Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1938)
- Date
- 1938-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 43 31-V. 1938 Differenzierungen Es ist eine der schönsten menschlichen Eigenschaften, daß wir in unserem geizigen Habitus stark differenzi-dTt sind. Darunter sind nicht nur die verschiedenen Auffassungen zu verstellen, die im l eben miteinander ringen, sondern in erster Linie die verschiedene Art, wie die Menschen ihrem Charakter und Temperament entsprechend auf die gleichen Dinge reagieren und wie dadurch eine Vielfalt geistiger und seelischer Spiegelungen und Brechungen entsteht, die eigentlich erst das ausmachcn, was das Leben unter ,Menschen intere-sant werden laßt, weil sie in ihrer Zusammensetzung verschiedene Persönlichkeiten charakterisiereti. Wir Juden haben ohne Zweifel aut dem Gebiet der .Differenzierung der Charaktere ein hohes Maß erreicht. Ja man kann sagen, dal! die Juden de- Westens sich in den letzten 150 Jahren weitgehend 11 b e r differenziert haben, natnlieh in. einem tJebcnnal'i ge1m',-.־-et1 an ihrer Zahl; die berühmte Erzählung Seitdem Ak-ichcms von der ״ersten jüdischeu Republik“, die allerdings von ostjüdischen Menschen handcH, gibt dein einen ehen-o lustigen wie nachdenklich llllllll!!lltlltllllill!lllllll!l₪ill!llll!l!ll!!ll!llt!llllll!li!l!!lllllllll!li^ Unsere Schawuoth-Beilage am kommenden Freifag e n t h fi 11 u. n. Bei t r 8 g e von Ilse Cohnen (Cambridge),Dr. Ludwig Feuchtwauger (München), Jehoasch, Rabl). Dr, Max Nu&baum, Rabb. Julius Samuel (Oslo), Arthur Silbergleit, Max Spanier (Köln), Arnold Wiener (BeuthenO,-5.), Dr. Oskar Wolfsberg (Jerusalem) Ferner: Palästina-Bilderseite / Literaturblatt llillll!ll!l!illSllllll!ill1iiiTi1ii::i!'i!Tiil!t!i!!!i!!i!;lit!:ltlli!iyiJill!iin1ilTillTli!iil!llll!il!llllllllllll!!ll!i!lli!llliIlilllülllllt stimmenden AuGt'.n1s Dt klar, v, 011er cs kommt, daß nicht nur die Ansichten, sondern — wenn man so sagen darf — die T‘e111pera!m״׳.te der Ju h u a! stark atiseinamlergelieti: der Grund heg! in ihrer '.'■•;■hum! .׳:!heg mit dem!,eben Europas, mit seinen l'r-d: rbenwei, Ob 11 akt. reu, seinen Menschen, die in den letzten (iene:a!i1:״r:1 vorhanden war; so war cs ein Zeichen der inneren .seki -ehen Auflösung des Judentürm, wenn es eine Vieh.dt der Differenzierungen in sich aufnahm, die weit über das seiner Zahl entsprechende ״normale“ Maß hi!!aus geht. Nur wenige Juden haben dies in früherer Zeit gespürt, gehörte doch ein he-onders kritischer und feinfühliger Geist dazu, um zu bemerken, daß auf diesem Gebiete etwas nicht in Ordnung war. Heute wird es uns stärker bewutlt, daß Vielfalt allein noch nicht das Leben bewältigen kann, sondern daß ein gesundes Maß von Einheit im Denken und (־üblen für eine Gemeinschaft von Menschen notwendig ist, die im Leben auf sich allein gestellt ist. Jetzt spürt man, daß auch hierbei ein gewisses Verhältnis zur Quantität, die die Gemeinschaft umfaßt, bestellen muß, und daß der Enge des Lebenskreiscs eine Vielfalt der Schattierungen nicht angemessen ist, die unter ganz anderen Verhfillnisscn entstand und die Frucht der Angleichung an die Umwelt war. Wenn heute Juden miteinander sprechen, und sie hören nfcM nur auf den Klang der Worte und auf die Meinungen, sondern auf den U!! t c r t o 11 d es Herze n s, der aus den Worten spricht, so komr.1t ihnen dies manchmal zum Bewußtsein. Gewiß ih gt uns!iLiits ferner, als den jüdischen .Mensehen sozusagen ״nonnicren" 7:1 v. ollen und zu sagen: Dies ist er und jenes ist er niciit; es wäre aueh ein vergebliches Beinfihcn. Aber es mul' du •h allmählich ein Zustand herbeigeführt werden, in dem die Differenzierungen unseres Charakters sich nicht nach dm Maß-taljen einer abgetanfenen Epoche des jüdischen Lebens \<d!/n.d1en, sondern in dem die Vielfalt unserer Charaktere doch immer aus den Grundkräften unserer jüdischen Seide um! au-, dein Sei!atz historischer Erfahrungen ableitbar bleibt, die die Bausteine unserer seelischen Substanz, sind. Nur dann, wenn dies der! all ist, wird die Zerrissenheit des jüdischen Seelenlebens!!!umwunden werden, die in einer Zeit nicht zu ertragen ist, in der unter dem Eindruck tief eingreifender äußerer Er!el>:1i--e der Einzelne nur bestehen kann, wenn er sich von den sm-bselnen Widerstandskräften seiner Getncinschaft getragen fühlt. Und das ist heute nur unzureichend der Fall. Dieser' .Mangel cr.-rluvcrt alle äußere Hilfsarbeit materieller Art, die muh so gut organi-iert sein kann und doch keine durchgn ifende I!die bringt, wenn jene tiefergehenden Voraus-et/ungen niciit erfüllt sind. Wie sehr spüren wir all dies besonders bei den Juden der westlichen Länder, bei denen auch der Wille zu einer irgendwie einheitlichen Haltung noch kaum ausgebildet ist! Es ist gewiß schwer, einet! solchen Willen in sich zu stärken, wenn märt nicht durch die Sorgen des Tages daran erinnert wird, wenn die alltäglichen Dinge sich in einer nichtjüdischen Umgebung abspiclcn, ohne daß man Iin Leben besondere Schwierigkeiten hat. Es scheint, daß die Menschen immer wieder alle Erfahrungen im eigenen Leben machen müssen, und daß es wenig nützt, wenn ihre Vorfahren oder Zeitgenossen anderswo etwas erlebt haben, was ihnen eine Lehre sein könnte. Ohne Zweifel ist diese Situation für jene Menschen aus Deutschland, die in die Länder des Westens und »ach Ucbcrsee auswanden!, eine große Erschwerung. Sie Mögen mit guten Vorsätzen und Ratschlägen versehen, auch dort als Juden zu leben, übers Meer fahren; im harten Tageslampf werden die Vorsätze nur allzu leicht wankend gemacht, wenn sie nichts vorfinden, was ihnen im seelischen Sinne Halt sein könnte, ja wenn sie in eine jüdische Gemein- Schaft hineingestellt werden, für die das Judesein an der Peripherie ihres Daseins liegt, während von einheitlichem Willen oder einheitlichen Charakfer/ügen bei ihr nur wenig zu spüren ist. Dann kommt es zu jenen bedauerlichen Ersch ein un gen der Verleugnung des Judentums, über die in Bcrichten von Auswanderern hier und da erzählt wird, und die gewiß weder vom moralischen noch auch letzten Endes vorn opportunistischen Standpunkt aus gebilligt werden können. Aber was will man gegen diese Einzelnen sagen, die'in der Härte des Lebenskampfes schwach werden, wenn die Gesamtheit ihnen nicht beisteht, und wenn sie draußen Jüdisches Leben in Holland Von unserem Berichterstatter Den Haag, 28. Mai An der Tauffeierlichkeit der Prinzessin Beatrix, der Tochter der Kronprinzessin Juiiana, nahmen als Vcrfreier des holländischen Judentums teil die Oberrabbiner der Nicdertändisch-lsrac'itischen und der Portugiesisch-Israelitischen Gemeinde der Residenz, 1. Maarsen und S. Rodrigucs Pereira, sowie der Vorsitzende der Permanenten Kommission der Israelitischcn Religionsgemeinschaft, A. Ascher.— Der Vorsitzende des Gesundheitsrats, Dr. N. M. Josephus j i 11 a, beging seinen achtzigsten Geburtstag. Er hat sich besonders verdient gemacht um die Bekämpfung der am Beginn dieses Jahrhunderts unter der jüdischen Bevölkerung Amsterdams wütenden Trachom- Krankheit, und war bis 1918 Stadtrat für das Gesundheitswesen in Amsterdam. — Prof. Otto War bürg sprach vor Professoren und Studenten der Universität Utrecht über die chemische Struktur der Aminosäuren. — Der Leiter der Nationalfondsarbeit in Holland, Dr. A. van Ra alte, hat sich aus Gesundheitsgründen genötigt gesehen, diese Tätigkeit aufzugeben. Die vorläufige Fortführung der Arbeit liegt in Händen von M. H. Max Bolle. — Die Kontaktkommission der Amsterdamer jüdischen Gemeinde veranstaltete einen Oemeinschaftsabend. Rabbiner f. Vredenburg von der Nicderl.-Isr. Hauptsvuagoge und Dozent J. D’Ancona vom Portugiesisch-Israelitischen Rabbiner-Seminar schilderten die Entwicklung der beiden Amsterdamer Gemeinden, während der Abgeordnete Dr. 1. H. J. Vos die Bedeutung der Vereinigung auch der Juden aus Deutschland in der Gemeinde darlegte. — Die im Südviertel von /Amsterdam gelegene Synagoge Jacob Obrechtplein konnte ihr zehnjähriges Bestehen in festlicher Weise feiern. — Die Vereinigung ״Israel", deren Tätigkeit der Unterstützung notleidender Juden im Auslände gewidmet ist, hielt iri Zwolle ihre Jahresversammlung ab. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Aktion für das jüdische Kind in Polen geschenkt. — Die Föderation der ostjüdischen Verbände in Holland hielt im Haag eine Konferenz ab. Im Anschluß daran fanden in Amsterdam, Rotterdam und Den Haag Versammlungen statt. — Der Maler Victor Tischler zeigt neue Arbeiten bei van Eier in Amsterdam. י Im ״Staatscourant" werden die näheren Bestimmungen über die Genehmigungspflicht für die Ausübung des Bekleidungsgew erbos durch Fremde bekannlgemacht. Danach fallen darunter alle Betriebe, die Konfektions- und Maßkleidung (einschließlich Strick- und Trikotkleidungsstücke), ferner Kopf-, Hals-, Hand-, Bein- und Fußbekleidung (mit Ausnähme von Schuhen) sowie Kleidungszubehör (Hosenträger, Sockenhalter usw.) anfertigen, verändern oder reparieren. Die Genehmigung ist erforderlich für den Fremden, der in Holland seihständig dieses Gewerbe ausübt, wem! der Betrieb in Holland seinen Sitz hat oder haben soll (bei Gesellschaften ist für^ jeden Gesellschafter, der Ausländer ist, eine besondere Genehmigung erforderlich) oder wenn hier eine Filiale oder sonstige Niederlassung eines Betriebes, der im Auslande seinen Sitz hat, besteht oder errichtet werden soll. Ferner sind genehmigungspflichtig diejenigen Fremden, deren Betrieb im Auslande seinen Sitz hat und die hier Arbeiten für Dritte verrichten oder verrichten lassen. Gemeint sind hiermit unter anderem alle Arbeiten zur Ausführung von Aufträgen in Holland und jede Tätigkeit, die darauf gerichtet ist, solche Aufträge hier zu bekommen. Hierunter fällt jedoch nicht das Einkäufen durch Fremde, die Erteilung von Aufträgen usw. Schließlich bedürfen auch ausländische juristische Personen, die in Holland eine Filiale errichten, dazu der Genehmigung. Ausländer, die Vorstandsmitglied einer in Holland bestehenden juristischen Person sind oder die Funktionen eines solchen erfüllen, bedürfen, soweit es sich um das Bekleidungsgewerbe handelt, in Zukunft nicht mehr wie bisher einer Arbeitsgetiehmigung, sondern ebenfalls der Genehmigung für selbständige fremde Gewerbetreibende. Die Gesuche sind an das Wirtschaftsministerium im Haag zu richten. Die jüdische Auswanderung aus Oesterreich Von unserem Berichterstatter JR. Wien, 26. Mai In den letzten Tagen weilte liier Direktor D. Schweitzer, der Leiter der europäischen ,,J o i n t“-Zenträte in Paris, um sich über den Stand der Auswanderungstätigkeit der Wiener Kultusgemeinde zu informieren. In einer Unterredung erklärte Direktor Schweitzer, daß die jüdischen Hilfsorganisationen, insbesondere der ״Joint“, selbstverständlich alles tun werden, was im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bei der Aus- Wanderung der Juden aus Oesterreich an Hilfe geboten werden kann. Seine Anwesenheit in Wien habe vor allem den Zweck, sich ein Bild von dem Stand der Vorarbeiten, die gegenwärtig von der Auswanderungsabteilung der Wiener Gemeinde geführt werden, zu verschaffen. Es wäre verfrüht, heute bereits über die künftige Form und den Umfang der Hilfsarbeit der ausländischen Organisationen Genaueres zu sagen. Der ״Joint" wird in dem Augenblick, wo ihm von der Wiener Gemeinde das genaue Programm über die Art und die Organisation der Emigration sowie der U m s c h i c h - tungsarbeit vorliegen wird, auch bei der Aufbringung der nötigen Mittel nach Kräften beistehen. Gegenwärtig wisse der ״Joint" noch nicht, welche Höhe das Gemeindebudget für die Auswanderungsarbeit haben werde. Bis dies bekannt sein wird, werde auch der ״Joint“ in der Lage sein, mit der praktischen Hilfstätigkeit zu beginnen. Gleichzeitig weilte auch Dr. James Bernstein, Direktor der ״Hicem“, in Wien, um hier ebenfalls die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit dieser Atiswandcrungsorganisation mit der Auswanderungsstelle der jüdischen Gemeinde zu studieren. Die Auswanderungsabteilung der Kultusgemeinde hat eine spezielle Beratungsstelle für jüdische Aerzte eingerichtet. Ebenso funktioniert eine besondere Beratungsstelle für Mädeben, die sich um Hausgchilfiimcnposten in England bemühen. Die Fürsorgezentrale der jüdischen Gemeinde hat in diysen Tagen eine außerordentlich starke Frequenz zu verzeichnen. Der Zustrom Hilfsbedürftiger hält unvermindert an. Die Kultusgemeinde sieht sich genötigt, mit Rücksicht auf die hohe Zahl von Gesuchen um Unterstiitzungen zu erklären, daß es ihr unmöglich ist, all diesen Antorderungen nach/ukommen. Trotz finanzieller und technischer Schvvierigkeiten ist die dringend notwendige Errichtung weiterer Speisestellen vorgesehen. In den bereits bestehenden zehn Speisestellen der Gemeinde werden taglieh 9500 Mittagsmahlzeiten verabreicht. In den nächsten Tagen werden der Makkabi-Kreis und die ihm angeschlossenen Vereine in Oesterreich ihre Tätigkeit wieder aufnehtnen. Nebst dem sportlichen Betrieb ist auch eine kulturelle und erzieherische Arbeit durch Abhaltung von Sprachkursen für Hebräisch, Englisch und Spanisch vorgesehen. Der Makkabikre's beabsichtigt ferner die Errichtung von Umschulungskursen für die verschiedensten Berufszweige und eine eigene Beratungsstelle für seine Mitglieder. Die Israelitische Kultusgemeinde in Baden bei Wien hat eine Beratungsstelle für Auswanderungsfragen errichtet. nur so wenig vor finden, was für sie ein wirklich lehendiges, attraktives und gegenüber den Verlockungen der Umwelt sich bewährendes Judentum darstellen könnte! Es ist schwer, in dieser Frage einen Ausweg zu weisen, der die Dinge wirklich meistert Wie bei sehr vielen Fragen der jüdischen Erneuerung gibt es wohl nur zwei Wege, auf denen allmählich etwas erreicht werden kann: Das eine ist die Wirkung eines großen sichtbaren Beispieles neuen jüdischen Lebens, wie es in Palästina geschaffen wird; wir glauben und hoffen, daß es in der Zukunft tiefgehende Wirkungen nicht zuletzt auch seelischer Art bei den Juden der ganzen Welt hervorrufen wird. Das andere ist der Beginn bei uns selbst, die Kontrolle der eigenen Persönlichkeit daraufhin, was man als Jude bedeutet, ob man als Jude denkt und handelt. Wir brauchen auf diesem Gebiete ebenso viel innere Freiheit von Konventionen, die uns oft als zwingend anmuten, während sie in Wirklichkeit von uns erst in den letzten Generationen angenommen wurden, wie wir äußere Zucht im Handeln benötigen, um den schweren Existenzkampf der jüdischen Gemeinschaft zu bewältigen, der in dieser Generation zu bestehen ist. Das gilt es zu erreichen, bei uns hier Lebenden nicht weniger als bei jenen, die in die Welt hinausziehen. ek. Vom Consistoire Israölite de Paris. Unser Pariser K.- Berichterstatter schreibt uns: Das ״Consistoire“, die Gemeindeorganisation der Pariser Juden, hat ihre diesjährige Generalversammlung abgehalten. Nach dem Nachruf auf die verstorbenen Mitglieder Albert Cahen und Henri Bodenheimer teilte der Generalsekretär Manuel mit, daß das Consistoire eine Verjüngung unter seinen Beamten durchfefiihrt und drei Rabbiner, die die Alter״renze überschritten atten, durch junge Kräfte ersetzt hat. Die Finanzlage des Consistoire hat sich gegenüber dem Vorjahre wesentlich gebessert, da die Gemeinde eine große Anzahl von Spenden erhalten hat. Während in den Jahren 1935: 532 000 Frcs. und 1936: 3S0 000 Frcs. Defizit zu verzeichnen waren, schließt das Finanzjahr 1937 mit einem Ueberschuß von 2073 Frcs. ab. Die Budgeteinnahmen sind auf 4,04 Millionen Frcs. gestiegen. Der Präsident des ״Consistoire“, Robert de Rothschild, sprach über das Problem der religiösen Jugenderziehung, das der Gemeinde besonders am Herzen liegt. Im Verlauf der Debatte wurde auf die Tendenzen einer engen Zusammenarbeit zwischen dem ״Consistoire“, das in der Hauptsache die eingesessenen französischen Juden repräsentiert, und der ״Fedöration des Societes Juives“, der Vertretung des in Paris lebenden östlichen Judentums, hingewiesen. — Zum Andenken an den 20. Jahrestag der Gründung des Hechaluz fand in Paris eine öffentliche Versammlung statt, in der von führenden französischen Zionisten auf die Bedeutung der Arbeit des Hechaluz hingewiesen wurde. — Eine große propalästinensische Konferenz ist von der Jewish Agency und dem Keren Hajessod nach Marseille einberufen worden. Kleine Nachrichten Die erste Ausführungsverordnung zum reuen Personen- Standsgesetz enthält Eiuzelanwcisungen, wie die neuen Familien-, Geburten- und Sterbebücher aufzustelien sind. Die frühere Zugehörigkeit zu einer jüdischen Religion*- g e rn e i n s c 11 a f t wird in ihnen vermerkt. Bei den Angaben über die Eltern der Ehegatten und den Angaben über die Ehegatten wird die rassische Einordnung vermerkt. Als Zeuge soll bei der Eheschließung ein Jude nicht mitwirken, wenn die Verlobten deutschen oder artverwandten Blutes oder Mischlinge zweiten Grades sind. Die Kurverwaltung von Bad Reinerz hat die Bestim« tnung getroffen, daß Juden das Betreten des Kurparkes nicht gestattet' ist. Sämtliche im Prospekt von Reinerz verzeichneten Häuser bezeichnen Juden als un trwiänschi Bei der Lederfabrik Adler & Oppenheimer, Ber« lin wird zum 1. Juni an Stelle des Mitbegründers der Gesellschaft Herrn Julius Oppenheimer Herr Oberregierungsrat Stein beck Vorsitzender des Vorstandes.— Die Schuh- und Gamaschcnfabrik ״Arena“ GmbH., Berlin, geht zum 1. Juli in arische Hände über. In eine jüdische Bank im Zentrum des jüdischen Viertels in Warschau würde eine Bombe geworfen. Es wurde nur leichter Schaden angerichlet. Eine Konferenz des polnischen Hausbesitzer-Ver« bandes beschloß die Einführung des Arierparagraphen. Dr. Maurice J. Karpt wurde zum Mitglied des Exekirtivrates der Internationalen Konferenz für soziale Hilfe als Nachfolger von Dr. Bernhard Kahn ernannt. Der in Berlin geborene, seit mehreren Jahrzehnten in italienischen Staatsdiensten befindliche Historiker Prof. Dr. Ermanno Loevinson, der eine Reihe von Arbeiten über Juden in. Italien veröffentlicht hat, vollendet am 3. Juni in Rom sein 75. Lebensjahr. Im 75. Lebensjahre starb in Budapest Leopold Lebowitsch. Lebowitsch war einer der ältesten ״Hcrzlianer“, der den ungarischen Misrachi begründete und dessen Organ jahrelang auf eigene Kosten hcrausgab. Unter dem Patronat des holländischen Gesandten In London wird am 2. Juni eine Ausstellung von Arbeiten der Keramikerin Lea Ha Ipern durch den bekannten Kunstkenner Clifford Bax in der Zwcmmer Galerie eröffnet. Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert Welt sch, Berlin-CharL 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin VV 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh Kr den Inhalt der Anzeigen: Erich L i e p m a n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1933. Verlag und Anseigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.Ä. 1/1938: 28043. —! Druck: Siegfried Scholem, Berlin־Schöneberg.