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Jüdische Rundschau · 1938-06-14 · Heft 47 (14.6.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 47 (14.6.1938)
Date
1938-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄS TI N A- B LATT Nr. 47, 14. JUNI 1933 Im unbekannten Galiläa Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel A w i w, im Juni Das Interesse der jüdischen Oefl'entlichkcit in und außerhalb Palästinas ist heute mehr als je auf Galiläa gerichtet. Hier rückt die jüdische Kolonisation in bisher unberührte Gebiete vor. Neue Bodenflächen werden erworben, neue Punkte entstehen, die jüdische Jugend besetzt sic, mit der Waffe in der Hand und Kolonisationspliincn im Kopfe, ln Galiläa arbeiten die Juden gemeinsam mit den Engländern an der Grenzwache gegenüber dem Libanon, dein Einfallstor der Waffenschmuggler und Terroristen. Hier im Norden lieget C h a n i t a, der vorgeschobene Grenzposten, der durch die Art seiner Besetzung und seiner Verteidigung eine besondere Anziehungskraft erlangt hat. Hier oben wird heute vom Keren Kajemeth über neue Bodenkäufe verhandelt, die die jüdische Siedlungsbasis in den Bergen verbreitern, einen neuen Komplex der Modernisierung erschließen sollen, ln Galiläa wira jetzt mit fieberhafter Eile jener große Grenzzaun (״Tegartwall“) errichtet, der das Land nach Norden zu für jeden unbefugten Eindringling abricgeln soll. Gerade in diesen Tagen wird nahe dem neuen strategischen Weg, der vom Meere in der Nähe von Ras el Nakura bis an die Straße der Chulc-Ebene läuft, ein riesiges Arbeitslager aufgebaut, das als Zentrum der Kolonnen dienen soll, die diesen Zaun aufstellen. Arbeiter und Wächter werden zusammen gegen 1000 Mann stellen und im ganzen wird die Arbeit gegen £ 90000 kosten. Eine ebenso ungewöhnliche wie kostspielige Maßnahme, dieser Grenzzattn, und seine Errichtung ist keineswegs leicht und ungefährlich. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen drängen sich die Siedler und Arbeiter im Lande zu diesem Werke, so wie sie sich zur Wache in Chanita drängten. Galiläa steht im Zentrum des Interesscs und lockt heute mit dem gleichen Zauber, mit dem es die frühen Siedler in den Tagen von Kfar Giiadi und Tel Chaj lockte. Und doch ist dieses Galiläa vielfach ein unbekanntes Gebiet, immer noch weit von den Verkehrszentren, immer noch ohne starke Siedlungsexpansion, und seine Orte liegen wie verschlafen und vergessen in der Landschaft. Vor drei und vier Jahren wollte es scheinen, als sollte Obergaliläa in den allgemeinen Strom hineingezogen werden, der mit der Ein- Wanderung ganz Palästina befruchtete. In die alten Kwuzoth, die sich hier etwas abseits vom Wege um ihre Wirtschaft und um neue Kulturen mühten, kamen Gruppen der Juendalija und brachten neues Leben und eine neue ote mit. In Metulla, der kleinen, sonderbaren Grenz- Stadt mit ihrer einen kurzen Straße und dem unwahrscheinlieh schönen Blick auf Libanon und Hcrmon wuchsen neue Hotels in die Höhe, Zeugen des Bestrebens, das kleine Grenznest zu einer Sommerfrische zu machen, zu der es sich auch mit seiner hohen Lage und seiner scharfen kühlen Luft eignet. Die größten Hoffnungen aber auf einen neuen Lebensström in diesem Gebiet gaben die Pläne für die Ausführung der großen Chule-Konzession, die damals dicht vor der Ausführung zu stehen schien und allen Ortschaften der Gegend und Arbeitern aus dem ganzen Land ein Bild von raschem Vordringen, vom Atifscnließen malariaversumpfter Strecken, von neuen Wegen und Kolonien vorzauberte. Dann kamen die Unruhen und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Und während politische Notwendigkeiten die Juden zu neuen Anstrengungen, neuen Bodenkäufen, neuen Besetzungen in den galiläischen Bergen anfeuerten, wurde es still um das Projekt der Konzession und blieb daher auch still in der großen grünen Ebene, die sich um den Mcromsee zieht. Von der Straße, die über die Zollstation nach Metulla hinaufführt, zweigt ein Weg rechts nach dem Meromsce ab. Es ist ein sonderbarer Blick vorwärts auf dieser schnüreraden Straße; es scheint, als führe sie geradewegs in den ce hinein und als könnte man nicht sorgfältig genug bremsen, um nicht stracks ins Wasser hineinzufahren. Sie führt durch die Kolonie Jessod Ham aal a, die heute mit ihren alten Steinhäusern und ihrer Verschlafcnheit genau so dasteht wie vor Jahren. Große Hoffnungen knüpften die ersten Siedler, die noch vor dem Kriege hierher kamen, an diese Stelle, aber die Malariamücken, die an den heißen Aber!- den um die Häuser summten, machten viele dieser Hoffnungen zunichte. In dieser Gegend, wo das Wasser in Sümpfen steht, wo jahrhundertelange Vernachlässigung aus dem segensreichen Naß eine Gefahr für Mensch und Tier gemacht hat, gibt es keine stufenweise Entwicklung. Nur wenn eine umfassende Entsumpfung durchgeführt wird, können Mensehen hier in Sicherheit und mit Aussicht auf Erfolg arbeiten, so wie es heute ist, trägt diese landschaftlich so anziehende Gegend den Stempel einer ungewöhnlichen Armut. Nirgends sonst im Lande findet man diese zugleich so malerischen und armseligen Dörfer, die Häuser, die wie Bienenkörbe ausschen und aus Matten zusammengesetzt sind, die die Beduinenfraticn aus dem Papyrus der Sümpfe weben, nirgends sonst diese von Malaria geschwächten Kinder und die schwarzen Herden der Wasserbüffel. In kleinerem Maße haben wir früher auch derartige Strecken im Lande gehabt, in den Kabarasümpfen bei Binjamina sah man ebenfalls die schwarzen Büffelköpfe aus dem niedrigen Wasser ragen, aber hier ist die Sanierung bereits beendet und sie forderte nicht solche umfassenden Arbeiten, wie sie im Chule nötig sein werden. Bei der Chule-Verwaltung fn Jessod Hamaala steht seit einigen Jahren ein modernes komfortables Haus dicht am Wasser, das umliegende Grundstück mit einem hohen Tor abgeschlossen. Es wurde gebaut, als die jüdischen Institutionen die Chule-Konzession erwarben und jst in dem weiten Gebiet des Chule von Ajcleth-Haseliachar bis Metulla kurz als ״die Konzession“ bekannt. Hier, in diesem Haus, sitzen die Männer, die von den verantwortlichen Gesellschaften beauftragt sind, ein Auge auf die Gegend zu halten, hier hausen die Experten, die von Zeit zu Zeit ihre Erhebungen an Ort und Stelle machen müssen, hier verhandelt man mit den nachbarlichen Arabern. Die wenigen Männer, die hier sitzen, sind alte Wächter aus Galiläa und sie leben mit den arabischen Fischern, die noch von den früheren syrischen Konzessionspächtern da sind. In der ״Konzession“ gibt es einen eigenen Stil, eigene Probleme, eigene Pläne. Von hier übersieht man das große, wie leer erscheinende Sumpfgebict und den See, durch den der Jordan fließt. Die zwei arabischen Fischer, die hier seit Jahrzehnten zu Hause sind und in ihren Zellen und Binsenhutten unten am Wasser hausen, machen das Ruderboot flott, das uns über den See bringen soll. Es ist schwer vorstellbar, daß wir hier in einer einsamen Gegend Palästinas sind, eines Palästina, das der Terror durchzuckt und in dem die Straßen der Haupt- Stadt bewacht werden. Hier ist in den langen Jahren ejer Unruhen kaum ein böser Zwischenfall vorgekommen, hier bestellt nach wie vor Verkehr mit den arabischen Nachbarn, die sehr arm sind und tief in ihrer primitiven Lebensweise stecken. Nicht zufällig wendet sich die Unterhaltung auf dem Boot der Frage zu, warum wir in dieser von den Zentren entfernten Gegend so friedlich herumfahren können. Mancherlei Gründe werden angegeben, aber wie so manches bleibt auch die Rübe dieses Landstrichs, der int Osten und Norden an die Grenzen stößt, fast ein Rätsel. Das Boot überquert den See, und wir fahren in den Jordan ein, der vom Libanon in die Ebene hinunterkommt, den Merom-See als ersten, den Kinercth als zweiten durchfließt, um schließlich in das Salz des Toten Mecres zu münden. Es ist eine sonderbare Welt, in die wir bineinfahren, und man muß sie sich genau betrachten und einprägen, denn wenn das große Werk der Entsumpfung beginnt, so wird sie verschwinden oder sich zur Unkenntlichkeit ändern. Die von Papyrus bewachsenen Sümpfe schließen sich wie ein Urwald zusammen, die großen grünen Wipfel rauschen im Winde und eine unbekannte und manirgfache Tierwelt belebt sie. Große gelbe Wasserrosen schwimmen auf den Wellen, Reiher flicgen auf, immer weiter schlängelt sich der Fluß in das Dickicht hinein. Hier fällt im Sommer das Wasser um ein bcträchtlichcs, so daß man zu Fuß in die Sumpfe cindringen kann, jetzt steht cs noch hoch und voll. Die Araber der umliegenden kleinen Dörfer sammeln hier die Papyrus, binden sie zu Flößen zusammen, die sie ans Ufer staken. Dort werden die Pflanzen getrocknet und jene Matten daraus gewebt, die überall in den paiästinensisehen Städter! verkauft werden, den Beduinen aus den Siimpfen zugleich als Material fiir ihre Häuser dienen. F.s ist eine einzigartige geheimnisvolle Welt und ihre Tage sind gezählt. Die Männer in der ״Konzession“ sind ungeduldig. Die ganze Gegend hat Jahre hindurch daraut gewartet, daß -|P. ...״׳!ו.! »-״■»״■wi ■י" Die Häuser der ,,Konzession“ in Jessod Hainaala die langwierigen Verhandlungen über die rcbrrnaltme der Konzession abgeschlossen werden. Als es endlich so weit war, haben sie - und mit ihnen alle jüdischen orte in der Gegend —- fieberhaft a 11 f d e 11 A n 1' a n g 11 c r A r b c i - ten gewartet. Die Zukunft dieses Gebietes h.mgt von der Durchführung der Ai beiten ab, seine Sanierung, seilt ökonomischer Aufschwung. Aber nach, den ersten Unter- Stichlingen setzte eine 1 laute ein lind sie dauert bis heute. Die Konzessionäre, der Keren Kajemeth, die I L. 1 >. (’.. sind wohl bereit, die Arbeiten vorwärts zu treiben, ,aber die l.C. A. (Jcwisli Colonisation Association), die sieh nach langem Zögern bereit erklärt hat, mit ihren grollen luian/reserven in das große Unternehmen Itniein/ugchcn, wartet ab. Die Regierung, die sieh mit £ 21)0 000 an der Sume-uiigsarbcit beteiligen sollte, erklärt jetzt, kein Gehl zu haben, wartet wohl auch die Klärung der Teihmgsfragc ab. Dadurch ist eine neue Situation entstanden. Während die Juden auf der anderen Seite in deti Bergen ihre Punkte vortreiben, weil sie sielt damit kolonisatorisch und politisch einen Fortschritt erhoffen, haben politische Momente im Chule die Entwicklung hintangchalten. Die Arbeit hat hier noch nicht begönnen. Und so wartet die ganze Umgegend, die jüdischen Siedlungen von Rosch-Pina bis Metulla. Vielfach hat man versucht, eine Schwenkung der zögernden Politik zu erreichen. Bisher ohne Erfolg. Vielleicht wird mit dem Abschluß der Arbeiten der ״technischen Kommission“ auch hier eine klarere Situation geschaffen werden. Der Beginn der Arbeiten in der Chule-Konzession wäre gerade heute für die Beschaffung neuer Arbeitsplätze von großer Bedeutung. Kammermusik in Rechowoth. Die beiden letzten Abonnementskonzerte der ״Rchovot Musical Society" waren künstlerische Ereignisse für die Mosdiawa, Das Ungarische Quartett mit den Damen Ilona Yincze-Kraus (Klavier), Alice Fcnyves (Viola), und den Herren Loraud Fenyves (Violine), Dr. L. Vitic/e (Cello), — die drei letztgenannten sind Mitglieder des Huberman-Orchesters — zeigte im Klavierquartett von Mozart G-itioll, ganz besonders aber im Trio in der einzigen Komposition, von Tschaikowskv für Klavier, Violine, Cello höchste Präzision un Spiel. Den Mittelteil des Programms bildete ein selten gehörtes Streichtrio von J. Haydn (op. 5 5, G-Dur), das sich in zwei Sätzen durch übersprudelnde Heiterkeit aus/ciehnet. Den dritten Kammernnisikabend bestritten die folgenden Mitglieder des Palästina- Orchesters: R. Polishuk (Violine), L. I lammeisehlag (Viola), A. Onopossoff (Cello), W. Dreier (Kontrabaß), sowie die Pianistin Frau Alice Sehiniicklc!-1 leß, mit zwei Werken der Kammermusik aus der romantischen Periode, nämlich Mcnilclssohn-Bartholdys Klaviertrio in D-moit sowie Schuberts ״Forcllenqiiintctt". In einem Yiolinsolo der Chaconne von Vitali stellte der Pinngeiger B. P o I i s 11 11 k seine geigcrischc Routine bei (len schwierigen Ya riationen sowie echtes Stilgefühl int Vortrag erneut unter Beweis. l)r. Weizmann und Gattin wohnten dem Konzert bei, S. Eis 11er Das Dickicht der Papyrus• Slräuchcr im Jordan Blick auf die Chule-Ebene Fotm: R. Wein«a1t«» Einer der berühmten Pjerdcmärktc in der Chulc-Ebene ־«*i«Up י '*7Hw®*" י*»-' ־1[ ׳" t •*k 1T. . ,, i ’ 'י■ '*#^*wv* w . W׳; ■.

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