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Jüdische Rundschau · 1938-05-27 · Heft 42 (27.5.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 42 (27.5.1938)
Date
1938-05-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42, 27. V. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Aus der Haftarah für Sdiabbat, den 28. Mai Im New-Yorker Konfeklionsvierlel Der folgende Bericht stammt von einem Auswanderer aus Deutschland. Er schildert sehr lebendig die Verhältnisse in einem New Yorker Berufszweig, der gewiß bei vielen unserer Leser auf besonderes Interesse stoßen wird. (Red.) Bericht eines Auswanderers Ich besuche seit einigen Wochen die Kleiderleute mit künstlichen Blumen. Durch einen guten Bekannten, der mich auch bei den Kunden eingeftihrt hat, bekam ich die Vertretung. Dieser Fabrikant hat bisher nur mit der Hutbranche gearbeitet, wodurch ich den Vorteil habe, zu allen Kleiderleuten gehen zu können. Ich habe — in den ersten Wochen natürlich nur mit Hilfe meines Bekannten — sehr nett gemustert, und in der Folge auch verschiedene Nachaufträge erhalten. Inzwischen habe ich 3—4 Kunden, zu denen ich Tag für Tag heraufgehe und von denen ich auch regelmäßig mal größere, mal kleinere Orders bekomme. — Ich kann natürlich noch nicht prahlen oder gar renommieren, denn ich könnte hiervon noch ״kein Leben machen“, aber einmal muß man ja anfangen! Außerdem ist es hier genau so wie drüben, nur in viel, viel größerem Ausmaße. Iti der Konfektion wird immer sehr viel Ware gebraucht und deshalb gibt es auch viel Konkurrenz. Ich hätte mich nur nicht entmutigen lassen sollen. Briefmarken * Fritz Lewin Lützowstr.SIA Wenn ich nämlich schon vor zirka 6 Monaten mit irgendeiner Vertretung begonnen hätte, wäre ich heute schon wesentlich weiter, insbesondere mit meinem Englisch; denn ich habe in diesen acht Wochen durch den Umgang mit der Kundschaft viel inehr gelernt, als die ganze Zeit vorher, inklusive Abendschule. Aber man hat mir gesagt: ״Du willst hier als Vertreter arbeiten mit deiner Sprache? Du kannst hier höchstens als Hausdiener oder Tellerwäscher gehen, und vielleicht nach ein bis zwei Jahren kannst du an so etwas denken.“ Ich bin sonst nicht gerade leicht zu entmutigen, aber wenn man in eine ganz anders geartete Welt kommt, so ist man ja — leider — zunächst geneigt, allen Leuten zu glauben, die schon längere Zeit im Lande sind. Und besonders, da man die Sprache noch nicht beherrsciit, kann man sich eben eines gewissen Minderwertigkeitsgefühls nicht erwehren. Da ich nun das Olück hatte, daß meine Frau bereits nach knapp 14 Tagen zu arbeiten anfing und mit ihrem Verdienst für uns beide ״ein Leben machen“ konnte, so hatte ich es nicht nötig, z. B. als Hausdiener oder Teller- Wäscher für ca. 15—18 Dollar wöchentlich (dies ist etwa der H ö c h s t verdienst) zu gehen. Damit will ich natürlich keineswegs sagen, daß ich etwa zu ״fein“ hierfür wäre. Nur habe ich eben sofort nach meinen Orientierungen gesehen, daß fast alle Einwanderer, die auf diese Weise hier ״gestartet“ sind, diese Posten viele Monate, wenn nicht gar Jahre lang bekleidet, und kaum eine Chance haben, weiterzukommen. Denn es ist ja klar, wenn man von morgens bis abends an irgendeinem ״place“ Hausdiener oder etwas ähnliches ist oder von morgens bis abends in einer Cafeteria Teller wäscht, kann man sich kaum nach etwas anderem umsehen und Beziehungen anknüpfen — lind ״Beziehungen“ sind nun einmal doch_ für uns Kaufleute enorm viel wert. Ich lerne auf diese Weise viele Menschen kennen, habe schon öfters hier und dort manchen wertvollen Rat bekommen, ich hoffe bestimmt so weiterzukommen und in kurzer Zeit auch für mein Teil ״ein Leben machen“ zu können, ln Deutschland kannte ich ja kaum einen Blumenvertreter, aber ich glaube sicher, es ist hiermit dort ebenso wie hier; sie rangieren — mit sehr wenien Ausnahmen natürlich wie überall — weit hinter den eiden- und Stoffvertretern und auch hinter den Knopfvertretern. Mein Streben ist demnach, so bald wie möglich eine Seidenvertretung zu bekommen, möglichst von einer einigermaßen leistungsfähigen Firma. (Hier gibt es mehrere Hundort Seidenleute.) Vorläufig will ich aber zumindest diese Saison über auf meinem ״Pferd“ sitzen bleiben. — In der vorvorigen Woche habe ich 1100 Blumen ä ca. 17 C, also für insgesamt S 185 verkauft, demnach also S 18.50 verdient, die letzte Woche war wesentlich schlechter, und was die jetzige Woche bringen wird, weiß ich noch nicht. — Diese 1100 Blumen verkaufte ich an drei Kunden; ich kann mit meinen Sachen nicht die billigen Leute, die 2,S7-Kleider machen, besuchen, sondern nur die Leute, die Kleider von $ 6.75 bis ca. 15 machen. — Aber auch diese Leute schneiden aut einmal ea. 300—600 Kleider. Ein Kunde hat eine von meinen Blumen bereits ca. 800mal gebraucht. Zuerst muß man bei der Direktrice mustern (zum Glück mustern sie hier fast das ganze Jahr über!), um die Musterung kümmert sich kein Einkäufer oder Chef, wenn nicht gerade, was nur sehr selten der Fall ist, der Chef selbst designer ist. Die Direktrice zahlt natürlich jeden Preis, und das Aushandeln der Preise fängt dann eben erst beim Einkäufer oder der Einkäuferin, die es hier sehr viel gibt, an. Es gibt hier eine große Anzahl mittlerer und auch kleinerer Seidengrossisten, und wenn vielleicht auch nicht alle, so machen sicher die meisten hiervon ein Leben. Einige verlegen sich zum größter! Teil nur auf glatte, andere wieder mehr auf gemusterte Waren usw. Die meisten lassen aber gewöhnlich selbst ausrüsten resp. drucken, aber nicht alle. Dann gibt es hier sogenannte Factors. Diese Leute geben einem großen Teil von Grossisten, die kein oder nur wenig Geld haben, die notwendigen Waren, führen hierfür aber sozusagen die Regie über diese Engrosgeschäfte, d. 11. sie bestimmen über die Kreditgabe an die einzelnen Kunden, ziehen die Gelder ein usw. Wenn man also in der Branche gut bekannt und vor allem gut beleumundet ist, kann mau also ziemlich einfach ״Grossist“ werden. Die meisten Seidenleute unterhalten hier allerdings sehr große Läger, weil ja auch hier, wenn das Geschäft geht, die Kunden am liebsten ״einen Tag vor Auftragserteilung“ die Ware geliefert haben möchten. (Für meine Blumen z. B. bewilligen sie mir längstens vier bis sechs Tage Lieferzeit.) Natürlich wäre es für ein ״Greenhorn“ erst recht verfehlt, viel oder gar alles Geld, das er besitzt, in ein Geschäft hineinzustecken. Alles in allem möchte ich sagen, daß es trotz alledem vielerlei Möglichkeifen gibt, um in der Konfektion zu arbeiten — nur Konfektion selbst zu machen, halte ich für einen Einwanderer für ziemlich, wenn nicht ganz ausgeschlossen. Denn hierin gibt cs in USA. absolut keine kleineren Betriebe. Alle fabrizieren Kleider oder Mäntel nur in großem und meistens in kaum denkbar großem Maßstabe. Hinzu kommt, daß der allergrößte Teil im Hause gemacht wird, daß also diese Betriebe immer bis mehrere hundert Angestellte haben tu haben in den guten Fachgeschäften «׳׳«#*/»////׳ WM/A dienatHrqemässe TussbekUidttnq VW////////////'///fr•»״//ft/t/riMn/wi. t/wW müssen usw. Viele dieser Firmen haben außerdem noch ihre eigenen Contractors (Zwischenmeister), die ihnen auch noch enorme Spesen verursachen. Es ist unmöglich, auch nur annähernd zu schildern, was hier in der Konfektion an Massen fabriziert wird, und dies nicht nur in der Preislage von 2.87 und darunter; meine Frau ist z. B. bei einer Firma tätig, bei der sie mit S 49 anfangen, auch mehrere hundert Kleider von einer Fasson schneiden. Das Besuchen der Konfektion ist hier ziemlich einfach, da sich alles etwa zwischen der 34. bis 40. Street in der 7., 8. Avenue und Broadway befindet; in etwa 10 Buildings sind allein je etwa 100—400 Konfeklioiiäre. Zum Beispiel in einem der bekanntesten Häuser, 1400, Broadway an der 39. Street, mit seinen 36 Stockwerken, sind ca. 300 KonfektioiFire, meistens nur Kleiderleute. Dort befinden sich 10—12 Personenfahrstühle, sogenannte Lokal- und Expreß-Flevators; diese z. B. starten resp. stoppen so: 1.—6. Floor, 6.—16., 12.—23. und 23.—36. Was für ein Betrieb dabei herrscht, kann man sich ja vorstellen — oder auch nicht. Aber man muß eben auch liier sehr fleißig sein, denn auch hier kommen die Kunden nur selten selbst zum Ver- Käufer. Wir wohnen in einem Boardinghouse, in einer der allerbesten Gegenden der 83. Street, im dritten Haus vom Zentralpark-West. (In einem Apartment House in dieser Gegend ist natürlich eine Wohnung nicht zu bezahlen.) Wir haben ein sehr großes Zimmer mit anschließendem Kitchinctte; Bad, Toilette für zwei Parteien; kostet S 8 pro Woche, also ca. S 35 pro Monat. Abgesehen davon, daß wir uns doch erst Möbel usw. anschaffcn müßten, leben wir hierdurch doch billiger, als wenn wir eine Wohnung von zirka $ 30—35 hätten. Denn wir haben keinen Cent für Gas oder Elektrizität zu zahlen, keinen Cent für Bedienung und Wäsche. (Wir bekommen pro Woche 8 Handtücher und 2 Küchen- Gesegnet der Mann, der mit IHM sich sichert; ER wird seine Sicherheit. Der wird sein wie ein Baum ans Wasser verpflanzt, an den Laut sendet er seine Wurzeln: wenn Glut kommt, sieht er nicht drauf, üppig bleibt sein Laub, im Mongeljahr sorgt er nicht, läßt nicht ab, Frucht zu bereiten, — Schlichereich isi das Herz mehr als alles und sehrend wund Ist cs, wer kennt es aus? - ICH bins, der das Herz ergründet, der die Nieren prüf!, Jedem zu geben nach seinem Weg, nach der Frucht seiner Geschähe. Jitmejahu 77, 7—70 Ucbet setzt von Marlin Bubet F.ainltücher, und die Betten werden jede Woche bezogen.) Nur für unseren Eisschrank hraiidien wir jede Woche für 40 Cent Eis 8 1.80 pro Monat. Für E-sen gehen wir S 8 und für Obst 8 1 pro Woche ca. 8 10 pro Monat. Wir kaufen z. B. nur bestes Flvisdi; Lebenonilk'l sind überhaupt hier sehr billig. An Fahrgeldern brauchen wir beide täglich 20 Cent, monatlich also 8 5, etwa dreimal im Monat Kino — 8 2.25, sonstige Ausgaben wie Wasche, Frisör, Strümpfe usw. ea. •? 2 25 pro Woche — •S 10 pro Monat, zusammen ca. ■8 90 pro Monat oder S 20 p r o W o e It e. Zum Schluß noch etwas über Englisch: Obwohl ich am Gymnasium drei Jahre Englisch lernte und /«letzt auch noch ein paar Wochen Unterricht nahm, kam ich m ir hier in den ersten Wochen geradezu wie blöde vor. Was nützte es, daß ich drüben die engli-ehc Zeitung z, B. schon sehr gut lesen 1111:1 auch ganz gut schreiben konnte, hier verstand ich keinen Mem-chen, und was noch deprimierender für mich war, mich verstand kein Mensch. Man darf nichts darauf geben, dal) vielleicht Touristen er/ahlen, wie fabelhaft sie sich hier verständigen konnten, alle bilden sich nämlich ein, daß sie erstklassig sprechen und vor allem eine erstklassige Aussprache haben; dabei verstehen sie — mit ganz wenigen Ausnahmen natürlich — zur Not Ihne do von do und evtl, noch ein paar Brocken. - - Natürlich spreche ich nun, nach 7 Monaten, schon einigermaßen, aber ehe ich die Sprache wirklich beherrschen werde, bis dahin wird wohl, leider, noch eine Menge Wasser den Hudson River entlang fließen. Um mit der Kundschaft richtig verkehren und verhandeln zu können, muß man eben eine Sprache beherrschen. G. I. L, Wiederaufnahme der Siedlungspläne in Frankreich. Unser Pariser K.-Berichterstatter schreibt uns: Im Zusammenhang mit der Revision der französischen Fremdengesetzgebung findet eine Prüfung aller ausländischen Aufenth altserlaub* nissc in Frankreich statt. Die französische Polizei stellt in zweifelhaften Fällen besondere Enauetcn mit Vernehmungen der betreffenden Ausländer an. Die Folge dieser Untersuchungen ist, daß in der! letzter! Wochen wieder eine große AllAlldlfilICAHIIIII1 tl feste Rente bis Lebensende, jjnrantiert 111(61 ÖVÖI will!1(1111 ,lurch erste Vcrs.-G«. Auskünfte durch Philipp Ucko, Bef!in* Wilmersdorf, Brandenburg,ehe Straße 22 Z Ruf 927443 Anzahl Ausweisungen vorgenommen wurden, von denen auch jüdische Einwanderer in Frankreich, denen administrative Unregelmäßigkeiten nachgeu iosen wurden, betroffen wurden. Der französische Arbeitsminidcr I? a m a d i e r hat eine Deie- Ration der ״Federation des So eiet cs Jtiives“ empfangen. Die Unterhaltung befaßte sich mit der Lage jener Ostjtiden in Frankreich, die in einer!ungeregelten Situation gegenüber den Behörden leben. Die jii.il -cb,e Delegation machte dem Minister den Vorschlag, als Hilfsaktion fur diese Einwanderer den Plan einer j ü d j s eben S i e d 1 u n g in M i t t e I - u n d S ü d w e s 1 f r a 11 k r c i c h w ieder aiif/unehmen, der vor einiger Zeit von dem damaligen Staatssekretär Philippe Serre, der aber der jetzigen Regierung nicht mehr angehnrt, vorgetragen wurde. Der Minister versprach, mit seinen Kollegen in dieser Frage Fühlung zu nehmen. Die Geschichte von den Töpfen Von S. J. A g n o n Aus dem Hebräischen von Efraim Frisch (Schluß) Sprach Reb Jude!; ״Mein lieber Note, warum sollte ich dich unterbrechen, sind mir doch deine Worte lieb. Hören wir doch aus jedem Wort, das ein Mensch aus seinem Munde entläßt, den Preis des Heiligen, gelobt sei Er! Erzählt ein Mann aus Israel seine Not, wie drückt er sich da aus: Sein Name, gelobt sei Er, hat mir geholfen, Sein Name, gelobt sei Er, hat mich nicht verlassen. So steigt die Preisung des Herrn aus jedem Wort empor, und nicht nur das, sondern befindet sich Israel in Not, dann ist es, als wenn die Not vor Ihm selbst wäre, wie geschrieben steht: In all ihrer Not ist Ihm leid, und an einer anderen Stelle in den Psalmen: Im Leid bin Ich mit ihm. Wenn also der Höchste Ort Schmerz leidet, müssen wir da nicht Seinen Schmerz uns zu Herzen gehen lassen? Und da ich schon dabei bin, will ich dir was erzählen: Einmal war ein Zaddik im Gefängnis, und als ihn seine Jünger besuchten, fanden sie ihn weinend. Fragten sie ihn: Rcbbc, warum weinst du? Sprach er: Meine Kinder, der Allmächtige ist mit mir in meinem Schmerz, und ich soll nicht weinen?“ Das ist es auch, was David meinte: Auch wenn ich in das Tal des Todes hinabschreite, fürchte ich mich nicht, sondern was quält mich: daß du mit mir bist, daß mein Schmerz die Heilige Einwohnung berührt. Und jetzt, nachdem ich dir das alles gesagt, fange an und ich will zuhören.“ Sprach Note: ״Wo bin ich stehengeblieben?“ Antwortete Reb Jude!: ״Bei der Fuhre mit den Chassidim, die dich am Wege gefunden haben“. Sprach Note: ״So ist es. Sie setzten mich in den Wagen, brachten mich nach Brody und führten mich in einen Gasthof. Es war gerade Freitag und die Wirtin stand vor dem Backofen und zog mit der Schaufel allerlei Backwerk heraus. Da sprach ich zu mir: Wie wäre es, Note, wenn du diese Leckerbissen bekämest, würdest du wohl essen? Denn seitdem du Busk verlassen hast, hat dein Leib außer Wasser und Schläge nichts bekommen, Wäre mir unterwegs nicht mein Geld geraubt worden, hätte ich wohl zu essen verlangen können, jetzt aber, ohne einen Hellet in der Hand, wie soll ich das anfangen? Da indessen mein Magen sehr zu knurren anfing, sprach ich zu ihm: Du Sünder, hast du, seit du lebst, einen Mann gesehen, der vor dem Beten ißt? Ehe du zu essen verlangst, verlange erst Tefilin! und bete. Gab mir der Wirt seinen Gebetmantel und seine Betriemen, und als er sah, daß ich den Mantel nicht umnehme, fragte er: Bist du ein Lediger? Ja sagte ich. Darauf winkte er seiner Frau und sprach: Gib dem jungen Mann da etwas zu essen. Ich hatte kaum mein Gebet beendet, da wurde ein Topfgericht vor mich hingestellt. Ich war im Augenblick frommen Sinnes und sah nicht nach den Weibern, und wußte nicht, wer es mir gebracht hat, die Frau oder ihre Tochter. Er lud mich auch ein, am Schahbat an seinem Tisch zu speisen. Während der Mahlzeit fragte er, was man zu fragen pflegt und ich erzählte ihm, was ich zu erzählen hatte. Darauf legte der Hauswirt seine eigene Hand auf meine Schulter und sprach: ,Sorg dich nicht, Note‘, und mit der andern wies er hin und sprach: ,Siehst du diese? Bei deinem Leben, sie wird deine Hilfe sein!‘ In dem Augenblick wurde wieder ein Topfgericht gebracht. Sagte ich zu mir: Bevor du dahin siehst, iß erst. Aus Höflichkeit nickte ich und aß. Am Ausgang des Sdiabbat kamen seine Verwandten und Freunde ihn besuchen lind wünschten die Topfgeschichte von mir zu hören. Als ich sie erzählte, lachten sie sehr und sprachen: ,In unserem Leben haben wir keine schönere Geschichte gehört, wir schwören, selbst in der Chronik der Stadt Brody findet man dergleichen nicht. Denn wie kommt der Kopf zum Topf?‘ Und schlugen mir auf die Schulter und sagten: ,Alles Böse geht zum Guten aus, und dir ist noch Größeres zu erleben Vorbehalten‘. Darauf spendete ich Lob und Danksagung dem Heiligen Namen, gesegnet sei Er, daß Er mir wohl tat in meiner Not und mich in das Elans eines so werten Mannes gebracht, ich segnete diesen mit allen Segenswünschen und konnte mich nicht eher beruhigen, als bis ich sprach: Herr der Welt, womit soll ich ihn noch segnen? Alles, was ich ihm wünsche, hast Du ihm gegeben, doch vor Dir ist offenbar und bewußt, daß es keinen Mensehen ohne Leid gibt, und wenn ein Leid in seinem Hause ihn drückt, von dem er sich nicht befreien kann, so möge es Dein Wille sein, ihn i!1 Deinem groß *n Erbarmen zu erlösen aus dieser Not, des Verdienstes we״en um das Gebot der Gastfreundschaft das et an mit erfüllt hat. Sehr bald konnte ich sehen, daß mein Segenswunsch gewirkt hat. Demi noch in der gleichen Nacht sei« ich er die Verlobtmgsschriftcn für seine Tochter. Wie sehr iiente ich mich zu jener Stunde, wie nahm ich teil an dem Freudenfest, und jeder, der danach ausschen konnte, schien mir der Bräu4 tigain zu sein. Als sie sahen, wie sehr ich mich freute, wurde ich ihnen doppelt lieh und sie setzten mich obenan. Der Hausvater erhöh sich und sagte zu mir: Maseltow, Note‘, ich nickte ihm zu und erwiderte: ,Maseltow, Brautvatcr!‘ Darauf erhoben sich alle Gäste und riefen mir ,Maseltow! Maseltow!‘ zu. Und die Weiher begannen die Töpfe zu zerschlagen und riefen ebenfalls: Maseltow! Ich sah mich nach allen Seiten um und suchte den Bräutigam, uni ihn zu beglückwünschen. Doch wohin immer ich mich wende, strecken sich mir Hände entgegen, die meine Hand schütteln: Maseltow, Bräutigam, Maseltow, Note! — Jetzt erst verstand ich, daß niemand anderer als ich der Bräutigam war, und noch hatte ich in meinem Sinn nicht erwogen, oh ich diese hier ehelichen wollte; doch konnte ich denn nach den Topfgerichten es rückgängig machen und sagen, ich will nicht? Zumal nachdem ich den Töpfen gehörig /!!gesprochen hatte. Ich sprach in meinem Herzen: ,Weh dir, du Säufer und Fresser, wäre jener Topf nicht zerbrochcn worden und hättest du am Freitag nicht aus einem gegessen, so wären am Schabbatausgang alle diese Töpfe nicht zerbrochen worden.‘ Ich erkannte, daß Geschehenes nicht ungeschehen zu machen sei, ich beugte meinen Sinn und nahm auf mich, was mir aufcrlcgt, und sprach: ,Wenn du ein Pferd hist, Note, dann!aß dir das Zaumzeug gefallen. Sicherlich ist es schon längst Oben verkündet gewesen, daß du Leinen fährst und es für Töpfe hältst, daß dir ein Topf über den Kopf gestülpt wird, daß man dich zu einem Manne bringt, der dir ein Topfgericht vorsetzt und daß zum Schluß viele Töpfe zerschlagen werden‘. Es vergeht kein Tag, daß ich nicht an die Topfgeschichte erinnert werde. Was sind aber alle diese Töpfe, Heb Jude!, gegen jene, die meine Frau in ihrem Ingrimm an mir zerschlägt! Nicht daß ich, behüte, etwas gegen meine Frau sagen wollte, bevor ich das tue, sollte ich mich selbst am Schopf nehmen dafür, daß ich mich damals so wild aufs Essen gestürzt habe!“

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