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Jüdische Rundschau · 1938-05-27 · Heft 42 (27.5.1938) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 42 (27.5.1938)
Date
1938-05-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42, 27. V. 1938 JÜDISCH!־ RUNDSCHAU Seite 11 ״Schülertag“ der Hebräischen Universität Zu den schwersten Problemen des palästinensischen Lebens gehört die Schaffung neuer, ihm entsprechender Formen, die geeignet sind, eine Tradition zu bilden. Dieses Problem besteht auf allen Lebensgebieten, aber wohl in keiner Sphäre drängt es sich dem Beobachter — wenigstens dem europäischen Beobachter — so auf, wie in unserem akademischen Leben, dem Leben der Hebräischen Universität. Es ist oft und von den verschiedensten Seiten darüber geklagt worden, daß die Feiern, durch die die Höhepunkte ihres akademischen Jahres betont werden, bis jetzt keinen eigenen Stil gefunden haben. Angesichts dieses Zustandes ist es überaus erfreulich, feststellen zu dürfen, daß die Hebräische Universität auf dem Wege ist, wenigstens eine schöne und wertvolle akademische Tradition zu schaffen. Lag b’Omer zum ״S c h ii l e r t a g“ zu machen, war ein überaus glücklicher Gedanke. Zum zweiten Male hat die Universität in diesem Jahre die Schüler der beiden obersten Klassen der Gymnasien von Jerusalem, Tel Aviv und Haifa, dazu die der Lehrer- und Lehrerinneiiscminare, der Handelshochschulen und einiger ähnlicher Anstalten eingeladen, den ganzen Tag in ihren Mauern zu verbringen. So lernen diejenigen, die z. T. in den nächsten Jahren Studenten der Universität werden wollen, schon jetzt ein wenig das Milieu kennen, in dem ihr akademisches Leben sich abspielen wird. Wichtiger aber noch ist, daß Hunderte junger Menschen, die 1ד i c h t’die Universität beziehen werden, eine Vorstellung von ihrem Wesen, ihrer Arbeit und ihrer Leistung erhalten. Die Veranstaltung hatte schon diesmal, bei der ersten Wiederholung, ihren eigenen Stil, der durch eine sehr glückliche Mischung des heiteren und des ernsten Elementes gekennzeichnet war. Eine lange Kette von Autobussen brachte die jugendlichen Gäste auf eien Skoptis, wo sie zunächst ein ausgiebiges ״Toze eth Haaretz“-Frühs'.üek empfing, um sie für die Anstrengungen des Vormittags zu stärken. Dann begann in Gruppen die Führung durch die einzelnen Abteilungen der Universität. Lag b’Omer ist natürlich auch auf dem Skopus ״schulfrei“ — aber die Professoren, Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter waren überall auf ihren Plätzen in den Hörsälen und Laboratorien, unermüdlich Erklärungen abgebend und Fragen beantwortend. Dasselbe geschah seitens der Beamten der National- und Universitätsbibliothek. Stundenlang zog eine Gruppe nach der anderen durch die Räume, von den bakteriologischen Laboratorien zu den lnkunabeln der Bibliothek, von dem ״Zoologischen Garten“ der Versuchstiere zum ״Botanischen Museum“, vom Hörsaal für Physik auf das Dach des ״Klimatologischen Instituts“. Das Universitätsgelände, belebt von Hunderten junger Leute und junger Mädchen, bot einen wunderschönen Eindruck. Das Wetter war herrlich, der berühmte Blick auf Jerusalem nach Westen, auf das Tote Meer und die Berge Moabs nach Osten, so klar und eindrucksvoll wie nur seiten, im ״Univcrsitäts-Wäldchcn“ und dem im Entstehen begriffenen ״Botanischen Garten“ blühte und duftete es in allen Farben und allen Wohlgerüchen des palästinensischen Frühlings. Durch tiefes Grün zog mittags vom Amphithcate־ aus die Prozession der Besucher zur Ruhestätte Leo Pinskers, an dessen von Lichtern umstellten Sarg, in dem für diese Gelegenheit geöffneten Felsengrab des Abmarsch der Gäste vom Amphitheater Foto: Dr. , “״“*KJ•». - - 4''4 ■ * ä*. N ikanor auf dem Univcrsitätsgelände die junge Schar vorbeidefilierte. Von Pinskcr und seiner ״Autoemanzipation״;■m Bcginn der modernen jüdischen Nationalbcwegung .-.prach Ussischkin zur Jugend; Dr. M a g n e s, der Präsident der Universität, begrüßte sie im Sinne des Gedankens des lag b’Omer, und Rektor Professor Bergmann sprach von jener jüdischen Freiheit des Geistes, die gleichzeitig die stärkste moralische Verpflichtung enthalte. Danach gab es Musik und Tanz, und erst mit sinkender Sonne rollten die Autobusse wieder hinunter in die Stadt. Es war ein schöner und harmonischer Tag — Beginn einer ״akademischen Tradition“, die der Hebräischen Universität würdig ist. _ C. Z. Kloetzel fin Monat März kamen nach der amtlichen Regicrungs- Statistik 2785 Immigranten nach Palästina, darunter 2689 Jude n. In den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen 3918 jüdische Immigranten nach Palästina (gegen 2951 in den ersten drei Monaten des Jahres 1937). Erziehungstätten in Palästina Ganz Erez Israel ist eine einzige E r z i e 11 u n g s s t ä t te — mit dem höchste., Ziel der Erziehung der Juden zu einem staatsbildcnden Volk. Kein Wunder also, daß der Erziehungsgedanke als Element de., palästinensischen Lehens und die Erziehungsprobleme als Bausteine zu diesem Leben überall im Vordergrund steilen — stärker noch in den ländlichen Siedlungen als in den Städten. Auch dies ist nicht verwunderlich; denn die Städte haben ihre Schulorganisation zu einem großen Teil aus den Ländern des Golus entlehnt, während die Kwuzofh und Kibbuzim und teilweise auch die dörflichen Einzelsicdlungcn nach neuen Schul- und Erziehungsformen greifen. Dies gibt der Erziehung der Kinder (fast so wie auch der Erziehung der Erwachsenen) ihr Gepräge: sie ist noch nichts Gewordenes, sondern erst etwas Werdendes. Fast könnte man sagen: die Erziehung (als Zustand des Lernens) erzieht sich selbst (als Vorgang des Versuchs im Lernen). Erziehungsstätte ist — eine fast selbstverständliche Fest- Stellung! — jede einzelne der Oemeinschaftssiedlungen. Int Zentrum des Kreises ihrer so zahlreichen Verantwortlichkeiten stellt die Befassung mit den Kindern. Im Laufe der letzten Jahre hat sich außerhalb Palästinas die Legende gebildet, es werde in den Siedlungen (und auch außerhalb dersellien) ein unpädagogischer Kult mit den Kindern getrieben. Der Augenschein zeigt, daß davon kaum die Rede sein kann. Ein Kult wird nicht mit den Kindern, sondern mit ihrer Erziehung getrieben. Das heißt: sie wird so ernst genommen, wie es die Zukunft des Landes und Volkes, die von der Jugend abhängt, erfordert. Sie wirkt wie ein Tor, das sich die Söhne von gestern und heute in ihr gegenwärtiges schweres!.eben geschlagen haben 11ml immer wieder schlagen, durch das sie über ihre eigene Generation hinaus- und hinüberblicken können in das Land der ״Sohnessöhne“, der Enkel und noch späteren Generationen, ln der Erziehung ihrer Kinder setzen die Pioniere von heute und gestern die Eroberung des Lande:, fort — darin wurzelt, kurz gesagt, der Sinn aller palästinensischen Pädagogik und auch der berechtigte Sinn des Kultes, der mit ihr getrieben wird. Geht man an Ort und Stelle — d. h. in unserem!־alle: in mehreren Dutzend Siedlungen — diesem ״Kult“ in den Kinder-, Erziehungs- und Schulhäusern nach, so ergibt sich als eine Selbstverständlichkeit die Wahrnehmung, daß die in den Gemeinschaften herausgehildete ,.Kultur“ des Zusammenfehens und Zusammenwirkens mit pädagogischer (ienauigkeit auf die Erziehung der Kinder sich erstreckt und angewandt wird. Audi die Kinder bilden einen ()(,!neins c h a f t s k 1"> r p c r in ihren Häusern und Schulen, einen in sieh geschlossenen und von den Bedürfnissen der körperliehen, geistigen und seelischen Ertüchtigung erfüllten Kreis des gegenseitigen Einvernehmens, her alte humanistische Lehr- und Lernsatz: ״Non schoiae, sed vitae discimus“ hat hier fast seine Bedeutung verloren. Denn das I eben, für das sie lernen, tritt in allen seinen neuen und alten Erscheinungsfonnen als 1.ehrmeister unmittelbar an die Kinder heran. Ohne Rücksicht auf die in jeder Siedlung natürlich variicrende Quantität des übermittelten Bildiingsstoües darf man als Axiom feststellen, daß die Qualität sieh notwendig in vollkommener Uehcreinstirnmung mit dem Geist der ailgemeinen und jeder besonderen Gemeinschaft befindet. So wie die (jungen) Eitern neben ihrer harten Arbeit am Boden die an ihrer geistigen Fortbildung nicht vernachlässigen, so wird den Kindern neben der Bildung und zugleich mit ihr die N eue Schulbauten in Tel Aviv Nicht nur die, Statistik zeigt das Antvachscn der Zahl der schulpflichtigen Kinder im ganzen Lande. Die Neuanmcldungcn zum Beginn des kommenden Schuljahres sind so groß, daß selbst die neuen Schulbauten in Tel Aviv nicht ausreichen werden,um den Andrang zu befriedigen. Die hier gezeigten Neubauten werden sämtlich zu llosch Ilaschanah feriiggcstellt werden. Der Neubau des Lehrerseminars am Ende der Bend ehudastraße Die dem Lehrerseminar angcgliederlc Elementarschule 'mm tf,“ל:*#; . am 'IMl Schulgebäude in der Schmarja Lewinstraße Foton Walter Michael Schwert Bilu-Gpmnasiwn am Rothschild-Boulevard %

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