Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1938)
- Date
- 1938-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 55, T 2. VII, 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Köpfe aus Eyian Von rechts nach links: Der amerikanische Delegierte Myron C.Taylor und der frühere flächt• Henri Berenger (links) und Jam Boncour, der Gcncralseki ctur der iwnjerc lingskommissar James MacÜonald. Anschließend nach links die französische Delegation Norman Bcntwich und Henri Berenger, der Ehrenpräsident der Konferenz Der Vertreter Norwegens: Michael llatisson, der Vorsitzende des I nterkomitees, das sieh A11il«n1i«f״t01 mit den Einwanderungshcslimnuingrn der in Ecian eertrelenen Slauten beschäftigt v:V: ־ |Claude Monteiiore| Aus jüdischen Organisationen in Ungarn Von unserem Berichterstatter Erst vor wenig mehr als einem Monat konnten wir an dieser Stelle den SO. Geburtstag von Claude O. Montefiore erwähnen. Am 6, Juni feierte die jüdische Welt dieses Ereignis mit warmem Gedenken an die Leistungen des Jubilars. Sehr bald darauf wurde bekannt, daß er schon am Tage seines Geburtstags schwer erkrankt war und daß man Befürchtungen für sein Leben haben mußte. Er ist von seinem Krankenlager leider nicht mehr aufgestanden, sondern am 0. Juli in London gestorben. Der ausführlichen Würdigung, die wir in Nr. 44/45 über Montcfiore veröffentlichten, ist nichts wesentliches mehr hinzuzufugen. Mit ihm verliert das Judentum einen großer! Kämpfer für den refigiös-liberalcn Gedanken, den er mit Ehrlichkeit und Ucbcrzeugimgskraft zu vertreten verstand, wenn auch viele seiner geistigen Voraussetzungen für die heutige Generation nicht; mehr als die ihrigen angesehen werden. Insbesondere in der Bewertung des Volkstumsbegriffs hat sich der Zionismus stets von Montefiore distanzieren müssen, und die ganze Entwicklung innerhalb des religiös-liberalen Judentums zeigt deutlich die Abkehr von diesen Anschauungen Montcfiores und ein wachsendes Verständnis für die nationalen Aspekte des jiidisehen Lebens. In der Geburtstagsfeier, die die Berliner Jiidisehe Gemeinde für Montcfiore veranstaltete, kennzeichnete Dr. Ba eck seine Persönlichkeit als die eines Menschen, der es ernst mit dem Judentum meint, der .,das Judentum auf die Schulter nimmt“. Als diese unumstrittene reine mcnschliehe Persönlichkeit wie auch als der Verfasser wichtiger gelehrter Schriften wird Montcfiore im Gedächtnis des jüdisehen Volkes fortleben. Der rabbinischc Rat in d c n V (■reinigt cn Staaten hat bei seiner Jahresversammlung eine Resolution gegen die Restriktion der Palästinacinw auderung gefaßt. Budapest, S. Juli Die Cliewra Kadischa und die Fester I s r. Gemeinde eröffneten den Reigen der Generalversammlungen. Lieber den Verlauf derselben haben wir schon kurz berichtet. Den Jahresversammlungen der beiden Schwester- Vereinigungen, der U n g. I s r. Literat Urgesellschaft lind des Ung. jüdischem l.niulesmuseumsvei eins präsidierte Direktor Adolf W e r t h c i in e r. Bei erstem־ gab es eine interessante Palästinadebatte, hervorgerufen durch den von uns seinerzeit registrierten Versuch, die ״Freunde der Hebräischen Universität“ im Rahmen, resp. unter der Aegiile dieser Literaturgcscllsehaft zu organisieren. Der junge Rahbiner, Dr. Franz lievesi, erhob religiös-prinzipielle Bedenken gegen die Jerusalemer Universität. Syndikus Dr. Ernst Munk äcs i betonte dagegen die erhöhte Bedeutung dieser Kulturstätte, die schon bisher einer stattlichen Reihe von jüdischen Dozenten und Studenten aus Ungarn Unterkunft geboten habe. Im Jahresausweis der Gesellschaft fungiert übrigens P 300 zur Unterstützung palästinensischer Wissenschaft. — Als Sensation sollte die Ankündigung des Redakteurs Dr. Szaboicsi wirken, der die Gründung eines J ü d i s c 11 e n Kulturbundes in nächste Aussicht stellte. Einen feierlichen Moment stellte es dar, als der Vorsitzende der Versammlung die soeben fcrtiggestellten zwei mächtigen Bände der M 0 n 11 m c n t a H i s t o r i a e J 11 - daica vorlegte, die in fast 100 üroßoktavbogcri die geschichtlichen Dokumente der ungarischen Judcnheit aus den Jahren 1326 -1740 umfassen. (Der erste Band bis 152(1 war 1903 erschienen und ist schon längst vergriffen.) Die Ver- Sammlung bereitete dem greisen Bernhard Mandl, der in jahrelanger Arbeit das reichhaltige Material nicht nur aus den Landes- und Privatarchiven zusammengetragen, sondem auch eigenhändig abgcschricben kollationiert und korrigiert hat, begeisterte Ovationen. Mit einem festlichen Auftakt begann die Generalvcr- Sammlung des M u s e 11 in v c r e i 11 s. Die Ehrung galt dem viclvcrdientcn früheren Poster Rabbiner Dr. Max W e i s z, der sich durch die bibliographische Ordnung und Herausgäbe der Prof. David K a 11 f m a n n’sdicn Bibliothek (im Besitze der Ung. Akade nie der Wissenschaften) einen internationalen Ruf erworii 1 hat. Den Druckwerken und Manu- Skripten des Museums He er Jahre hindurch seine sichtende Hand gewidme;, .י er in tragischer Weise an jenem Die Reichsvertretung zum Todestag Theodor Herzls Wir haben in diesem Jahre einen doppelten Anlaß, uns d-cr großen Gestalt von Theodor Hcrzl zu erinnern Wir erwarten für die Zukunft Palästinas eine Entscheidung von geschichtsbestimmendem Ausmaß. Wir erwarten sic in derselben Epoche, in der die Existenzfrage des gesamten mitteleuropäischen Judentums aufgerollt ist. Die Reichs! ertretung erwartet daher v on den Juden Deutschlands und ihren Gemeinden, daß sie in einer würdigen Kundgebung des am 20. Taminus (10, Juli) wiederkehrenden Todestages von Theodor Hcrzl gedenken, des Mannes, der mit solcher Kraft des Voraussehens und mit solcher Liebe zu seinem Volk den Weg zu unserer Wiederaufrichtung gewiesen hat. Reichsvertretung: der Juden in Deutschland (gez.) Leo Baeck Tage vom Tod ereilt wurde, an dem der verjüngte Musciumcrein ihn zu .seinem ersten Direktor wählte. Anläßlich der Enthüllung seines von der ״Dr. M. Weiß’ Kulturgescllschaft“ bei \V. I* e r I r o 11 - () s a b a bestellten Portiiits hielt sein Mitarbeiter, Prof. Dr. Berthold Kohlhach die Gedenkrede. Den Jahresbericht des Museumverems erstattete Dr. Ernst Mtuikäcsi; in der Debatte wurde die intensivere Unterstützung dieser Institution gefordert. A. F, 167 Jugendliche gehen zur Alija Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder mul Jugeiul-Alija teilt mit: In diesen Tagen haben 20 Jugendliche Deutschland verlassen, um als geschlossene Gruppe der Jtigend-Alija nach ü c w a zu gehen. Das A 11 a w a - 11 e 1 m in Kirjath Bialik bet Haifa wird eine Gruppe von 25 Jungen und Mädchen, aufnehmen, die soeben abgereist sind. In den nächsten Wochen steht die Alija weherer Gruppen bevor, mul zwar gehen 12 Mädchen in das religiöse lwdi־Hcim 111 Jerusalem, 60 Jugendliche nach Ejn Charod und 50 Jugendliehe nach Kfar Jecheskel.