Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1938)
- Date
- 1938-05-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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u 5- י1 י׳ Preis 25 Rpf. 1fr. 38 / Jahrgang 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Radaktlaa,Verlag und Anielgenverwaliangi BerlInWl*,M«lneke«h\ 10 Farnrnfi 919031, Telegramm •Adras.e ו Orghlp. — In Füllen höherer Gewull beiteht kein Annpruch •uf N.chlieferung oder ErrtMtunjr etwa ichon z-7,«Mt*r Beruf«gebühren. Berugepreti einschlieSlirh Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Viertelj»hr RM 5,75! hei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39 (einwhlieBlich Portreitung«. gebühr von 10,72 Rpf je Monat). — Poitecberk - Konten Her Vertriebs . Abteilung für Gr0 6 -Berlin! Berlin 71*73, für du« übrige Reich! Berlin 17392 BERLIN י״ב אייר תדצ״ח FREITAG, 13. MAI 1938 Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. Gültig יי׳ Anroigenprelsllsta Nr. S vom 1. April 1936. Dip *wölfgpspaltenp mm * Zpifr 20 Rpf, für Familien Nachrichten IS Rpf. Krim» Grwahr für Aufrtnhm*' von Anzeigen in Kpstimmtrn AimguKpn oder an hpsfimmtrn PiäD.pn, Einre!«וזי׳״וס/ח mir 2«וז*£־ Vorauszahlung auf Poafsrh^ck - Konto Berlin 71618 oder har Mnnta? hi« hrritaj18 —• 9 ־ Uhr AnnabmcachUiß für die D!>n*ia<? - At!5?aH** MonUj■ 10 Uhr. für die FrriUj־ Ausgah« t Mittwoch 15 Uhr. Familien ״ Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt fdr das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) An der Schwelle einer neuen Zeit Neuordnung tut notJ Zur Organisation des jüdischen Lebens Weizmanns Aufruf an die Judenheit — Rundfunkübertragung nach USA Jerusalem,(). Mai. (Palcnr.) Der Beginn der United Palestine Appeal-Campagne in Amerika wurde durch eine Rundfunkrede von D r. W c i /.!11 a n n ausgezeichnet. Weizmann sprach heute früh von seinem Haus in Rechowoth aus per Radiotelcphon nach New York, und von dort wurde sein Aufruf über ganz Amerika übertragen. Weizmann sprach über die Lage der Juden in der Diaspora. Bezüglich der zionistischen Position sagte I)r. Wci/mann, wie immer das politische Geschick sich in Palästina wenden würde, bcfände man sich auf der Schwelle eines neuen Zeitabschnitts der Aufwärtsentwicklung, der alle bisherigen Errungenschaften und Erfolge übertreffen werde. Diese Entwicklung werde die Aufnahme einer beträchtlichen Anzahl von Ncueinwanderern ermöglichen und einen großen Teil der jüdischen Jugend ans Sorge und Verzweiflung retten. Dr. Weizmann sagte zum Abschluß, diese dunklen Stirnden seien Vorboten einer neuen Dämmerung: das jüdisehe Volk werde von dem neuen Liebt wie aus einem langen, dunklen Tunnel heraus in die strahlende Helle der palästinensischen Sonne geleitet werden. Holland schließt die Grenzen V011 unserem Berichterstatter D cn Haag, 9. Mai 1938 Der holländische J u s t i z m i n i s t e r hat an die Polizeibehörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß jetzt fünf bis sechs Jahre verstrichen seien, seitdem das Llüclitliiigsproblcm akut geworden sei. Während dieser Zeit habe ein ständiger Zustrom von Flüchtlingen nach Holland stattgefunden, das viele Tausende dieser Fremden beherberge. An Stelle einer allmählichen Klärung bringe der Stand der Flüchtlingsfrage zunehmende Schwierigkeiten mit sich. Der Minister weist darauf hin, daß während der vergangenen Jahre liinsichtlieh der Zulassung von Flüchtlingen in Holland ein entgegenkommender Standpunkt eingenommen worden sei. Die Regierung ist jetzt der Ansicht, daß die bisher verfolgte Fremdenpolitik beendet werden muß. Verschiedene Interessen — unter anderem wirtschaftliche Interessen und die noch immer erhebliche Arbeitslosigkeit im Lande — machen es notwendig, der weiteren Zulassung von Fluchtlingen in Holland Einhalt zu tun. Ein Flüchtling soll als ein unerwünschter Fremder angesehen werden. Unter Flüchtling wird jeder Fremde verstanden, der unter dem Druck der Umstände in dem Lande, in dem er sich aufhält oder seinen Wohnsitz hat, dieses Land verläßt; der Umstand, daß der Flüchtling ausreichende finanzielle Mittel besitzt, soll keinen (}rund dafür ahgeben, ihn in Holland zuzulassen oder ihm hier Aufenthaltserlaubnis zu gewähren. Der Minister teilt mit, daß die G r e n z b c w a c 11 11 ti g verstärkt und ausgedehnt wird. Jedoch soll künftig auch die Ortspoliziei die Aufgabe ausgedehnterer Kontrolle und Aufsicht haben. Die neuen Richtlinien gelten nur für neu ankommende Flüchtlinge und diejenigen, die seit 1. Marz 193S nach Holland gekommen sind. * Zum Abschluß der von Dr. W. W. Kaplun-Kogan im Haag durchgeführten Aktion fand ein Tecahend im Hause von Frau Maria Adler statt, die seit der Begründung der Holländischen Wizo an führender Stelle arbeitet, hei dem Dr. Kaplun-Kogan über die Arbeit der Hebräischen Univcrsität sprach und ansehnliche Zeichnungen entgegennehmen konnte. Der Erfolg der Arbeit, an dem auch Herr H. Flaumenhaft einen wesentlichen Anteil hat, war beträchtlich größer als im vorigen Jahre. Die holländische Gruppe der Writvereinigiing Allgemeiner Zionisten (Gruppe A), die vor kurzem gegründet wurde, hielt ihre erste allgemeine Versammlung ah, in der das Programm der Gruppe aufgestellt wurde. Es wurde heschlossen, mit dem Bundesvorstand des Niederländischen Zionistenhundes Verhandlungen über den Eintritt in diesen Verband zu führen. _ Einwanderungsgesetz in Ecuador Vor kurzem ist, wie der Hilfsverein mitteilt, in Ecuador ein neues Einwanderungsgesetz, in Kraft getreten. Das neue Gesetz enthält keine Bestimmungen, die die Juden ausdrücklich erwähnen und sie von anderen Einwanderern nachteilig unterscheiden. Somit bestellt die Hoffnung, daß die Einwanderung nach Ecuador, die seit einiger Zeit fast völlig ruhte, künftig in beschränktem Maße wieder möglich sein wird. Das Gesetz geht von dem Grundsatz aus, daß die Ein- Wanderung solcher Personen erwünscht ist, die neue Industrien errichten, bestehende Manufakturen verbessern, sich wissenschaftlich betätigen oder sonst dem Land nützlich sind. Im einzelnen soll allen Einwanderern die Niederlassung in Ecuador gestattet sein, sofern sie die in dem Einwanderungsgrsetz aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Zu diesen Vor• ausscfzimgcn gehört in erster Linie der Besitz eines Vor• zcigegeldes von 400 Dollars, die entweder in einem landwirtschaftlichen Betrieb oder in einem Industrie-Unternehmen investiert werden müssen. Die Ehefrau und die minderjährigen Kinder sind von der Yorzcigegeldverpflichtung befreit, so daß bei Familieiieinwanderung nur der Ehemann im Besitz des Vorzeigegeides zu sein braucht. Auch Landwirte, die einen Arbeitsvertrag mit einem Landwirtschaftliehen Unternehmer in Ecuador geschlossen haben, bedürfen keines Vorzeigegeides. Außer dem Vorzcigegeld muß jeder Einwanderer ein E i n r c i s c - V i s!1 m haben, das von dem zuständigen ecuadorianisclicn Konsulat erteilt wird. Zur Erteilung des Visums ist die Vorlegung eines polizeilichen Führungszeugnisses erforderlich. Das Visum wird versagt, wenn der Einwandermigswillige moralisch oder geistig minderwertig ist oder einer Partei angchört, deren Bestrebungen die Ordnung und Sicherheit in Ecuador gefährden. Ferner wird das Visum Personen unter 18 Jahren nicht erteilt, sofern sie nicht durch ihre Eltern oder andere in Ecuador ansässige erzifhungsHcrcchtigte Personen angefordert werden. Auch alleinreisende Frauen, die nicht genügend Mittel zum Lebensunterhalt besitzen, erhalten kein Visum. Oh einer dieser Versagungsgriindc vorliegt, entscheidet der zuständige Konsul nach freiem Ermessen. Die Einbürgerung kann nach zwei Jahren erfolgen, sofern ein Monatseinkommen von mindestens 200 Sucres nachgewiesen wird. Nachmittags ־ Stimmung im Emek Jesreel Die Schönheit der Landschaft Palästinas afjenburt sich beim Blick über die beider des LmekJesievl besonders eindrucksvoll Foko 5 R. \S Ttl Aviv l.1v3;vY/- 4» m׳w js, ■־*¥ illiliiiii >. 4״> M ״ . . ׳ njy&ßßGfU'd. 's 4M r Die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ist in diesem letzten halben Jahr in ein neues Stadium getreten. Der Drang zur Auswanderung ist Starker geworden als jemals vorher. Die Scclen/ah! der Juden hat sich weiterhin stark vermindert, die wirtschaftliche Kraft ist durch die Veräußerung einer großen Zahl jüdischer l uiternehrnungetl in allen Zweigen der Wirtschaft noch schwacher geworden als in den letzten Jahren. Das gesamte Gemeinschaftsleben der Juden in Deutschland stellt im Zeichen einer rapiden Schrumpfung, die alle Gebiete erlaßt. Die Aufgaben, die hieraus dem Judentum und seinen < irgaucn erwachsen, sind hierdurch nicht gemindert; im Gegenteil, es erfordert größere Kraft, größere Klugheit, größeren Lins,atz, eine (Je• nicinschaft zu leiten und zu verwalten, die sieh im Abstieg und in Auflösung befindet. Um! nicht nur daran! kommt es an, den Kräften des Verfalls cntgegen/i!wirken, sondern posifiv liegt es uns ob, den Vorgang der Auflösung einer großen Mcnsclicngnippe, soweit es uns möglich i«t, zu lenken, zu gestalten und auch hier konstruktive Arbeit zu leisten. Immer wieder erhebt sieh die Frage, ob der oigallische und verfassungsmäßige Aufbau unserer Judenheit, wie er sieh heute darsteilt, in allen seinen Teilen wirksam ist und ob die Organe in ihrem Zusammenwirken und in der Abgreimmg ihrer Arbeitsgebiete taugliche Instrumente sind. Das kürzlich veröffentlichte Gesetz über die jüdischen K 111 11! s v e r e i n i g 11 n g c n, das eine neue Regelung des juristischen Status dieser Vereinigungen brachte, hat die Frage auch von der rechtlichen Seite aus aufgerollt. Es ist interessant, wie wenige Menschen bei uns sich mit diesen Problemen befassen. Die Fragen der Verfassung, die in anderen historischen Gruppen auch von der breiten Masse als vitale Probleme empfunden werden, werden bei uns nahezu als eine Art ,,Geheimwissenschaft“ betrachtet, als eine uninteressante und trockene Materie, die den Fachleuten und Funktionären in den Gemeinden und Spifzenvcrbänden der Organisationen zur Erörterung und Lösung tiberlassen bleibt. Nur ein winziger Kreis weiß Bescheid, kennt die Funktionen der Reichs Vertretung und ihren Aufbau, die Rolle der Landesverbände, die Beziehungen der Gemeinden zu ihnen, die Beziehungen dieser Körperschaften wiederum zur Rcichsvertretung. Das ist gewiß verständlich, Die gewaltigen persönlichen Sorgen jedes Einzelnen, der sich ständig die Frage nach seiner Gegenwart und nach seiner zukünftigen Existenz vorlegen muß, überwuchern die iihorirulividtieiiert Interessen. Aber dieser Zustand ist schädlich. Ohne eine öffentliche Meinung, die auch in diesen drängenden [׳'ragen Richtung gibt, können die leitenden Menschen und Körperschaften sehr leicht TO Fehlkonstruktionen und Fehlentscheidungen kommen, Ein Rück auf die Verfassung unseres Judentums zeigt, wie stark bei uns das Gewicht des historisch Gewordenen ist. tn einer Zeit und einer Umweh, in der sich gewaltigste Veränderungen gerade im (iemou1>ehafts|rbe11 vollzogen haben, hat sich hei uns der Inhalt unserer A r b c i t gewiß erheblich verändert. Die Aufgaben sozialer Natur, die Vor• hereitung, Förderung und Lenkung der Auswanderung und die Erziehung der jungen Generation sind in den Vordergrund getreten. Aber die organisatorische Struktur ist nicht entscheidend gewandelt. Die Neuschaffung dieser letzten Jahre ist unsere R e i c h s v e r t r e t u 11 g. ln ihr ist ein zentrales Organ geschaffen worden, das die wichtigsten Aufgaben dieser Zeit, Schule, Wanderung, Wohlfahrtspflege, Berufsatisbildung, Umschichtung, Wirtschaftshilfe und viel« andere tatkräftig in Angriff genommen bat und der jewciligen neuen Entwicklungscfappe anpaßt. Der vor kurzen* erschienene Arbeitsbericht über (ins Jahr IW legt Zeugnis von der umfassenden und konstruktiven Arbeit ab, die dies« Institution geleistet hat. Eine gewaltige und wertvolle Arbeit wird auch in den jüdischen Gemeinden (Kultusvereinlgungen) geleistet, und diese Arbeit liegt besonders klar vor jedem Mitglied der jüdischen Gemeinschaft. Die Gemeinden werden mit die vornehmsten Träger des jüdischen Gemeinschaftslebens sein. Welche Verbindung bestellt nun zwischen dem zentralen Organ der Reiclisvertrehmg und den Zeilen unseres Gemeinschaftslebens, den Gemeinden? Keinerlei direkte. Die Landesverbände sind die Drucke zwischen Gemeinde und Reichsvertretmig. Sie stellen den Niederschlag regionaler Tradition und Notwendigkeit dar, und es ist innerkennbar, welche wichtigen Funktionen sie erfüllen. Aber der organisatorische Gcsamtaufbau wird durch sie i!1 ihrer heutigen Form unübersichtlich und verworren. Es ist im höchsten ivdei Ue&eMidc Der auf Vorschlag des Völkerhundsra!s eingesetzte Dreier• aussehuß zum S t u d i u m dev E m i g r a t i o n s ״ frage schlägt 11. a, eine 1 rrschmelzung des Büros des High Commissinners für Emigranten aus Deutschland mit dem Sansenamt und eine Koordination der Arbeit dieser Institution mit dem von Präsident Rooscvclt vor■ geschlagenen neuen Emigrations-Komitee vor. Bei einem Gefecht in der Sähe von Hebron wurde der arabische Bandenfährrr Ix.sa Botin getötet. Ein Araber wurde in Akho 11 in gc richte t. Die Nashashibi• Partei wird die neue Palästina- Kommission boykottieren.