Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1938)
- Date
- 1938-07-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 53, 5. JULI 1938 Errtie im Emek Jesreel Im ganzen Lande und besonders im Emek Jesreel sah man der diesjährigen Getreideernte mit großer Sorge entgegen. Man wußte, daß arabische Terroristen darauf warten, die in der Sonne ausgetrockneten Felder knapp vor dem Schnitt in Brand zu setzen, und tatsächlich ist es ihnen an manchen Stellen geglückt, Feuer zu legen. In der Mehrzahl aller Fälle wurde jedoch durch die Wachsamkeit der Siedler großer Schaden verhindert und die kostbare Ernte, deren Ertrag in diesem Jahre zufriedenstellend ist, heimgebracht. Die Organisation der Getreidebauern registrierte alle Traktoren, Mähmaschinen und Combine im Emek Jesreel, verteilte die Arbeitskräfte und brachte es dadurch zuwege, daß die Ernte im Laufe weniger Tage beendet wurde. Das Erntefest spielt im Leben der Siedler eine große Rolle. Es ist das Fest des jüdischen Bauern, ln den Städten und großen Dörfern wird ״Chag Habikurim“ (das Fest der Erstlinge) 7.11 Schavuoth gefeiert, in den iandWirtschaftliehen Siedlungen jedoch hält man sich nicht an den genauen Kalendertermiii, sondern begeht das Fest, nachdem der Schnitt beendet ist und das Korn in den W'irtschaftshof gebracht wird. Unser Bildbericht fuhrt uns in die Siedlung ״Sarid“, einer Siedlung des Keren Hajcßod auf Keren Kajcmeth-Bodcn (der Grundstock der Siedler stammt aus der Tschechoslowakei). '׳־•*,oj'‘ ״j ־־?יייוייי Links: Spät nachmittags wird vom Feld gemeldet, daß der letzte Dnnarn in Angriff genommen wird. Die Arbeit in allen ,Feilen der Wirtschaft wird unterbrochen, die Siedler for■ mieren sich und ziehen aufs Feld. — Rechts: For der festlich geschmückten ״Combine“, mit deren Hilfe die mehrere Tausend Dunam große Getreidefläche in wenigen Tagen gemäht, das Kam gedroschen und in Säcke gefüllt wurde, schneiden der älteste Siedler und sein Sohn, der älteste Knabe der Siedlung, die letzten Halme. ' mitten im Emek eine Ilorra um die ״Combine", — Rechts; Vor dem Wasserturm Links: Der Schnitt ist beendet, die Siedler — der Ertrag eines guten Jahres. Wirtschaftsho! •t m/ly :-y - :״ /• V■ j** ־• ' . ׳ 'k■!־. /V _ Neue Terrorakte Mehrere arabische Todesopfer - 8 Juden verhaftet Nach Meldungen vom Montag, 4. Juli, ist cs am Montag vormittag zu einem neuen Ausbruch von Terrorakten in Palästina gekommen. In der Jaffastraße in Jerusalem wurde eine Bombe gegen einen arabischen Autobus geworfen, wobei vier Araber getötet und acht verwundet worden sein sollen (die Zahl ist noch nicht genau übermittelt). In der Klng-George-Straße wurde ein Araber durch Schüsse schwer verletzt. In Jerusalem wurden acht Juden unter dem Verdacht der Beteiligung an Terrorakten verhaftet. Das Ausgehverbot von 7 Uhr abends bis 6 Uhr früh wurde in Jerusalem neuerlich verhängt. Auch zwischen Tel Awiw und Jaffa gab es mehrere Terrorakte und Todesopfer. Es explodierten zwei Bomben, die Tote und Verwundete zur Folge hatten. Bei einer Messerstecherei in Jaffa wurden gleichfalls mehrere Araber und Juden verwundet. Zwischen den beiden Nachbarstädten Tel Awiw und Jaffa herrscht eine außerordentliche Spannung. Der Verkehr zwischen beiden Städten Ist unterbrochen. Starke Militär- und Polizelabteilungen sorgen für die Vermeidung weiterer Zwischenfälle. Die arabischen Geschäfte und Büros in Jaffa haben geschlossen. Bei Zusammenstößen in und bei T i b e r i a s ^ab cs sieben Verwundete, darunter befindet sich auch ein britischer Polizist. Nach einer noch unbestätigten Meldung sollen auch sechs Juden und acht Araber entführt worden sein. Es wurden auch mehrere Sabotageakte an Eisenbahnkörpern und Telephonleitungen verübt. Unbekannte Täter stahlen mitten aus dem Polizeirevier Tulkerem Gewehre und Munition. Im einzelnen können die vorstehenden Meldungen bis zum Schluß des Blattes nicht nach ge prüft werden. Nähere Angaben fehlen noch. Die Gesamtzahl der Opfer des Montag (Jerusalem und Jaffa) wird nach den letzten Berichten wie folgt angegeben: 5 Araber getötet, 15 Araber und 4 Juden verletzt. * JR. Sollten die vorstehenden Berichte sich bewahrheiten und sollte es sich dabei tatsächlich um jüdische Racheakte handeln, so würde dies das traurige ״Bild der Verwirrung“ vervollständigen, von den! an anderer Steile der Nummer die Rede ist. Es war zu befürchten, daß die Voll- Streckung des Todesurteils an dein Revisionisten eine neue Welle des Wahnsinns heraufbeschwören wird. Dies wurde auch von dem Präsidenten und geistigen Vaier des Rcvisionismtis, Herrn Jabotinsky, in einer Rede in London am 30. Juni angekündigt. Jabotinsky erklärte, die Revisionisten hätten einen Trauermonat für Ben Josef angeordnet und sagte, ״der in Akko Hingerichtete junge Revisionist werde von tausenden jüdischen jungen Leuten als Vorbild und Führer betrachtet werden“; der Wunsch nach Vergeltung werde ״eine ständige Erscheinung des palästinensischen Lebens werden“, und die Verarttwortung dafür treffe die Regicrting. Vom jüdischen Standpunkt kann dieser Ausbruch nur als ein großes Unglück empfunden werden. Was zur Frage der Vergeltung zu sagen ist, haben wir in der vorigen Nummer gesagt. Diese Vorkommnisse können die jüdische Sache politisch schwer schädigen, und sachlieh bedeuten sie keine Abschreckung der Terroristen (die ja seihst Araber töten), sondern nur eine Verschärfung der gegenseitigen Feindschaft, von der ein großer Teil der friedliehen arabischen Bevölkerung sich bisher fcrnhielt. Es ist höchste Zeit, daß die Besonnenheit wieder die Oberhand gewinnt. Zugleich ist erforderlich, daß die Militär- und Polizeibehörden neue energische Maßnahmen treffen, damit Ereignisse wie die schreckliche Entführung von Giwath Adda, die mit Recht die Juden aufs äußerste erregt hat, u n m ö g I i c h w erden. Drei jüdische Opfer Aus Jerusalem meldet ״Palcor“: Chaim Zipori, der jüdische Polizist, der vergangene Woche bei der Verteidigung der Siedlung Misehmar Hajardcn verwundet wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Der 30jährige Abraham K a 17, ein jüdischer Hilfspolizist, der am '22. Mai bei einem Uebcrfall auf Chanita verwundet wurde, ist gleichfalls gestorben. Er war 1933 aus Johannesburg gekommen. Nachum Weis fisch, ein SOjähriger Farmer aus Schefeja in der Nähe von Zichron Jaakow, wurde heute, als er ein Araberdorf in der Nahe passierte, erstochen. Das Militärgericht ln Haifa verurteilte einen Araber zum Tode. Die Kommissions-Sitzungen Der Oberrabbiner von Palästina, Dr. Isaac Herzog, der am 30. Juni vor der Teilungskommission aussagen sollte, erklärte, infolge seiner Erschütterung über die Hinrichtung Ren Josefs nicht ,vor der Kommission erscheinen zu können. Seine Vernehmung wurde bis nächsten Donnerstag verschoben. Meldungen zufolge will die Teilungskommission ihre Untersuchungen in Palästina bis E n d e J u I i abschließen und sich wahrscheinlich Mitte August nach London zurückbegeben.