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Jüdische Rundschau · 1938-05-20 · Heft 40 (20.5.1938) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 40 (20.5.1938)
Date
1938-05-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seit« 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 40, 20. V. 1938 Kreuz und quer durch Erez Israel feisterhaft umlctichtend, bis es etwa 3—4 km vor dem ahnhof siegreich durchbricht. Lebens- und Wohnbedingungen der Einwohner sind primitiv; sie * *ind freundlich und entgegenkommend, insbesondere wenn man ihre Sprache versteht. Die durchschnittlich 8-ח m breiten Straßen der Stadt sind gerade und nur vereinzelt für Autoverkehr asphaltiert; sie werden von einstöckigen, nach orientalischer Art fensterlosen Häusern iimsäuint. Diese baut man aus Steinen, die etwa 40 cm lang und 20 cm breit und hoch sind und die in Holzlormcn mit der Hand aus Sand und Wasser gepreßt und der Sonne ausgesetzt werden. Das Ganze macht, zumal da Laub oder Bäume gänzlich fehlen, einen gelben monotonen Eindruck. Ein Haus reiht sich an das andere. Die primitiven hölzernen Haustüren führen aut meist sehr gesäumige, seitlich und rückwärts abgeschlossene Gehöfte, in denen sich das Familienleben ahspiclt; dazu gehören auch Kleinvieh, Esel, Hunde nsw. Auf dem Markt und in Läden werden Grünzeug, Eier, Hühner, Tomaten, ferner Produkte, die offensichtlich aus ägyptischen Städten gebracht sind, wie Schuhe, Kleiderstoffe, Papier usw,, feilgeboten. Bei einigermaßen ruhiger See kotnmen abends die Eischer zurück und suchen die in großen Netzen gefangenen Fische zu verkaufen. Da der Fischfang sehr ergiebig ist, wird der Fang juch versandt. Der oben erwähnte Bau des Brüeken-Widerlagers, cinschh der Flügclmaucrn, zusammen über 30 m lang, war bei den vorhandenen primitiven Verhältnissen sehr mühevoll, Das Grundwasser, in Form kleiner Quellen ständig cmporricsclnd, mußte durch Pumpen abgesaugt werden; schwere eiserne Schienen wurden mit dem Rammbären in den Boden getrieben ■und auf die Schiencnköpfe eine starke, mit Skeletten aus Rundeisen armierte Bctonplatte zusammen mit der eigentliehen ebenfalls stark armierten Eisenbeton-Stützmauer gcgossen, ohne daß der Bahnbetrieb eine Unterbrechung erfahren oder die alte Mauer, soweit noch standfest, in Mitleidenschaff gezogen werden durfte. Neben arabischen Arbeitern fanden dabei auch jiidKihe Vorarbeiter monatelang Beschäfligung. Auch mc erfulle-1 im Rahmen des •Ganzen aul diesem einsamen Posten - wenn auch schon auf ägyptischem (jebict — ihre Pflicht; und wenn sielt am nächtlichen, durch Mondschein fahl erhellten prächtigen Sternenhimmel die Palmen köpfe ahhobrn, in der Ferne die Leurlit- und Wärmfeuer nomadisierender Stamme sichtbar waren, aus den Nachbarzelten die monotonen < icsaiige der arabischen Arbeiter vernommen wurden, im eigenen Zelt zahlloses kleines Getier um die Ncftlainpe seine irrte und man sich selbst mit Kartenspiel, Domino und Bricf-cltnäbcn die Zeit vertrieb, dann fehlte gewiß nirhi-, um bald die Fr/.bihmgen der Heiligen Schrift, bald die Tage der Jugend lebendig zu machen, als die Geschichten ein,,Lcderstrumpf" verschlungen wurden. Dr.-Ing. W, L e s s e r, Tel Aviv Der Schul - Konflikt In der Tel Aviver Stadtverwaltung Arbeitslosen - Sitzstreik abgebrochen Infolge des Beschlusses des Tel Aviver Stadtrates, die Arbeiterschulen aus der allgemeinen städtischen Schulorganisation auszuschließcn, teilten die Arbeitermitglieder des Stadtrates ihren Rücktritt vom Vorsitz der verschiedenen Unterausschüsse mit. Dov Ff 0s, der Vizebiirgarmfistcr von Tel Aviv, erklärte, er verzichte auf sein Gehalt, obwohl er seinen Posten beibehält. Der Stadtrat beschloß später gegen die Stimmen der Arbeitervertreter, £ 3000 als Subvention für die Arbeiter- und orthodoxen Schulen zu gewähren. Angesichts der ernsten Lage der Arbeitslosen in Tel Aviv und infolge des ,,Sitzstreiks־‘ von 30 Vertretern von ihnen, die sich fünf Tage weigerten, das städtische Verwaltung*- cbäude zu verlassen, faßte der Stadtrat den Beschluß. 6 000 Pfund für Wohlfahrtshilfe zu verwenden. Diese Maßnahme der Tel Aviver Stadtverwaltung wird von der cvvish Agenev fiiurt/icil unterstützt. Größere Straßena!1 - A r h e 1 t e n tollen in Kurze in Angriff genommen werden, die ungefähr tausend Arbeitern Beschäftigung• gehen sollen. Die Tel Aviver Stadtverwaltung erhielt von der Anglo-Palestinc Bank eine Anleihe in Höhe von 50 000 Pfund, rückzahlbar innerhalb fünf Jahren. Vor Beginn der Sitzung teilte eine Delegation Arbeitsloser, die am Sitzstreik trüg,wommen haften, dem Stadtrat mit, daß 2000 Arbeiter in T'r! Aviv seit zwei Jahren vollkommen tinbeschäftigt sind um! sielt in äußerst schwierigen Lebens- Verhältnissen befinden. Die Delegation kündigte an, daß die Arbeitslosen einen Hungerstreik beginnen würden, wenn man ihre Forderungen nicht erfüllt. Der Sitzstreik im Rathaus \!1;׳ Tel Aviv w 11! de abgebrochen. Arbeitslose diaug en in das Gebäude der Orts Verwaltung von C1! e d 1 r a 11 ein. um einen Sitzstreik zu beginnen. Sie wurden durch die l’ob/ii veranlaßt, das Gebäude zu v.crlassen. Der Vorsitzende der Ortsvcrwaittmg empfing später eine Delegation Arbeitsloser, die von ihm Arbcitsinöglicllkeifen verlangti 11. Nach dem Beispiel von Tel Aviv besetzte eine Anzahl a r ה b i s c 11 e r Arbeitslos e r die Stadtverwaltung von Jaffa und heg.um emen Sitzstreik. Von der Woche Sir Harold MacMichael soll auf ein Memorandum der arabischen Notabein in Hebron, die um Entlassung der im Konzentrationslager von Akko internierten Araber baten, geantwortet!iahen, daß die Internierten nicht eher entlassen werden, bis R u 11 e 1111 d Ordnung im Lande wiederhergestellt sind. 15 Araher aus Jerusalem wurden verhaftet und nach Akko in das Konzentrationslager gebracht. Im Zusammenhang mit dem am 12. Mai in Haifa verübten Mord an dem arabischen Detektivsergeanten Safch Zorbi wurden in dem östlichen Teil des arabischen Viertels von Haifa als Strafe dreißig Hilfspolizisten mit drei Sergeanten postiert. In der Nähe von H c . on wurde ein arabischer Omnibus beschossen, wobei «in arabischer Ghaffir getötet und ein Passagier verwundet wurden. Aus arabischer Quelle verlautet, daß Hassan Oer a 11 a h für die Präsidentschaft des Obersten Mohammedanischen Rate»׳ als Nachfolger des ehemaligen Mufti von Jerusalem vorgeschlagen werden soll. Der italienische Dampfer ״Gerusalemme“, der fahrplan• mäßig mit Einwanderern iin Hafen von Tel Aviv anlegen sollte, konnte wegen stürmischen Seegangs nicht vor Anker gehen und fuhr weiter nach Haifa. Eine arabische Pro-Palästina-Woche wurde in Beirut eröffnet. Es fanden [Demonstrationen statt, die von der Poli-!ei zerstreut wurden. Der syrische Ministerpräsident Jamil Mardam sandte eine Mitteilung an die Zeitungen, in der er den in Amerika lebenden syrischen Juden seinen [Dank für ihre Spende von 30 000 fr*, ausspricht, die diese für die Opfer der ayrisehen Uehersdiwenunungcn sandten, obwohl sich unter den Opfern kein einziger Jude befand. Eindrücke von der Reise Tausend Jahre und länger hat das Land wie ein Golem aus Stein und Sumpf gelegen. Tausend Jahre und länger hat cs kaum geatmet unter der Maske und Kruste von Stein und Sumpf. Es hat in den jüdischen Gebeten fortgelcbt, aber nicht mehr in der Wirklichkeit. Es war ein Sarg liindämmernder Erinnerungen — eine Reliquie in Stein und Staub. Die heiligen SDP׳••! dreier Bekenntnisse waren von ihm wie von einem Todesmal umrandet. ן Dies alles muß man sieh vergegenwärtigen, wenn inan heute kryuz mul quer durchs Land fährt. Dann erst weiß und ermißt inan, was an diesem Land geschehen ist: nämlich das Einmalige, daß hier eine mehr als tausendjährige Todesstarre dem Leben, dem blühenden und frticlitenden Leben gewichen ist — und dies nicht, wie Volkswirte und Rodcnfachlcute es vorausberechnet und auskalkuliert haben, sondern weil ein einziger Bannerträger über dem Land die Fahne einer Idee aufgerollt und ein Volk aufgerufen hat, sich und der Welt hier eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Die heutige Größe dieses kleinen Landes entspringt unmittelbar aus dem Entschluß und aus der Tat Theodor H c r z 1 s und ist das Ergebnis der Entschlüsse und Taten der Bewegung, die er entfacht hat. Kreuz —MAGISTER KIRSCH— Der 8u*c Hktr Magister-Likörfabrik, München VII und quer wandelt man auf seinen Spuren, obwohl er selbst das Land mir einmal betreten hat. Sein Glaube an das jüdische Volk hat das Wunder dieses Landes, wie es beute ist, geschaffen. Er bat hinnen wenigen Jahrzehnten die Maske und Kruste der tausend und mehr Jahre gesprengt. Heute hängt Herzls Bild an Hunderten von Wänden im Lande wie ein Symbol der Allgegenwärtigkeit seines Ocistes. Dies ist nicht bloß eine Phrase. Denn auch noch in der harten, nüchternen Wirklichkeit der Alltagsarheit k’ht etwas von der geistigen und romantischen Wirklichkeit der 7ioni-dischett Idee und Bewegung, das das Wort ,,Unmöglich" nicht keimt und jedem Tag, jeder Stunde das Notwendige abringt, das oft genug jenseits des Möglichenzu!׳egen scheint. Die Zeit der Unruhen und der aus ihnen kommenden Krise zeigt dies mit einer immer wieder imposanten dcutliehen Härte. Die Eroberung des Bodens durch die Siedlungsarbeit geht wmfer, nicht so als ob nichts geschehen wäre, sondern so, wie es das Gesamtwerk der Erschließfing des Landes planmäßig fordert — allem zum Trotz, was dagegen geschieht. Dies sind nicht die Einzelwirkung-en einer landwirtschaftlichen Großorganisation, sondern des pionierhaften Expansionswillens eines Volkes. Käinpftr dieses mir urn Nutzen und um ein gesichertes Lehen, 50 wäre es in diesem Kampf durch die Unruhen in die Defensive gedrängt. Aber man findet nirgends im!.and diesen sogenannten Defensivgeist. IJeberall herrscht der Offensivgeist der Arbeit. Es ist, noch heute und i!1 dem schwierigen Heute mehr als je, der Geist aller Siedler. Wer hätte je vermutet, daß aus dem idealistischen Schwung eines Mannes dieser harte Werkgeist eines Volkes entstellen könnte? Eines zerstreuten, zerfahrenen, kaum noch zusammenhängenden Volkes! Der heilige Boden 11 ml die Arbeit an ihm haben einen neuen Zusammenhang geschaffen, an dem nun das Volk sich innerlich bereichert. Kein besseres Beispiel gibt es dafür als die neueste Siedlung im Land, die der Juden aus Rcxingen, ״Sch jwt Zion", der Rückkehr nach Zion. Man kann von ihnen nicht behaupten, daß sie ״gelernte“ Zionisten *ind. Sie sind fromme, arbeitsame Juden. Wie sie gesiedelt haben, wurde hier schon berichtet. Vierzehn Tage später traf man sic auf ihrem von Arabern umgebenen und leicht einzuschrnden engen ,,Oamn“ mitten in der Arbeit, zwar immer noch mit ihrer inneren Etablierung beschäftigt, aber auch schon voll von Plänen und Projekten, wie sie dieses oder jenes Stück Land umbauen wollen, wieviel Kiilic und Hühner sie werden kaufen und aufzüehten können, wo Gemüse und wo Blumen wachsen sollen, und so fort. Schon sahen ihre Augen und Gefühle das ihnen zugewiesene Land als Heimat, als ,,ihr“ Land, als Aufgabe, als [ ebensinhalt. Sie denken, sprechen und benehmen sich nicht als Auswanderer, sondern als ״Rückkehrer“. Sic sind angelangt, sie sind 711 Hause. Sie brauchen nicht erst Fühlung 711 nehmen, sie haben die Fühlung mit und das Gefühl für ihren Boden schon mitgehraclit. Und als einer ihnen sagte: ״Aber die Araher ringsum“, *8 a bekam er zur Antwort: ,,Wir sehen sie ja herankommen.״ Mehr hatte und brauchte dieser Rexinger nicht zu sagen. Immer verfolgt man durch die Schönheit des Landes — einmalig auch sic! — den einmaligen Geist seiner Siedler. Es ist, als ob beides untrennbar zusammengehörte, als ob jene Schönheit nicht wäre ohne diesen Geist und dieser Geist nicht ohne jene Schönheit. Jedenfalls ergänzen sie sich und sind einander angemessen. Und dem Prozeß, der sich am Fand vollzieht, indem unter der Kruste von Stein, Sumpf und Staub seine Fruchtbarkeit ans Licht tritt, entspricht aufs genaueste der Vorgang in den jüdischen Köpfen und Körpern; das Land verwandelt sie. Es verwandelt sie nicht nur in» üblich Ländliche, son* dem es steigert sie über alle bisherigen, nämlich bisher geahnten Möglichkeiten hinaus. Es zaubert in ihnen au» dem Vergangenen das Zukünftige hervor, aus dem Vergänglichen ein Bleibendes, Währendes, Wesenhaftes. Hier, in diesem Lande, wird ״der“ jüdische Mensch geschaffen. Wir sind von Tibcrias ans ins Emek Hai arden gefahren und ins Oalif. Die Berge türmen sich, in einem großartigen Rhythmus der Landschaft vom Sec her aufgebaut, zur Grenze und Höhe des Landes. Hier ist Urland, Pforte, Boden des in Kämpfen vergossenen Blutes, das als ewig keimender Saft in die Erinnerungen des jüdischen Volkes gestiegen Ist. Seine Kraft hat sich hier an den heroischsten Siedlern bewährt. Hier ist Trumneldor gefallen, um weiterzuleben, hier verwalten seine Nachfolger und Nachhilder in Tel Chaj, Degatiia oder Rösch Pina sein Vermachtni«. Sie führen das schwerste!..eben im Land. Noch heute »ind sie Vorposten — auch im Verhältnis zum Boden, der an den Hängen liegt, eine schwere, klumpige Erde, die nur der hartnäckigsten Arbeit gibt, was sie an Frucht in sich birgt. Es ist hier nicht anders, als wenn man in der Schweiz zu den Bergbatiern kommt, die gewohnt sind, um jeden Halm und um jede Staude mit ihrem Boden zu Kämpfen. Dies formt liinwiederum mit dem Boden den, der ihn bebaut. Und man denkt, in Degania, an die andere Figur, die ihre letzte und höchste Kraft des Körper* und Geistes hingegeben hat, an Gordon, der aus dem Land und Bezirk Tolstois gekommen ist. Seltsam und ergreifend genug: dort in den nahen Bergen ist der von Gott verlassene Bauernkönig Saul vor dreitausend Jahren* zugrunde gegangen — hier, an den neu erblühenden Hängen, haben der Kämpfer Trumpeldor und der Bauer Gordon Kraft und Leben hingegeben, um aus diesem Grenz- und Niemandsland jüdischen Boden zu schaffen. Zwischen jener Urzeit und dieser jungen Vergangenheit aber steht, nicht wegzudenken und unverwischbar, der ״Phantast“ Theodor H e r z I, der die alten Zeichen ins neue Lehen und Denken eingeschrieben hat. In ihm, dein großen Zeichendeutcr, hat das ganze Land gelebt — glühender Ausdruck der Idee der Heimat. Bewegter als sonstwo steht man hier vor seinem Bild, wo das große Schweigen der Opfer sich eindringlich in den Meschek, in den nutzenden Betrieb einmischt. Wir stehen — denn auch diese früheste Erinnerung schwingt mit! — auf mosaischem Boden, formlieh in der Ellipse des Blickes, den jener Größte der Großen in das Land geworfen hat, das mit eigene« Füßen zu betreten ihm nicht mehr vergönnt war. Wir setzen, Schritt für Schritt, unsere Füße auf diesen von ferner und naher Geschichte sich wölbenden Boden. Wie weit ist Jerusalem, die hochgebaute Stadt, von hier! Dieses Land wäre klein? Es ist groß aus den Maßstäben der Menschen hieraus, die hier eingedrungcn sind — mit dem Schwert, mit dem Spaten, mit dem Geist. Es ist groß durch die Identität der Vergangenheit und Gegenwart. Als wir im Galil waren — in den ersten Maitagen —, da widerfuhr uns etwas für diese Zeit ganz Seltenes: es regnete einen ganzen Tag, vom frühen Morgen bis nach Mitternacht. Die Berge lagen im dichten Nebel. Die Wege kehrten ihr Inneres nach außen. Durch die hohen Täler wehte, vom schneebedeckten Hormon her, eine fast frostige Luft. Die Wüste drunten, jenseits des Jordans, war, wie überhaupt nicht da, versunken. Der alte ehemalige Scbomer, den wir in Tiberias trafen, wo er nun nach mehr als dreißigjähriger Arbeit seinen Lebensabend im eigenen Haus verbringt, rauchend und erzählend, schwört mit vielen jüdisehen (und ... arabischen) Beteuerungen, nie, nie habe er um diese Jahreszeit einen solchen Tag erlebt. Er verteidigt sein Land gegen diesen winterlichen Einbruch so gewissen- Haft, wie er wohl vordem jüdisches Feld und Vieh verteidigt hat. Aber wir trösten ihn. Denn dieser Regentag mit seinem ״Botz", der sich an die Schuhe klebte, wie um die Fülle nicht mehr loszulassen, war, wenn auch eine Seltenheit, ein echter Galiltag, der die Natur und das Wesen des Landes mehr entschleierte, als cs die eigentlich fällig gewesene Sonne hätte tun können. Es ist rauhes Land, aas den .Menschen ganz, und das ganze Menschen beansprucht, die ihre Unverdrossenheit, das Bewußtsein von ihrer exponierten Lebensaufgabe gegen alle Unbilden und Gefahren eiusetzeu. Kreuz, und quör durchs Land: die Sonne brennt heiß auf den Sand, der die Nähe des Meeres anzcigt. Jetzt versinken die Füße in den Ausläufern der Dünen. Blühendes Gestrüpp säumt die Wege. Wir kommen aus N a t h a n i a, dem Städtchen am Meer. Es ist umgeben von vielen Siedhingen. Wir treten in einen kleinen Bauernhof ein. Vor dem Haus (mit drei Räumen) ein kleiner Blumen- und Gemüsegarten, daneben ein Kuhstall auf der einen, ein Geflügelgatter auf der anderen Seite, in einigem Abstand davon ein paar Dutzend Dunau! gemischter Wirtschaft: ein winziger Garten mit Grapefruclit, Getreide, Klee und anderem. Alles blitzt von Sauberkeit und Ordnung. Es ist Mittag. Gerade steht die Familie vom Tische auf. Die Familie: der Siedler war einmal Landgerichtsrat und sitzt nun hier mit der Frau, zwei kleinen Kindern — Sabres — und einem Schwager oder Vetter. Sie haben es nicht leicht. Wenig Boden, niedrige Preise für Milch, Eier und Bodenfrüchte, wenig oder gar kein Kapital für Verbesserung und Atisbreitung. Aber mit dem Wenigen, das sie besitzen und sich erarbeiten, fühlen sie sich glücklich. Nichts von dem, was früher ihr Kiilturbcwußtsein ausfüllte, haben sie aufgegeben. Aufgegeben haben sie nur das beaueme, rundum gesicherte!.eben. Aber dafür haben sic ihrem Leben einen neuen, besonderen Sinn erkämpft. Sie haben eine neue Zusammenfassung ihrer Kräfte gefunden. Das kleine Kind am Tisch und das noch kleinere in dem Kinderstuhl — beide sind schon dicke, gesunde Landkindijr, und die Eltern seihst sind ebenfalls schon so weit, sich als Kinder des Landes zu fühlen, d. h. als Bürger einer Zukunft, die sie mit unter Dach und Fach bringen, indem sie ihr geringes Land bebauen und ihr eigenes Dach und Fach säuberlich pflegen. Sie sind aus einem städtischen Dasein in der Fremde in ein ländliebes in der Heimat gesprungen, und dieser kühne Sprung, in wieviel neuen Sorgen er auch gelandet sein mag, ist ihnen geglückt. Erez Israel ist in die nächste Sicht und auf die höchste Zuversicht des jüdischen Volkes gestellt. So hat •es Theodor Herzl gewollt und vorausgeahnt. Auf seiner Spur soll man Land und Volk betrachten. Ein Menschenalter bat genügt, um aus vielen einzelnen Experimenten eine große, einzige Realität 711 schaffen, eine Realität aber, die größer ist als ihr realer Umriß. Denn sie trägt in sich das Größte, _ was Menschen, die sich zusammengehörig fühlen, beschießen sein kann: die Bewahrheitung einer Ahnung durch die Realisierung einer Idee• Erez Israel war einmal ein Traum — heute Ist es eine Erfüllung — morgen kann es ein Triumph sein. Hermann Sinsheimer Schwere arabische Verluste Einer der beiden auf der Straße Akko—Safed verwundeten britischen Soldaten, der Gemeine Moyes, erlag seinen Verletzungen, Schätzungen zufolge wurden bei dem Ge* fecht bei dem Araberdorf Tamra mindestens 23 Art* ber getötet und viele verwundet. Drei Terroristen wur* den mit Ihren Gewehren gefangen genommen. Früher, am Nachmittag, wurde eine Abteilung Polizisten, die von einem britischen Offizier geführt wurde, in ähnlicher Weise be* schossen, wobei jedoch niemand verletzt wurde. Arabische Terroristen verübten einen Angriff auf Militär» baracken und wurden von den Truppen vertrieben, wobei sie schwere Verluste erlitten. Eine Polizei-Patrouille wurde in der Nähe des Berges Tabor angegriffen. Ein britischer Polizist wurde leicht verwundet. Eine militärische Autopatrouille wurde bei Afule von arabischen Terroristen angegriffen. Die Patrouille erwiderte das Feuer und fügte den Terroristen Verluste zu. In der Nähe von Nazareth wurde ein britischer Leut* nant bei einein Ueberfal! verwundet, Eine arabische Bande griff die Siedlung Migdal bei Tiberias an. Gleichzeitig wurden 25 Dunam Orangenpflan* zungen und 6 Dunam Bananen ausgerodet und die Pumf► Station angezündet. In den 20״ Minuten Kleinkunst“ Im Cincma ״Schde* roth“ in Tel Aviv sang Margot Fajnzak-Goidzweig (früher Hannover) Arien von Puccini und Verdi. (Schluß des Palästina-Teils)

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