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Jüdische Rundschau · 1938-05-31 · Heft 43 (31.5.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 43 (31.5.1938)
Date
1938-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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<׳׳ ,_!/ 4-1 Preis 25 RpS. JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion, Verlag and Anzeigen Verwaltung! Berlin W IS, Melockcitr, 10 Fernruf! 91903t, Telegramm-Adreaae! Orglilp* — In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Betugigebuhren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Viertel• jahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeihmgs. gebühr von 10,% Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs Abteilung für Groß-Berlin: Berlin 71573, für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN א׳ ס יו ן חרצ״ח DIENSTAG, 31. MAI 1938 Erscheint Jeden DIenctag und Freitag. Gültig ist di* AazelgeaprelaUate Nr. 5 vom 1. April 193«. Di« zwöllgeipalltna mm-Zeile 29 Rpf, für Familien• Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewahr für Aufnahme von Anreigen in bestimmten Ausgaben orie; an bestimmten Plätzen. Pinzelanzeigcn nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montaj׳ b!« Freilag 9—18 Uhr. Annahmesehluß für die Dienstag-Ausgabe: Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe: Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anzeigen ain Tag vor Erscheinen 16 Uhr De? Zionismus erstrebt Iflr dag jüdische Volfc die Schaffung einer »!!entlieh rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Wieder Beruhigung Zur Lage in Palästina Die Stacheldraht-Grenze Die Haltung der französischen Behörden in Syrien Ein ausführlicher Bericht des Jerusalemer Korrespondenten der ״Times־‘ vom '28. Mai beschäftigt sich mit der Stacheldrahtgrenze, über deren Verlauf und Anlage wir bereits in Nr. 38 Mitteilungen machten. Aus dem Bericht der ״Times“ geht hervor, daß dieser Stacheldrahtverhau Palästina geradezu hermetisch abschlielkm wird; ein genaues Schema der Verteilung der Polizeiposten ist ausgearbeitet worden, die durch technische Hilfsmittel auch nachts miteinander in Verbindung stellen. Ein besonderes Problem stellen die 70 Furten des Jordan dar, über die die Terroristen von Syrien her leicht ins Land kamen. 33 dieser Furten können wirksam von nahen Erhebungen aus bewacht werde״. Der Rest wird durch Zäune unpassierbar gemacht werden, welche noch durch Drähte unter Wasser ergänzt werden sollen, die denselben Zweck haben wie die hölzernen Pfahle, wie sie einst die Briten und Römer angewandt haben. ״Die Errichtung dieser furchtbaren Schranke“, so schließt der Bericht, ״ist z.weifellos eine Not- Wendigkeit unter den augenblicklichen Umständen, wie einst die Mauer Hadrians in der Vergangenheit. Aber wenn die anderen Experimente in Palästina von Dauer sein sollen, muß die Notwendigkeit solcher Vorbereitungen durch eine so g e r e c 111 e Lösung des Problems des Landes beseitigt werden, daß seine Grenzen durch den gegenseitigen guten Willen und das Vertrauen seiner selbst und seiner Nachbarn geschützt werden. Es würde eine Tragödie sein, wenn der zukünftige Staat nur hinter einem Stacheldrahtverhau existieren könnte.“ Die Notwendigkeit zur Anlage eines solchen Grenzschutzes ist nach diesem Bericht auch der Haltung der französischcn Behörden in Syrien zuzuschreiben. Der Berichterstatter der ״Times“ stellt fest, daß der Versuch einer Zusammenarbeit erfolglos geblieben ist. Die Franzosen haben viele Teile der Verwaltung an den syrischen und libanesischen Staat allgegeben, deren Sympathie mit den palästinensischen arabischen Nationalisten und deren Furcht, den Franzosen zu widersprechen, sie hinderte, überhaupt etwas zu tun. Auch stellen sich die Franzosen auf den Standpunkt, daß zur Zeit der syrischen Unruhen 1023 26 die Engländer sich ebenfalls für unfähig erklärt haben, die Flucht der syrischen Nationaiisten nach Palästina und Transjordanien zu verhindern. Ein wirtschaftlicher Druck auf Syrien würde nicht die internationalen Beziehungen verbessert und ebensowenig das Problem der ungeschützten Grenzen gelöst haben. Daher entschloß sich Sir Charles Tcggart, die Errichtung des Stacheldrahtzaunes zu empfehlen. Zu dieser Frage der englisch-französischen Zusammenarbeit in Palästina und Syrien nimmt die ״Times־‘ auch redak- Polnische Regierungspartei zur Judenfrage Vor kurzem fand eine Tagung des Hauptrates der polnischen Regierungspartei, des ״Lagers der Nationalen Konsolidierung“, statt. Der Hauptrat hat u. a. eine Resolution beschlossen, die in 13 Punkten zur Judenfrage in Polen Stellung nimmt. Darin wird festgestellt, daß es nicht die Aufgäbe der polnischen Nationaiitäten-Politik sei, die Juden zu assimilieren. Die Juden werden als ein Element bezeichnet, welches die normale Entwicklung des polnischen Staates, der polnischen Nation und deren soziale Entwicklung hemme. Die Judenfrage fordere eine planmäßige Lösung seitens staatlieber und gesellschaftlicher Faktoren; sie soll nicht als eit! Instrument im parteipolitischen Kampfe dienen. Die Lösung der Juden frage in Polen könne in erster Linie durch eine bedeutende Verkleinerung der Zahl der Juden in der polnischen Republik erreicht werden. Infolgedessen sollen die bei den Juden vorhandenen Aus Wanderung st endenzen weitgehend unterstützt werden. Neben Palästina, dessen Bedeutung als Hauptziel der jüdischen Emigration anerkannt wird, sollen Auswanderungsmöglichkciten in andere Länder gesichert werden. Hierfür sei internationale Zusammenarbeit erforderlich. Auf wirtschaftlichem Gebiete müsse eine Reduzierung des Anteils der Juden am Wirtschaftsleben Polens erreicht werden. Es sollen Gesetze erlassen werden, damit eine entsprechende Selektion in einzelnen Berufen durchgeführt werden kann. Die wichtigsten Gebiete des polnischen Kulturlebens sollen vom jüdischen Einfluß befreit werden. Ungarisches Jwdengesetz im Oberhaus angenommen Bei der Judendebatte im Plenum des ungarischen Oberhauscs ergriff der Oberrabbiner von Szeged, Dr. Immanuel Löw, das Wort, um im Namen der Juden, deren offizieller Vertreter im Oberhaus er ist, zur Judenvorlage zu sprechen. Vor und nach Dr. Löw sprachen mehrere Redner pro und contra, unter ihnen auch der jüdische Delegierte Budapests, Ludwig Lang. Nach eintägiger Debatte wurde die Vorlage aucli vom Oberhaus ohne namentliche Abstimmung akzeptiert, tionell Stellung, indem sie wieder, wie bereits vor einigen Wochen, auf die revolutionäre Tätigkeit des Mufti hinweist und sagt, man könne sich kaum der Annahme verschließen, daß gewisse syrische Politiker und Beamte den Aufständischen mehr als bloße platonische Sympathie bewiesen haben. Das französische Militär in Syrien und Libanon ist stark vermindert worden, die Regierungen dieser Länder sind sich seihst überlassen geblieben; dies mag auch die Spannung zwischen Arabern und Türken im Sandschak erklären. ״Was immer aber die Gründe für das Versagen der französischen Behörden in Serien seien“, so heißt es weiter, ״ihre Machtlosigkeit oder Gleichgültigkeit kommt Palästina teuer zu stellen.“ Gerüchte aus Syrien Die Spannung in Syrien scheint sich in den letzten Wochen wieder erheblich verschärft zu haben. Dies hängt wohl zum Teil auch damit zusammen, daß der Streit um den Sandschak von Alexandrette im Hinblick auf die bevorstelienden Wahlen in diesem Gebiete in ein akutes Stadium getreten ist. Arabische Zeitungen in Syrien melden, daß Pläne über eine Aufteilung Syriens diskutiert werden. Nach diesen Meldungen soll Syrien unter Frankreich, die Türkei und den palästinensischen Araberstaat, dem ein Teil Syriens angegliedert werden soll, aufgeteilt werden. Diese Teilung wird in Zusammenhang mit den Tciiungsplanen für Palästina gebracht, und zwar in dem Sinne, daß der arabische Teil Palästinas und Transjordaniens durch syrisches Gebiet eine Erweiterung erfahren soll. Wie weit diesen Meldungen etwas Reales zugrunde liegt, läßt sicii im Augenblick nicht übersehen. Die Tatsache der Nachrichten allein beweist aber die Labilität der Lage an der Ostküste des Atittclmeeres. Trotzdem wird mau gut tun, diese Vermutungen mit großer Reserve aufzunehmen, da ein so tiefgehender Eingriff, wie die Zerschlagung der Levante-Staaten, die eben erst von Frankreich ein gewisses Maß von Unajiliängigkeit zugestanden erhielten, einen Einschnitt bedeuten würde, der das ganze System der europäischen Politik im Vorderen Orient berühren müßte. Aus diesem Grunde ist es kaum anzunebmen, daß ein derartiger Vorschlag von seiten der in diesen Landgebieten politisch interessierten Mächte gefördert wird. so daß jetzt ihre Sanktion durch das ungarische Staats- Oberhaupt erfolgen kann. Anläßlich der Verabschiedung des Judengesetzes hat Dr, Julius Miklös unter dem Titel ״Der neue Weg der 1111garischen Judenheit“ die Stellungnahme des ungarischen /ionistenverbamies zu dem Gesetz in einer Broschüre niedergelegt, in der eine Reibe praktischer Maßnahmen, insbesondere auf sozial-wirtschaftlichem Gebiete und iin Hinblick aut die Probleme der Auswanderung und Berufsimisciiichtung der Jugend erörtert werden. Das Emigranten-Problem Bei der Tagung des Verbindungskomitees der Privat- Organisationen beim High Commissioner für Emigrantenhilfe in L o n d o 11 w urde die Frage der Möglichkeit der Kooperation mit der Konferenz in E v i a n erörtert. Sir Neill Malcolm und der Vertreter des American Jewish Committee traten für eine derartige Kooperation ein. Ein Unterkomitec wurde ernannt, das die Frage der evtl. Vertretung des Verbindungskomitecs in Evian erörtern soll. Premierminister Chamberlain erklärte auf eine Anfrage im Unterhaus, daB Vertreter der D a 111 i n i e n an der Konferenz in Evian teilnehmen werden. Dagegen leimte er den Vorschlag ab, daß eine besondere Sitzung der Doininienvertreter cinberufeii würde, die die Frage der Politik des englischen Imperiums bei Unterbringung der Emigranten beraten solle. Auf eine Anfrage von Col. Wedgwood teilte Chamberlain mit, daß das Koordinations-Komitee für die Angelegenheiten der Emigranten eine private Körperschaft und keinem Regierungs-Departcment unterstellt ist. Von der Teilungs-Kommission Die Jewish Agency iiat der Palästina-Teilungskominission ein Memorandum überreicht. Außer Dr. Weizmann sagten Ben Gurion, Sehertok und Dr. Joseph vor der Kommission aus. Ferner wurde der Haifaer Distriktskommissar B a i 1 e y und der Leiter der Regierungsabteilung für Gesundheitswesen Heron vernommen. Die Lage in Palästina hat sich im Laufe der Woche wieder beruhigt. Nach den Zwischenfällen vom vergangenen Dienstag in Jerusalem und Haifa ist wieder eine gewisse Entspannung eingetreten, die gewiß außerordentlich zu begrüßen ist. Allerdings hat es auch in den folgenden Tagen im Lande eine Reihe von Zusammenstößen und Terrorakten gegeben, hei denen jedoch Juden mit Ausnahme der normalen Abwehr nicht beteiligt waren und auch keine Menschenverluste auf jüdischer Seite zu beklagen gewesen sind. Es scheint, daß dabei die i 1111 e r e 11 A u s e i n a!1 <1 e r s e t z u n g e n im arabischen Lager wieder an Schärfe zngcnonimen haben. Die Zahl der hierbei Getöteten ist recht erlieblich, was auf den Widerstand schließen läßt, der den Terroristen hei ihrem Versuch der Erlangung von Geld, Lebe nsmittcln und Mitkämpfern in den Dörfern Palästinas entgegengestellt wird. In einem Falle hatte dieser Widerstand auch Erfolg, und es gelang den Dorfbewohnern, eine Reihe von Terroristen gefangen zu nehmen. Indessen geht die Arbeit der Technischen Kommission weiter. Sie hat Dr. Weizmann und eine Reihe von Vertretern der Jewish Agency gehört und auch bereits mehrere hohe Beamte der Palästina-Regierung vernommen. Betrachtet man den bisherigen Verlauf der Sache, so scheint es, als oh sich der ganze Prozeß noch einmal wiederholen soll, der bereits von der Peel- Kommission durchgeführt wurde, wenn auch — wenigstens bis jetzt —- die Sitzungen der neuen Kommission sämtlich hinter geschlossenen Türen erfolgten. Die Jewish Agency hat der Kommission inzwischen ein Memorandum überreichen lassen, in dem die jüdische Stellungnahme zu den der Kompetenz der Kommission unterworfenen Fragen niedergelegt ist. Dabei wird man nicht übersehen dürfen, daß die Stellung der jüdischen Vertreter vor der Kommission durch die jungsten Ereignisse in Jerusalem nicht gerade erleichtert wurde. Dr. W e i z m a!1 n und seine Kollegen mußten gerade einen Tag nach den bedauerlichen Jerusalemer Zwischenfällen vor der Kommission auftreten — eine Situation, die gewiß von keinem jüdischen Standpunkt aus als Erleichterung der Lage empfunden werden kann. Um so schwerer ist das Gewicht der Verantwortung, die auf allen Teilen des Jischuw liegt; denn es gilt, die so oft und in heiklen Situationen bewiesene Disziplin und Zurückhaltung in einer Zeit zu wahren, in der wiederum Verhandlungen und Entscheidungen von größter Tragweite für das Schicksal Palästinas und der jüdischen Aufbauarbeit vor sich gelier!. Wie labil die Lage im Vorderen Orient immer noch ist, zeigen die Ereignisse in der Nachbarschaft Palästinas, in Syrien, wo im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen im Sandschak von Alexandrette wiederum erhebliche Spannungen aufgetreten sind. Ohne Zweifel nutzen die aus Palästina emigrierten arabischen Politiker unter Führung des ehemaligen Mufti von Jerusalem diese Situation aus, um das Feuer in Palästina weiter zu schüren und den Terroristen nicht nur moralisch, sondern auch materiell den Rücken zu stärken. Vom Standpunkt der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in Palästina besteht daher ein starkes Interesse daran, daß das politische System ini Vorderen Orient auch in der Nachbarschaft Palästinas in der nächsten Zeit keinen allzu schweren Belastungsproben ausgesetzt wird. Jede Unruhe in diesem großen Landgebiet erregt an einem so empfindlichen Punkt, wie es Palästina heute ist, Reflexbewegungen und erschwert so die erste Aufgabe, die der Mandatsregierung gestellt ist, nämlich die rasche Wiederherstellung der Ordnung im Lande. ' j<g!, 4־ Ue&eMick Bei einem Gefecht in der Nähe von Ramat Hakowesch fiel ein britischer Polizist, sechs Araber wurden getütet. Bei einem lieber fall auf arabische Hilfspolizisten bei Hebron wurden zwei Polizisten getötet. ln einem arabischen Dorf töteten Terroristen vier ara* bische Notabel n. Ein Stlfähriger jemenitischer Gelehrter erlag in Tiherias seinen vor einigen Tagen erhaltenen Verletzungen. Ein zum Tode verurteilter Araber wurde in Akko hin« gerichtet.

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