Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1938)
- Date
- 1938-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54, 8. VII. 1938 Franz Boas 80 Jahre alt Am 9. Juli vollendet ein Mann das SO. Lebensjahr, dessen Name in der wissenschaftlichen Welt einen besonderen Klang hat und der — obwohl ein Stück seiner Lebensarbeit auch jüdischen Dingen gegolten hat — außerhalb der Fachkreise mir wenig im jüdischen Bezirk bekannt ist; Professor F ranz Boas, Seine Lebensgeschichte ist rasch erzählt. Er wurde 1858 in Minden (Westf.) geboren, habilitierte sich 1886 als Privatdozent in Berlin und ging dann kurze Zeit darauf nach Nordamerika, wo er schon 1889 Professor an der Clark Universitv in Worcester wurde und schließlich 1900 das Ordinariat für Anthropologie an der Columbia-l’nivcrsität übernahm. Schon diese rasche Karriere bis zu einem der angesehensten!'osten, die die amerikanische Wissenschaft zu vergeben hat, zeigt, daß Boas ein Gelehrter von ungewöhnlichen Qualitäten ist. Ein Blick auf sein Lebenswcrk gibt die Bestätigung hierfür. Prof, Boas ist einer der wesentlichsten Mitgestaiter an der modernen Anthropologie; vor allein aber ist er Ethnolog e, der auf zahlreichen Forschungsreisen die Völkerkünde um wirblige Erkenntnisse bei eich dt t hat. Alaska war der Haiiptgcgin.'taiid seiner I or'clnmgeii; die fndianerstämmc, po'kr'Y"! ס-‘ ’ '1 ־!!!, w .9,0 Wh’ Volker" BRIEFMARKEN M. Ernst BERLIN WSS Potsdamer Sir. 86 Forschungsarbeit nncli /11 /ric 11!1 cn; alter cs soll wenigstens mit einem Wort erwähnt sein, daß seine Bücher wie seine Abhandlungen voll sind von fruchtbaren Gedanken und daß sie stets von einer l>et\iiiideningsutirdigen Exaktheit zeugen, die vor allem bei!len sprachln Iten Studien wie bei der Ucbermittlung der Myth.n der Primitiven notwendig war. Die wichtigsten seiner Werke sind: ״Irnli.iitiscfie Sagen von der nordpazifischen Küste" (1891), ״ll.m!!x)״k of American Iitdiait Languages" (1910) und Ilie Mmd 0: Primitive Wav“ (1911). Auf ein anderes Gebiet fuhrt sein verbreitetes Buclt ״Kultur und Rasse", in dem er von der exakten Anthro pofogie her den Versuch unternimmt, das Thema der Rassenseine Untersuchung ״Ghanges in Bo.lilvfortn of Dcscendence of Ernigrants“, die 1910 — 12 111 amtlichem amerikanischen Auftrag erschienen war und in der Boas aut Grund einer großen Zahl von anthropologischen Messungen an ostjüdischen Einwanderern in New York nach wies, daß der Schädelindex der Ein wandere i gcneratron spätestens in der dritten Generation von einem Schädelindex abgelöst werde, der sich stark dem amerikanischen Durchschnittsindex nähert oder sogar mit ihm identisch ist. Mit anderen Worten: Boas zeigte in dieser Arbeit, mit welch verblüffender Schnelligkeit der äußere Assimilationsprozeß vor sich _ gellt und in welchem Maße, die Umwelt am Typus des einzelnen Mettsehen mitformt. Welche Gründe für diese Typuswandlung■ bestehen, entscheidet Boas nicht, und dieses Rätse! Ist atieft bi* heute nicht gelöst worden. Vor allem aber muß man *Ich hüten, aus dieser Tatsache wettergehende Schlüsse 2u ziehen, die auch Boas vermeidet, fbe äußere Typusänderufig besagt noch nichts über eine seelische Strukturwandlung. Noch heute, in hohem Alter, ist der Jubilar rüstig tätig an seinen Arbeiten, und es ist der Wunsch aller, die bei ihm Belehrung gefunden haben, daß er uns noch viele Früchte seiner Arbeit schenken möge, Dr, Gerhardt Neu m a rt n Kleine Nachrichten Das rumänische J!1 * t i z m i n ו s t e r i u m hat eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Rechtsstellung derjenigert Juden beschäftigte, die aus de ח Slaatsbürgerlisten gestrichen wurden oder deren Papiere nicht in Ordnung befunden worden sind. Die Koiniiüssirm hat beschlossen, daß die aus den Staatsburgerlisten (icMrichenen in zwei Gruppen geteilt werden sollen, von denen die eine alle diejenigen umfaßt, die im alten Rumänien oder in den neuen Briefmarken Fritz Lewin LUtiowstr. 81 k Provinzen itn Jahre 191R lebten, und die zweite diejenigen, nach Rumänien kamen. Beide Gruppen >11011״ unter besondere Aufsicht gestellt werden, wobei die zweite Kategorie schärfer beobachtet werden soll Der frühere Vorsitzende des Shipping Board der Voreinigten Staaten, Albert Lasker, spendete für die Jugend- Alija 3600 Dollar. In Kopenhagen wurde am 5. Juli die Konferenz des Internationalen Verbandes der Völkerbunds-Gesellschäften eröffnet. Palästina ist durch eine Delegation vertreten, die au» Dr. Mossinsohn, Dr, Goldmann und Dr. Peinberg bestellt. Die polnische Delegation hat der Konferenz ein Memorandum unterbreitet, das zur Judenfrage in Polen a»*führt, daß diese mir durch eine Ma**cnausWanderung der jüdischer! Minorität gelöst ,werden könne. Das Zentralkomitee der Allgemeinen Zionisten Gruppe A in Polen hat der Vereinigung mit der Gruppe B zugestimrnt. Ende Dezember *oll eine gemeinsame Konferenz der beiden Gruppen in Polen stattfinden. Die Führung der Köthen er Rchützengilde hat angeordnet, daß Juden nicht mehr den Schützenplatz Während des Schützenfestes betreten dürfen. Hans Wilhelm Stein berg dirigierte in New ,York das letzte Konzert dieser Saison, das das Orchester der National Broadcasting Company gab. Prof. Siegmund Freud wurde zum Mitglied der Royal Society in London ernannt. Prof. Walter F i s c h e I von der Hebräiachen Univeiiität Jerusalem traf in Argentinien ein. Der Opern- und Konzertsinger Adolf Schwer•*tiz ist für eine Opern- und Konzerttournee nach den Vereinigten Staaten verpflichtet worden und beginnt sein Gastspiel Ende Juli im New Yorker Sender Weya. In der Provinz Posen um 1890 Aus meiner Er inner ungsmappe Die jüdischen Gemeinden in den kleinen Städten der ehemaligen Provinz Posen bildeten innerhalb des Kulturkreises der Judenheit in Deutschland gewissermaßen eine Sonderklasse für sich. Dazu trugen verschiedene Tatsachen bei. Einmal standen sie in stärkerem Zusammenhang mit den Judenmassen Polens, dann befanden sie sich aber auch in einer ganz anderen Umgebung als die anderen Juden Deutschlands. Selbst für die oberschlcsiscfien Juden galten eher die allgemeinen Voraussetzungen, denn dort trat die polnische Bewegung stärker erst int Beginn dieses Jahrhundert* in Erscheinung. Im Posenschen lag es aber anders, Dort *fanden sie zwischen der deutschen und der polnischen Nation, Die wirtschaftlichen Verhältnisse brachten es mit sich, daß die Juden zum mindesten sehr häufig zweisprachig waren; der jüdische Kaufmann, der jüdische Händler — und die überwältigende Mehrzahl der Juden gehörte diesen beiden Berufen an — waren gezwungen, beide Sprachen zu sprechen. Dazu kam weiter, daß auf Grund der treubewahrten Tradition die Gemeinden in den kleinen Städten sämtlich orthodox waren, und daß jedes Abweichen von der rituellen Norm geradezu übles Aufseiten erregte. Bel dem hohen Prozentsatz, den die Juden in den höheren Schulen bildeten, war es noch gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts selbstverständlich, daß am Selinbbath nur in solchen Fächern Unterricht erteilt wurde, in denen cs nicht nötig war zu schreiben. Auch gab es überall jüdische Volkaschulen. Ein jüdisches Volksleben in dem Sinne wie im damaligen Russisch-Polen bestand zwar nicht, aber dennoch herrschte ein viel interessierteres jüdisches Leben als anderwärts. etwas wie •ein Volksfest; und matt muß den Kol Nidre- Abend in solch einer Gemeinde erlebt haben, um die tiefe Bedeutung des Vcrsöluningsfcstes richtig zu verstellen und für sein Leben zu bewahren. Auch in geistiger Hinsicht war die Beschäftigung mit allen Zweigen des jüdischen Wissens etwa« Selbstverständliebes. Dem von den Gemeinden eingerichteten Unterricht in diesen Zweigen hat sich wohl keiner entzogen, die Kanteraden hatten ihn sonst geschnitten. So ist es kein Wunder, daß sich gerade in der Jugend dieser Gcttteindcn sehr früh nationale* Bewußtsein regte. Sie sahen ja den Nationalitätenkanipf täglich vor sich, ihre Sinne mußten naturgemäß in diesem Punkte schärfer werden als die der Juden im übrigen Deutschland. Kam dazu eine immerhin noch leidlich gute jüdische Erziehung, so kann es nicht wunder nehmen, daß gerade aus diesen Gemeinden der kleinen Posenschen Städte mit die besten Kämpfer für den Zionismus hervorgegangen sind, Es ist auch kein Zufall, daß diejenigen Männer, die in der zionistischen Vorgeschichte eine Rolle spielten, wie Gutmacher und Kalischer in Thorti — WestpretiDen unterscheidet sich Ja in dieser Hinsicht nicht von P0*et1 — aus den «stlichen Provinzen hervorgegangen sind. Jeder Heranwachsende Jude stieß ja Schritt auf Schritt aut irgend etwas, was ihn an sein Judentum erinnerte. Da waren die alten Synagogen, die alten Friedhöfe, da wurde von den alten berühmten Rabhincn erzählt, die hier und da gewirkt hatten, da gab es jüdische Buchdruekereicn von großem Ruf, hier und da auch interessante jüdische Alterflinter, von denen ja da* Berliner Jüdische Museum heute Kunde gibt. Wie überall im Osten, war der Markt der Wirtschaftliehe Mittelpunkt, und es gab reihenweise Ortschaften, in denen fast sämtliche Geschäfte am Markt in jüdischen Händen waren, so daß dieser Markt am Schaböath, da diese Geschäfte selbstverständlich geschlossen waren, wie verträumt dalag. Um so stärker war der Marktbetrieb am Freitag, an dem die jüdischen Hausfrauen ihre Bedürfnisse für den Schabbath cindeckten, Im allgemeinen war das Zusammenleben der verschiedenen Bcvöl kertmg*sehichten ein leidliches. In den städtischen Kollegien *pleiten die Juden eine wichtige Rolle, zumal da* l)rciklas*cnwahl*y*tem herrschte. Oft war der Stadtverordnetenvorsteher ein Jude. So wuchs in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundert* unter den Juden eine Generation heran, die zu ihrer Umgebttng anders eingestellt war als die Juden im anderen Deutschland, weil sie eben Verhältnisse vor sich sahen, die anderwärts nicht bestanden, und die zugleich von jiidischeu Geist durchtränkt war. Von all den jüdischen Akademikern Posen«, die noch bis zur Jahrhundertwende die Universität bezogen, wird cs wohl keinen gegeben haben, der nicht wenigstens etwas jüdische Kenntnisse bereits mitgebracht hätte, und die große Mehrzahl hatte zum mindesten soviel gelernt, daß sie ihr Gebetbuch und bedeutsame Teile der Bibel itn Urtext verstand, geschweige denn, daß sie die 'tidischen Gebräuche aus eigener Anschauung kannte. Hier agen seelische Verbindungen mit dem Judentum vor. die anderwärts fehlten, und die den Boden schufen, daß aus fliesen Kreisen die besten Vorkämpfer des Zionismus erwuchsen. Um die Jalirliundertwende gab es ganze höhere Lehranstalfen, von denen man mit Bestimmtheit sagen konnte, daß ihre Abiturienten in ihrer großen Mehrheit Mitglieder der nationaljüdisclicn Verbindung würden, und sie haben kraft ihrer Erziehung die Treue, die sie damals ihrem Volke gelobt haben, gehalten, wohin das Leben sie auch verschlagen hat. Georg Wunderlich Kaschruth — ein soziales Problem Heute lebt nur noch ein kleiner Bruchteil der Juden in Deutschland nach den Grundsätzen der Kaschruth. Vor wenigen Jahren waren es sehr viel mehr, vor einem Jahre noch immer mehr als heute. Von Monat 711 Monat wird diese Zahl geringer. Die Dinge treiben weiter und es geschieht nichts mehr, als daß ab und zu einmal ein konservativer oder orthodoxer Rabbiner etwas dazu sagt. So kommt es, daß dieses Problem totgeschwiegen wird, obgleich es sielt hier um eine Bewährungsfrage der jüdischen Religion und des sozialen Verständnisses ihrer berufenen Sachwalter handelt. Denn es ist eine soziale Frage, um die es hier geht, und nichts anderes. Der Schreiber dieser Zeilen nimmt an, daß kaum einer der Wortführenden jemals in den letzten P. HEUMANN P I A N O S I KÜHLSCHRÄNKEI BOSCH RADIO I FRIO IDAIRE ״. .. B»rlln WH, KurtQr>t«nd«mm »0• / um! 9137t• Jahren die \virklicheu Dinge eines Lebens gesehen hat, die sich in dieser Hinsicht gerade in einer kleinen Gemeinde ereignen. Die Kleingemcindc ist immer der Mikrokosmos jüdischen Lebens gewesen, und in ihr zeigen sich die Oeschehnisse weit mehr von ihrer sozialen und menschlichen Seite als in der Großgemeinde, in deren Anonymität alles verschwindet. Man muß einmal gesehen haben, wie die Menschen in der Kleingemeinde leben. Es handelt sich überwiegend um alte Leute, von denen die meisten nach einein vollen Menschenleben der Gesetzestreue nicht von Vorechriften ablasscn wollen, an denen ihr Dasein hängt. Sie sind aber alle in einem Aller, in dem sich das Fehlen des Fleischgentmies, an den sic jahrzehntelang gewohnt waren, sehr stark körperlich und geistig bemerkbar macht. Jüdische Aerzte versichern, daß das Altern von Menschen, körperliche Gebrechlichkeit und mangelnde Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten hier eine ihrer Ursachen bat. Die Menschen fallen zusammen oder sie lind aufgedunsen, aber ohne Kraft, weil sie sich von Nahrungsmitteln ernähren, die weniger kräftig al* aufschwcmmcnd wirken. Die meisten von ihnen könnten sich unter normalen Umständen nach ihrer finanziellen Lage schon sehr wenig Fleisch leisten, geschweige da» ungebührlieh teure koschere Fleisch — sofern cs dies überhaupt gibt. Auf der anderen Seite halten alle diese Menschen mit einer fast rührenden Zähigkeit an ihrer Tradition fest und docti spüren sic, daß es so nicht weiter gellt. Von jedem, mit dem man über diese Dinge spricht, kann man hören, wie sehr sie das mangelnde Verständnis derjenigen beklagen, die hier berufen wären eine lebensnahe Ent sc heid u n g zu fallen, die allen Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Diese Menschen mit ihrem instinktslchcrcn Urteil wissen, worum es geht. Denn sie befinden sich nicht nur in einem körperlichen Notstand, sie fühlen auch den geistigen Notstand, der sich aus all dem ergibt. In ihrem Ringen und in ihren Zweifeln sind sie allein. Sie wissen, daß Kaschruth ein sehr wesentlicher Bestandteil jüdischem Lebens ist; wenn sie von ihm ablassen, dann geht vielleicht so manches Jüdische über Bord, es ist vielleicht schon gar nicht mehr so viel da, was man verlieren könnte. Aber das Ergebnis ist doch: vom Judentum wird etwas ahgehaut und nichts kommt hinzu — außer vielleicht eine unverbindliche Predigt. Und indessen reden die Frauen Woche um Woche und Tag um Tag immer von dem gleichen: sie wissen nicht, was sie auf den Tisch bringen sollen. Das ist das Leben, wie cs in einer Oroßgemeiitde kaum so greifbar und anschaulich zum Ausdruck kommt. Aber jeder wird auch in einer Oroßgemeinde wissen, daß Menschen, die heute hinausgehen, um in der Ferne ein neues Leben zu beginnen, in der Lage sein müssen, körperlich und geistig allen Anforderungen gewachsen zu *ein. Derjenige aber, der mangelhaft ernährt Ist, weil er nur eine unzureichende und ungewohnte Nahrung zu sich genommen hat, wird nicht unberührt von all dem bleiben. Man sollte bedenken, daß gerade von dieser Seite her *ich ein großes soziales Problem ergibt. Nun ist es aber leider heute io gekommen, daß jeder sich seinen ״eigenen Sclutlchan Anteil“ machen muß, nachdem die Lebensumstände zwingend genug geworden sind. am Schabbath und vieles andere mehr. Weder der Liberalismus noch die Orthodoxie haben auf die Fragen des Lebens eitle Antwort gegeben, die auch nur halbwegs befriedigen könnte. Jüdische Menschen stehen heute allein, richtuiigslos, ohne einen Kompaß einer Lcbensordnung, die für das _ Leben paßt. Den Schaden hat das Judentum, Seine Säkularisierung und seine Zurückdrängung aut das ״Dreitagcjudentum“ ist unumgänglich. Gerade diejenigen, die hinausgehen, werden das spüren. Denn eine jüdische religiöse Renaissance hat es niefit gegeben. Es war alles unverbindlich, weil sich nichts in einem Tun konkretisierte. Denn niemand wußte, wo er anfangen sollte, und die berufenen Vertreter jüdischer Religion wußten selbst nicht, was sie eigentlich sagen sollten. Das ist ein Armutszeugnis. Aber auf der anderen Seite können wir auch nicht zu einem ,.neuen Schuleban Anteil" kommen. Elte er zustande käme, wäre schon alles verloren. Ehe überhaupt sich rabhinischc Autoritäten darüber einigen könnten, daß man nun anfangen müsse, würde schon alles vorüber sein. Wir können nicht lange warten. Es geht ja aber auch alles viel einfacher. Weshalb setzt man nicht für so viele Dinge des jüdischen Gcscfzcskorlcx Vorschriften in Kraft, die Notstandsrecht sind und deshalb jene nicht mehr zu tragenden Vorschriften von ganz allein auf heben? Nur wer jahrelang große und größte Opfer gerade für die Durchführung des Kaschruth gchracht hat, weiß, wie schmerzlieh cs ist zu füllten, daß die Notwendigkeiten der Zeit alle Bedenken hinweguehmen müssen. Denn «in Notstand ist cs, in dem das jüdische Volk auf vielen Gebieten seines Lebens sich befindet. Das jüdische Gesetz, aber bestimmt, daß, wenn matt nicht anders kann, man von Vor- Schriften abweichen soll, um sein Lehen zu erhalten. Dr. Arno Herzberg Palästina-Ami Berlin SIR. 3KW1IM AtINCY *Ofc FALIITINt Berlin W 15, Melnekeitraße 10. Telefon: Sammel-Nummer 91 90 31. 13. Nr. 65 des ״Juristischen Informationsdienstes“ und Nr. 18 des ״Palästina-Wirtsehaftsdienstes“ sind soeben er• schienen. Aus dem Inhalt der beiden Publikationen: Transferläge und Vorzeigegeldabruf, Streitwert in Reichsfluchtsteuer- Sachen; Leistungsgrad der jüdischen Industrie, Siedhmgstypen und Siedlung*bezirke. — Näheres durch die Organisatlons-Abtellung des Palästina-Amtes Berlin. 14. Wegen der großen Zahl der Besucher in den Sprechstunden des Palästina-Amtes empfiehlt es sich, vorher Tag und Stunde der Beratung telephonisch mit der Anmeldung des Palästina-Amtes (App. 25) zu ver• einbaren. Andernfalls muß ein Besucher damit rechnen, daß er erst an einem der folgenden Tage beraten werden kann. Aus dar ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU' 7. »1J1 Persien: Vor zwei Monaten hat die Bevölkerung von Kirmanschah ein sehr interessantes Phänomen erlebt: ln der unmittelbaren Umgehung der Uadt waren verstreute Fruchthörner ln überreichen Mengen über dem Erdboden aujgefunden worden.,.. Für die Juden blieb es unzivelfelhaft das Manna, wie es Ihre Vorfahren nach dem Auszug aus Aegypten in der Wüste gegessen haben. Hufilan A: In einer kürzlich in St. Petersburg ahgehaltenen Konferenz ... wurde beschlossen, in Gemeinschaft mit der Jüdischen Historischen und Ethnographischen Gesellschaft (an deren Spitze die Herren Duhnmv und Winawer stehen) eine ethnographische Expedition aus■ zurüsten, die dreihundert russische Städte und Dörfer besuchen moü.