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Jüdische Rundschau · 1938-06-24 · Heft 50 (24.6.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 50 (24.6.1938)
Date
1938-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50, 24. VI, 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 IN ALLER KURZE Der Direktor der Abteilung für wirtschaftliche Bezielumgen beiin Völkerbund, M. Pierre Stopp ani, und einer seiner Mitarbeiter, E. M. R a 11 m o n t, trafen in Warschau ein, um Bevölkerungsprobiemc Polens zu studieren. Sie wollen sich dort u. a. auch mit dem Problem des jüdischen Bevölkerungsüberscliusses beschäftigen. Die Pittsburger Resolution über die Frage einer Koordination der jüdischen Kräfte in USA., von der wir in Nr. 48 berichteten, wurde vom American Jcwish Committee und vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß a k z e p t i e r t. fm gegenwärtigen Drive des Joint in Amerika wurden bisher 2 125 000 Dollar aufgebracht. Ein Gedenkstein für die französischen Juden, die im Weltkrieg gefallen sind, wurde vom französischen Marineminister Ca in ון in ch i bei Verdun eingeweiht. Im Namen der jiidisehen Gemeinschaft in Frankreich sprach an Stelle des durch Krankheit verhinderten Großrabbiners Israel Ldvi der Rahbiner J. Sacks, der den Weltkrieg als Seelsorger in der Armee mitgemacht hatte. Bei den üemeindewahlen in der Tschechoslowakei wurden insgesamt 35 000 Stimmen für die jüdischen Listen abgegeben und 130 jüdische Vertreter gewählt. Der Präsident der British Legion, Sir Frederick Maurice, sprach bei der Jahresversammlung der jüdischen Frontkämpfervereinigung in Leeds. Zur Erinnerung an den 100. Geburtstag der berühmten französisch-jüdischen Schauspielerin Rachel am 25. Juli findet eine Gedenkfeier in Paris statt, die von der Jiddischen Thcatergesellsohaft unter Leitung von Morris Schwarz durchgeführt werden wird. Senator S. van den Bergh wurde anläßlich seines Rücktritts aus dem holländischen Senat von dem Landespräsidenten Baron de Vos van Steenwyk warm gefeiert. Der Bakteriologe Prof. L. K. Wolff in Utrecht starb im Alter von 59 Jahren. Der amerikanisch-jüdische Journalist Dr. Samuel M. Mclamed starb in New York im Alter von 52 Jahren. Stockholmer Notizen Von unserem Berichterstatter FI. R. Stockholm, 22. Juni Bei der ln Evjan stattfindenden Konferenz wird Schweden durch drei Delegierte vertreten sein. Der bekannte jüdische Journalist J. Mandelmann besuchte Schweden, um im Aufträge der Zentralorganisation der jüdischen Schulen in Polen Geld zu sammeln. Das Stockholmkomitee des KKL sowie die Schekel- Organisation (Scliwcd. Zionistenverband) versenden Aufrufe, die die hiesige Judcnhcit ermahnen, den Ernst der Zeit zu erfassen und das palästinensische Aufbauwerk tatkräftig zu unterstützen. Dem Dozenten der gynäkologischen Abteilung des hiesigen Röntgeninstitutes, Dr. James Meymann, wurde wegen seiner großen medizinischen Verdienste der Prof es sor-Titel verliehen. Prof. Heymann hat besonders auf dem Gebiete der Unterleibs-Krebsforschung Hervorragendes geleistet. Vom 10.—13. Juli findet in Stockholm der 18. Kongreß des Skandinavisch-Jüdischer! Jugendverbandes statt. Verbandstag des Zionistischen Gruppenverbandes Mitteldeutschland. Am 19. Juni fand in Dessau ein mitteldeutscher Gruppenverbandstag statt, der von nahezu samtliehen Ortsverbänden stark besucht war. Es waren etwa 120 Vertreter der Ortsverbände anwesend. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden LGD. a. D. Alterthum (Leipzig), den Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden der Isr. Kultusgemeinde Dessau, R.-A. Dr. Sonder, des Landesrabbiners Dr, Walter und des Vorsitzenden des ZiomsEsclien Ortsverbandes Dessau, Dr. Plaut, hielt R.-A. Benno Cohn ein Referat über die jüdische und zionistische Lage in der Welt und in Deutschland, an das sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Nach der Mittagspause traten die Kommissionen für zionistische Arbeit, für KKL-Arbelt und eine Sondertagung der Wizo zusammen, um aktuelle Fragen zu besprechen. Es wurden hierbei wertvolle Anregungen für die Ausgestaltung der weiteren Arbeit gegeben. Insbesondere wurden wichtige Beschlüsse über die Durchführung der Mifde-Zioni-Aktion, der Betreuung der Batlie Chaluz. des Bezirkes und der Ausgestaltung des hebräischen Sprachunterrichts in den verschiedenen Ortsverbänden gefaßt. Nach Abschluß der Bcratungen der Kommissionen hielt LGD. a. D. Alterthum ein Referat über ״Palästina 193S“ und Walter Heiiiemann (Magdeburg) schloß die Tagung mit einem anfeuernden Appel! an die Erschienenen. — Am Abend fand eine öffentliche Kundgebung des Zionistischen Ürtsverbandcs Dessau statt, bei dem Frau Alexander (Dessau) einen Lichtbildvortrag über die Arbeit der Wizo im Alltagsleben Palästinas hielt. Der Tätigkeitsbericht des Jüdischen Lehrlingsheims in Brünn für das Jahr 1937 weist aus, daß zur Zeit 87 Lehrlitigc betreut werden, und zwar gilt die Tätigkeit des Vereins in der Hauptsache sozial gefährdeten jungen Menschen. Je 12 Lehrlinge werden als Schlosser und Tischler ausgebildet, 9 als Installateure, 8 als Kürschner usf. Die Lehrlmge besuchen hebräische Kurse sowie Turn- und Sportvereine. Felix Mayer: ״Di« Struktur des Traumes“. Sonderdruck aus ״Acta Psychologien“, Band III, Heftl. — Verlag Martini» Niiltoff, Haag 1937. — Die tiefgehende Untersuchung gibt u.a. eine neue Deutung des ״Oedipus-Komplexes“, der nicht als Beweis für eine Pansextialität angesehen wird, sondern bedeutet, daß ״uns allen ursprünglich und im tiefsten Unbewußten die pathischc Haltung zu eigen ist, die Subjekthaltung der Gebärdensprache“. Ucberhaupt ist eines der wichtigsten Ergehnissc dieser Studie die Herausarbeitung des Zusammenhangs zwischen Traum und Gebärdensprache. Bedeutsam sind ferner Mayers Ausführungen über die Intensität des Traumerlcbens, die ״Pathik“, aus der sich weitgehende psychologische Folgerungen ableiten lassen. —nn. Druckfehlerbericlttigung. In dem Artikel ״Die Krise der französischen Syrienpolitik“ auf der ersten Seite in Nr. 49 muß es am Anfang heißen: ״Obwohl sich die französische Regierung sowie die französische Presse bemühen, die Bedcutung der jüngsten politischen Entwicklungen im Vorderen Orient zu verkleinern...“ (nicht: ״jüdischen“ politischen Entwicklungen). — In der Buchbesprechung ״Pafästincnsischc Bodenkunde“ in Nr. 44 45 sind zwei Druckfehler unterlaufen. Es muß richtig heißen: Jediath Ha-Karka (nicht ״Jcdioth“) und die Sauerkeit der Böden (nicht- ,,Sauberkeit“). Ein Pionier der Technik Zum 40. Todestag von Siegfried Marcus Von Dr. Kurt Aron Daß es ein jüdischer Erfinder gewesen ist, dem die erste praktische Verwirklichung eines durch Benzinmotor betriebenen Slraßenwagens gelang, ist trotz der populären Darstellung von ürunv. ald, Lcvysohn, Thcilhaber u. a. wenig bekannt. Siegfried Marcus, der vor mm 40 Jahren in Wien am 30. Juni 1S9S arm und fast vergessen die müden Augen schloß, hatte ein an Erfolgen und Enttäuschungen reiches Leben hinter sieh. 1831 als Mitglied einer angesehenen und feingebildetcn Malchiner Familie geboren, der auch zahlreiche andere wissenschaftlich und künstlerisch hochbegabte Mensehen wie der Maler Otto Marcus und der Volkswirtschaftler Eduard Rosenbaum entstammen, zeigte schon früh eine seltene technische Begabung. So gab man ihn zu einem Malchiner Schlossermeister, dann nach Hamburg in die Lehre, und schon als Siebzehnjährigen finden wir ihn in Berlin in der neugegriindeten Fabrik von Siemens Pc Halske, die damals den Bau der ersten Telegraphenlinieti übernahm. Auf diesem Gebiet lagen denn auch die ersten Erfindungen des jungen MarcufS, aber auch noch 30 Jahre später, als Marcus nach Wien gegangen war und er wie auch Werner Siemens sich längst anderen Problemen zugewandt hatten, blieben nähere Be- Ziehungen zwischen den beiden Männern bestehen, die bei Marcus einer vertrauensvollen Hochachtung für den genialen Meister, hei Siemens der Anteilnahme an den Fortschritten des erfindungsreichen Schülers entsprangen. Zu dieser Zeit stand Marcus auf der Höhe seines Schaffens, als ihm im Jahre 187S die sogenannte Teilung des e I c ktrischen Lichtstroms gelang, welche cs ermöglichte, zum ersten Male mehrere Lampen von einer Lichtquelle aus nicht nur in Betrieb zu setzen, sondern auch eine beliebige Zahl von ihnen ohne Störung ein- und aus/uschaltcn, während das System des Russen Jablochkoff, nach dem in Paris zur gleichen Zeit unter ungeheurem Aufsehen die elektrische Bcleuch'ung ganzer Straßen und Plä'zt: nun ersten Male vor sich ging, die Teilung des Lichtes noch nicht erreichte, da für jede Lampe eine besondere Wicklung bcnötigt wurde. Schon im Jahre 1853 hatte Marcus eine weitere aufsehenerregende Erfindung auf dem Gebiete der Elektrizität gemacht, die die Erzeugung des Stromes verbilligen sollte, der damals dem Gas und dem Petroleum gegenüber wegen der Kostspieligkeit seiner Erzeugung durch Galvanische Batterien keine Aussichten auf praktische Verwertung hatte. Marcus hatte die Idee, die von Seeheck entdeckte Thermoelektrizität, bisher nur ein Experimentiergebiet wissenschaftlicher Forschungsstätten, zur Elektrizitälserzeugung zu verwenden, und konstruierte eine Thermosäule, die gegenüber den üblichen hydroelektrischen Ketten durch ihre Dauerhaftigkeit eine Umwälzung in der Elektrizitätserzcugung bedeuten konnte und auch allgemein in der wissenschaftlichen Welt damals so aufgefaßt wurde. Bei beiden Erfindungen freilich mußte Marcus erleben, daß sich andere Konstruktionen und Lösungen des Problems als vollkommener erwiesen, als Siemens die Marcussche Lampe ankaufte und die aus seinem Betrieb hcrvorgcgangetie, auf anderen Prinzipien beruhende Differentiallampe v. Heiner- Altenecks ihren Siegeszug antrat, während die Siemensschc Erfindung des Dynamoprinzips auch die Frage der billigen Stromerzeugung für immer löste. Während aber die Marcussehe Pionierarbeit auf dem Gebiete der elektrischen Beleuchtiing, die heute der Vergessenheit anheimgefallen ist, ihm damals reiche Anerkennung und auch materielle Erfolge eintrug, hat die Erfindung des Automobils, auf der die Bedeutung von Siegfried Marcus für alle Zeilen beruhen wird, zu seinen Lebzeiten nur wenig Widerhall in der üeffentlichkcit gefunden. Die Idee, Straßenwagen mit Maschinenkraft zu betreiben, war nicht neu und hafte in der Form des Dampfwagens eine gewisse Vervollkommnung erreicht. So besaß aie Bolleesche Straßcnlokomofive ,,Oheissante“ (1873) bereits eine Stundengeschwindigkeit von 40 Kilometern. Der Ausdruck Chauffeur, d. h. Heizer, ist ein Ueberbleibsel aus jener Vorzeit des Automobils, Marcus hat nun, während etwa gleichzeitig l.inoir in Paris mit seinem mit Leuchtgas betriebenen Wagen fuhr, als erster einer! Benzinmotor gebaut, ihn aut einem Wagcngcsfell montiert und die ersten abenteuerlichen nachtliehen VevM17'!<f8’tr:rn mit vielen Pannen und Schwie: igkeiten Siegfried Marcus Modell des Bcnzin-Aiitomohils von Siegfried Marcus aus dem Jahre 1875, Aas dem Jüdischen Lexikon Band 111. Jiid. Vcr'r.g, Berlin unternommen (1864). Obgleich Marcus diesen ersten Wagen, von dem uns nur eine späte Photographie aus dem Jahre 1870 erhalten ist, in rastloser Arbeit vervollkommnte, bis er, wahrscheinlich 1875. den durchaus automobilähnlichen Wagen baute, der u. a. auch schon eine magnetelektrische, selbsttätig ohne Batterie funktionierende Zündung besitzt (s. Abbildung), blieb diese Erfindung von Marcus fast gänzlich unbemerkt, war sic doch bei einem Benzinpreis von 3 Mark pro Liter im Verhältnis zu den Dampfwagen zu kostspielig, wie inan denn auch aus Sicherheitsgründen das Pferdefuhrwerk den daltinrasenden Straßenmaschinen vorzog, und schließlich verbot die Polizei die Marcussehen Fahrten wegen des ruhestörenden und die Pferde scheu machenden Lärms, den die eisenbereiften Räder und der fauchende Motor verursachten. Technische Begabung und Künstlertum verbanden sich in Marcus zu s.lnpferischcr Einheit. Freilich wurde ihm gerade seine Künstle.naiur zum Verhängnis, da ihm jeder Sinn für das Materielle abgingp. So geriet *eine Erfindung in Vergessenheit, zumal sich Marcus nie den Kraftwagen als Ganzes, Oppenheim I Das bekannto SpezialHaus für Kleiderstoff® I Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 115116־ Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe | sondern stets nur einzelne Teile hatte patentieren lassen, und erst IS*1?, kurz vor seinem Tode, wurde ein größeres Publikum auf die Marcussche Erfimlertat aufmerksam, als Prof. Czischck-Christen eines der drei nach dem System Marcus gebauten Automobile auf der Wiener Juliaums- Aber erst viele Jahre später konnten die Forschungen von Franz. Maria Feldbaus und die ergreifende Biographie Erich v. Kurzel-Runtschcincrs diesem bedeutenden Menschen den Ehrenplatz sichern, den er in der Geschichte der Technik verdient. Schach Bearbeitet von J. Mieses Ilatr r« Siziflanlsche Grün*wald Kreiiberg Weiß Schwarz 4־—2? 8. b2Xc3 10. Tal—blI Eröffnung :«'! ung zweifellos den *ff״ il'4 ״ Ui ׳ ׳: lf 3, .: ,גל fr Ld6Xä3. 19. Df3X.<3+. r6—r5. 20. D ,13—a«, T .18—88. 21. 17,a8 .... T a'8-r8 wird mit 18. I.rl-Li, L dß—f4 (־'s drohte T hl—b7), 19. P :3Xf4 wider- 18“ Tl’lXbS Ddsvbs 19. D 13>x6 h7—h5 20. c4-rS! .... Vgl. Anmerkung rum 14. Zuge 1. d«'-׳h2f gibt auf pS-״n<na־u, Sdtadiwcttknmpf Berlin ■Hamburg Ankündigungen aus dem Reich Frankfurt a. M.1 Jüdis■ he \V0Mf.ihn.,pflege. Ilaussammlung für das jüdische Kind am 3. Juli, ron 10—13 Uhr, Dortmund. Am 15. Juni kamen die neugeworbenen Mitglieder de* ZOV. Dortmund zu einer besonderen Veranstaltung zusammen, auf der Erich Frank (Dortmund) «her das Thema ״Wo hallen wir -י wohin steuern wir?“ sprach. Es folgte die Vorführung von zwei KKIi Bildstreifen. _ Familien-Nachricht Frau Rosa Aron. Wien VII. Kai־cr*tr. 81, begeht am 7. Juli den 70. Geburtstag und das 30jährige Jubiläum ihrer Firma Arnold Becks Todesfall. In Frankfurt a. M., wo er seit seiner vor wenigen Jahren erfolgten Pensionierung lebte, verschied Rahbiner Dr. Salomon Stein. Seit 1800 hatte er in Schweiufurt das Bezirksrahbinat geleitet. Dr. Stein, der zu den führenden Rabbinern gesetzestreuer Richtung zählte, war auch wissenschaftlich mit mehreren Veröffentlichungen hervorgetreten und hatte eine Qeschlchte der Gemeinde Schwcinfurt verfaßt. Der MIsrachl ln Ungarn veranstaltet hebräische Lernmonate am Plattensee. Es ist hebräischer Unterricht unter Leitung eines bewährten Fachmannes vorgesehen. Teilnehmer zahlen einschl. Verpflegung und Unterkunft monatlich 120 Pengö. Auskünfte erteilt die ״Nipusch-Aktion“ des Misrachi! Budapest, VI., laudonucca 3.

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