Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653590--32360-2684078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 JÜDISCHE HUND SCHAU Nr. 52. 1. VII. 1938 Das Neueste in Kürze gesprochen. Nach der Bestätigung des Todesurteiles habe der Oberrabhiner mit Zustimmung und auf den Rat der Exekutive beim High Coinmissioner vorgesprochen, wahrend gleichzeitig (eine Eingabe nach London geschickt wurde. Die Exekutive sei nur von einer Ueberlcgung bestimmt worden, nämlich die besten Schritte zu tun, um den Verurteilten zu retten. Daher wende sie sich au! das bestimmteste gegen jede Form von öffentlicher Demonstration wie Prozessioiten, Schließen von Geschltten und Schulen oder Arbeitsein Stellung, was nur dazu führen würde, den Widerstand der Behörden zu verstirben. Nach der Sitzung des Waad Lcumi wurde ein Manifest veröffentlicht, unterschrieben vom Waad Lcumi und dem Oberrabbinat, das den Jischuw aufs dringlichste auffordert, die Ruhe zu bewahren und jegliche unvera nt wörtliche Ausbrüche wie Demon- «trationen oder Arbeitseinstellung zu vermeiden. In Jerusalem fand am Dienstag eine Demonstration von ungefähr 100 Revisionisten statt. Bei Bemühungen• der Polizei, die Menge zu zerstreuen, wurden drei Juden, darunter eine Frau, und mehrere britische Soldaten leicht verwundet. Nach der Hinrichtung Von Mittwoch liegen folgende ״Palcor“-Brrichte vor: Fine Stimmung tiefer Trauer legte sich nach der Hinrichtung über den Jischuw. In Tel Awiw waren alle Oeschäfte geschlossen, und an mehreren Stellen in der Stadt wurde die Arbeit eingestellt, darunter in den Stadtverwaltungsgebauden und den Banken. In den Straffen von J e ru - salem patrouillieren Hunderte von jüdischen Extrapolizisten, um in den jüdischen Vierteln Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Das Oberrabbinat und der Waad Lcumi veröffentlichen Manifeste, in denen sie ihrer Trauer Ausdruck geben, wobei sie hinzufügten: ״Laßt uns unsere Trauer ruhig und btscheiden in unseren Herzen fragen, ohne Ruhe und Ordnung zu stören und die öffentliche Sicherheit zu gefährden.“ Vom Gefängnis in Akko wird gemeldet, daß Ben Josef in den letzten Minuten Ruhe und Fassung zeigte. Sein Körper wurde vor! sechs ,Mitgliedern der Betargruppe nach Rosch Pina gehracht, wo das Begräbnis Mittwoch nachmittag stattfand. Irt Jerusalem sind die Geschäfte geschlossen worden, und in einer Reihe von Siedlungen wurde die Arbeit eingestellt. I>ie Geschäfte wurden nachmittags wieder geöffnet. In Haifa schlossen die jüdischen Geschäfte für zwei Stun• den. In der Stadt herrschte vollkommene Ruhe. Der Ausnahmezustand blieb am ,Mittwoch in Jerusalem in Kraft. In T e I Awiw fand eine besondere Sitzung der Sfadtverwaltung statt, in der der Bürgermeister Israel Rokach und Rabbiner Uzicl sprachen. Sie gaben ihrer Trauer über die Hinrichtung Ausdruck und protestierten gegen die Unnachgiebigkeit, die gegenüber den Bitten um Gnade gezeigt wurde. fn Jerusalem und Tel Awiw herrschte am Mittwoch vollkommene Ruhe und Ordnung. Nachmittags fand die Beerdigung von Schlomo Ben Josef in Rosch Pina statt, zu der sich viele Siedler einlanden. Die Beerdigung wurde von Polizei und Truppen stark bewacht, und es wurde Besuchern nicht gestattet, den Friedhof zu betreten. Führer aus den Kolonien und Revisionisten hielten Ansprachen; die Zeremonie verlief ruhig. Ausnahmezustand in Tel Awiw Mittwochabend wurde über Tel Awiw der Ausnahme- Zustand von 7 Uhr abends ab verhängt infolge von Demonstrationen, die am Spätnachmittag von 150 Revisionisten veranstaitet wurden, die Banner mit Inschriften durch die Stadt trugen. In der Nahe des Strandes kam es zu einem Z u * a mmenst 0 15 zwischen den Demonstranten und britischen und jüdischen Polizisten. Als es den Polizisten nicht gelang, die Demonstranten mit Knütteln 711 zerstreuen, feuerten sie einige Schüsse in die Luft. Bei den Unruhen wurde ein britischer und ein jüdischer Soldat durch Steinwürfe leicht verwundet, sowie zwei Omnibuschaufteure, die von den Demonstranten mit Steinen beworfen wurden. Zehn Revisionisten erlitten Verletzungen. _________ Die Haifaer Oelraffinerie Die Vorarbeiten zum Bau der großen Oelraffinerie der Iraa Petroleum Gesellschaft (vgl. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 49) sind so weit fortgeschritten, daß die Aufnahme der Arbeit in Haifa selbst für Ende dieses Jahres festgesetzt worden ist. Die Raffinerie wird in unmittelbarer Nähe des Endpunktes der Pipeline, der sogenannten ״Terminal Site“, dicht bei der Straße Haifa—Akko und östlich der Kishonbrücke liegen. Ihre Produktionskapazität wird einstweilen auf die Verarbeitung von 7 Millionen Tonnen Rohöl jährlich eingerichtet, d. h, ziemlich genau der Menge, die der nach Haifa führende Strang der Pipeline jährlich liefern kann (ein zweiter Strang führt bekanntlich nach Tripoli im Nord-Libanon). Es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, daß noch während der Bauzeit der Raffinerie, die etwa zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird, eine Pa r a 1 i e 11 i n i e zu der jezigen Rohrleitung nach Haifa verlegt wird, die man in einem Jahr bauen kann, und die entweder eine Erhöhung der Kapazität der neuen Raffinerie oder eine teilweise Beibehaltung des jetzigen Exports von Rohöl ermöglichen wird, Anfang 1941 soll die Raffinerie die Produktion aufnehmen. Ein Anschlußgleis an die Eisenbahnlinie zum Transport der Baumaterialien vom Haifaer Hafen zum Baugelände wird in Angriff genommen. — Daneben ist eine Erweiterung der ״Tankfarm“ der I. P. C. in der Haifa-Bay geplant, die die Zahl der Lagertanks am Ende der Pipeline von 24 auf 30 erhöhen wird. Schließlich wird in absehbarer Zeit der Haifaer ״Oeldoek“ in Betrieb genommen werden. Bisher liegen nätnlieh sowohl die Tankschiffe, die Rohöl von der I. P. C%Pipe!ine aufnehmen, wie die Tankschiffe, die Fertigprodukte für die OelvertriebsgeseHschaften bringen, frei in der Haifa-Bay verankert, durch unterseeische Rohrleitungen mit den Tanks am Ufer verbunden. In Zukunft werden die Tankschiffe in einem speziellen Oeldock, das bereits so gut wie fertig ist, an einem Kai im Ostteil des Haifaer Hafens anlegen und dort direkt an Rohrleitungen angekuppelt werden, die zu den Liefer- und Empfangstanks führen. — Der Bau einer Raffinerie in Tripoli ist noch ungewiß. Alfred Markus, Haifa Mosche Schertok hatte mit dem Chef-Sekretär der Palästina-Regierung, Rätters hi II, eine Unterredung über Fragen der Sicherheit. Er besprach insbesondere die Entfülirung dreier jüdischer Arbeiter in Giwath Ada, Am Montag sagten Vertreter des Waad Lcumi in geschlosscner Sitzung vor der Teilungskommission aus, und zwar Ben Zwi, Henrietta Szold, Dr. A. Katzenelson, Rabbiner Ostrowsky, Mr. Berligne und Mr. Elmaleh. Am Donnerstag sagte Öberrabbincr H e r z 0 g vor der Teilungs- Kommission aus. Zwei arabische Arbeiter der Ncscher-Steinbrüche bei Haifa wurden in einem Dorf bei Haifa von Arabern angegriffen und verwundet. Am Sonntag morgen explodierten zwei Bomben an der Stadfgrenze von Tel Awiw und Jaffa, ohne jedoch Schaden anzurichten. Alle Verhindungsstraßen der beiden Städte, mit Ausnahme der Hauptstraße, sind von den Behörden gesperrt worden. In Tiberias fand am Sonnabend die Beerdigung eines von einem jüdischen Taxi bei einem Unfall getöteten Arabers statt, wobei sich Unruhen entwickelten. Araber bombardierten das jndische Viertel der Stadt mit Steinen. Jüdische Ghaffirim feuerten in die Luft, um die Menge zu vertreiben. Gegen Abend war die Stadt wieder ruhig. Die Chauffeure der Ambulanz-Autos des Roten Ma- Jen David, die in den Grenzbezirken von Tel Awiw und aff* zu tun haben, werden auf Beschluß des Distrikts-Kommissars bewaffnet. 400 Mann zusätzliches Militär sind in Safed stationiert worden. Britische Truppen besetzten Tulkerem, nachdem die arabische Bevölkerung den Befehl, den Sympathie-Streik für die Araber in Aiexandrette aufzugeben,’ nicht befolgt Palästinensische Zeitung vor SO Jahren Aus Tel Awiw wird uns geschrieben: Itn ״Haarez“ widmet Baruch Krupnik der hebräischen Zeitung ״Hazwi“, die Ben Jehuda herausgab, eine Betrachtung und charakterisiert dabei die palästinensischen Zustände vor 50 Jahren, wie sie sich in der Zeitung spiegeln: Die Zeitung ist sprachlich interessant, denn sie repräsentiert eine sehr frühe Periode des modernen Hebräisch. Noch waren die Worte ״Iton", Zeitung, ״Schcwuon" Wochenschrift, nicht geschaffen. Die Zeitimg nennt sich ״Gilajon le-schewuot“ statt ״Schewuon“. Das gesprochene Hebräisch war noch ein ferner Traum. Der ״Hazwi“ berichtet darüber: ״Die meisten MänneT in Jerusalern sind des Hebräischen mächtig:, die Frauen aber wissen nicht das geringste, eine gute Schule existiert ln unserer Stadt nicht, und so findet man ln Jerusalem nicht ein Mädeben, das auch nur die geringsten Kenntnisse im Hebräischen hätte.“ In den Kolonien ist das besser. Aus Risehon Lczion wird der Zeitung berichtet: ״Auch die Mädchen fangen an, ausschließlich hebräisch zu sprechen, und während des Unterrichts hört man in der Schule nur Hebräisch. Die Lehrer machten mit ihren Schülern einen Ausflug, und wie schön war es, die Kinder beisammen sitzen 7.1t sehen, wie sie spielten, sich neckten und sieh stritten, und das alles in hebräischer Sprache.“ Auch aus Petach Tikwa schreibt man, daß 20 Kolonisten sich verpflichtet hätten, miteinander nur hebräisch zu sprechen. Abeuds nach der Arbeit treffen sie sich auf der Hauptstraße, begrüßen sich mit ״Schalom", sprechen miteinander hebräisch und ergötzen sich an talmudischcu und literarischen Scherzen. Im Elul des Jahres 1888 wurde in Jertisalem eine Gesellschaft für das gesprochen« Hebräisch gegründet, die nachher Zweigstellen im Ausland, 11. a. auch in Odessa und in Berlin hatte. Diese Gesellschaft xvurde von den Kreisen der Chatuka bekämpft, weil ihre Mitglieder nicht orthodox waren. Im ״Hazwi“ wird die Chaluka heftig bekämpft. Aber aus dem Anzeigenteil geht doch wieder hervor, daß der ״Hazwi" auch in Kreisen der Chaluka gelesen wurde, denn eine Anzeige aus Deutschland wendet sich an die Verfasscr von Bettelbriefen, sie möchten sich die Portokosten sparen und sieh nicht weiter an den Unterzeichner wenden, der die Annahme ihrer Briefe verweigern werde. — Die Be- Ziehung zwischen Herausgeber und Lesern ist «in Idyll. Einmal teilt der Herausgeber mit, ein Mäzen habe Geld zur Verfügung gestellt und der ״Hazwi“ werde jetzt regelmäßig erscheinen. Dann wieder kommt es zu mehrfachen Unter- Brechungen, weil der Sohn des Herausgebers erkrankt, und die Leser werden über dieses Faktum genau unterrichtet. — Von fnteresse ist ein Bericht über die Lage in Jaffa, in dem es heißt, daß die Stadt in den letzten fünf Jahren dank der jüdisehen Einwanderung einen großen Aufschwung genommen habe. Auch mit dem Bau neuer Häuser ist schon begönnen, und man hofft, daß sich die Stadt zu einer Brücke zwischen Asien und Europa entwickeln wird. Palästinensische Medizin Dr. Theodor Zlocisti: Klimatologie und Pathologie Pallatina». — Verlag Omanuth Co., Tel Awiw 1937. Im Jahre 1920 erstattete eine Aerztekommission im Auftrage des Palästina-Amtes der ZVfD. ein umfangreiches Gutachten: Aufgaben und Organisation des Sanitätsdienstes in Palästina. An der Spitze dieser Kommission (Auerbach« Bärwaldt, Brünn, Michel, Sandler) stand Zlocisti. Seine damaligen Erfahrungen basierten auf zwei Reisen nach Palästina vor dem Weltkriege und eine/ vierjährigen Tätigkeit als Chefarzt der Roten-Krcuz-Mission in die Türkei. Inzwischen lebte Zlocisti als einer der gesuchtesten Aerzte des Landes in Palästina. Dreizehn Jahre lang leitete er in Tel Awiw die Mütterberatungsstellen und das Mothercraft-Training Centre der Wizo. Nach einer großen Reihe von Einzelstuaien liegt jetzt das Ergebnis dieser vieljährigen Erfahrungen in dem neuen Werke vor. Zlocisti behandelt das Problem der Akklimatisation nicht sowohl als die Abwandlung physikalisch-biologischer Vor* gänge und nicht als die im wesentlichen körperliche Anpassung an ein bisher ungewohntes Klima. Für ihn ist das Hauptproblem ein psychologisches: Wae reagiert ein zentraleuropäischer Mensch auf das Novum des palästinensischen Klimas oder der vielen palästinensischen Klimata (Berg, See, Wüste). So wird auch für die Akklimatisation die Differenzierung der psychischen Konstitutionen entsches* dend. Grundlegend ist die in der Literatur wohl erstmalige Darstellung der Chams ine. Ein Hauptkapite! behandelt den klinischen Ablauf, die Häufigkeit und die Formensprache der Infektionskrankheiten. Das Grundproblem ist die Abhlngigkeit dieser Erkrankungen von der Jahreszeit, und die Verschiedenheiten in den Uebertragungsgefahren gegenüber anderen Ländern. Dr. Ernst Simon, Haifa hatte Für 24 Stunden wurde über die Stadt ein Ausgehverbot verhängt. Zwei Araber, die dieses Verbot durchbrochen hatten, wurden erschossen. Ein Omnibus der Egged-Gesellschaft wurde auf der Landstrafte Tel Awiw—Jerusalem beschossen. Simcha Freund aus Herzlia (25 Jahre alt), wurde leicht verwundet. Die Suche der Polizei und Truppen nach den drei verschleppten jungen Juden aus Giwath Ada hat sich als vollkommen erfolglos erwiesen. Die jüdische Siedlung Ch a n i t a wurde nachts von Terroristeu angegriffen. Jüdische Ghaffirim erwiderten das Feuer. Die Araber sollen bei dem Kampf mehrere Verluste erlitten haben. Im Zusammenhang mit dem Mord an zwei Beduinen, der vergangene Woche begangen wurde, ist dem Dorf Magdicl, wohin die Spuren der Mörder führten, eine Geldbuffe von £ 100 für die Erhaltung eines Postens von fünf Ghaffirim auferlegt worden. Solei Bonch erhielt einen Auftrag für Bauarbeiten für die Armee, bestehend aus der Errichtung von Baracken in Sara fand. Der Auftrag läuft über £ 150 000. In Tiberias wurde Mittwoch bei einer jüdischen Hochzeit eine Bombe in den Hochzeitsraum geworfen. Durch die Explosion sind sieben Juden verwundet worden. Der im Bau befindliche Drahtzaun an der Nordgrenze Palästinas (״Tegartwall“) ist neuerlich von Frei- *chärlem an einigen Steilen zerstört worden. ' Der Waad Leuml drückte in seiner Sitzung am Dienstag (über die an anderer Stelle berichtet wird) Prä- *ident Roosevelt seine Dankbarkeit aus für den von diesem unternommenen Schritt zur Einberufung der Konferenz in Evian. Kredit dem Kleinhandel In einem Artikel befürwortet Dr. Ben-Nathan die Forderung des Kleinhandels nach Regierungshilfe: Der Klei nhandel verlangt, daß die Regierung Bürgschaft für £ 50 000 übernehmen soll. Auf diese Bürgschaft hin wollen die Banken den Kleinhändlern einen Kredit von £ 250 000 erträumen. Die Kleinhändler leiden unter der verstärkten Forderung, die man an sie als Kreditgeber stellt. Jeder Arbeits- und Erwerbslose will auf Borg kaufen und die Kleinhändler geben wohl oder übel dem Verlangen der Kunden nach. Dadurch übernehmen sie eine wichtige soziale Funktion. Mari weiß nicht, wie hoch sich die Außenstände des Kleinhandels belaufen, sie werden aber allein in Tel Awiw auf mehrere Hunderttausende von Pfunden geschätzt. Demgegenüber genießt der Kleinhändler beim Grossisten nur wenig Kredit. Viele große Gesellschaften verkaufen ihre Waren nur gegen bar, andere Importeure gegen einen Kredit von einer Woche. Dadurch sind die Vorräte in den Läden sehr eingeschränkt und unter der Minderung der Vorräte leidet wieder der allgemeine Umsatz. Viele Konkurse von Kleinhändlern haben ihre Ursache in der Schwierigkeit, den gegebenen und den erhaltenen Kredit in Einklang zu bringen. Es ist zu befürchten, daß die Regierung der Forderung der Kleinhändler kühl gegeniiberstehen wird. Dabei ist Kredit an den Kleinhandel eine Maßnahme zur Hebung des Wirtschaffslebens, die sich in anderen Ländern bewährt hat. Gerade bei tms ist die Rolle des Kleinhandels eine sehr wichtige. Unser Export ist nicht groß und dem Import kommt in unserem Handelsleben eine große Rolle zu. Der Kleinhandel aber bildet die Basis unsers Imports. Ein Kredit von einer Viertelmillion Pfund würde daher nicht nur direkt Tausenden von Kleinhändlern niitzen, er würde auch dazu beitragen, unser Wirtschaftsleben in weiterem Kreise zu beleben. Der verbilligte Milchpreis. Der ״Haare/״ berichtet, wie uns aus Tel Awiw geschrieben wird, in seiner Wirtschaftsbeilage: Die Verbilligung des Milchpreises ist nichts anderes als ein Kampfmittel gegen die Anarchie auf dem Milchtnarkt. Es gab nämlich immer noch Produzenten, die der Regelung, die der Bauernverband mit der Tnuwa getroffen hatte, nicht beitreten wollten. Im Laufe des letzten Jahres ist der Milchpreis dreimal geändert worden. Zuerst kam es im Kampfe gegen die würfe Konkurrenz einzelner Produzenten zu einer Preissenkung und zur Aufstellung von Milchtanks an vielen Verkaufsstellen. Dann gelang es, einen Vergleich zwischen Tnuwa und einem großen Teil dieser Produzenten zu- Stande zu bringen.. Eine städtische Milchprüfungsstelle wurde in Tel Awiw eingerichtet, die Zahl der Milchtanks wurde vermindert und der Milchpreis wieder erhöht. Diese Erhöhung sollte es den Pnvatproduzenten erleichtern, sich den! neuen Uebereinkomtnen anzuscliließen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, und da die Stadt Tel Awiw keine rechtliche Basis für Maßnahmen gegen die Anarchie auf dem Milchmarkt hat, mußte man zu einer neuen Verbilligung des Milchpreises schreiten, um der wilden Konkurrenz zu begegnen. Es ist ein gutes Zeichen, daß das Uebereinkommen zwischen Tnuwa und der Bauernorganisation der Ent- Wicklung der Dinge gegenüber standhielt. Die Aufgabe der Stadtverwaltung von Tel Awiw ist cs, Vollmachten anzustreben, die ihr eine Rechtsbasis geben, um gegen eine unlieilvolle Entwicklung auf dem Verordnungswege vorzugehen. Die Gemüse Versorgung. In der Wirtschaftsbeilage des ״Haarez“ führt, wie uns aus Tel Awiw geschrieben wird, Dr. Ben-Nathan Klage über die Knappheit an Gemüse jüdischer Produktion: In den letzten Monaten wird wieder die Frage nach der Verantwortlichkeit für die Planung umserer landwirtschaftlichen Produktion aufgeworfen. Zuweilen ist der Markt mit jüdischen Produkten überschwemmt und dann wieder sind keine jüdischen Produkte da und die jüdischen Wirtschaften haben dementsprechend nichts von den guten Preisen, die in solchen Zeiten aut dem Markt erzielt werden. In den letzten Monaten fehlten zum Beispiel mehrere Gemüsearten, Der Import war klein und die Preise waren gut, aber es war nur wenig Ware da. Es waren natürl!d1 zum Teil die Witterungsverhaltnisse daran schuld. Trotzdem liegt der Grund auch zum Teil am Fehlen der nötigen Planung. Bis jetzt haben wir das Problem der ständigen Belieferung des Marktes noch nicht gelöst. Dabei wissen wir noch nicht einmal, welche Stelle in dieser Frage zu entscheiden hat, die Jewish Agency, der Merkas chaklai der Siedlungen, oder die Bauernorganisation. Jedenfalls muß den Institutionen, die für die Lösung dieser Frage in Betracht kommen, klar sein, daß, solange der Weg für die stindlge Belieferung des städtischen Marktes nicht gefunden wird, man auch mit diesem städtischen Markt als einem ständigen Kunden und Abnehmer der jüdischen Landwirtschaft nicht wird rechnen können. Aber ohne daß dieses gelingt, wird die Landwirtschaft Schwankungen ausgesetzt sein, die auch die Stadt betreffen. TEPPICHHAUS ZENTRUM AeuBarst• Pr•!•• für Teppich• - Sardinen ־ Llufer erlln CI. Spandeuer Strafte 28 an dar KSnlgsiraBa