Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1938)
- Date
- 1938-05-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38 13. V. 1938 " Seite 10 -.— ו—4 In und um Jerusalem Aus der Wlzo-Arbelt Wizo-Instruktion, Seit vorigem Jahr erteilt die Wizo hauswirtschaftliche Instruktion auch in den Arbeiterdörfern. Achtzehn Orte wurden bisher besucht und die Siedlerfrauen wie auch die Kinder in der Führung des Haushalts und in gesunder Ernährung unterwiesen. Besonders erfolgreich gestaltete sich die Instruktion in der Misrachi-Siedlung Kfar Pines. Hort wurden gerade, die Häuser errichtet, und die lnstruktorin war den Frauen behilflich, ihre Küchen zweckmäßig einzurichten und mit Hilfe ihrer Kinder das Hauswesen gut zu organisieren. Knaben und Mädchen von 9—14 Jahren haben die Unterweisung mit so großem Eifer atifgcnommen, daß die Wizo-Insfitutions-Abtcilung beschloß, an mehreren Orten während der drei Ferienmonate zweimal in der ■Woche je zwei Stunden Hauswirtschafts• und Kochunterricht an Kinder zu erteilen. Nachbarinnen lernen in der Haushaltsschule• Die Siedlerinnen aus der Umgebung der Wizo-Hatishaltungs-Schule in Nachlath Jizchak hörten im März in der Schule einen Vortrag über den Wert der Gemüseernährung. Das Interesse war so groll, daß statt der erwarteten 30 Frauen über 100 erschienen. Kochkurse für arbeitslose Frauen und Mädchen ln Tel Aviv. Diese Kurse geben nicht nur Bcriifsschulung, sondern auch Verpflegung ihr die Zeit ihrer Dauer. Der erste dieser sechswöchigen Kurse ist beendet, ein neuer für weitere 20 Teilnehmerinnen wurden begonnen. Die Teilnehmerinnen sind zum größten Teil arbeitslose Textilarbeiterinnen, Cha- Weroth der Jung-W’izo, der Moazoth ha-Poaloth und des Hapoel ha-Misrachi. Fortbildung von Lehrmädchen in Jerusalem. Für Mäddien, die bei Schneiderinnen in der l ehre sind, sollen bessere Bedingungen im Hrwcrhslehcn gesichert werden durch systematische Weiterbildung an den Abenden in Dreimonatskursen, in denen Theorie, Zuschneiden, Buchhaltung und Materialknndc gelehrt wird. Aushau der Handweberei in Haifa und Ausstellung der Haifaer Hand Weberei-Kooperative. Der im Beth Chalnzoth in Haifa bestehenden Handwfberei-Koopcrative, die seit 1933 dank der finanziellen Unterstützung der Wizo für Instruktion und Anschaffung von Webstühlcn entwickelt worden ist, soll die Ausbildung von weiteren drei Arbeiterinnen ermöglirht werden. Bisher sind zehn Mädchen durch die Wizo auf diese Weise ,111׳-•:;t bildet worden. Im März fand die erste Ausstellung der Kooperative statt. Sie war sehr stark besucht und die gt׳-׳.hm.1 kvollrn, m Dualität und Farbe hervorragenden handgewebten Drknrationsstoffe gefielen so sein״, dal! diue ir-to Propagierung in der breiteren Oeffentln'hkcat der Kooperative eine stattliche Anzahl größerer Bestellungen emtnig. Eine Frauen-Werkstubc In Jerusalem. Aus einer l ehrwerkstätte der HN'Z in Jerusalem für Flicken und Ausbessern von Kleidern und Wäsche, die dank einer besonderen Spende des Schweizer I anilesvri bandes der W1/n vor einigen Monaten ins l eben gerufen werden konnte, ist eine Frauen-Werk- Stube hervorgegangen. Sir ul-ernimmt allerlei Ausbesserungs-, Färberei-, Reinignngs- und Strickarbeiten, und zehn Frauen erwerben so einen wesentlichen Zuschuß zu ihrem Lebensunterhalt. Landnahme Wir erhalten von einem Leser aus Palästina folgende interessante Schilderung: Heute gab es hei uns einen sehr interessanten Tag. Auf dem uns zunächst gelegenen Hügel wurde von der Chewrat Majim (Viässcrgcscllschaft) ein Ki husch makom (Landnahme) gemacht, d. h. cs kamen eine Unmenge Lastautos, hochbepackt mit Arbeitern, Hol/Iasten und Material wie Eisenstangen, Stacheldraht, Wasscrtonncn, Arbeitsgerät und Maschinen aiigcfahren, und machten hinter unserem Hügel halt. Im Handumdrehen war alles abgeladcu, und cs war, als wenn der ganze stille grüne Hügel plötzlich in einen Ameisenhaufen verwandelt war, — 111 laugen Zugen wandelten die jungen Menschen, jeder mit einer Last auf dein Rücken den Hügel hinauf, der noch nicht befahrbar war, nur l.astescl, rechts und links beladen mit Körben voll Schotter, das zwischen zwei Breit enternde gc-chnttet kugelsichere Behausungen geben soll, konnten in langen Zügen dort hinaufgelangen. Fm Zug Menschen wänderte stundenlang hinauf und hinunter, bis zu min 11 alleoben war. Währendde-.-en hatten sofort narb Ankunft unten am Sammelplatz etliche Arbeiter a!!gefangen, 1 inen Weg vor/ubercitcn, und mit Hacken und Steimmulleln (größere Steingrti ppen, die im Wege waren, wurden wengc-pren״t) wurde 111 kolossalem Tempo trotz (.hanisinst ind und Hitze gearbeitet. Ich stand eine ganze Zeit auf unserem Hügel, um dem aus ich alles beobachten konnte.!!-י war ein unglaublich lebendiges 'Bild, man sah, wie stade der Wille zur Fat ist, und mit wclehern Flau solche Sache nngrpackt viril. Auf dem Hügel wird die C.hcwrat Majim zwei grolle Wa-senurme bauen, in die die großen Wassermengcn, die 111 unserer Gegend vorhanden sind, gepumpt werden und die dann die Wasserversorgung des ganzen Flmek s 1e 11 cr-U1 ׳ Icri. film Ieil der Arbeiter fing gleich an, unterhalb iles llugels Gräben für die Wasserrohre zu graben, und als wir nachmittags gegen 4 Uhr den Hügel erstiegen, sah man schon einen langen Streifen mit Rohrgraben sieh ins Land binein/ichen. Die Höhe des Hügels 1m Ausmaß von 12 Dunam war bereits mit einem hohen Zaun mit Stacheldralit (etwa zehn Reihen) umgrenzt, das Wachtgebäude, das in Turmform etwa 5 m hoch schon angcfangen war, war bis gut '2 11! hoch schon fertig (die Mauern natürlich durch die Steinfülluug schußsicher) und gerade, als wir standen und zuschautcn, kam das erste Lastauto mit weiterem Material oben angefahren, denn man hatte inzwischen den Weg schon soweit hergestellt, daß man nicht mehr mit Menschen• und Eselkräften hinaufschleppen brauchte. Die zirka 300 Arbeiter sind noch vor Sonnenuntergang mit Lastautos zurückgehracht worden und nur eine Gruppe von Schomrim blieb einstweilen zurück. Wolf Keusch In der ersten Peßachnacht wurde einer unserer besten Kameraden ermorde1: Wolf Keusch, Er war überall der Erste. \ om ersten Tag an in unserem Kibbuz, der Erste in Kinnereth, vom ersten Tag an in Ejn Geh, vorher im Süden des Loten Meeres und jetzt, als an der äußersten Nordgrenz׳■ des Landes, unmittelbar am Meer und der syrischen Grenze, wo der neue Punkt Chanutah gegründet wurde. Vor etwa einem Monat ging er freiwillig zur Hilfe dorthin. Er war einer unserer Besten, geliebt von allen. Jaakow S t c i n b e r g c r, Ejn Geb Die Mitglic 'c' der P a i ä s t i n a ־ K 0 m in i s, s i o n bc>u.hteil Nablus, Jericho und Chedera. Jeruschalajim liegt in jedem äußeren und inneren Sinn wirklich über Erer. Israel. Ein Kranz von Tälern und Bergen windet sich um die ״Hochgebaute“, und schon die Erhabenheit der natürlichen Lage macht (und machte) eine Fahrt in die Hauptstadt zu einer Wall-Fahrt. Heute hat die Entwichhing aus der Stadt eine Mehrzahl von Städten gemacht, der man mit der Bezeichnung Alt- und Neustadt nicht im geringsten gerecht werden kann. Denn hier bleibt auch das Neue noch traditionsgebend eng gebunden an das Altertum und an das Altertum der Stadt, und wie mächtig auch die bauliehe Entwicklung der neuen jüdischen Viertel fortgeschritten ist und — trotz der Krise — täglich fortschreitet, so schlägt doch das Herz der Stadt noch in einem gemessen alten Takt, und ihr Straßenleben wird noch eher durch die vielen kleinen Esel, die Reittiere, charakterisiert als durch die wahrscheinlich schon viel zahlreicheren Autos und Autobusse. Anders als in Tel Aviv, der Stadt auf dem Sand, und auch anders als in Haifa, der Stadt ain Berg und in der Bucht, wird der Bauplan des neuen Jerusalem ganz und gar von der Landschaft als von einem ewigen Nenner bestimmt. Der großartige Rahmen der Berge umschließt ein wahrhaft heiliges Bild. Geschäfte können es nicht geschäftig, Kämpfe nicht turbulent machen; aber andererseits vermag cs die Tradition auch nicht starr zu machen, denn das innere Leben der Stadt schwebt heute so fühlbar zwischen Vergangenheit und Zukunft, daß dieses Schweben sich ihr als ein wahrhaft erregendes Moment mitteilt. Man geht, man denkt, man lebt hier zwischen den Jahrtausenden, deren Zeichen das Schicksal mit erhabener Schrift dem Judäischcn Gebirge eingeschrieben hat, Jeruschalajim ist nicht nur eine Stadt, es ist (und bleibt) eine Stätte. Dies prägt sieh jedem Besucher ein, es scheint sicli aber auch den Bewohnern binnen kurzem als menschliches Element einzuprägen. Sie sind anders als die anderen palästincnsischcn ״Städter“, anders gemischt, anders erzogen und anders gestimmt. Die Tradition bekommt und hat Macht über sie, noch deutlicher natürlich die Natur. Ucberall in der Welt macht die Höhe aus den sie bewohnenden Menschen etwas Besonderes, überall beeinflußt sie die Lebenshaltung und auch die Denkweise, und hier nun vollends kommt zu der natürlichen Höhe auch eine, man möchte sagen: sittliehe, eine menschhcitlichc, die Z i o 11 s 11 ö h c, auf der sich der Geist zusainincngefundcn und z.usainiuciigcballt hat, und von der er ins!.and und über die ganze Welt hin geweht ist, — wie sollte er nicht in den hierher, auf diese Hfilir der Höhen, Zuriickgckchrtcn bewußt oder unbewußt weiterwirken? Ja, die Stadt und Stätte Jeruschalajim gibt auch der Immigration der letzten Jahre den Inhalt einer Rückkehr, nicht nur weil hier das Alte und Altehrwiirdigc die Oberhand behält, sondern weil es auch mit anderen Anforderungen den Neuling beansprucht. Nirgends im Land treten so wie hier alle Schattierungen des Judentums, alle seine Kräfte in die Erscheinung und verlangen, je differenzierter sie sich auswirken, desto stärker nach einer Synfliese. 13er Weg, den das Judentum bis zu seiner Vereinheithehung■ in einem Volks- und Staatslebcn /urückzulegen haben wird, zeigt sich in dieser Stadt am deutlichsten, und man darf feststellen, daß er von den Menschen hier in seiner Problematik und entscheidenden Ziclliaftigkcit auch erkannt wird. Das heutige Jerusalem liegt in voller Bewußtheit zwischen der Klagemauer und der Universität. Daraus ergibt sieh der Weg und die Aufgabe, insgesamt: die Mission der Stadt. Die Universität! Man steht im Amphitheater, das neben ihr in den Berg Skopus gehauen und gegraben und gebaut ist, und man wird trunken von zwei Blicken, von dem auf die Stadt, die vor ihm alle Schleier ahwirft, und von dem auf das Tote Meer, das so nahe zu liegen scheint, als oh man cs leicht zu Fuß erreichen könnte. Wo sonst in der Welt ist eine Hochschule so hoch gehaut, in einem so ausdrücklichen Einklang mit ihrer Bestimmung und Bedeuiung? Klagemaiicr und Universität — das sind die zwei jüdischsten Orte der Welt, und die Sehnsucht, die dort seit zwei Jahrtausenden Wort und Geste geworden und geblieben ist, findet liier ihr Ziel, die Pforte zu einem neuen Zeitalter der Erfüllung. Die Stimmen von der Klagemauer her brechen sich am Berg Skopus und werden zur neuen Stimme, zur Stimme des gesammelten, auch in seinem Willen und seiner geistigen Kraft gesammelten Judentums. Um die Hörsäle und die Laboratorien, um die Bibliothek und die ״och im Bau begriffenen Hadassah-Häuscr, in denen die medizinische Fakultät ihr Heim finden wird, herrscht die Stille der Entrücktheit, des Herausgehobenseins aus dem Getriebe der Stadt und des Landes, und man fühlt und ahnt, daß in diesem ״Kibbuz des Geistes“ sich ebenso fruchtbare Dinge \0׳rbereiten wie in den ,,Kibbuzim der Tat“. Dort wie hier ist dem Schlaf des Landes ein Erwachen gefolgt, das die Augen und alle Organe des jüdischen Volkes in eine neue Zukunft hinein öffnet. A. Drujanow Alter Drujanow, der bekannte hebräische Schriftsteller, ist am 10. Mai im Alter von 68 Jahren in Jerusalem verstorben. Er stammte aus Drtija in der Provinz Wilna und war im Judentum des Vorkriegs-Rußlands eine der führenden zionistisehen Persönlichkeiten. Von 1910 bis 1914 war er Redakteur des zionistischen Organs ״Haolam“, nachdem er bereits vorher durch zahlreiche Aufsätze im ,,Mamelitz“ und andereil hebräischen und jiddischen Zeitschriften liervorgetreten war. Nach dem Kriege siedelte Drujanow nach Palästina über und widmete sich hauptsächlich folkloristischen Studien. Die ersten vier Bände der folkloristischen Sammclbüchcr ״Rcschumoth“ gab er zusammen mit Bialik heraus. Sein 1922 erschienenes Buch ״Sefer Habedielia w’hachidud“ (Buch der Anekdote und des Witzes), dem er eine längere Einleitung über das Wesen des jüdischen Witzes vorausgeschickt hat, ist 1935 36 nochmals in stark erweiterter Neuauflage erschienen. Noch mehrere Bände des ״Sefer Habedielia“ waren in Aussicht gestellt. Es ist ein schwerer Verlust fiir die jüdische Wissenschaft, dall Drujanow diese Arbeit nicht mehr hat zu Ende führen dürfen, N, Todesfall. Die palästinensische Künstlerschaft betrauert das Hinscheiden der jungen Tänzerin Helen L i n d h c i m, die sich in dem in Brand geratenen Flugzeug, das aus Albanien kam, befand. Helen Lindheini gehörte der Tel Aviver Tanzgruppe von Gertrud Kraus an. Sie war eine Schwiegertochter der bekannten amerikanischen Zionist in Irma Lindheim. Helen Lindheim war auf dem Wege zu ihrem Gatten, der in Amerika an der Planung des Palästina-Pavillons für die bevorstehende große Ausstellung!nitarbeitet. Ihm und seiner Mutter wendet sich das Mitfülilen aller zu, die den jungen Menschen, der auf so tragische Weise von uns gerissen wurde, von der Bühne oder vom persönlichen Zusammensein her kannten. M. G. Man fährt zum Toten M e c r. Es gehört zur Stadt als der tiefste Grund, aus dem sie sich emporgesiedelt hat. Man fährt durch die Berge und in die Schluchten und Schächte hinein wie durch das Innerste und in die Gedärme der Erde. Das Urgestein scheint zutage zu liegen, die Jahrtausende scheinen sich in die Jahrmillionen zu erstrecken, und es ist wie ein geschichtliches, ja menschliches Symbol, daß man von der Höhe von 700 m über dem Meeresspiegel bis in eine Tiefe von 400 m unter ihm hinabfährt. Der Schritt aus der Wüste in das Gelohte Land und seilte Hauptstadt oder umgekehrt ist heute ein großes touristisches Erlebnis. Die gewaltige Sprache der Land- Schaft sorgt dafür, dall die ״Tour“ keinen Augenblick die historische Tat vergessen läßt, die Tat Davids, des königliehen Eroberers und Gründers.Wie Strophe und Antistrophe eines antiken Chors fügt sich das Tote Meer an das Leben der Kapitale. Die Landschaft dazwischen aber strömt grandios ihre psalmodicrende Macht aus. Es ist, als ob die Stadt zum See hinabsänge, der ihr Lied in Schweigen empfängt. Ein tragisches Pathos weht über dieser gewaltigen Senke. Wie die gefurchte’‘ Brust eines Riesen wölbt sic sich zum Toten Meer hinab, und stehst du unten, dort wo der Jordan in cs einfließt, so um dunstet dich der Glast der Wüste, und alle Unbegreiflichkeit der Schöpfung umrandet die stille Bläue des Wassers, dein sie den Namen des Todes gegeben haben. Da wird die Schöpfung zur Dichtung, und wollte man diese Gleichung historisch ausdeuten, so würde daraus (und ist es nicht geworden?) ein Lied der Menschheit. Die Hitze scheint hier nicht mehr vom Tagesgestirn zu kommen, sie scheint restlos von der Erde eingetrunken und nun wieder nach oben zu schwelen — durch die Körper und Köpfe der Menschen, die hier unter heroisch harten Umständen arbeiten — auch hier, wo das Gleichnis des Todes es zu verbieten scheint. Ein Gedankensprung zur Höhe - über die Stadt hinweg, über ihren Zauber und über ihre Rätsel und über ihre Beßliickimgen, ein Sprung und doch keiner — denn das Ziel ist ein Ort der Arbeit am Land, nach wie vor und auf lange hin das wichtigste Ziel, verkörpert im Lehen des Jischmv, der den Heroismus des werdenden jüdischen Volkes repräsentiert. Nahe bei Jerusalem liegt der Kibbuz R a tu a 111 Rachel. Er liegt auf einer Kuppe, die nach drei Richtungen den Blick auf die jcrtisalcmifischc Landschaft freigibt. Auf einer Höhe gegenüber liegt Bethlehem. Die Straße dahin führt an Rachels Grab vorbei. Neben Bethlehem, aut einem anderen Höhenzug, zieht sich eine Reihe arabischer Dörfer hin, die sich dem Blick als eine arabische Stadt darstellen. Auch in den Tälern wohnen Araber. Der Kibbuz, liegt also wie ein Vorposten. Daß er auf einer freien Flöhe liegt mit Sicht nach allen Seiten, gibt ihm eine gewisse Sicherheit, aber es macht ihn auch zur Zielscheibe für gelegentliche Schießübungen der Araber aus den Tälern herauf. Mit einem kleinen eng benachbarten Araherdorf lebt er hingegen in Freundschaft und Frieden. Heute umfaßt er mit den Kindern und einer Anzahl von Eltern der ISO Chawerim, die zmn großen Teil aus Osteuropa, zum kleineren aus Deutschland stammen, rund 300 Menschen. Er veifügt aber über nicht mehr als 90 Dunam Land. Um sich zu erhalten, ist der Kibbuz daher vorwiegend auf Außenarbeit angewiesen. Er hat sechs Lastautos in der Stadt laufen, die Chawerim arbeiten am Bahn- und Straßenbau, als Lastträger am Bahnhof von Jerusalem und insbesondere auch am Toten Meer. Seit kurzem ist eine mechanische Wäscherei in Betrieb genommen, die natürlich ebenfalls ihre Aufträge aus der Stadt bezieht. Dorthin geht auch die Milch, das bißchen Obst (Trauben) und die Blüten aus dem Rosengarten. Kein leichtes Leben —■ Schwerstarbeit wird von jedem Einzelnen gefordert und geleistet: Arbeit am Tage und Wache zur Nachtzeit. Um so erstaunlicher ist die bauliche und die innere Ent- Wicklung dieses Kibbuz. Er hat einen der schönsten Speisesäle im Lande, eine vorzügliche, gut eingerichtete ״Kolonie“ der Kinder, die ein fast autonomes Dasein führt, und ein Haus für die Elfern und Alten, das hei aller Enge als ״buen retiro“ anmutr.t. Eine eigene Schule lehrt neben den selbstverständliehen Elementarfächcrn auch Englisch und Arabisch. Die Kinder haben eine eigene kleine Geflügelzucht, sogar einen ״Duodez-Zoo“ und Gartenland, in dem sie ihre frühen produktiven Kräfte erproben können. So blüht, in der und dank der Nähe der Stadt, diese deineitisehaft, zugleich ein Vorposten und Vorbild im Süden des Landes, als Ergebnis einer erst 15jährigen, aber beispiellos zähen Arbeit, die neben das Pathos der Vergangenheit, das aus allen Winkeln der Stadt auflcuchtct, das andere Pathos der Zukunft setzt. Jeruschalajim, die ״Iiochgchaiite Stadt“ hat wieder ein Volk gefunden, das ihrer und dessen sie selbst würdig ist. Wieder ist an ihr, in ihr und im weiten Kreis um sie herum, ein Wunder geschehen, das Wunder der Erneuerung. Das Bewufltscin davon schwingt auch in ihren Mauern und Straßen, und dies ist die neue Schönheit, die neue Tradition, die sie, jenseits aller Tcilungsproblematik, mit dem jüdischen Land und Volk verbindet. Hermann S i n s 11 e i m e r Kampf gegen die Vertrustung ln der Wirtschaftsbcilage des ״Haarcz“ schreibt nach einem Bericht aus Tel Aviv Dr. Ben-Natan: Der Kampf, der sich in letzter Zeit in Tel Aviv wegen der Erhöhung der Fleischpreise durch den Fleischtrust abspielt, hat die Aufmerksamkeit auf das Problem der Trusts gelenkt. Die schnelle Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren, die zu einer merkbaren Vergrößerung seines Bedarfs führte und es zu einem wirtschaftlichen Zentrum des Nahen Ostens machte, ist der Beachtung des Welttrusts nicht entgangen. Diese Tatsache erschwerte von Anfang an die Entwicklung unserer jungen Industrie, die in Palästina selbst mit der Produktion der Trusts konkurrieren mußte. Die Orangen* industric ist ebenfalls durch die holten von den Trusts diktierten Transportpreise bedroht. Neben den internationalen Trusts aber belasten unsere Wirtschaft noch innerpalästinensische. Manche wurden gegründet, um die innere Konkurrenz zahlreicher gleichartiger Unternehmungen cinztidämmen. In solchen Fällen wäre es wahrscheinlich oft für die palästinensische Wirtschaft besser gewesen, wenn Investitionen verloren gegangen wären und die Preise ihre natiirliehe Entwicklung genommen hätten. Dies gilt zum Beispiel von der Alkohol- Produktion, in der ein T rust die Preise bestimmt. Gefährlicher aber ״och als die Industrie- Truste sind die H a n d c 1 s t r u s t e, denn sie verteuern in erster Linie die Lebenskosten, hemmen dadurch wieder die Industrie und jede Entwicklung. Ochsen, die in ihren HerkunftsEindern T S10 ־ pro Stück kosten, kosten in Haifa £ 20-21. Die Höhe der Differenz läßt sich keinesfalls durch die Transportkosten erklären. Die Haifaer Preise sind aber in den Ländern, aus denen das Vieh stammt, gut bekannt und führen dort wieder zur Preiserhöhung. Die Rechnung zahlt der palästinensische Verbraucher. Achnlichc Verhältnisse herrselten bei der Mehl-Einfuhr. Auch hier zahlen die palästinensisclicn Verbraucher dein arabischen Handelst!׳׳ust ungerechtfertigt hohe Summen. Es tut not, diese Entwicklung systematisch zu bekämpfen.