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Jüdische Rundschau · 1938-05-27 · Heft 42 (27.5.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 42 (27.5.1938)
Date
1938-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42, 27. V. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Die jüdische Schule in unserer Zeit Der nachstehende Aufsatz eines bekannten jüdischen Schulmanns gibt einen Ueberhlick über die Entwicklung der jüdischen Schulen im letzten Schuljahr und erörtert anschließend eine Reihe von pädagogischen Problemcn, die sich bei der Arbeit in den Volksschulen ergeben haben. Die Darstellung dürfte nicht nur für Lehrerkreise von besonderem Interesse sein, sondern auch für die Ellern, die sich mit den Fragen der Er- Ziehung der Kinder in den jüdischen Schulen beschäftigen. (Red.) Bilanz der Arbeit Von Dr. Siegfried Braun, Köln Das neue Schuljahr hat vor wenigen Wochen bcgönnen; die Unruhe der Aus-, Um- und Einschulung unscrer Knaben und Mädchen ist allmählich gewichen und nur dort noch spürbar, wo die Entschlüsse der Eltern in Einzelfällen eine schulische Veränderung ihrer Kinder bedingen. In einem solchen Augenblick mag es angezeigt erscheinen, den Blick noch einmal zurückzuwenden in den Zeitraum des vergangenen Schuljahres und in einer Ueberschau zusammenzufassen, was an Bemerkenswertem sich im Bcreiche jüdischer Erziehung und jüdischen Unterrichtes begehen hat. Wenn dem Rückblick der von der Situation her erwartete Ausblick nur in Form von Vermutungen folgt, so liegt das in der Natur der Sache begründet. Zustrom zu den jüdischen Schulen Der Prozeß des Ausscheidens jüdischer Kinder aus den allgemeinen Schulen ist im verflossenen Schuljahr in rascherem Tempo fortgeschritten als früher. Er vollzog sich im wesentlichen innerhalb dreier Ströme, die von sehr verschiedener Breite gewesen sind. Von den Höheren Schulen siedelten die jüdischen Schüler nach Möglichkeit in die jüdischen Höheren Schulen oder aber in die jüdischen Volksschulen über, wobei wir Randerscheinungen (Auslands- und private Inlandsinstifute) zunächst unbeachtet lassen vvollen. Der dritte Strom flutete von den allgemeinen zu den jüdischen Volksschulen hin, so daß sich das Bild, das die unterrichtliche Betreuung unserer Kinder hot, in sehr starkem Maße verändert hat. Die jüdischen Höheren Schnlen in! Reich (Berlin, Hamburg, Breslau, Köln, Leipzig, Frankfurt, Fiirth u. a. in.) erleben gegenwärtig ihre hohe Zeit, sie vermögen kaum die Zahl derer zu bewältigen, die Aufnahme begehren. Mit ihnen wetteifern eine nicht geringe Anzahl privater Unternehmungen. Trotz, des erhöhten Zu- Busses von Schulgeldern vermögen sich unsere Höheren Schulen nicht aus sich selber zu erhalten; sie bedürfen laufender Zuschüsse seitens der Gemeinden und der Spitzen- Organisationen. Das bedeutet angesichts der ständig größere Ausmaße annehincndcn Schrumpfung der Geldmittel eine schwere Aufgabe, die nur gelöst werden kann, wenn die Opferwilligkeit und das Gefühl der Verpflichtung gegen die Gesamtheit lebendig bleiben. In größeren Gemeinden, in denen es bisher keine jüdische Höhere Lehranstalt gegeben hat, ist wohl der Gedanke aufetaucht, sie neu aufzuhauen. Wir wissen, daß lediglich die erliner Gemeinde und in ihr die Reformgememde derartige Pläne verwirklicht haben. Die andern mußten von der Neugründung solch kostspieliger Schulen Abstand nehmen. Zunächst einmal galt es, nach Möglichkeit alle jüdischen Schulpflichtigen in jüdischen Volksschulen unterzubringen. Das war in den Städten verhältnismäßig leicht, in denen es derartige Schulen seit altersher gab. Auch die jüdische Volksschule ist in früheren Zeitläuften unter dem Einfluß anderer Erziehungsidealc hart umk.Impft gewesen. Selbst dort, wo sich die staatlichen und städtischen Behörden geneigt zeigten, öffentliche jüdische Volksschulen zu begründen und zu unterhalten, setzte von jüdischer Seite her ein heftiger Widerstand gegen die Pläne ein. Immerhin: die Zahl der jüdischen Volksschulen, die unabhängig von den Gemcinden und ohne Inanspruchnahme ihres Etats von den Behörden eingerichtet und völlig unterhalten wurden, war nicht klein. Manche öffentliche Volksschule lmilltc freilich ihre Pforten am Ende schließen, weil die Schülerzahl zu klein geworden war. Und dennoch haben viele sich hinüberzuretten gewußt in die Gegenwart und bilden heute neben den Judcnklasscn an allgemeinen Volksschulen die Auffangbccken für die aus den allgemeinen Volksschulen zurückflutenden jüdischen Kinder, sowie für diejenigen, die von anderen Lehranstalten und von schulloscn Gemeinden herüberkommen. Viele jüdische Gemeinden, in denen es eine derartige öffentliche Volksschule nicht gab, mußten dazu übergehen, aus eigenen Mitteln, aber durchweg mit finanzieller und ideeller Unterstützung seitens der jüdischen Zentralorganisajionen, eigene Volksschulen ins Leben zu rufen. So sind auch iin letzten Jahre eine größere Anzahl im Reich entstanden. Die jüngste Erscheinung auf dem Gebiet der Volksschulgriindung ist die jüdische Bczirksschule. Sic hat ihren Ort nach Möglichkeit in einer ohne sonderliche Schwierigkeiten erreichbaren Geineinde, um die herum eine Reihe kleinerer gelagert sind, so daß allmorgeiidlich von allen Himmelsrichtungen die Knaben und Mädchen in ihre Bezirksschulc fahren oder wandern müssen. Zu welch neuartigen Methoden der Schulbesuchsregehing dies geführt hat, das sei hier an einem besonderen Fall demonstriert: Im Odenwald gibt cs eine jüdische Bezirksschule. Ringsumher liegen ein halbes Dutzend Kleingemeinden, jede mit wenigen Kindern, die schulpflichtig sind. Eine Bahnfahrt zur Schule kommt nicht in Frage. Der Weg zu Fuß kann den Kindern nicht zugeiruitet werden. So entschlossen sich die maßgeblichen Instanzen dazu, den Lehrer im Autofahren ausbilden zu lassen und einen Omnibus anzuscliaffcn. Seit Jahr und Tag sieht man nun den Lehrer am frühen Morgen den Autobus besteigen, von Ort zu Ort fahren, an bestimmten Haltestellen die wartenden Kinder aufladen, sic zur Bezirksschulc hinbringen und sic am Schluß des Unterrichts wieder heimwärts fahren, wahrhaftig keine leichte Arbeit! Dm Vakuum Die Tatsache, daß die jüdische Jugend sich zur Aus- Wanderung vorbereiten muß auf der einen Seite, und das Bestehen einer Zwischenzeit zwischen Schulentlassung und Beginn der ordentlichen Lehrzeit auf der anderen Seite haben die Frage akut werden lassen, in welcher Weise dieses Vakuum ausgefüllt werden solle. Es handelt sich um das Stadium in der Entwicklung Jugendlicher, in dem sehr erhebliche physische und psychische Umwandlungen vor sich gehen. Wird da nicht für eine geregelte Betätigungsmögliehkeit gesorgt, so kann vieles versäumt werden, was sich so leicht nicht wieder cinholen läßt. Gelingt es indes, sie zu finden und sie zugleich in den Dienst der Vorbereitung zur Auswanderung zu stellen, so wird einer ernsten Aufgabe der für die Jugendlieben Verantwortlichen ihre Lösung zuteil. Aus diesen Ueberlegungen heraus ist man dazu übergegangen, ein neuntes oder gar ein zehntes Schuljahr aufzubauen und Einrichtungen zur Bcrufsvorlehre und zur Bcrcitmachung für die Handarbeit und die Hauswirtschaft zu treffen. Sie haben ihre besondere Bedeutung erreicht in dem Augenblick, in dem die jüdisehen Zentralstellen die Bestimmung getroffen haben, Jugendliehe erst nach Vollendung des 1י. Lebensjahres in ihre Obhut zu nehmen. Zeichen des Abbaus Soweit es sich übersehen läßt, dürfte die Entwicklung des jüdischen Schtilwerks in Deutschland im Hinblick auf Neugründungen dem Abschluß nahe und bezüglich der Schill er za 111 im Abstieg begriffen sein. Denn die zunehmende Auswanderung und der Geburtenrückgang haben die ersten Breschen in das Manerwerk unserer jüdischen Schulen geschlagen. Die Sorgen, die die hinter uns liegenden Jahre hindurch dem Auf- und Aushau gegolten haben, bcginnen denen um den Abbau zu weichen, und fast scheint es, als bahne sich durch Schülerschwund und L e h r e r s c 11 w u n d — denn auch die Lehrerschaft ist vom Strom der Auswanderung ergriffen — ein Auflösungsprozeß an. Nicht alle Einzelglieder des jüdischen Schulwerks konnten in dieser Uebersicht berücksichtigt werden, insbesondere nicht die Lim idiitmgeu ür ihr v >r. 1 ׳T0 . die der sozialen Schülerfiirsorge. Nehmen wir alles zusammen, so ergibt sich ein Bild, das in seiner Bedeutung für diese Zeit noch gar nicht zutreffend gewürdigt werden kann. Der Lehrplan Was nun den Lehrplan betrifft, so wird das ״Jüdische“, das in seinem Mittelpunkt steht, in dieser Betrachtung in Anführungszeichen gesetzt, weil ihm der Charakter der Weseiisunbestimmtheit anliaftet, sobald von ihm als von einer wirkenden Gegebenheit die Rede ist. Es darf zum Zweck theoretischer Untersuchungen eine annähernd richtige Bestimmung gewagt werden. Wenn wir sagen, das Jüdische sei in einem Religiösen, einem Sprachlichen und einem Historischen beschlossen, so haben wir eine brauchbare Grundlage zur Darstellung und Wertung der Schularbeit gewonnen. Welches der drei gcnannten Kriterien wir ins Auge fassen mögen, das Jüdische war als gelebtes Leben nur noch in einem sehr fragwürdigen Ausmaß vorhanden, als sich die Lehrerschaft vor die Aufgäbe gestellt sah, es zur Grundlage ihrer Arbeit zu machen. Insbesondere ist es die religiöse Krise gewesen, die in ihrer ganzen Wucht offenbar wurde. Das Sprichwort ״Not lehrt beten“ hat sich in dieser Zeit nicht bewahrheitet. Damit hat der Unterricht nach dieser Seite hin seine volle Problematik behalten trotz allen Auftriebes, den der Beobachter wahrnimmt. Wer zuweilen einen der Onegim am Schabbat besucht, wird diese Auffassung bestätigt finden. Es haben in Erkenntnis dieser Problematik eine große Anzahl von Schulmännern versucht, die Hilfsmittel bereitzustellen, die zu ihrer Milderung geeignet sind. Wir weisen nur bin auf die Veröffentlichungen einiger Verlage und der Schulabteilung der Rcichsvcrtrctung, die eine Art jüdischer Kulturkünde darstellen, wie sie bisher der Schule nicht zur Verfügung gestanden hat. Es wird sehr darauf ankommen, in welchem Ausmaß es der Lehrerschaft gelingen wird, die ihr an die Hand gegebenen Materialien zu verarbeiten und an die Jugend heranzubringen. Das gleiche gilt für jenes Teilgebiet des Jüdischen, das wir als das Sprachliche bezeichneten, für den Unterricht im H e b r ä i s c h e n. Die nichtjüdische Schule empfängt die Daten zu ihrer Arbeit ausschließlieh im Gewände der den Kindern natürlich zuwachsenden Muttersprache. Inhalt und sprachliche Fassung sind adäquat. Die jüdische Schule erfährt die ihr nahezubringende eigene Welt nur in einem Teilbezirk in der deutschen Sprache; das Tiefste des jüdischen Lebens findet seinen sprachlichen Niederschlag in der hebräischen Sprache, die von Hause aus dem Kinde fremd ist. Die jüdische Schule findet ein paar klassische Werke vor, deren Inhalt das Religiöse lind das Nationale begründet und die in Hebräisch vorliegen. Wollte sie sich darauf beschränken, sie in deutscher Uebertragung an die Kinder heranztibringen, so würde sie ihre Aufgabe verfehlen. Sie ist deshalb verpflichtet, die Kinder zu ■einem schwierigen Sprachstudium anzuhalten und zugleich zu einer Art Gelehrtenarbeit, die auf weite Strecken hin nicht kindcrtünilich ist. Man denke nur an viele Teile des Ssidur und des Machsor. Die hier angcdcutcten Schwierigkeiten sind unter dem Eindruck des Wiederaufbauwerkes in Erez Israel noch um ein Beträchtliches gesteigert worden. Denn nun geht cs nicht wie früher nur darum, die Jugend durch die Heimischmachung in der klassischen Literatur religiös zu bilden, sondem auch darum, ihr das Instrument an die Hand zu gehen, dessen Besitz sie befähigt, an der Verlebendigung und Förderung der Volksgemeinschaft tcilznnchmcn: die zu sprechende hebräische Sprache des Landes. Das kann Die Emigrantenfrage Konferenz der Privat - Organisationen ln London Im englischen Innenministerium wurde am 23. Mai eine K o 11 f c r c 11 / des V c r b i n d u n g s - K o 111 i t e e s der P r ivatorganisationen beim High Commissioner für Emigranteniiilfc unter Vorsitz von Prof. Norman Bentwich eröffnet. Uehcr 20 jüdische imd nichtjiidisclic Organisationen, die sich mit diesem Problem beschäftigen, waren bei der Konferenz vertreten. Der Council for German J e \v r v hat zu Ehren der Delegierten ein Frühstück gegeben, bei dem Sir Neil] Malcoim, der High Commissioner für Emigranten aus Deutschland, präsidierte. Bei dieser Gelegenheit hielten der Erzbischof von Canterburv, der Oberrabbiner von England und der Vertreter des Kardinal-Erzbischofs von Wcstminstcr, Reverend Jarret, Ansprachen. Ferner sprach der Unterstaatssekretär des Home Office, Sir Ernest H o 1 d e r 1! c s s, der sein stärkstes Interesse für diese schwierigen Probleme zum Ausdruck brachte. Die Konferenz behandelt die verschiedenen Seiten des Emigrantenproblems, insbesondere im Hinblick auf die kommende Konferenz von Evian am 6. Juli. Die Lage der Emigranten in England Der englische Premierminister C h a 111 b e r 1 a i n machte im Unterhaus Mitteilung über die Lage der Emigranten in England. Er teilte mit, daß ein Komitee der Hilfs- Organisationen eingesetzt worden sei, um die Maßnahmen zur Unterstützung der Emigranten zu koordinieren; ferner daß die Regierung die Vorschläge mit Sympathie erwägen wolle, die dieses Komitee ihr unterbreitet. Die Rcgierung stehe auf dem Standpunkt, daß die Formulierung konstruktiver Vorschläge in erster Linie dem Komitee zustehe. Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wllmersdorfer Str. 115116־ Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe aber nicht nach der alfgciibten Methode geschehen, sondern nur durch einen durchaus modernen Sprachunterricht, wie er für jede zu erlernende Sprache erforderlich ist. Bedenkt man, wie dürftig die Hilfsmittel gewesen sind, die nach dieser Seite hin zur Verfügung standen, erinnert man sich ferner daran, daß ein entsprechend vorgcbildetcr Lehrerstand nicht vorhanden war, und daß die Zeit fehlte, die ein gründliches Sprachstudium hätte möglich machen können, so hat man die Schwierigkeiten zusammen, die sich auftürmten, als es galt, auch hier die Wendung zu vollziehen. Tüchtige Hebräer und Methodiker habet! sich daran gemacht, die Wege zu einem erfolgreichen hebräischen Unterricht zu ebnen. Die neuen Riehtlinicn der Reichsvertretung setzen eine ausreichende Stundenzahl für den Unterricht fest. Die Lehrenden haben sich bcmüht, sich das Rüstzeug zu erarbeiten, und wem cs gegeben ist, eine noch stark fühlbare Abneigung gegen den hehräi• scheu Unterricht in beiderlei Gestalt bei den Kindern zu beseitigen, über deren Ursache hier nicht gesprochen werden soll, der wird nicht mehr wie sonst zu Zeiten über die ״crux“ der Schularbeit zu klagen haben. Jndentumskunde Die jüdische Schule hat weiterhin die Eingangspforten weit zu öffnen versucht zur Welt der eigenen Vergang c n h e i t. Alles, was früher in Gestalt der biblischen und jüdischen Geschichte zu den Kindern sprach, blieb nicht selten dünner Aufguß, für sich allein stellend, wirkungsarrri, lebenabgewandt. Der von der Zeit geforderte Rückzug in die Tiefen der eigenen Gesell ich 1e brachte eine kräftige Bewegung auf dem Gebiet der Juden! 1! 111 s k u n d e mit sich, die abgelesen werden kann an dem reichen Lernmatcrial, das jüdische Gelehrte, Pädagogen 11!1d Scliriftsleller zu schäften unternahmen. Stellt man es in seiner f'11110־ und in seinem Wertgchalt neben Altes, so merkt man den Eifer und die Umsiebt, die hier aufgewandt worden sind, wobei frciiicli nicht übersehen werden darf, daß vieles einer strengen Kritik nicht standhalt. Aber mir die Lehrenden wissen um die Schwierigkeilen, die auch hier sich der Arbeit eiitgegenMcüten. Weder eine Verniedlichung der Geschichte noch ihre wi-senschaftliehe Darstellung sind ohne weiteres geeignet, die jungen Menschen in Bann zu schlagen. Leiden und Dulden, Ertragen, und -Lernen sind nicht die Vokabeln, die i 111 Vor-tellungsbereich der Kinder zu finden sind, und im Wettbewerb mit dem Urmveltgeschehcn und dem kiiiilgeniäßeien Wissensgofüge allgemeiner Natur geriet das Jüdische ins Hintertreffen, es sei denn, eine starke Persönlichkeit habe ihm das Gewicht zu geben gewußt. Welch einen Vorzug Gedatikoiimassen besitzen, die voller Aktualität sind, das zeigte sich sehr deutlich in dem Augenblick, in dem die jüdische Schule sich der Betrachtung der Gegenwart zuwandie. Das dramatische Geschehen, in das auch die Kinder sich gestellt sahen, fand aufgeschlossene Herzen, und die Jugend begriff cs in innerster Teilnahme. So konnte die P a 1 ä s t i 11 a k u 11 d e, die A 1! s w and e - ru n gs k 11 n d c und die Ge.: c 11 w a r t s k 11 n d e rasch Eingang finden in die jüdische Schule. All dies ist stark in detr Vordergrund der Arbeit hingeriiekt und entsendet gemäß dem pädagogischen Prinzip der Konzentration Strahlen in alle ״Fächer“ hinein, so daß die Gesamtarbeit stark unter ihrem Einfluß stellt. Die Gefahren, die aber infolge dieser Verschiebung auf der Wcrteskala der Pädagogik der Schule drohten, sind rasch erkannt und gebannt worden. Die Lehrerschaft hat es dem reinen ״Tachlithstandpunkt“ verwehrt, die Alleinherrschaft anzutreten und hat einem Erzieluingsideal die Treue gehalten, das eine zweckbefreite Bildung in sich begreift. So behielten in ihrem Plan die Fächer ihren Platz, die nach alter Weise Kunst und Wissenschaft in den Grenzen und in der Volks• tümlichkeit, die jungen Menschen entsprechen, bereitstellen wollen. Indem aber vom Subjekt und vom Objekt der Schul• arbeit bestimmte ,Tendenzen wirksam winden, kam eine merk• liehe Stockung in den Strom, der ruckweise zu den Jugend• liehen vordrang. Es ist keines der mannigfaltigen Lehrfächer in seinem Bestände von den Einflüssen der /eit unberührt geblieben, und schon ihre Konfrontierung mit jüdischen Menschen ergab neue Tönungen, wie sie früher nicht vor- Händen gewesen sind. Will man cs mit Worten aus der Psychologie benennen, so darf man von Unsicherheit und Befangenheit reden, sofern wir auf die I laitimg de־׳!.ehrenden reflektieren. Uns zerrann so mancher Sachverhalt, der einmal für uns das Zeichen des ״In Ordnung seius" (rüg. Wir dürfen es bekennen, daß die Kinder mit einem wundervollen ״clan vital" beschenkt sind, mit einer sccli-ehen Festigkeit und Ausgewogenheit, ohne deren Mamfestwerdcn sie kaum im Kern hätten gesund und stark bleiben können, [):esc Tatenlust und diese Anfnalimebcrcitscliaft haben es zuwege gebracht, daß die Schulstube erfüllt blieb mit frisch pulsierendem Leben. Neuer Bezirksrabbincr in Stolp. Auf Veranlassung des Preußischen Landesverbandes ist das Rabbmat in Stolp (Pommern) zum Bezirksrahbinat für ()stpoimm-rn ausgestaltet worden. Aus diesem Anlaß fand am 22. Mai in Stolp die Einführung des neugewähltcn Rabbiners Wilhelm Teichner (bisher Hirschberg) statt. Naclt Bcgrüßuiigsworteii des Vorsitzenden der Gemeinde, Dr. Mayer, führte der Amts- Vorgänger des neuen Rabbiners, Dr. Joseph, namens des Preußischen Landesverbandes, dessen Dezernent Rabbiner Dr. Galliner, Berlin, am Erscheinen verhindert war, den Kollcgen in sein Amt ein. Nachdem Rabbiner Dr. Finkeischerer, Stettin, die Glückwünsche des Verbandes der Synagogengemcinden Pommerns tiberbracht hatte, umriß der neue Bezirksrabbincr seine Aufgaben. Aus der ״JÜDISCHEN RUNDSCH AU" v. 30. 5. 19131 Nahum Soholow befindet sich . . . seit Anfang Mflri d. J. in Amerika, um unter den Juden der Vereinigten Staaten und Kanadas eine großzügige Werbetätigkeit für den zionistischen Gedanken und für die nächsten praktischen Aufgaben der zionistischen Bewegung zu entfalten. Die mehr als zweimonatige Propaganda-Tournee des Herrn Sokolow hat sich zu einem wahren Triumph• zag der zionistischen Idee gestaltet und unter der /fldischen Bevölkerung Amerikas heispieilose Begeisterung hervorgerufen. Die Regierungsstenern von P c i a eh - T i k w a h hei ragen im laufenden Jahr ca. 85 000 Pres.: die Gemeindesteuern 83 067 Frcs. Die Kosten für die Bewachung der Pflanzungen machen allein mehr als 30 000 Pres. aus.

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