Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 52, 1. VII. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Förderung des Hebräischen Einer kürzlich gehaltenen Rede in der Stadtvertretung von Tel Awiw über den Stand der hebräischen Kulturarbeit ist folgendes zu entnehmen: Die Abendkurse für hebräische Sprache hatten sich von 1934 bis 1937 zur Hälfte selbst erhalten, zur Hälfte ihre Einnahmen von der Stadtverwaltung bezogen. Ungefähr 15 ״ö der Teilnehmer lernten umsonst, die übrigen zahlten 50 bis 125 Mil pro Monat, fn diesem Jahr lernen 25 °/'o umsonst und der Ausfall der Einnahmen machte eine empfindliche Einschränkung in der Zahl der Klassen nötig. Auf die Neueröffnung von Klassen in den entlegenen Stadtvierteln mußte verzichtet werden, denn gerade hier wohnen viele Mittellose, und es wäre unmöglich gewesen, die Kosten zu decken. Dabei schätzt mail die Zahl der Erwachsenen in Tel Awiw, die kein Hebräisch verstehen, auf 20 QOO bis 25 000. Die Teilnehmer der Kurse stammen aus 37 verschiedenen Ländern, und schon diese Tatsache zeigt die Gefahr auf, die droht, wenn wir die Hebraisierung vernachlässigen. Um dieser Gefahr zu begegnen, müssen die verschiedensten Einrichtungen getroffen werden: 1. Es müssen Klubs gegründet werden, die Gelegenheit zur Uebting im Hebräischsprechen geben. In diesen Klubs sollen leichte Vorträge mit daran anschließenden Diskussionen stattfinden. 2. Es müssen mehrere Veranstaltungen des ״O n e g Schab bat h“ stattfinden statt wie bisher nur eine. 3. Es muß ein neues ״Volksb a u s“ errichtet werden, das kulturelle Veranstaltungen beherbergt. 4. Es muß eine Volks Universität mit Unter- Stützung der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Univcrs’ät errichtet werden. 5. Die Kulturarbeit der Stadt muß in Verbindung mit der Kulturabteilung der Olej Germania vor sich gehen. 6. Es muß eine öffentliche Beratungsstelle geschaffen werden, die jedem bei der Abfassung von Schildern lind Bekanntmachungen an die Hand geht. 7. Die jüdische Volksmusik muß entwickelt, VolkschöT mü-sen geschaffen werden. 8. Es muß eine Beratungsstelle für F a c 11 a u s d r ii e k e in Zusammenarbeit mit dem VVaad llalasclion geschaffen werden. 9. Es muß ein ständiger Kampf gegen die Gleichgültigkeit gegenüber der hebräischen Sprache und gegen die Uebersclnvemmung der Stadt mit fremden Sprachen geführt werden. Jüdisches in Aleppo und Damaskus Reise - Eindrücke eines Palästinensers Aleppo Es war schon dunkel, als ich in Aleppo ankam, und daher nahm ich gern die Hilfe eines sympathisch aussehenden jungen Mannes in Anspruch, der_ . führte. Als ich meinen palästinensisch! übergab, sprach mich mein Führer zu Die Jugendalija-Gruppe in Kwuzath Nechemia (Ir-Ganim) zählt zur Zeit 14 Jungen und 11 Mädchen, die in Landwirtschaft, Gärtnerei, Tischlerei, Schlosserei, sowie in allen Zweigen der Hauswirtschaft beschäftigt sind. Mangels aufnahmefähiger Kibbuzim konnte inan sie noch nicht in einem Kibbuz einordnen; darum lebt die Gruppe selbständig in einer Vorstadt Haifas. Das Fehlen eines eigenen Meschek macht sich natürlich sehr ungünstig bemerkbar. Die Chawerim arbeiten in Kirjath Bialik, einige auch in der Stadt als Handwerker. Die Gruppe entwickelte sich völlig aus sich selbst heraus und schuf sich ihr eigenes Gepräge. Es bestehen eine Kupa Meselmtefet, Waad Hachawerim, Waad Tarbuth und Waad Awoda. Vor einem halben Jahr wurde auf eigene Initiative ein Garten (3 Dunam) angelegt. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 5, hei den Handwerkern 8 Stunden. Nachmittags finden 3—4 Stunden Unterricht statt. Der Dienstag-Nachmittag ist frei. Das Tarhuth-Programm umfaßt Iwrith, Tora mit Erklären!, Tnach, Mischna, Gemara, Tinim, jüdische Geschichte, Palästinakunde und Fachunterrieht für die Landwirte und Handwerker. Daneben gibt es Arbeitsgemeinschaften für religiöse Fragen, Wirtschaftskunde und Literatur. Jeden Mozae-Schabbath hört ein Kreis musikinteressierter Chawerim Schallplatten, meist klassische Musik, nach vorher gemeinsam ausgewähltcm und besprochenem Programm. Der Oneg-Schabbath wird von der Chcwra selbst gestaltet. Hervorzuheben sind die zu Peßach und Sukkoth stattfindenden Lernwochen, in denen intensiv ganztägig gelernt wird. Den Höhepunkt des Gemeinschaftslebens bildet der alljährliche 8—lOtägige Tijul (Wanderung), der dieses Jahr nach dem Emek Jesreel und Emek Hayarden führte. Die Mehrzahl der Chawerim (über 50 0״) beabsichtigt, auch nach Beendigung der Jugcndalija-Zeit das gemeinsame Leben fortzuführen und mit den Jugcndalija-Gruppen in Sde-Jaakov und Rodges eine neue Ptuga zu gründen. Weitere 20 »;0 werden auf dem Land bleiben. Spnagoge Aleppo, Raum d Hintergrund Elijahu Hanoi Eingang anständiges Hotel 1 raß zur Eintragung meinem Erstaunen in fließendem Hebräisch an. Es stellte sich heraus, daß er ein Aleppoer Jude war, der längere Zeit in Tel Awiw gelebt hatte und den ein Schuß in den Fuß während der Unruhen in Jaffa gezwungen hatte, nach Aleppo zu seinen Eltern zurückzukehren. Wir freundeten uns sehr schnell an, und mein neugevvonnener Freund — Schlomo mit Namen — versprach, mich am nächsten Morgen zu einem Rundgang durch die Stadt abzuholen. Mittlerweile war ich hungrig geworden und ging in ein Restaurant. Im Gesprach mit dem Keil-!rer stellte sich heraus, da.C dieser auch ein Jude war, und zwar aus Jerusalem, Ich ging natürlich vvährend meines Aufenthaltes in Aleppo nur noch in dieses Restatirant. Am nächsten Morgen holte mich mein Freund Schlomo vom Hotel ab, und wir gingen in die Stadt. Ich besichtigte die Zitadelle und die Moschee und fand u. a. i!11 Innern der Moschee mehrere jüdische Namen in hebräischen Buchstaben in die Wand eingehauen. Vor über 1000 Jahren hatten nämlich schon Juden am Bau der Moschee mitgearbeitet und sich im Gemäuer ״verewigt“. Am Nachmittag gingen wir ins jüdische Viertel. Juden sind in Aleppo seit undenklichen Zeiten ansässig; es soll schon zur Zeit des ersten Tempels dort Juden gegeben haben. Sie sind hauptsächlich im Handel tätig, da Aleppo an dem Schnittpunkt der alten Handelsstraße Bagdad—Konstantinopel und Teheran—Beyrotcth liegt und daher viele Verdienstmöglichkeiten bietet. Die Bazare enthalten enorme Mengen sowohl kostbarer als auch bflWger Waren, und ein großer Teil geht durch jüdische Hände. Die wohlhabenderen Juden haben sich im neuen Teil der Stadt angcslcdelt. Es gibt dort ein jüdisches Kaffeehaus, eine schöne Synagoge, die von einem zirgcwandcrten italienischest Juden gestiftet worden ist, und breite, saubere Straßen mit freundlichen, großen Häusern. Jedoch sprechen die Juden Aleppos Arabisch, gehen arabisch gekleidet und sind für den Außenstehenden von den umwohnenden Arabern absolut nicht zu unterscheiden. Es gibt aber auch ein ganz altes jüdisches Viertel, das von den armen Juden, dem größeren Teil, bewohnt ist und vom jüdischen Standpunkt weitaus interessanter ist. Mein Freund und ich verließen den Bazar, überquerten einen großen Platz lind betraten eine schmale, gewundene Gasse, die Judengasse. Ich schaute in einige Häuser hinein und war überrascht von der Armut, die dort herrscht. Es hausen manchmal mehrere Familien in einem Raum, und aller Abfall wird auf die Straße geworfen, was diese besonders nach einem Regen fast ganzlieh unpassierbar macht. Nachdem wir zirka 10 Minuten so gegangen waren, führte mich mein Freund 'durch einen schmalen Gang zwischen zwei Häusern hindurch, und gleich darauf standen wir vor der alten Synagoge. Neues aus Schawe Zion Eigentlich sind es zwei Synagogen, an beiden Seiten eines großen Hofes und mit einer Mauer umgeben, denn Aleppo hat eine große jüdische Gemeinde — heute sind es etwa 30 000 Köpfe — und die alte zirka 2000 Jahre alte Synagoge war schon lange nicht mehr groß genug, so daß man vor ungefähr 600 Jahren eine zweite daneben errichtete. In der Synagoge gibt es keine Sitzgelegenheiten, dem! alles kauert auf dem Boden, der mit Matten belegt ist. An den Wanden hängen Bilder berühmter Aleppoer Juden. Das größte Heiligtum ist der Raum, in den nach dem Glauben der dortigen Juden der Prophet Elijahu in Zeiten der Not und Bedrängnis einkehrt, um seinem Volk zu helfen. Mein Freund und ich zogen uns die Schuhe aas — es ist nämlich verboten, mit den Schuhen, die den Schmutz der Straße getreten haben, den heiligen Raum zu betreten — und gingen in den Raum hinein, wo uns der Synagogendiener gegen Entrichtung einer Spende für die Armen eine Schale Oel gab, die wir an einer bestimmten Stelle aufhängten und anzündeten, wie es die Sitte erforderte. Ich besah mir dann noch die Kultgerate, die teilweise uralt und von großem Kunstwert sind. Beim Verlassen der Synagoge machte mich mein Begleiter noch auf eine Stelle in der Mauer aufmerksam, an der Steine herausgebrochen waren. Dort wollte vor. 11)00 Jahren ein Arabersultan einige Juden töte Werk beder Henln Aleppo Juden noch Stellung Zio- Schule Volkes ihren!ach Zion fin- Abends war ich in "״ der Familie meines — Freundes Schlomo Chuppa im Hof der Synagoge von Ungeladen. Ich wurde Aleppo reich bewirtet und lernte Fiier die Gastfreundschaft der Aleppoer Juden kennen und schätzen.. Die hebräisch geführte Unterhaltung — die Leute waren ja in Palästina gewesen — drehte sich hauptsächlich um die letztest Ereignisse in Erez Israel. Damaskus Es war gerade Schabbath, als ich in Damaskus ankam, und ich konnte daher meine jüdischen Freunde nicht aufsuchen. Ich ging zu einem arabischen Bekannten, mit dem ich dann einen Bummel durch die Stadt machte. Als wir schon fast die ganze Stadt durchquert hatten, wies mein Begleiter auf eine ווו!נ Schule der Alliance Israelilc in Damaskus Die Straße, die von der Siedlung Schäme Zion, wo die ehemaligen llexingcr angesiedelt sind, zi führt, steht vor ihrer Vollendung. Das Bild zeigt einige Siedler bei der Arbeit am Straßenbau, die Siedlung mit dem Wachtturm, F»l“> R Haupt chaussee n Hintergrund Gasse und sagte, dies müsse mich doch interessieren. Dort wohnten nämlich nur Juden. Ich war am nächsten Tag im judeiiquartier und schaute mich ein wenig um. Es gab dort wunderbare Mosaik- und Metallarbeiten mit jüdischen Motiven, Bildern aus der Bibel usw. Auch Chailoth sah ich dort, allerdings runde, wie matt sie bei uns zu Rosclt Hascbana hat. In der Woche essen die Damaszener Juden Pittes (das gewöhnliche ungesäuerte, weiche Fladenbrot). Am Ende der Gasse befindet sieh die Alliance- Schule, ein großes, imposantes Gebäude. Die Kinder lernen dort Arabisch, Hebräisch, Französisch, Tenaeli und alle anderen Fächer der allgemeinen Bildung. Die Schule wird von der Alliance Israelitc unterhalten. Besonders schön sieht es aus, wenn nach Schulschluß die Klassen aus der Schule strömen. Die Kinder sind alle gleichmäßig gekleidet, eine Klasse blau, eine andere rot, eine dritte grün usw. Diese Kleidung bekommen sie von der Schule, und Bedürftige werden dort auch gespeist. Die ältere Jugend ist zum großen Teil im Hechaluz organisiert. Die jüdische Jugend von Damaskus will hinaus aus den engen Ghettogassen. Und dafür gibt es nur den Weg nach Palästina. Elijahu Z a 11 a v y, Tel Awiw Der Tel Awiwer Tiergarten (Gan llayoth) hat einen gehen. Sein Ticrbcstand hat sich um zwei Riesen-Python- Schlangen (je 4 und 442 m lang), vier andere schöne indische Schmuckbaum- und Grasschlangen und um zwei Rieseneidcchsen, ein Geschenk indischer Freunde, vermehrt. Er wird auf dem neuen Platz als moderner, der Stadt und dem Lande würdiger Zoo von Dr. Schornstein und seinen Mitarbeitern, den Herren Fried, Suchicr und dem Arbeitspersonal aufgebaut werden. Panther, Tiger, Vögel, Bären u. a. Tiere aus Indien, sowie Kraniche, Känguruhs usw. aus Australien werden erwartet. Tierspenden sind an den Gan Hayoth, Tei Awiw, Hajarkon-Str. 63 zu richten.