Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-06-17 · Heft 48 (17.6.1938) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 48 (17.6.1938)
Date
1938-06-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653586--32302-2684016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 17. VI. 193« Das hebräische Buch Wirtschaftliche Grundfragen Von Ernst Kahn, Jerusalem Mit diesen Ausführungen wird die vom Autor in Sr. 41 der .../. R.“ begonnenen Artikelserie fortgesetzt. (Red.) Die starke Passivität der palästinensischen Handelsb i I a n z — das zeigte unser erster Artikel in Nr. 41 — ist dann nicht ohne weiteres ungünstig;1! deuten, falls allmählich eine Verringerung־ der hohen Einfuhr an Konsumgittern oder eine Steigerung der Ausfuhr oder beides gelingt. Die Aussichten einer solchen Wandlung sollen deshalb untersucht werden. Dabei wird wohl am besten zwischen dem landwirtschaftliehen und industriellen Sektor unterschieden. Für beide gemeinsam ist dabei folgendes: Eine Produktionssteigerung ist nur dann gesund, wenn sic ohne Steigerung der L ehe ns haltungskosten erfolgt; denn sonst sinkt der Lebensstandard, und das wäre gerade in Palästina bedenklich. Möglichkeiten und Grenzen landwirtschaftlicher Produktionssteigerung An den Anfang unserer Untersuchung sei in gedrängter und sehr summarischer Form der heutige Stand der Dinge gestellt: Produktion Davon Export WM«,bi D«1u Import Konsum £ י Mm. £ 5 Mlll, £ 2 Min. £ 4 Milk £ 6 Will Solche Aufstellungen sind stets reichlich problematisch; sie erfordtrn /mu mindesten einen kurzen Kommentar: So Bevölkerung (luden und’ Araber) gelten, daß für die heimische Produktion und den Export die Transport- und andere Kosten mitenth,alten sind, wahrend beim Import nur die ^Preise zu erhöhen, andererseits den Import zu verringern' < )der anders ,ui-ignlmckt: Kann die ohnehin bereits aktive Nahrungsniittclbiianz noch günstiger gestaltet werden? Bistier ist ja nach obiger Tabelle ebensoviel ans Ausland als ans Inland für Nahrungsmittel bezahlt worden. t» bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, da ח der größte Teil der Nahr11ng-־tnittcI»usFt1br, nämlich' ca. 85 0״, bisher auf Zitrusfrucht e entfallt. Diese Ernte wird bekanntlich ganz schnell, in wenigen Jahren, auf das Doppelte steigen. Ob das auch für ihrer! Ausfuhrwert zutreffen wird, das ist weniger sicher. Pessimisten werden das mit gewichtigen (!runden bezweifeln, wahrend es vielleicht Optimisten gibt, die innerhalb zehn Jahren eine wesentlich größere Steigerung erwarten. Die .Argumente der beiden sind recht interessant: Die einen befürchten mit wachsenden Ernten wachsende Absatz- Schwierigkeiten und damit ruinöse Preise, sie fürchten Stockungen auf den europäischen Märkten durch politische und wirtschaftliche Krisen, und sie weisen auf die Uneinigkeiten unter den Produzenten b/\v. ihren Ahsatzorganisationen hin. Das alles läßt sie einen unerträglichen Druck auf die Preise und damit einen Ruin für die schwächeren Elemente unter den Pflanzern befürchten. Die Optinii-fen dagegen erwarten eine ständig steigende Beliebtheit der Orange als Volksnnhrung, sie betonen, daß keineswegs die konkurrierenden Länder so stark ihre Produktion wie Palästina steigern werden (für Grapefruit liegen die Dinge wesentlich ungünstiger), vor allem aber hoffen sie, gelingen und damit ^eiuc Streckung des Versandes und eine Sondermteressen einigen werde. Abladern barer Z< rde. E. dir erb td das W; Durch;fänden BRIEHtlftBKEHm. Emst Potsdamer Sfr, 86 müssen die Pflanzungen acht und mehr Prozent für ihre Hypotheken zahlen, während bei einer geeigneten Organisation und bei einem größeren Verständnis der Regierung mit höchstens 5 c'o die Sache risikofrei gemacht werden könnte. (Hypothekendienst gcsichert durch Orangenexport.) Und die Bewässerung ist infolge der sehr üppig kalkulierten Elcktropreise auch noch viel zu teuer. Allein eine Reduzierung dieser beiden Ausgabeposten müßte den Nettoerlös für den Besitzer fühlbar stärken. Daß die Orange eines Tages der Ausgangspunkt für mannigfache Hilfsgewerbe werden wird, gehört nur indirekt in diesen Abschnitt. Aber selbst der größte Pessimist wird eine sehr erhebliche Steigerung der Zitrus-Produktion und der Zitrtis-Aiishihr für Millionen von Pfund in den nächsten Jahren nicht bestreiten wollen. Ist damit die Produktions־ und ist die Exportchance für landwirtschaftliche Erzeugnisse erschöpft? Bisher gibt es außer der Zitrusfrucht nur einen agrarischen Ausfuhrartikel, Oel für Nahrungszwecke im Werte von £ 2(1)000, die aus dem arabischen Wirtschaftssektor kommen. Man hofft aber, allmählich mit einer ganzen Anzahl von Produkten am Weltmarkt konkurrenzfähig zu werden; erwähnt sei der ausgezeichnete Honig; aber auch Früh gern üse, Frühkartoffeln und vielleicht auch die erst neuerdings auftauchende Erdbeere seien hkr genannt; es handelt sich darum, gewisse SaKonv,Ursprünge klug auszunutzen und in zither Organisationsarbeit die Märkte zu erobern. Mit Geduld und — Kapital dürfte da allmählich manches möglich sein. Man darf da aber weder zu schnall noch in großem Umfang Ergebnisse erwarten. Ganz anders steht es mit der Einschränkung der bisher!• ge« Lebensmitteleinfuhr, wie schon folgende Uebersicht zeigt Im B i a I i k - H a 1t s in Tel A w i w fand eine hebräische Buehausstelkm״ statt, die innerhalb von zwei Wochen von 4000 Personen besucht wurde. Als Veranstalter fungierte der Brith Iwrith Olamith (Hebräischer Weltbund)! der eine Aktion für die Verbreitung des hebräischen Buches in der Welt eingeleitet hat. Gezeigt wurden 700 Bücher und Broschüren, die itn Laufe der letzten zwei Jahre — größtenteils besonders schön gedruckt und ausgestattet — in Erez Israel verlegt wurden. Die Ausstellung selbst sowie die einleitenden und abschließenden Festsitzungen, bei denen führende Per- Ähnlichkeiten des hebräischen Kulturkreises das Wort ergriffen, gaben einen interessanten Ueberblick über die gegenwattige Situation des hebräischen Buches. Vor nur 3h Jahren konstatierte Elieser ben Jchuda die ״erfreuliche Tat.-aehc, dal! es in Erez Israel bereits 47 hebräisch sprechende Familien gäbe“! während heute von den palästinensischen Vcrlagsanstalten pro Monat (trotz, der Unruhen und wirtschaftk'her Depression) §6 hebräische Neuersehei!111 ngen verlegt werden, und zwar: sieben Wissenschaftliehe Werke, die damit int!, res.-anterwise an erster Stelle stellen, vier bis fünf Bände Belletristik (Originale und Ueber- Setzungen), drei Kinder- oder Jugendbücher, drei Lehr- oder Gebrauchsbüdier, ein Band Dichtung, der Rest: umfangreiche literarische Revuen, wissenschaftliche Broschüren usw. Damit ist Erez Jisrae! heute das Hauptproduktionsland für das hebräische Buch. Besonders zu erwähnen ist die Mithilfe des ״Mossad Bialik“ bei der Herausgabe vieler wissenschädlicher Werke, 11. a. der ApokrypliendJteratur. Allerdings sind die Atiflageziffern verhältnismäßig gering, und der Absatz auf dem palästinensischen Markt ist sogar in letzter Zeit (besonders für Belletristik) zurückgcgangen, während nach den Galuthlämlern (besonders für wissen- Wichtigste Lebens• und Gcnußmittelcinfuhr (1937) Weizen und Weizenmehl £P 690 000 Schlachtvieh 000 600 ״ dazu Geflügel 000 89 ״ Butter 000 235 ״ Zucker 000 201 ״ Eier 000 182 ״ Tabak und Tabakprodukte ,, 109 000 Aepfel 000 106 ״ Kartoffeln 000 85 ״ Käse 000 56 ״ Milch (kondensiert usw.) 000 52 ״ Auch der Laie wird hier erhebliche Einsparmögüchkcifen sehen, wenn er etwa die gewaltige Geflügel- und Eiereinfuhr, den erstaunlichen Aepfclkonsum im Lande der Orangen, die außerordentlichen Bezüge von Milchproduktion sieht. Zwar hat der Fachmann sehr viel Gründe anzuführen, warum das so ist, wie vor allem häufig das Ausland so viel billiger als das Inland zu liefern vermag (Butter!), aber das ist durch - aus nicht bei allen Einheiten der Fall: Aufklärung, Aenderung in der Diät (Fleisch!), Ueberwindung von Vorurteilen (Büchsenmilch), Verbesserung der Technik (Käse), Rationalisierung der Verkaufsorganlsation usw, könnte und würde hier vieles ändern körnten. Eine unwiderlegbare Stütze für diese Behauptung liefert das soeben veröffentlichte Bulletin des Ruppinschen Wirtschaftsinstituts. Dieses hat sich die ebenso mühevolle wie wertvolle Aufgabe gestellt, für den jüdischen Sektor mit allen Einzelheiten von Monat zu Monat die landwirtschaftliehe Erzeugung des jüdischen Sektors zu untersuchen. Daraus geht nun hervor, daß trotz der gegenwärtigen Agrarkrise im Lande die Produktion in den letzten drei erfaßten Monaten (Dezember 1937 bis Februar 1938) eine weitere Steigerung um durchschnittlich 50 »0 für Kartoffeln, 33 »0׳ für Tomate«, 9 "0 für Milch und auch für Eier aufweLst. Daß wir an und für sich die Produktion ganz schnell steigern könnten, ist unbestritten. Bestritten ist nur die Frage, ob das zu erträglichen Preisen für Konsumenten und Produzenten möglich ist. Und in dieser Beziehung sehen die Dinge wesentlich ungünstiger aus. Heute muß entweder der Bauer mit durchaus ungen iigenden Preisen für viele Produkte vorliebnehmen und mit Absatzschwierigkeietn rechnen oder aber der städtische Konsument muß auf eine genügende Ernährung verzichten, wenn er ausschließlich heimische, vor allem jüdische Ware, kaufen soll. Erfreulicherweise ist diese Erscheinung keineswegs auf unveränderliche Dinge, sondern zum erheblichen Teil auf abstellbare Mängel ztirückzttführen; das gebt zum Beispiel aus der gewaltigen Preisschere zwischen Produzenten und Konsumenten hervor. Hier ist durch den Bau besserer Wege, durch die jetzt erst begonnene Schaffung von Großmarkthallen und durch die noch nicht begonnene Aenderung des hoffnungslos übersetzten, mit lächerlichen Mieten überbelasteten Kleinhandels noch unendlich viel zu tun. Daß die Produktionskosten durch Ausdehnung des Instruktionswesens, billigere Kredite, billigeres Wasser usw׳. noch zu senken sind, ist auch anzunehmen. Und daß auch beim Publikum eine Aufklärung zwischen einem Tnuwa-Ei und einem syrischen Ei noch vieles klären könnte, ist ebenfalls unbestritten. Daß manchmal importierte Waren nur deshalb gekauft werden, weil sic fetterer als einheimische sind, ist nachzuweisen. Manche Mutter gibt ihren Kindern einen Apfel statt einer Orange in die Schule mit, weil sie nicht glauben will, daß die billige Apfelsine etwas taugt usw. Und schließlich müssen wir immer mehr dazu übergeben, einen möglichst großen Teil unserer Bevölkern״'; in Garten- Städte überzuführen, wo sie unabhängig v311 den Marktpreisen als Selbsterzeuger heimische Produk e ־׳ewinnen und verzehren und dabei krisenfester w׳erden kam; daß auch das unendlich schwierig ist, das wissen die Schöpfer und Bcwohner der heute schon so stattlichen Siedlungen bei Haifa und Tel Awiw־ nur zu genau. Wenn man an die erheblichen unbesiedelten und unentwickelten Teile des Landes denkt, wenn man die rasch fortschreitende Wassergewinnung beobachtet, so kann theoretisch die Möglichkeit einer Produktionsveidoppelung und Produktionsverdre! fachung auch außerhalb der Orangenwirtschaff in unabsehbarer Zeit ohne weiteres bejaht werden, Die Frage ist und bleibt die Reduktion der Prod u k t i 0!1 s k o s t e n, namentlich im jüdischen Sektor, und die Verringerung der Spanne zwischen den Preisen auf dem Land und in der Stadt. Eine Fülle von wunde;ba־־e־> ,1׳chweren schaftlichc Werke) eine Absatzsteigerung von 50 «;0!m Vcrhältnis zn früheren Jahren zu verzeichnen ist. Fraglos findet das hebräische Buch heute beachtliches Interesse nicht nur in Ost- und Mitteleuropa, sondern auch in Nord- und Südarnerika, Kanada, Südafrika. Es sind jedoch vor allem technische Schwierigkeiten zu beseitigen, um die volle Autnahmefähigkeit dieser Märkte auszunutzen und die allzu stark angewaehsenen palästinensischen Läger zu räumen. Eine großzügige Propaganda ist in die Wege zu leiten, vertrauenswürdige Auslieferungsstellen sind zu gewinnen, und nicht zuletzt verlangt das Problem der Preisstellung eine Klärung, zumal Fracht- und sonstige Ausgaben eine oft allzu große Diskrepanz schaffen zu den in den genannten Ländern üblichen Buchpreisen. Auch fehlt es immer noch an wirklich übersichtlichen, handlichen und preiswerten Wörterbüchern und Katalogen, deren Vorhandensein den Buchabsatz gewiß steigern würde. Es soll dafür Sorge getragen werden, daß das hebräische Buch auf der kommenden New Yorker Weltausstellung seiner Bedeutung gemäß vertreten ist. Der Brith Iwrith Olamith setzt sich seit Jahren — und auch diesmal wieder — ein für die Schaffung einer gemeinsamen Vertriebs- und Reklameorganisation der hiesigen Verläge, einer AbnchtneTvercinigung im Sinne der europäischen ״Buchgemeinsehaften‘1, eines jährlichen ״Tag des Buche*“ zwecks wirkungsvoller Propaganda und für die regelmäßige Veranstaltung von Ausstellungen im ganzen Land nach dem Muster der jetzt erfolgreich abgeschlossenen, mit der man sich ein grofles Verdienst erworben hat. Zweifellos würden von der Durchführung aller dieser Pläne die Verleger, an deren Uneinigkeit ein Teil dieser Projekte bis jetzt scheitern mußte, wesentlich profitieren und gleichzeitig würde sich die Situation der in hebräischer Sprache geistig Schaffenden bedeutend verbessern. Manfred Geis Aufgaben eröffnet sich da für den Betriebswirt, den Kreditgeber, die Genossenschaften usw. Hier sei freilich ein, wenn auch sehr wichtiger Punkt hervorgehoben, weil er vielleicht über das Palästina-Problem hinaus auch für jene von Wichtigkeit sein sollte, die von Großsiedlungen in anderen Teilen der Welt träumen. Wir meinen die K a p i t a 1 f r a g e: Bevor man produzieren will, muß man investieren. Wenn man die Kosten für eine normale Bauernfamilie auf mindestens £ 1000 ansetzt, so wird ntan damit eher zu niedrig greifen, wenn man richtig rechnet (was freilich selten genug geschieht). Unter ״richtig rechnen“ verstehen wir nicht nur die Kosten für Häuschen, Vieh, Werkzeuge, Stall, Saatgut, Boden, sondern auch die fast kostspieligeren indirekten Kosten für Wege, Transportmittel, Schule usw. Nimmt man als Basis einer fühlbaren Produkiionssteigerung die Ansicdlung von 10 000 Familien an, so bedeutet das einen Kapitalbedarf von mindestens £ 10 Millionen. Die sind selbst in Palästina nicht so leicht zu schaffen, wo der Keren Kajcmeth den Boden zur Veriügung stellt, Institute wie Pasa und Nir relativ billige Kredite geben, Wege und Schulen zum Teil vorhanden sind und auch Privatkapital zufließt. Wir geben, wie gesagt,» diese Rechnung für eine — ach so bescheidene — Zah! von Juden, nicht ohne Nebenabsicht. Wir möchten nämlich die fraglos gutgläubigen Befürworter von Millionenansiedlungen in Madagaskar, Uganda oder Angola fragen, wo sie das Geld herzubekommen gedenken, das ja dann nicht £ 10 Millionen, sondern mindestens £ 1000 Millionen betragen müßte, wobei ihnen weder der Enthusiasmus der Zionisten noch die Rieseninvestitionen früherer Jahrzehnte der Pica, des Keren Kajcmeth, des Keren Hajessod und vor allem der vorangegangenen Generationen zur Verfügung stehen. Doch kehren wir zu Palästina zurück und setzen wir den Fall, daß alle Beteiligten das Acußerste leisten, wie sie es ja bereits in der Vergangenheit getan haben — wie bleibt es dann mit der Konkurrenzfähigkeit mit dem bedürfnislosen Fellachen? Bevor wir uns dieser vielleicht entscheidenden Frage zuwenden, wollen wir noch einen Wiek auf die Stadt- Wirtschaft werfen. (Wird fortgesetzt.) Zollpolitik Aus Tel Awiw wird uns geschrieben: Im ״Haarez“ wertet D r. B e n - N a t h a n die Aenderurtgen in den palästinensisehen Zeitbestimmungen: Der fiskalische Charakter des Zoll- Systems der Regierung führt dazu, daß Zölle verhängt werden, wenn sie dem Fiskus eine Einnahme versprechen ohne jede Rücksicht darauf, ob sie unserer Landwirtschaft oder unserer Industrie als Schutzzölle zugute kommen. 70°/o der palästinensischen Zölle betreffen daher Produkte, die im Lande überhaupt nicht hergestellt werden, und ihr Nutzen für die Wirtschaft des Landes ist gleich Null. Dazu tragen die Zölle einen unsozialen Charakter. Mehr als 10'׳,ö der Zolleinnahmen der Regierung stammte im Rechnungsjahre 1936—37 aus den Zoneinnahmen für Zucker, Reis und Mehl, mehr als 20®o der Einnahmen stammten in der gleichen Periode von Nahrungs- und Gcnußmitteln. Die Aenderungen in den Zöllen, die jüngst mitgeteilt wurden, zeigen wieder, wie fremd die Regierung unseren wirtschaftlichen Bedürfnissen gegenübersteht. Die hiesigen Mühlen verlangen eine Erhebung des Mehlzolls, um sich gegenüber der fremden Konkurrenz besser behaupten zu können. Sie betonen, daß, wenn ihr Umsatz größer würde, sie auch die Mehlpreise senken könnten. Trotzdem wurde kein neuer Zoll auf das Mehl gelegt, dagegen ein Zoll auf Zucker. Auch dieser Zoll trifft die breiten Massen. Es ist daher Unverständlich, warum, wenn für die neuen Zölle nur ein Gegenstand des Massenverbrauchs in Betracht kam, man nicht denjenigen wählte, bei dein der Zoll zum Schutzzoll für eine wichtige heimische Industrie geworden wäre. Der Zuckerzoll hingegen lastet nicht nur aut _ den Massen, sondern auch auf der hoffnungsvollen jungen Schokoladen- und Süßigkeitcn-Industrie. Auch die Konserventmd Obstsaft-Industrie w׳ird unter diesem Zoll zu leiden haben. Es ist unerfindlich, wem zuliebe die Regierung diese Ent- Scheidung gefällt hat. Auch die Araber stehen hier in gleicher Front mit den Juden. Auch ihre Mühlenbesitzer leiden unter den Verhältnissen auf dem Mehlmarkt. Der Zuckerzoll aber trifft die arabischen Massen schwerer, als sie der Mehlzoll treffen würde, denn sie verbrauchen ja im allgemeinen kein ausländisches Mehl. Der Stand der Dinge macht die Lücken fühlbar, die im Fehlen jeder wirtschaftlichen Repräsentanz der palästinensischen Bevölkerung liegen. Di« Vertreter der Regierung hören sich die Vorstellungen der Ver- '.־eter der verschiedenen Wirtschaftskreise an,die Entscheidung in lebenswichtigen Angelegenheiten aber wird durch die Beamtenschaft von rein fiskalischen G esich t s p u ח l< - ten aus gefällt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.