Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1938)
- Date
- 1938-07-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Amman 1× ep/1044017
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Seite 6 JOPISCHE RUNDSCHAU Nf. 55,!2. VII■ 1938 Chronik des Terrors Weitere UeberfStle Jerusalem, 9. Juli, (Palcor.) Ben Eli ja hu, ein 34jährigcr bucharischer Jude, der am 23 .Juni in Tel Awiw bei einem arabischen Ucbcrfall verwundet wurde, erlag heute morgen im Krankenhaus seinen Verletzungen. Isaak Harrif und Zwi W a 11 h e i m (beide 17 Jahre alt) wurden heute auf dem Wege von Tel Awiw nach Mikwe Israel von Arabern überfallen und durch Messerstiche geh wer verwundet. Ahraham D 11 w e i k (26־ Jahre alt) und Mosche A k b a d y (45 Jahre) wurden schwer verwundet, während ein dritter Jude leichte Verletzungen erlitt, als zwei maskierte Araber in ein jüdisches Kaffeehaus in Tibcrias, das am Sec gelegen ist, eindrangen und auf sie aus allernächster Nähe feuerten. Andere Juden, die in dem Kaffeehaus saßen, flohen. Joachim W o I f f, ein 35jähriger Jude aus Deutschland, wurde heute am Spätnachmittag von Arabern mit Messer- Stichen schwer verletzt, als er auf dem Wege zur Eisenbahnstation im östlichen Viertel von Haita war. Arabische Terroristen überfielen gestern nacht das Dorf Schafram bei Haifa und machten einen Angriff auf einen Posten Gliaffirim und Hilfspolizisten, der dort stationiert war. Die Terroristen töteten zwei arabische Hilfspolizisten und raubten eine Anzahl Gewehre. Truppen eilten, herbei und feuerten auf die fliehenden Terroristen, wobei ihnen Verluste zugefügt wurden. Demonstration in Amman Die arairische Presse meldet, daß .gestern in Amman eine große Protestdemonstration stattfand. Emir Abdullah hielt eine Ansprache, in der er an die Versammelten appellieite, die Ordnung zu bewahren. Er erklärte, der High Commissioner habe ihm in seiner Antwort auf ein Memorandum versprochen, daß weitere Maßnahmen ergriffen werden würden. Das A r ab i s e 11 c F r a u e 11 k o in 11 e e^ in Jerusalem dem darauf gedrängt wird, dali die luden entwaffnet, jüdische Ghaflirim abgeset/t, jüdische Organisationen, die des Terrors verdacht:״ sind, auf ge lo dt und 'die arabischen Polizeikräfte verstärkt werden sollen. In einer Reihe arabischer Städte, auch in Amman, kam es zu Streiks. Attentate am Sonntag Jerusalem, 10. Juli. (Palcor.) Eine jüdische Frau namens I ma Ta har wurde heute in einer Hafenstraße von Haifa angesrbossen und schwer verwundet. Eine Bombe explodierte heute in der Nähe des Zentralgeschäftes der Tnitwa in Haifa, die. wie man annimmt, von Arabern geworfen und für den arahischen Marktplatz bestimmt war. Manncsoldaten in Stahlhelmen bildeten einen Kordon um das östliche Finde des Kingswav, um Araber am Eindringen in das jüdische Viertel zu hindern. Die Bombenrxplosion richtete keinen Schaden an. In der Altstadt von Haifa wurden mehrere jüdische Straßenpas- Santen von Arabern angegriffen. Zwei Bomben wurden heute abend in einen Stadtomnibtis im Zentrum von Haifa geworfen, durch deren Explosion elf Juden verwundet wurden, davon sechs mit schweren Verletzungen. Diese sind: Jakob Adler (49 Jahre), Sima Margolin (31 Jahre), Abraham Grozowsky (44 Jahre), Reuben Kremer (23 Jahre), Isaak Groß (23 Jahre) und Joseph Groß (14 Jahre). Heute morgen wurden fünf Juden schwer verwurdet, als eine Bombe in einen jüdischen Omnibus auf der Strecke Kirjath Chaim—Haifa geworfen wurde. Die Verwundeten sind: David Kroi (33 Jahre); Walter Schachtel (31 Jahre). Arve Sch ״stakowskv (34 Jahre), Aron Gold mann (20 Jahre) und Nathan Dubincr (40 Jahre). Drei weitere Juden wurden bei derselben Explosion leicht verletzt. Drei Stra ßcupas- :inten, darunter zwei Juden, wurden heute am Spätnachmittag leicht verwundet, als eine Bombe in einem westlichen Bezirk von Jerusalem aus einem fahrenden arabwehrn Omnibus geworfen wurde. Der Omnibus wurde verfolgt, jedoch gelang es den Passagieren, auszusteigen und zu fliehen, bevor' Polizei eintraf. Die jüdischen Hilfspolizisten Mosche Fisenband (25 Jahre alt) und der 2?i:ihrige Mosche Gzvschik wurden heute morgen durch SchiO-o aus dein Hinterhalt in der Nahe von Klar C h a s 5 s i d i m verwundet. Der erstere düngen erlitt. Jüdische Uhaffirim verfolgten die Terroristen Araber verübten brüte einen Angriff auf die jüdische Siedlung C. hannita, der nach stundenlangem •Kampf von jüdischer, Ohaffirint und einem Panzerwagen zuri'ickgescWagen wurde Mehrere Terroristen wurden später tot aufgefunden. Ein Vortrupp der Irish Guards und des Essex Regimentes traf heute nachmittag in Haifa ein. Die restlichen Die jüdische Zeitung ״Haboktr“ wurde für eine Woche verboten. Konferenz des Jischuw Vertreter des Jischuw und .Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency sowie Abordnungen anderer Körperschaf- '־ ' Agudath )׳Israel, traten heute zu uen, um die Sicherheitsfrage zu ersitzender des Waad Leumi, gedachte des Terrors, die in den vergangenen r gedachte er des verstorbenen Dr. einer Konferenz zus.t öHern, Ben Zwi, V der IS jüdischen Opf» 12 Tagen fielen. We F. R 0 11 e!1 s t r c 1 c h s. Bezüglich der Lage im L; habe während der ganzen I ernsteren Zeit gelebt als im wörtliche Elemente fielen dt drängte darauf, der gesamte bieten, um den Exzessen t Ende zu setzen. nie sagte Ben Zwi, der Jischuw ,nruhen noch niemals in einer jetzigen Augenblick Unverant- ת Jischuw in den Rücken. Er Jischuw solle seine Kräfte aufivcranlwortlicher Personen ein Selbstver d Waffen ständen Tag 1 digung zur Verfügung, 1־ Die Organ isa" )(,richtete in seiner Ansprache über die Ordischen Selbstverteidigung, die 7000 Mann iahe 3000 Regierungsgewchrc besitze, die drnen Formationen verteilt seien. Diese ind Nacht der legalen n arahischen Terror zu , _ Tätigkeit auf diesem Gebiet würde sielt fortdauernd auf neue Bezirke atwdohnen, während unverantwortliche Aktionen nur dazu dienten, die Flammen an7ufachen und den arabischen Terror zu verstärken. Schertok drängte darauf, der jischuw solle seine Haltung aus den früheren Zeiten wieder cinnehmen und den Wahnsinn unverantwortlicher Ausbrüche einsdien. Die Debatte, die nach Schertoks Ansprache begann, wurde am Nachmittag fortgesetzt; an ihr nahmen die Bürgerrneister von Tel Awiw und Petach Tikwa, die Herren Suprasky, Baratz, Sprinzak und Rabb. Amiel sowie andere ״In Geduld fassen11 Die Durchführung des Teilungsplanes Die Zeitschrift ״Great B r i t a i n and t h e E a s t“ veröfferrtlicht in der Nummer vom 7, Juli einen Bericht über die Teilungsfrage von einem ungenannten Verfasser. Es wird einleitend ausgefiihrt, daß über die Haltung der Technischen Kommission noch nichts bekannt sei und daß man auch Ober ihre Sitzungen nichts sagen könne. ״IJeher die Aussagen vor der Kommission“, so heißt Cs, ״kann hier nichts geschrieben werden. Sie sind wahrscheinlich meist von großem Wert gewesen und stammten im allgemeinen von denen, die am besten die Möglichkeiten Palästinas kennen." Im Zusammenhang mit der von dem Autor als imsuhstanziiert angesehenen Aussage des Revisionisten Prof. Akziti wird gesagt, daß die Revisionisten weder die Mehrheit unter den Zionisten noch irgendeine beachtliche Zukunft in Palästina hätten. Aber der Widerstand gegen die Teilung käme nicht £ nur von den Revisionisten, sondern auch aus den Reihen der zionistischen Bewegung seihst. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber sei die Mehrheit f ii r d i e Teilung. In diesem Zusammenhang befaßt sich der Autor mit einer in Amerika erschienenen Broschüre mit dem Titel ״Teilung oder Zionismus?“, in der 1. die Teilung als ein nicht praktischer Vorschlag ahgelchnt wird, weil mir etwa 800 000 neue Einwanderer in den Judenstaat liincinkömtfen, 2. weil sic den Arabern mir mit Gewalt aufzuzwingeit sei, wodurch der Kampf verstärkt wurde, 3. weil die Alternative zur Teilung nicht der Status einer permanenten Minderheit: für die Juden itt Palästina sei, 4. weil das Hauptziel des Zionismus nicht die Schaffung eines Judenstaates sei, sondern die Rettung einer größtmöglichen Zahl von Juden und die Schaffung einer jüdischen Majorität in Ibalästina, 5. soll der Weg nach Zion die ״irreführende Idee der Teilung'• völlig verwerfen und eine Konzentration auf die Schaffung solcher wirtschaftlichen Bedingungen erfolgen, die eine stärkere Forderung nach jüdischer Einwanderung er- Iauben. ״Wir können nicht unterlassen zu bemerken“, so lautet die Antwort des Aufsatzes hierauf, daß, wenn die Teilung kein praktischer Vorschlag ist, wie es manche Zionisten behaupten, der Vorschlag zur Schaffung einer jüdischen Mehrheit im ganzen P a i ii s t i n a noch viel weniger Taktisch ist. Die Araber würden, wenn sie frei wählen önnten, weder das eine noch das andere zulassen. In jedem Fall sind alle diese frühen Proklamationen überflüssig. Das jüdische Volk ist noch nicht dazu aufgefordert worden, die Frage zu entscheiden. Es kann nur wenig getan werden, außer hochtönenden Worten ihren Lauf zu lassen und so der Welt das Schauspiel einer geteilten Judenheft zu bieten, bis der Bericht der Technischen Kommission erschienen ist. Inzwischen müssen wir Uns in Geduld fassen und mit allen den Menschen guten Willens sympathisieren, deren Hoffnungen und Befürchtungen über die überaus schwierige Lösung in Palästina groß sind. Die Selbstbeherrschung des Jischuw Eine Erklärung Malcolm MacDonald• Im Unterhaus gab am 6. Juli fCofonienminister Malcolm MacDonald in Antwort auf eine Anfrage des Abg. James MacGovern eine Erklärung im Zusammenhang mit der Hinrichtung von Ben Josef ab. Der Minister stellte fest, daß die Anklage wegen Schießens und Waffenbesitzes erhoben worden sei, daß ihm jedoch nicht bekannt wär^ daß irgendeine Person verletzt worden sei. MacGovern hatte u. a. auch gefragt, ob solche Zwischenfälle durch die Unfähigkeit von Polizei und Militär in Palästina entstünden, die Juden gegen Angriffe zu schützen; MacDonald erklärte, diesen Vorwurf nicht gelten lassen zu können. ״Die Juden ta Palästina“, so schloß MacDonald, ״haben ekle bewundernswürdige Zurückhaltung während dieser schwierigen Zeiten bewiesen, und die große Mehrheit hat diese Zurückhaltung weiter unter dem Einfluß ihrer Führer bewahrt. Es war bedauerlich, daß in Einzelfällen diese Haltung durchbrochen wurde und dadurch die Schwierigkeit der Lage erhöht wurde, der die Behörden gegenüberstanden.“ Abg. MacGovern fragte darauf den Minister, ob er Auskunft über die Angelegenheit der aus Giwath Ada entführten drei Juden gehen könne und ob er prüfen wolle, ob nicht den jüdischen Arbeitern־, besonders in den Grenzgebieten, die Bewaffnung zur Verteidigung gewährt werden sollte. MacDonald antwortete, daß ihm genauere Informationen fehlten, daß er aber den High Commissioner um einen Bericht ersucht habe. Es seien bereits über 1000 Juden in der Hilfspolizei zum Schutz der jüdischen Siedlungen und Ernten. Er werde den High Commissioner anfragen, wie er zu einer Erhöhung der Zahl der Hilfspolizisten stehe. Kolonialminister Malcolm MacDonald gab ferner im Unterhaus eine Erklärung über die Entsendung von Kriegsschiffen und Truppen nach Palästina ab. Warnungszeichen Von unserem palästinensischen Korrespondenten Der nachstehende Artikel ist vor den Ereignissen der letzten Woche geschrieben. Er zeigt mit großer Klarheit die Ge fahren punkte im jüdischen Lager, die es zu bessern und zu bekämpfen gilt. fllcd.) gl. Tel A wi w, 3. Juli 1938 Nach den aufgeregten Tagen der vorigen Woche, die über den jüdischen Jischuw mit der Hinrichtung von Ben Josef hingingen, ist es wieder völlig still und äußerlich so normal geworden, wie es in diesen so anormalen Zeiten sein kann. Die Sperrstunde in Tel Awiw und Jerusalem ist aufgehoben, Handel und Wandel bewegen sich wie stets, die aufgeregt diskutierenden Gruppen sind von den Straßen verschwunden und mit ihnen die Polizisten mit den Stahlhelmen und Gewehren. Das Leben rollt ab wie zuvor. Und doch ist dieser heiße und aufregende Junitag nicht vergangen, ohne einen wirksamen Nachhall zu hinterlassen. Uebcrall im jüdischen Lager, unter der Arbeiterschaft und weit in das bürgerliche Lager hinein werden die Ereignisse dieser bösen Tage nochmals geprüft und einer nachdenklichen Zergliederung unterzogen. Immer wieder hört man die Meinung äußern, daß diese Tage den Jischuw ohne Bereitschaft und ohne genügende Führung gefunden hätten: daß cs im Grunde ein Zufall war, dtaß die von keiner _ festen Hand gezügelte Erregung nicht großes Unglück anrichtete. Hier und da findet diese analytische und warnende Kritik auch ihren Ausdruck in der Presse, wie z. B. in einem bedeutsamen Artikel von Elieser Stein mann im ״Dawar“. In den letzten zweieinhalb Jahren, die eine beispiellose Prüfungszcit für die palästinensische Judcnheit darstcllten, war ein Kern, der das Rückgrat clcs Jischuw bildete, niemals angetastet worden: die innere Geschlossenheit, die Angriffen von außen eine sichere Verteidigungsstellung entegensetzte, ohne sich zu anarchischer! Methoden, zu unesonnenen wilden Angriffen hinreißen zu lassen. Es bestand eine innere Disziplin, die von der überwältigenden Majorität des Jischuw gutgeheißen und gehalten wurde. Brach sie einmal dieser oder jener Frondeur, so stellte sich der Jischuw ihm unmißverständlich entgegen und es wurde eine der schwersten Gefahren vermieden, die uns in dieser Zeit drohen kann, das Auseinanderbrechen des jischuw in streitende Gruppen, die Anarchie von innen. In der letzten Woche aber erlebten wir Stunden, in denen bei den Massen auf der Straße jede Zügelung und jede Richtung fehlte, wo das seiner Ruhe und Sicherheit wegen in den letzten Jahren so gerühmte Tel Awiw zum Schauplatz von Konflikten und Zusammenrottungen wurde, wo mir strengste polizeiliche Uebcrwacbung und die Räumung der Straßen von 7 Llhr teil. Die Redner betonten, cs sc! notwendig, daß sich der Jischuw in seiner Gesamtheit m dem Prinzip der Selbstbeherrschung bekenne. Oberrabbiner Dr. Herzog machte einen tiefen Eindruck, als er sagte, daß jeder Angriff auf unschuldige Araber eine schändliche Tat sei. Er erklärte, wenn ein Araber ihn erschießen würde, so würde sein letzter Gedanke und sein letztes Wort sein, die Juden zu beschwören, ihn nicht zu rächen. Ben Gurion sagte zum Abschluß der Debatte, daß Juden, die die Methoden der Terroristen nachahmen, dem Zionismus Unheil bringen. Der Jischuw würde sich niemals mit Mördern identifizieren und würde fortfahren, sich zu verteidigen und den arabischen Terror nicdcrzuschlagcn, ohne ihn nachzuahmen. Die Konferenz beschloß, ein Komitee einztisetzcn, bestehend aus Vertretern der Tel Awiwer Stadtverwaltung, der Gemeinden von Jerusalem und Haifa, des Farmer- Verbandes, der Histadruth und der Agudath Jisrael, das sich mit der Aufgabe beschäftigen soll, die größte Disziplin innerhalb des Jischuw aufrechtzucrhaltcn. Die Histadruth veröffentlichte ein Manifest, In dem sie erklärt, der Jischuw sei gegen vorgefaßtes Blutvergießen. Seine bewaffnete Selbstverteidigung würde dank dem Hcroismus der jüdischen Wächter und Hilfspolizisten in mehr als 200 Siedlungen Tag und Nacht fortgeführt. Das Rlutvergießen, das in den letzten Tagen begangen wurde, sei eine Schande und ein Wahnsinn. Ein ähnliches Manifest wurde von der Jüdischen Arbeiterpartei veröffentlicht. abends bis 5 Uhr früh größeres Unglück verhütete. Und es erhebt sich die Frage, ob wir cs hier nur mit einem zufälligen und daher nicht wichtigen plötzlichen Versagen: der Führung und dadurch einer zufälligen Verwirrung der Massen zu tun hatten oder mit tieferliegenden Uebeln. Um!Mißverständnisse auszuseniießen: Viele, die die ״Flerr- Schaft der Straße“ in diesen Tagen ablehnten und sie für gefnhrlich halten, sind nichtsdestoweniger der Meinung, daß der Jischuw das Recht und die Pflicht hatte, gegen die Hinrichfung zu protestieren. Sie wenden sich also nicht — was oft im Parteienstreit unterschoben wird — gegen Protestäußemngen an sich bei dieser Gelegenheit, nur weil diese Profeste von den Revisionisten ebenfalls verlangt wurden. Abgelchnt wird die Art, wie die Proteste eingeleitet wurden, die Einschüchterung der Straße, ja der ganzen Stadt durch kleine schreiende Gruppen, die fest entschlossen waren, diese ihnen gegebene Gelegenheit auszunutzen, gewarnt wird vor der Führerlosigkeit, die sich bei dieser Gelegenheit manifesticHe. Und von vielen wird darauf hingewiesen, daß dieses Entgleiten der Zügel kein Zufall war, sondern die Folge einer bedenklichen Entwickhmg, die sich in den letzten Jahren angebahnt hat, die auch nicht unbemerkt, jedoch unbekämpft geWieben ist. Nach außen stellte der Jischuw in den letzten Jahren eine solide Einheit dar. Nach innen jedoch fraß sich immer mehr eine Zersplitterung ein, eine allgemeine Unzufriedenheit, eine halb unterdrückte Kritik, daß Ordnung, Instrtutionen, Verantwortung, Klarheit der Ideen sehr viel zu wünschen übrig ließen. Das Gebäude, das die Juden in Palästina autcführt hatten und an de n die Juden der ganzen Welt einen nteil nahmen, ließ in seiner Ausführung■ Mängel, Lücken, schwache Stellen erkennen. In der Politik, der Wirtschaft, auf geistigem Gebiete, in der Erziehung wurde wieder und wieder auf wunde Punkte hingewiesen, aber es kam kaum jemals zu grundlegenden Reformen. Vielfach waren die Anforaerungen, die an die Juden als Ganzes gestellt wurde»!, zu groß, als daß die genügenden Kräfte für umfassende Resserunf' '־..־ " ״” " gerührt, als alle anderen Länder, die wirtschaftlichen Kämpfe seit 1935 haben cs viel gekostet, die Sorge um die politische Zukunft des Landes bedeutende Kreise absorbiert. Und trotz alledem konnte man immer wieder hören, daß man bestimmte Reformen nicht atifschieben dürfe, daß die innere Zersplitterung starke Fortschritte mache, daß das pa'äsfinensische Judentum gerade in einer Zeit, wo die größten Anforderungen gestellt wurden, innerlich an Kraft einbüße. Man hat sich bei Unterhaltungen in Palästina, die sich kritisch mit bestimmten Institutionen, Gewohnheiten, Leistungen beschäftigen, vielfach gewöhnt, mit einem etwas resignierten Schluß darauf hinzuweisen, daß hier alles erst ausrobiert werden müsse, daß im Laufe der Zeit sich vieles cssern, daß man vor allem auf normale Zeiten warten müsse, in denen man sich mit Ruhe der Aufgabe einer gründlichen Reform zuwenden könne. Es wird bei dieser Resignation, die sich zugleich die Perspektive in eine rosigere Zukunft offen läßt, in der Regel nicht in Betracht gezogen, daß wir, bevor diese ersehnten normalen Zeiten kommen, noch vor außerordentlich ernste Prüfungen gestellt werden können — auch von innen her — und daß dann die Probe aufs Exempel gemacht wird, wie weit wir neuen Belastungen Widerstand entgegensetzen können. Die letzte Woche bewies uns, daß plötzlich der Fall eintreten kann, wo die jüdische Masse, anerkanntermaßen sonst bei aller Erregbarkeit von ungewohnlicher Disziplin und Gutartigkeit, das Gleichgewicht verliert und sich so plötzlich neben dem Angriff von außen die Gefahr innerer Verwirrung erhebt. Diese Ereignisse sind ein wichtiges Warmmgssignal. Sie zeigen uns nochmals und in besonders greller Form, daß im jüdischen Lager nicht alles ist, wie cs sein soll. Es hieße, am Kernproblem Vorbeigehen, wollte mau diese Tel Awiwer Ereignisse nur dem zuschreiben, daß zufällig einige Stunden lang die aufmerksame und feste Führung in der Stadt fehlte. Auch dieser Faktor der Lenkung von oben ist von Gewicht und man wird die verantwo liehen Stellen nicht von der Beschuldigung freisprechen können, daß sie. statt der Straße die Richtung zu geben, sich von der Straße kommandieren ließen. Aber entscheidend ist nicht dies, sondern ein Mangel ausreichender öffentlicher Erziehung bei den Massen, der Mangel einer klaren Stellungnahme zu fiffentliehen Ereignissen, aas Nachgeben gegenüber einer Art von Massenhysterie.