Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1938)
- Date
- 1938-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 17. VI. 1938 Einigung der wichtigsten Organisationen erfüllt uns daher mit großer Genugtuung. Vom zionistischen Standpunkt scheint uns charakteristisch, daß die Organisation ״Hadaßa“, die immer als die aktivste, zionistische Gruppe in USA. betrachtet wurde, sich aus der aktuellen Kontroverse heraushält. Die Präsidentin der Hadassa, Frau Rose Jacobs, zugleich Mitglied der Exekutive der Jevish Agency, ist jetzt auf der Reise von Palästina nach Amerika. Vielleicht kann man daran die Hoffnung auf eine vermittelnde Aktion knüpfen, die über den in Pittsburgh abgeschlosserten Pakt hinausgeht. Menschen wie Mrs. Jacobs sind sich der Notwendigkeit neuer Methoden im innerjüdischen Lebei! bewußt, vor allem der Sammlung einer Anzahl führender Persönlichkeiten, die Ucbersicht, Erfahrung und Autorität besitzen. Vom Standpunkt der europäischen und palästinensischen Judenheit mußte man jedenfalls wünschen, daß von Pittsburgh ein Weg zu immer größerer Einigkeit führt. Jedenfalls muß die Gefahr, dal! hei einer fortschreitenden Realisierung des Pcel-IMans gerade i!1 Amerika eine innerjüdische Kontraverse darüber ausbricht, durch überlegenes Eingreifen weitsichtiger jüdischer Persönlichkeiten rechtzeitig beseitigt werden. Die Nachricht, daß Dr. Weizinänn im Herbst nach Amerika fährt, muß in diesem Sinne begrüßt werden. Leider hat die amerikanische Judenheit in den letzten Jahren mehrere ihrer Führer, die die Tradition jüdischer Zusammenarbeit der Nachkriegszeit verkörperten, verloren. Es kommt alles darauf an, in dieser Zeit eine arbeitsfähige und über alle Anschauung*- gegensätze hinweg geschlossene amerikanische Judenheit zu haben, die mit ihren ganzen Kräften den Löwenanteil bei der gigantischen V leclerauibauarbeit des Judentums auf sieh nimmt. * Der Beginn einer Neuordnung der staatlichen Verhältnisse im Vor!leien Orient wird außer durch l’a I ä s t i n ,1 heute am Altersversornung 00:0;; rc: Philipp Ucko, BerUn-WiimrfsUorT, Br«״l״WUr״;«-hf S|r»Or 22 / Hut 92 7443 nt nat, p in diesem Raum innehaben, wate cs ratsam, mit solchen Möglichkciten zu rechnen und ihre Haltung darauf cin/ustellcn. Die Aufrolluiig der Sandschakfrage hängt mit der neuen Machtstellung der Türkei zusammen. Es ist kaum mehr ein Zweifel möglich, daß der Sandschak in dieser oder jener Form dem Einfluß der Türkei unterstellt werden wird. Charakteristisch dafür ist der Vorschlag der Mandatarmacht Frankreich (die ursprünglich eine Gegnerin der türkisehen Pläne war), in dem jetzt zu wäh'endcn Sonderparlament dem türkischen Element auf jeden Fall die Mehrheit zu sichern. Es wird berichtet, dal! noch vor Ausrufung des jetzt herrschenden Kriegszustandes der französische Delegierte ünraud in Antiochia die Vertreter der nichttürkischen Volksgruppen, vor allem also die arabischen und armenischen Parfeiert, empfing, und ihnen mitteilfe, daß nach der Abmachung von den •10 Parlamentssitzen '22 für die türkische Bevölkerung reserviert werden. Angesichts der Tatsache, so fuhr der franzosische Vertreter fort, daß die Wählerliste eine nichttürkische M e h r h c i t ergeben werde, sei es Sache der arabischen und der armcui-chen Eiihrer, die von ihnen geführte (ir!1npr zur Im Herst( n sclh-tbelierrs! Imng zu voranlassen. Ls v,״rde!he Andeutung gemacht, daß im anderen vorstehe. Dm ar:>!>!--Gu11׳ N'ationaüs'cn der svrischen' Republik, \ 1 1 , < , '< 1 . v d ׳ י t׳ . ht< >1 deren Ausweg sicht, da es die Feindschaft der politisch und militärisch innm r w ichtiger werdenden Türkei nicht׳ riskieren will und auch nicht in die Lage kommen will, das Mandatsgebiet gegen einen etwaigen Angriff verteidigen zu müssen. Im übrigen wäre cs den Franzosen gewiß lieber gewesen, den u iehtigiui!!;den Alexundrette unter ihrer Kontrolle zu behalten. Jetzt spricht 1״a!1 von einem geplanten Dreierpakt zwischen Frankreich, Türkei und Syrien, wozu die jetzigen Verhandlungen in Antiochia das Vorspiel sein sollen. Die Syrer aber sind wütend, und das Bonibenattentat auf den syririschen .Ministerpräsidenten am 13. d. M. spricht eine bcmite Sprache. Die französisch-türkische Einigung scheint eine Tatsache, wie weit aber die syrischen Araber die Dritten im Bunde sein werdet!, bleibt abzuwarten. Der Widerstand der Araber wird sich wohl als ohnmächtig erweisen, aber es zeigt sich bei dieser Gelegenheit, wie irrig» es ist, den Nationalismus in extremer Form bis zur Fordertmg der Unabhängigkeit zu treiben, solange die realen Grundlagen für den Aufbau und die Erhaltung eines Staatswesens nicht wirklich gegeben sind. Gewisse Schlagworte und Ideologien vor zwanzig Jahren haben viele kleine V’ölkcr zur Selbsttäuschung verleitet. Die arabischen Gebiete brauchen noch sehr viel innere Entwicklung ihrer Kräfte, friedlichen Aufbau, Erziehungsarbeit, ein gewaltiges Programm, das — wozu zunächst wohl fremde Hilfe unerläßlich ist — eine gesunde Basis fiir eine nationale Entwicklung bieten soll. Fs ist ein alter Gedanke, daß auch das jüdische Element, das sich sein Nation,dheim iri Palästina haut und zusammen mit Arabern in dem werdenden vorderasiatischen Raum wird leben nniwen, das größte Interesse an diesem Aufbau bat. Statt des extremen Nationalismus, der heute einen Kampf aller gegen alle erzeugt, müßte eine neue große Idee des friedlichen Aufbaues übermächtig und maßgebend werden, getragen von allen denen in beiden Völkern, die. Unter den! Eindruck der Lehren und Entwicklungen der letzten Zeit, verstellen, daß Politik nur mit Besonnenheit und auf weite Siebt gemacht werden kann. Berufsumschichtung in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, am 15. Juni Die Organisierung von zahlreichen Umschichtungskursen durch die Ä 11 s w 11 ה d e r 11 n g s a b t e i 1 u!1 g der Gemeinde bzw. durch die Beratungsstelle für ilcrufsausb i 1 d u!1 g 11 11 d U m s c 11 i c 111 u n g gebt in schnellem Tempo vor sich. Die Lehr- und Ausbildungsarbeit wird bald in gro- Bern Umfange einsei/en. Es ist hierbei nicht nur die vorgesehene Anzahl der Uinsdiichtungskurse bemerkenswert, sonder!! nicht minder die Vielfalt der Berufszweige, in die die Auswandcrungsberciten umgeschichtet werden sollen. Diese Berufsumbildiuigsaktion der Wiener Gemeinde nimmt bei aller Dringlichkeit des Problems selbstverständlich einerseits Bedacht auf die in den für Einwanderung in Betracht kommenden Ländern benötigten oder bevorzugten Berufe, andererseits aber auch auf die individuelle Eignung der dieser Umschichtung zuzuführenden Personen. Das Interesse für die Bcrufsumbildungskurse ist schon jetzt ein ungeheures, wobei cs bemerkenswert ist, daß sich der Andrang aus den verschiedensten Bcrufszweigui der Wiener jüdischen Bevölkerung rekrutiert. Der Großteil allerdings kommt aus den kaufmännischen und intellektuellen Berufen. Allenfalls läßt schon der Beginn der großen t Dixchichfungsaktion der jüdischen Gemeinde eine e i!! 11 e i 11 i c 11 e Linie erkennen, darin bestehend, daß die Dmschiehtun!> zunächst sielt auf das Gebiet des Handwerks in seinen verschiedenen Zweigen richtet. Bis nun sind Lehrk!1 r s e für das Leder-, Nahrungsmittel-, Metall-, Holz- und Baugewerbe, ferner für chemische und . Eine eigene Sorge bildet die Berufsumschichtung der schulentlassenen Jugend, die nach einer otfiziellen Mitteilung der Beratungsstelle für Berufsausbildung und Umschichtung in einer Zahl von 6500 Köpfen einer planmäßigen Umschichtung zugeführt werden muß. Ein Drittel soll der Landwirtschaft zugänglich gemacht, während die restlichen im Handwerk ausgebildet werden sollen. Hierfür ist die Errichtung einer eigenen handwerklichen Lehranstalt für männliche Jugendliche und eine gewerbliche für weibliche vorgesehen. In zweijährigen Rursen sollen die männlichen Jugendlichen im Metall-, Bau- und Holzgewerbe, aber auch in chemischen Berufen herangebildet, die Mädchen in Schneiderei, Wäsche-Erzeugung, Mof disterci, Miedermacheu und Haushaltungsgegenständen unterwiesen werden. Schon in der nächsten Zeit werden überdies 200 schulentlassene Jugendliche zu Berufsausbildungszwecken ins Alt reich geschickt werden. HO sollen in der Land- Wirtschaft und 60 im Handwerk umgeschichtet werden. — Auch im Spital der Kultusgemeinden werden derzeit Umschichtungskurse abgehalten, und zwar laufen gegenwärtig bereits Kurse für Massage und chemische Laboratoriumsarbcit. Ein Kursus für d i ä t e t i - sch es Kochen beginnt demnächst. Ebenso sind weitere Kurse in diesen Fächern, sowie ein Kursus für Aerzte über Kosmetik vorgesehen. Ein neues Alexandrette? Von M. Y. ßen-gavrif I, Jerusalem Die Vorgänge im syrischen Sandschak Alexandrette, die in den letzten Tagen eine ganze Reihe blutiger Opfer forderten und zu einem starken Gegensatz zwischen Frankreich und der Türkei führten, haben von neuem die Aufmerksamkeit auf die durchaus unübersichtliche Situation in Syrien gelenkt. Wenn aber auch die Dinge in Alexandrette äugenhlieklidi das Interesse auf diesen kritischen Teil des jungen Staates konzentrieren, ist dennoch die Lage in der ttordöstliche n, gleichfalls an die Türkei grenzenden Provinz Djesireli nicht weniger kompliziert. Auch dort ist eine sehr starke und die Existenz des geeinten Syriens in Frage stellende A tt t o n o m i c b e \v e g u 11 g ausgebroclten, die nicht weniger gefährlich ist, als die in Alexandrette, denn hinter dieser Bewegung steht nicht allein die Tendenz der Mehrzahl der Bewohner dieses Lebcnsraunics, sich von Damaskus. soweit wie nur möglich loszulösen, sondern auch die Tatsache, daß es in der Djesireli ungemein aussichtsreiche P e t r o 1 c u in v orko m rn e n gibt. Die Djesireli ist infolge ihrer geographischen Lage und infolge der geschichtlichen Ereignisse, die mit der Festigung der neuen Türkei Zusammenhängen, ein Flüchtlings- 1 a n d geworden, wie es vielleicht kein zweites in der Welt gibt. Neben etwa 25 000 Beduinen und zweitausend Juden leben hier nicht weniger als 60 000 Christen — in sieben Bekenntnisse gespalten (darunter auch 8000 assyrische Flüchtlinge) — und 60 000 Kurden, . zum großen Teil Flüchtlinge aus der Türkei. Ueberdies gibt es eine große Zahl von Armeniern: die im Laufe der verschiedenen Armcniernietzeleicn hierher flohen. Das rein arabische Element bildet demnach in dieser Provinz des arabischen 1— MAGISTER KIRSCH—. Der gute Likör I Ha gister-Likörfabrik, München VII I Staates Syrien eine sehr kleine Minorität, ein Element, das zu ailein in sehr starkem Gegensatz zu den Kurden sieht. Diese Kurden mm, kriegsgewohnt und bis an die Zähne bewaffnet, träumen noch immer von der Errichtung euies den syrischen, irakischen, persischen und türkischen Kurdistan umfassenden allkurdischen Staates und Italien daher nichts für die Zentralisationspläne des panarabische Damaskus übrig. So mußten auch alle Versuche der syrnclten Regierung, an die sehr starken religiösen Gefühle der fanatisch muslimischen Kurden zu appellieren, fehisehlagen, ebenso fehlschlagcn wie die Versuche, das immerhin ein wenig merkwürdige Bündnis der sonst durchaus chrisienfdndlichcn Kurden mit den Christen der Djesireh zum fall zu bringen. Die 60 000 Christen, die sich als kleine Minorität in dem mohammedanischen Meer fühlen und zum Teil — wie die assyrischen und die armenischen Flüchtlingc — bereits alle Gefahren des!Minoritätendaseins ausgekostet haben, sind natürliche Bundesgenossen der zentralisierungsfeindlichen Kurden und ebenso natürlich eine unbedingte Stütze für den französischen Einfluß. Nicht anders wie die Christen im Libanon. Die syrische Regierung aber, die eine panarabische Politik schon deshalb betreiben muß, um der ihr sehr gefährlichen innerarabischen Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist daher i!1 einer sehr schwierigen Lage, besonders deshalb, weil sie sich nur auf die Beduinen aes Djesireh-Bez.irkes stützen kann. Da aber der Bildungsgrad dieser Nomaden natürlich kein solcher ist, daß die notwendigen Verwaltungsbeamten aus diesem einzigen, dem arabischen Gedanken zumindest potentiell nahestehendem Element genommen werden könnten, müssen landesfremde Beamte aus Damaskus in die Djesireh gebracht werden. Die Folge davon ist, daß man dort, genau wie im autonomen Gebiet der Drusen, gegen den Gouverneur und seine Beamten handgreiflich vorgeht. Frankreich, diese Tatsache ist besonders Interessant, unterstützt, im Gegensatz zur Politik in Alexandrette, diese Autonomicbestrebungen in gewissem Maß. Dies hängt natürlieh in erster Linie mit der Unklarheit der Lage im Mittelmecrratim zusammen. Würde nämlich Frankreich sich an den Dingen in Syrien desinteressiert zeigen, dann würden einerseits die nichtmohammedanischen Minderheiten sich einer anderen europäischen Macht nähern, während anderseits ein Gegenspieler Frankreichs sich in Syrien festsetzen würde, das natürlich zu schwach ist, den Expansionstendenzen einer Großmacht Widerstand zu leisten. So muß Frankreich seine Stellung auch in einem unabhängigen Syrien sichern, und dies geschieht natürlich atn besten, indem cs sich den Minoritäten unentbehrlich macht, die ohne Schutz das Schicksal beinahe aller Minoritäten in der Welt er* leiden würden. Die Forderungen der Einwohner der Djesireh sind: finanzielle und administrative Autonomie unter einem französischen Gouverneur und Belassung des französischen Militärs in der Djesireh. Es ist natürlich klar, daß die syrische Regierung diese Forderungen bekämpfen muß, weil sie sowohl dem Staatswie auch dem panarabischen Programm entgegengesetzt sind. Jedes Nachgehen ihrerseits würde die gefährliche innere Opposition stärken, anderseits aber würde ein Eingehen auf eine finanzielle Autonomie der Djesireh nichts anderes bedeuten, als ein Aufgeben der alten Hoffnung, das syrische Budget auf den Einnahmen aus dem Petroleum der Djesireh zu basieren. Hier, wie überall in der Welt, wo es Erdöl gibt, diktiert dieses die Politik. Ein Syrien aber ohne Alexandrette, ohne die Djesireh — der dann vermutlich bald das an Palästina grenzende Haurangebiet, wo sich bereits Autonomiebestebungen bemerkbar machen, folgen würde —, ein derartiges Syrien wäre ein Rumpfstaat mit sehr beschränkter Existenzmöglichkeit. Budapester Notizen Von unserem Berichterstatter 14. Juni Der VI. Israelitische Gcmcindedistrikt hielt unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Hofrat S. Stern, seine Generalversammlung ab. Bei dem jüngst stattgefundenen Landeswettbewerb für S po r t 11!111 T11 r n e n hat der Absolvent des Budapester ütlisei 1 cn Knabengvmnasiums, Barnabas Hajos, den ersten ,reis, Diplom und Titel des ״b esten Studenten- Sportlers‘‘ (lavongetragen. Damit hat diese Anstalt, die an dieser Konkurrenz bisher achtmal teilgenonnnen, zum fünftcnmal den Wanderpreis des silbernen Pokals errungen, was zum größten Teil als Verdienst ihres Turnprofessors, Zoltan Duckstein, zu werten ist. Auf Grund der offiziellen statistischen Daten des Jahres 162135 veröffentlicht Oberdirektor Dr. Zoltan B e n e s c 11 in einer pädagogischen Zeitschrift folgende auf jüdische Schüler und Lehrer bezügliche Details. Demnach habe die Anzahl der jüdischen Zöglinge während der letzten fünf Jahre in samtliehen Schulgattungen nicht nur relativ, sondern auch absolut stark abgenommen. Von den Volkssehülern waren nur mehr 2,2 <׳« Juden (Landesmittci 5,1״«), von denen 5-1,5 0'«i nichtjüdische!schulen besuchten. In den Mittel- und Hochschulen ist der Rückgang etwas langsamer. Von sämtlichen — nicht an jüdischen Schulen wirkenden — Lehrkräften des Landes waren 3,1 0״ jüdisch, und zwar gab es im erwähnten Jahre an den staatlichen Volksschulen 51, an den kommunalen (besonders in Budapest) HO, an den Staatliehen Bürgerschulen 20, an den kommunalen ■10, an den Staatliehen Mittel- und Handelsschulen 42, bei der Hauptstadt 57 jüdische Lehrkräfte. In den letzten fünf Jahren (1929—1934) haben 2 Volksschullehrer, 4 Bürgerschul- und 1 Mittelschulprofessor neue Anstellung erhalten. An den Hochschulen gebe es an der Budapester Universität einen Ordinarius, unter samtliehen 1030 Hochschullehrern befinden sich 60 jüdische Duzenten, Adjunkten und Lektoren. Eine historische Analogie MacDonald und Balfour. Die Nichte Lord Balfours, Mrs. Dugdale, zieht in einem Artikel eine Parallele zwisehen dem gegenwärtigen Kolonialminister MacDonald und Balfour. Die Ernennung des noch jungen MacDonald zum Kolonialminister bezeichne einen Aufstieg, wie er in der englischen Geschichte der letzten fünfzig Jahre nur einmal vorgekommen ist, nämlich als Lord Salisbury den jungen Balfour im Alter von erst 39 Jahren in das Ministerium für Irland berief, das damals für die englische Verwaltung die dornigste Aufgabe bot. Fünfzig Jahre später hat Malcolm MacDonald im Alter von 37 Jahren eine führende Rolle gespielt bei der Bewältigung der uralten Konflikte zwischen Irland und England. Nun ist derselbe MacDonald dazu berufen, das Problem Palästinas einer Lösung zuzuführen, mit dem, so schreibt Mrs. Dugdale, der Name Balfour unlöslich verbunden ist. Im weiteren Verlaufe des Artikels erinnert Mrs. Dugdale daran, daß der junge MacDonald sich seine Sporen in seiner politischen Laufbahn in einer Palästina-Sache verdiente, nämlich als er Sekretär des Kabinett-Komitees wegen Palästina im Jahre 1931 war.. Die Frage, ob der in so jungem Alter zu hohem Amt g&- langte Minister ein großer politischer Führer Englands sein wird, lasse sich noch nicht entscheiden. Er besitze nicht ganz den persönlichen Magnetismus, der seinen Vater besonders in jungen Jahren ausgezeichnet habe. Aber er sei zweifellos eine Persönlichkeit, und seine Ernennung zum Kolonialminister sei ein Beweis, daß der Primeminister die mit diesem Amt verbundenen Fragen sehr ernst nehme. Die erste dieser Fragen aber sei Palästina. Verantwortlicher Redakteurs Dr. Roheit Weits ch, Berlm-CharL # (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenitein, Berlin W 15. Anzcigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Ansteigen: F.rich Liepmann, Berlin W15. Gültig Aiueigcn-FrcUliste 5 vom 1. April 1933. Verlag und Anzeigen Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinekestr 10 D.A. 1/1938 : 28043. — Druck: Siegfried Schalem, Beti::. S j