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Jüdische Rundschau · 1938-07-19 · Heft 57 (19.7.1938) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 57 (19.7.1938)
Date
1938-07-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 19. VII. 1938 Chronik des Terrors Die Gefahr der Anarchie Die Unruhe in Haifa Jerusalem, 13. Juli. Zahlreiche jüdische Familien in dem Haifa er Viertel Ardil Yahud haben ihre Wohnungen verlassen und sind nach Hadar Hakarniel übersiedelt, nachdem cs in dem Stadtviertel 7.11 Angriffen gekommen war. ln der Haschomcrstraßc in Haifa wurden einige Juden verwundet. Zwei jüdische Hauser in dieser Straße wurden von Arabern angezündet. Ein Jude wurde in Haifa wegen Bombenwurfs verhaftet. Zwei Juden aus Kfar Hess wurden von Arabern beschossen ^und einer von ihnen, Zwi Marder, schwer ver- Bei einem (icfecht zwischen britischen Truppen und Arabern in der Nahe der Petroleumlinie bei Kawkab-cl-Hawa wurde ein britischer Offizier schwer verwundet. Zwei jüdische Opfer Jerusalem, 14. Juli. Auch am Donnerstag wurde eine Anzahl jüdischer Häuser in Haifa angezündet. Eine Bombe wurde gegen einen jüdischen Autobus im Stadtviertel Hcrzlia geworfen. Fm Passagier, l)r. 1. o e b e r, wurde verwundet. Ein Araber und der jüdische Chauffeur, der zur Verteidigung schoß, wurden verhaftet. Eine Anzahl jüdischer Läden im Haifacr Bazar winde von Arabern geplündert. Gabriel Duck (22 Jahre alt), der in einem Kaffee in Tiberas verwundet worden war, ist seinen Verletzungen erlege n. Die Siedlung R a in a t Joch a n a 11 wurde von Arabern angegriffen. Die Angriffe wurden von jüdischen Polizisten zurückgcschlage״. Zwei Arbeiter, Ephraim M e I a in c d (28 Jahre) und Ajna/'u Cohen (2י) Jahre), wurden verwundet. Cohen Araber griffen die P11״/eistati011 in Baka Garbieh an und tötete״ c'iu’,1 ״ra hi sehen Polizisten, Ein Zug wurde he: Fvdda zur Entgleisung gebracht und die Verbin• düng zw:S1 hon Haifa und l.viida zeitweise unterbrochen. 12 Ara b e r aus dem Dorf Arara wurden verwundet, als sie Tnippen hei einer N'ae!!suche Widerstand leisteten. Schweres Bombenattentat in Jerusalem 12 Araber getötet Jerusalem, 13. Jul1. In Jerusalem wurde i!1 der Altstadt auf dem uherfullti 11 arabischen Markt nahe bei der David'-traße eine Bombe geworfen. Dabei wurden 12 Araher, da runter ל Frauen und 2 Kinder getutet und 2ü Araber verwundet, daiunter schwer. Polizisten errichteten Barrikaden am Eingang zur Altstadt und richteten Wachen an den Eingängen zu den Moscheen ein, um weitere Unruhen zu verhindern. Zwei J u d i n!1 c n wurden unter dein Verdacht der Beteiligung v< r h a f t 0 t. Eine der beiden soll, so wird behauptet, als Aiabcrm verkleidet die Bombe in einen Korb gelegt haben, l'cber Jerusalem wurde ein Ausgehverbot von 6 Uhr abends an verbringt. Zusammenstöße in Safed Britische Truppen cröffncten auf Araber Feuer, die versuchten, in das Judenvicrtel von Safed einzudringen, nachdem eine Bombe in der Nähe der Post explodiert war. Zwei Araber wurden vom Militär getötet. Die Kadooric-Schule in Tulkerem wurde von Terroristen überfallen, die in das Gebäude eindrangen und vier arabische Hilfspolizisten entführten; die Polizisten kehrten später heim. Zwei weitere Juden getötet Der j 11 d i s c 11 e Hilfspolizist Raruch Forkosch (28 Jahre) wurde auf Patrouille hei Kfar Jemen in der Ebene Scharon erschossen. Der jüdische Hilfspolizist Jechiel Bari! 20) 1 : וזו Jahje) wurde in der Nähe von Murdak Haozar verwundet. Ferner wurde der Hilfspolizist Peter Pachncr (2i Jahre) bei Ramath Hakowesch erschossen. an das Colonial Office 1-t die läge in den letzter! '24 Stunden mit Aus nah me von Haifa ruhiger geworden, ln bezug auf das Attentat :1; der Jerusalemer Altstadt meldet das Telegramin, daß d!e Regierung die Situation beherrscht. Die Ereignisse des Wochenendes Jerusalem, Iß. Jul1111 .׳ F.mck Chef er wurde ein Jude :1! einem ( )1 aiigeng.arten erschossen, ein zweiter dische Faden von Arabern an gezündet. In Akko wurden bei einem nombmuuri zur. Araber verwundet. Die arabischen I, a d e 11 b c s i t 7 e r schlossen ihre Oese 11 a f ז e m Haifa. Jerusalem und Jaffa als Protest gegen da- Hombenrutentat in Jcrusalcm. Da wegen des Schabbat 11 auch die jüdischen Geschäfte־ geschlossen waren, ruhte das (Uv. halt-k hen in den Städten vollständig. Emir Abd ü 1 1 a!1 hat einen Appell erlassen, den Terror in Palästina emztistrlk'11. Ferner appellierte der Emir an die britische Regierung, d׳c .iralvschcn Forderungen zu erfüllen. Das arabische Fra t: e n - K o in i t e c hat an das Kol-onialamt ein Protest-Telegramm gegen indische Terrorakte gerichtet. Jerusj lein, 17. Juli. In der Nähe von Tel Awiw wurden drei Araber erschossen aufgefunden. Schmuei Joseph L c i c h e r, ein 2bj;ihriger jüdischer Hilfspolizist aus dem Kibbuz Gan Sch nuicl, wurde heute nachmittag, als er Wache stand, von einem arabischen Freund, mit dem er sich unterhielt, angeschossen und tödlich verwundet. Trotz seiner Verwundung setzte Lcichcr dem Angreifer nach und feuerte auf ihn, worauf er tot zusammenbrach- Saul Weisel, ein '15jähriger jüdischer Arbeiter, wurde heute, als er einen städtischen Lastwagen von Tel Awiw chauffierte, in der Nähe von Mikwe Israel von einem arabisehen Motorradfahrer angeschossen und schwer verw u n d e t. Ein jüdischer Lastwagenchauffeur, der bis jetzt noch nicht identifiziert werden konnte, erlag heute abend Verletzungen, die ihm durch Schüsse von unbekannten Angreifern bei Tel Awiw zugefügt wurden. Isaak Kaplan (45 Jahre alt), Direktor der jüdischen Streichholzfabrik in Akko, wurde heute in Akko auf der Straße angeschossen und verwundet. Von der Teilungs-Kommission Vor der Palästina-Teilungskommission sagte Generalleutnant H a i n i n g aus. Die Tcilungskoinmission verbrachte zwei Stunden in der jüdischen Siedlung Kirjath Anawim. Sic besichtigte fer- ת er den Boden der Kwu/a ßamaaleh, der augenblicklich einer Steinwüste gleicht. Die Siedler von Kirjath Anawim erklärten den Mitgliedern der Teilungskommission, daß ihr Grund genau so aussah, als sie vor 18 Jahren zu siedeln begannen. ie Teilungskommission wurde von den Herren Schertok und Gordon im Namen der Jewish Agency empfangen. Im ״Haarcz.“ nimmt M. Smilanski, wie uns aus Tel Awiw berichtet wird, noch einmal zur Frage des Terrors das Wort: Was wir befürchtet haben, ist cingetroffcn. Weite Kreise des Jischuw haben die Klarheit des Urteils und ihr inneres Gleichgewicht verloren. Für einen Außenstellenden war es schwer zu beurteilen, wo das Erbarmen mit dem jugendlichen Hingerichteten aufhörte und das Sich-mit-ihm- Identifizieren anfing. Jedenfalls verstanden die Kreise, die schon lange auf eine Auflösung der nationalen Disziplin hinarbeiten, die Reaktionsweise des jischuw als offenen Ausdruck der Zustimmung zu ihrem Vorgehen. Es ist zwecklos, mit Menschen zu argumentieren, deren System ein anarchisches ist, aber jene die ihre Taten rechtfertigen, sind vielleicht doch noch der Selbstbesinnung fällig. Die Zu- Stimmung zu Racheakten, die seit langem gepredigt wird, stützt sich auf viele Gründe, von denen manche unter der Schwelle des Bewußtseins liegen. Einer der offcnlicgcndcn ,,praktischen׳• Gründe ist der, daß man den Terroristen Furcht einjagen müsse. Es ist schwer zu verstehen, daß dieser Grund nach der langen bitteren Zeit, die hinter uns liegt, noch Gewicht hat, nachdem wir für dieses Furchterregen einen so In Palästina wurden am Donnerstag hebräische Flug* blätter verteilt, die zum Widerstand gegen die Staatsgewalt und zur Verweigerung von Steuerzahlungen auffordern. In diesem Flugblatt wird auf ein Schreiben des Abgeordneten Col. Wedgwood Bezug genommen, das dieser am 30. Mai an den Präsidenten des Verbandes ehemaliger jüdischer Offiziere in Tel Awiw gerichtet hat. In diesem Schreiben sagte Wedgwood u. a.: ״Ich glaube nicht, daß Repressalien in der Form, daß man unschuldige Araber ermordet, berechtigt sind. Ich glaube aber, daß Sie moralisch berechtigt sind, sich zu bewaffnen, um sich selbst und Ihre vorgeschobenen Kolonien zu schützen, weiterhin Vcrteidigungsmaßnahmcii zu ergreifen, sowdit dies möglich ist.“ Wedgwood macht dann weiter den Vorschlag, passive Resistenz zu üben, wie sic ü a n d h i in Südafrika und Indien durchgeführt hat. ״Derartige Aktionen setzen allerdings Einmütigkeit voraus und den Willen, Leiden zu ertragen und sich ins Gefängnis werfen zu lassen. Ich glaube, hierzu kommt noch der gesellschaftliche Boykott und. der Verzicht auf ein normales Verhältnis zur Regierung.“ Anschließend erwähnt Wedgwood sechs Formen der passiven Resistenz, nämlich: 1. Besetzung von Land und Weigerung es zu verlassen, außer durch Gewalt, und sich ins Gefängnis werfen zu lassen. 2. Steuer- V e r w e i - gerung, Bruch des Gesetzes, und sich ins Gefängnis werfen zu lassen. 3, Weigerung, die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu nehmen oder deren Rechtsprechung anzuerkennen, und sich ins Gefängnis werfen zu lassen. 4. Teilnahme an illegal erklärten Demonstrationen. 5. Verteilung iflcgal er Literatur. 6. Bewachung und Boykott i e r u 11 g derjenigen, die dies nicht mitmachen. Wedgwood hat der Redaktion der ״Times״ gegenüber, die diesen Brief veröffentlicht hat, sich dahin geäußert, daß er absolut gegen Terrorismus sei. Er habe den Brief vor seiner Reise nach Amerika geschrieben. 111 bezug auf die fegenvvärtigc Lage in Palästina meinte Wedgwood, daß die r m o r d 11 n g unschuldiger Araber ein genau so roßes Verbrechen sei wie die Ermordung unschuldiger uden. Nechemiah im Rampenlicht Sdiülerauffülirung in Jerusalem Der hebräische Schriftsteller Aschmann hat das Thema des Stauerhaus unter .\cchc1niah in seinem Drama ,,Die Mauer“ neugcstaltet. Das Relh-llachinuch-Ljaidc-Owdim in Jerusalem veranstaltete eine Schüler-Auf lührunf’ seiner Oberklassen, in der Teile des Dramas auf die Bühne kamen. ״... die Propheten haben ihre Weissagungen dem Feinde verkauft, die Stadt wimmelt von Kundschaftern, die Bauleute sind erschöpft, und das Volk — ach, das Volk! - -, das da um mich ist, gleicht dein verfolgten und verängstigten Lamm, das die Wölfe umstellt haben...‘‘ Nechcmiah steht in der Halle seines Palastes vor dem niedrigen Tisch, auf dem ein rotgoldener Teppich unter den vielen Pergamenfroilcri hervorschaut. Seine Fäuste geballt, erhebt er jetzt die Arme und ruft mit starker Stimme: ״Aber die Mauer wird gebaut werden, und müßte ich mit eigenen Händen jeden Stein aus dem Felsen schlagen, und bliebe ich ganz allein, und wäret ihr alle verzagt, und müßt ich die Tore selber in die Angeln heben! Die Mauer wird gebaut werden!“ Ncchcmiafis Augen sind weit aufgerissen, aber lange können sie nicht mehr so siegessicher und klar blicken, die Anstrengung war zu groß; außerdem drückt das ungewohnte Kostüm am Hals, und der Scheinwerfer wirft sein Licht unbarmherzig auf ihn. ״Die Mauer wird gebaut werden!“ wiederholt Ncclicmiali, und der Vorhang senkt sich leise. Schluß des ersten Aktes. Das Publikum — Schulkinder, Eltern, Freunde der Schule — atmet auf. Eis ist eine Hitze im Saal, obwohl alle Fenster offen stehen. Alle Plätze — bis auf den letzten — sind besetzt. Nun hört man Geflüster und Stühlerücken, eine leise geführte Diskussion liier, eine erregtere doM — Entspannung jedenfalls. Aber hinter dem Vorhang ist — im Gegensatz, dazu — angespannteste Arbeit. Ls wird umgcbaut, und die technischen Helfer haben alle Hände voll zu tun, um ״die Mauer Jerusalems“ aus Tischen, Bänken, niedrigen Stühlen und Kisten aufzubauen, um den Hintergrtindvorhang, auf dem die zackige Mauer halbfertig mit schwarzgrauen Linien angedeutet ist, zurecht zu ziehen, um die Darsteller des ersten Bildes von der Bühne zu treiben und die des zweiten richtig zu placieren. Das alles darf nicht mehr als zwei, höchstens drei Minuten in Anspruch nehmen, sonst wird (las Publikum unruhig. Jetzt kommt das Zeichen: ״Bühne frei!“ Der Scheinwerfer flammt wieder auf, wenn auch nur ganz, schwach, denn es 'ist Mitternacht darzustellen. Die blaue Scheibe wird vorgeschoben, der Vorhang hebt sich rasch, und im blauen Licht sprechen die beiden Verschwörer davon, die Mauerstützen zu Fall zu bringen. Der alte Lehrer, der in der vordersten Reihe sehr aufmerksam der ״neumodischen“ Nechcmiah-Aufführung folgt, ist nachdenklich, denn seine Gedanken sind von den Tagen seiner Kindheit, in denen er zum ersten Male ״Esra und Nechemiah“ lernte, zur Gegenwart geglitten..., immer bleibt der Kern dgr Dinge gleich, nur das Gewand, die historischen Umstände ändern sich. teuren Preis gezahlt haben. Kann jemand töricht genug sein, zu glauben, daß Terroristen von ihren grausamen Taten ablassen werden, wenn Menschen aus ihrem eigenen Volke getötet werden? Eine solche ״Reaktion“ ist doch nur Wasser auf ihre Mühle. Ihr Ziel ist es ja gerade, das Land in Anarchie zu stürzen, und eine Beruhigung des Landes, soweit es in ihren Kräften liegt, zu verhindern. Solche ״Reaktion“ von verantwortungslosen Elementen auf unserer Seite ist gerade das, was die Terroristen wollen. Auch propagandistisch tun ihnen solche Taten von unserer Seite einen guten!Dienst! Auch in der englischen Beamtenschaft, soweit sie uns nicht freundlich gesinnt ist, ist die Freude über unser moralisches Versagen groß, da es ihre Ansichten über uns rechtfertigt. Es ist schlimm genug, daß es soweit gekommen ist, daß Menschen, die sich Juden nennen, Verständnis für Mordtaten zeigen und sie aus ״praktischen“ Erwägungen rechtfertigen. Das seelische Motiv für diese Haltung ist das an sich natürliche und berechtigte Verlangen nach Heroisnuis. Aber diesem Bedürfnis kann in dem unvermeidlichen langen Kampfe, in dem wir stehen, Genüge geleistet werden im Nachtdienst und in der Verteidigung. Tobia Dounie Als eines der Opfer der schweren neuen Tenorwelle Ist Tobia Dounie in Haifa gefallen. Er war ein Mann, dessen besondere Persönlichkeit einen ehrenvollen Platz im Leben des Jischuw einnahm. Ein kleiner, frischer, lebensprühender Mann, dem niemand seine 61 Jahre ansah. Als 27jähriger kam er 1004 nach Haifa, einer der allerersten Pioniere moderner Aufbauarbeit in dieser Stadt, die damals ein verschlafenes Nest mit geringer jüdischer Bevölkerung war. Er hatte In Deutschland seine Ausbildung als Ingenieur erhalten und war mit der Gruppe junger Ingenieure in der Fabrik ״Athid“ (Pcwsner, Wilbusch, Glikin) der eigentliche Schöpfer modernen jüdischen Lebens in Haifa. 111 seinen letzten Jahren war er Unternehmer wichtiger Regierungsbaiitcn, eine Aufgabe, zu der seine Rechtlichkeit und Großzügigkeit ihn ganz besonders befähigte. Ich habe ihn nie eine Rede halten hören, und das will im redefreudigen Palästina etwas heißen. Aber cs war ein großer Genuß, mit ihm zu plaudern. Er war voll schelmischen Humors, mit dem ernstesten Gesicht sagte er erschütternd wichtige Dinge. Aber der Untergrund dieses echten Humors war tiefer Ernst der Sachlichkeit, gründliche Mcnschenkcnntnis, Wohlwollen und Charakterfestigkeit. Er kam aus der Jesehiwa. Sein Denken war real, klar, zielsicher. Es gab wenige so zuverlässige F reunde wie ihn, und mit besonderer Treue stand er zu den alten Freunden der ersten schweren Jahre. Von Parteien hielt er nicht viel, aber den Gesamtaufgaben des Jischuw gab er seine ganze Kraft, In Zeiten der Unruhe, wenn wir den Aufbau verteidigen mußten, war er immer bei denen, die den Widerstand des Jischuw organisierten. Sein Tod ist Svmbol seines Lebens. Als die Verhängnisvolle Bombe am Gemüsciuarkt von Haifa fiel, kam er in einem Auto vorbei. Er hielt an, um einen verwundeten arabischen Polizeioffizier in sein Auto zu retten, und tlabci trat ihn die Kugel ins Her/. So war er, und so lilcibt er für uns lebendig. Elias Auerbach (Haifa) An1 Dienstagabend, 8 Uhr palästinensischer Zeit, wird in den! Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem eine Oedächtnisfeier zum Andenken an Theodor Herzl und Biaiik veranstaltet werden, die durch Rundfunk übertragen wird. Die Kinder sind aufgeregt zusammengerückt, denn jetzt gibt es was zu sehen — was Gruseliges. Jetzt wird es ernst werden. Ob die Peitsche wirklich auf den Rücken des gefesselten Spions niedersaust? Jetzt saust die Peitsche wirklich nieder. Wimmernd gesteht der Gefangene; Sanbaiad, der Herrscher Schomrons, habe den Brief an Schmarjah, den FVopheten in Jerusalem, geschickt. Mehr kann er nicht sagen. Einige Minuten hört man erregtes Geflüster, und nur langsam ebbt die Erregung ah, denn dieses Bild ist mit seiner realistischen Derbheit sinnfälliger als die ersten beiden, in denen mehr Rede war als Handlung. Der dramatische Höhepunkt kommt aber erst, als nun der ״Prophet“ Schmarjah, der ja als Künder und Hetzredner viel Unheil gestiftet hat und ״seine Zunge dem Feinde verkaufte“, in Nechemiahs Gemach tritt, — Nechcmiah hat ihm den Brief durch einen anderen Boten zusteli,pn lassen, ganz, so, als ob er von Sanbaiad käme; und der verräterische ״falsche Prophet“ spielt vor unseren Augen sein doppeltes Spiel. Diese Rolle der ״echten Falschheit“ wollte kein Junge der Oberklasse übernehmen, denn es war kompliziert und erschien ihnen unmöglich, mit ״heiligster Uebcr/.cugung“ zu sprechen, wissend, daß man sie entlarven würde. Ein Mädeben mit .,tiefer Stimme‘■ spricht also dort oben auf der Bühne, denn sie hat sich gerade diese Rolle gewünscht, und sie schafft es auch. Ascluitann hat den feierlich klingenden Text des Nccbcmiah-Biichcs in dramatische Geschehnisse zusammengefaßt. Die Sprache ist von der epischen Breite des Urtextes auf Knappheit des Kommandos und kürzeste Formulierung des Dialoges gebracht. Nichts bat sich geändert seitdem. Immer haben wir di-e Mauer gebaut; damals und heute gab cs Verzagte und Verräter; heute und vor tausend Jahren haben wir am Tage der Freude dagestanden mit Tränen in den Augen und mit bitterem Herzen und ha hen um die Toten geweint. Jedes Kind und jeder Erwachsene fühlt es, warum der Dichter den Nechemiah auf die Bühne gebracht hat. Das ist ja unser Leben, unser Kampf, unsere Totcnklage. Heute, heute haben wir die Mauer zu bauen. Der Bühnenmeister hat das Zeichen gegeben, dm Tänzeri-nnen sind cingctretcn, tmd jetzt drehen sich die Zwölfjährigen in den Hüften, langsam, das Tamburin in der Fland. — dann schneller und immer rascher. Die Haare, in denen kleine Margeritenkränze gelbweiß leuchten, wehen bei der drehenden Bewegung bis über die bloßen, kindlichen runden Schultern; die Ketten und die Armringe klingen, aber das hören nur die, die hinter den Kulissen stehen, denn Gesang und Orchester sind jetzt lauter, heftiger geworden. Und mitten in den Lärm des Festes spricht Nechemiah: ״Freue dich, Tochter Zions, juble und jauchze, denn ich habe dich erlöst, spricht der Herr. Ftallelujah!“ Und strahlend hell setzt der Chor, der schon hinter dem blauen Vorhang auf den Dirigentenstock gewartet hat, ein: ״Hallelujah! Hallelujah!“ Anselm Bing- (Schluß des Palästina-Teils) ״Passive Resistenz?“ Ein Briet Wedgwoods

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