Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 39 (17.5.1938)
- Date
- 1938-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653578--32173-2683879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄS TI N A- B LATT Nr. 39, 17. MAI 1938 Im Zeichen der ״Technischen“ Kommission Was die Juden darüber denken Die Arbeit der P.L.D.C. Die Bilanz der Pa lest ine Land Development Company zeigt, daß die Gesellschaft im letzten Jahr eine größere Aktivität entfalten konnte als im Vorjahr und gleichzeitig ihre eigenen Mittel weiter verstärkt. Im Berichtsjahr hat die Gesellschaft 17 351 Dtmam Boden im Werte von 290614 LP neu in jüdischen Besitz überführt. Verkauft wurden fast 17 (HX) Dunarn im Werte von rund 230 000 £P, mehr als die Hälfte davon an den Keren Kajemeth. In den ersten Monaten des neuen Jahres hat sich diese lebhafte Umsatztätigkeit fortgesetzt. Seit 1. Januar 103$ wurden schon weitere 18 (XX) Dunarn neuen Bodens erworben — also mehr als im ganzen Berichtsjahr und anderthalb mal so viel wie 1036 — und Verkäufe im Werte von rund 100 000 £P durcbgcfulirt. In erheblichem Umfang vermochte die Gesellschaft auch fremdes Kapital zur Mitwirkung licranzu/ichen. Unter Führung der PLDC. wurden wichtige Oemeinsehaftsgcschä'te durchgeführt. Unter den Partnern ist neben dem KKL vor allem die Africa-Palcstinc Investments Ltd. zu nennen. In der Bilanz hat sich der eigene Bodenbesitz der Ge- Seilschaft um 137 000 auf 105 (X)0 .CP erhöht. Der Zuw achs entfällt überwiegend auf Neuerwerbungen, zum kleineren Teil auch auf Investitionen, welche die PLDC. tatsächlich in ihre Böden hineingesteckt hat, wie etwa in Form von Straßenbauten oder anderen Erschließungsarbeiten. Die lebhaften Umsätze führten auch in den übrigen Posten der Bilanz zu Steigerungen. Die Mittel, welche durch die Bodenverkäufe hcreinflossen, erleichterten die finanzielle Durchführung der neuen Erwerbungen. Allein die von Bodcnkäufcni empfangenen Anzahlungen stiegen \11״ 44 (XX) auf 116 000 £P. Da die Gesellschaft hierfür nicht Geld, sondern Boden schuldet, kann man diese Anzahlungen nicht als echte Verbindlichkeiten werten. Darüber hinaus wurden auch fremde Mittel in Anspruch genommen. Die Schulden aus Restknufgeldcrn und Landelariehen stiegen um rund 97 (XX) auf rund 280 000 CP. Dabei handelt es sich zum guten Teil tun Abrechnungen mit den Konsortialpartnern, also um Geschäfte, welche die Gesellschaft gemeinsam mit hefreundeten Steller! durchführt. Auf der anderen Seite aber sind auch die Forderungen der Gesellschaft gestiegen und die Debitoren sind noch höher als die echten Kreditoren. Die Außenstände sind durchweg gut gesichert, da nach den allgemeinen Geschäftsgrundsätzen der ״Kusch,■in", das heißt der eigentliche Bcsitz.tit.el, solange zmückbehalten wird, bis der Bodenkäufer den letzten Rest des Kaufpreises bezahlt hat. Von den insgesamt auf 297 (XX) .CP (i. V. 2691X10 CP) erhöhten Debitoren bestehen allein 154 (XX) CP in mehr oder minder kurzfristigen Wechseln, welche die Gesellschaft, im wesentlichen von finanzkräftige״ Institutionen erhalten hat. Rechnet man noch die auf 33 000 CP verdoppelten Barbestände hinzu, so ergibt sich, daß weit mehr als die Hälfte der Verbindlichkeiten allein durch flüssige Mittel erster Ordnung sowie durch gute Wechsel gedeckt ist. Von den gesamten Verbindlichkeiten entfallen rund 64 000 CP auf das Restengagement ans dem Erwerb der Hule-Ko n Zession. Diese ursprünglich von der PLDC. erworbene Konzession ist mittlerweile auf ein neues Konsortium übergegangen, dem Keren Kajemeth und Keren Hajessod angehören und an dem sich aucli die Ica vertraglieh und finanziell interessiert hat. Die finanzielle Bewegungsfreiheit der Gesellschaft ist dadurch groß, daß ihr Eigenkapital größer ist, als alle fremden Mittel, die in Anspruch genommen worden sind. Seihst wenn man soweit geht, Anzahlungen, Pensionsfonds, Rückstellung für Ersdiließungsarbeiten usw. als ,,Verbindlichkeitcn•' zu rechnen, betragen die GesanrtvcrpfUehUmgen 4221300, während das Ligenkapital durch weiteren Verkauf von Aktien, durch die aus dem Vorjahrsgewinn vorgenommene Stärkung des offenen Reservefonds und durch die neu verdienten Beträge auf rund 410 000 CP angewaehsen ist. Dieser Betrag stellt den Uebersehuß der gesamten Aktiven über die gesamten Passiven dar. Auf das eingezahlte Aktienkapital entfallen davon rund 301 (X10 CI1, nämlich 150000 CP auf die Vorzugsaktien, der Rest auf Gründer- und Stammaktien. Der offene Reservefonds beträgt 36 ״« des eingc/ahltcn Aktienkapitals aller Kategorien. Aber obwohl der etwas vorminderte Reingewinn dieses Jahres an sieh ausgercicht hätte, auch diesmal wieder die Vorjalirsdividenile von 8 ׳•; auf die Stammaktien und ft! n "0 auf die Vorzugsaktien auszusehütten, hat sich die Verwaltung entschlossen, wiederum einen nennenswerten Betrag der Reserve zu/ufühten und dafiir die Dividende auf Ij1 י *« für die Stammaktien und 6״״ für die Vorzugsaktien herabzusetzen. W. Düsterwald RW. J e r u s a I e tn, 9. Mai Das Interesse, das sich seitens d .!< der Arbeit der Technischen Kommission, die nun zwei Wochen im Lande ist, zuwendet, ist verhältnismäßig gering. Man liest in den Zeitungen, daß die Kommission Reisen macht, das Land in Augenschein nimmt, und daß sie dann Vertreter der Bevölkeiinig anhören wird; die jüdische Bevölktriing mtcressiert sich vorwiegend für die Besuche im jüdischen Gebiet, so etwa i!1 Tel Aviv, wo die Kommission die Abgrenzung der Stadt gegen Jaffa begutachtete, die sogenannte Frage der ״Karmelstralle“, die von einem Kreu/imgspunkt an der Allenbystrafic durch die noch 11011‘c teilweise gemischten ä teren und ärmeren Zw is/henvierlel direkt bis na 91 Jaffa führt und also künftig durch die Grenzlinie zerschnitten werden muß. Die Mitglieder der Kommission scheinen die Dinge sorgfältig und gemäß ihrem Auftrag zu studieren. Aber die Frage, die sich allmählich aufdrängt, ist eine andere. Man überlegt, was «״'-״י ..• Kartenskizze zum Teilungsprojekt von ,/. .1. Malcolm, über das wir in Sr. 20 bereits berichteten. Man ersieht aus der Skizze insbesondere, wie die Teilung Jerusalems durch andere Grenzziehung des Korridors gedacht ist, ferner die Einbezirhiing der Potash-W'erkc am Taten Meer in den Karridor. Das jüdische Gebiet soll irrt Süden bis in cbm Segne hinein ausgedehnt werden, und auch in der K istenebene und südlich des Emeh Jesreel sowie im Jardantal ist eine gilnstigerc Grenzziehung geplant, die die Ebene ran Reih Schein und das Jordantal mit dem Rnthenhrrg-W'crk in das jüdische (iebief einbezieht. (inza und Akho sollen dagegen zu ara■ bischen Enklaven an der Küste Palästinas gemacht werden. eigentlich damit gemeint ist, daß diese zw eite Kommission in vielen Hinsichten im Grumte dieselbe Arbeit macht, die schon von der Peel-Kommission getan wurde. In der Geschichte Palästinas in den letzten 20 Jahren gib( es keine wirkliehe Entschalung, sondern nach jede r Kommission, seihst der autoritativsten, kommt eine neue Kommission, die sich wieder mit derselben Materie befaßt. Ist mm eigentlich die Teilung itu Prinzip entschieden oder nicht > Auch innerhalb des jüdischen Sektors Palästinas ist man sieh in Wahrheit darüber nicht im klaren. Der in 1!erjtu! 1 sche Streit, oh die Teilung des Landes wünschenswert und für die Juden annehmbar sei, geht in ähnlicher Weise wie auf dem letzten Züricher Kongreß weiter, freilich nur in den kongrcßpoiitisch besonders interessierten Kreisen, während der .Mann auf der Straße den Dingen gleichgültig gegen überstellt und mir den vagen Wunsch hat, es möge irgendeine Wendung kommen', die der wirtschaftlichen Depression ein linde macht und «inen Zustand der Stabilität schafft. In den führenden Kreisen aber hört man alle Argumente für und wider, die seit Juli 1037 in Umlauf sind. Die jüdischen 3ciluii «ogner, wie sie sich etwa um lissisclikin (Hier um die hiesigen Exponenten der amerikanischen Frauenorgatiisatioii J 1,1.1 , -,111״ gi uppicren, he* ohaciiten erwartungsvoll die weitere Entwicklung der Dinge, während die Anhänger der Teihmg-idce /war nicht allzu optimistiscfi, aber unabhängig von etwaige״ I in/cllmten der Komniissioiistä'igkeit sind, daß 1i!c sachlichen N'otw emligkeitei! der judcnstaalsidee sich durchsetzen werden. Man kolportiert natürlich auch jede Aeußcning, die aus der Umgebung der Kommission stammen soll oder was 011־ -■,!!st aus ihrer Tätigkeit erschließen laßt, um daraus zu cntu/hincn, wie die Kommission seihst ihre Aufgabe aiütalli. /uw ci’eii 11״rt man, daß die Kommission sh h streng an die .,teehnisehen" Dinge halten will und keine prinzipiellen!)elnUm und .,cmoihinclh'n‘‘ Argumente znlassen w ird. Tio'/dcm in steht in manchen Kreiseil die Ansicht, daß auf dem t 'niwrg 111 -er die 1 r! 11 11 1 s c!1 e n Tragen infolge der hierbei auftaueb.euden U ßw wngkeitcn auch w'ieder g r 11 n 11 s a 1 / I i e h e I idrtemiigci! möglich sinn werden. Denn gerade was die j 11 d 1 s c h e Haltung zur Tcilungsfrage betrifft, steht es doch lest, daß mau cm I 1 ilungsprojekt, das die Grenzen des künftigen Imlenstaati s beträchtlich verengt, nicht aiinelimen wurde, und obwohl auf die I ragc, was dann geschehen soll, nur wenige eine plausible Antwort haben, so setzen doch die Teilming-gcgiirr ihre Hoffnung auf eine neue Atitroilimg des (iesamtpruhlcuiv Die Zweifel, die in Ztisaniinenhaiig mit der neuen Kornmission auftaiichen. gründen sich /11111 Teil auf den Wortlaut des Weißbuches vom Januat l<13$, /um I eil auch auf die Vermutung, daß die Betrachtungsweise dieser Kommission stark von den Ansichten der palästinensischen Beamtenschaft heeinflußt sein wird, (3h richtig oder nicht, in der Volksdichtung erhält sieh hartnackig die Ansicht, daß die Beamtenschaft mit ganz wenigen Ausnahmen dem Teih111g>plan ablehnend gcgcmihcrstcht. Und unter den wenigen Beamten, die die Teilung für durchführbar halten, gibt es solche, die eine Verbesserung der ursprünglichen Vorschläge zugunsten der Araber befür- Worten. Es ist zu verstehen, daß unter diesen Umständen der kürzlich veröffentlichte Vorschlag von |ames Malcolm, dem ehemaligen Sekretär Balfotirs. einen starken Eindruck gemacht und Hoffnungen erweckt hat. Das Wesentliche an Malcolms Vorschlag ist, daß er dem Judenstaat die ganze Küstenebene, also auch südlich von Jaffa, ferner ein Stuck transjordanisches Gebiet am Tibcrias-See /״teilt und die jüdische Grenze strategiseh verbessert, dagegen den Arabern die Häfen Ga/a und Akko gibt. Ob freilich hinter diesen Vorschlägen maßgebende Kreise stehen, ist unbekannt. In den Kremen der englischen Administration Palästinas neigt man anscheinend nicht 7.11 einer solchen Erweiterung. Wenn aber die technische Kommission den Vorschlag fiir die Juden \ e r s c 11 I e c h t c r t, dann, so meint man hier, wird ein Appell an dm englische öffentliche M e i 11 11!1 g noiw 1-mli g sein: in dieser I lirisiclit ist man ermutigt durch die Aeußcningwn mehrerer Parlamentsmitglieder, die kürzlich Palästina lH־'tu'ht haben. I s gilt als unwahrscheinlich, daß die englische (Vttentbche Meinung es liinnehnifn wurde, w enn eine ״tc! hnisehc“ Kommission, aus Fachmännern bestellend, sich mit dein Gebt des Berichtes der ״Königlichen" Kommission Lord Pec's in Widerspruch setzte. Dies wäre aber auch dann der Lall, wenn diese technische Kommission, obwohl sie formell an dein I l.iuptergehnis des Pecl-Berichtes, der Teilung, lesthielte, ein Proiekt vnriegte, das nicht in Einklang stünde mit den I insiehteri. die der Peel- Neuer KKL־Boden im Norden des Landes In S’ebi Yusha, in der Sähe des Ilule-Sces, an der syrischen und transjordani.schen Grenze hat der KKI. vor kurzem neuen Boden erworben. Das Bild links vermittelt einen Ein■ druck von dieser noch zu erschließenden Gegend, während das Bild rechts die Potizeistalion S’ebi Yusha zeigt. 101!»; K. w1,14!■»)״״«,״,;, lliM־■ 4 ■■■ '■me ■ mf5 >.1 f 1ווי1י ■ ■ SSNjSjSp)'* sWi־**"; mm&r-