Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1938)
- Date
- 1938-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 ■TOPISCHE RUNDSCHAU Nr 55 12 VII. 1938 Mitgefühl für die zur Auswanderung drängenden oder schon ausgewanderten Menschen ausgesprochen und dem Präs!־ denten Roosevelt für seine generöse Initiative gedankt. Nach dieser Verbeugung folgt die Feststellung, daß das betreffende Land sich natürlich an seine eigenen Gesetze halten muß, und eine Darstellung der jeweils geltenden Einwanderung»• Bestimmungen. Der dritte Punkt ist eine Aufzählung dessen, was das betreffende Land bisher schon in bezug auf Zu- Fassung von Einwanderern aus Deutschland geleistet hat, häufig verbunden mit der Versicherung, daß damit bereits das AeuOerste geschehen ist. Es folgt eine Sehittlerung der Schwierigkeiten im eigenen Land, Arbeitsloscti/iffern und ahnliches, und zun! Schluß wird versichert, daß im Rahmen der noch verbleibenden Möglichkeiten das betreffende Land alles tun will, um mit den Eiriberufern znsammeiizuarbeiteii und das Werk der Konferenz zu fördern. Wahrscheinlich können die Vertreter der Länder nicht anders sprechen, und wer etwas anderes erwartet bat, der hat, wie ein weitverbreiteter Konferenzwitz sagt, Evian von hinten gelesen (״Naive“); dennoch' wäre es unrichtig zu verschweigen, daß diese Er- Klärungen auf die jüdischen Hörer wirkten wie ein kalter .Wasserstrahl, Vielleicht tragt dazu auch die ganze Atmo* Sphäre dieses Konferenzsaales bei, die keine Emotion, keine Erregung oder innere Erschütterung auf kommen läßt. Es gibt keine ßeifallsbezeugungen und kein rhetorisches Pathos. Man spricht über Gesetze und Ziffern, aber das Herz schweigt. Die meisten Redner verlesen ihre Erklärungen aus dem vorbereiteten Manuskript, und jeweils nach Beendigung tritt der Dolmetscher auf und wiederholt die Rede in englischer oder französischer Sprache. Schon dieses ständige Intermezzo erzeugt eine Atmosphäre der Nüchternheit, die, vom jüdischen uns alles zutiefst ers< butternden und aufwühlenden Tragödie, um derctwillen diese Konferenz Zusammentritt. Freilich muß sind und daß cs sich um eine Konferenz von Vertretern von Regierungen handelt, Jur die der ^Gegenstand der Kon- Jeder erwartet vom andern daß alle Länder in! wesentlichen ihre b i s h e r i *<;־ e Einwanderutifis• politik fortsetzen werden. Eine Reihe von siidamerikanischcn Staaten gaben dabei interessante Andeutungen in. bezug auf die Anforderungen, die sie an Einwanderer stellen. Besonders wurde Nachdruck gelegt darauf, daß vor allem Landwirte als Einwanderer erwünscht seien, während Indusfrie und Handel bereits 11 herset/t sind und daher die Befürchtung besteht, daß auf diesen Gebieter! die Einwanderung dazu beifragen könnte, die Laude.s'eirrwolmer arbeitslos zu machen. Eine der interessantesten Reden war die des Vertreters von Columbien, der darauf hinwies, daß die Schwierigkeilen der Konferenz sich notwendig aus der Ungewöhnlich- Reit des Problems ergeben, daß eine ganze Bevölkerungsklasse eiips Landes von anderen Ländern absorbiert werden soll; dann aber hat Columbien sozusagen den Ball zurückgeworfen und auf den Appell, den Berenger (Frankreich) an die Länder der Neuen Weit gerichtet hat, geantwortet, es gebe eurepäi.sclie Staaten, die noch Kolonialbesitz in Amerika haben (und darüber hinaus ein gewaltiges Kolonialreich), nämlich Großbritannien. Frankreich und Holland, diese drei sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Die Rede des Vertreters von Columbien war die einzige, die bei den versammelten Vertreten! der Nationen Bewegung und nun Teil Heiterkeit bervorrirf. Die Versammlung empfand, daß in diesem Bonmot sich etwas von der Situation der Konferenz ^enthüllte: Alle uas den •י 1 View -׳ Ir k nr!׳ / ' e י־ -m sellM- ׳׳ <1 w־ '11! , li ׳ , ־ ׳'*׳׳<(-e*l v i ul n - ,h den gegebenen, ן ״, wt •!,'!.!^ 1-t, t Der Aufmarsch der Organisationen züglicfi derer ohnedies mir Nuaueen-Lmcrschiede zwischen den wirklich verantwortlichen großen Körperschaften und Ürganisahonen bestellen. Leider ist in dieser Beziehung zumindest in den ersten Tagen der Konferenz genug Verwirrung entstanden. Neben den großen Hilfsorganisationen, die seit Jahren die Auswanderung praktisch und finanziell betreuen, sind unzählige kleine Organisationen und Komitees aufgo taucht, die ihre Vertreter nach Evian sandten in der Meimrrrg, daß die Konferenz darauf wartet, gerade vor! ihnen einer! Rat bezüglich einer Patentlösung zu empfangen. Wir wollen, um nicht zu verletzen, keine Namen von Organisationen und Komitees nennen. Es genügt zu sagen, daß man am ersten Tag voll der Anwesenheit von 52 verschiedenen Komitees sprach, später stellte es hieb heraus, daß cs 30 sind. Die Couloirs des Hotel Royal sind voll mit Personen, die sonst zu jüdischen Konferenzen zu erscheinen pflegen. Nicht alle vor! ihnen haben zum Thema der Juden aus Deutschland etwas zu sagen, noch damit einen direkten Zusammenhang. Die Konferenz, sah sieh einem Ansturm von Memoranden gegenüber und loste das Problem in der Weise, daß sie eine Kommission mit der Aufgabe betraute, je einen Vertreter all dieser privaten Organisationen zu hören. Vielleicht war das der Konferenz gar nicht so unangenehm, denn von sich aus hatte halte sie keinen festen Plan. Es gelang, die Zahl der Anzubörenden auf 25 zu beschränken. Einer nach dem anderen wurde biiicingmifeu und hatte 5 Minuten Redezeit, die Vertreter der größeren Organisationen 10 Minuten. So drängten sich am Freitag nachmittag die jüdischen Vertreter vor dem Beratungszimmer und warteten, bis jeder einzelne gerufen wird. Es ging recht schnell. Irr einem Nachmittag Die Redner in Evian Wie bereits In der vorigen Nummer kurz mitgeteilt, sprachen in der Donnerstag-Mittagssltzun״ der Konferenz die Vertreter Brasilien«, Argentiniens, Belgiens, Australiens, Hoilands und Kanadas. Der australische Delegierte betonte, daß Australien für die Einwanderung von Menschen britischer Herkunft bereit sei. Der brasilianische Vertreter drückte seine Sympathie mit Roosevelts Absichten au» und erklärte Brasiliens Bereitschaft zur Zusammenarbeit, aber nur bei einer jährlichen Eimvandmingsqttote von •14 000 Menschen für alle Länder. Der belgische Vertreter betonte, daß sein Land eine Anzahl Emigranten aufgenornnren habe, aber infolge der Arbeitslosigkeit keine weiteren Verpflichtungen übernehmen könne. Der .Sprecher Kanadas legte sich bezüglich der Einwanderungsfrage, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sei, nicht fest, und sagte Kanadas Mitarbeit an der vorgeschlagenen internationaler! Körperschaft zu. Der argentinisdie Vertreter erklärte, daß es kein Rassenproblem in seinem Lande gebe, Argentinien eine große Zahl von Ein- Wanderern hereingclasscn habe und daher seine Pflicht erfüllt habe. Nur erfahrene Landwirte sowie qualifizierte Arbeiter könnten zugelassen werden. Der holländische Vertreter teilte mit, daß Holland im Augenblick keine weiteren Emigranten aufnehnien könne. Bezüglich der holländischen Kolonien erklärte er, daß sie in tropischen Gegenden gelegen und daher ungeeignet für die Ansiedlung von Weißen seien. Am Sonnabend kamen die Delegierten Neuseelands, Colum* biens, Chiles, Mexikos, Uruguays, Venezuelas, Ecuadors, Peru« und Dänemarks zu Wort; ferner sprach Sir Neill Malcolm. Von seiten der ungarischen Judenheit sind der GCncrai- Sekretär der Fester Israelitischen Gemeinde, Alexander Eppler, sowie der Vizepräsident der Chewra Kadischa, Paul L unze r, in Evian anwesend. Die Lage am Montag Evian les Bains, Montag vormittag (telephonisch) Im Laufe des heutigen Tages soll wieder eine Plc na rsitz 11 n g stattfinden, nachdem die Arbeit der Konferenz über das Wochenende geruht hatte. Die Aussichten werden Montag vormittag etwas günstiger beurteilt. In den ersten Tagen hat die Konferenz, die in der Weltpresse recht grolle Bedeutung fand, keine gute Resonanz gehabt. Die Presse zum mindesten war der Meinung, daß die Konferenz zwar von gutem Willen zeugt, aber nicht genügend vorbereitet w׳ar. Das war tatsächlich der fast allgemeine Eindrück. Aber man hofft, daß es der Energie der Hauptdelegierten gelingen wird, ein so gutes Ergebnis herbeizuführen, wie es die Schwierigkeit der Materie gestattet. Vor allem bemiihen sich die Amerikaner, es heißt, daß sie auch telephonisch in Verbindung mit Präsident Roosevelt stehen. Man hat eingesehen, daß die Konferenz selbst, die sich auch in richtigem Instinkt von allen rein demonstrativen Akten fernhalten will, die sachlichen Fragen nicht lösen kann und alles von der Arbeitsfähigkeit des zu schaffenden Sek retariats abhängt. Dabei wird immer auf den grundlegenden Unterschied gegenüber dem Aufgabenkreis der früheren ähnlichen Einrichtungen verwiesen, die sich mit juristischen Angelegenheiten zu befassen hatten, während das künftige Sekretariat die Verantwortung für die dauernd vor sich gehende Auswanderung und für die Eingliederung der Auswanderer übernehmen soll, woraus sich in vielen Hinsichten ganz andere Funktionen ergeben. Man neigt Jetzt dazu, dieses Sekretariat nicht in Paris, sondern in Lon- Jon zu errichten. Der Leiter soll ein Amerikaner von hohem Range sein. Ob es möglich sein wird, daß Taylor selbst das Amt übernimmt, ist noch nicht sicher, aber es besteht Uebcreinstimmung darüber!, daß es ein Manri dieses Kalibers sein muß. Das zweite Subkomitee unter Vorsitz des Norwegers H a fUli-ist-WiwJsehetij.damitj.Jhesch^Jig^,, von den cipzdnen , Regierungen vertraulich« Erklärungen darüber entgegcuztwiehmeu, wieviele Einwanderer und welche Kategorie sie aüfnehmen könnten. Es besteht die •'Hoffnung, daß in dieser Phase der Konferenz die Delegierten sich etwas liberaler äußern werden als in der öffentlichen Sitzung. Das jüdische Memoranda m, von dem in der letzten Nummer die Rede war, ist von dem Council for German Je w r v überreicht worden, dem sich eine Reihe von anderen Organisationen angeschlossen hat. Das Memorandum gipfelt in der Darlegung, daß die finanziellen Erfordernisse einer Auswanderung der Personen unter 40 Jahren aus Deutschländ sich auf £ 16 Millionen belaufen könnten, ein Betrag, den die freiwilligen Organisationen nicht annähernd anfbringen können, und daß man aridere Finanzniethoden suchen müsse. Das Memorandum tritt dafür ein, daß eine kleine Kommission der Konferenz gebildet werde, die mit den freiwilligen Organisationen bei der Durchführung der Auswanderung zusammenarbeitet, und zwar Hei der Leitung des Auswandcrnngsstronies und dem Versuch einer wirtschaftlichen Wiedereingliederung in den neuen Ländern, wobei die freiwilligen Hilfskomitees mit den Regierungen Zusammenarbeiten sollen, um zu verhindern, daß der betreffende Einwanderer dem Lande seines neuen Wohnsitzes zur Last fäiit. Letzte Nachrichten KonlerenssclilaB voraussichtlich Freitag Evian les Bains, 11. Juli, 17 Uhr (telephonisch) In der heutigen Plenarsitzung teilte der Vorsitzende Mr. Taylor mit, daß beabsichtigt ist, die nächste Plenarsitzung der Konferenz am Freitag, um 3 Uhr nachmittags, abzil׳• halten. In dieser Konferenz werden die Resolutionen vorgeschlagen und auch die Beschlüsse bezüglich des Perrhanenz-Sekretariafs gefaßt werden; dann wird die Konferenz, geschlossen sein. Es bestellt alle Wahrscheinlichkeit, daß dieses Programm eingehaltei! werden wird, weil wegen des englischt‘!! Königsbesuches in Paris die meisten Delegierten ajr! Freilag ahreisen wollen. Die heutige Plenarsitzung brachte noch eine Reihe von Erklärungen der Del e gierten derjenigen Länder, die bisher noch nicht zu Wort gekommen waren. Es sprachen vor allem der Delegierte von Schweden, der eine warmherzige Rede hielt; dann die Vertreter der mitteiamerikanisehen Republiken, ferner Paraguays, Irlands und der Schweiz. Der Vorsitzende richtete, an die Delegierten, die noch nicht vor dem zweiten Subkomitee zwecks Angabe der Einzelheiten ihrer Einwanderungsbestiminungen und der Möglichkeiten der Aufnähme von Einwanderern erschienen waren, die Bitte, bestimmt in den nächsten Tagen diese Angaben zu machen.. Außerdem werden die einzelnen Delegationen vom Prasidenten empfangen werden, und man wird im Rahmen eines gesch lossenen Exekutiv- Komitees die Resultate der Konferenz varberciten. Es verlautet, daß insbesondere zwischen den Delegationen der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs fortgesetzt Besprechungen stattfinden. Der Präsident betonte, daß der Bericht des Hansson-Komitecs über die Möglichkeiten der Einwanderung in die einzelnen Länder vertraulich bleiben wird. Die Konferenz hat von Präsident Roosevelt als Antwort auf das von Senator Berenger namens der Konferenz abgesandte Telegramm eine Antwort erhalten, worin er seine dringenden Wünsche für einen volle 11 Erfolg der Konferenz ausspricht und betont, daß diese Konferenz für eine große Gruppe von Menschen überaus wichtig ist. Die Meinung in Evian geht dahi׳n,% daß mit Rücksicht auf den großen Wert, den die Vereinigten Staaten auf einen guten Ausgang der Konferenz, legen, ein positives. J£rgebnis erreicht werden wird. Die Schweizer Zeitungen von heute früh bringen lange Artikel, die sich mit der Lage in Palästina beschäftigen. Zum Teil wird die Konferenz in Evian mit der Politik Englands in Palästina in Verbindung gebracht und darauf hingewiese«, daß der wichtigste Beitrag, den England zur Lösung des Emigrationsproblcms liefern könne, die Ermöglichung der Einwanderung von Juden nach Palästina ist. Die ״S ti 11 d a y - T i m e s“ von gestern veröffentlichte einen Leitartikel von Scrutator über die Lage in Palästina. Der Verfasser vertritt darin die Ansicht, daß England seine Politik werde ״ n d er ״ müssen und daß die Wiederherstellung der Ordnung in Palästina mit größter Energie anzustreben sei. (Weitere Nachrichten über die Konferenz siehe Seite •1) Berichtigung. Bei den Nachrichten aus Evian auf Seite 2 der letzten Ausgabe ist in bezug auf das der Konferenz unterbreitete Memorandum ein Irrtum unterlaufen. Es war nicht von James de Rothschild, sondern von James Bernstein (Hiccm) unterzeichnet. 25 Vorträge und Memoranden! In der Plenarsitzung am Sonnabend hat der Vorsitzende dieser Komitees, der australische Handelsminister Lieut.-Col. White, über die Arbeit seiner Kommission einen kurzen mündlichen Bericht erstattet, der nur aus einem Satz bestand. Ein schriftlicher Bericht, der auch sachliche Angaben über das Gehörte enthalten soll, wird den Delegierten vorgelegt werden. Es sind Bemühungen im Gange, nach diesem großen Vorbeimarsch der Organisationen, unter denen auch einige nichtjüdische (z. B. nichtarischer Christen) sind, eine Einigung unter den großen Organisationen (Council for German Jewrv, Joint, ICA, Jewish Agency) über ein praktisches Arbeitsprogramm herbeizuführen, wobei die in Evian anwesenden jüdischen Delegationen aus Deutschland und Oesterreich als Sachverständige wertvolle Dienste leisten können, Handelt es sich doch darum, einen detaillierten Auswanderungsplan, geordnet nach Berufsarten, Altersklassen usw. vorzubereiten, im Einvernehmen mit den einzelnen Ländern die für sie geeigneten Kategorien festzusteilen und vor allem auch die technischen und Finanzierungsmethoden auszuarbeiten. Denn wenn schon der Enthusiasmus für die Aufnähme von Einwanderern bei den meisten Ländern ohnedies gering ist, so besteht noch mehr Einverständnis darüber, ‘ daß Einwanderer ohne Mittel unerwünscht sind und daß neben dem Mindestkapital, über das der einzelne zu seiner Einordnung verfügen muß, noch gewaltige öffentliche Mittel verfügbar sein müssen, um die ganze Maschinerie in Gang zu halten. Man ist sich darüber klar, daß durch philanthropische Sammlungen nur ein Teil dieser Bedürfnisse gedeckt werden kann. Ob die Konferenz selbst sich mit Einzelheiten befassen kann, ist unsicher, aber sie muß wenigstens die Probleme kennen, mit denen sieh das von ihr einzusetzende ständige Sekretariat zu beschuftigen haben wird. Irr den Kreisen der jüdischen Gäste der Konferenz werden die täglichen Nachrichten aus Palästina mit größter Anteilnahme verfolgt. Tiefe Sympathien wenden sich Dr. Weizmann zu, dessen Schwager bei der Schießerei in Haifa getötet wurde, L>r. Weizmann ist in Evian nicht anwesend. Die Nachricht der ״Times“, daß er ein Memorandum des ״Jüdischen Weltkongresses“ überreicht habe, beruht auf einem Irrtum. Dr. Weizmann hat das Memorandum der Jewish Agency unterschrieben, worin dargclegt wird, welchen Beitrag Palästina zur Lösung des Problems leisten kann. Bei der mündlichen Aussage vor der Subkommission der Konferenz wurde die Jewish Agency durch Dr. Ruppin vertreten, der schilderte, in welcher Weise Palästina bei der Durchführung des 1933 aufgestellten Auswanderungsprograinms mitgewirkt hat, und ein ähnliches Programm im vergrößerten Maßstab für die Zukunft vorschlug. Iin Namen des Council for Oerman Jewry erschien Norman B entwich vor der Subkommission. Die ICA ist durch Herrn Oungre vertreten, das Joint Distribution Committee durch Dr. Jona Wise, der Jüdische Weltkongreß durch Dr. Qoldmann, das Anicrican Jewish Committee durch Herrn Ginsburg. Ein Kuriosum lag darin, daß eine der jüdischen Organisationen, der Verband ORT (zur Förderung handwerklicher und industrieller Ausbildung) durch einen Nichtjuden, Lord Morley, vor der Kommission vertreten wurde. Die meisten jüdischen Organisatfonen haben eine ganze Reihe von Vertretern nach Evian entsandt, offenbar ohne klare Vorstellung davon, was hier tatsächlich geschehen wird. Es mutet an wie Geschäftigkeit, es steckt aber auch eine tiefe traurige Wirklichkeit dahinter. Man fühlt so recht, wie in der allgemeinen Ratlosigkeit sich alle an den Zipfel einer Hoffnung klammern, der ihnen hier geboten scheint. Die Diskrepanz zwischen dem großen Unglück, das von diesen ungeladener! Zaungästen der Konferenz repräsentiert wird, und der luxuriösen und landschaftlich so lieblichen und gelassene Ruhe ausströmenden Umgebung, in der man sich hier bewegt, ist besonders fühlbar. Das Schicksal des jüdischen Volkes geht eigenartige Wege. Verantwortlicher Redakteur: Dr, Robert Welt sch, Berlin-Chari, 9 (auch verantwortlich (ür die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loew enstein, Berlin VV 15. Anzeigenlei ter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich Liepmann, Berlin W 15. Gültig Anzeigen-Prcidiste S vom 1. April 1938. Verlag und AnzeigeriTerwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinckestr. 10.