Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 42 (27.5.1938)
- Date
- 1938-05-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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2b. 5.1Ü3S Nr. 42 / Jahrgang 43 Preis 25 Rpl. JÜDISCHE RUNDSCHAU Badaktton, Varlag and Anaelganvarwaltangt Barlln W1S, Malnakaa tr. 10 Farnruf! 919031, Telegramm■Adre»»#י Orghlp. — In Fällen höh«r«r Gewalt bestellt kein Anspruch euf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon geinhller Bezugs gebühren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,״, je Viertel, jahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungs. gebühr von 10,96 Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertrieb» - Abteilung für Groß-Berlin 1 Berlin 71573, für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN כ״ו אייר תרצ״ח FREITAG, 27. MAI 1938 Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die AnzelgenprelsUste Nr. 5 vom 1. April 1936. Die zwölfgespaltene mm-Zeile 20 Rpf, lür Familien- Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr. für die Freitag . Ausgabe : Mittwoch 15 Uhr. Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt für das iOdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Palästina - Umschau Für größere Alijah Zioxilstenkonferenz in London Die Jahreskonferenz der ״Zionist Federation of Great Britain and Ireland“ wurde am 21. Mai in London in An- Wesenheit von über 400 Delegierten unter dem Vorsitz von Rev. J. K. Goldbloom eröffnet. In seiner einleitenden Ansprache wies Goldbloom auf die großen Probleme hin, denen der Zionismus heute gegenüberstehe, insbesondere das Problem der Teilung Palästinas. Ein Auseinandergehen der Ansichten darüber müsse keineswegs eine Spaltung der Organisation bedeuten. Er wies auf die Arbeiten der Technischen Kommission hin und sprach die Hoffnung aus, daß sie am Ende ihrer Untersuchungen erkennen werde, daß die Lösung nicht in territorialen Kon- Zessionen oder gar in Verzögerung und Ungewißheit liege, sondern nur geschaffen werden könne durch eine feste Politik, die in Uebereinstimmung steht mit den feierlichen Versprechungen, die dem jüdischen Volke gegeben wurden. Das jüdische Volk vertraue auf die Einhaltung der Zusagen, die England gemacht habe, und hoffe zuversichtlich, daß es nicht enttäuscht werde. Rev. M. L. Perlzweig gab einen R e c h e 11 s c h af t sbericht über die Arbeit der Organisation im letzten Jahr und stellte fest, daß die englische Zionistische Organisation sich weder für die Teilung noch dagegen ausgesprochen habe und daß jede Behauptung, daß sie eine Politik der Teilung oder Nicht-Teilung beschlossen habe, falsch und unbegründet sei. Eine Entscheidung könne erst dann getroffen werden, wenn die politische Form dieses Planes bekannt ist, und sie könne auch nur vom Kongreß allein beschlossen werden. Brodefsky über die Forderungen an die Regierung Prof. S. Brodetsky übte Kritik an der Palästina-Politik der Regierung während der letzten Jahre. Man habe nicht nur fast 20 Jahre hindurch ungern das Mandat ausgeführt und Unentschiedenheit gezeigt, sondern in den letzten Jahren hätten wir auch eine Schwäche hinsichtlich des fundamentalsien aller Dinge bemerkt, nämlich der Sicherheit der Bürger. Die im Mai 1038 ergriffenen Maßnahmen hätten zwei jalire früher ergriffen werden müssen. Der Redner hegrüßte die Ernennung Malcolm Mac Donalds zum Kolonienminister und erinnerte an die Zusammenarbeit mit ihm in den kritischen Tagen von 1030, als das Paßfield- Weißbuch erschien. Er sei sicher, daß MacDonald wohlwollend sein werde, weil er das jüdische Problem kenne und auch die Fehler des früheren Regimes sehe. Dennoch sei es noch zu früh, dem neuen Minister Glückwünsche darzubringen. Er könne erst nach folgenden vier Kriterien beurteilt werden: 1. Schnelle Wiederherstellung des Friedens in Palästina; 2. Sympathie für die sofortige Wiederherste!- lung.der jüdischen Einwanderung nach Palästina, ohne irgendwelche Teilungs- oder Nichtteilungspläne abzuwarten; 3. rasche Ausarbeitung einer Politik für die Zuk un f t; 4. in welchem Maße er den Prinzipien treu bleibe, die die Balfour-Deklaration beherrscht und das Mandat geschaffen haben. Zum Schluß seiner Rede warnte Brodetsky vor einer Spaltung der Organisation und appellierte an die Zionisten, dies zu verhüten. Die Frage, vor der heute das jüdische Volk stehe, sei nicht Teilung oder Nicht-Teilung und auch nicht* die Wahl zwischen Teilung oder Mandat, sondern: Was wird aus dem jüdischen Volk in Palästina werden? Er würde es für falsch halten, die Teilung zu verhindern. Man müsse sich fragen, ob nicht das, was hinterher komme, noch schliinmer sei. Für ״jüdischen Staat im Britischen Weltreich“ Nach einer Generaldebatte über die politischen Fragen nahm die Versammlung eine Anzahl von R eso Intionen an. Von den politischen Resolutionen fordert die erste die Regierung auf, ״bis zur Erreichung eines Abkommens hinsichtlich irgendeines Wechsels in der grundsätzlichen Politik die Bedingungen des Palästinamandats voll zu erfüllen, um die Errichtung des Jüdischen Nafionalheims zu erleid!- tern.“ Die Resolution erklärt entschiedenen Widerstand gegen ״jede Politik in Palästina, die nicht für eine den jüdisehen Bedürfnissen angemessene E i n w a n d c - rung sorgt, die nicht die jüdischen wirtschaftlichen und politischen Erfordernisse zu befriedigen vermag und die vorsucht, dem jüdischen Volk den Status einer permanenten Minderheit aufzuerlegen oder der jüdischen Entwicklung in Palästina künstliche Beschränkungen entgegenstellt,“ Die Re- Solution schlicht: ״Die Konferenz bestätigt von neuem das Ziel des Zionismus: die Verwirklichung des historischen Rechts des jüdischen Volkes auf die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, und bekundet, daß, da die englischen und jüdischen Ideale und Interessen in Palästina zusainmengehen, die englischen Zionisten eine Lösung willkommen heißen würden, die schließlich dem jüdischen Staat einen Platz innerhalb des Britischen Weltreiches verschaffen würde.“ Die zweite Resolution fordert die Bewaffnung des Jischuw zur Verteidigung sowie ausreichende Gelegenheit, bei der Wiederherstellung der Ordnung im Lande mitzuwirken. Zum Schluß forciert die Resolution die Beendigung der gegenwärtigen Ungewißheit in bezug auf die Zukunft Palästinas, die die Sicherheit und Wirtschaft des Landes schwer bcdroht. Die dritte Resolution drückt ernste Besorgnis über ״die Fortsetzung der Politik der Regierung aus, die eine willktirliche Höchstgrenze für die jüdische Ein- Wanderung nach Palästina schafft, die im Gegen- Satz zum Mandat und zu der Erklärung seitens der Regierung vor dem Völkerhundsrat im September 1937 steht, wonach dies eine rein zeitweilige und Ausnahmetnaßnahme war. ״Die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina“, so schließt die Resolution, ״stellt die einzige Dauerlösung der Judenfrage dar, und dies kann nur durch eine jüdische Ein- Wanderung erreicht werden, die mit den Lebensnotwendigkeiten Palästinas und des jüdischen Volkes übereinstimmt. Die Konferenz appelliert daher an die Regierung, die Politik der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit wieder aufzunehmen und alles zu tun, um die Zulassung jüdischer Emigranten in das Land zu erleichtern.“ Die Konferenz überreichte dem britischen Oberrabbiner Dr. Hertz das Diplom seiner Eintragung in das Goldene Buch des KKL. Von der Teilungs-Kommission Die Palästina-Kommission hielt ihre zweite geschlossene Sitzung ab. Der Oberrichter von Palästina, Sir Harry Trusted, sagte vor ihr aus. Dr. Weizmann wurde am 25. Mai wiederum von der Kommission vernommen. Neue Zuspitzung der Lage — Politische Perspektiven Wirtschaftliche Entwicklung — Miideh Zioni — Die ewigen Kräfte Die letzten Tage haben in Palästina erneut eine Zuspitz ung der Situation gebracht. Während die Technische Kommission mit ihren Vernehmungen begonnen hat, entschloß sich die Regierung zu durchgreifenden M a (! n a 11 - n a h!11 e n gegen den arabischen Terror in Mittel- und Nordpalästina um! begann Ende voriger Woche mit einer Besetzung zahlreicher arabischer Ortschaften, die bisher als Stützpunkte der Terroristen gedient hatten. Wie die Regierung dazu erklärte, ist die Verwaltung dieser Gebiete auch jetzt nicht auf die Militärbchördeu uivergegangen, doch haben nach den vorliegenden Nachrichten die örtlichen Korntnandantfii weitgehende Handlungsfreiheit. F.s scheint, daß die extremen Kreise im arabischen Lager auf diese Maßnahmen mit einer Verstärkung der T c r r o r a k t i o - neu antworten wollten. Leider fielen den DcberLülen, die sich in diesen Tagen ereigneten, wiederum drei Juden zum Opfer. Nach diesen Ereignissen ist es sodann am Dienstag in Jerusalem und in geringerem Umfange auch in Haifa zu schweren Zwischenfällen gekommen, die zwei Menschenleben 11ml eine größere Anzahl von Verletzten unter Juden und Arabern kosteten. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten scheint es, daß man auf der einer sehr harten Nervenprobe unterworfenen jüdischen Seite durch die Mordtaten der jüngsten Tage zu Vcrgcltungsakten veranlaßt wurde, die sodann eine arabische Gegenaktion zur Folge hatten und so zu der Kette von Zusammenstößen führten, über die wir an anderer Stelle der heutigen Ausgabe berichten. Die Folge waren Verhaftungen und die Verhängung eines neuen Ausgehverbotes über Jerusalem. So sehr es zu verstehen ist, daß die überbeanspruchten Nerven einzelner Gruppen im Jischuw einmal versagen, so sehr muß gerade in einem solchen Augenblick m Ruhe und Besonnenheit gemahnt werden. Nichts könnte unsere Sache in Palästina so sehr schädigen, als daß die an sich schon sehr gespannte־ Atmosphäre durch zusätzlichen Zündstoff belastet würde. Die Dinge befinden sich in einem Zustand der Ent- Scheidung, und hierfür ist nichts so notwendig wie eine Umgebung der Ordnung und des Friedens. Von unserer Seite aus soll und muß alles dazu getan wurden, um die noch immer gestörte Ordnung in Palästina wiederherzustellen und nicht weiter völlig unschuldige Menschen zu gefährden. Die jüdische Bevölkerung des Landes in allen ihren Kreisen hat in den abgelaufenen zwei Jahren Beweise von Heldenm 111 und Disziplin gegeben, die in ihrem Wert miteinander wetteifern können, und wir sind gewiß, daß es ihren verantwortlichen Führern gelingen wird, diesen Zustand der Verteidigung und der Wacht aufrechtzucrhalteu, der ein Zeichen der hohen moralischen Qualitäten der Judenheit Palästinas ist. Darüber hinaus allerdings müssen wir heute mehr denn je die Hoffnung atisspreehcn. daß es den neuerdings cingelcitoten umfangreichen militärischen Maßnahmen der Mandatsregicrung, die dabei ohne Zweifel in enger Fühlung mit den Londoner Amtsstcllcn steht, gelingen möge, den T error i s m u s i m L ande mit der Wurzel zw b e s e i - t i g e n. W'ie immer die politischen Entscheidungen über die Zukunft des Landes ausgehen werden, stellt ein derartiger Aktivismus, der mit Bomben und Gewehren arbeitet, eine Bedrohung aller T eile der Bevölkerung dar, und er wird gewiß auch auf der arabischen Seite von den friedlichenden Bürgern und besonders den Bauern als eine schwere Last empfunden. * Auf dem Gebiete der P al ä s t i!1 a - P o 1 i t i k selbst sind in den letzten Tagen zwei wichtige Aeußertingen bekannt geworden. Emir Abdullah von Transjordanien soll an die Teilungskommission ein Memorandum gerichtet haben, in dem er den Versuch einer konstruktiven Lösung des Palästina-Problems macht. Der Grundgedanke des Planes scheint uns dabei der zu sein, das Problem von Majorität und Minorität ganz aus dem Spiele zu lassen, den Juden in einem größeren arabischen Staate, der West- und Ostjordanland umfassen soll, autonome Vcrwaltungslllllllllllll!llllllllllllll!flllllillllill!lll!IIIHIill!l!l!llllllll!lll!llllllllllllllllllll!!lllillll!llilllllllilllll^ Zionisten in Deutschland! Der Jischuw steht noch im Kampfe Das Land braucht die Golah, wie die Golah das Land Die Exekutive ruft zum Mifdeh Zioni Unsere Losung: Drei Tage für Erezjisraell DER GESCHÄFTSFUHRENDE AUSSCHUSS DER ZVfD tvstcv UebvMUk 21m Dienstag kam es in Jerusalem und in Haifa zu schweren Zwischenfällen, bei denen eine Anzahl von Juden und Arabern verletzt wurden, ln Jerusalem wurde ein Jude, in llaija ein Araber getötet, ln den vorhergehenden Tagen u:ar ein Jude in der Höhe von Jerusalem, ein zweiter bei Safed und ein dritter bei einem Ueberfall auf die Siedlung Chanila getötet worden. Emir Abdullah hat ein Memorandum an die Teilungs• kommission gerichtet, in dem er einen neuen Vorschlag zur Lösung des Palästina-Problems macht. In London tagte eine Konferenz des Vcrhindungs-Komilees der Emigrations - Hilfsorganisationen beim High Commissioncr für Emigrantenhilfe. Im Lande Oesterreich wurden die Nürnberger Gesetze eingeführt. .