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Jüdische Rundschau · 1938-07-19 · Heft 57 (19.7.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 57 (19.7.1938)
Date
1938-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 57, 19. VII. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Als Konfektionär in New York Wir veröffentlichten in Nr. 41 den Bericht eines nach New York Ausgewanderten über seine Erfahrungen, die er im Berufsleben im /lahmen der New-Yorker Konfektion gemacht hat. Der Verfasser dieses Berichtes hat eine große Reihe von Zuschriften aus unserem Leserkreis erhalten und nimmt nachstehend zu einer Anzahl von Fragen, die immer iviederkehren, Stellung. Wir glauben, daß diese ergänzenden Ausführungen über die beruflichen Verhältnisse in der New-Yorker Konfektion auf besonders großes Interesse bei vielen unserer Leser stoßen werden. (Red.) Arbeit für die Jerusalemer Universität Dr. Walter Fischei in Brasilien Von unserem Berichterstatter Säo Paulo, im Juli Dr. Walter Fischei (Jerusalem) ist von Nordamerika aus, wo er Gast vieler Universitäten, Colleges und jüdischer In■ stitutionen war, durch alle Länder Mittelamerikas und die Westindischen Inseln im Aufträge der Hebräischen Universität gereist. Auf seinem Weg nach Argentinien hielt er sich auch in Brasilien auf. Nach Stationen in B e 1 e m und Pern a 111 b u c o kam Dr. 1־ i sch el nach Rio, wo ihm die jüdisehe Kolonie einen wannen Empfang bereitete und seine Mission in Jeder Hinsicht erleichterte. Auf Einladung der Universität in Rio hielt er eine Vorlesung vor einem großen Bankett für Dr. Walter Fisrhel. X Dr. Waller Fischei, >..■.׳ der Ileklor derb niversilät Sao Paulo, Vampre, der Präsident der Gemeinde der Juden aus Deutschland, Dr. Lorch A.inUncWoto Kreis von Gelehrten und Studenten, und die Idee der Forderung der geistigen Beziehungen /.wischen Rio und Jerusalem wurde vom Rektor und von anderen Professoren — vor allem von dem bekannten Professor Igitacio de Amaral — sehr wohlwollend aufgenommen. Der Rektor erklärte sich bereit, den Vorsitz der neuzugründendeii Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität zu übernehmen. Der _ fast zweiwöchige Aufenthalt von Dr. Walter Fischei in Säo Paulo wurde ein besonderes Ereignis. Schon der Empfang am Flughafen von Vertretern aller Kreise, auch der nichtjüdischeil Presse, war außerordentlich. Die Zeitungen brachten ausführliche Berichte, Artikel und Interyieyvs über _die Leistungen und Aufgaben der Hebräischen Universität in Jerusalem und über die zahlreichen Vorträge von Dr. Fischei. Die hiesige Universität gab zu Ehren des Gastes ein Festessen, an dem auch der Präsident der Gemeinde der Juden aus Deutschland teiinahm. Schon vorher hatte Dr. Fischei in den Räumen der Universität eine Vorlesung gehalten, die vom Rektor, Spencer Vampre, eingeleitet wurde. Dr. Fischei sprach über die ״Renaissance des Orients1‘ in französischer Sprache. Daß die gesamte jüdische Kolonie den Jerusalemer Besuch herzlich aufnahin, bedarf keiner Erwähnung. Dr. Fischei war Gast der Zionistischen Organisation und des Circulo israelita Paulista, und seine lehrreichen Vorträge erweckten allgemeines Interesse. Auch vor den Juden ans Deutschland, die hier in der Congrcgayäo Israelita Paulista zusamniengeschlossen sind, sprach Dr. Walter Fischei über ״Unbekannte Juden in unbekannten Ländern“. Empfänge und Tees, Besuche der jüdischen Schulen und des Hebräischen Gymnasiums brachten alle Kreise in persönlichen Kontakt mit Dr. Fischei. Ein Höhepunkt der Veranstaltungen war der Vortrag vor einer fast tausendköpfigen Menge im ״Makkabi“ über .,!Die Bedeutung der Hebräischen Universität für das jüdische Volk“. Dr. Gert Caspar;׳ ״O eff net die Tore!“ Eine englische Stimme zur Wanderungsfrage Von unserem Berichterstatter J.M., London, 15. Juli Sir John Hope-Simpson (bekannt in jüdischen Kreisen als Verfasser des nach ihm benannten Palästina-Berichtes vom Jahre 1031 — Red.) äußerte sich im ״Evening Standard“ vorn 15. Juli unter dein Titel ״Oeffnet die Tore!" zur Wänderungsfrage. Nachdem er die moralische Seite des Wandermtgs- Problems auf/u/eigen versucht hat, geht er dazu über, die in London, besonders in der letzten Zeit stark verbreitete Bc- Häuptling zu widerlegen, daß die Fremden alle Berufe überflutet haben und sich des imlauteren Wettbewerbes schuldig machen. An Hand von Tatsachen und Ziffern führt er den Beweis, wie gering!.. B. die Zahl der A e r z. t e ist, die im Laufe der letzten fünf Jahre die Erlaubnis zur Niederlassung in England bekommen haben. Unter den 50־MS000 englischen Aerzten befinden sich seit 1033 kaum mehr als 187 neu Hinzugekommene. Verschwindend gering ist auch die Zahl der Zahnärzte, die sich in den letzten neun Jahren in England niederlassen durften. Bilden tatsächlich, fragt Simpson, die 200—300 fremden Aerzte und Zahnärzte eine ernstliche Wettbewerbgefahr für die englische Aerzteschaft? Simpson sieht die einzige Lösung dos Problems in einer geordneten und organisierten Wandcr 11 11 g. U11organisierte Flucht müsse zu einer internationalen Katastrophe ersten Ranges führen. Fr kommt zu dem Schluß, daß sowohl Frankreich wie England einen ernsten Versuch zur Lösung der Wanderungsnot machen müßten, zumal der konstante Bevölkerungsrückgang eine Aufführung durch eine entsprechende Einwanderung erfahren kann. Simpson stellt daher die Forder u n g a n F n g I a n d, seine Tore für 100 00t) Emigranten zu öffne n und so den eigenen Dominions mit gutem Beispiel voranzugehen. Die englische (.)Öffentlichkeit hat bei dein Hinscheklcn Claude G. Montefiorcs große Anteilnahme bekundet. Zahlreiche warme Nachrufe sind in der führenden englischen Presse erschienen. Am 11. Juli versammelte sich ein zahlreiches Publikum, darunter viele prominente jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten, um der Trauerfeier in der Reformierten Synagoge in der St. Jolin's Wood Road heizmvohnen. Dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend wurden keine Trauerreden gehalten und der Gottesdienst, geleitet von Rev. Dr. Mattuck, war seinem Inhalte und seiner Form nach von schlichter Würde. Schneiderinnen in New York Die meisten der Leser resp. Leserinnen, die mir gcschrieben haben, teilen mit, daß sie Schneiderinnen wären und fragen, welche Möglichkeiten sie hier haben. Dazu ist folgendes zu sagen: In einer Stadt wie New York, wo die Zahl der benötigten Schneider und Näherinnen allein in der D a in e n k I e i d e r h r a n e h e nach meinen Erkundigungen an maßgebender Stelle etwas ■über!00 000 beträgt, ist es erklärlich, daß gute Schneiderinnen mul Schneider immer Gelegenheit haben, sich durch ihren Beruf zu ernähren. (Daß die Zahl der in allen anderen Zweigen der Bekleidungsindustrie als Schneiderinnen gebrauchten Kräfte ebenfalls sehr bedeutend ist, braucht nicht besonders erwähnt zu werden.) Nun ist es aber selbstverständlich, daß es hier sehr viele Schneiderinnen und Näherinnen gibt, und cs wäre natürlich grundfalsch, anzunehmen, daß man auf ,.uns" hier ״wartet׳‘. Insbesondere die hier als Schneiderinnen tätigen Italienerinnen, die meistens von Kindheit an das Nähen erlernen, sind in diesem Beruf außergewöhnlich befähigt und stehen in bezug auf Schnelligkeit im Nähen sicher an erster Stelle. Aber auch die aus Polen, Rußlandtisw. stamm enden jüdischen Frauen und Mädchen, deren Zahl eine sehr beträchtliche ist, sind erstklassige Schneiderinnen, und die in der Branche tätigen Zuschneider und Schneider sind größtenteils polnische und galizische Juden und in ihrem Fach geradezu ״Kanonen". (Daß die meisten dieser Juden bereits viele Jahre im Lande und längst amerikanische Bürger sind, dürfte wohl bekannt sein.) Bei dieser Gelegenheit soll auch einmal die besonders herzliche und liebenswürdige Hilfsbereitschaft unserer ostjüdischen Bruder und ihr verständnisvolles Entgegenkommen *für unsere äugenblickliche Situation dankend vermerkt werden. In den Konfektionsbetricben wird alles am ״laufenden Band" gearbeitet: die Bekleidungsstücke werden nach dem Zuschnitt‘ der auch in der Damen k I e i d e r brauche nur von Männern gemacht wird, durch die Finisher (Ausfertigcrimicn), ca. '22 Dollar Wochenlohn, Basier (Hefterinnen), 25 Dollar, Operator (Maschinennäheriitiien), 35 Dollar, usw. bearbeitet. Die im Sampleroom (Mustcrraum) tätigen Schneiderinnen, die in der Lage sein müssen, ein Kleid selbständig fertigzustcllen, erhalten einen noch höheren Lohn. - - Da die Zahl der im Sampleroom benötigten Kräfte natürlich eine verhältnismäßig weit geringere ist, wird man seihst als ״perfekte" Schneiderin meistens nur als Finisher beginnen können. Die hier genau!!- ten Wochenlöhne werden in den Union-Betrieben gezahlt; die meisten Konfektionsfirmen müssen der Union angehören. In den Betrieben, die nicht der Union angegliedert sind, — hauptsächlich Detailgeschäftc — werden mitunter wesentlich niedrigere Löhne gezahlt. In nicht allzu langer Zeit werden aber wahrscheinlich auch alle Detailgeschäfte mit mehreren gewerblichen Angestellten der Union angehören müssen. Die ״Union“ Ohne über Vorteile oder Nachteile der Union für die Wirtschaft eine Meinung zu äußern, seien folgende Tat- Sachen, die allgemeines Interesse haben dürften, bekanntgege* ben: Ein Unjonsmitglied hat außer der besseren Entlohnung den Vorzug, daß ilie betreffende Person zwar in der geschäftsruhigen Zeit aussetzen muß —■ also gewöhnlich zwischen den einzelnen Saisons —, aber nicht entlassen werden kann, wenn nicht der Betrieb ganz aufgelöst wird (was natürlich im Belieben der Geschäftsinhaber steht) oder aber nach Verhandeln mit der Union ein Teil der Arbeiter aus zwingenden _ Gründen ״abgelegt" werden muß. Wenn z. B. nicht alle Näherinnen insgesamt aussetzen müssen, wird die vorhandene Arbeit unter allen Näherinnen gleichmäßig verteilt. Jedes Unionsmitglied hat Anspruch auf eine Ferienzeit, die bezahlt wird. Der Unionsbeitrag beträgt 35 Cent pro Woche; ferner gehört jedes Mitglied einer Krankenkasse an, für die ein Beitrag von 25—35 cent pro Monat gczahlt wird. Hierfür hat das betreffende Unionsmitglied im Krankheitsfalle freie ärztliche Behandlung und erhält bei Arbeitsunfähigkeit S 7—8 pro Woche Krankengeld für die Dauer von zirka 10 Wochen. Außerdem ist der Union eine Stcrhekasse angcsehlossen. Etwa Oft ״,« aller in der Kleiderfabrikation tätigen Schneiderinnen und Schneider sind Unionsmitglieder. (Diese Angaben machte mir der Assistant general rnanager der Dressmaker-Union, Mr. Max Moskowitz.)' Acltnljcltcs gilt für die Union verwandter Branchen, in denen Schneider und Schneiderinnen beschäftigt sind. Nun kann allerdings nicht jeder ohne weiteres der Union beitreten, denn bei der Arbeitslosigkeit auch von sehr vielen Unionsniitgliedern ist die Union natürlich bestrebt, die vorhandenen freien Plätze ihren Mitgliedern zu geben. Andererseits kann man aber, ohne Unionsrnitgiied zu sein, in keinem Unionbetrieb arbeiten. Der beste Weg, in die Union hinein/ukommen, ist, sich um eine Stelle i!1 einem der Union angehörigen Geschäft zu bemühen, und der chairntan des betreffenden Betriebes wird dann auch meist den Beitritt der neu einzustellenden Person zur Union erwirken. — Kurz zusammenfassend möchte ich sagen, daß Schneider und Schneiderinnen, wie schon erwähnt, immerhin wesentliche Chancen hier haben, und wenn sie nicht in der Eiigros-Konfektion Unterkommen, so bieten sich für sie in den vielen Dctailgeschäften und Betrieben ahnlieber Branchen vielerlei Arheitsmögl ichkeiten. Daß auch die Zahl der in anderen großen Städten benötigten Näherinnen und Schneider bedeutend ist, weil es auch dort sehr große Konfektionsbetriebe gibt, sei noch hin/.ugefügt. Nähmaschine mitbringen? Eine weitere Frage, die mehrfach in den Briefen gestellt wurde, ist, ob und was für eine Nähmaschine man mitbringen soll. Hierzu möchte ich bemerken: Wer im Besitz einer Nähmaschine ist, tut natürlich gut daran, wenn er sie mitbringt. Der Transport ist sicher nicht sehr hoch und für eine gebrauchte Nähmaschine braucht bei der Landung kein Zoll entrichtet zu werden. Will man sich also erst eine Nähmaschinc anschaffcn, so wird cs sich empfehlen, eine gebrauchte aber noch gute Nähmaschine zu kaufen, weil der Zoll für eine neue Maschine ziemlich erheblich ist. Hier erhält man eine wenig gebrauchte Singer-Maschine mit Elektromotor mit noch einjähriger Garantie bereits ah 8 30; nein Singer-Nähmaschinen, alle mit elektrischem Antrieb, kosten ab 7.irka? 80 bis zirka 8 150. Die Zahhingsweise oder besser gesagt Ahzahtungsweisc ist hier besonders kulant, denn man erhält bei Singer direkt eine neue Maschine gegen eine monatliche Ratenzahlung von zirka $ 6, und man!)raucht auch die gleiche Rate nur als Anzahlung zu leisten. Wenn man sich demnach noch vor der Auswanderung eine Nähmaschine anschaffen will, sollte man sich eine Singer-Maschine kaufen, weil man dann hier alle eventuell benötigten Ersatzteile bekommt. Zu beachten ist aber, daß ein an einer Maschine angebrachter Elektromotor auf die hier gültige Voltstärke von HO Volt eingestellt sein muß. Ansteckblumen Eine andere, sehr oft wiederkehrende Frage ist, ob man das A 11 f e r t i g e n künstlicher A!1 s t e c k h 1 u nt e tt erlernen soll. Dies, ebenso wie alle anderen ähnlichen Arbeiten zu erlernen, ist selbstverständlich schon deshalb von Vorteil, weil man hierdurch in den in Frage kommenden Betrieben eher einen ״job“ erhalten kann, als wenn man keine Erfalmmgen hat. Wenn man befähigt ist, wirklich neue Ideen 'gepaart mit gutem Geschmack zu entwickeln, so kann man solche hier recht gut verwerten; denn USA. ist für Neues taglieh aufnahmehereit; es werden neue Dinge für den täglichen Bedarf geradezu gesucht, und es ist gleichgültig, ob es sich hierbei um einfache billige Artikel handelt oder nicht. Was nun die künstlichen Ansteckblumen betrifft, so war die Mode hierfür gerade in den letzten zwei Jahren eine enorme. Man sah kaum einen Hut, ein Kleid, ein Kostüm oder einen Mantel, an den: nicht Blumen angebracht waren, oft für unseren Geschmack in zu reichhaltigem Malle. Bemerkt werden muß, daß künstliche Blumen in sehr gioßen Mengen aus der Tschechoslowakei und zum Teil auch auanderen Ländern importiert werden, da diese trotz ries Fintulirzolles meistens billiger sind als d i e Blumen, die in den hier zahlreich vorhandelten Betrieben hergestcdlt werden, da in den anderen I andern wesentlich niedrigere Arbeitslöhne gezahlt werden, Modezeichnen und Eigeniabrikation? Einige Briefschreiber fragen, wie es sieh in der hiesigen Konfektion mit M o d e zeit; h n e n 11 11 d M o d e z e i ch - Deutschland.'Und wenn der Bedarf 11״ Zeichnungen hier auch viel mchr\eute ' meistens Damen 11111 diesem ״Artikel“ die Kundschaft besuchen. Wenn man aber hierin etwas Besolideres leisiet, kann man auch 11111 Modezeichnungen ״ein Leben maclien". Man muß sich beim Mode/cichnen natürlich dem amerikanischen Geschmack anpassen, braucht aber nicht zu glauben, daß dieser, an europäischem Maßstab gemessen, so ״ganz anders״ ist. Nur wagt man hier vielleicht in bezug auf das Mondäne etwas mehr. Aus diesem Bericht, der keineswegs den Anspruch auf Vollkommenheit erhebt, ist ersichtlich, daß er nur einige Dinge, die hauptsächlich etwas mit der Konfektion zu tun habe«, berührt. Es wurde zu weit fuhren, noch einige andere Möglichkeiten in diesem Zusammenhänge zu zeigen. Es soll — in Beantwortung einiger anderer I ragen -- nur noch hinzugefügt werden, daß man natürlich auch in kleinerem oder mittleren Umfange Artikel fabrizieren kann, die in der Konfektion lind auch in den Dctailgeschäften abz.usetz.en sind, also etwa Lcdergiirtel, konfektionierte Weißwaren usw. (Mit Plissee sowie Stickereien usw. kann man irt der Konfektion auch Geschäfte machen!) Voraussetzung ist selbstverständlich, daß man außer den hierfür notwendigen Mitteln auch vor allem die genügende Erfahrung irt der Herstellung der betreffenden Artikel besitzt. Unter diesen Umständen wird man sich dann auch verhältnismäßig schnell mit dem hiesigen Markt dieser Waren vertraut machen. Sozialgesetze 111 Anbetracht der immer weiteren .Auswanderung nach USA. dürften einige ,Mitteilungen über die hier bestehende ..S o c i a I - S e c 11 r i t y" (Sozialsehutz) von Interesse sein. Seit dem I. Januar B)27 muß jeder Angestellte und Arbeiter in der Social-Smiritv sein. (,Ausgenommen hiervon sind, unter einigen anderen noch, Angestellte und Arbeiter im Haushalt und Landarbeiter.) Hierfür wird ihm von seinem Vochenlohn 1 ״.. abgezogen. (Vom Jahre 1040 an wird der Abzug etwas höher sein.) Mit (>5 Jahren erhält der Arbeitnehmer je nach den von ihm insgesamt vereinnahmten Löhnen icsp. den geleisteten Beitragen ohne Rücksicht aut seine Vermögens Verhältnisse• eine moiiatiiche Rente von 10 א bis s. S5 (s 10 erhalt derjenige. der insgesamt mir 2000 א Lohn empfangen hat) Fs ist jedoch beabsichtigt, die curity Act“ Bestimmungen uher Vohltahrtslnlfe, Kindcrhilfe usw. enthalten. Von noch größerer Bedeutung aber ist die U n e n; p 1 o v e d I n .11 י r a!1 c e (Arbeitslosen-Versicherung), jeder Arbeitslose, der im Vorjahre eine gewisse Zeit gearbeitet "hat, erhalt ■- ebenfalls je muh seinem Gesandterdienst im Vorjahre ~ eine wöchentliche Arbeitslose n-l biterstut/ung von $ 7 bis -15 א und bis zu einer Dauer von 16 Wochen. Gute Arbeits-Aussichten Alles zusammenfassend mochte ich sagen, daß es trotz Depression und 12 Millionen Arbeitsloser noch immer gc-!lügend Möglichkeiten gibt, sich hier zu ernähren, wenn man gegebenenfalls bereit ist, alle Arbeiten zu tun und wenn man seine Ansprüche zunächst nicht zu hoch schraubt und nicht dem nachtrauert, was man einmal besessen hat. Im übrigen braucht man auch vor dem hohen. Prozentsatz der Arbeitslosen hier im Lande nicht allzu sehr zu erschrecken, denn eine große Zahl dieser ist nicht etwa jahrelang ohne jede Arbeitsmöglichkeit, sondern die meisten arbeiten sehr oft teils kürzere, teils längere Zeit oder auch wieder ständig. Das ״National Council of Jewish Women", - dem wegen seiner vorbildlichen Organisation ganz besonderer Dank gebührt, — unterhält ebenfalls einen Arbeitsnachweis. Und wenn auch durch diese Vermittlungsstelle nicht jeder sofort und vollauf befriedigt werden kann, so liegt dies rieben der großen Arbeitslosenzahl auch daran, daß die Anforderungen an das Council of jewish Women auch in dieser Hinsicht mit jedem hier ankoniniemlen Schiff enorm steigen. Für Frauen und Mädchen ist die Situation wesentlich günstiger, besonders, wenn sie wirklich gewillt und befähigt sind, I laushaltssteilen anzurrehmen und auszufüllen. Fine sehr erhebliche Zahl von Mädchen und Frauen sind mit ihrer Haushaltsstellung sehr zufrieden, und die meisten von ihnen sind in der Lage, etwas Geld zu sparen. In vielen Fallen wird den jungen Mädchen, die auch im Flause wohnen, gesiattet, die Abendschule zu besuchen, und auch sonst ist die Behandlung der im Haushalt tätigen Personen eine sehr nette und gute. Zum Schluß sei ganz besonders hervorgehoben, daß jeder neue Einwanderer nach den Vereinigten Staaten — aber nicht der auf Besuchsvisum hier Weilende sofort jede ihm angebotene Arbeit annehmen kann und dal! es keinerlei gesetzliehen oder irgendwelche anderen Bestimmungen gibt, die dem Neueiiigcwanderten eine Beschränkung in bezug auf Arbeitsmöglichkeiten auferlegen. G, J.L. (New York)

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