Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32,!■ VW. 1938 Jerusalemer Gestalten Musik in Palästina Jascha Horensleins zweites Orchesterkonzert. Horen- Steins zweites Programm — das diesmal zuerst in Haifa espielt wurde — umfaßte Mozarts O-moll-Sinfonie, Schuerts Unvollendete, Wagners Tannhäuser-Vorspiel. Der Dirigeht akzentuierte auch diesmal die geistige Haltung, die ebene Linie in aristokratischer Reinheit und mit nicht durch subjektiven Gefühlsaufwand getrübter Moblesse. Nicht das Romantische, sondern das Formal-Gebundene herrschte vor. Das Orchester hatte seinen großen Abend, es ging hervorragend mit und spielte besonders den zweiten Satz der Unvollendeten unnachahmlich sublim. Radio. Ilona Kraus-Vinczc, eine Pianistin von viel Tcmperament, spielte moderne Klavierstücke verschiedenster Qualität. Am wertvollsten und neuartigsten erschien E. W. Sternbergs ״Präamhultim mul Fuge“, mit einem merkwürdigen Einleihingsthema, das den tomis currens des ״Leinens“ in expressionistisch-konzentrierter Form verarbeitet und das uns bereits in ähnlicher Form aus des Komponisten früherem Klavienverk ״Oestliche Visionen“ vertraut war. — Hans Hurtig, der uns durch seine rhythmisch interessante Klavier- Tanzsuite in guter Erinnerung war, kam uns diesmal in der Veranstaltung der ״Haifaer Komponisten“ mit drei 1 iedem mehr lyrisch. Victorio Weinberg interpretierte diese Oesänge, sowie andere von E. Ahileah und Abiassaf Bernstein nicht immer mit überzeugender Natürlichkeit des Ausdrucks. Das Formale wird bei ihm oftmals durch zu BRIEFMARKEN M. Ernst Potedamtr Str. M manierierte Ritardandi beeinträchtigt. — Hugo Adlers Oratorium .,P.wik und Rile’am“, das einen Abend vorher auch im Saal der ״Jewish Agency“ aufgeführt' worden war, wurde im Radio wiederholt. .Mitwirkende: Edith Boroschek, Marcel Nod, Karl Salomon, Efraim Goldstein sowie der Chor ״Sehern׳‘ des XV'aad Leumi unter Leitung von Max Lampl und das Radm-Kammerorebcster, Am Klavier; Erich Sachs. Joachim Stutschewsky in Palästina. Der bekannte Cellist, Musikpädagoge und Komponist Joachim Stutschewsky, einer der eifrigsten Vorkämpfer jüdischer Musik, ist mit seiner Gattin zu dauerndem Aufenthalt in Palästina eingetroffen. Sein erstes Konzert fand im Palcstinc Oonscrvatoire statt. Mitwirkende•. Irma Sclmnberg-Wolpc (Klavier), Sascha Parnes (Violine), VX'olfgatig Schocken (Viola), Joachim Stutschewsky und Regina Schein (Cello). Das Programm enthielt Werke von V. Dyck, J. Stutschewskv, Aron M, Rottimüller, J. Achron und I. Barriere, Schülerkonzerte im ״Institute of Mnsic“, Jerusalem, ln den letzten Monaten fanden eine Reihe Schülerkonzerte statt, die die beträchtlichen Fortschritte der Schüler im Klavier-, Violin- und Cellospiel zeigten, sowie den Ernst und die Sauberkeit, mit der irr diesem Institut pädagogisch gearbeitet wird. Li stminlu he I eistungen präsentierten Klavierschüler von Frau Kaplan und Geigenschüler des Konservatoriums* leiters Prof. Zadri, die besonders durch ihr sicheres Staccato auffielen. Auch ein komponierendes Wunderkind erhält hier seine Ausbildung. Jüdische Musik in Tel Avviw. Innerhalb der ״Aguda lamusika Iwrith“ fand ein Abend statt, der ausschließlich Vokal kompositionen des palästinensischen Komponisten Gabriel Grad gewidmet war, nach Texten von Bialik. Mitwirkende: Sabine Vogel, Mirjam Lewit, Pinchas Holländer und Jaaknv Meyrowisz. — Ein zweites Konzert jüdischer Musik fand im Rahmen des Tel Auiwer KammermusikzirkeLs statt. Es brachte hebräische Lieder von Ben Chajirn und J. Wohl. Mihvirkende: Hede Schack, F.Gcrstmann, M. Levit und J. Meyrowisz. A. J.-L, Winterbilanz des Museums Tel Awiw. In der vergangenen Woche -endete der von Direktor Dr. Schwarz in diesem Winter ■erstmalig eingerichtete kunsthistorisehe Vortragszyklus im Museum Tel Avviw, der in 25 Lichtbildervorträgen die klassischen Meister der Malerei von Leonardo bis Remhrandt behandelte. Dieser erste Vorsuch eines kunstgeschichttichen Seminars zur Einführung in das Wesen der Kunst war ein voller Erfolg lind bewies die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung. Die Zuhörerzahl wuchs von anfänglich 30 auf ISO. Es wurde daher beschlossen, im .kommenden Wintersemester die Kunstvorträge im Rahmen des Museums weiter auszubauen. Die vom Museum veranstalteten Kammermusikabende, die nunmehr auch mit dem 10. Konzert für diese Saison abgeschlos* sen wurden, haben sich ebenfalls bewährt und sind zu einem besonderen gesellschaftlichen Ereignis Tri Awiws geworden. Fünf Konzerte mußten wegen des großen Andranges wiederholt werden. Es wurden folgende Abende veranstaltet; 1. Frank Pollak (Cembalo) mit Hede Turk-Bornsteih; 2. Michael Taube, Quintettabend; 3, Bassermann-Quartctt; 4. Gimpel-Gaümir-Rermtcm; 5. Alice Ehlers und Frank Follak (auf zwei Cembali); b. Galimir-Quartett; 7, Alex Buch und Ilona X'inr/e-lv raus (auf zwei Klavieren); 8, Quintett- und Sextettabend (Dorfmusikanten von Mozart); 9. Französische Musik des IS. Jahrhundert-.; 10, Klara S zarvas• Pataki (Harfe) mit Quartett. — Seit der Fertigstellung des Erweiterung־*• baues mit dem graphischen Ausstellungssaal und der Eröffnung der Bibliothek hat sich der Besuch des Museums wesentlich erhöbt. Die graphische Abteilung führte zunächst eine Uebersirht über das Schaffen jüdischer Oraphiker vor. Alle bedeutenden Meister der Graphik waren mit charakteristischen Originalwerken vertreten. Die Blätter stammten sämtlich aus den Beständen des Museums. Besondere Bedeutung kam der zweiten Ausstellung zu, die unter dem Titel ״Remhrandt und die Bibel“ eine Auswahl des Zeichnungswerkes des größten Bibeldarsteüers in Faksimilereproduktionen zeigte und zu der die Direktion ein einführendes Sonderheft herausgegeben hat. Die Kunst* bibliothek wird besonders von Künstlern und Kunstgewerhlern fleißig benutzt, ihre Bestände konnten bereits, vor allem durch reiche Zuwendungen der französischen und belgischen Regierung sowie durch private Stiftungen wesentlich erweitert werden, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat das Museum einen Zuwachs von 18 Gemäldeti, 12 Plastiken und 138 graphischen Originalblättern zu verzeichnen. Die S o 11 cl e r a!1 s s t e! I u n g e n galten in diesem Winter ausschließlich palästinensischen Künstlern. Die Stadtverwaltung erwarb 14 Werke für das Museum, und zwar von All weil, Gertrud Chaym, Frenke!, Qutman, Hendlcr, Kahn, Kossonogi, Lcwanon, Ester Lurie, Maxa Nordau, Obadjahu, Priver, Schnöd, Sima und Ziona Tagger. Mein Hauswirt Wenn meine Bekannten mich fragen, warum ich immer noch weit draußen in Kerem Abraham wohne, einem keineswegs vornehmen Stadtteil, so antworte ich ihnen, ich könne mich von meinem Hauswirt nicht trennen. Das wird dann meistens als Ironie aufgefaßt, aber es ist nichts als die lautere Wahrheit. Glaubts oder glaubt's nicht; ich bin mit meinem Hauswirt befreundet, Wahrscheinlich verstellen wir uns so gut, weil wir einander nicht verstehen können. Mein Hauswirt ist ein alter, graubärtiger und selbstverständlich sehr frommer Litwak. Nun lernt selbst der hartköpfigste Jeeke in Kerem Abraham Jiddisch zu verstehen. Aber mein Hauswirt hat außerdem einen Sprachfehler. Dadurch klingt alles, was er sagt, gleich und ist gleich unverständlich. Ich habe ihn außer Jiddisch auch schon Hebräisch und Litauisch reden hören, wes entliehe Unterschiede waren nicht fcstzustellcn, — Andererseits versteht mein Hauswirt mich nur in der allerprimitivsten Ausdrucksweise, gleichgültig ob ich Hochdeutsch, Hebräisch oder Jiddisch mit ihm rede. Wo nichts zu verstehen ist, gibt es auch nichts mißzuverstehen. . in ganz wichtigen Fällen, zum Beispiel bei Erneuerung des Vertrages, bringt mein Hauswirt seine Frau mit, Auch mit ihr wäre die Verständigung schwierig, hätte die Alte nicht ein so hervorragendes schauspielerisches Talent. Gegen ihr Flehen tun Mieterhöhung konnte ich mich taub stellen. Aber ich kann den tragischen Qesichtsausdruck nicht übersehen, noch die ausdrucksvollen Gesten, mit denen sic mir schildert, welchem Elend sic und ihr ehrwürdiger alter Gatte ausgesetzt wären, wenn ich im Jahre dreiundeinhaibcs Pfund weniger Miete zahlen würde. Schließlich, nach stundenlangem Reden in fremden Zungen, kommt der neue Vertrag immer wieder zustande — jetzt schon Im fünften Jahr, und im Augenblick, wo die Unterschriften unter dem Kontrakt trocken geworden sind, fangen die beiden Alten an zu jubilieren und — uns Glück zu wünschen: ״ihr sollt sein gesund dem ganzen johr! Eier Tochter soll bald machen Chassene! Uebers Johr sollt ihr hoben ג eigenem, schönem Haus!“ Die Hauptsache ist: der alte Mann ist ein Hauswirt, wie man ihn sich noch einmal suchen kann, besonders in Jerusalcm. Nicht nur, daß er ohne weiteres jede Reparatur machen läßt, die nötig wird. Er überrascht uns immer wieder mit seiner Fürsorge für das Haus. Mal werden die Türen gemalt und mal die Fensterläden, oder cs werden neue Kacheln im Badezimmer gelegt. Von Ankündigungen hält er nichts. Plötzlich ist er mit seinen Leuten da und trotzt den vereinigten vier Hausfrauen, die ihn und seine Schar mit Besen davonjagen vollen. Etwas störend ist, daß er exemplarische Frontmigkeit als vollgültigen Ersatz für handwerkliches Können ansieht. Ich werde mein Lehen lang nicht die Diskussion mit jenen beiden Cliassidim vergessen, die Vorgaben, Installateurc zu sein und mich auslachten, weil ich behauptete, bei einem Badeofen fließe das heiße Wasser oben ab. Ais ich es ihnen durch dert Augenschein bewies, erklärten sie meinen Ofen für — verhext. Das alles ist ganz schön und gut, aber rechtfertigt es schon eine Freundschaft zwischen Wirt und Mieter? Nun, als ich zum erstenmal meine Miete nicht voll am Rosch chodeseh zahlen konnte und mit allen Minderwertigkeits* komplexen, die einen in solcher Lage überfallen, zu meinem Hauswirt schlich, um zu beichten, sprach er ein großes Wort gelassen aus. ״Zohlt, wenn Ihr willt!“ Er könnte, mit meinem Wechsel in der Tasche, zur Bank laufen und die herzlose Maschinerie der Finanzwelt gegen mich in Bewegung setzen. Er aber sagt liebreich; ״Zohlt, wenn ihr wißt!“ Und er meint cs auch so — ich habe ihn oft (wenn auch in vernilnftigen Grenzen) auf die Probe gestellt. Und mit so einem Hauswirt soll man nicht befreundet sein? Meine Osereth Meine Frau und meine Osereth verstehen sich ausgezeichnet. Sie haben sich aus Deutsch, Persisch und zweifelhaftem Hebräisch ein neues Idiom zurechtgemacht, das nur dreimal in der Woche und nur in unserer Wohnung gesprochen wird. Da wir unsere Osereth ununterbrochen schon vier Jahre haben — wer kann sich dessen noch rühmen in dieser Heilien Stadt? — hat sich das ״Oserisch“, wie \tir es nennen, ercits außerordentlich verfeinert. Die Damen tauschen in ihm sogar Kochrezepte aus. Fiir mich hegt unsere Osereth eine mit leiser Verachtung gemischte, aber unwandelbare Verehrung. Erstens bin ich der ״Baal habajith“ — für jede Orientalin ohnehin der Stell- Vertreter des lieben Gottes auf Erden. Zweitens hin ich ein ״Ssofer“ — ein Mann, der sein Brot mit Schreiben verdient. Sie seihst kann nicht schreiben oder lesen, aber sic hat den tiefen Respekt auch noch des primitivsten Juden vor allem, was mit Büchern zu tun hat. Drittens habe icli ihr die furchtbarsten Dinge angedroht, für den Fall, daß sie es je wagen würde, unter dem Vorwand des Staubwischens irgend etwas auf meinem Schreibtisch zu berühren. Viertens biete ich ihr ab und zu Zigaretten an. Daher die Verehrung. Die leise Verachtung stammt aus zwei Quellen. Erstens erwischt sie mich manchmal dabei, wie ich meiner Frau den Ascheimer aus der Küche forttrage und in den Mülleimer entleere. Das ist eines Mannes, Hausherrn und Schriftstellers in ihren Augen gänzlich unwürdig. Dann aber sitze Ich im heißen Sommer oft nur im Badeanzug am Schreibtisch. Das gilt in ihren Kreisen offenbar als obszön. In der ersten Zeit kniff sie immer die Augen zusammen, wenn sie durch mein Zimmer ging, heute hat sie sich an mein Rückendecolletö schon einigermaßen gewöhnt. Wenn ich ihr in diesem Zustand eine Zigarette anbiete, glaubt sie sicher, ich will sie damit versöhnen. Ich tue ea aber nur, um zu beobachten, mit welcher vollendeten Grazie sie sich bedient. Denn die orientalischen und sephardischen Juden haben in ihren Bewegungen eine Zierlichkeit und Würde, die noch den letzten Bettler adelt. ״Schnorrer“ gibt es nur bei den Aschkcnasim. Was ״nedawah“ sagt, und nicht ״ned״wwe״ (Almosen), gehört zur Aristokratie des Jerusalemer Bcttlertums. Mein Friseur Mein Friseur ist auch aus Persien. Er Ist «rat vor ein paar Jahren eingewandert und stammt aus Mesch ed. Er ist ein Verehrer Rizah Schahs. Daß ich diesem großen Mann einmal die Hand schütteln durfte, wollte er so lange nicht glauben, bis ich ihm eine Photographie zeigte, auf der ich ganz deutlich in unmittelbarer Nähe des Schahs zu erkennen bin, Seitdem ist sein Respekt vor mir unbegrenzt. Trotzdem bereite ich ihm großen Kummer. Denn ich eriaube ihm nicht, die orientalischen Feinheiten seiner Kirnst auf meinem Haupte anzuwenden. Schon daß kh mich nach dem Rasieren nicht pudern lasse, kann er nicht verstehen. Aber nach dem Haarschneiden gibt es jedesmal einen Kampf. Er schampoonicrt zwar auf Wunsch — aber das ist nur eine halberzwungen« Konzession an westliche Friseursbräuche, die nun einmal auch in Erez Israel cingerissen sind. Sein Glanzstück hingegen ist das — Parfümieren. Auf geheimnisvollen Wegen gelangen aus Persien starkduftende Salben und Essenzen zu ihm. Wenn neben mir auf den andern Stühlen drei sehr schwarzlockige Männer aus der Gegend zwischen Täbris und Peshawar sitzen, duftet cs nach allen Rosengärten Schiras’ und allen Jasminfeldern Isfahans. Und kein Tropfen aus den Kristallkaraffen, nicht die leiseste Spur aus den Pomadebüchschen darf mein Freund aus Mesch ed auf das Ha'unt dessen tun, der Rizah Schah die Hand geschüttelt hat. Zum Schluß ergibt sich immer wieder dasselbe Gespräch. ״Wieviel macht cs?“ — ״Soviel, wie das vorige Mal.“ — ״Ja. aber ich habe es vergessen.“ — ״Fünf Grüsch, bitte!" Und dann, sobald er das Geld in der Hand hält, kommt der vorwurfsvolle Nachsatz: ״Eigentljch kostet es — sechs Grüsch —-aber Sie haben sich ja nicht parfümieren lassen....“ Mein Schuhputzer Eins der wenigen Dinge, die Jerusalem und New York gemeinsam haben, ist die Abneigung gegen häusliches Stiefelputzen. Der frisch Eingewandertc hält in der ersten Zeit daran fest, wie an manchen anderen lieben Bräuchen; dann gibt er es auf. Denn nie wird er auf seinen Stiefeln auch nur 1m Entferntesten jenen wunderbare!), Hochglanz erzielen, dm noch der jüngste — oft nicht mehr als zehnjährige — Jerusalemer Stiefelputzer hervorbringt. Und cs ist nicht angenehm, überall auf den Straßen an den dort hockenden Fachleuten vorüberzugeheu und in ihren Blicken das höhnische Wort zu lesen; ״Dilettant!“ Mein Schuhputzer sitzt in der Nähe der Jaffastraße. Es ibt dort nur Raum für drei lebende Wesen, den Mann, den linden und den Kanarienvogel. Der Mann ist aus Samarkand, ein Buchare, Er ist höchstens 32 J^hre alt. Er singt und pfeift den ganzen Tag mit dem Kanarienvogel um die Wette, und wenn er!acht, zeigt er ein prächtiges Wolfsgebiß. Geht draußen vor seiner Bude ein hübsches Mädchen vorbei, kneift er ein Auge zusammen. ״ihr seid Junggeselle?“ fragte ich ihn eines Tages. Er wollte sich ausschütten vor Lachen. ,,Junggeselle? Ich hin zehn Jahre verheiratet und habe sieben Kinder — für jeden Wochentag eins, und das Jüngste für den Schabbat.״ ich war •erschrocken. Verheiratet und sichen Kinder! Ein Schuhputzer! Wenn der Mann am Tage 50 Paar Schuhe putzt, hat er — nach Abzug der Miete und des Putzmatefials — vielleicht 15 Piaster verdient, d. h. noch nicht 5 Pfund im Monat. Ich fragte ihn, ob er mit seinem Leben so zufrieden iri, da ich ihn nie anders als lachend und singend antreffe. Gewiß, sagte er, er sei zufrieden! Gott habe ihn mit schönen und gesunden Kindern gesegnet — ״und er gab mir Brot zum Essen und ein Kleid, mich zu kleiden.“ Er sagte es mit den Worten Jakobs aus dem Gelübde bei Beth-El: ״nathan li lechem le’echol u’wegcd lilbosch!“ In solchen Augenblicken weiß man plötzlich, warum man nirgends mehr leben möchte, als in Jcruschalajim und tu Erez Israel.... _ C. Z. Kloetze! Die Gemeinde Beth Jisraei in Haifa. Beth Jisrael!st zu einer großen Gemeinde herangcwachscn, die sich um den Gottesdienst konzentriert. Aber von Anfang an, seit seiner Gründung vor 2H Jahren, will Beth Jisrael mch> sein als etwa eine Svnagegen-Vcreinigurig von Einwanderern aus Deutschiand. Das Ziel ist, zu einer lebendigen Bewegung im Jischuw hcranzuwachscfl, die die Kluft zwischen dem neuen Werden in Palästina und den Werten und Formen der überlieferten Religion überbrückt. Der Weg zu diesem Ziel führt auch über die Synagoge, aber darüber hinaus handelt es sich vor allem um eine große Erzichungsaufgabe bei Erwachseneu und bei der Jugend. So hat Beth Jisrael in beständiger Entwicklung eine Reihe kultu״eiler und pädagogischer Insti• tutionen geschaffen, die alle dem gleichen ZieT dienen. — Der Gottesdienst selber versucht, den traditionellen Elementen die neuen Formen cinzufiigen, die das Leben im Lande ent* wickelt. Auch hier bestellt ein scheinbar unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Synagoge und!.eben. Beth Jisrael feiert das Neujahrsfest der Bäume als religiöses Fest, wie es die Darbringung der Erstlingsgahen am Schawuoth zu einer o rakter dieser Tage mit ihrer religiösen Bedeutung zu vereinen. — In Verbindung mit dem Gottesdienst steht ilie Erwachscncnhilduiig, Eine Reihe hebräischer Kurse dienst Anfängern und Fortgeschrittenen, T’nach• Arbeitsgemeinschaften führen in das geschichtliche und religiöse Verständnis der Bibel ein. Vortragszyklen und Aussprache-Abende dienen der Klärung der Fragen, die niit der Steilung der Religion im Leben des modernen Menschen in Verbindung stehen. Diese Arbeit dient zugleich — da die religiöse Erneuerung als unlöslich verbunden mit der nationalen betrachtet wird — der zlonistir sehen Erziehungsarbeit. So behandelten die Vorträge des ver- Smolenskin, Lilicnblum, Achad Haam bis Gordon und Biber. — Besonderes Oewicht legt Beth Jisraei auf die Jugendarbelt. Die Bereinigung hat einen Klub für die arbeitende Jugend eröffnet, in dem wöchentlich Vorträge aus den verschiedenstcn wissenschaftlichen Oebietcn, musikalische Veranstaltungen, Sprachkurse uaw. stattfanden. Ein besonderer Jugendbund, ״B’rith haz’wi“ steht der Vereinigung nahe, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Jugend zu einem integralen Judentum liin/tiFiiliren, da# die nationalen Elemente mit den religiösen und sozialen zu einer Einheit verbindet Ueber Schabbath und Feiertage wurden Jugendlager auf dem Karmel veranstaltet, die sowohl der körperlichen Erholung wie der geistigen Weiterbildung gewidmet waren. Gottesdienstliche Feiern in einer au (gelockerten Form, gemeinsames Lernen und gemeinsames Singen schufen eine dieser Jugend gemäße Art der kultischen Feier. Eine besonder« Aufgabe erfüllte die Ssuda schlischith und die Schira bazlbbur an jedem Schabbath-Nachmlttag unter Leitung von Schimon Kronberg. Im Interesse der Schuljugend hat die Vereinigung vor einigen Monaten einen Kinderhort eröffnet. (Schluß des Pallstlnatells) RASCH 6 ROTHENSTRIN ־״ INNABIR HÜRRV W. H ANACHIR BERLIN NW 40, Lüneburger Straß« 22 / Ruf: 356641 WIEN I, Plelsahmarkt 17 / Ruf: R 25590-91 Umzüge für Auswanderer •owla Tran«porte Jeglicher Art nach allen Tellen der Welt Verpackung/ Versicherung Gepäckbeförderung / Lagerung