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Jüdische Rundschau · 1938-05-27 · Heft 42 (27.5.1938) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 42 (27.5.1938)
Date
1938-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seife 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42, 27. V. 1938 erste Ausbildung als künftige Arbeiter an jenem Boden ihrer Väter vermittelt. Sie sind keine Dorfschüler, sondern Schüler eines ״Neul,•indes“. Zugleich mit allen Elementar• kenntnissen und mit den Elementen sprachlicher (Englisch und Arabisch) und historischer Bildung werden sic mit denen der Garten-, Land- und Vichwirtsehaft vertraut gemacht. Wo immer es angängig ist, steht ihnen Gartenland und die Möglichireit, eine eigene Kldnviehwirt-diaft zu betreiben, zur Vertilgung. Dali sie dadurch so früh wie nur möglich mit dem Bewußtsein eigener Verantwortlichkeit gegenüber der kleinen und groben Gemeinschaft ausgestattet werden, versteht sich von selbst. Es ist erstaunlich und erfreulich, beobachten zu können, wie rasch und richtig sich etwa Kinder aus Deutschlarid in dieses ihnen bisher fremde Erzielumgssystem einfügen, wie rasch und richtig in ihnen der Sinn für das Inei nanderf ließen von neuer Bindung und neuer Freiheit lebendig und aktiv wird. Von Kindern, die kaum dem ABC-S-chnt/ciitnm entwachsen waren, bis zu solchen, deren Alter schon an die Grenze der Jiigend-Alijah gelangt war, haben wir in allen Teilen des Landes Repräsentanten gcsprachen und beobachtet und ein freudiges, meist sogar begeistertes Aiifgeben in dem neuen Erzieluingssystcm, das ein neues Leben der Selbsterziehung in sich begreift, feststellen können. Gewisse Bedenken stellten sich nur manchmal im Hinblick auf den Grad der den Kindern gewährten Sei bstbc- Stimmung ein. Um dafür eines der wenigen uns aufgefallenen Beispiele auzufiihren: die Kinder einer Siedlung beschließen, ein Kino der benachbarten Stadt zu besuchen und das Geld dafür dadurch aufzubringen, daß sie die von ihnen aufgezogenen Tauben bi> ־auf ein Paar verkaufen. NatürJicli bedurfte dieser Beschluß der Billigung des verantwörtlichen kchrers. Trotzdem bleibt es ein pädagogisches Problem, das hier statt noch mancher anderen berührt werden soll, ob Tc I eure <|,׳s Taulumgatfers wettgemaebt werden konnte durch das eiiiniaiige Kmoerlcbnis. Hier streift ZSC1 * *IRREN WOIF Frankfurt a. M., Zell 49 Grofl- und Kleinverkauf. Versand ab RM. 20,־ frei Haus die Sachlichkeit der <ieim insehattsemehmig die Grenze, die durch!׳ine Inac\ htigte Sentimentalität (nicht mir gegenüber den Lauben, s-mdeni auch gegenüber dem Bewußtsein des Besitzes an ihnen) ge/->g> n ist. Mit anderen Worten: war der Kinobesuch, an sieh wahrscheinlich durchaus verdient, mit den 'Lauben mein doch zu teuer erkauft׳ Dieses Beispiel soll liier nicht etwa nur als l'inwand stehen, sondern vielmehr als Illustration für die Probleme, die sich aus der in ihren, Mitt, ln wie in ihren Ergebnissen neuen Er- Ziel!iingstorni ergebt 11. Welch grolHין< > ׳tb■ r die Siedlungen für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder bringet!, jst oft geschildert worden. Es wird einmal nicht der geringste Ruhm der Pioniere in Erez Israel sein, daß sie sielt!!eher selbst Entbehrungen auferlegt haben als ihre Kinder auch nur das Geringste, was im Bereich der Möglichkeiten gelegen ist, entbehren zu lassen. Sie haben damit — das konnte man immer wieder hewundernd fcststellen — das Exempel einer Mustergeneration von Eltern aufgestellt. * Es ist schwer (und übrigens auch müßig) zu entscheiden, inwieweit die frühen schißmü lügen Erziehungsstätten des Landes auf die l'ormen der erzieherischen Mission der Siedlungen eingewirkt und inwieweit hier wiederum die Erziehungsmethoden der Siedlungen auf die in den schulmüßigen Er/iehimgsstätten nickgewirkt haben und noch rückwirken. Jedenfalls kann es dem erstmaligen Besucher und Betrachter nicht ent •gehen, daß die elementaren, wich- Hgsten i'r/H'lHingsgrundsatze in den Siedlungen und in den rem schuimalhgen Institutionen die gleichen sind, daß sich als» eine Einheitlichkeit nicht so sehr der Schulprograninie als vielmehr der leitenden p.idagngkchen Prinzipien durch[:esetzt hat. Dies hat zur Folge, daß hei aller Experimentierfmidigkeit keine Sucht oder auch nur Neigung zu gewagten Expcrimenten vorhanden Pt. Im Gegenteil ()rängt sich der Eindruck auf, daß -owo'hl die .Möglichkeiten wie auch die Notwendigkeiten d,. -!,:indes als ein ungeschriebenes keglem ent über allen pädag! >:! oelieu Versuchen stellt. Man ist glücklich,!0-t-זי<ni!11! zu (!innen: das, was man ״Schulordnung“ zu nennen pflegt, mitsp: 1 eltt der schon gewordenen oder erst nach teere! :1,0 n ()• dmuig des I ,־indes. Darin spricht sich die tiefste Rruüi'erteciuig aber palästinensischen Pädagogik aus. Inwifweit davon die Erziehung der städtischen Jugend diiferiert, int/o:׳ -eh unserer Beobachtung. Aber für heute und morgen wi:d ja das Schicksal von Erez, Israel nicht in den St.ulten, Mandern auf dem Lande entschieden, und in die l.ändhäIten l.rzli h1;!1gsst,iUc11 wandert ja auch ein Teil der städtischen j’,tuend ah. In dieser Hinsicht ist es wiederum erfreulich, eitlen Hang der J lugend zum ländlichen!.eben ferststeilen zu können, worin sie sich nicht selten von den Intern vorteilhaft!muu'scbekkt, die noch in europäischen Begriffen befangen -.buk Wie schwer (und undankbar) es aiich ist, zu pronhe/1 ien, so kann man doch einstweilen v(ira'.tss.agen, daß die Eascj11at!׳m des pionierhaften Landlebens sieh erst bei der nieli-dim, eben erst heranwadisetiden Genrration voll entfalten und einen für die Entwicklung des jüdischen Volkes günstigeren Ausgleich zwischen Land und Stadt schaffen wird. An diesem Prozeß aber werden die erzieherischen .Methoden und Formen, die heute im Begriff sind, sich duidi/ti-wt/cn, ihren besonderen und, wie man hoffen darf.;u!sm lilaggt'hrndcn Anteil haben. Es ist kaum eine Uebcrtn ibmig, wenn inan heute teststellt, daß die liind- Hellen Lr/ieliiiiigssi.i(!, 11׳ jeder Art im Kampf gegen eine ,״Verstädterung" der Jugend in allererster Reihe stehen. Sie vermögen, mit Hilfe der hündischen Organisationen, die Jugend aufs Land zu ziehen, um sie liier fürs Land zu erziehen. Sie sind Vorposten im Kampf gegen die Vernichrung des städtischen und insbesondere auch gegen die Ent- Stellung eines intellektuellen Proletariats. Die wichtigsten pädagogischen Pflanzstätten des Landes sind oft genug beschrieben worden: das schon ehrwürdige Al i k w e Israel, jene landwirtschaftliche Schule für Knahen lind Jünglinge, die die überhaupt erste landwirtschaftliche Siedlung in Erez Israel darstellt (gegründet 1870), oder Naiialal, die viel jüngere landwirtschaftliche Schule für Mäddien im Etnek, oder das ,,Kinderdorf“ Ben Schemen, das man ein Gymnasium für landwirtschaftliche Erziehung nennen könnte, oder M i s c 11 111 a r H a e m e k, die Schule des Ilasehomer Hazair, um nur die wichtigsten zu nennen. Es w;ire vermessen, nach einem erstmaligen Besuch über diese Schulen ein Urteil fallen zu wollen. Aber der Augenschein zeigt genug: mu-terliaftc Oidnung, einfache, aber mit Ge- .sei)mack ausgestanete!bäume und vor allem fröhliche Gesichfer bei den Schülern und, was fast noch wichtiger ist, bei den Lehrern. Man fühlt: diese Schulen sind vom Geist des Landes, vom freist des neuen Judentums erfüllt und geeignet und gewillt, ihn weiter zu entwickeln und der Jugend einzupflanzen. Diese Jugend wird nicht ״neu“ oder ״alt“, nicht modern oder sonstwie sein, sondern sie wächst nach den inneren Gesetzen der Gemeinschaft auf. Hermann Sinsheitner Volksbildung in Haifa Wenn die Vorzüge und Nachteile des Wohnens in den drei großen Städten des Landes erörtert werden, was naturgemäß besonders häufig in den Kreisen der Neuankömmlinge geschieht, so wird fast immer die Behauptung aufgestellt, daß diese Hafen- und Geschäftsstadt alles andere als eine geistige ״Provinz“ ist. Schon die Technische Hochschule, die das Techn i k u m darstcllt, bildet einen wesentlichen Kristallisationskern wissenschaftlicher Arbeit, wenngleich lediglich auf technischem Gebiet. Die Bi ramsch ule, die unter diesem Namen bekannter ist als unter der eigentlichen Bezeichnung ״Bet hasefer hareali haiwri“, darf unter den Gymnasien des Landes einen ersten Platz beanspruchen und hat in bald 25jährigcr Erziehungsarbeit, charakterisiert durch gediegene Stoffzuiührung, durch Anleitung zum Erwerb eigener Ansehauung und durch disziplinierte Geiockertheit der Schüler, durchaus nicht nur in den realen Fächern wertvollste Bildungskeime ausgestreut. Daneben streben eine ganze Anzahl anderer privater Mittelschulen auf teilweise abweichenden Wegen ähnlichen Zielen durchgeistigter, nationalbewußtcr Erziehung zu. In und bei Haifa (Jagur) sind die beiden größten Gewerbeschulen des Landes. — Musikalische Genüsse werden fast allwöchentlich geboten. Die meisten Organisationen bereichern ihr Arbeitsprogramm durch Ein-■ zel vorträge. Ein konzentriertes und systematisiertes Vortragswesen hat neben ihren anderen Einrichtungen die Haifaer Jüdische Hochschule entwickelt, von der anläßlich ihres bevorstehenden zwanzigjährigen Jubiläums etwas eingehender berichtet werden soll. Die ״Agudda Ichischtalmut batnadda“ (Vereinigung für wissenschaftliche Fortbildung), die mit dem Namen des Begründers des Hadar-Hakarmel-Stadtteils Samuel P e w s!1 e r, Schwiegersohnes von Achad Haam, untrennbar verknüpft ist, betreibt in ihrem schönen, am Stadtpark Gan Benjamin gelegenen Eigenbaus — Bet Pewsner — folgende Volksbildungsfaktoren: 1. Sie unterhält eine Bibliothek von etwa 30000 Ramien (zusammen mit der öffentlichen Bücherei des Hadar); benutzt werden im Jahr über 20 000 Bücher. Das Hauptintercssc der Leser konzentriert sich auf politische und Literaturgeschichte sowie exakte Wissenschaften; Philosophie, Oekonomie und Kurist waren weniger gefragt. 2. Sie veranstaltet seit vier Jahren in je drei Trimestern volkstümliche Vorlesungen und Seminarien (Arbeitsgemeinschaften), die in Kursen von sechs bis zehn Stunden Themen aus Geschichte und Politik, Philosophie und Psychologie, Wirtschaft und Soziologie, Literatur und Kunst, recht umfangreich auch aus den Naturwissenschaften, behandeln, vielfach unterstützt durch Lichtbilder und wissenschaftlichc Filme. Unter den Dozenten, zu denen Lehrer des Technikums und der Biramschule sowie auch Vortragende von außerhalb gehören, finden wir Namen, die auch außerhalb Palästinas einen guten Klang haben, wie Elias Auerbach, A. Fraenkel, Max Soloweitschik. Diese ״Unlversita amamit“ (Volkshochschule) vereinigt in ihren jährlich rund 300 Vorlesungen über 4000 Hörer und ist in ständigem Ausbau begriffen. Besonders erfreulich ist, daß sich für, bestimmte Fächer bereits ein fester Stamm von Teilnehmern gebildet hat, wodurch nicht nur die Verbundenheit mit dem Institut, sondern auch der ernste Vertiefungswille der Zu* liörer dokumentiert wird. Eine besondere Abteilung wird der eistigen Fortbildung junger Menschen gewidmet. Auch! ontradiktorische Zwiegespräche sind zur Belebung des Ar* beitsprograrnms vorgesehen. — Während die Benutzung der Bibliothek befriedigend ist, muß den Vorlesungen noch eine viel stärkere Beteiligung gewünscht werden. 3. Es existieren die Anfänge eines Museums. Vor* handen sind — größtenteils aus dem Nachlaß eines Privat״ samtnlers, Benjamin hvri — etwa 300 Gegenstände, etwa die Hälfte davon Kultgegenstände (Festgerät, Schabbat* und ritueller Hausbedarf, Synagogenkunst usw.), einige alte Bücher und Handschriften (eine Inkunabel, gedruckt 1492—1495 in Leiria, Portugal), ca. 50 Stiche und Bilder, darunter Hogarth, J. Callot, Ury, Liebermann und einige wenige palästinensischc Altertümer wie Keramik, Gläser, Gräberfunde, Bronzen u. dgl. Es bestehen Pläne, diese kleine Sammlung, die auch eine Reihe persönlicher Erinnerungen an zionistische Führer, namentlich an Achad Haam, enthält, zu einem wirklich umfassenden Jüdischen Museum auszugestalten, das vielleicht zum Teil in der Art der europäischen ״Heimat* museen“ speziell dem Karmelgebiet gewidmet wird. Dieser an großer geschichtlicher Vergangenheit überreiche Teil des Landes — das jahrtausendealte Festungsvicreck Haifa—Akko —Emek; die Kischonebene, der Schauplatz der Dcboraschlacht; das Karmelgebirge mit der Lokalisation des Eliasgeschichten und voller prähistorischer Ucberrestc, die noch nicht ausgebeutet sind; Akko, das noch 1799 im napoleonischen Orientfeldzug eine große Rolle spielte; Caesarea, Hauptstadt Palästinas nach der Zerstörung Jerusalems — schreit geradezu nach repräsentativer musealer Darstellung, die ein unentbetuliches Bildungsclement in der Erziehung zu entwicklungsgeschichtlichem Denken ist. Dem Pewsnerinstitut stehen auch in dieser Richtung noch sehr bedeutende Aufgaben bevor. 4. Ferner werden gelegentlich Ausstellungen veranstaltct, ein Arbeitsgebiet, das in Richtung auf künstlerische! und wissenschaftliche Ziele ebenfalls stärker ausgebaut werden soll. Das Programm der Volkshochschule hat sich noch weitere Ziele gesteckt. Man denkt an die Errichtung Wissenschaftlichcr Laboratorien, astronomischer und meteorologischer Observatorien, an Studienfahrten — alles Pläne, für deren Verwirklichung bereits einige Ansätze vorhanden sind, deren Zusammenfassung und einheitliche Führung wünschenswert sein könnte. Zur Zeit diskutiert man die Erweiterung des Instituts durch Aufstockung des Hauses, wofür bereits Mittel zur Verfügung stehen, Bruno Kirschnei Vom palästinensischen K. J. V. Das K. J. V., das heute mehr als 800 Mitglieder in Erez Israel hat, hielt am 6. und 7. Mai seinen Kartelltag in Tel Aviv ab. Die diesjährige Tagung hatte eine besondere Bedeutung, weil das K. J.V. sich zum ersten Male der Tel-Avivcr Oeffentlichkeit vorstellte und durch Professor Heinrich L o e w c, Egon Rosen berg und Felix Rosenbliith über die historische Entwicklung und die zionistischen Leitgedanken des Bundes berichten ließ. Wichtiger ist, daß der Kartelltag eine neue Epoche einzuleiten hofft. Was während des letzten Jahres sich immer stärker in einzelnen ״Chugim" des K. J. V. herauskristallisicrte, wurde einmütig als Meinung des Gesamtkartells proklamiert: Die Entschlossenheit, gemeinsam mit allen gleichgerichteten Strömungen des KÜHLSCHRÄNKE audt FRIGIDAIRE w ~ NÄHMASCHINEN SINGER u.a. Pl «V llAinSmMinT FRANKFURT a.M. I* lllr 2P %9 U i am mW 1 Beethovenstrufi• 62 * Tel. 75716 Jischmv den Kampf aufzunehmen gegen Mißstände, die sich im Leben des Jischmv sowie der zionistischen Gcsamtbewegung bemerkbar machen, und die zionistische Schulung und Tradition des K.J.V. für die Verwirklichung eines integralen Zionismus einzusetzen. Wir leben, wie Kurt Blumenfeld es in einem meisterhaften Referat über ,,Die zionistische Arbeit des K.J.V,“ formulierte, in einer ״nachzionistischen Epoche“. Der Kampf der Juden gegen den Zionismus wird heute in anderen Formen geführt als damals, wo schon Mut und Charakter dazu gehörten, sich Nationaljude oder gar Zionist zu nennen. Die heutige Assimilation deklariert sich nicht mehr als Anti- Zionismus. Im Gegenteil: Sic sagt, der Zionismus war gut, aber seine eigentliche historische Aufgabe hat er bereits erfüllt. Die neue Methode unserer jüdischen Gegner ist, den Zionismus ״einzurangieren in das jüdische Leben“. Damit Erez Israel Massen aufnehmen, produktivieren und zu einem Volke formen kann, brauchen wir das starke Reservoir a«l jüdischen Energien, die in der Golah leben. Die palästinensische Gruppe des K. J. V. kann dte ״Zionisierungsarbeit“ 11ur innerhalb des (insbesondere des aus Deutschland stammenden) Jischmv leisten und, was die Agenden der Zionistischen Organisation und ihrer Institutionen anlangt, durch fruchtbare Kritik und Bereitschaft zu jedweder Mitarbeit Einfluß zu nehmen suchen. Aber gerade, daß die Mitglieder des K.J.V. zu vielen Hunderten in zahllosen Län* dern bzw. Orten leben, wo jüdische Intellektuelle und Massen von der Renaissance-Idee noch vollkommen unberührt sind — gerade die Tragik der Zerstreuung gibt die Chance, die Aufgäbe des Bundes in einer besonderen Weise zu erfüllen. Es besteht auch der Plan, eine Zeitschrift ins Leben ztt rufen, die nicht nur die geistige Verbindung des K.J.V, aufrecht erhalten, sondern darüber hinaus auch für eine weitere Oeffentlichkeit bestimmt sein soll. Das K. J. V. hätte den Weg gehen können, auf jedes kollektive Wollen Verzicht zu leisten. Es hat sich anders entschieden. Es ist dabei charakteristisch, daß Werner Ros o 1 i o, der bisherige Präside, sow ie die beiden neugewählten Präsiden Leo Rosen bliith und Max Hirsch an 15Jahre im Lande leben und zu denen gehören, die kulturell und gesellschaftlich völlig verwurzelt sind. Die Erwägung war, den Neuen, noch nicht Eingegliederten und noch nicht Hebraisierten durch das Medium des K.J.V. zionistische Arbeitsmöglichkeiten zu geben. Das K.J.V. kennt seine Schwächen. Um einen der wichtigsten Mängel zu nennen: Die Hebraisierung, die nach dem Willen der Tagung von 1933 nur zwei Jahre dauern sollte, ist noch keineswegs beendet, obwohl das interne Organ rein hebräisch erscheint lind das Hebräische auf dem Kartelltag einen breiten Raum einnahm. Unzulänglichkeiten auch sonst — in manchen Reden dieses Kartelltags kamen sie sehr deutlich zum Ausdruck. Vielleicht kommt der große Anlaut, zu dem das K. J. V. sich entschlossen hat, sehr bald zum Stillstand. Aber es gab keine Meinungsverschiedenheiten darüber, daß alle Energien in den Versuch einer Aktivierung investiert werden müssen. Gerhard H 0 1 d h e i m, Tel Aviv Kriterien der Kunstbeurteilung In der Wochenschrift ״Hapoel Hazair“ wendet sich Israel Koben gegen die Einschätzung palästinensischer Kunst nach Kategorien, die nichts mit der Sache selbst zu tun haben: Bei Eröffnung einer Kunstausstellung, auf der die Produktion von Mitgliedern des Kibbuz arzi gezeigt wurden, sprach Meir Jaari folgende Worte: Diese Ausstellung ist besonders wichtig dadurch, daß die ausgestellten Schöpfungen die Früchte der Mußestunden schwer arbeitender Siedler sind. — Koben versteht nicht, was das mit der Kunstbeurteilung zu tun hat. Wir können doch nicht an ein Kunstwerk mit der Frage herantreten, ob es in der Erholungszeit geschaffen ist, sondern wir müssen uns vor allem die Frage stellen, hat es künstlerischen Wert, zeigt es Talent und Geschmack? Sicher ist es von Wert, wenn sich arbeitende Menschen in ihrer Freizeit mit künstlerischcr Produktion beschäftigen, aber diese Tatsache besagt nichts für den künstlerischen Wert der Produktion. Das Biographische ist erst von Interesse, nachdem sich die Schöpfung als künstlerisch wertvoll erwiesen hat. Oie Ausstellung des Kibbuz arzi hat ihre Gleichwertigkeit mit dem Niveau palästinensischer Kunst erst zu erweisen. Es mögen unter den Ausstellern echte Künstler sein, aber die Atmosphäre, die diese Ausstellung umgibt, und die in der erwähnten Eröffnungsrede zum Ausdruck kam, ist alles andere als künstlerisch. Auch die Betonung, daß es sich ausschließlich um Produktion des Kibbuz arzi handelt, ist kunstfremd und sektiererisch. Die Gefahr einer solchen Auffassung ist groß. Leicht wird dabei die Scheidemünze für Gold ausgegeben und in mißverstandener Analogie überträgt man Prinzipien der Autarkie auf das Gebiet der Kunst. Jede Gruppe verherrlicht ihre eigenen Künstler, und das kann leicht dazu führen, daß sie ahsprechend über das Künstlertum jener denkt, die in anderen Lebenskreisen und anderen Lebensbedingungen kimstierisch schaffen. Solche primitive Auffassung von künstlerischen Dingen gilt es zu überwinden. Entwicklung von Telephon und Radio Der ״Haarez“ meldet, wie uns aus Tel Aviv berichtet wird: Die Anzahl der Telephone in ganz Palästina betrug Ende Januar mehr als 15 000. Die Zunahme im letzten Jahre war mehr als 2000 Anschlüsse, das macht ungefähr 16 c0׳ aus. Die größte Vermehrung mit 6'0 Neuanschlüssen erfuhr das Tclephonnetz Jaffa-Tc! Aviv. Die Vermehrung in Haifa betrug 550, in Jerusalem 415, in allen übrigen Distrikten 400. Die Einkünfte der Regierung aus dem Telephondienst sind dementsprechend gestiegen. Im Jahre 1936 betrugen diese Einnahmen £ 165 000, im Jahre 1937 £ 205 0(W, was einer Vermehrung um 24 °,'o gleichkommt. Die ersten beiden Monate des Jahres 1938 brachten der Regierung aus dem Telephondienst sogar eine Mehreinnahme von 29 °0 gegenüber der Einnahme in den beiden ersten Monaten des Vorjahres. Damit ist der Telephondienst zur wichtigsten Einnahme der Post geworden, während noch vor einem Jahre die größten Einnahmen aus dem Markenverkauf erlöst wurden, fm Jahre 1936 kamen 36,5 0״ der Posteinnahmen aus dem Telephondienst, im Jahre 1937 40 °'o und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres 53 °/0. Im Februar dieses Jahres stieg die Zahl der konzessionierten Radioapparate auf über 30000. Vor einem Jahre waren es über 21 000. Im Laufe dieses einen Jahres hat sich die Zahl der Radioapparate um etwa 40 °/0 vermehrt. (Schluß des Palästina-Teils) §

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