Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1938)
- Date
- 1938-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. S9 / Jahrgang 43 Preis 25 Rpf, JÜDISCHE RUNDSCHAD Xadaktlon, Varlag and Anulj«ftv«rw<a11|t BarUnW IS, Malnekaitr, 10 Fantruf! 119031, Telegramm- Adr•**• 1 Orghip. — ln Fallen höherer Gewalt beeteht lein Anspruch auf Nachlieferung oder Entartung etwa schon gezahlter Bezugsgttbuhren. Bezug-sprei• einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2.—, je Vierteljahr RM 5,75; bei Abholung RM 138 bzw. RM 537 (einschließlich Postreitungsgebühr von 10,96 Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs * Abteilung für Groß-Berlin: Berlin 71573, für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN כ״ז תמוז תרצ״ח DIENSTAG, 26. JULI 1938 Erscheint jeden Dlenatag and Freitag. Gültig ist die Anselgesiprelallete Nr. 5 vom 1. April 1936. Die xwölfgespaliene mm-Zeile 20 Rpf, für Familien• Ausgaben oder an bestimmten Plätzen• F.imelanzcigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck «Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 -18 Uhr. Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt tOr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Leere Räume des Empire Die Diskussion über die Gefahren, die dein englischen Weltreich durch seine unzureichende Besiedlung und den schwachen Geburtenzuwachs drohen, hat in der jüngsten Zeit in England lebhafte Formen angenommen. Wir erwähnten in Nr. 53 einen aufschlußreichen Bericht •des englischen Amtes für überseeische Siedlung, in dem auf die leeren Räume des Empire und die Schwierigkeiten ihrer Auffüllung liingcwiesen wird. Dieser Bericht kam am 20. Juli hei einer Debatte im Oberhaus zur Sprache, wo Lord S 11 e 11 die Regierung fragte, welche Folgerungen sie aus dem erwähnten Bericht zu ziehen gedenke. England hätte, so sagte der Redner u. a., die Pflicht, dieses ungeheuere Reich so weit als möglich mit Menschen aus seinem eigenen Volk zu entwickeln. Einige Kritik knüpfte Lord Snell an die Bemerkung des Berichts, daß die eingesetzte Kommission in ihrer Sorge um die Erliölmng der Bevölkerung des Empire bereit sei, den Ein- Schluß von Grupp e n anderer El e r k 1111 f t zu hefürvorten. Er, Snell, hoffe, daß man keine Nationalitätengruppen in den Dominien schaffen werde, damit keine Schwierigkeiten entstehen, wie sic heute vielfach in der Weit anzutreffen sind. Gegenüber dem Vorschlag der Kommission, keine Massensiedlungen vom Staat aus zu finanzieren, sondern sich auf die Infiltration zu verlassen, sagte Lord Snell, daß die Erfahrung wohl Vorsicht bei Massensieditmgs- Projekten rechtfertige, daß er jedoch hoffe, die Kommission wolle mit diesem Vorschlag nicht die Tür für Experimente offen lassen. Es sei möglich, daß irgendein Versuch der Ansicdlung von Juden auf. Grund eines Landbebau־ ungsplans gemacht würde, als eine Hilfe für die gegenwärtigen jüdischen Schwierigkeiten. Viscount Stonehaven sprach über das australische Experiment und hob hervor, daß die Menschen niemals Ln die Dominien gehen würden, wenn sie nicht durch die Bedingungeil dort angezogen würden. Es bliebe deshalb nichts als die E 1 n / e I w a n d c r u n g übrig. Lord Barnbv wies daran! hin, daß der ständige Einwandererstrom nach den Vereinigten Staaten, der vor dem Kriege durchschnittlich 900 0000 pro jahr betrug, eine ständige Erweiterung des National Wohlstandes mit sich brachte und der wirtschaftlichen Entwicklung einen starken Auftrieb gal). Die Dominien müßten Anreize für junge Menschen schaffen, dort ihre Kräfte eüuusetzen. Für die Regierung antwortete der Duke o f Devons h i r e, der feststellte, daß die weiße Bevölkerung des Empire ungefähr 70 MiJIioneu Menschen beträgt, von denen allein 49 Millionen auf den britischen Inseln leben. Der Revölkcrttugs/uwachs werde allmählich immer kleiner, so daß schon in kurzer Zeit eine Verminderung eintreten könne. Im Jahre 1913 «•änderten 283 (KI) Personen britischer Nationalität nach den Dominien aus, denen t>l 000 Rückwanderer gegemiberstanden. 1111 Jahre 1037 wanderten 26 000 Personen nach Uenersee aus, während 34 000 ziirückkehrten. Man könne zweifellos sagen, daß das Empire eine sehr viel größere Bevölkerung als die augenblickliche ernähren könne und daß das Bestehen einer größeren Bevölkerung zur Wohlfahrt aller Feile des Reiches beitragen und die Sicherheit vergrößern winde. 1111 Laufe seiner Ausführungen sagte der Regierungsvertreter u. a., es scheine lebenswichtig, daß das Empire bevölkert wird, wenn nicht völlig durch Menschen britischer Herkunft, so auf jeden Fall durch Menschen, die sich dev Umgebung assimilieren könnte n und dieselben Ideale hätten. Wenn es nicht gelinge, das Empire zu bevölkern und es hinsichtlich der Verteidigung selbständig zu machen, so werden andere es für England tun. Kenya und die jüdische Auswanderung Ein Siedlungsplan liegt vor Wie aus London berichtet wird, wird gegenwärtig dem Vorschläge, eine begrenzte Zahl jüdischer Auswanderer au* Deutschland (und Oesterreich) in Kenya anzusiedeln, die ernste Aufmerksamkeit des Kolonial amtes gewidmet. Die Untersuchung der Möglichkeiten einer solchen Ansiedlung־, die ausschließlich landwirtschaftlichen Charakter tragen soll, ist noch in ihren Anfängen, und es ist deshalb noch zu früh, vor! irgendeinem bestimmten Ansiedlungsplan zu sprechen. Man hört, daß das Problem der An- Siedlung eines Teiles der Auswanderer auf Staatsböden zu den Punkten gehört, die gegenwärtig erwogen werden. In maßgebenden Londoner Kreisen wird darauf hingewiesen, daß eine solche Untersuchung die Tatsache nicht aus dem Auge verlieren darf, daß die Zahl der weißen Siedler überhanpt in Kenya etwa 17 000 beträgt, unter denen sich nur 2000 Farmer befinden. Amtliche Kreise verhalten sicli auch nur gegenüber einer Erörterung der ungefähren Zahl von Aus- Wanderern, für die in Kenva Raum gefunden werden könnte, zögernd; inan hört allgemein, daß bei der Natur der Dinge diese Ziffer nicht sehr groß sein kann. Trotz der sehr vorsichtigen amtlichen Haltung zu dem Vorschläge glaubt man in Kreisen, die in enger Fühlung mit maßgebenden Stellen stehen, daß selbst dann, wenn der Plan nicht zu der Ansiedlung einer beträchtlichen Anzahl jüdischer Auswanderer in Kenva führt, sein Gedingen dennoch für das übrige Empire richtungweisend sein und dadurch indirekt sehr weitreichende Ergebnisse haben würde. Soweit Kenya in frage kommt, wünscht nach einer verlaßliehen Information die weiße Bevölkerung lebhaft einen Erfolg des Planes. Es gibt in der Kolonie keinen Antisemitismus, und die jüdischen Ansiedler ans Deutschland können ein herzliches Willkommen erwarten. Jedes Versagen der ersten Gruppen jüdischer Ansiedler würde freilich auf die öffentliche Meinung in der Kolonie eine höchst unglückliche Wirkung haben. Schon aus diesem Grunde müßte die Auswahl der Siedler so sorgfältig und streng als möglich getroffen werden. Praktisch müßte die Ansiedlung sich stufenweise vollziehen, um jeden Verdacht einer Ueberflutung zu vermeiden, und erst, nachdem die ersten kleinen Siedlergruppen ihren Erfolg bewiesen haben, könnten weitere Gruppen dorthin gehen. Eine andere Gefahr, gegen die man auf der Hut sein müßte, ist die Neigung der jüdischen Auswanderer, in die Städte zu gehen. In einem solchen Falle würde, wie in inaßgebenden Kreisen betont wird, gegen den ganzen Plan sofort eine starke Entrüstung sich erheben, die ihn unmöglich machen würde, bevor er irgendeine Chance des Erfolges gehabt halte, Angesichts der Tatsache, daß die künftigen Siedler nur einen begrenzten Kapitalertrag zu ihrer Verfügung haben würden, könnte sich der Betrieb gemischter Landwirtschaft als lohnender erweisen, — Da bereits eine kleine jüdische Gemeinde in Kenya besteht, würde jeder Ansiedlungsplan, wenn es dazu kommt, mit ihrer Hilfe durcligefuhrt werden. ITAL.-OSTAFRIKA ',UGANDA* TANGAN• schäm vrn Unsere Karte zeigt die Lage der britischen Kronkolonie Kenya in Ostafrika. Die Kartenskizze gibt die Lage der Kolonie und der \achbargebiete an. Die Linie 1/uer durch die Zeichnung gibt den Aequator an. Arabischer Bürgermeister für Jerusalem Jerusalem, 21. Juli. (Palcor.) Die Mitglieder des Stadtrates von Jerusalem sind heute durch den Bezirkskommissar von dem Beschluß der Regierung in Kenntnis gesetzt worden, daß zwei mohammedanische Mitglieder des Stadtrats ernannt werden, von denen einer das Amt des Bürgermeisters übernehmen wird; sie sollen den nach den Seychellen verbannten Bürgermeister Dr. Khaldi sowie den in Akko internierten fssa Darvish ersetzen. Major Nay ton, ein Beamter der Palästina-Regierung, wird zum Sek'retär des Magistrats ernannt. Die Namen der neuen Räte sind noch nicht bekannt. « * Die vorstehende Nachricht muß größtes Befremden fiervorrufen. Allgemein ist angenommen worden, daß nach der schweren Kompromittierung des letzten arabischen Bürgermeisters von Jerusalem, der als Aufrührer von der Regieruag auf die Seychellen verbannt werden mußte, die Verwaltung der Hauptstadt entpolitisiert werden wird. Die Ernennung eines Arabers zum Bürgermeister läßt sich aber nur aus politischen Motiven verstehen, da die Stadt unbestrittenermaßen eine klare jüdische Mehrheit von über 60 ״'״ hat. Die letzte Periode der Verwaltung mit Dr. Auster an der Spitze hat sich nach allgemeiner Meinung glänzend bewährt. Es ist unbegreiflich, daß die Regierung trotzdem jetzt wieder einen arabischen Bürgermeister ernennen will. Wir würden eine solche Maßnahme verstehen, wenn durch das Entgegenkommen der Frieden in Palästina nähergchracht werden könnte. Eine derartige Konzession an die Araber 0 11 n e Sicherheit des Friedens und ohne vorherige Verhandlungen ist aber offenbar zwecklos. Vom jüdischen Standpunkt muß gefordert werden, daß in Zukunft derartige wichtige prinzipielle Fragen nicht e inzcln behandelt oder gar auf Kosten der Juden entschieden werden, sondern nur im Rahmen einer fiesamtberein igun״, die die Wiederherstellung des Friedens in Palästina verbürgt. Die Teilungs-Kommission in London London, 22. Juli. (Palcor.) Das Kolonialamt gibt bekannt, daß die Palästina-Tcilungsk o m .m i s s i 0 n in der zweiten August-Woche in London eintreffen und ihre Sitzungen dasejbst am 15. August fortsetzen wird. Personen, die vor der Kommission Aussagen zu machen wünschen, werden ersucht, sich heim Secretary, Palestine Partition Commission, c/o Colonial Office, London, arizumelden, wobei eine Denkschrift in sechsfacher Ausführung einzu'senden ist, in welcher die der Kommission zu untereitenden Ansichten dargelegt werden sollen. Das Problem der in Wanderschaft begriffenen und in naher Zukunft zur Wanderung hcreitstehenden Menschenmassen fahrt fort, die Weltöffentlichkeit zu beschäftigen. Es handelt sicli nicht um eine ,,jüdische״ Angelegenheit, sondern um eine Erscheinung der Nachkriegszeit, dieses seit 1918 aus vielen Wunden blutenden l.iimpa.-., das sich weder politisch und wii (schaftlicli, noch su/ini um! psychologisch von den Nachwirkungen der furchtbaren Katastrophe erholt hat. Die unmittelbar nach dem Kriege in vielen Herzen entstandene Hoffnung, die ״normalen'• ZiM.iinle der Vorkriegszeit würden, vielleicht mit einigen Veränderungen, doch über kurz oder lang wiederkehren, verführte ctizu, unangenehme Erscheiuungen dieser Art nur als vorübergehende Störung /u betrachten, deren man mit gutem Willen schlecht oder recht Herr werden 11 .. MI'.‘M, ■ •;:!11 ...I I ,! ■ ״ : :e:11; ..,I״i I■.■ i .i״■■■•!,N,! 1;1 ׳ i111;III11tj Heute im Palästina-Blatt: Gegen die Untreue Von M artin Buber kann, bis sie sich von seihst wieder einreitkeii. 111 dieser Weise hat man die großen IjiiigrantcitpmbiciiH׳ der Nachkriegszeit eingereiht. Immer wieder wurden Luiriehfimgen versucht, um diesen heimatlos gewordenen Menschen eine neue Existenzgrundlage zu schaffen, vor allem auch jene .Attribute der Legalität, ohne die in der heutigen Welt der Mensch nicht als Mensel! gilt, nämlich Ausweispapiere. Der Name des großen Menschenfreundes Frithjof Nansen überstrahlt alle diese Bemühungen. Es gab auch Fidle von Emigration, die ganz besonders gelagert waren und für die daher eine Speziallösung־ gefunden werden konnte. Das wichtigste und bekannteste Beispiel dieser Art ist die Ansiediung der aus der Türkei ausgegliedcrfen Griechen in Griechenland bzw. der griechisch-türkische Bevölkerungsaustaiiscli. Die Emigranten, mit denen sich die Welt in den ersten Nachkricgsjahren ־zu beschäftigen hafte, waren vor allem Griechen, Bulgaren, Türkeil, Armenier und Assyrer; dann kam, zahlenmäßig alle vorhergehende!1 Emigrantenwelk'n ubertreffend, die große Aus- Wanderung aus Rußland auf der Flucht vor dem Bolschcwismus. Hilfsaktionen wurden ei ״geleitet, und anfangs standen die meisten Länder dem Einstrom von Einwanderern, die sich dort durch Arbeit ihr Brot erwerben konnten, noch offen. Einen für ganz Europa entscheidenden Einschnitt brachte die Einwaiidcrnngssperre in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, denen sicli nach und nach die siuhmcnkanisclieii Staaten anschlosscn, Amerika war bis 1<>2I «las klassische Einwandernngsland für alle europäischen Nationalitäten. Wahrend des Weltkrieges entstanden die leinieii/eu uaüoiuiler Abge- Auswanderung war eine ständige Begleiteteluanung des jüdischen Lebens, und 111 den Jahren von 1908 Iris 1924 sind dert, praktisch also in zehn Jahren, da du sechs'Jahre 1914 bis 1920 infolge des Krieges mir ganz schwach "beteiligt sind. Uebersee traf die Juden In Minders empfindlich. Die Verden immer starker. I Ernte ist e> unter den akuten \Y andeningsdie AufiiHziksamkeit auf sicli zieht. Die Welt beginnt jetzt erst zu begreifen, welchen Umfang das Problem amiehmeit kann, wenn man es weiter wie bisher ignoriert. Du- Konferenz in Evjan war ein Zeichen tlniur, daß man sicli allmählich der Tragweite der Dinge bewußt wird. Es handelt sich lim nicht mehr und nicht weniger als die Umsiedlung von Mensdieimiassen, die in die H g 11 «I c r 11 a u s e 11 d e zählen, und die logischerwcise nur dann zur Auswanderung gebracht werden können, wenn sie an einem anderen Ort einwandern können. Emwandem hei 15t aber nicht, eine Fahrkarte lösen und an einer Zieistation ankcminien, sondern es heißt, die Möglichkeit einer w i r t s c h n f 11 i c h e 11 E x i st e 11 t und einer c 11 d g u 11 i g e n E i 11 0 1 d 11 u n g in den sozialen Organistmis tles Ankunftslandes erhalten. Es liegt auf der Hand, daß liier Fragen entstellen, an denen die beteiligten Völker nicht wie bisher teilnahmslos vontbergehen können, indem sie fMt&tr Ue&eNtöick Die leiden Tage brachten in Palästina wiederum eine große Anzcdd von T er r o r ■ A k t e n, Uebcrfällcn und Gefechten. Die Zahl der jüdischen Toten, die hierbei zu beklagen waren, beträgt 17. ln Tel . lu־fu> und Haifa wurden Bombenattentate verübt, die zahlreiche Opfer Prof. Ismar Blbogen verläßt die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und siedelt nach den Vereinigten Staaten von Amerika über,