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Jüdische Rundschau · 1938-05-27 · Heft 42 (27.5.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 42 (27.5.1938)
Date
1938-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42, 27. V. 1938 gebiete zuzugesfehen und ־für diese die Möglichkeit der Einwanderung zu gehen. Der p!an soll im Laufe von zehn Jahren, während «lerer das Mandat aufrechterhalten bleibt, durchgeführt werden. Auf der anderen Seite haben die englischen Zionisten hei ihrer diesjährigen Konferenz gleichfalls zur politischen Situation Palästinas Stellung genommen. Sie haben wiederum den Gedanken eines j ü d i s c 11 e n Staates innerhalb des britischen Weltreiches als Ziel der Palästina-Politik in den Vordergrund gestellt. Wie immer mau all diese Projekte beurteilen mag, so geht aus ihnen hervor, daß auch heute noch, während die Tcilungskommission bereits an der Arbeit ist, die grundlegenden Fragen durchaus im Fluß sind, und daß die Auseinandersetzung über die endgültige (iesialuntg der staatsrechtlichen und territorialen Verhältnisse Palästinas von einem Abschluß noch sehr weit entfernt ist. Ls tut 110t, diese Erkennfnis ins Gedächtnis ziiriick/tmifen in einem Augenblick, in dem die Lage in Palästina seihst kritisch ist und in dem cs wiederum darauf ankoimnt, alle aufbauenden Kräfte auf unserer Seite zusammenzufassen und für eine Entscheidung in die Waagschale zu werfen, die unseren Vorstellungen von der zukünftigen jüdischen Arbeit im Lande entspricht. * Unser tiefstes Interesse ist auch heute’ in der Zeit wichtiger politischer Entscheidungen den eigentlichen Elementen des Aufbaus im Lande zugewancit. Die Lage bedeutender Wirt- S c 11 a f t s t w e i g e ist auch jetzt noch nicht einfach, obwohl nicht verkannt werden darf, dal! cs dennoch an vielen Punkten vorwärts geht. Sn konnten wir erst vor einigen Tagen davon berichten, dall eine neue Siedlung im Linek Chcfcr geschaffen wurde, :11 der 10 jüdische Familien des Mittelstandes aus Dei!1xcl1ln!1<l zur Ansiedlung kamen. Die neue Siedlung tragt den Namen S’dot Warburg (Felder Warburg‘.) zum (icdächtiiis an Otto Warburg, den im verg.ingeneii Jalue d.iliiiigegangeiien ehemaligen Präsidenten der Zionistischen Wi horgnnisati.in, und verewigt dadurch in der Landwirtschaft P.ahistinas den Namen jenes .Mannes, der ganz besonders eng mit der frühesten Entwicklung der praktischen Pal.istina-Arheit \ eibiindeii war und zu den hervorragendsten Männern gehört, die die Jndenheit Deutschl.amls dem 7loiii-mus und Palästina geschenkt hat. Fs ist besonders erfreulich, daß in so kurzer /,eit an zwei Punkten des Lande', derartige Siedlungen gegründet wurden, einmal Schau e Zürn, wo die Kevin ger (truppe auf ihren Boden kam. und jetzt S’dot Warburg, Natürlich haben diese Siedlungsgrirmltingen weniger akhi- «Ile Bede!■'■ für die Gesamnvirtschaft Palästinas, als daß sie Bausteine f 11 r die Zukunft des Landes darsteHen, Betrachtet man die augenblickliche wirtschaftliche Situation, so sind die Meldungen interessant, die von der Entwicklung des Effektenmarktes berichten. Man hört, daß in den letzten Wochen wichtige palästinensische Wertpapiere sehr stark vom Publikum gekauft wurden, ja 711m Teil ausverkauft sind, und daß ihre Kurse erheblich angezogen haben. Dies zeigt, daß das Vertrauen zur Entwicklung palästinensischer Unternehmerngen — und nicht zuletzt auch solcher teilweise nationalen Charakters — im Wachsen begriffen ist, und daß gerade die wirfschattlich rechnenden Kreise die Zukunft des Landes nicht ungünstig beurteilen. Niemand kann Voraussagen, welche Einflüsse von der politischen Seite her auf die wirt* schaftliche Lage ausgeheit werden. Wenn in dieser Hinsicht keine besonderen Erschütterungen cintretcn, so dürften aber die Stimmen im Lande sich mehren, die der Ansicht sind, daß der Tiefpunkt der Depression /umindesten erreicht, wenn nicht auf manchen Gebieten bereits überschritten ist. * Indessen ist die Notlage weiter Kreise der j ü - d i s e 11 e 1! Bevölkerung des Landes heute eine außerordentlich große und wird es seihst dann noch bleiben, wenn die allgemeine Entwicklung wieder aufwärts geht. Die Folgen der Arbeitslosigkeit und des Finkommenssclnvnmles können nicht von heule auf morgen überwunden werden. An dieser Steile wurde bereuvor einer Woche in einem Aufsatz auf jene Probleme liiiigewie-eii, die sich aus der Not zahlreicher Menschen im Lande ergeben, Probleme nicht nur materieller, soi,dem eben-o -ehr moralischer Art. ln Palästina seihst ist manches geschehen, tun die aktuelle Notlage zu mildern. Die Arbeiterschaft Palästinas ging dabei mit gutem Beispiel voran, indem mc einen Fonds ״P 1 d j o 11 Awoda" schuf, dem die in Arbeit betmdhciicfi Arbeiter den Verdienst von 18 Ar• beitstagen ziifuli!ten. Audi die bürgerlichen Kreise des Landes und besonders der Mittelstand, der vor! der Krise nicht weniger schwer betroffen wurde, haben eine Aktion der Selbst- Hilfe durchgefuhrt, die unter dem Namen ״M i t d e h Lsrach i“ lauft. Die in Pa!,istina aufgebrachten Mittel reichen aber bei weitem nicht aus, um die akute Notlage zu bekämpfcn. Aus diesem (irunde beschlossen Exekutive und A.-C. der Zionistischen < 'rganisation, die Zionisten außerhalb Palästinas dazu aufzurufen, durch eine einmalige Aktion ,״Mifdch Zion i‘־ dazu beizutragen, daß die Notlage in Palästina gemildert wird. Diese Aktion wird unter dem Motto: ״Drei Tage für Erez Israel‘‘ durchgefuhrt und soll in der Art ablaufen, daß das Einkommen oder der Verbrauch von drei Tagen (bzw. bei geringerem Einkommen von ein bis zwei Tagen) dem Mifdeh Zioni zugcfiihrt wird. Es ist gewiß ein erlichliebes Opfer, das den Zionisten der Golah durch die Beteiligung an dieser Aktion zugeinutet wird. Gerade hier aber kann es sich zeigen, was zionistische Gesinnung wert ist, wenn es darum geht, in einer schweren und entschcidungsvollen Periode des lieber ganges Palästina Hilfe zu leisten. Der Ruf des Mifdeh Zioni ergeht nur an die Zionisten, auf denen in dieser Stunde neben den normalen Aufgaben ihrer Arbeit eine zusätzliche Verpflichtung ruht. Wir sind dessen gewiß, daß gerade die Zionisten Deutschlands, die heute in so vielfältiger Weise mit dein Leben Palästinas verbunden sind, den Ernst dieses Aufrufes begreifen und in ihrer Leistung nur ein kleines A e q 111 v a 11־ n t für all das erblicken werden, was Hunderte und Tausende in Palästina in ihrem tagliehen Leben an Opfern und Gefahren auf sich nehmen — ״Klappen“ Eine Schilderung aus Brasilien Mein Freund Mendel, ein Jude aus Polen, der schon ein Jahrzehnt lang ״klappt" (d. 11. hausiert; man klatscht in Brasilien in die Hände, wenn man Einlaß in ein Haus begehrt), hat die Güte, mich zuweilen an seinen interessanten Touren teilnelimen zu lassen. Es gibt keine bessere Gelegenheit, die kleinen Familien des inneren Brasilien kennetizuleriicn, zu sehen, wie sie leben und denken. Die ärmsten Familien, die in der kaum glaublichen Pr!• mitivität ihrer aus rohen Balken gefugten Hütten wohnen, werden es' selten versäumen, die staub- und schweißbedeckten Ankömmlinge, die stundenlang auf den Schwellen der Eisenbahngleise, durch Busch und über glühende Hügelsteppen gewandert sind, mit einem freundlichen ,,servido“ zu einem ״cafe/inho“ oder je nach der Tageszeit zum Mittag- oder Abendessen einzuladen. Je weiter man von den Städten entfernt ist. desto seltener geschieht cs, daß mau von einer Tür abgewiesen wird, ohne die Waren wenigstens zeigen zu können. Die dankbarsten (und armsten) Zuschauer sind die Neger, welche die Vorführung unserer Kostbarkeiten — Oberhemden, Handtaschen, Strümpfe, Unterwäsche usvv. --י mit kleinen Ausbrüchen Spezialhaus für moderne Damen- und Herren-Strümpfe, Handschuhe, Trikotagen, Wäsche und Strickwaren Strumpfhaus Metzger Nachf. BENNO STRUPP BERLIN NW 7, FRIEDRICHSTRASSE 91/92 des Entzückens begleiten, in die Hände klatschen und samtliehe Heiligen als Zeugen anrufen. Wenn zum Kauf geschritten wird, so geschieht das mit all der Umständlichkeit eines orientalischen Handels. Beide, Käufer und Verkäufer, treten in die geheiligten Spuren einer alten Tradition, und mit einer gewissen epischen Behaglichkeit und ästhetischen Genußsucht werden Gründe und Gcgcngriinde für die Preiswürdigkeit einer Ware auseinandergesetzt. Da der Verkäufer weiß, daß er eine ״Differenz“ machen muß, hat er schon vorher stillschweigend das abgeschlagen, was er nachher abziehen wird; und der Käufer weiß, daß es so ist. Unter heftigem Ocbärdcnspiel, wobei alle Regeln dramatischer Steigerung beachtet werden, Klagen über die schlechten Zeiten, die beiderseitigen zahlreichen Familien, von denen fast sämtliche Mitglieder krank zu sein pflegen, unter gewaltigen Dro- Innigen des Verkäufers, seine Nachen zu packen und wegzugchcn, vollzieht sich der Verkauf eines Taschentuches oder eines Kragens. Es ist ein Spiel, bei dem man schon vorher weiß, was hcrauskonimt. Am interessantesten sind die Autofahrten in den weiteren ,,Mato“ (Busch, Wald, Wildnis), die Herr Mendel zuweilen unternimmt, um kleine Wiederverkäufer und Händler 7.u beliefern. Mendels Auto scheint bei einer archäologischen Ausgrabung in Kleinasien entdeckt worden zu sein, aber er schwört auf Jiddisch, Polnisch und Portugiesisch, daß nur mit einem solchen Wagen die in Frage stehenden Chausseen zu bewältigen seien. Als ich mich diesem Wagen zum ersten Male anvertraute, nahmen meine Freunde gerührten Abschied von mir. ,,Das Auto als solches fährt ja noch ganz, gut■‘, sagten sie. ,,Und die Chausseen sind zuweilen auch befahrbar. Aber dies Auto und die Chausseen ... und dazu hat es noch geregnet... Lebe wohl...!“ Aber Herr Mendel ist ein' glanzender Chauffeur, und so fuhren wir heim ersten Morgengrauen los, mit einem kleinen Warenhaus versehen. Es ging alles ganz glatt, die Straßen waren relativ befahrbar, und bis zum ersten Ziel, einem kleinen Armazetn (Kramladen, in dem man von Schnürsenkeln bis zu Kautabak alles erhält), mitten im Wald, blieben wir nur zweimal im Schlamm stecken. Und auch als die Hinterräder des Autos einmal durch eine morsche Holzbrücke brachen, unter welcher in schwindelnder Tiefe ein Bächlein strömte, sagte Herr Mendel nichts weiter als: ,,Opaall!“ (Brasilianischer Ausruf der Verblüffung.) Das war nichts. Der Besitzer des Arma/cms, ein netter, alter Herr mit Stahlbrille, lud uns zu dem obligaten Mate Chiinaräo ein lind erklärte freundlieh, daß er gar nichts kaufen könne, da er nicht einen Milreis hätte. Dennoch kaufte er nach einer Stunde bchagliehen Gespräches, nachdem wir ungeheure Mengen von Zigaretten. Mate und Schnaps vertilgt hatten, zahlreiche Anzüge, Schuhe, Hosen, Hemden, Glasperlen, Broschen und bezahlte alles auf Milreis und Tostäo (kleine Münze: 100 Reis). Danach wurde die Fahrt abenteuerlicher. Wir begegneten kaum noch Pferdcgespamien, sondern fast nur jenen großen Planwagen, die von sechs bis acht Ochsen gezogen werden. In höllischer Mittagsglut sausten wir in endlosen tollkurnicht für sieh seihst allein, sondern für uns alle, für das ganze jüdische Volk, das mit dem Leben in Erez Israel verbunden ist. ♦ Aufbau und Frieden, das sind die beiden Ideen, die das jüdische Volk mit Palästina verknüpft. Es wünscht Wieder- Herstellung des Friedens im Lande und seine dauernde Sicherung, nicht nur weil es dieses Land aus tiefster Seele lieht, sondern auch weil es auf seinem Boden nach der langen Wanderung über Länder und Meere endlich zum inneren und äußeren Frieden gelangen möchte. Dabei sind wir uns wohl dessen bewußt, daß die Schaffung eines solchen Zustandes im Lande nicht allein von unserem guten Willen abhängt. Palästina ist mitten liineingestellt in die Entwicklungen d e r V eit, ja es liegt an einem Brennpunkt weltpolitischen Geschehens, lind jede Welle der Unruhe, die durch die Welt geht, streift auch seine Küste. Der Aufbau dieses Landes, seine Wiedererweckung zu blühendem Leben und die Wieder- 3qnjj jsp jiaz 31113 31 11 תגs .־hm ‘3Sa|jt| jauja pqgp uajjnpaq u»pog uiaums jne saqjo^ uaqe saaasun (jnqag und kontinuierlichen Entwicklung aufbringen kann. Heute blickt das jüdische Volk aus allen Teilen der Welt auf Paläim Busch vigen Serpentinen auf Wegen dahin, die kaum die Breite unserer eigenen Spur hatten und die als Priiftingsgclände für die Widerstandsfähigkeit von Tanks auserselien zu sein schienen. Dann wurde die Gegend flacher, und es begann der richtige Buse 11. Unser Wagen sprang, schoß und schleuderte auf einem schmalen, grasbedeckten Weg dahin, der durch den Busch freigelegt war. Zu beiden Seiten wogte iru unvorstellbarer Ueppigkcit dichtestes Grün, undurchdringlich verfilzt zu Dickicht, Gebüsch, Farnmähnen und Galeriegeschling — mul all das in den Weg hineinwuchernd und gegen die Schut/scheiben unseres halbgedeckteii Wagens schlagend, so daß wir alsbald von'abgerissenen Blättern, Blüten, Aesten und von Käfern, Faltern und tausenderlei erschrockenem Getier bedeckt waren. Beängstigend nah über uns kuppelte sich in grünlich schimmerndem Bogen das transparente Blättereiach, durch das gedämpft das Nonnenliciit sickerte. Von scheckigen Schattenmustern gefleckt, kamen wir uns im zitternden Dämmer Zwielicht wie seltsam verwandelte Ungeheuer vor. Stundenlang fuhren wir. durch die raschelnde unheimliche Stille dieses Tunnels, bis sich eine kleine Lichtung auftat und wir den weitesten Punkt unserer Tour erreicht hatten — einen winzigen Laden, der in der schweigenden Verlorenheit der unendlichen Buschcinöde verborgen lag. Der Besitzer war ein melancholischer dunkler Indiomischling, dessen Gesicht von der Malaria gezeichnet war und der uns mit flehendem Blick die winzigsten Neuigkeiten abpreßte. Er hatte eine merkwürdige Art, den Kopf hin- und her/uwiegen und beim Sprechen zu singen, als hätte er vor Einsamkeit das richtige Reden verlernt. Im!ihrigen bediente er sich der Taktik, nur die Ware zu kaufen, die er für schlecht und teuer erklärte, während Herr Mendel alles, was von ihm als billig und gilt gelobt wurde, ohne ein Wort zu verlieren wieder wegpacktc. Bevor der Kunde zahlte, zählte er das Geld etwa eine halbe Stunde lang immer und immer wieder. Von einem früheren Kauf her schuldete er Herrn Mendel noch 300 Milreis, eine Stimme, die er nicht zu haben behauptete. Wenn Senhor Manoel (sprich: Mendel) jedoch nach Ponta Grossa zurückfahre, so werde er ohne Zweifel Joäosinho treffen, der seinerseits ihm Geld schulde, und dieser werde ihm das Geld geben. Es handelte sich um einen Wagen mit weißem Plandach und fünf Pferden. Wir fuhren sehr bald los, denn der Himmel sali nicht gut aus, und wenn wir hier von einem richtigen Regen überrascht würden, dann können wir uns eine Woche lang im Busch ausruheu. Nach zwei Stunden rasender Fahrt trafen wir einen Wagen mit fünf Pferden, aber braunem Zeltdach. ״Heb, amigo!“ riet mein Freund, ״hist du Joäosinho (Johannchen)?“ ״Nein. Der ist jetzt wohl fast bei der Kaserne.“' Nach einer weiteren Stunde trafen wir einen Wagen mit weißem Dach, aber sechs Pferden. ,,Hell, alter Knabe! Bist du Joäosinho?!“ ״Nein. Joäosinho muß jetzt bei der Kaserne sein."' Ein dritter mit grauem Plandach und acht Pferden gab uns bereits den genauen Punkt an, wo Joäosinho Halt gemacht hatte. Wir fuhren an dem Hiittcnvortrupp Ponta Grossas vorbei, gerade als die ersten Riesentropfen vom schwarzen Himmel klatschten. Bei Blitzen und Donncrkrach stießen wir endlich kurz hinter der Kaserne auf joäosinho mit dem weißen Dach und den fünf Pferden. ״Maseltaff!“ sagte Mendel und forderte seine Dreihundert, aber Joäosinho behauptete, er schulde jenem Mann im Mato mir ISO Milreis, und die habe er auch nicht. Indessen, nahe hei der Stadt, zwei Kilometer entfernt von hier, gäbe es ein Geschäft, dessen BRIEFWIftRKEH HI. Ernst Potsdamer Str. 86 Inhaber ihm MO Milreis schulde, wenn der Senhor dorthin fahren wolle... er komme gleich nach. In einem fürchterliehen Wolkenbruch, trotz des halbgedeckteii Wagens naß bis auf die Haut, fuhren wir zu jenem Geschäft, vor dem uns eine Kuh mit gesenkten Hörnern erwartete. Wir traten ein und fanden den Besitzer gerade damit beschäftigt, alle spiegelnden Gegenstände sorgfältig mit Decken zu verhängen, um der Blit/gefahr zu begegnen. Ja, er schulde Joäosinho 140 Milreis, habe jedoch nur 128 zur .Verfügung, von denen er HO zu geben bereit sei. Nach einer halben Stunde kam Joäosinho triefend naß an, wurde beinahe von der aufgeregten Kuh Hingerissen und forderte sein Geld. Ger Schuldner begann die 110 Milreis aufzuzählcn, und als er fast fertig war, gab es einen furchtbaren Krach, und das Licht ging aus. Bei Kerzenlicht wurde nochmals von vorn begonnen. Endlich erhielt Joäosinho seine 110 Mil, von denen er, während die gewaltige Melodie des Regens herniederrauschte, 100 Mil an Mendel weitergab, da er ja auch etwas für sich behalten müsse. Auf diese Weise zahlte der Mann im Mato hundert. Mil von den fälligen dreihundert an Mendel ab. Dieser spendierte darauf hoch/ufneden eine Runde doppelten Pingas, wozu man auf deutsch ״Korn“ sagt. 1 Herbert Rosenfeld, Ponta Grossa stina als auf seine große Hoffnung, die Hoffnung seiner Kinder, und wir sehnen nichts so sehr herbei, als daß im Lande selbst wieder völlige Ruhe ciukehre, und daß in der Welt und unter den Völkern, in deren Mitle Palästina und das jüdische Volk existiert, der Friede und die Harmonie des Zusammenlebcns befestigt werden mögen, nach denen die menschliche Seele so sehr verlangt. Zugleich aber wissen wir, daß — wie immer die äußere Lage unseres Daseins sein mag — die ewigen Kräfte in uns wach sind, die uns durch die Geschichte bis hierher geführt haben; wir vertrauen darauf, daß daß auch in bewegten Zeiten, die in der Zukunft nicht aushl eiben werden, diese Kräfte uns leiten und stark machen werden, um den gestellten Aufgaben gewachsen zu sein und um die Energien in lins zu konzentrieren, die nottim, wenn unser Leben als Volk neu gegründet werden soll. K. L. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert W e 11 s c h, Berhn-ChaiL 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenitein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Flieh L i e ]) in a n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und AnzeigenvcrwaUung: Jüdische Rundschau, Berlin \V 15, Mcinekestr. 10. D.A. 1/1938: 26043. — Druck: Siegfried Scholcrn, Bcilin-Schöneberg. [ihr• Klndar winiirn amt Sa 4» A ן J| * J AAt J jB äl,Br Sle *'י*״ - |lhrArbalts«lnkemsnan sinkt t Muli OiiäP vOivJßOUiTß RitläßPr IIaP JWrßP ״ יm •°höher ״״Erfr<”״ | Ihr Kapitalertrag ralcht nlsht? fHfV 0Wfv MwWWf PHWW» /Uv #WwV* V.rm.Hlung und Beratung, j 51• lahran von Ihrar Substanz? FAMIL1ENSCHUTZ . Abteilung für Altersversorgung - Berlin W 8, Taubenstraße 35 Ruf?124418

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