Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1938)
- Date
- 1938-05-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 39, 17. V. 1938 Palästina-Wochenschau Von u nierim p a 11 11 י n e n 8 i 8 c h n Korrespondenten bericht über die Judenfrage und das Jüdische Nationalheim gefunden hat, Das Hauptinteresse wendet sich der umstrittenen Nordprovinz des Landes nt. In diesem Teil des Lande« wurden in der letzten Zeit die 1(1 jüdischen Siedlungen gegründet, die offc!!sichtlich nicht nur kolonisatorischen, sondern auch ״strategiselten‘‘ Charakter haben. Jetzt gerade ist an der Nordgrenze eine überaus wichtige Arbeit im Hange. Die ganze Grenze von Ras el Nakura (am Mittctmccr) bis Metulla und dann noch die ( )slgmi/e Ins südlich /tim Tibcrias-See, soll mit einem Star 11 e I d r;1 it t / a 11 n umgeben werden. Die Arbeit ist schon int (lange, ausführend ist die jüdische Kooperative Soleiboneh. inr ausreichende Bewachung bei der Arbeit durch jüdischc Hilfspolizisten ist gesorgt. Man rechnet, daß diese Arbeit '.,hfl000 Pfund kosten und 500 jüdischen Arbeitern Be- Schädigung geben wird. Die Sache könnte also auch vom Standpunkt der Regierungsinitiative zur Bekämpfung der Arbeitsiosigkeit aufgefaßt werde״. Aber sie hat zugleich eine rolle militärische und politische Bedeutung. Der Stacheklraht, er ganz oder teilweise mit elektrischer Hochspannung grladen sein wird, wird eine Barriere gegen das Eindringen von bewaffneten Banden über die syrische und teilweise transjordanische (iren/e darstelleu; er wird aber auch das Entweichen von Banden über diese (1ren«11 erschweren, so daß die Terroristen damit rechnen müssen, diesseits der Grenze gefaßt zu werden. Freilich ist es etwas ungewöhnlich, wenn ״in Friedens- Zeiten‘‘ eine ganze Landesgrenze in dieser Weise verbarrikadiert wird. Aber die besonderen Verhältnisse haben dies notwendig gemacht. Da die Ausrottung des Terrors nicht gelungen ist und trotz mehreren militärischen ,Aktionen immer wieder Banden auftnuhcn und Ueherfalle Vorkommen, rüstet sielt die Regierung offenbar zu einem entscheidenden Schlag und glaubt, die Säuberung des ganzen Landes mir dann erz.ielen zu können, u!חווי ein Fltikiuu-ren der Banden über die Nordgrenze plivsi.seh unmöglich gemacht wird. Die Juden betrarhten diese uni jüdischen Arbeitern unter jiidiseliem Schutz durchgeführte Arbeit aber auch mit einem politischen Interesse, unuillkut lieh >;cht man dann ein Präjudiz für die Zukunft dieses (icbietes. r.ii'.piiniiiiilgsiilaßig (wenn auch nicht administvativ) be-tcht ein 710:1111 nn׳nhang zwischen den von den Juden aus eigener Inünitnc hier angelegten festen Punkten. Vota denen der v,!einigste (i 11 a 11 11 t a h ist, und dem Stacheldrallt. der nimmt vmi (Ihauntah verlauft und das Gebiet der Huie-Kmi/es'iiu! sind den I.,ludstrich hinauf zu dein jüdischen Dorf Metulla eiii.eiunt. I s ml eine!happe in dem zähen Rincn um eine f estigung und Sieherung ries künftigen jüdischen taatNgebietes, I lie 1 ioflitung auf den Jmieustaat bedeutet f 11 r viele die Aussicht auf eint* grolle planmäßige Landcscrschlicßimg mir erhöhter F.mu anderung und vielen Möglichkeiten der Entfaltung jüdischer Initiative und Schaffenskraft. Für andere bedeutet derselbe (ledanke eine Auftürmung unabsehbarer Schwierigkeiten politischer, wirtschaftlicher und administrativer Natur. Die beiden Lager. v«m denen das erste sicherlich zah- Icninalhg weit großer sein durfte, stellen einander mit l'nbehagen. teilweise mit Bitterkeit, gegenüber. Inzwischen warten alle auf den Fortgang der Arbeiten der Kommission, vor allem auf die mündlichen Verhandlungen, die sich an die Resichtigling des Landes ansehlielSe 11 sollen und hei denen dieser oder jener die Hoffnung bat, mit einem - von ihm selbst für durchschlagend gehaltenen ־- Argument das Ohr der Kommission zu erreichen. Die Araber halten sich bisher völlig zurück. Sie erklären sich kompromißlos gegen die Teilung und lehnen jede Zusammenarbeit mit der technischen Kommission ab. Die Palästina-Politik ist also vorderhand aus ihrer Sackfasse noch nicht herausgekornmen. Orchesterkonzerte unter Malcolm Sargent Es ist merkwürdig, wie dieser in seiner stilvollen Relerviertheit typisch englische Dirigent, der Händel (״Feuerverksmusik“) konzertant gestaltet, der der gemäßigten Romantik seines Landsmannes I rcderic Dclms (Tanzrhapsodie) gerade soviel Intensität zuluhrt, wie sie vertragen kann, in dem Moment das ( >rd!esn־r zu blühendem Klang bringt, wenn er an fangt, twiiedioihe Musik zu spielen. Das war schon im vorigen |ahr hei der hinreißenden Interpretation der Sinetana-l Uivcrture zur ,Verkauften Braut" überraschend und wiederholte sieh diesmal hei Dmraks viertrr Sinfonie. Linen besonderen An;irhungspunkt bildete hei diesem Kon/ert de r Snb-t Ignaz 1' r i ״ d!tu n n, zu dessen Lobe hier nichts hm/ugeftigt weiden muß. Fr ist eine der Ciesfalten, die giolien Stil mit vollendetem Virtuosentum und ansiiHliefier iCnrnanttk wreimgen. Alle (fiese Eigenschaften machten da-!.-■Diu-Kon/ert von l.is/t zu einer ästhetischen Freude. Saigent begleitete ausgezeichnet. Der /weite Abend Sargents stand im /eichen roman'- tisclirr und n u In 11:1111״׳ - d 1er Mit- 1k. D!e Symphonie von Gfbar Framk und dm /«eite von Beethoven wurden einprlcutet durch du• Sm-i. h(׳!׳•Sermiadc in L-nioll op. 20 von Fbiward Figur. Alle d,(׳-(.- Werke ließen die ungewöhnliche Schon!!eit de-■ 1 hehrster« besonders hervortreten. Konzert jüdischer Musik. Im Jerusalemer ,.Institute of ,Musii“ bildete -ich cm Krem heran«, der sich für jüdische M!1<1k!rite re-siert. I )1c lulle der Besucher des letzten Lehrerkonzertes, das aiisschließlieh jüdischer Musik gewid* inet war, bewies, daß jüdische Musik, wenn sie richtig interfirmiert wird, sieh, in ihrer Eindruckskraft sehr wohl beiiaupten kann. Dabei war das Programm keineswegs qualitativ gleichwertig: am wertvollsten sind fraglos Ernst Biochs ״Drei Nocturnes" (für Klaviertrio) und manches aus dem Liede r/vklus von Miilner, der infolge des engen Zusammen- Fangs von Wort und Ton hier mit Recht in seiner Urspräche aufgefuhrt wurde, d. h. auf Jiddisch. Am Anfang stand ein sehr schönes Klavicrpräludium von Sch. Rosnwsky, dagegen war eilt Teil des Programms mit Stücken von Kirnian und 1 icinsi ausgcfiillt, die Melodien orientalisclter Juden zu Salonstiickcn verarbeitet haben. Die Mitwirkenden: I ran Kaplan, I rl. Vlecschhauer, Vittorio Wein* her״, M. Rappaport, N. Zadri gaben ihr Bestes, ״Lundis Musicaux“ Im Centre de Cultur« Franfalat. Mr. Thibault-Chamhault erläuterte in zwei Stunden den Verlauf der französischen Musik von den Trouvbres bis in die neueste Zeit. Illustriert wird das Ganze mit hervorragenden Schallplatten. In der ersten Stunde wurde an Hand zahlreicher Beispiele der Reichtum an Stil und Persönlichkeiten gezeigt, deren sich die französische Musik schon vor dem 17. Jahrhundert rühmen konnte. Wir horten unhegleiteten Oe-.1!1g a״s dem Zeitalter der Gregorianik, frühe Geltaltungen des kontrapunktisehen französischen Orgclitils sowie I nsmimentalmusik. Im Radio: ״Die Entwicklung der Toccata". Der vorzüg-! 11־he Pianist Ahilca gab in drei Stunden einen Ucberblick über die Fntwickhmg der Toccata, von den alten Italienern bis zur neuesten Zeit. 1» letzten Konzert »pielte der Pianist Toccaten neuerer Komponisten: Ladiner, Leschetitzkv, Sgambatv, Debussv, Prokolielf und Ravel. — Lieder palästinensischer Komponisten. Hede Turk interpretierte vor kurzem im Jerusalemer Radio Lieder von Joseph Grunthal, Georg Wolfgl. J c r 11 .« a 1 e m, 6■ Mai Dl• Konferenz dar Arbeiterpartei Vor einigen Tagen wurde in Rechowoth die vierte Konferenz der palästinensischen Arbeiterpartei eröffnet. Der erste Abend trug in seinem äußeren Anstrich Aehnlichkeit mit einem Kongreß. Ein großer mit viel Lieh« und Sorgfalt geschmückter Saal, gedrängt voll von Delegierten und Gästen aus allen Gegenden des Landes, eine Reihe von Eingeladenen, die die verschiedensten Schichten und Institutionen des Jischuw repräsentierten. Besonderes Interesse erhielt der Abend durch die Anwesenheit Weizmanns, der als einer der Bürger von Rcchowoth und als Präsident der Zionistischen Organisation der Versammlung seine Wünsche für den Verlauf der Arbeit brachte. Seit der letzten Konferenz der Arbeiterpartei sind gegen drei Jahre verstrichen. Damals trat die Versammlung in Cbederah zusammen und der einzige Punkt aut der Tages- Ordnung war Ben Ourions Vorschlag eines Ahkommens mit den Revisionisten, der damals von der Mehrheit abgelehnt wurde. Auch dieses Mal hat mau die Konferenz aus der Stadt hinaus in eine Kolonie gelegt, dieses Mal ist es Rechowoth. Man beabsichtigte damit, die Arbeit starker zu konzentrieren als in der Stadt, wo sich die Delegierten leicht zerstreuen und jeder in die alltägliche Arbeit verstrickt ist. Außerdem rechnet man mit den — vielfach berechtigten — Klagen der ״Provinz“, daß sie nie Gelegenheit hat, an den großen Veranstaltungen richtig teil- /!!nehmen. Oh dieser Beschluß, ״ins Dorf zu ziehen“, sich gut auswirken wird, ist fraglich. Palästinensische Konferenzen sind sehr groß geworden - - diese hat /um Beispiel weit uher 300 Delogierte! — und verlangen umfassende technische Vorbereitungen für Unterbringung und Speisung, Transport usw. Außerdem hat man zwar den Arbeitern aus Rechowoth den Zugang erleichtert, ihn der viel zahlreicheren Arbeiterschaft von Tel Aviv jedoch erschwert, weil Fahrten zeitraubend und kostspielig sind. Man brauchte Fiber diese technischen Einzelheiten kein Wort zu verlieren, wenn die Konferenz in ihrer Fragestellung sich nicht gerade mit den Fragen des inneren Auf ha ns und der Organisierung, gerade mit komplizierten inneren Detailfragen abgeheu würde. Ueberall im Publikum hört man danach fragen, wann die großen Referate und Diskussionen sein werden, also die Auseinandersetzungen über Politik und Wirtschaft, die selbstverständlich heute das Publikum leidenschaftlich interessieren. Die Konferen/leitung hat jedoch beschlossen, erst einmal den inneren Fragen der Partei Raum zu gehen. Fs gibt unter den Mitgliedern seit etlichen Monaten eine lang dauernde Diskussion, manche unzufriedene Gruppe hat sich gebildet, Vorwürfe gegen die Leitung der Partei und der Arbeiterorganisation werden laut, daß man den Kontakt mit dem Mann auf der Straße vorloren habe, daß kein genügender Zusammenhang bestehe usw. Es ist nicht leicht, die Kritik richtig zu erfassen und wiederztigeben; wenn es unzufriedene Gruppen gibt, so haben sie kein recht erkennbares Programm und die Diskussion des ersten Tages brachte kaum klare Scheidelinien zum Ausdruck. Von Interesse sind zwei Vorschläge, die zur Diskussion stehen, einer zur Vereinigung sämtlicher ugetidvcrbände innerhalb der Arbeiterschaft, ein anderer zur 'ereinigung der Kihbu/hewegung, also der Zusammenfassung der verschiedenen Kotlektivvcrbände innerhalb der Kolonisation. Beide Vorschläge entstehen aus dem Leitgedanken, daß heute mehr als je eine Einigung aller gleichgerichteten oder ahnliehen Kräfte not täte. Ob sich noch die Möglichkeit bieten wird, andere Punkte der Tagesordnung zu behandeln, ist nicht sicher, da sich zu dieser ersten Frage, die die Delegierten stark interessiert, bisher weit über hundert Redner gemeldet haben. Bei vielen regen sich jedoch auch Zweifel, ,oh die gegenwärtige schwere wirtschaftliche und politische Situation die ausführliche Behandlung gerade dieser Punkte rechtfertigt, wenn dabei andere Gefahr laufen, zu kurz zu kommen. Zur Arbeltelage In Tel Aviv Die Diskussionen über das diesjährige Budget der Stadt Tel Aviv ziehen sich bereits sehr lange hin und sind immer noch nicht abgeschlossen. Die Aufstellung des sohn und Erich Walter Sternherg. Alle diese Gesänge sind infolge ihres durchsichtigen Stils radiogeeignet. Sie erfordern von der Sängerin große Selbstverleugnung und vom Hörer Svmpathic. Joseph Oriintbals Lieder sind extrem linear empfunden. Sie sind atonal und dabei wohlklingend. E. W. Sternherg legt vieles Expressive in die Begleitung. Aber eigentlich kann man hier gar nicht von ״Liedern mit Kla- Vierbegleitung“ sprechen, da immer eine unanalysierbare Einheit aller Mittel angestrebt wird. Oriinthal ist Lyriker, Sternherg Expressionist, während Georg Wolfsohn die Anmut chinesischer Lyrik mit durchaus tonalen Mitteln nachzeichnet. A. J.-L. Schulkonflikt in Toi Aviv Der Stadtrat von Tel Aviv nahm mit der Mehrheit von einer Stimme einen Beschluß an, demzufolge di« Arbeit ersehn len nicht in die Schulorganiaation der Stadt- Verwaltung miteinbezogen werden sollen. Dieser Beschluß wurde ungeachtet der Anordnung des Waid Leumi getroffen, daß die Arheiterschulen ebenfalls in das allgemeine Er- Ziehungssystem der palästinensischen Judenheit emgeschlossen werden sollen. Nach der Beschlußfassung entstand im Stadtrat ein heftiger Konflikt, und die Arheitermitglieder des Stadtrates verließen die Sitzung unter Protest. Herrlot, der Präsident der französischen Kammer, traf mit seiner Gattin in Jerusalem ein. Er besuchte die Omar- Moschee und die Klagemauer und frühstückte anschließend mit dem High Commissioner, Sir Harold MacMkhael. Später stattete er der Hebräischen Universität einen Besuch ab. Herriot hielt sich zwei Tage in Jerusalem auf und fuhr dann weiter nach Beirut. Bevor Herriot Palästina verließ, besuchte er Tiberias, wo er die Lage Galiläas mit dem jüdischen Bürgermeister dieser Stadt und mit dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde erörterte. Berichtigung. In Nr. 34 der ״Jüdischen Rundschau“ wurde gemeldet daß ein Rabbiner aus Hadar Hacarmel, der mit seiner Frau und Tochter spazieren ging, von einem Araber angeschossrn und leicht verwundet wurde. Wie wir hierzu erfahren, handelte es sich dabei um einen Milchhändlcr aus Wardia, einem kleinen, einsam gelegenen Ort zwischen Naveh Schaanan und Achuzah; dort wurde der Mann angeschossen. Etats der größten Stadt des Landes ist gerade heute keine leichte Aufgabe. Zu dem alten Kampf mit der Regierung, die in der Regel den Etat zusammenzustreichen pflegt, wänrend die Stadtverwaltung darauf dringt, das Budget ausreichend zu gestalten, um den Bedürfnissen der Stadt gerecht zu werden, kommt heute noch das schwere Dilemma, daß sieh die Einkünfte unter dem Druck der schweren Wirtschaftslage zu verringern drohen, während die Anforderungen an die Stadt aus denselben Gründen steigen. Die baldige Fertigstellung des Budgets ist für die gesamte Arbeit der Stadtverwaltung eine Notwendigkeit. Für einen Teil der Tel Aviver Bevölkerung jedoch, nämlich die Afbeitsloeen, ist der Abschluß und der Ausgang der Verhandlungen eine wahre Lebensfrage. Während man in den letzten Wochen gerade aut Wirtschaftlicheni Gebiet wieder optimistischere Stimmen hören kann —- sowohl unter dem großen Publikum als auch unter den Experten wird der Umschlag zum Besseren lebhaft prophezeit — spitzt sich die akute Notlage der von der Arbeit*- losigkeit unmittelbar hetroffenen Schichten immer inehr zu. Die Stadt hatte eine Reihe von Arbeiten in Aussicht gestellt, die eine größere Zahl von Menschen drei Tage in der Woche beschäftigen und damit den schärfsten Druck auf dein Arbeitsmarkte beseitigen sollten. Außerdem sollten bestimmte Abgaben der Stadt für die Unterstützung Bedürftiger bereitgestellt und damit der dringendsten Not abgeholfen werden. Die projektierten Arbeiten sind nur zu einem kleinen Teil in Angriff genommen worden und die Bestätigung der Regierung nimmt übermäßig lange Zeit in Anspruch, ln den letzten Sitzungen hat die Arbeiterfraktion in der Stadtverwaltnng von neuem interveniert, um eine Beschleunigung zu erzwingen, die fraglos von allen innerhalb des Stadtrats gewünscht wird, jedoch bisher nicht zu erlangen ist. Die Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung der Arbeit*- losen wird unter diesen Umständen täglich dringender. Leider hat die Stadt es ahgelehnt, eine Steuer für diesen Zweck einzuführen und es vorgezogen, Gelder auf freiwilligem Wege aufzubringen. Die Aussichten, daß dies gelingt, sind jedoch nicht groß und die Beschaffung anzüglicher Arbeiten und zusätzlicher Unterstützung ist heute so dringend, daß kein Tag bei der Durchführung verloren werden darf. Tel Aviv ohne Fleisch ln der Regel werden Streiks von Interessenten verbänden durchgeführt. Ein Streik, der gerade in Tel Aviv abgeschlossen wird, hatte dagegen einen besonderen Charakter und umfaßt so ziemlich die ganze Stadt. Es streiken die Schlächter, die Arbeiter im Schlachthaus und — das Publikum. Die Vorgeschichte des Streiks ist lang und kompliziert. Es genügen jedoch, um ihn zu verstehen, folgende Tatsachen: Tel Aviv lebt in der Hauptsache von importiertem Fleisch, da die heimische Landwirtschaft kein Mastvieh für Fleisch erzeugt. Den Import hat eine Gruppe von Kaufleuten monopolisiert, die sich dadurch in den Stand setzte, die Preise zu bestimmen und so hoch zu halten, daß sie für das Publikum eine große Belastung darstellten. Die Irnjaorteure hatten ihre Verbindungen überall, auch bei der Regierung, und brachten es so weit, daß sie praktisch jede Konkurrenz ausschlossen. Man versuchte gelegentlich, gegen diese Macht- Stellung einer kleinen Gruppe anzurennen, aber vergeblich. Jetzt haben schließlich die Schlächter gestreikt, ihnen folgten die Arbeiter im Schlachthaus. Was aber der Sache ihren außerordentlichen Anstrich gibt, ist die bereitwillige Unter- Stützung der Streikenden durch das Publikum und die Stadtverwaltung. Seit zwei Wochen ißt Tel Aviv kein Fleisch, die ״eingeschmuggelten“ Mengen, die aus nebenliegenden Orten kommen, sind relativ gering und die Tel Aviver erklärten, so lange kein Fleisch essen zu w׳ollen, bis sie billigeres bekommen. Die Stadt ermunterte diese Haltung und verhandelte unterdessen mit den Importeuren, Der Streik wurde nach zwei Wochen abgebrochen, nachdein es gelungen war, eine Verteuerung zu verhindern, und das System der besonderen Finfiihrscneine der Regierung zu durchbrechen. Eine Kommission der Stadtverwaltung prim zur Zeit die Fleischversorgung Tel Aviv* in ihren Details. Kleine Nachrichten Saleh Zorbi, ein arabischer Detektiv sergeant, der in energRcl׳״׳• Wn«c a 1 <1*הזי Kamnf gegen die Terroristen teilgenommen hat, wurde auf der Straße im arabischen Viertel von Haifa angeschossen und schwer verwundet. Sein Angreifer entkam. Saleh Zorhi erlag später seinen Wunden. Gleichzeitig mit dem arahischrn Detektiv Zorbi wurde eine Araberfrau, die sich in der Feuerlinie befand, von den Terroristen getötet. Der M 11 k I! t a r eines Dorfes bei Nablus, Ahmed J u s s e f, wurde in seinem Haus von Terroristen überfallen. Jussef leistete Widerstand und tötete einen und verwundete zwei Angreifer. Schließlich wurde er jedoch von der Bande überwältigt und ermordet. Zwei Soldaten des West Kent-Regimentes wurden ithwtrvftwundft, als eine Abteilung dieses Regimentes auf der Landstraße Akko-Safed aus dem Hinterhalt überfallen wurde, In derselben Gegend stießen etwas früher zwei Mili• tär-Laitwagen zusammen. Mehrere Soldaten erlitten Ver• letzungen, und zw׳ei Offiziere wurden schwer verwundet. Polizei-Lastwagen wurden hei Afuleh aus dem Hinterhalt beschossen, wobei ein britischer Polizist verwundet wurde. Die Polizisten erwiderten das Feuer der Angreifer und sollen den Terroristen Verluste zugefügt haben. Eine umfangreiche militärische Operation wurde in Sa• maria begonnen, um diese Gegend von Terroristen zu säubern. Das Militärgericht in Nablus verurteilte Muhamed S a - lech Mihmnud, der bei Dschenin gefangen genommen worden war, zum Tode. Die Polizei in Kairo verhaftete zahlreiche Aegypter, die zum Boykott der ägyptischen Juden aufforderten, die die Zionisten unterstützen. Studenten der El Az 11 ar-Universität unternahmen einen Angriff auf das jüdische Viertel Haret Elyahud. Die Polizei zerstreute die Angreifer. Eine Anzahl Studenten, hauptsächlich Palästinenser und Syrer, wurden verhaftet. Vor dem Gebäude der Stadtverwaltung in Tel Aviv kam es zu einer Arbeitslosen-Demonstratlon. Bürgermeister Rokach empfing Vertreter der Arbeiter, die Zuweisung von öffentlichen Arbeiten durch die Stadtverwaltung forderten. Eine Anzahl Demonstranten begann einen Sitzstreik im Gebäude der Stadtverwaltung. (Schluß des PalMstlna-Tells)