Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1938)
- Date
- 1938-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49, 21. V\. 1938 JDDI5GHE RÜNOSCHAU Seit« 3 Ein Besuch in der neuen Türkei Für die Judenheil Palästinas und vor allem in Anbetracht der im Zusammenhang mit den Teilungsplänen sich anbahnenden Neuordnung, ist die Kenntnis der Nachbarländer Palästinas und der für Südwestasien maßgebenden Völker van größtem Interesse. Unter diesen Völkern aber nimmt die Türkei eine führende Stellung ein. Die nachfolgende Schilderung der Verhältnisse ist das Ergebnis der Studienreise eines aus Deutschland stammenden Zionisten, der auch die tinopel eine Zcillang als zionistischer Vertreter tätig Ein neuer Staat Von Richard L i c 11111 c i m (Jerusalem) Aus dem Chaos der Nachkriegszeit haben sich in Europa und Asien eine ganze Anzahl neuer Staaten erhoben. Welche von diesen Bestand haben werden, wird erst die Zukunft lehren. Manche sind Ztifallsschöpfungcn, mehr durch den Willen der siegreichen Mächte als durch die eigene Anstrenung der Nationen entstanden. Das gilt insbesondere von der unten Reihe der neuen arabischen Staaten. Andere sind das Resultat echter nationaler Bewegungen, die sich mühsam durchsetzen mußten. Zu diesen gehört die neue Türkei, die keineswegs im Einverständnis mit den Siegermächten, vielmehr gegen deren Willen ganz aus eigener Kraft gcschaffen wurde. Ein Aufenthalt von sieben Wochen in Ankara und Istan• bul gab mir Gelegenheit, die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der Türkei zu studieren. Die folgenden Betrachtungen, die natürlich das Thema nicht erschöpfen, sondern nur flüchtig umreißen können, sind das Resultat meiner Beobachtungen, II. Um zu verstehen, was die neue Türkei ist, muß man wissen, was die alte war. Das Wesen der alten Türkei ergab sich aus der doppelten Herrscherrolle, die der Sultan und Kalif spielte. Der Sultan war der Beherrscher eines durch Eroberung entstandenen, aus zahlreichen Ländern und Völkern zusammengewürfelten Reiches. In diesem Reiche spielte Anatolien, die Heimat der nach langen Erobcrungsziigen seßhaft gewordenen Türken, eine verhältnismäßig geringe Rolle. Alle Macht des Sultanats war dort konzentriert, wo schon Europa begann: in K o ״ s t a n I i 11 o p e I. Von hier aus wurde das stumme und geduldige anatolische Bauern- Volk regiert, das im wesentlichen dazu diente, dem Sultan im Kriegsfälle Soldaten zu liefern; von hier aus wurden aber auch die Balkanvölker, Arabien und Nordafrika beherrscht. Dieses riesige Reich begann schon lange vor dem Weltkriege zu zerbröckeln. Das ganze 10. Jahrhundert ist erfüllt von den Kämpfen der unterworfenen christlichen Völker gegen die Sultansmacht in Konstantinopcl, die langsam aus Europa zurückgedrängt wurde. Dennoch blieb his zum Weltkrieg die Türkei in ihrem Charakter, was sie war — der vom Sultan gelenkte Erobererstaat —, und dal! dies möglich war, beruhte nicht zum geringsten Teil auf der zweiten Funktion des Herrschers in Konstantinopel, auf der Kalifen würde, die ihm trotz mancher feindlicher Tendenzen in den arabischen Reichstcilcn die Herrschaft über Millionen gläubiger Mohammedaner — Türken, Balkanbcwohncr, Araber — sicherte, IM. Dieses sonderbare, auf der Vereinigung weltlicher und geistlicher Macht in der Person des Herrschers beruhende Staatsgebilde erfuhr eine tiefgehende Erschütterung durch die j u n g t ü r k i s c h c Revolution von 1008. Die Revolution ging von Saloniki aus, wo die fortschrittlichsten Elemente der türkischen Beamtenschaft und des Offizierkorps sich gegen die Suitansmacht empörten. Die Gründe dieser Empörung lagen vor allem in der Unzufriedenheit mit dem blinden Gcwaltrcgime eines Herrschers, der für sein Reich keine erkennbaren Ziele mehr verfolgte, sondern nur noch auf Erhaltung seiner persönlichen Macht bedacht war. Mittelalterliche religiöse Einrichtungen, Ignorierung der nationalen Idee, die überall die Völker zu eigenem nationalem Streben veranlaßt!־, und ein auf Spionage und Mord lieruhendes verrottetes Palastsystem machten es den jüngeren, europäisch gebildeten Elementen in der Türkei deutlich, daß das Reich zum Tode verurteilt war, wenn cs nicht einer gründlichen Reform unterworfen wurde. Die [nngtiirken versuchten, diese Reform diirchzufiilircn — aber ihre Führer waren sich über die Tragweite ihres Unternehmens nicht im klaren. Wollte man die Türkei europäisieren, so mußte auch die europäische Begriffsweit angewandt, d. h. nicht nur einige technische Verbesscrungen angebracht, sondern die Staatsgrundlagc selbst ganzlieh erneuert werden. Daß dies von manchen erkannt wurde, beweist die Tatsache, daß in den ersten Jahren der tiirkisehen Revolution eine sogenannte ,,liberale" Partei entstand, die aus der Türkei einen Bund der in ihr lebenden Völker machen wollte. Es zeigte sich aber sehr rasch, daß diese liberale Richtung den Auflösungsprozeß beschleunigen mußte, da die einzelnen Nationen in der Türkei der vollständigen nationalen Freiheit zustrebten und keinen Grund sehen konnten, gemeinsam ein Osmanischcs Reich zu bilden, dein die einheitliche ideelle oder nationale Grundlage fehlte. Aus diesem Grunde wurde die ״liberale“ Richtung sehr rasch beseitigt, und die Jungtürken bemühten sich, unter Aufrecliterhaltung der türkischen Oberherrschaft über alle Fremdvölker — die sogenannten Rajah-Völkcr — das Reich auf der alten Grundlage zusam menzuhalten. Damit aber gerieten sie in ein Dilemma, aus detn cs keinen Ausweg ab. Abschaffung der verrotteten Sultans- und Kalifenmacht, Modernisierung und Europiiisicrung hieß zugleich Stärkung des nationalen Gedankens; solche Stärkung konnte aber nicht nur für die herrschende Schicht der Türken selbst gelten, sie mußte sich auch bei den unterworfenen Fremd- Völkern fühlbar machen. So notwendig der Sturz der Sultansmacht gewesen war, so wenig konnte die jungtürkische Reform dem Gesamtreich einen neuen Inhalt und Daseinszweck gehen. Der Ausbruch des Weltkrieges befreite das jungtiirkische Komitee zunächst aus diesen Schwierigkeiten. Er gab der herrschenden türkischen Schicht Gelegenheit, ihre Macht zu befestigen. Es charakterisiert die Situation, daß der damalige Volksheld, Envcr Pascha, den Versuch machte, gerade diejenigen Kräfte wieder zu beleben, auf denen das alte Sultansreich beruhte: Er umgab sich selbst mit dem Glanz und der Pracht eines Sultans, und er ordnete zugleich an, daß die Vorschriften der mohammedanischen Religion mit großter Strenge eingchalten würden. Es ist mehr als zweifelhaft, ob der Versuch bei anderem Ausgang des Weltkrieges geglückt wäre. Der innere Wider- Spruch, an dem das jungtiirkische Regime krankte, war so roß, daß das Reich sich wohl auf die Dauer kaum hätte ehaupten können. Der militärische Zusammenbruch und der Einmarsch der siegreichen Westmächte in Konstantinopcl machten allen diesen Fragen und Problemen ein Ende. Das jungtürkische Komitee hatte ausgespiclt, die Reste der Sultans- und Kalifeninacht standen nunmehr unter Vormundschaft eines englischen Generals, und in Paris verhandelten die Staatsmänner über die Aufteilung der Türkei. Die euro* 111 e Türkei gut kannte und vor deren Ende in Knnstan• war. (Schluß folgt in nächster Nummer.) päischen Gebiete waren endgültig verloren, die arabischen Provinzen hatten schon während des Krieges revoltiert und verlangten von den Westmächten die Erfüllung der ihnen im Kriege gemachten Versprechungen. Der stumme Kern des Reiches aber, Anatolien, dessen beste Manncskraft durch den Krieg vernichtet war, sollte nach dem Willen der curo päischen Staatsmänner in Interessensphären geteilt werden. Smyrna und sein Hinterland sollte (len Griechen zufallen, IV. So stand es um die Türkei vor genau 20 Jahren. V :1• kam es, daß aus solcher verzweifelten Situation ein neuer Staat entstand, der heute schon nicht nur im Vorderen Orient, sondern in ganz Europa mit größtem Respekt behandelt wird und auf dem Wege scheint, zu einer bedeutenden Macht zu werden? Das Wunder dieser Ncuschöpfimg knüpft sich im wesentliehen an die Person eines einzigen Mannes, des heutigen Präsidenten der türkischen Republik, Kcmal A t a t 11 r k. Die Geschichte dieses Mannes ist s״ wunderbar wie sein schlicßliclier Erfolg als Staatsgrimder. Er stammt aus Saloniki — wahrscheinlich aus albanischem Bauernblut gchörte als junger Offizier mit zum Kreise der jungtürkischen Verschwörer gegen die Sultansherrschaft, zeichnete sich im Krie״e als Gencralstabsoffizier an vie'en Fronten aus, spielte eine entscheidende Ro'lc bei der Verteidigung Gallipolis und organisierte nach Kriegsende von Anatolien aus den bewaffneten Widerstand gegen die eindringenden (irieeben, die er mit zusainincngcrafften türkischen Hecrhaiifcn blutig schlug mul bei Smvrna ins Meer zurücktricb. I lie Kriegsmüdigkeit der Westmächtc und ihre inneren Streitig- Die Palästina-Debatte im Unterhaus Weitere Erklärungen MacDonalds Bei der Beratung des Unterhauses über den Etat des Kolonialamtes, über deren Beginn wir in Nr. 18 berichteten, wurden noch weitere Reden über Palästina gehalten. Auf die Bemerkung des Abg. Jones, daß das Unterhaus sich bezüglich der Teilung noch nicht festgelegt habe, erwiderte Minister Malcolm Mac Donald, daß die Regiertmg sich dessen bewußt sei und keine endgültige prinzipielle Entscheidung treffen werde, ohne das Haus zu befragen. Dem Abg. James de Rothschild gab der Minister eingehende Auskunft über den Verlauf der Staeheldrahtgrcnzc, die nicht in jedem Punkt genau mit der Grenze Palästinas übercinstirrimt. Der Zweck dieser Anlage sei die Vorhinderung des Herüberströmens von Terroristen und Waffen, woraus sich die strategische Linienführung ergeben habe. Bezüglich verschiedener Anfragen, welche Politik die Rcgierung in der Frage der Einwanderung cinschlagcn B. NEUHANN P I A NOS I KÜHLSCHRÄNKE: BOSCH RADIO! FRIG IDAIRE ״. •. Barl ln W 15, K u r f ü r» f n d a m m 20 5 / Ruf: 91371a wolle und welche Haltung sie bei der kommenden Konferenz in Evian einnehmen werde, teilte MacDonakl mit, daß die Regierung jetzt priife, weiche Politik sic verfolgen könne und daß es in diesem Zeitpunkt verfrüht sei, irgendeine Ankündigung in dieser Angelegenheit zu machen, die noch weitere Erwägung benötige. Col. Josiah Wedgwood sagte, daß die Juden, wenn sie den Ucbclständcn in Palästina abhelfen wollten, sich selbst helfen müßten. Er kritisierte scharf die Haltung der Regierung, insbesondere in der Frage der Verteidigung des Jiscliuw, Was ihn an diesen Unruhen in Palästina beeindrucke, sei vor allem die Demütigung. ״Die Unruhen dauern gut zwei Jahre an, und während der ganzen Zeit ist den Juden nicht erlaubt worden, einen Finger zu rühren. Sic dürfen sich weder bewaffnen noch verteidigen; alles wird von der Regierung getan. Etwas Erniedrigenderes und Zweckloseres kann ich mir nicht verstellen. Und dabei ist kein Ende abzuschen. Eine Angelegenheit dieser Art löschen wir in jedem anderen Lande in 14 Tagen ans.“ Man schaffe sich so Feinde, wo man Freunde haben sollte, und ruiniere vor allein das Prestige Englands und seines Koloniaibeamtentums. Je rascher die Juden bewaffnet würden und ihnen Zionistische Arbeit in Oesterreich Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, IQ. Juni Wie bereits berichtet, führt im Zuge seiner Reorganisation der zionistische Landesverband für Dcutschöstcrrcich eine Neuregistrierung aller in Oesterreich lebenden Zionisten durch. Mit dieser Neurcgistrierung, die auch für die früheren Mitglieder zionistischer Vereinigungen gilt, ist auch eine planmäßige Mitgiicderwcrbung verbunden, die sich auf alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens erstreckt. In einer Unterredung mit Ihrem Korrespondenten machte der gescliäftsführende Vizepräsident des Zionistischen Landesverhandes für Dcutschösterreich, Dr. Eduard Pacht niann, über den derzeitigen S t a 11 d d c r Arbeit, sowie über Ziel und Aufgabe der Organisation für die nächste Zeit die folgenden Angaben: Die bisher veröffentlichten Antmfe zur Neuanmeldung im Zionistischen Landesverband׳ haben bereits einen recht bemerkenswerten Erfolg gezeitigt, der in täglich neuen Beitrittsannielilungcn /um Ausdruck kommt. Ein zahlenmäßig erschöpfendes Bild läßt sich jedoch noch nicht geben, da die Mitglicderwcrbcaktion noch im Gange ist und die Wcrhcblocks noch nicht sämtlich abgclicfcrt sind. Allein schon heute kann man die Beobachtung machen, daß unter den bisher Neiiangcmeldetcn sich sehr viele Juden befinden, die bis vor kurzem noch dem zionistischen Gedanken völlig fernstanden. Der Zionistische Landesverband stellt die e i n- / i g e zentrale organisatorische Zusammen- Ijssii 1״ aller in Oes' ־׳rrrich lebenden Zionisten dar. Gleich/e ' ״t׳(Ic1׳ auch die Be/irksverbändc begründet: die Obmänner dieser Bezirkssektionen werden nach Eröffnung keifen benutzend, wagte er im Angesicht der britischen Bcsatzungsarmcc den Einmarsch in Konstantinopcl, wandte sich dann aber sofort wieder nach Anatolien zurück und schuf von dem Bergdorf Ankara aus die neue Republik. Die persönliche Leistung des Mannes ist ungeheuer. Er war in entscheidenden Momenten — bei Gallipoli wie bei spateren Gelegenheiten ~ in erstaunlichstem Maße vom Glück begünstigt. Aber Gl tick allein erklärt nicht seinen ungchctircn Erfolg. Die tiefste Ursache seines Erfolges ist die in ihm wirkende seltsame Verbindung fanatischer Besessenheit mit einer genialen Nüchternheit, das Zusainmcnspicl wilder Energie mit kühlstem Verstand. Es ist kein Zufall, sondern gehört mit zu den Gründen seines Erfolges, daß er sich schon in den I Tülveitcn der jungtürkisdien Revolution in ständigem Gegensatz /u den Parteigrößcn befand, die damals atil ihre Art die Türkei reformieren wollten. Er begriff, daß die Erneuerung der Türkei nur auf rein nationaler Basis möglich war, daß an die Stelle von Sultanat und Kalifat der türkische Natlonalgcdanke treten mußte. Das Geschwätz der Komitees war ihm verhaßt, er suchte die Möglichkeit zur Tat. Da die verworrene Politik der Jungtürken ihm diese Möglichkeit 11‘cht gab, zog er sich ganz auf die Armee zurück. Dort galt er rasch als einer der fähigsten Offiziere, aber er war auch einer der wenigen, die sich um ihre anatolische Mannschaft kümmerten und sic nicht -- wie Envcr, sein ständiger Feind nur als Kanonenfutter betrachtete. Er blieb in der Türkei, als nach dem Zusammenhrtich die führenden Jungtiirken über alle Grenzen entflohen; und cs war kein Zufall, dal! gerade er die Aufgäbe an sich riß, namens des Schattensultans und der englischcn Bcsat/ungshchönlcn 111 Konstantinopel die Ncuordinnig in Anatolien vorzunchmen, wobei sein Auftrag lautete, die Entwaffnung der türkischen Bevölkerung durchzuführen, und die Waffen an die fremden Militärkommissionen abzuliefern. Wenige Stunden, nachdem er Konstantinopcl verlassen hatte, um sich auf seine Weise in Kleinasien'dieser Aufgabe zu widmen, kamen den onglisch-fian/ösischcn Besat/ungsbchünlcn Bedenken, und man suchte ihn /unickzitrufeti; aber es war zu spat. Mustafa Kcmal - wie er damals noch genannt wurde - - hatte den entscheidenden .Moment seines Daseins erkannt: er ging in die Berge Anatoliens, nicht um die türkischen Waffen ab/nliefcrn. sondern um eine neue türkische Armee aufzustcllcn und den Freiheitskrieg zu beginnen. (Schluß folgt.) erlaubt wurde, ihre Sache selbst zu fuhren, um so besser wäre es für den Ruf England-. Der Abg. 1' 1 c k t 11 o r 11 meinte, daß die beiden fragen der Lage der Juden in Europa und der Ansiedlung in Palästina nicht jede als Teil der anderen behandelt werden sollten. Die eigentliche Schwierigkeit in Palästina sei der arabische Nationalismus einerseits und die zionistische Haitu ng andererseits, die mit aller Mach! nach einem Staat hältnis der beiden Bevölkerungen nicht von I aktoren innerhalb des Landes, sondern von äußeren Faktoren bestimmt würde, so wurde sie damit den Arabern und den Juden einen schlechten Dienst erweisen. Der Abg. C r e e e h - J o!1 e s vermißte eine konkrete Um- Schreibung des Begriffs ״wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit“ und forderte eine weitherzige Interpretation. Der Abg. McGovcrn bestritt, daß der Terrorismus in Palästina von der Feindschaft der arabischen Arbeiter gegen die Juden herkomme; er sei vielmehr künstlich von den arabischen Landbesitzern geschaffen worden, die über den Fortschritt im Lande erschreckt seien. Das jüdische Volk bringe Kultur nach dem (ästen. I:s gebe Land genug in_ Palästina für die wartenden Massen. Der Teilungsplan sei völlig falsch. Die Regierung stunde zum Mandat und sei verpflichtet, ihr Versprechen an die Bevölkerung Palästinas zu halten. Der Redner verlangte schließlich die Oeffnung Transjordanicit« für die Ansiedlung von Juden. Als letzter Redner nahm der Abg. I) e!1 m a n zur Paläsfinafrage Stellung; er betonte, daß England unwiderruflieh verpflichtet sei. an der Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina mit/uheffen". Auch strategische Erwägtingen erforderten es, einen befreundeten Staat im östliehen Mittehneer zu haben. Man dürfe außerdem nicht vergossen, daß cs sich um eine moralische Verpflichtung handle nicht nur gegenüber den Juden, -omlern auch gegenüber den Nationen, die England das ,Mandat übertragen haben. ״Ich verlange" so rief Denmnit au-, ״daß die Einwanderung der Juden bis /um Höchstmaß cnnög'ich! wird, ... Wenn die Teilung kommt, warum dann nicht schon jetzt die Ein- Wanderung gestatten:' Niemand will, daß der feilungsplan den Juden weniger Land gibt, als in dem Peel-Plan vorgesehen ist. Wenn diese Lösung versucht wurde, so mußte die Einwanderung gemäß der wirtschaftlichen Aufnahmefahigkeit des Gebietegestattet w erden, \4 111 11 ז ג nicht gleich?" Da- Prinzip der w irt-chaftlichcn Aufnahmefähigkeit sei von Anfang an die Intcrpreta’ion der Mand ttspolitik gewesen, daher sei kein Grund, die politische Höchstgrenze beizubehalten. Solange man nicht da- Problem durch eine jüdische Massencinwandrrnng löse und solange man die Araber in dem Glauben lasse, daß die I nrtset/ung ihrer Agitation die Einwanderung verhindern werde, mache man eine Regelung unmöglich. Fr sei überzeugt, daß sich ein Zusammenleben beider Völker schür (bu h ergeben werde. der Scktionshoime bereits eine I ist0 der in ihren Bezirken wohnhaften zionistischen .Mitglieder erhalten, so daß die Arbeit der Bc/irkssektionrn selbst bereits mit einem festen Mitgliederbestand cinsctzon wird. Ihre weitere Arbeit wird sich auf die persönliche Werbung zu erstrecken haben. Aus dem ti in f a s s e n d e 11 C 11 a r a k t e r des neuen Zlonistischcn Landesverbandes erweichst eine ganze Reihe besonderer Aufgaben. Ais das wichtigste Problem bezeichnet Dr. Pachtmann die Erfassung der neuen Menschen, die jetzt den Weg zur zionistischen Bewegung finden, wobei cs wesentlich erscheint, diese Menschen nicht nur nach rein organisatorischen Gesichtspunkten dem Verband zuzuführen, sondern sic im Wege einer Jwdaisierting und Zinnisicrtmg auch innerlieh dem Zionismus zu verbinden. I fiese Aufgabe ist besonders hinsichtlich der F. r w a r 11 s 0 11 e n eine nicht leichte. Zur Erfüllung dieser Aufgabe dienen Kurse für Hebräisch, ilber jüdische Geschichte und Z i o n i s nt u s. Es soll zirm Schluß nicht unerwähnt bleiben, daß die Menschen, die jetzt den Weg zur Zionistischen Organisation in diesem Lande suchen und finden, ihren Beitrittserkliirtingen oft Briefe beischlicßen, in denen sie in riihrender Weise ihr Bekenntnis zum Judentum ablegcn und betonen, es nicht mir hei der rein formalen Bcitriittscrklärurig bewenden lassen zu wollen, srtndcrn auch ihre freiwillige Mitarbeit am Aufbau der Z i o n i s t i - sehen Organisation zur Verfügung stellen. Die folgenden Worte au!s einem solchen Schreiben, ,wie sic in ähnlieber Art irnntcr wieder einlanfen, s-ien hier als ein Beispiel angeführt: . Viele Jahre hin ich dem Judentum fern gestanden und habe in anderen Organisationen als Kindererzieher, Wanderlehrer und Organisator gearbeitet. H eutc habe ich zum j u d e 111 ti m zurückgcfunden und will m e h r 111 n alsnur Beitrag zahle n.“