Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-05-24 · Heft 41 (24.5.1938) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 41 (24.5.1938)
Date
1938-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653580--32205-2683913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

jüdische Rundschau Nr. 41, 24. MAI 1938 Die Ladiis*-Briefe Geschichte des israelitischen Glaubens Drei Jahre nach der Entdeckung der 18 Tafeln von Tel ed־duwer, die wohl zu den wichtigsten Funden der Archäologie aller Zeiten gehören, und drei Monate nach der Ermor• düng ihres Entdeckers, John L. Starkey, erscheint der wissenschaftliche Bericht über diesen Fund und seine Entzifferung. (Harry Torczyner, Prof, of the Hebrevv University of Jerusalem: ״The L a c 11 i s h ־ L et t e r s“. Publi• shed for the Trustees of the late Sir Henry Wellcome by The Oxford University Press, London 1038. Mit Beiträgen von L. Harding, A. Lewis und J. L. Starkey.) Nun liegt die Arbeit Prof, H. Torczy ners vor, der diese achtzehn Briefe — die ersten persönlichen Dokumente aus der Königszeit — enträtselte. Die Wichtigkeit der Lachisch- Briefe ist vor allem darin begründet, daß sie, als Briefe von Zeitgenossen, in unanfechtbarer Weise einen gewissen Teil des biblischen Berichtes bestätigen. Darüber hinausehend aber macht ihre philologische und historische Wichtigcit, die Tatsache, daß sie Einblick in das Leben jener Zeiten geben und daß sie zum erstenmal das vorexiiische phönizisch- Hebräische Alphabet darstellcn, diese Briefe zur Voraus־- Setzung jeder .modernen kritischen Bibelforschung. Die früher entdeckte Shiloaliinschrift, der Bauernkalender von Gczcr und die 70 Ostraka von Sainaria treten, was ihre wissenschaftliche Bedeutung betrifft, hinter diesen Briefen zurück. Starkey hatte das Glück, in dem in Südpalästina liegenden Hügel Tel ed-dtiwer die langgesuchte Festung Lachisch zu finden, jene Festung, die bis zu ihrer Eroberung durch Nebuchadnczar (587 vdgZ) neben Jerusalem die stärkste Festung auf dem Weg zwischen Babylon und Aegypten war. Hier, im Wacliraum des Eingangsturms nun, fand Starkey in der Brandasche 18 Tonscherben mit Inschriften in althebräischer Schrift. Diese Tafeln untersuchte in mühseliger Arbeit Professor Harry Torczyner und kam schließlich zu dem erstaunlichen Ergebnis, daß es sich hier um das Verteidigungsdossier der letzten Militiirgcrichtsvcrhandlung! vor dem Fall der Feste gehandelt habe. Es war nicht ein gewöhnlicher Militärprozeß, dessen Dokumente wir heute in den Museen von London und Jerusalem sehen können, sondern im Hauptteil der Briefe eine Angelegenheit, die noch heute, mehr als 2500 Jahre später, jeder Mensch im 26. Kapitel von Jereinia nachlesen kann: die mysteriöse Entführung und Ermordung des Propheten Uriyahu (Urija) durch die Sendlinge des Königs. Angcklagt war ein Mann namens Hosha’yahu, allem Anschein nach Kommandant des zwischen Jerusalem und Lachisch gelegenen Forts Qiryath-ye’arim, Ankläger war der in Lachisch residierende Kommandant der Westfront, Ya’ush, der, ebenso wie der Angeklagte, zur Partei der Gottesfürchtigen, zu den Anhängern des aus Qiryath-ye’arim vor den Nachstellungen des Königs Ychoyakhim nach Aegypten geflohenen Propheten Uriyahu gehörte. Die Anklage gegen den eine überaus merkwürdige Rolle spielenden Hosha’yahu umfaßte folgende drei Punkte: Verrat des Propheten, Verfluchung des Königs und Verlust des Forts Qiryath-ye’arim an den Feind. In beinahe all den achtzehn Tafeln — soweit sie lesbar sind — versucht der Angeklagte in eindringlichen Worten sich zu rechtfertigen, indem er alle drei Anklagepunkte bestreitet. \ on größter "Wichtigkeit ist der 21 Zeilen umfassende Brief III, der geradezu wie ein Kapitel aus der Heiligen Schrift anmutet. Hier geht der Angeklagte so weit, sich gegen den Vorwurf, einen von Uriyah aus Aegypten nach Qiryath-ye’arim gesandten Warnungsbrief gelesen und verraten zu haben, damit zu verteidigen, daß er angibt, überhaupt nicht lesen zu können. Weiter schreibt er, ״daß der Armecoberkommandant Y a e 11 b o r ben Elnatan nach Aegypten gegangen ist“. Wenn man weiß, daß laut biblischein Bericht der König einen hohen Offizier, dessen Name in der Bibel Elnatan ben Achbor lautet, hinter Uriyah, der, was nicht übersehen werden darf, aus Qiryatli-yc’arini stammt, nach Aegypten sandte, um diesen gleich Jeremia gegen die Regierung agitierenden Seher fangen und töten zu lassen, dann wird man den Wert dieses Briefes begreifen. In Brief IV teilt Hosha’yahu mit, daß er den von Ya’ush zur Inspektion nach Qiryath-ye’arim gesandten Offizier Seniakhyalui nicht getroffen habe, da er inzwischen mit einem Mann Shema’vahu (der Vater des Propheten hielt Shema’yahu!) weggegangen sei und daß die Signalfeuer der Festung Aseqah (siehe jeremia 34, 7: ״Lachisch mul Aseqah“), nicht mehr zu sehen seien, vermutlich, weil dieser Platz inzwischen in die Hand des Feindes gefallen war. Wie aus einer anderen Tafel hervorgeht, scheint der Offizier Scmakhyalui, der allem Anschein nach d.en Angeklagten gewisser militärischer Verfehlungen wegen inspizieren sollte, den Hosha’yahu angezeigt zu haben, daß er den König verflucht habe. (Und zwar mit einem Fluch, der in den bisher bekannten Schriften niemals, vorkommt, hingegen beinahe identisch ist mit einem im heutigen Arabisch sehr gebräuchlichen Fluehwort.) Die anderen Tafeln sind, soweit sic lesbar sind, zum großen Teil Wiederholungen der Haupttafeln, vermutlich vom Angeklagten deshalb gesandt, weil er fürchtete, daß der eine oder der andere Brief den. Adressaten Ya’ush nicht erreichen würde. Sie alle bestätigen den von Torczyner wohl unanfechtbar festgestellten Tatbestand: Der König hat seinen Militärkommandanten Ya’shu über die ״demoralisierenden Worte des Propheten“ (der hier übrigens in bisher unbekannter Weise ״der Offenäugige“ — piqcah — genannt wird) informiert und ihn beauftragt, den Defaitisten zu finden. Dies hatte Ya’ush, der wohl Königlicher General, aber gleichzeitig auch Anhänger des Propheten ist, veranlaßt, seinen Untergebenen Hosha’valm zu. verdächtigen, daß er es war, der die Fluchtrichtung Uriyahus verraten habe. Beide trachten nun, den Schaden noch abzuwenden. Es gelang nicht: der Prophet wurde gefangen und getötet. Der Tatsache, daß in jenen kriegerischen Jahren zwischen den beiden babylonischen Einfällen (597 und 587) der Import von Schreibpapyrus auf Schwierigkeiten stieß, haben wir es zu verdanken, daß man diese Briefe auf Tonscherben schrieb, die, anders als Papyri, den großen Brand von Lachisch überlebten. Neunzig lesbare Zeilen in erstaunlich flüssigem und gleichmäßigem Duktus, nicht steil, sondern wie eine'moderne Schrift, schief geschrieben — manche anscheinend in größter Eile und Erregung hingeworfen, so daß Schreibfehler vorkamen, die zum Teil vom Schreiber selbst sofort über der Zeile verbessert wurden — neunzig Zeilen im reinsten Hebräiseh der Königsbücher und des Jeremia enthüllen eine Welt aus dem zeitgenössischen Leben des Tages heraus, aus Dokumenten, die ohne jede moralisierende Absicht für den Tag geschrieben waren: eine Welt der Gottesfurchtigkeit und der Intrige. Das von Torczyner lebendig und dennoch sehr sachlich dargestelltc allmähliche Fortschreiten der Ent/ifferungs- und Interpretationsstadicn der vielen dunklen und unklaren Stellen bis zur vollen Aufklärung des Sachverhalts ist stellenweise, von atemraubender Spannung. Auch der Laie, der nicht in der Lage ist, stets den aus allen möglichen Richtungen der Wissenschaft vom Alten Orient herbeige/o- {jenen Beweisen zu folgen, wird dieses umfangreiche Werk in einem Zug zu Ende lesen. M. J, Ben-Gavriel Jecheskel Kaufmann: Toldoth haemunah haisraellt. — Verlag Mosad Bialik-Dwir, Tel Aviv 5697. Die erste wissenschaftliche Veröffentlichung, die das Bialikinstitut im Dwirverlag herausgegeben hat, ist die Schrift von jecheskel Kaufmann. I:s kann nicht die Aufgabe unseres Hinweises sein, dieses Werk kritisch-wisscnschaftlieh zu würdigen, cs muß aber betont werden, daß dieses Buch eine wichtige Etappe darstcllt. Als vor etwa 100 Jahren das Judentum sich selbst mit wissenschaftlichen Methoden zu begreifen begann, mußte es nach und nach auch an die erste Quelle seiner Existenz — das biblische Schrifttum — mit kritischen Mitteln Herangehen. Damit war ein Wagnis unternommen; man sägte zuweilen den Ast des Glaubens oder des Selbstvertrauens an die eigene ursprüngliche Kraft, auf den man sich stützte, ab. Erst langsam in unseren Tagen konnte die seelische Gleichgewichtslage wieder geschaffen werden, die — ohne auf die kritische Methode zu verzichten — den Teriach doch nicht verlor. Es ist zu begrüßen, daß dieses Wiederfinden des Tenacli nicht von einer Tendenzwissenschaft herkam, die den Tcnach retten wollte, sondern von Forschern, die der Wissenschaft redlich dienen und gerade im Verlauf ihrer Forschungsarbeit die Eigenkraft unseres Schrifttums erkannte. Für das junge Selbstbewußtsein des palästinensischen Gemcinwesens ist das ein wichtiger Faktor. 1 Psalmcndeiitung Meier Spanier: Ausgewählte Psalmen. — Vortrupp-Verlag, Berlin 1938. Das bekannte Psahnenbuch Spaniers wird uns hier in dritter, vermehrter lind überarbeiteter Auflage vorgelrgt. Für jeden, der einen Zugang zur Psalmendichtung sucht, wird dieses Buch von Wert sein. Spanier gibt keine wissenschaftlichen oder philologischen Kommentare, sondern sucht in erster Linie den Gedanken- und Gefühlsgehalt der von ihm ausgcwählten Psalmen zu verdeutlichen, indem er, wo es geht, die geschichtliche Situation rekonstruiert, aus der das betreffende Gedicht entstanden sein könnte, indem er auf Parallelen hinweist und vor allem immer wieder die Schönheit des Urtextes, seiner Wortwahl und seines Rhythmus herausarbeitet. Spaniers Uebersetzungen der Psalmen bemühen sich um möglichste Worttreue und lassen doen die dichterische Schönheit nicht zu kurz kommen. So wird hier dem nicht des Hebräischen kundigen Leser vom Seelischen her der Zugang zur Bibel erschlossen; vielleicht wird gerade auf diesem Wege der Reichtum des Buches der Bücher am deutlichsten. Philosophische Bibelprohleme Kurt Sternberg: Philosophische Probleme Im biblischen und apokryphen Schrifttum der Juden. — Verlag Joachim Goldmann, Berlin 1938. Wollte man dieses Buch etwa mit Julius Guttmanns ״Philosophie des Judentums“ vergleichen, würde man zu keinem richtigen Ergebnis gelangen. Beide Arbeiten stehen auf ganz verschiedenen Ebenen. Das Buch von Sternberg stellt nicht nur die philosophischen Probleme der Bibel dar, sondern sucht auch den Text, weiterzuent wickeln: man Pascal Ludwig Elias Seldmann: Pascal und das Alte Testament. M, & H. Marcus Verlag, Breslau 1937. In dieser Untersuchung als Beitrag zur Pascal-Forschung beschäftigt sich Seidmann mit dem Problem, welche Bedentung für die Entwicklung Pascals die Kenntnis des Alten Testaments besaß. Er untersucht die Einstellung Pascals zum Alten Testament und die Motive seiner Stellungnahme zu ihm und zum Judentum. Pascal sab bekanntlich die Juden ״als das ewig verworfene Volk“ an. Dennoch entsteht die Frage, welchen Einfluß nun wirklich der alttestamentarische Geist auf Pascal hatte, d. h. ob und inwieweit das Denken Pascals die Bezeichnung ״alttestamentlich“ verdient, gleichgültig ob er. sich dessen bewußt war oder nicht. Seidmann erörtert Pascals Einstellung und Wissen vom Alten Testament, ferner die Rolle, die das Judentum iti seinem System einnimmt, und beschäftigt sich insbesondere mit Pascals Üebersetzung der Propheten, in der der alttcstamcntarische Geist am stärksten spürbar ist. Diese Untersuchung soll über den Theologen Pascal hinaus die menschliche Seite seines Wesens in einem neuen Licht erscheinen lassen. Die Arbeit Seidtnanns, die von einer tiefgründigen Belesenheit und Kcmntnis der Materie zeugt, untersucht nach einer Behandlung des Anti-Pascal Voltaires im einzelnen das geschichtliche Bild Pascals vom Judentum, seine Stellung zum Alten Testament und zum Wunder in ihm sowie seine Stellung zur messianischen Prophetie und schließlich in einem besonders eingehenden Kapitel seine Bibelübersetzung. — n. Ein Jugendbuch Meta Samson: Spatz macht sich. Mit Illustrationen von L. S z k o I n y. — Philo O. m. b. H. Jüdischer Buchverlag und Buchvertricb, Berlin 1938. Das ist ein zeitgemäßes Kinderbuch. Dieser ,,Spatz“, ein kleines jüdisches Schulmädcl aus Berlin, interessiert uns außerordentlich. Ihre Erlebnisse sind so aus unserem Lebenskreis genommen, daß wir sie nur aufs herzlichste begrüßen und uns mit ihr vertraut machen können. Gert und Ruth, die großen Geschwister, sind in Palästina bzw. Amerika und ließen die Jüngste mit ihrer Mutter zurück. Die große Wohnung wird zuerst aufgegeben, und man zieht ״möbliert“. Wie dieses Möbliert-Wohncn unserem Spatz bekommt, ihre tausend kleinen Erlebnisse, werden in so abgerundeten Kapiteln berichtet, daß auch die Erwachsenen an diesem reizenden Kinderbuch Freude erleben werden. Einen Kindergcbiirtstag dürfen wir miterleben der durch seine drastische Anschaulichkeit zu uns spricht. Die vielbeschäftigte Mutter, die trotz Existenzsorgen und schwerer Tagesarbeit soviel Liebe, Geduld und Verständnis für ihren kleinen Spatz aufbringt — das alles ist fein herausgearbeitet. Die Illustrationen von L, Szkolny geben der Erzählung einen reizvollen Rahmen. . —•chs. Unter dert neuzeitlichen Werken muß das Buch von Jecheskel Kaufmann notwendig einen besonderen Platz schon deshalb einnehmen, weil es hebräisch geschrieben ist und also unmittelbar auf den wirken kann, dem der Tenacli jetzt anverlraut ist, den palästinensischen Lehrer. ״Geschichte des israelitischen Glaubens.‘‘ Der Leser vermute hier nicht eine erzählende Darstellung der israelitischen Religionscntwicklung. Durch eine Analyse von tausenden Zitaten des biblischen Schrifttums bahnt der Verfasser den Weg zu einer neuen Pentateuchbetraclitimg. Gegenüber den Thesen, wonach die wesentlichsten Teile des Pentateuch nachprophetisch sind, kommt Kaufmann zu dem Resultat, daß das pentateuchische Schrifttum mit seinem spezifischen Monotheismus die auch zeitlich erste Schicht des biblischen Schrifttums bildet. Die prophetischen Teile der Bibel waren noch durchaus im Flusse, als die alten Materialien, aus denen der Pentateuch bestellt, schon gesammelt waren. Die traditionelle Anordnung des Tcnach entspräche im wesentliehen also auch der wissenschaftlichen Wahrheit. Der Monothcisnms des Pentateuch ist die ursprüngliche Schöpfung des jüdischen Volkes. Alles Remiihcn der nationalen Selb-tcrkciintnis des ן mitselten Volkes in Palästina wird an dieser A11ff.1׳-»tmg des Tcnach, der ja das Jugeiidtagebildi tm-cres Volkes i-t und heute im Unterricht auch wieder ein Tagebuch der Jugend wird, nicht vorübergehen können, sondern vielmehr an diesem wissenschaftlichen Versuch seine .Sinne schärfen mus-cn. - o. könnte /, B, sehr skeptisch sein, oh es richtig ist, die Fr- Zahlung vom Turmbau zu Babel zu einem ״Verbot“ der Metaphysik timzudeuten. In diesen und manchen anderen Teilen scheinen Sternbergs Darlegungen manchmal gezwnngen. Aber die Kapitel über die kulturell(':] Auffassungen der Bibel, über ihre sozialen Gesetze sowie die Darlegungen über die Stellung des Judentums zum Fremden und .schließlich über die Gercchtigkcitsidce sind sehr aufschlußreich und jedenfalls schon als Material Zusammenstellung jedem willkommen, der sich mit diesen Fragen befaßt. Der Weg der Josephslegc.nde Hans Priebatsch: Die Josephsßeschichte in der Weltliteratur. Eine iegemlengescbiehthehc Studie. — Verlag M. 11. H. Marcus (Stefan Münz), Breslau 1937. Diese Studie über den Weg der Josephsge>chichtc durch die Literatur der verschiedensten Kulturen zeigt nicht nur die Bedeutung des biblischen Gedankenguts für die Kulturentwicklung, sondern gibt vor allem einen Einblick in die Auseinandersetzungen der Zeiten, die die Gestalt Josephs je nach ihrer Anschauung deuten. Wir erfahren, wie die spätbiblische und hellenistische Zeit ihre Gedanken in die Josephsgeschickte hineinlegten, wie das Christentum diese Figur deutete und wie vom Mittelalter bis in die Romantik immer wieder das Josephsmotiv verwendet und mit anderen Motiven vermischt wird. Einen besonders breiten Raum widmet der Verfasser dem Vorkommen des Josephsmotivs im Islam, wo das Zusammcnströmen jüdischer Ucberlieferungen und Christliehe r Einflüsse wieder eine eigene Form der Josephscschichtc schafft. Als die christliche Apologetik die Gestalt osephs in ihrem Sinne bewertet, wird die jüdische Bibelerklärmig zurückhaltend und betont auffallend stark die schwachen Seiten im Charakter Josephs. N. Ans der jiddischen Literatur Der Rabbiner Joel Kat/ von Erded in Rumänien, in Fachkreisen bekannt wegen seiner Sympathie für 11 1t g 1 11 c k - liebe Ehemänner, hat jetzt diese seine Sympathie wissenschaftlich begründet und ein riesiges Werls ,.Sefer Scitaalot u Teschuwot“ in New York (l’ardess Remonint) erscheinen lassen. Es ist in Raschischrift gedruckt, großforinatig und ehrwürdig anzusehen wie ein Talmudbancl und es ist ein ,,Pitaval“ des orthodoxen Ehcproblems mit Stoff genug für eine Bibliothek von Romanen und Dramen. Die Mehrzahl der Falle, die Katz vorbringt und nach klassischen Mustern mit iinpnsantcm pilpulistischem Auf• wand entscheidet, betrifft die Ehe von orthodoxen Männern, die früh, zu früh mit ״modernen'‘ oder unfromm gewordenen Frauen verheiratet worden sind. Ossip Dymows neues Stück, das im ״Artef-Theafer" in New York erfolgreich urmifgeführt wurde, heißt ,.Der East Side-Professor“. Der Titelheld ist ein kleiner Arzt von der East Side (Ostviertel New Yorks), Dr. Aronsohn, dessen Mutter an einer Armeieuiekranklieit stirbt. Der Arzt studiert nun die Krankheit und stellt fest, daß ihre Ursache in der Ernährung liegt. Er experimentiert mit den zum Tode verurteilten Insassen eines Zuchthauses, und seine Tragödie besteht darin, daß er zwar die Ursache der Krankheit entdecken, sie aber nicht heilen kann. In diese Handlung ist eine Liebesgeschichte hineinverflochten: ein zum Tode Verurteilter una die Krankenschwester, die ihm gegen die Weisung des Arztes besonders gute Diät zusteekt, darüber Empörung der anderen Zuchthäusler. Von dieser in das Drama eingebauten ״melodramatischen“ Intrige abgesehen, hat das Ganze den Dymow eigenen wehmütig humoristischen Ton und liebenswürdigen Effekt, die Schlichtheit und dichterischc Tiefe. Der berühmte amerikanisch-jüdische Schauspieler Paul Muni veröffentlicht in der New-Yorker jiddischen Tages- Zeitung ״Tag“ Memoiren unter dem Titel ״Von Second Avenue (New-Yorker Ostjudenviertel — A. d. .״) bis Hollywood“. In Warschau erscheint jetzt eine der Pflege der jiddisehen Sprache gewidmete Monatsschrift ״Jiddisch für alle“. Herausgeber ist das Jiddische Wissenschaftliche Institut, Redakteur Noah Prilutzki. In Warschau erscheint eine neue p 0 1 n i s c 11 - j ü d i s c 11 e Tageszeitung ״N o w i Gl 0 s“. Redakteur ist Dr. Ins!er, Herausgeber die Verl a gs gese! I sch a ft Nowa Pressa, die bereits die jiddischen Tageszeitungen ״Moment“ und ״Radio“ herausgibt. ״Die goldene Kette“ heißt ein fünf Bände umfassendes englisches Werk, das einen Ueberblick über die gesamte jüdische Literatur ״von Moses bis Bialik“ vermitteln will. Herausgeber ist Rabbi Solomon Goldman, Chicago, der erste Band (Pentateuch und frühe Propheten) ist bei Bloch Publ. Co., New York, erschienen. 11111m11HM11M111111111111111m1M111m1111111MMm11111111111mn11m11u!!11nn11M11111111m111m11m!1111M111M1111m11111M111m111n11111i111M1m111H11111 ..... ... 1׳ ..um.im....

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.