß auf die Gesamt- Wirtschaft auszuüben. An allen Stellen findet man Stagnation, zugleich mit spürbaren Bemühungen, die bestehenden Positionen zu halten. Von besonderer Bedeutung für die Beurteilung der wirtschädlichen Situation ist natürlich die Lage auf dem Arbeitsmarkte. Nach den Schätzungen der Regierung, die ungefähr der Wahrheit entsprechen mögen, sind heute 10®,o der Jüdischen Arbeiterschaft arbeitslos. Diese Zahl erscheint im Vergleich zu den Krisenzahlen aus europäischen Ländern keineswegs beängstigend, denn dort hatten wir es vcrschicdeutlich mit 15—10 “b Arbeitslosen zutun. Es heißt jedoch die Augen vor der Wirklichkeit verschließen, wenn man sich mit derartigen Vergleichen trösten will. Objektiv ist in der Tat die Anzahl der Arbeitslosen nicht übermäßig, aber die subjektive Lage dieser Arbeitslosen — und der vielen Erwerbslosen, die durch Statistiken nicht zu erfassen sind — ist äußerst schwer. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß in europäischen Ländern ein wohldurchdachtes und gut ausgebautes Netz der Sozialhilfe die Arbeitslosen auffängt und damit ihr Leiden auf ein bestimmtes Maß verringert. In Palästina befinden sich bekanntlich diese Dinge noch in den Anfängen, es gibt kein gesetzlich verankertes Recht auf Unterstützung, die Regierung zahlt keinerlei Beihilfen. Die jüdische Arbeiterschaft hat früh eingesehen, daß sie hier in die Bresche springen muß und zieht die Mitglieder ihrer Organisation bis zur äußersten Grenze zur Hilfe für ihre arbeitslosen Kameraden heran. Zugleich bemühen sich die nationalen Institutionen um Hilfe, man verlangt größere Aktivitat von Munizipalitäten und Kolonieräten, aber «s besteht kein Zweifel, daß die vorhandene Hilfe zu gering ist und dadurch viele Entbehrungen verursacht werden. Die ״Erwerbslosen“ (d. h. die ״Nicht-Arbeitnehmer“) sind ebenfalls in einer äußerst schwierigen Lage, und es ist kein gutes Zeichen für den Verantwortungssinn der bürgerlichen Kreise im Jischuw, daß die Erfolge des ״Mifdch Esrachi“, der Sammlung der Schichten außerhalb der Arbeiterschaft, nach Abzug aller Auslagen niclvt viel mehr als £ 5000 ergeben haben, eine Summe, die zu den von den Arbeitern aufgebrachten in einem lächerlichen Verhältnis steht. Die Hoffnungen auf eine umfassende Regierungs־ hllfe haben sich bisher als nichtig erwiesen, und da der legendäre Ueberschuft in der Kasse immer rascher für die Ausgaben für Polizei und Militär aufgebraucht wird, sind sie auch für die nächste Zeit gleich Null. Freilich könnte die Regierung auch ohne finanzielle direkte Beihilfe noch für manche Erleichterung sorgen. Durch Unterstützung der Munizipaiitäten in ihren Bemühungen um Anleihen für öffentliche Arbeiten, durch Sorge für die Exportförderung und Aenderung bestimmter bestehender Handelsverträge (insbesondere mit Syrien) kann die Regierung auch heute wichtige Hilfe leisten. Jedoch ist der Kampf der Exekutive um diese Punkte schwer und langwierig und führt mir zögernd zu kleinen Resultaten. In einer Beziehung jedoch ist die Regierung zu einer namhaften Unterstützung der jüdischen Wirtschaft und zur Entlastung des Arbeitsmarktes gezwungen: durch die Ent- Wicklung einer Art von Kriegswirtschaft in Palästina. Die außerordentlich verstärkte Polizei, die Einstellung von Wächtern in großer Zahl sowohl auf dem Lande wie in den Städten dürfen in ihrer erleichternden Einwirkung auf den Arbeitsmarkt nicht unterschätzt werden. Außerdem geht das Militär an die Ausführung von umfangreichen Bauten zur Aufnähme der Truppen, und ein guter Teil davon wird von jüdischen Händen ausgeführt. Die Beschaffung von Arbeit auf diese indirekte Weise und die zusätzliche Kaufkraft des 1m Lande stationierten Militärs hat dazu beigetragen, die Wirkungen der Depression abzuschwächen. Was geschieht ur Stärkung der Wirtschafts- Positionen? Die Exekutive hat sich während der letzten Jahre mit allen Kräften bemüht, der bedrohten Wirtschaft zu Hilfe zu kommen. Der Schatzmeister der Jewisli Agency, Elieser Kaplan, hat in einem Interview in der ökonomischen Zeitung ״Palestine and Middle East“ die Pläne für die nächste Zeit zusammengefaßt. Kaplan weist mit Recht darauf hin, daß die Agency unter zwei zentralen Hindernissen zu leiden hat: sie hat keine Gewalt, Zwangseingriffe in die Wirt- Schaft vorzunehmen, wie sie in anderen Staaten möglich sind, und sie hat nur beschränkte Mittel für ihre Aktionen zur Verfügung. Alle Aktionen, die von der Exekutive geplant werden, sind auf die freiwillige Mitarbeit der übrigen öltonomischen Faktoren im Lande angewiesen und es ist überaus schwierig, ־zuziigliche Gelder für ökonomische Interventionen und Arbeitsbeschaffung aufzubringen. Das Ziel der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik ist vor allem die Erhaltung des Bestehenden und darüber hinaus die Errichtung neuer wirtschaftlicher Positionen, wie zum Beispiel in der Kolonisation oder im Hafen von Tel Awiw. Es ist charakteristisch für die gegenwärtige Situation, daß diese neuen Unternehmungen sämtlich in erster Linie durch politische Rücksichten bestimmt sind. Nach dem neuen Plan der Exekutive sollen in den Dienst der wirtschaftlichen Stützungsaktionen £ 293 000 gestellt wer• den. £ 150000 dieser Summe stammen aus einer neuen An• leihe, die die Lloyds Bank in London, die der Exekutive bereits früher eine 'Summe von einer halben Million Pfund zur Verfügung gestellt hat, vorstreckte. Dazu kommen £ 25 000 von der Änglobank in Tel Awiw und £ 120 000, die die jetzige Spezialkampagne des Keren Hajeßod ergeben soll. Die Exekutive wird auch dieses Mal wie immer in den letzten Jahren die ihr zur Verfügung stehenden Mittel dazu benutzen, andere Finanzinstitute zur Mitarbeit heranzuziehen und dadurch den Umkreis der vorztinehmcnden Arbeiten zu erweitern. Die Kapitalien werden öffentlichen Arbeiten, billigen Wohnungsbauten in Stadt und Land, der Industrie, dem Hafenbau und der Kolonisation zufließen und damit der Wirtschaft die Möglichkeit geben, dem auf ihr lastenden Druck standzuhaltcn. Die Exekutive wendet ihr Augenmerk gegenwärtig der Heranziehung weiterer privater Kapitalien aus dem Auslände zu. Einer der erschwerenden Faktoren in der gegenwärtigen Depression ist die Zurückhaltung des jüdischen Kapitals aus dem Auslande. Anstatt selbst durch Aktionen daran mitzuhelfen, daß die gegenwärtige Krise überwunden wird, neigen die Kapitalisten dazu, allzuwarten, bis sich in Palästina das politische und ökonomische Blatt wendet. Die Agency hat jetzt einige Experten des palästinensischen Wirtschaftslebens nach dem Auslande geschickt, um über die Möglichkeiten in Palästina Auskunft zu erteilen und die Juden dort für wirtschaftliche Unternehmungen, sei cs in der Land- Wirtschaft, sei es in der Industrie, sei es durch den Erwerb palästinensischer Effekten zu interessieren. Ucbcrhaupt bemüht sich die Exekutive jetzt mehr als früher um den Kontakt mit dem jüdischen Privatkapital im Ausland. Dr. Ru pp in, der Leiter des Wirtschaftsinstiiuts, befindet sich auf dem׳ V’ege nach Amerika mit der Idee, eventuell dort eine Zweigstelle des Instituts zu schaffen und den Kontakt mit den dortigen Wirtschaftsfaktoren zu verstärken. Es ist in den letzten Jahren wieder und wieder betont worden, daß die wirtschaftlichen Fragen eng mit den politischen Zusammenhängen und daß die ürundforderung für eine neue wirtschaftliche Expansion die Befriedung des Laudes ist. Jedoch darf diese richtige Erkenntnis nicht dazu führen, daß man einfach abwartet, bis sich das politische Knäuel einmal entwirrt. Gerade weil Wirtschaft und Politik so eng Zusammenhängen, ist die Stärkung der ökonomischen Positionen heute von lebenswichtiger Bedeutung. Es kommt darauf an, alles zu tun, um dem Jischuw über die nächste schwierige Zeit fortzuhelfcn, auf allen Gebieten gegen den Rückschritt zu kämpfen, das Feld für den Umschwung zum Besseren vorzubereiten, der kommen muß und wird. Zu diesem Zwecke ist das verständnisvolle Zusammenarbeiten der wirtschaftlichen Institutionen des Landes ebenso wichtig wie die Hilfsbereitschaft ■der Galuth, für die heute Palästina seinen schweren Kampf kämpft. Von der Gesellschaft Bizzur Jerusalem, 21. Juli. (Palcor.) Die Gesellschaft Bizzur, die mit Hilfe der Jewisli Agency, des Keren Hajeßod und des Arbcitsloscn-Fonds der Histadruth zwecks Kreditgewährung für öffentliche Arbeiten und Batiunternehnuingen gegründet wurde, hielt ihre zweite Jahrcsversammlung ab. Im Laufe des zweiten Jahres ihrer Tätigkeit hat die Gesellschaft Anleihen in Höhe von 1 4 3 000 Pfund gewährt, was die Durchführung von öffentlichen Arbeiten im Werte von 3 1 8 00 0 Pfund unter Inanspruchnahme von 470000 Arbeitstagen ermöglicht hat. Seit ihrer Gründung im Jahre 1936 hat Bizzur Pfandbriefe in Gesamthöhe von 1 90 000 Pfund ausgegeben, deren Börsenkurs ununterbrochen im Steigen begriffen ist. Peter Fechnerj Einen Monat nach dem Ueberfall auf die Bäckerei des ״Hakowesch“ in Kfar Saba, dessen Opfer Aron Erb war, ist jetzt wieder ein anderer Chawer gefallen. Am 6. Juli 1938 fiel unser Chawer Peter l'eclmcr in den Weinbergen von Ramath Hakowcsc h hei der Wacht als Feldhüter. Er ritt an diesem Morgen wie üblich vor den zur Arbeit gehenden Chawerim, um das Gelände zu sichern, und wurde dabei aus dem Hinterhalt erschossen. Auf der Haehschara in Litauen und in der Hechaluzarbeit in Deutschland lernten wir ihn als treuen und aktiven Chawer kennen, der stets für die Bewegung einsatzbereit war. Der Verlust trifft nicht nur den Kibbuz Hakowesch, dessen viertes Opfer er in den letzten zwei Jahren ist; wir alle verlieren in ihm einen unserer besten Chawerim. Er wird in der Reihe der Opfer dieser Jahre der Prüfung 11ns in ehrenvollem Gedächtnis bleiben. Mcrkas Hechaluz Berichtigung, ln Nr. 54 vom 8.7.38 wurde mitgctcilt, daß die Palestine Potash Ltd. eine Dividende von 7u>0״ ausgeschüttet habe. Dies beruht auf einem Irrtum. Auf Ordinary Shares wurde eine Dividende noch nicht verteilt, nur die Vorzugsaktien erhielten eine Dividende von 51/j°0. Famlliennachrlcht. Fra״ Paula II c nie (früher Stuttgart). Ramath• Gan, Hermann Schapiro-Str., begeht am 31. Juli den 75. Geburtstag. Barmlzwa-Tcrmin. Am 13. August (14. Tarnimis): Ruhen (Heinz) de Vric«, Sohn von Mary de Vlies, geh. Roscnbeig, Belli Jcladim Ahawa, Kirjath-Bialik, Haifabay. (Schluß des Palästina-Teils)

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