Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1938)
- Date
- 1938-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE Rimn^HAI) Nr 59 26 VII. 1938 Konstruktive Pause Die Arbeit des Keren Hafessod im Winter 1937/38 sie in den Bereich der humanitären Betätigung verweisen. .Wir sahen in Evian und sehen auch nach Evian Anzeichen, daß dieses dornige und heikle Problem jetzt zum Gegenstand einer internationalen Staatsaktion gemacht werden wird. Sir John Hop« Simpson ״Die Hanptschwierigkeit in der gegenwärtigen Lage entsteht nicht aus den schon bestehenden Rcfugie-Gcmeinschaften, sondern aus der drohenden Gefahr neuer Auswanderungsbewegungen.“ Das ist einer der Kernsätze einer Untersuchung, die Sir John Hope Simpson im Aufträge des englischen ״Königlichen Instituts für internationale Angelegenheiten“ durchgeführt hat und in der er einen Gesamtüberblick über alle Seiten der Wamlerungsfrage, beginnend mit der ersten Nachkriegszeit bis auf die Gegenwart gibt. Sir John Hope Simpson ist dem jüdischen Publikum kein Fremdling. Früher Beamter des englischen Zivildienstes in Indien, hat er später aktiven •Anteil an der Regelung der griechischen Und bulgarischen Flüchtlingsfrage genommen und bei der An- Siedlung in Griechisch-Mazedonien führend mitgewirkt. Im Mai 1930 wurde er mit einer Spezialuntersuchung; der Sied- Juiigsprobleme in Palästina beauftragt, die er als Ergiinzung des Berichtes der Shaw-Kommission vorlegen sollte. 1111 Oktober 1030 erschien sein Bericht, der der damaligen englischcn Regierung MacDonald die Unterlage für schwere Be- Schränkungen der jüdischen Arbeit in Palästina lieferte, die erst im Febuarr 1031 teilweise wieder aufgehoben wurden. Man hat inzwischen oft darauf hingewiesen, daß Simpsons Urteile ober die Aufnahmefähigkeit Palästinas sich als Irrt ü m e r erwiesen haben: in Fairness muß aber hin/ugefiigt weiden, daß Simpson, der die Steigerung der Aufnahmefähigkeif: durch große Kapitalinvestitionen nicht verneinte, 1930 keine Vorstellung von dem ab 1Q33 7u erwartenden Zufluß an Menschen und Mitteln haben konnte. Das Erscheinen der Untersuchung Hope Simpsons über die R e f tt g i e f r a g e ist in Form eitles Buches für den Herbst .™gekündigt, eine gekürzte Zusanitnenfassung wird aber schon in dieser Woche in England vorgelegt werden. Inzwischen ist es für uns von Interesse, daß Hupe Simpson in inelirereii englischen Zeitenzur Limim: der Wamierungsiragc durch eine etwas liberalere () e f f n u ״ d e r e 11 g i i s <: h e n (i r e n z e n leiste. Simpson weist darauf hin, welche Großzügigkeit Frankreich als Züfluchtsland gezeigt hat, Iris es schließlich, da die Aufnahmefahigkeit nicht u;1!1egre!!/t ist, in letzter Zeit doch zu einer Grenzsperre genötigt war. England habe aber viel weniger getan und müsse sich, wie Simpson sagt, vor Frankreich Solche Aetilierungen sind jetzt in England häufiger zu vernehmen. So 7. K. berichteten wir bereits kurz über einen Vortrag von Sir \V v n d 11 a in De• (י des, der, wie uns bcrichtet wird, eine Reihe von konkreten Anregungen gab. So z. B. erklärte er, auf britischen Bauernhöfen sei eine fast unbeschränkte Möglichkeit der tlnt e r b r i n g 11 n g von jungen l cuten; man könnte ohne Schwierigkeit sofort 1000 Jungen einstellen. Sir Wyndham betonte auch, daß durch die Art der Einwanderer, wie sie etwa der durchschnittliche Typ der Juden aus Deutschland darstellt, keine Senkung des Lebensniveaus in England zu befürchten sei und daß erfahrungsgemäß Einwanderer nicht nur Arbeit nehmen, sondern auch Arbeitsgelegenheiten schaffen. Vor allem aber unterstrich der Redner die rn o - ralische Verpflichtung Englands, das als ein Land von Wohlstand und Sicherheit auch eine gewisse Verantwortung trage und diese um so mehr erfüllen könne, als die Zahl der Einwanderer verschwindend klein ist im Verhältnis zur Gesamthevölkerung. Von anderen Seiten wird auf historische Beispiele bingemvsen, in denen Emigranten bestimmte Wirtschafts/wcige in einem Laude /um Besten ihrer neuen Heimat entwickelt haben. Zunächst ist wohl nicht damit zu reell- 11er, daß England seine strenge Gesetzgebung in bezug auf ein Svmptoin für einen Teil der öffentlichen Meinung in Eng- Die leeren Räume Vor allein aber w.äre es wichtig, die Möglichkeiten des britischen 1 111 p i r e in Betracht zu ziehen. Die leeren wovon auch 11:1• letzte Überbau-Debatte (vgl." S. 1)' zeugt. In der heutigen Weit hallen die Ln :du״der und die verantwortliehen Maatslei:ker der Dominions Bedenken, imunterschiedlich Be\öikerimgs/uv a. 11s auf/ünchiiien. Der Geburtenrückgang der Engländer und die Abneigung. >1117 dem Mutterland in die Dominien aiis/iiu andern,!׳erstarken aber das Revöikerungsproblem, und England w ird Verständnis dafür haben, wenn diese Raume eignen. Man befurchtet, daß die Juden," falls sie zugeiassen werden, als Händler die Städte überschwemmen werden. Die Dinge liegen heute anders. Es ist, im engen Zusammenhang mit dem Aufbau Palästinas und den dadurch populär gewordene״ Beriifsidealen, ein neues jüdisches Geschlecht im Werden, das sich zur 1 a n d w i r t s c 11 a f tliehen Siedlung und zu manueller Arbeit eignet und dazu bereit ist. Ein großer Prozeß der Umschichtung hat begonnen; Hope Simpson stellt die Vorbereitung für Palästina als Muster hin für alle Auswanderervorbereitung. Es müßte eine jüdische Instanz geschaffen werden, die imstande ist, für die zur Ans'eJlung klimmenden jüdischen Menschen Garantien zu geben, sowohl was deren Berufsschichtung betrifft als auch was die soziale und politische Mentalität betrifft, von der die Engländer für den Fall einer Zulassung in ihre Räume mit Recht fordern, daß sie den englischen Idealen entspreche. Ohne hier in Einzelheiten ein/ugehen, glauben wir, daß diese Voraussetzung bei entsprechender Vorhereitung und Schulung gerade bei Juden erreicht werden kann, und der (schon mehrfach nufgetauchie) Gedanke, Palästina hierbei eine Rolle zuzuweisen, schafft gewaltige Perspektiven, freilich auf lange Sicht, aber in einer Rieh- 11111g, die der jüdischen Wanilernot ein Ziel setzen und zugleich die verständlichen und berechtigten bevölkermigspoli- Eschen Sorgen Englands wesentlich mindern könnte. Es bcdarf vielleicht nur eines kühnen Entschlusses, Um die Diskussion dieser Dinge aus deti ausgefahrenen Geleisen herauszubringen. Hat erst der O e da n k e Wurzel geschlagen, dann würde es keine umiherwiiulliclieii Hindernisse geben, weder auf menschlichem noch auf finanziellem Gebiete, Eines, so glauben wir, haben die Diskussionen der letztetl Wochen erreicht: Sie haben die Gleichgültigkeit der Welt ine ,Wanken gebracht. Das Problem wird deutlicher er- Bemüht man sich, die Zeit, die seit den Züricher Tagungen des ZioiiLsteu-Kougresses und des Council der Jewish Agency im letzten Hochsommer bis heute verstrichen ist, auf ihren wesentlichen Inhalt hin zu erlassen, so wird man finden, daß die politische Entwicklung des Palästina-Problems nur in langsamem Tempo vorwärtsgekonunen ist, daß dagegen die praktische Aufbauarbeit im Lande mit gioßer Entschiedenheit und beträchtlichen Erfolgen fortgesetzt werden konnte. Der Begriff der ״konstruktiven Pause" drängt sien auf; nicht Pause in der Konstruktion, nicht ein Einhalten im Werk der Erschließung Palästinas und seiner Siedlung«- möglichkeilen für eine große jüdische Einwanderung cliarakterisiert diesen Zeitraum, sondern ein energisches, in seinen Ergebnissen imponierendes V o r w ä r t s d r i n g cn gerade in den Monaten, die die Lösung der politischen Grund- Probleme nicht wesentlich gefördert haben. Bedeutet dieses, daß die Juden in Palästina auf band bauen? Hat nicht gerade Hcrzi gelehrt, daß ohne die ״öffentlich-rechtlichen Sicherungen“ jede praktische Kalonisationsarbcit unnütz, ia gefährlich sei? Kann unsere Palästina-Bewegung die jüdisehen Energien aufztirufen wajgcn, wenn der Streit um Teilung oder Nichtteilung, um die politische Zukunft des Sommer-Schluß-Verkauf vom 2 5. Juli bis 6. August Fertige Herrenkleidung / Herren-Artikel Damen-Mäntel / Kostüme / Kleider HERRMANN HOFFMAN N Berlin SW68 / Friedrichstraße 50;51 Aufbauwerkes schlechthin noch immer nicht entschieden ist? Immer erneut treten diese Fragen auf und immer wieder muß dieselbe Antwort gegeben werden: Untätigkeit ist immer noch der schlechteste Helfer in einem politischen Kampf gewesen. Wir müssen im Augenblick auf eine politische Entscheidung warten; aber wenn es um Einwanderung und Siedlung geht, dann kann 6s keine abwartende Haltung geben. Wenn der XX. Zionistenkongreß beschlossen hat, die Exekutive zu Verhandlungen mit der englischen Regierung über die Möglichkeit der Errichtung eines jüdischen Staates zu bevollmächtigen, die endgültige Entscheidung über das Ergebnis solcher Verbandlungen aber dem XXI. Zionisten kongreß zu überlassen, so konnte das nicht den Sinn haben, bis zu dieser Entscheidüng die Palästina-Arbeit zu stoppen. Wenn der Gang der politischen Entwicklung nicht in jeder Phase unseren Vor- Stellungen foljft und auf Hindernisse stößt, die nicht sofort zu überwinden sind, dann — und gerade dann— ist cs unsere Pflicht, die erzwungene Pause der Palästina-Politik so zu nutzen, daß ln Ihr das Maximum realer Kolonlsationsmäglichkeilen erreicht wird. Immer wieder ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daß nur eine solche Beharrlichkeit in der Durchführung der vorliegenden Pläne den Faktoren, die politisch ins Gewicht fallen, den Ernst der Bewegung dartun kann. Nur wer auch in schweren Uebergangszeiten den Beweis seiner Stärke erhringt, kann darauf rechnen, mit seinen Vorstellungen auch auf politischer Ebene durch zudringen, KH - Arbeit in Deutschland Es liegt in der Natur der Dinge, daß der Keren Hajeßod bemüht ist, diese Qedankongängc der jüdischen Welt zu verdeutlichen. Ueberbückcn wir seine Arbeit in Deutschland in dem oben abgegrenzten Zeitraum, so dürfen wir sagen, daß er dies« Aufgabe mit einem bemerkenswerteu Erfolg hat erfüllen können. Die judenheit in Deutschland hat begriffen, dafi trotz Fortdauer der politischeu Unsicherheit in Palästina die jüdische Position erheblich gestärkt weiden kann, wenn von der Diaspora aus dem nationalen Kapital die Mittel gegeben werden, die eine Er- Weiterung der palästinensischen Aufbau-Arbeit gestatten. Die Propaganda des Keren Hnjeßod in Deutschland war, noch stärker als in früheren Jahren, sowohl auf die individuel'e Bearbeitung ein/einer Menschen wie auf die Erfassung größerer Massen gerichtet. Neben der in die Tausende gellenden Zahl von einzelnen Besuchen fanden eine große Reihe öffentlicher Kundgebungen und Versammlungen statt, in (lenen der Keren Ha jeßod seine Aufgabe, die Aufgäbe eines P a 1 ä s t i!1 a - G r u n cl f o n d s, der jüdischen Oeffentlichkeit darstellte. Die große Pa 1 ä s ti n a - Kon f cr e n z, die der Beirat der Jewish Agency Mitte November in Berlin abhielt, war der Auftakt zu einer ausgedehnten und intensiven Werbe- und Aufbringungstätigkeit. Die Ortsk o m i t e e s der Jewish Agency und erfreulicherweise in starkem Maße auch die Gemeinden und Gemeindeverbändc seihst stellten sich mit ihrer .moralischen Autorität an die Seite des Palästina-Grundfonds, lieber die großen Kundgebungen in Frankfurt a. M., in der Rabbiner Dr. B a e c k und Dr. T r a u h, und in H a m b 11 r g, in der Dr. T r all b sprach, ist an dieser Stelle schon berichtet worden. Weitere große Veranstaltungen und Kundgebungen folgten. Im November cröffnete Dr. Traub die neue Keren Hajeßod-Aktion in Dresden. Im Januar fand in Piisseidorf ein Gemeindeabend statt, auf dem Dr. Traub refekan nt als früher, seine Gefahren werden allgemein empfunden, es verbreitet sich ein Gefühl des Unbehagens. Aber keine entschiedene und wegweisende Anregung zu einer Lösung wesentlichen Umfanges ist bisher erfolgt. Vielleicht würde es lohnen, darüber naclizudenken, ob es nicht an einer wirklich autoritativen und verantwortlichen jüdischen Instanz fehlt, die imstande ist, im Namen der Juden nicht mir Forderungen zu steilen, sondern auch Zusicherungen zu machen. Eine solche jüdische Instanz, die über die kleinliehen Rivalitäten bestehender Organisationen erhaben sein müßte, könnte durch konkrete Vorschläge die Sache, die eine Lebensfrage unserer jüdischen Gegenwart, aber auch eine wachsende Beunruhigung der Welt ist, weiterbringen. Je mehr die Welt bereit ist, sich mit wirklich zulänglichen Mitteln der Abhilfe zu widmen, um so mehr müssen wir erkennen, daß auch auf jüdischer Seite geistige und organisatorische Voraussetzungen zu erfüllen sind. Zeit ist nicht zu verlieren. rierte und der Vorsitzende des Jüdischen Centralvereins, Dr. Herzfeld (Essen), mit warmen Worten für das jüdische Aufbauwerk in Palästina eintrat. Der Januar brachte ferner Veranstaltungen in Chemnitz mit Dr. Georg Lub i n s k i und in Nürtiber g, wo Dr. Hans Friedenthal und als Vertreter der Nichtzionisten Rabbiner Dr. Hugo Hahn (Essen) sprachen. In Stuttgart vereinigte sich Anfang Februar der O h e r r a t der 1 ,s r a,e I i t en in W ii r 11 c m b e r g mit der G c m e i n d e, um der Werbung für den Keren Hajcßod die breiteste Plattform zu geben: Überstiandesgerichtsrat i. R. Dr. N eumeyer (München) und Dr. Michael Traub waren die Redner. In Leipzig lud die Gemeinde zu einem Teeabend ein, auf dem Ministerialrat i. R. Dr, Otto Hirsch und Dr. Traub referierten. Dr. Traub sprach ferner in Mannheim und Münelien. Frau Dr. Eva Reich in ann-jungmann und Dr. David Schloßberg waren die Redner einer großen Versammlung in Breslau. Kundgebungen in Augsburg und Karlsruhe mit Dr. Traub als Redner schlossen dte Reihe der größeren Veranstaltungen ab. Schließlich müßten eine Fülle mittlerer und kleinerer Gemeinden genannt werden, um ein auch nur einigermaßen vollständiges Bild der propagandistischen Aktivität des Keren Hajcßod während der vergangenen Monate zu geben. Wenn aus räumlichen Gründen auf eine detaillierte Aufzählung Verzicht geleistet werden muß, so soll doch an dieser Stelle betont werden, daß die Resonanz, überall lebhaft und voller Anteilnahme war. Sehr wesentlich hat zur Schaffung einer Ke!en Hujeßod-Atmospliäre in einer ganzen Reihe von Städten der vom Keren Hajcßod Anfang dieses Jahres unter Leitung von Leo Hermann herausgebrachte Kurz-Tonfilm ״Ein Tag — Ei» Werk“ beigetrageu, der sich zur Aufgabe emacht hat, Juden in Deutschland eines der großartigsten apitcl der Geschichte unserer Kolonisation in Palästina nahezubringen. Ucbcr 20 ״Neue Punkte“ sind inmitten der Unruhen der letzten beiden Jalue im Lande geschaffen worden. Wie religiös-gesetzestreue Jugendliche aus Deutschland liierbei mitwirkten, an einem Tage, vorn Morgen bis zum Abend, im Emek Beth Schau einen dieser ״Neuen Punkte“ scliaffen, das hat dieser einfach berichtende kleine Film mit ergreifender Anschaulichkeit gezeigt. Die Propaganda des Keren Hajcßod hat sieh aut diese Methode der großen Kundgebung jedoch keineswegs beschränkt. Neben die Aufgabe, viele Tausende von Versammlungsbesuchern zu orientieren, ihnen zu zeigen, daß auch heute die Judenheit in Deutschland den Aufbau Erez Jisraels als ihre eigene Aufgabe betrachten muß, trat die Notwendigkeit, den engeren Kreis der Mitarbeiter und Helfer zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit sachlichem Verständnis die Kleinarbeit des Tage? zu leisten. Der Keren Hajcßod hat in diesem Winter einen ganz spezir'len Typus von Veranstaltungen geschaffen, der der Aussprache und Meinungsbildung der Mitarbeiter diente. Durch die sehr erfreuliche Teilnahme zionistischer wie nichtzionistischer ehrenamtlicher Mitarbeiter des Keren Hajcßod sind diese Abende zu einer Plattform geworden, auf der die Lebens- Probleme des Aufbauwerkes in einer besonders lebendigen und interessanten Weise erörtert wurden. Auf dem ersten dieser Abende in Berlin leitete Dr. T r a u b die Diskussion über die palästinensische Praxis des Keren Hajefiod; im Dezember berichtete vor diesem Forum Frau Dr. Reichmann-jung mann über ihre Palästinareise; bei einem dritten Abend beschäftigte nian sich mit dem jüdischen Wanderungsproblem, wobei die Debatte von Dr. Paul Eppstein und Dr. Traub eingeleitet wurde. In diesem Kreise verbanden sich theoretische Erkenntnisse mit den Erfahrungen der Praxis, um der Werbung für den Keren Hajcßod die notwendige geistige Grundlage zu geben. Die Ergebnisse Der starken Abwanderung und Vermögensschrumpfung ungeachtet waren die materiellen Ergebnisse der diesjährigen Kampagne bisher au ßcrordentlich z u f r i e - den stellend. Ist es doch gelungen, in den ersten neun Monaten der laufenden Arbeitsperiode das im vorigen Jahre — dem zweitbesten seit Bestehen des Keren Hajcßod in Deutschfand — im gleichen Zeitraum erzielte Ergebnis voll und ganz zu halten. Die Judenheit in Deutschland darf gewiß sein, daß diese Leistung nicht nur das Wachsen des Aufbauwerkes in Palästina gefördert, sondern auch ihre eigene Auswanderung nach Palästina moralisch und materiell wesentlich «rleichtert hat. Trotz den bisher erzielten Erfolgen sind angesichts der I.age in Palästina und der zunehmenden Auswanderungsnot- Wendigkeit der Juden in Deutschland weitere Anstrengungen notwendig. Vor kurzem wurde an dieser Stelle ein Brief der Exekutive der Jewish Agency an das Präsidium des Keren Hajcßod in Deutschland veröffentlicht, in welchem der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß gerade Jt1den_ in Deutschland, die stärkste Hoffnungen auf das Fortschreiten des Palästina-Aufbaus setzen, die Forderung der Stunde verstehen werden, in der es gilt, über das bisher Geleistete hinaus zusätzliche Opfer zu bringen. Nachdem die Zionisten im M i f d e h Z i o n i ihr Opfer gebracht haben, hat das Präsidium des Keren Hajeßod einstimmig beschlossen, als Antwort auf den Ruf der Exekutive an die nichtzionistischen Freunde des Keren Hajcßod in Deutsch- Land den Appell zu einer Erhöhung ihres gewöhnliehen Beitrages um mindestens ein Viertel zu richten. Diesem Appel! ist bisher bereits eine stattliche Anzahl von Förderern des Keren Hajeßod nachgekommen. Es sieht zu hoffen, daß das Ergebnis dieser zusätzlichen Aktion erneut den Beweis der Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit dem Palästina-Aufbau erbringt. W. G. Von der ״Encyclopaedia Britannica“ ist soeben als Jahres- Supplement das ״Book of the year 1938“ erschienen. Es enthält einen Ueberbliek über die hauptsächlichsten Personen, Ereignisse und Entwicklungen in verschiedenen Sphären der Wissenschaft und der Ereignisse während des Jahres 1937. Der Band umfaßt rund 750 Seiten. Der Professor Harold Belev von der Univeftität von Leiccster hat den Artikel ״P a 1 c s t i n e“ (S. 277ff.) verfaßt. Der gut orientierende Artikel hat auch eine Karte ״Sketch map showing the partition of Palestine as proposed by the Royal Commission“.•Natürlich ist diese Kartenskizze recht summarisch. Auf der Kartenskizze fehlt die größte Stadt des Landes, nämlich Tel A w i w, _'_hL Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin-CharL 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewcnntein, Berlin W 15. Anzeigenleitcr Und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich L i e p m a n n, Berlin W 18. Gültig Anzeigen-Prcisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und An- *eigenvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin \V 15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1938: 26 045. — Druck: Siegfried Scholem, Bcrlin-Schöneberg.