Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1938)
- Date
- 1938-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38, 13. V. 1938 Maße fraglich, ob sich unsere Judenheit im Stadium der Schrumpfung und dir Dynamik nach unten eine so komplizierte Struktur leisten kann. Alles drängt nach Vereinfachung und Uebcrsichtllchkelt. Je mehr Instanzen und Organe, um so mehr Reibungen und Betriebsliemmimgcn, Von der D r e i s t u f i g k e i t müssen wir den Weg zur Z w c i s t u f i g k e i t finden. Das ist eine Lebrnsiintwendigkeit. und cs ist cm (><־h<־>t sparsamster Finanzpolitik. Und wenn nicht innere Einsicht den Weg weist, so wird es der Zwang der Verhältnisse tun, W i r he 11 ö t i g c 11 d t i n g c n d eine X c u « r d n u 11 g. Sie wird in großen l inier! so au-schcn: Die organisatorische Zentralinstanz wird die Reichsvertretung — nicht mehr als unverbunden Uber den Gemeinden und Landesverbänden schwebende Institution, sondern als die Zusammenfassung, als der Verband aller jüdischen Gemeinden im Reiche. Zwischen den Kultiisgemeindcti und der Rek'hsvertretung sollen sich nicht mehr Landesverbände im alten Sinn als autonome Körperschaften rinschieben, sondern die Gemeinden sollen u n in it t e I b a r die Reichs verlrctung bilden. Diese soll auch weiterhin von den g ז o fi c 11 jüdischen Organisationen mit getragen werden. Atan stelle sich unser Judentum etwa ohne das Wirken und die I unktionen der Zionistischen V e r- «inigung für Deutschland und ihrer örtlichen Vereinigungen und ihrer zentralen Institutionen vor, die ja nicht nur .,richtungMii.ißie" Bedeutung gehabt, sondern entscheidende praktische und geistige Aufgaben zu bewältigen hat. Die Rrielivvertrctung;0-0 wird der Reicltsverband judi* scher (it ineimleu werden, zu gleich auch von den großen jüdischen < )rg;uu-atin1u!1 w eitergetragcn w erden. Die Kunst jedes X'crv. altungsaiiibaus 1-1 cs, die richtige .Mitte zwischen Zentralisation und Dczcntralisation zu finden. Die Reich-vertuttmg, utich m ilircr neuen Struktur, wird sich ihren regionalen Unterbau zu schaffen haben, nicht durch die Landcs.ve!I>,mde alten Stils, sondern durch Bezirks- Organisationen, die ihre e\t kutiven Organe sind, ln .Muteltiinl Sudiieut-cliland u crtlen die bisherigen Landesvf; b,m׳!e in Ile/irlsMU g,111u;1n>•ecu der Keicli" eitretung auszubauen v. in, die die ln!ent 1«men der zentralen Instanz, im Einklang mit den legionalen Xotweudigkeiten verwirklichen, also Exekutiv-* ):gane der Zentrale ,sind. In Norddeutschiand wird der P r e 11 |i 1 .% c 11 e L a 11 d e s v e r h a 11 d, der seinen Sitz schon jetzt neben den Büros der Reichsveitretung hat, in seinen we-entlhhen Aufgaben leicht auf die Reichs- Vertretung t! h! r 1 ti h r t w erden koiuteii. Das Lehrerbildungsw ewn und die Sorge für die einklassige Volksschule gehört in das Schuldezentat der Reiclisvertretmtg, der Lastenausgleich fugt sieh organisch in den I inan/ausglcich der Reichsvertretung ein. Die Sorge für die Bezirksgeincindeil und Be/irksrabbiiiate, sowie die für die Kleingemcinden so wich* tige Kulten arhett können /usatiinten ihren natürlichen Platz in der zentralen Verwaltung der Reichsvertretung finden. Preußen ist ja landschaftlich viel uneinheitlicher als das Gebiet der suddeutschen Verbände. In Obcrsclilesien etwa gibt es gänzlich andere jüdische Bedingungen als itn Rhein- Und. Darum werden sielt in Norddetitschland an Stelle des Landesverbandes die bisherigen Provinzial verbände, die ja schon heute wichtige Aufgaben erfüllen, als die natürliehen Exekutivorgane der Reidisvertretuiig ergeben. Das ist ein klarer Aufbau, der Uebersrhneidungen von Zuständigkeiten, Kollisionen und uherfhisMgc Spannungen vermeidet. Die Gemeinden sind che Zellen des jüdische״ (iemcinschaftslebens und die Rcicli.-vertretung ist der Reicltsverband dieser Zellen. Die Lamlcsverb.inde weiden zu Bezirksorganisationelt und Exekutivorgancn der Rcich.-vertretung ausgebaut, von ihrer Autor11.it getragen um! sie wiederum in ihrer zen• tralen Funktion bestätigend. Auch in der < i e nt e i!1 d e o r g a n i s a t 1 <> n ist starke Zusammenfassung der Ki.itte notwendig, f ine Reihe von Großgemrindcn könnten und sollten benachbarte Kloingcmcinden e i 11 g I i e d e r n, die heute für sich kaum noch lebensfähig sind, aber in gröberem Rahmen {ortbestehen könnten. Die badischen > lemeindeti, die ja schon immer einen besonders entwiekclten Sinn tur Leinhet11ithkeit gehabt haben, sind im Begriff, eine fr;!dis c h 0, f: i 11 h e i t s g e m e i n d t zu begründen, eine einheitliche, große (icmcindeorganisation, die alle Uiitcrgciiieinden /11-aaiinentailt. Auch in anderen Teilen des Reiches wird für solche Vereinheitlichung und Zusarnmenfa-siing Raum sein, D i e X c ti o r d n;1 11 g tut not! Wir haben nicht mehr die gemächliche Ruhe vergangener Zeilen, Organisation.«• komm osioncn ein/uset/rn, die erste und /wate Entwürfe infertigen, die dann wiederum von großen Tagungen begut• achtet und an eine neue Kommission verwiesen werden, Altanciinnennnunn!־׳«*. u.!..!,.״״״g, *,״״״«» Hllifl Svcl alll UIIIIII d״rr1, ״,!« v״׳..c,«. a״»,״«» a״״* PHMIpp ÜCkO, Brrlm-Witrnmdörf, Rramirnbmrilch, Siraße?2 / Rllf •2 74 4$ welche wiederum drifte und vierte Entwürfe anfertigt, bis zum endgültigen Begräbnis des Reformplans. ,Wir müssen rasch handeln, wollen wir den gewaltigen Aufgaben der neuesten stürmischen Entwicklung gewachsen sein. Wir hoffen und — wir möchten lieber schreiben — wir sind überzeugt, daß dieser Neuerung sich keinerlei persönliche Tendenzen und Aspirationen in den Weg stellen werden. Für jede, zu konstruktiver Arbeit fähige Persönlichkeit bietet der Neuaufbau ein großes Wirkungsleld. Gewiß wird cs niemandem auf überholte Titel und Pasten ankommen, sondern jeder wird mit Freuden seinen neuen Platz in dem neuen Organismus ausfüllen. Zum Glück ist die Periode der richtung-mäßigen Kampfe seit langem abgeschlossen. Die Gleichberechtigung der Zionisten und N i c h t / i <m1 i s t e n in allen jüdischen Körperschaften wird heute von keiner Seite mehr angezweifeit und wird auch diese neue Gestaltung bestimmen müssen. Der Weg ist frei für eine rasche und gründliche Neuordn u n g. Die Stunde ist reif! Hoffentlich findet sie Männer, die ihr in Lnt.-chlußkraft und \ erantwortimgsfrcudc gew achsen sind. Hoffentlich findet sie eine Judenheit, die die Bedeutung der Neuordnung erkennt und die von ihren Repräsentanten ein rasches und konstruktives Handeln fordert! Benno Cohn Jüdisches Schicksal in Brasilien Ein Rückblick auf vier Jahrhunderte Für einen im Verlauf der letzten jüdischen Wandcrungswelle nach Brasilien gekommenen Emigranten gibt es nichts Interessanteres als die Geschichte der ersten Juden Brasilien«. Untersuchungen dieser Art sind freilich sehr schwierig, da die Auswanderer vielfach unter veränderten Namen ihre llci,mal verließen und e« .-ich zumeist um ״Merratlos" handelte, um N’euchristen, die ein Interesse daran hatten, ihre jüdische Abstammung zu verberger und die infolgedcssen für Portugiesen bz.w. Brasilianer gehalten werden. In den für die Seefahrt entscheidenden Wissenschaften spielten portugiesische Juden im 15. Jahrhundert eine nicht unbeträchtliche Rolle. .Männer w ie Abrahäo Zaciito und Jehudo Ihn da Vciga de Portugal. .Mcstre Rodrigo, Mcstrc Jose Yisinho und Mestrc Movses, die sich als Kartographen, Astronomen und Mathematiker auszeiclyieten, waren zu jener Zeit, der Zeit der großen Entdeckungen, in der wissenschaftlichen Welt hochgeachtet. Aber nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch trugen luden zu den Erfolgen der ins Unbekannte hinaus/ichendcn Entdeckerflotten bei. Fast unbestritten ist die jüdische Abstammung Gaspers de O a m a (so nach seinem großen Be- Schützer Vasco da Gama genannt), eines Mannes mit einem Bmstti ״_ BbiisUft - U2^matu^, Proliüst• xu Dlänstan Händler Hoh. Rabatt merkwürdigen Schicksal^ d.er den Entdecker Brasiliens, Pedro Alvares Cabral, auf seiner glückhaften Reise als Berater begleitete. Er war von Gabral persönlich zur Teilnahme an der Fahrt ins Ungewisse cingeladcn worden, nicht nur, um ״als Uebersetzer und Sprachkenner, sondern auch als Berater und vorzüglicher Kenner der indischen und afrikanischen Sccrouten“ mitzuwirken. König Manuel von Portugal legte der N'eueiudeckung keine besondere Bedeutung bei, denn er, wie die Mehrzahl seiner Zeitgenossen, war von dem Namen Indiens fasziniert. Daher ist es verständlich, daß der König sich den Vorschlägen Fernandos de Noronha, eines reichen geadelten Neuchnsten״, der es zu hohem Einfluß gebracht hatte, geneigt zeigte und die Verpachtung von Teilen des neuen, unübersehbar gewaltigen Gebietes an jüdische Kolonisatoren genehmißte. Im Jahre 1I0S und bald darauf im Jahre 150b war es in Portugal zu Judenverfolgungen gekommen, und die Zahl derer, welche bereit waren, die von Fernando geschaffene Gelegenheit zu benutzen, war groß. Pachtverträge wurden aufgesetzt, denen zufolge sich die Juden verpflichteten, der Krone Abgaben in festgesetzter Höhe zu leisten. Dafür erhielten sie das Monopol für den Handel mit dem sogen. ״Brasi|״-Baum, dessen rotes Holz von der chemischen Industrie jener Zeit ausgewertet wurde und nach dem übrigens das neue Land seinen Namen erhielt. So kam es, daß besonders nach der Errichtung des Inquisitionstribunals im Jahre 153b immer mehr Juden der neuen lusitanischen Kolonie /״strömten, vor allem solche aus den ärmeren Schichten, während die wohlhabenderen Kreise Fiol־ lattd als Auswandenmgsziel vorzogen. Die brasilianischen Juden beschäftigten sich vielfach mit dem Zucker-, Tabak-, Reis-, Baumwoll- und Maniokanbau und wurden von den Gouverneuren der einzelnen Distrikte im allgemeinen als tatkräftige Kolonisatoren gern aufgenommen, tim so mehr, als die Portugiesen selbst vorwiegend die indischen Gebiete aufsuchten. Zu den ersten Kolonisatoren des jetzigen Staates Säo Paulo - - des reichsten unter den 21 Staate״ Brasiliens gehörte die halb legendäre Gestalt J 0;1 o Ra 111 a I h ״ s, cines_ Mannes, der wahrscheinlich durch einen Schiffbruch an die mibekannten Gestade Brasiliens verschlagen worden war, noch bevor Gabral sie sozusagen offiziell entdeckt hatte, Dieser ״Carmuru“ (״Feuermensch", wie die Indianer die M eißen wegen ihrer Waffen nannten) verstand es, bei dem Stamm der Tibirica-Indtaner fine führende Stellung zu erlangen, und schließlich heiratete er Bartira, die Tochter des Häuptlings. Der spätere Gouverneur dieses Gebietes, Alfonzo de Sottza, erkannte die Bedeutung Ramalhos als Verbindungsglied zwischeu den Weißen und Roten und ernannte ihn zum guardamdr und später zum Chef von Santo Andre da Borda do Cantpo. Daß Joäo Ramalho ein getaufter Jude war, steht wohl außer Zweifel und ist von Jsaac Z, Raizrnan in seiner ״Historia dos Israelitas 110 Brasil״ bis zum höchstmöglichen Grad der Gewißheit erhärtet worden. Besonders auffällig ist, daß in seiner amtlichen Unterschrift — er war Analphabet — offenbar stets nur der hebräisch geschriebene Anfangsbuchstabe seines Namens von seiner eigenen Hand stammt, während die übrigen, lateinisch geschriebenen Buchstaben, die jeweils große Abweichungen zeigen, ohne Zweifel von verschicdenen Sekretären hinzugefiigt worden sind. Unter den freiheitlichen Bedingungen des neuen Landes entstanden rasch blühende jüdische Kolonien. Die;Macht der Verhältnisse, die zu einer Einigung gegen die indianische Gefahr zwangen, war stärker als alie Differenzierungen. Der erste Bischof von Brasilien, Pero Fernandes Sardinha, widerstrebte der Errichtung von Inquisitionstribunalen. Später kamen dennoch Visitatoren aus Portugal, die gegen die zum Judentum zurückgekehrten Marannen Untersuchungsverfahren cinleitetcn, sie auf Schiffe bringen und nach Portugal zurück transportieren ließen. Die glücklichste Zeit für die Juden des kolonialen Bra- -silier! war die kurze Epoche der holländischen Herrschaft in Pernambuco um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Nach der Besetzung Recifes durch die Holländer, unter deren Soldaten sich übrigens auch Juden befanden, strömten die Juden von allen Seiten herbei und fanden, besonders von den Prinzen Moritz von Nassau protegiert, gastfreundliehe Aufnahme. In Recife (der Name scheint aus dem hebräischen Wort Kat/uf — Anlege-, Stapelplatz — entstanden zu sein) entwickelte sich wohl zum ersten Male aut brasilianischein Boden ein jüdisch-geistiges Leben, in den Häusern angesehener Juden fanden religiöse Zusammenkünfte statt. In1 Jahre 1048, dem Jahre, da der 30jährige Krieg sein Ende fand, wurde zu Recife eine jüdische Gemeinde gegründet, nachdem schon vorher der berühmte Rabbi Izhack Abtthab de Frmseca aus Amsterdam angekommen war. Die Zahl der Juden zu Recife mag sich zu jener Zeit auf etwa 5000 Seelen belaufen haben. Wie es auch in populären portugiesischen Liedern jener Zeit zum Ausdruck kommt, hatten sie zumeist bescheidene Berufe inne, lebten als Schuster, Schneider und sonstige kleine Handwerker, handelten mit Kohle, Obst, Holz und allerlei Kleinigkeiten. Andere brachten aus dem Innern unter_ Einsatz, des Lebens die Produkte des Landes herbei, die sie dann, oft tauschweise, nach Europa exportierten. Die Kämpfe zwischen Portugiesen und Holländern endeten schließlich mit dem Sieg der erstereu und der Vernichtung der jüdischen Kolonien in Pernambuco. Eine allgemeine neue Zerstreuung fand statt; viele Juden kehrten nach Europa zurück, andere fanden den Weg nach Mittclamerika oder gar nach New York und Philadelphia, Städten, unter deren Einwohnerschaft man noch heute auf zahlreiche portugiesische Xanten stößt. Diejenigen, die hlieben, teilten das Schicksal ihrer Brüder, die auf dem riesigen Gebiet des kolonialen Brasilien verstreut lebten. Durch Verfolgungen und Drobungen gezwungen, traten sie, soweit sie nicht schon getauft waren, zum christlichen Glauben über, und ihre Spuren verlieren sich zugleich mit den jüdischen Namen, zu deren Ablegung sie sich aus Angst vor den Visitatoren genötigt sahen. Und was durch Zwang nicht erreicht worden war, das wurde um so leichter durch Freiheit erreicht. Im Jahre 1808 öffnete König Johann VE die Tore des Landes zugunsten einer allgemeinen freien Einwanderung aller Nationen, und in der nun beginnende״ \ olkerinischung kreuzten sich die Juden mit den anderen Rassen. Erwähnung verdient noch das abenteuerliche und erschuttmule Schicksal einer Gruppe versprengter Juden aus Pernambuco, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts nach dem Sieg der Portugiesen, von einem Mann namens David Nassib geführt und wahrscheinlich von Indianern unterstutzt, bis zum Rio Surinam, nicht fern vom Gebiet des französischen Guayana, vorwärts drang und sich endlich an einem Ort niederließ, der unter dem Namen Savana Juden bekannt wurde. Noch im Jahre 1830, etwa 200 Jahre später, wurde von einem englischen Forscher berichtet, daß er in jener Gegend eine Ortschaft gefunden hätte, die nur von Juden bewohnt gewesen war. Später fand man in der Einöde Ruinen von Häusern und die Trümmer eines jiiriisehen Friedhofes. ff erhört Rose nfcld, Ponta Grossa Das Emigrantenproblem. vor dem Völkerbund Die Sitzung des Volke rbundsrates in Genf wurde am 0. Mai eröffnet. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage der Unterstellung der Emigranten aus Oesterreich unter das Oberkommissariat des Völkerblindes zur Fürsorge für Emigranten aus Deutschland. Sir Ncill ,Malcolm, der Oberkommissar für Emigranten ans Deutschland, hat sich von London nach Genf begeben. Der Ausschuß, der vom Völkerbund zum Studium und zur Berichterstattung über die Frage der Hilfe für Emigranten eingesetzt worden ist, besteht aus Vertretern Englands, Frankreichs und Boliviens. Der Vorsitzende des Komitees hat Präsident Roose velts Vorschlag auf Einsetzung eines internationalen Ausschusses zur Regierung des Emigrantenprohlems begrüßt. Die Vorschläge des Dreieraus- Schusses enthalten drei Punkte: der erste schlägt vor, daß die vom Völkerbund eingesetzte Organisation für die Emigrantenhilfe ihre Kräfte mit der von Präsident Rooscvelt vorgeschlagenen Organisation verbinden soll. Der zweite schlägt vor, daß der High Commissioner für Emigranten aus Deutschland und der Vertreter des Nansenamtes bei der Tagung von 24 Regierungen anwesend sein sollen, die auf Grund des Vorschlages Präsident Roosevelts wahrscheinlich im Juni stattfinden wird. Der dritte Punkt schlägt vor, daß das Nansenamt und das Büro des High Commissioncrs für Emigranten aus Deutschland ab 1939 miteinander unter einheitlicher Leitung verschmolzen werden sollen. Das vereinigte Büro soll zwei Abteilungen haben, von denen die eine sich mit den Besitzern von Nansenpässen beschäftigt, in der Hauptsache Russen, und die andere mit den Emigranten aus Deutschland und Oesterreich. Das Nansenamt wird Ende 1938 auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundes liquidiert. Was die Koordination des Völkerbundsbüros für Emigranten mit dem von Präsident Roosevelt vorgeschlagenen Komitee betrifft, so soll die Völkerbundsorganisation ihre Arbeit auf die Rechtsprobleme der Emigration, die Fragen der internationalen Dokumente zur Legalisation mul die Arbeitserlaubnis begrenzen, während das neue Komitee in der Hauptsache finanzielle Probleme und die Fragen der Arbeits• und Ein- Wanderungsmöglichkeiten behandeln soll. Die ״Times‘‘' vom 7. Mai bezeichnet in einem Artikel das Emigrantenprohlem als eine der dringendsten Aufgaben des Völkerbundes; es sei erforderlich, die in dieser Richtung geleistete Arbeit in Uebercinstimnumg mit dem Hilfswerk zu bringen, das im Anschluß an die Initiative Roosevelts neu geschaffen werden soll. Das Nansen amt, das Fnde ries Jahres geschlossen werde, müsse durch eine andere Organisation ersetzt werden, und es sei zu hoffen, daß die Arbeit dieser neuen Organisation sich möglichst völlig von politischen Belastungen freihält. Hilfstätigkeit sei eine unpolitische Aufgabe, und es würde ein Fortschritt sein, wenn das gesamte Problem nicht wie bisher dem Sechscr-Ausschuß, der sich mit politischen Angelegenheiten befasse, anvertraut würde, sondern einen! der anderen Komitees. Eine Mlsrachi-Tagung in Atlantic City wandte sich in einer Resolution an den Präsidenten Roosevelt mit der Bitte um Unterstützung eines Fünf-Jalircs-Plans für die Ansiedlung von 500 000 Juden in Palästina unter der Leitung des geplanten Internationalen Emigranten-Komitecs. Die Resolution ist identisch mit der in Chicago angenommenen Entschließung des United Palestine Appeal. Für die Anmeldung der Vermögen von Juden, die gemäß der Verordnung vom 26. April 1938 bis zum 30. Juni 1938 erfolgen muß, gibt der Polizeipräsident in Berlin bekannt, daß bezüglich des in Aussicht genommenen amtlichen Musters in Kürze eine nähere Bekanntmachung erfolgt. Persönliche oder fernmündliche Rückfragen seien bis dahin zwecklos. Für die Entgegennahme der Anmeldungen sind in Berlin die Polizeiämter zuständig, bei denen auch Anträge auf Genehmigung zur Veräußerung oder Vcrpachfting von gewerblichen, Land- oder forstwirtschaftlichen Betrieben sowie zwecks Neueröffnung eines jüdischen Gewerbe• betriebes gemäß der Anordnung einzureichen sind. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Welt ach, Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loe יי enstei 11, Berlin W 15 Anzeigenteiler und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - I'rcUUsie 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzcigenverwtltungi Jüdische Rundschau, Berlin W lf, Meinekestr. 10. D.A. 1/1938: 26043. — Druck: Siegfried Schalem, Berlin-Scläneberg.