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Jüdische Rundschau · 1938-06-10 · Heft 46 (10.6.1938) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 46 (10.6.1938)
Date
1938-06-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 10. VI. 1938 JODISC'IF RUNDSCHAU Seite 11 Kunstausstellung in Tel Awiw Von der Woche Sämtliche arabische Zeitungen greifen aufs heftigste Emir Abdullahs Paläst ina-Transjordan-Vorschlag (vgl. ״J. R.“ Nr. 44 45) an. Die Zeitungen erklären, die Araber würden mir einem Plan zustimmen, der vollständige Sperre jüdischer Einwanderung und eine ständige jüdische Minderheit in Palästina vorsieht. Die Truppen, die kürzlich eine Anzahl Dörfer im Norden besetzten, wurden von den Dorfbewohnern willkommen geheißen, die sich von der Furcht vor den Terroristen erlöst fühlen. Es ist bereits bemerkbar, daß die militärische Be- Setzung die terroristischen Umtriebe in diesen Bezirken lahmgelcgt hat. Die arabischen Zeitungen melden, daß Anfang Juli in Bagdad eine pro-palästinensische Konferenz abgchalten werden wird. Die Abgeordneten der verschiedenen arabischen Länder werden dieselben sein, die im vergangenen Jahr an der Bloudan-Konfcrenz tcilnahmen. 300 Arbeiter begehen sich dieser Tage in das Gebiet nördlich des Jarkonflusscs, uni dort den Boden für den Bau von neuen Vororten für Tel Awiw vorzuberciten. Einer Kalkulation des ״Palestinc and Economic Magazine“ zufolge übertrifft jetzt der Tonnengehalt der Güter, die im Hafen von Haifa ein- und ausgeladen werden, die Güterquantität des Tricster Hafens. Die amerikanisch-jüdische Siedlung Ejn Haschopheth (Juara) hat ihre erste Ernte beendet. Der Ertrag von dein ersten Dtmam Land ist dem Keren Kajemcth übergeben worden. Mr. van Vricsland wurde offiziell zum Generakiircktor des Hafens von Tel Awiw ernannt. Sir Harold Mac Michael besuchte Haifa und hielt sich in dem Atelier von Hermann Struck auf. Er erwarb mehrere Porträts. Am 6. Juni fand die neunte Promovierung an dem Hebräischen Technischen Institut in Haifa sta't. Zweiundzwanzig Studenten erhielten Ingenieur- und Architcktendiplomc. Die palästinensisch-arabische Zei'ung ,,Felestin“ berichtet, daß die Irak-Regierung 200 jüdische Aerzic aus Deutschland aufgefordert hat, sich im Irak niede,־/ulassen. (Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor.) Von der Hypothekenbank Die palästinensische Hypothekenbank teilt mit, daß sie zur Erleichterung der Umschuldung von Privathypotheken in langfristige Annuitätcndarlclien und zur Verbilligung des Realkredites tiir in Fertigstellung befindliche Neubauten einmalig einen Sonderbetrag von TP 100 000 zu dein erhöhten Auszahlungskurs von 970״ (gegeniile׳ sonst 95״«) zur Verfügung stellt. Die •entsprechenden Smukrbedingnngen sind bei der Bank zu erfahren. Gleichzeitig offeriert d:e Hypothekenbank den Besitzen der zum 1. Oktober 1938 ausgelostcn 6״״igcn Pfandhric e den Umtausch ihrer Stücke in 5«׳#igc Pfandbriefe zum Vor/ugskurs von 9S'׳V׳,> (heut'gcr Briefkurs 99',«״,«). Das Umtauschangebot läuft bis zum 30. Juni 1938. _ Für Gründung kooperativer Läden ln den Städten. Aus Tel Awiw wird uns geschrieben: Im ..Dawar" beklagt sich ein Einsender über die Vernachlässigung der kooperativen Organisierung des Vcrbrauchertums in den Städten: Nur mangelnde Kenntnis und Gleichgültigkeit tragen die Schuld daran, daß die kooperative Vcrbraudierorganisation in den Städten nicht entwickelt ist. Wir beachten die Tatsache nicht, daß der größte Teil des jüdischen Jiscluiw in den Städten wohnt. Wir haben eine Organisation des Verbrauchertnins bitter nötig. Den Vertrieb der industriellen und landwirtschaftlichen Landesprodukte könnte in erster Linie eine starke Organisation (Ser Abnehmer durchsetzen. Nur sie könnte den Kampf gegen die Uchcr,schwemmung mit Importgiitern mit Aussicht auf Erfolg durchführen. Auch unsere passive Handelsbilanz, könnte durch solch eine Organisation vorteilhaft reguliert werden. Man schätzt allein den Vcrbrauch der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina auf vier Millionen Pfund pro Jahr. Die Art, wie eine solche Summe ausgegeben wird, kann das Verhältnis zwischen Export und Import entscheidend beeinflussen. Es wäre an der Zeit, die Einkaufskooperativen zu erweitern und 711 erneuern, statt an den unzureichenden bestehenden Kooperativen Kritik zu üben. Die bereits für vergangenen Herbst geplant gewesene allgemeine Ausstellung der palästinensischen Maler und Bildliauer konnte nunmehr nach mancherlei Schwierigkeiten im Museum Tel Awiw eröffnet werden. An ihr nehmen 35 Maler, 15 Graphiker und 7 Bildhauer teil, und obwohl wiederum eine Anzahl bekannter Namen fehlen —- Jerusalem ist mit Ausnahme von Steinhardt wieder nicht vertreten und es scheiden auch die 8 Künstler aus, die unlängst gesondert ausgestellt hatten —, gibt die Ausstellung doch einen gewissen U eberblick über den jetzigen Stand unseres Kunstschaffens. Von vornherein sei gesagt, daß die Ausstellung als Ganzes genommen gegenüber den früheren einen günstigeren Eindruck macht. Man kann Fortschritte konstatieren, fühlt eine gewisse Bewegung und notiert sich gerne einige Namen. Wenn man auch noch nicht sagen kann, daß es eine palästinensische Ausstellung ist, obgleich sich einige Künstler nach dieser Richtung hin bemühen, so ist sie doch durchaus jüdisch. Sie gibt einen Stimmungsinhalt wieder, der von einem gewissen einheitlichen GrimdgcfühJ bestimmt wird. Die Ausstellung zeigt viele Begabungen, aber nur wenige reife Leistungen. Das mag zum großen Teil daran liegen, daß es sich zumeist um junge Künstler handelt, die noch in der Entwicklung stehen, 711m Teil auch an den schwicrigen Arheits- und Existenzbedingungen. Zum erstenmal fällt diesmal die Plastik ins Gewicht. Rislicr bestritten Ben Zwi und Ziffer, ide diesmal fehlen, den plastischen Teil der Ausstellungen. Beide sind unsere besten Plastiker und man vermißt sie ungern. Auffällig ist, daß von den 8 Ausstellern 4 Frauen sind: Jane Schachcrl und Gertrud Chaym sind ausgeprägte Persönlichkeiten. Jane Schacherl streng und etwas herb, überzeugend in Rhytlimus und Form, wuchtig und an ägyptischen Vorbildern gut vorgebildet, besonders wirkungsvoll in der Gruppe zweier sitzender Figuren. Gertrud Chaym bei sorgfältigerer Durchführung ebenfalls durchaus plastisch, dabei aber inniger. Die Gruppe ״Mutter und Kind“ ist die beste Leistung der Ausstellung, aber auch das Kinderköpfchen in der feinen Beobachtung des kindlich Tapsigen und Gedrungenen der Formen sei rühmend hervorgehoben. Miriam Kifers Köpfe sind unbedeutend und in dem Großformat ziemlich leer. Nizza Skia r s k i ist abzulehncn, denn sie verkennt das Wesen der Plastik, da sie nicht auf Form, sondern auf malerische Effekte liinarbeitet. Der ״Mann mit der Pfeife“ ist eine geschmackliche Entgleisung, die man nicht gerne verzeiht. Aron, Privers Akt ist rhythmisch schön, angenehm in der Geschlossenheit und intercssant in der Materialbehandlung. M. Sternschuß ist ein guter Porträtist, dessen Aharonowitschbiiste nur durch den leblosen Gips heintiächtigt ist. Priver und Sternsrhuß, beides noch junge Künstler, gehören zu unseren Hoffnungen. Unter den Malern seien drei vorweggenommen, weil sie sich am ernstesten mit dem Problem Palästina auseinanderzusetzen versuchen. Miron Sima packt es von zwei Seiten an. In den ״Blinden Jemenitinnen“ wird zum erstenmal die soziale Frage unseres Landes berührt. Der Künstler sieht die Menschen hier nicht nur malerisch und genremäßig, sondern hier fühlt man etwas von wirklichem Erleben und schicksalhaftem Mitempfinden, hier dokumentiert ein palästinensischer Künstler etwas, sowohl seelisch wie auch künstlerisch, woran sich andere bisher nicht gewagt haben. Das beweist er auch in seiner Landschaft, in der das Zittern und Flimmern des Lichtes überzeugend gegeben ist. Auch Aharon Kahn hat den Mut, mit der europäischen Vergangenheit zu brechen und ringt sich mit Entschiedcnheit zu neuer Erkenntnis durch. Die Fortschritte, die er hierin in wenigen Jahren gemacht hat, lassen das Beste erhoffen. Er geht seinen eigenen Weg, und wenn er auch vielleicht stark von van Gogli beeindruckt ist, so ist das zwar ein Vorbild, das verführerisch ist und dem schon viele unterlegen sind. Aber ich glaube doch, daß er diese Klippe durch sein leidenschaftliches Temperament umschiffen wird. Ftiese Landschaften glühen und leuchten. Beweis ihrer Eigenkraft ist, daß sie sich nicht mit den anderen Bildern der Ausstellung vertragen und eigentlich einen Raum für sich beanspruchen. Und der dritte Künstler ist Jakob Steinhardt. Sein Thema ist das alte Jerusalem. Seiner Veranlagung liegt das von einer historischen Patina Ciedämpfte, das er malerisch fein zu behandeln versteht. Trotzdem ist er mehr Graphiker und seine Holzschnitte sind seine stärksten Leistungen. Wenn er das Figürliche in seinen Landschaftsbildern wegläßt, das immer wieder Galuthgestalten heraufbesclnvört, ist er viel eindrucksvoller und wirklichkeitsnäher. In dem vielfigurigen Siinchath-Tora-Blatt erinnert er noch stark an frühere Arbeiten; auch in dem Straßenbild in Hochformat tritt diese Reminiszenz durch die — übrigens ganz, überflüssige — im Vordergrund angebrachte Figur wieder auf. Dagegen ist das dritte Blatt wirklich von unübertrefflicher Schönheit. Damit ist eigentlich das Thema Palästina in der Aus- Stellung schon erschöpft. Denn wenn auch L e vv a n o n eine stiinmungsmäßig feine Malerei liefert, so ist hier noch nichts von einem Erfassen des Typischen und I.andcigcnen zu spüren. Dasselbe gilt für S c 11 a b a t. Beides svmpathische Künstler mit gediegenem Können und malerischer Kultur, denen man ein tieferes Eindringen in das Problem Palästina wünschen möchte. Auch Sch in i 11, der durch die beiden Frauenbilder besser vertreten ist als durch das Landschaftsbild, ist ein guter, allerdings noch von französischen Vorbildern stark abhängiger Maler. Seine Bilder wirken etwas zu schwer im Farbenauftrag, der auch technisch sorgfaltiger sein sollte. Frenkels Jerusalem-Vision ist eigentlich kein Palästinabifd, sondern eine malerisch gedachte Komposition. Es steckt etwas Dynamisches darin, reicht aber noch nicht an das Erlebnishafte heran und bleibt daher kühl. Frenkel ist eine starke malerische Begabung, ein ernster Künstler. Das beweist das schöne Blumenstiiek, prächtige Malerei, bei aller schwerblütigen Farbenkompaktheit leuchtend. Daneben sind Kulvianskys Rasen zu nennen, die allerdings gar zu unruhig wild wirken. Kulviansky hat gute Anlagen, die er aber durch zu ungcbäiidigtc Wildheit verpufft. Steimatzki, 81 reich iiu nn und lein gehören zu dem begabten Nachwuchs, der sich jedoch noch von der schülerhaften Gefolgschaft ihrer Vorbilder befreien muß. Am besten ist Feins Selbstbildnis. Audi (iiladis Blumen sind in der einheitlich blauen Tonigkeit gut empfunden, Hendl er ist ein guter Zeichner, was in den ausgestellten Gemälden, in denen zu viel Unruhe schwingt, nicht so 7um Ausdruck kommt. .,Der Musiker" ist gut angelegt, aber nicht genügend durchgefiihrt; ״Mutter und Kind“ als Malerei am sympathischsten. Zu den geschickten Zeichnern gehört auch Kossonogi, der mehr zum Aquarell als zur Oelmalerei tendiert. Unter den Graphikern nimmt N a v o 11 eine Sonder- Stellung ein. Er ist ein vorzüglicher Karikaturist, fur den nur leider hier kein rechtes Wirkungsfekl besteht. Ein solcher Künstler braucht eine breite Dublikati״״sh,1־sis. Es gibt wenig genug jüdische Karikaturisten und Navon ist ein echter. Jette I inie seiner Zeichnungen sprudelt und ist auf das äußerste Maß zugespitzt, Joseph Sch \v a r z m a n 1t beweist in der Zeichnung und in der Radierung ein gediegenes Können. Erfreulich sind die beiden Arbeiten von Esther L ti r i e, die malerisches Empfinden ahnen lassen. Von B e ג t r i c e Zweig mir ein feines Aquarell, das an japanische Farhciistinunungen erinnert. Was liier so sympathisch wirkt, ist das echt Feminine mul lyrisch Zarte. Dagegen sind A n 11 i Ncumanns Blatter bei aller malerischer Zartheit affektiert in ihrer malerischen Atelierposc. Halevis große, bildhaft wirkende Federzeichnungen haben etwas archaisch Naives, dabei erfreulich Offenes; sie grenzen an Volkskunst, sind unproblematisch und von bienenhaftein Fleiß. Manches nicht Erwähnte wäre besser nicht ausgestellt worden. Man hätte gut ein Drittel der Bilder fortla-ssen sollen, die Ausstellung hätte dadurch nur gewonnen. Dr. Karl Schwarz Jerusalemer Vorträge. Hermann Sw et sprach in der Jerusalemer Hitachduth Olcj Germania über Wesen und Aufgaben der Teilungs-Kommission. Am!0. Juni 19)8 snriclit Schalom Ben-Chorin bei einer Veranstaltung der Hitacliduth Olej Germania über ״D i e religiöse Lage der Gegenwart־‘. Ort der Veranstaltung: Centre de Culture Francaise, Rcclrow Rcrt-Jehuda 3. Barmi/wa-Termine. Am 11. J״ni (12. Siuon): .Amr.nr. I, e v v, 80hn von Arthur Lew. Brnj.eibn.i. — Am IR. Juni ( 10. Swan): Idieser S r h e 11 c r, Sohn von Pr. Mmfied Sriiruei. Schure Z1״n. -׳- Am 25. Juni (26. Siran): (.31.ihn (91!״ Simon, Sohn von Sn'gH'rt Simon, 4 e! Awir, Jrlmda Halevi 86 (früher Tilcr). (Schluß des Palästina Leits) Feier im Jugenddori Ben Schemen . ■Y.V ■ Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Jugenddorjes Ben Schemen fand eine mehrtägige Feier statt, über die in der ״Jüdischen Rundschau" Nr. 37 berichtet wurde. Das Jugenddorf wurde bekanntlich in der Nähe einer bereits vor dem Weltkriege bestandenen Siedlung auf Boden des KKL errichtet. Heute erhalten hier Hunderte von Kindern aus dem In- und Ausland, darunter auch viele Kinder aus Deutschland, ihre Ausbildung. Eine besondere Sargfall wird in Ben Schemen auf die künstlerische Ausgestaltung der Schulfeiern ver• wendet. Außer mehreren dramatischen Darbietungen, zu denen die Kinder auch die Kostüme und Dekorationen selbst!!erstellen, waren eine besondere Attraktion der Feier die Volkstänze verschiedener Nationen, die in entsprechenden Kostümen ran Schülern der Anstalt auf dem freien Platz im Vorhofe der Schule auf geführt wurden. Unsere Bilder zeigen einen derartigen Tanz sowie das um das Podium versammelte jugendliche Publikum, das den Darbietungen mit Interesse folgt. Ben Schemen beherbergte an diesem Tage etwa lausend Gäste. Foto•: RRL-Archiir

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