Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1938)
- Date
- 1938-06-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 48, 17. JUNI 1938 Die Arbeiten der Kommission Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel A w i w, 8. Juni Die Arbeiten der ״technischen Kommission“, von London entsandt, um die Details eines Tcilungsplancs zu prüfen, verlaufen ohne viel äußerliches Aufsehen. Es gab keine eindrucksvolle und feierliche Eröffnung wie zu den Zeiten der Peel-Kommission. Die Vernehmung von Zeugen, die Sammlung von Material geht sehr geschäftsmäßig und in aller Stille vor sich. Viele der eilige!;!denen Zeugen, ob es nun Juden sind oder Beamte der Administration, sagen bei geschlossenen Türen aus, und die Bulletins, die vom Sekretär der Kommission stammen, lassen an lakonischer Kürze nichts zu wünschen übrig. Aber es ist ganz deutlich, daß die tcchnische Kommission ihre Arbeit s e 11 r sorgfältig vornimmt. Sie hat, nachdem sie bereits über bestimmte Themen ausführliche Darstellungen von der Jcwish Agency empfangen hafte, eine ganze Reihe von Frag c 11 gestellt, deren Beantwortung gründliche Untersuchungen finanzieller, ökonomischer und rechtlicher Art erfordern. Es ist ersichtlich, daß die Kornmission Klarheit darüber sucht, ob es möglich ist, einen jüdischen Staat aus Palästina herauszuschncidcn, der genügende Lebenskraft besitzt und sich erhalten und entwickeln kann. Es ist einleuchtend, daß bei der Beantwortung dieser Grundfrage ein Problem eine zentrale Rolle spielt: die Frage der Araber innerhalb des J u d e n s t a a t e s. Bereits in dem Briefe des Kolonialministers an den Oberkonunissar im letzten Winter wurde die Tendenz ausgesprochen, in den Judenstaat eine möglichst geringe Zahl von Arabern hineinzunehmen. Der Grund dieser Tendenz, ist natürlich in dem Bestreben zu suchen, die Minoritäten innerhalb des jungen Judenstaates möglichst gering zu gestalten. Andererseits ist es jedoch selbstverständlich, daß eine beträchtliche arabische Minorität sich im Judenstaat befinden muß, wenn dieses neue Gebilde nicht so klein geraten soll, daß es lebensunfähig und daher für die Juden von vornherein unakzepiabcl wird. In Aeußeriingen der englischen Regierung wurde bereits klargestellt, daß eine z w a n g s w eise Umsiedlung der Araber aus dem Judcnstaat nicht zur Diskussion stehe. Sollte sich eine Form freiwilliger Umsiedlung finden lassen, so wäre darüber zu sprechen. Nach alledem ist es klar, daß der Judenstaat — wenn er zustande kommen sollte — zu Beginn und für längere Zeit hinaus eine ziemlich große arabische Minorität umfassen muß. Der Schutz dieser Minorität, sowohl auf politischem wie auf ökonomischem Gebiete, gehört also zu den wichtigen Aufgaben des neuen Staates und die damit verbundenen Fragen werden vermutlich auch die technische Kommission zu beschäftigen haben. Es handelt sich dabei keineswegs um eine theoretische Stellungnahme. Hier gehören die Fragen der jüdischen und arabischen Arbeit hinein, Absatz und Päcliterschutz, Reainteneinstellung und ähnliches mehr. Man wird es also mit den verschiedensten Fragen des täglichen Lebens zu tun bekommen. Jeder weiß, daß eine Lösung aller mit der Minoritätenfrage auftauchenden Probleme nicht leicht sein wird, denn der Großteil der Araber im Lande setzt sich aus Schichten zusammen, die einen niedrigeren Lebensstandard haben als die cinwandcrndcn europäischen Juden, so daß sich neben allem anderen die Kornplikationen einer wirtschaftlichen Konkurrenz durch billigere Produkte und billigere Arbeitskraft ergibt. Es sollte trotzdem nicht unmöglich sein, bei Verständnis für die Wichtigkeit dieser Dinge und bei dem Bestreben, dem neuen Staate eine solide Basis zu geben, eine Regelung zu finden. Wie diese aussehen soll, darüber werden unsere führenden Stellen wahrscheinlich schon in nächster Zeit eine Antwort zu erteilen haben. Es ist natürlich, daß im Zusammenhang mit den Arbeiten der Kommission auch die allgemeine politische Disküss io 11, die einigermaßen eingeschlafen war, sich wieder zu regen beginnt und Projekte zu einer Lösung der Palästinafrage auftauchen, die nicht auf der Basis der Teilung beruhen. Hier ist vor allem der Vorschlag des Emirs Abdulla zu nennen, der auf eine Zusammenfassung West- und Ostpalästinas, die Beschränkung der jüdischen Immigration auf bestimmte Bezirke und die Aufrcchterhaltung des Mandates auf zehn Jahre hinausläuft. Ein Teil der palästinensischen jüdischen Presse hat dieses Projekt nicht einfach abgelehnt, wenn auch sehr ernste Bedenken gegenüber diesem Plan — Minoritätcnstatus der Juden — erhoben werden. Man wird nicht fehl gehen, wenn man in einigen dieser Stimmen die der Neinsager, also der Gegner jeder Teilung entdeckt, die nach Gelegenheiten suchen, um Alter-, nativvorschläge vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Die Konimission jedoch hat die Annahme dieses Memorandums mit derselben Begründung abgelehnt, mit der sie sieh weigerte, Repräsentanten der ״Neinsager“ anzuhören. Sie beruft sich auf ihre terms of refcrence, ihre Instruktionen, die darin bestehen, die technischen Details des Teilungs- Vorschlages zu untersuchen, nicht aber die ganze palästinensische Frage noch einmal aufzurollen. Das darf niemanden überraschen, der die Entwicklung der Dinge in London in den letzten Jahren kennt. Die allgemeine Untersuchung des palästinensischen Problems wurde der Peel- Kommission übergeben und sic hat die ihr erteilte Aufgabe in umfassender Weise zu erfüllen gesucht. Die Kommission, die danach kommt, kann nicht noch einmal alles von vorn beginnen, sie hält sich an ihren Aufgabenkreis. Wenn sie dann in London ihren Bericht ausgearbeitet und vorgelegt haben wird, werden das Kolonialministerium und die Regierung die Gesamtfrage noch einmal zu betrachten haben. Es wird sich erst dann Herausstellen, ob man in London eine Teilung für möglich hält, oder ob man einen anderen Ausweg suchen muß. Insoweit haben wir nur zwei Faktoren in Betracht gezogen, nämlich die Engländer und die Juden. Die Araber sind vor der Kommission nicht erschienen, sie geben ihre intransigente Haftung auf andere Weise zu erkennen, durch den Terror, der in den letzten Wochen wieder heftiger wurde und durch ausgedehnte Operationen des Militärs und den raschen Bau des Drahtzauns an der Nordgrenze beantwortet wird. Der Emir Abdulla ist seines Projektes wegen Der Vorschlag Emir Abdullas Antwort der Araber In einem Tel Awiwer Blatt berichtet M.. Assaf über die (von uns schon kurz vermerkte — A. d. R.) Reaktion der arabischen Presse auf die Vorschläge Emir Abd ul las, die die Wiedervereinigung Palästinas mit Transjordanien (unter einem arabischen Herrscher) und eine gewisse Unabhängigkeit der jüdischen Gebiete in diesem neuen Reiche zum Gegenstände haben: Als erster nahm A11 n i Abdul Hadi im ״Al-Ahr am“ sehr scharf gegen den Vorschlag Stellung. Er scheint den Vorschlag schon vorher gekannt zu habe!) und dem Emir a!)geraten zu haben, ihn bekanntzugeben. Nach Aunis Meinung gibt der Vorschlag den Juden die Möglichkeit, ungefähr im Jahre 1947 den Arabern an Zahl gleich zu werden (bei einer Einwanderung von 60 000 im Jahr), und danach als Mehrheit das Land zu beherrschen. Für die Araber ist ein solcher Vorschlag nicht akzeptabel. — Auch ״A-l)ifa“, das Organ des Panarabismus, verhält sich scharf ablehnend. Nach seiner Meinung ist der Vorschlag des Emirs in Wirklichkeit ein Tcilungsplan und muß schließlich zu einer Teilung des Landes führen. Man schafft damit einen Staat im Staate, denn ein solches Ausmaß von kantonaler Autonomie kann nur eine Uebergangsmaßnahme sein. Schon die prinzipielle Anerkennung der jüdischen Einwanderung ist zu verwerfen. In einem besonderen Artikel beschäftigt sich die Zeitung noch mit der offengelassenen Möglichkeit für eine jüdische Einwanderung nach T ransjordanien. Freilich spricht der Vorschlag des Emirs vorläufig nur von einer jüdischen Einwanderung in die jüdischen Gebiete, aber im Laufe der Zeit würde sich eine solche Beschränkung nicht halten lassen. Der Plam Arabern auf 8—10 |ahrc gefahr. In einer friedlichen Atmosphäre disclie Einwanderung entwickeln und d festigen. — Der ״F e I e s t i 11“ betont, Befriedigung davon Kenntnis nehmen, lieh offen gegen den Teilungs Zeitung kann aber dem Vorschläge nicht Emir auf eigene Verantwortung ohne Bi ncnsischcn Araber gemacht hat. Auch wand gemacht, daß die Juden noch vr jährigen Uebcreiiikoiiimeiis zur Mehr den. Nach Ablauf der Frist wurden sie .,orbringen und Selbsfändigkei -ößert iehiete . .־erlangen und dann Tcilungsplan ihnen /״gesteht. Die Transjordanien beschränkt bleiben, weder die Abschaffung der Haifon Sperrung der jüdischen Einwanderun der Juden auf den Minderheitsstatm Ein tclegraphis Protes stinas. Die Antwort des das Komitee oder irgendei schlag machen kann, der hältnisscn in der arabischen Presse stark angegriffen worden, hat sich jedoch bisher dadurch nicht abschrecken lassen. Bei den Engländern und bei den Juden wird im Falle, daß der Teilungsplan akzeptiert wird, die schwierige Frage entstehen, w ie man diesen Plan angesichts der arabischen Gegnerschaft durchführen soll. Die Repräsentanz der Juden vor der technischen Konimission stand unter der Führung W e i z in a n n s, der ebenso wie in den Tagen von Lord Peel Gelegenheit hatte, die Ansichten und Forderungen der Juden mit größtem Nachdruck zu vertreten. Weizmann hat dann in der vorigen Woche das Land verlassen, und während die Büros der Exekutive in Jerusalem eifrig mit der Beantwortung der Fragen beschäftigt sind, die ihnen vom Palace-Hotel in Mengen Briefmarken * Fritz Lewin LUtzowstr. 91A zugestellt werden, befindet sich der Präsident der Zionistischen Organisation auf dem Wege nach Europa. Weizmann verläßt das Land mit großen Plänen, die alle von der Ueber- Zeugung ausgellen, daß die Entscheidungen, die in den nachsten Monaten fallen werden, wie immer sie auch ausfallen, die Juden im Lande und in der Welf vor neue und größere Aufgaben als bisher stellen werden. Die Juden auf diese Aufgaben vomiberciten, ist die Arbeit, die Weizmann jetzt unternehmen will. Palästina, das seine Tätigkeit iin Lande in den letzten Monaten mit Interesse verfolgt hat, entließ den •Präsidenten mit der Hoffnung, daß er den Juden draußen die Bedürfnisse Palästinas nahebringen wird. Diese Bedarfnisse sind heute sehr groß. Der gegenwärtige Stillstand ist zu überwinden, die Grundlage für eine neue große Expansion zu schaffen. Alle Chancen, die uns von außen gegeben werden können, werden nichts helfen, wenn wir nicht imstande sind, sie in entsprechendem Maße auszunutzen. Smilanskis Kritik am Hafen fuhrt M. S m ilanski Bcschwerdcf über die uneinheitliche Leitung des Tel Awiwer Hafens, (Wir \ er! fff entlieht en über dieses Thema bereits in Nr. 44 15 einen Bericht unseres palästinensischcn Korrespondenten — Red.) Er sagt ״• a,: Hie Hauptheutigen Tage kein richtiger Hafen, sondern nur ein a u s - gebauter Landungssteg ist. Lin richtiger Hafen hat ausgebaute Lagerhallen, die die Waren gegen den Wind schützen, und Schiffe können dort auch bei Sturm und Regen anlaufcn. Viele Jahre haben wir durch die Zustande im Jaffaer Hafen gelitten, der eben auch nur ein Landungssteg war, und auf den Bau eines richtigen Hafens gehofft. Jetzt gibt es einen richtigen Hafen in Haifa, und wir können wegen des nationalen Nimbus der Te! Awiwer Anlagen nicht auf ihn verzichten. Der Tel Awiwer Hafen wäre an sich für uns wichtiger, denn er liegt näher bei unseren Pflanzungen und er ist unser. Aber er ist eben kein richtiger Hafen und es kommt vor, daß unsere Früchte acht Tage lang in Tel Awiw lagern und zum Schluß doch über Haifa gellen müssen und durch dieses Hin und Her zu Schaden kommen. Auch für die Importeure ist es wichtig, daß ihre Waren zu jeder Zeit abgcladcn werden können* Es ist deshalb nötig, den Landungssteg so schnell wie möglicli in einen richtigen Hafen auszubauen. — Audi die Organisation der Löscliarbeit könnte um vieles verbessert werden. Es geht nicht an, daß das Abladen plötzlieh abgebrochen wird und mit dem Löschen der Waren von einem anderen Schiff begonnen wird. Jeder Zeitverlust und jede Nachlässigkeit in der Behandlung der Ware bedeuten für den Kunden des Hafens Geldverlust, und da die Gewinne in Palästina gering sind, so können schon kleine Schäden aus einer bescheidenen ücwinnmöglichkert ein Verlustgeschäft machen. Am Amphitheater der Jerusalemer Universität Das .healer der Jerusalemer Universität auf dem Skopus ist bekannt durch den herrlichen Ausblick zum Toten Meer und nach Transjordanien, den man von dort genießt. Das obenstehende Bild zeigt den Blick über die Bühne nach der andern Seite, zum Universitätswäldchen; mit dem Oelberg im Hintergrund. F010: r״i״;