Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1938)
- Date
- 1938-05-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 10 V.938 ו Seift 7 - ■1. .111* Das Neueste in Kürze NeubaudesBert-Jehiida-Gymnasiums Zu Beginn des Schuljahres hat das Bcn-Jehuda-Gymnasium in Tel Aviv sein neues Heim in der Galilstraße belogen. Die Schule war in den vier Jahren ihres Bestehens י,»-?י '*וווו*־•׳*•"׳"' ■:יי ^?H*״ ׳'יו״די^׳״ן'׳' *־*.־'ימי««. «ej?׳” -׳■»־> ♦*?־■׳■ י״«?*,־׳ף»?'■•'־ —״־י—--״•p loto: Bicbtrkra«!«׳i *■־»»»' , *•*. * nrrtifi ‘ *יי* ***•' ma. ölt!rr •Mfvpt!* /■ *f| -. ׳' bisher In einem Wohnhaus untergebracht, das jedoch mit der wachsenden Zahl der Klassen und Schüler den Anfordcrungen eines modernen Lrzieliungsinstituts nicht mehr genügte. Es zeugt vorn Vertrauen für die weitere Entwicklung der Anstalt, daß sich das Kuratorium zu dem umfangreichen Neu• und Erweiterungsbau entschlossen hat. Mit diesem durch den Architekten Richard Kaufmann II (Tel Aviv) errichteten Bau ist die Zahl der höheren Schulen Tel Avivs um ein weiteres modernes Schulgebäude vermehrt worden. Seder bei schwarzen Juden Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt folgende Erinnerungen eines Mitarbeiters: Schanghai gehört offiziell zu China, ist aber eine völlig internationale Stadt. Unter den Menschen aus allen Erdteilen, die durch die großen. Handelsmöglichkeiten angezogen sind, befinden sich auch schwarze Juden. Einer von ihnen schickte mir einige Tage vor Peßacli eine Einladung zum Seder. Der Gastgeber wohnte in einem großen, von Dattelbäumen umgebenen Hause. Ein chinesischer Diener führte die Gäste zunächst ins Badezimmer, wo sie sich wuschen. Dann kamen sie in einen Saal, wo um einen reich mit Silber gedeckten Tisch die Gäste, weiße und schwarze Juden, in bunten Seidengewarntem saßen. Unter den Gästen waren hohe Regie• rimgsheamte und Offiziere, alles Juden. Der Hausherr wies Uns die Plätze an. Auf dem Tisch standen allerlei Speisen: Obst, Tee und Kaffee, nichts aber wies aut den Seder hin. Um acht Uhr führte der Hausherr die Gäste in einen anderen geschmückten Saal, in dem festlich gedeckte Tische standen. Chinesische Diener in Seidengewändern wiesen die Plätze an. Vor jedem Gaste stand auf silbernem Tablett eine Flasche Karmelwein, ein goldener Becher und Maz.zoth. Zuletzt trat ein Rabbiner aus Bagdad, ein Greis von 70 Jahren, ein. Vor ihm stand ein silbernes Tablett, auf dem nebeneinander drei Mazzoth lagen. Der Rabbiner gab den Seder. Als er zu ״Ha-lächnia" kam, nahm ein junger Mann die Seder- Schüssel, ging mit ihr um die rische und ließ sic einen Augenblick auf dein Kopfe eines jeden Gastes ruhen. Der Rabbiner sagte ״Ha-laduna“ einmal auf Hebräisch, und der Hausherr wiederholte es dreimal auf Arabisch. Nachdem das beendet war und auch die Schüssel wieder an ihrem Ort stand, trat ein junger, kostbar gekleideter Mann ein. Er trugt Gürtel, Stab und Ranzen. ״Woher kommst du?" fragte ihn der Rabbiner. ״Aus Aegypten“, war die Antwort. ״Bist du frei?“ ״Jetzt bin ich frei.“ ״Wohin gellst du?‘ ״Nacii Jerusalem.“ ״Dann erzähle uns, bevor du dorthin gehst, noch die Wunder des Auszugs aus Aegypten.“ Der Gast setzte sich an die Seite des Rabbiners und las die Erzählung vom Auszug aus Aegypten, und alle Anwesenden lauschten. Um zehn Uhr begann das Essen. Als die Zeit für den Afikoman kam, nahm der Rabbiner den Afikoman in einer Serviette auf seine Schulter und ging mit dem Stab in der Hand im Saale auf und ab und aß von dem Afikoman. Erst um drei Uhr nachts war der Sseder zu Ende. Der 50jährige Chaitti Sofer wurde in der Nähe von Karkur, als er mit einem Pferdewagen von der Feldarbeit zur Kolonie *urückkehrte, von zwei Arabern überfallen und mit Messern und Knütteln am Kopf und in der Brust verletzt. Die Banditen stahlen dann das Pferd und ergriffen die Flucht. Sofer wurde Ins Krankenhaus geschafft; sein Zustand ist äußerst besorgniserregend. Er kam im Jahre 1920 aus Galizien nach Palästina und ist einer der Gründer von Karkur bei Chcdcra. Ungefähr 3000 Mann Militär blieben über Nacht in den Bergen bei Tulkcrem und fuhren fort, nach Terroristen zu suchen. Die Operationen werden in einem großen Gebiet zwischen Tulkcrem und Dschenin ausgefühlt, und den sich dort versteckt haltenden Terroristen sollen große Verluste zugefügt worden sein. Ahmed T a h e r, ein Angestellter der Ir«q Petroleum Gesellschaft, wurde in einem Cafd in Haifa erschossen. Die arabischen Geschäfte in Tiherias wurden infolge terroristisch-arabischer Drohungen wiederum geschlossen. In Jaffa versuchten die arabischen Jugendorganisationen die Geschäftsinhaber zum Schließen der Geschäfte zu veranlassen. Nach einer Meldung des ״Haare/.“ verstärken die Term* ristcn ihre Bemühungen, aus Arabern Geld hcfauszuprcssen, da sic sich vorbereiten, aus Palästina zu fliehen. Der Bürgermeister von Jaffa veröffentlichte in der arabischen Presse einen Brief, daß er nicht mit der Teilungs-Kommission konferiert habe. Abdullah A hu g ha rar eh, der vor das Militärgericht In Nahlus gestellt wurde, ist zum Tode verurteilt worden. Kunst In Tel Aviv Matatä: ״Das Land wo, Milch und... Petroleum fließt" Nach dem Serienerfolg der letzten Matate-Revue, die fast fünf Monate auf dem Spielplan bleiben konnte, hedeutet das neue Programm, für dessen Manuskript J. Heib I u m zeichnet, einen Rückschritt. Ein noch so witziger Einfall genügt leider nicht, um über die Längen von acht Bildern himvegzutäiischcn, wenn die Kunst und Konzentriert* heit des. Aufbaues, die Flüssigkeit des Dialogs zu vermissen sind. Der Schauplatz ist Tel Aviv, clcr Geruch eines in der Erde befindlichen Pefroleumtanks bcsclnvort den Traum vom Millionär-Dasein herauf, verursacht Bohrversuche in allen Teilen der Stadt, das Niederreißen von Häusern und, im Zeichen der ״Hausse“, eine Ankurbelung der Wirtschaft. (Verfasserin Lea Go Id b erg.) London gibt einer in der Anlage Schalom Alejchemschen Bühnenfigiir deckend Umriß und Gestalt. Rudenski, von seinem Gastspiel am New- Yorker Morris Sclnvarz-Thcater heimgekehrt, wechselt diesmal vom ״Bonvivant“• zum ,,Charakter"-Fach mit Erfolg hinüber. L e b i u s c h ist wie Immer still und einprägsam, Rose L i c 111 c n s 1 c i n hat endgültig auf der palastinensischen Bühne Fuß gefaßt, muß sich aber vor einem ״Zuviel" in Geste und Ton hüten. Der jungen jemenitischen Sängerin Esther Gamliolith erweist man keinen Dienst, wenn man sie als ״Star“ hcrausstellt. Das von ihr gesungene Chanson bekam einen sehr zwiespältigen Charakter, Frau Schindler verfügt in der Darstellung über mehr Sicherheit und Können als חוו Gesang. Der Bühnenbildner Luftglas begnügt sich diesmal mit der Schaffung eines ״Stirnmungs-Hintergrundcs“. Museums-Konzert Das neunte Museums-Konzert dieser Saison war franzc'isischer Kammermusik des 17. und 18. Jahrhunderts gewidmet. F. Po Hak am Cembalo, B l u m b e r g, der die schwierige Technik der in Konzertsälen nur selten zu hörenden Viola d'amour sicher handhabt, der Flötist Toe plitz sowie der Cellist Odnopossof, dessen warmer und umfangreicher Ton besonders gefiel, konnten als Solisten und Enscmbfespielcr den warmen Beifall des wiederum zahlreichen Auditoriums in Anspruch nehmen. Man hörte Werke von L ec 1 a i r, d’Horv e I o i x, C o u p c r i n, Ramcau, M i! a n d r e und Cieremba u 11. Vortragsabend Ahraham Morcwski, ein jiddischer Schauspieler von Rang, eindrucksvoller Darsteller des ״Rabbi von Miropol“ in dem an dieser Stelle besprochenen ״Dybuk-Film“, gab anläßlich seines Aufenthalts in Ercz, Israel einen Vortragsabend in hehräischer Sprache. Leider erwies sich die Wahl des Übel Schein- Saales, mit seiner für Sprecher nicht günstigen Akustik als wenig geeignet, da Morewskis stimmliche Mittel beschränkt sind. Manfred Geis In dem Jahresbericht der Gesellschaft Nir wird aufgeführt, daß das Gesellschaftskapital jetzt eine Viertel Million Pfund beträgt. Das Gesamtkapital der Gesellschaff stellt sich jetzt einschließlich der heratisgegebcneti Schuldscheine auf £ 440 000. Eine 5,voige Dividendenausschütt 11:1g wurde angekündigt. Mustapha A 111 i n d i, der wegen des Mordes an Abra* ftam Goldschlagcr im Februar zum Tode verurteilt worden war, ist im Gefängnis von Akko 11 in gerichtet worden. Dr. fzzat Ta וזח ous, ein bekannter christlich-arabischer Führer, wird sicli nach London begeben, um dort die arabische Propaganda zu stärken. Der bekannte syrische Rechtsanwalt Shafek Boy Suleiman wurde verhaftet, weil er sich an der Organlsation des Waffen Schmuggels für die palästinensischen Ar*• berbanden beteiligt hatte; er wird in Beirut vor ein französischcs Militärgericht gestellt werden. In Bagdad wurden erhebliche Mengen von Waffen beschlagnahmt. Die Waffen sollen für die palästinensischen Banden bestimmt gewesen sein. Auch die libanesische Gendarmerie hat einen Waffentransport beschlagnahmt. Die neue P a I ä s t i n a - K o m m i s s i 0 n hat auf ihrer Rundreise durch das Land Besuche in Rechowoth, Gaza, Bccrschcba und Hebron abgestattet. Der Streik der Tel Aviver Metzger, der am 5. April begann, wurde beendigt. Der Streik wandte lieh gegen die Viehhändler, die die Eleisehpreiso erhöht hatten. Dank der Intervention der Tel Aviver Stadtverwaltung wil» ligten die Importeure jetzt ein, ihre Preise zu senken. Lord Lloyd versprach im Namen der British Mar!• time Lcaguc, die Schiffalirtsschulc, die in Haifa mit Hilfe der Jcwish Agency gegründet wurde, zu unterstützen. Palcor erfährt, daß H c r r i o t, der sich jetzt in Aegypten aufliält, auf dem Wege nach Syrien Palästina besuchen will. Die Hebräische Universität wird zu Ehren Uerriots eine« Empfang veranstalten. Optimistische Perspektiven Bei der Generalversammlung dm־ ImliMrielien-Bank fe| Tel Aviv herrschte eine optimistische Stimmung. Der Vorsitzende, Dr. Weiter Moses, erklärte in der Sitzung, daß der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise in Palästina jetzt wohl über• w u 11 ח e 1t sei und be-scre Zeiten kommen ,minien. In ver* sch jeden en Sphären des Wirtschaftslebens im Lande sei ein gewisser A 11 f >c 11 w 11 11 g zu bemerken. Die Lage sei wohl immer noch eine sehr ernste, jedoch dürfe eine Besserung a u f d e 1:1 A 1׳ hei t s 111 « r k t in Kui/e zu ermatten sein, vor• ausgesetzt, daß clcr Aufschwung anlialte. Als (Tilge der er• höhtet! KapitahsteneinWanderung in den letzten Monaten sei m der Bauindustrie eine gewisse Tendenz zur Ausdehnung und Erweiterung zu vcr/mehiien, auch die Zitrussaison sei besser gewesen als die des vergangenen Jahres. Feiner sei wieder erneutes Interesse für die Schaffung neuer Industrien in Palästina sichtbar. Mahnung zur Vorsicht In einem Eingesandt an den ״Dawar“ fuhrt, wie uns aus Tel Aviv geschrieben wird, ein Vater Beschwerde über die Leichtfertigkeit, mit der sich junge Menschen in Pa• lästina der Gefahr von Ucbcrfallen aussctz.cn: Wir brauche« das Leben unserer jungen Menschen für unsere Aufbauarbeit und für unseren Selbstschutz. Warum machen unsere jungen Leute Ausflüge auf den gefährlichen Landstraßen?, Man muß dieser Sache ein Ende machen. Unsere Jugend ist so frei erzogen, daß die Eiten! nicht viel Einfluß auf sie. haben. Die Männer des öffentlichen Lehens aber, unter deren Einfluß sie stellt,!missen diesem Unfug die Fe-Iule ansagen« Der Kampf wird nicht leicht sein, denn die Grenzen unserer Bewegungsfreiheit sind eng־ gezogen, besonders für unsere jungen Menschen, die die erste Generation eines befreite« Volkes sind, keine Furcht kennen und es nicht lieben, Sich zu verstecken. Aber Mm hilft doch mellt gegen U eher fall aus dem Hinterhalt. Die Presse warnt immer wieder vor dein 1 ciehfsimi, und die Jugend liest es und beachtet Cs nicht. Die Erziehung zur Vorsicht muß ein Ziel unseres Erzieliuugswerkes werden, wie es die Erziehung zur Hingabe an die Heimat ist. Toscanini in Ramot Haschnwim. Tose,•mini besuchte am Id. April die Siedlung Ramot Hawluiwim, wo ihm seit dem Vorjahre ein Pardcss gehört. Er verbrachte eine Stunde unter den Siedlern, begrüßt und gefeiert mit der Begcistcrung, die der Jischuw dem großen .Musiker entgegenbringt. Bei Tisch —!111 Omi Toscanini war unter de« Bäumen für ein Frühstück gedeckt — hot sich Gelegenheit zum privaten Gespräch mit Toscanini und seiner Begleituiig, in der sieh außer Frau Toscanini Me. John Royal, Direktor der National Broadcasting Co, in New York, Dr. H. Simon und KapcIlnieNtct steiubcrg befanden. Dr. Walther Stetnitz überreichte dem Meister ein Album mit Ansichten von Ramot Ha-ch;nvim. Religiöse Jugend aus Deutschland e* m s־C,H ‘ cif, ' ׳r •י־. ■ ■r ״ ׳- Im Jordantal. südlich von Beisart, liegt der festungsartige Bau der Siedlung TI rat Zwi, entstanden ms einem uAig «bauten allen arabischen Haus, an (las sich die übrigen nett errichteten Holzhäuser anschließen. Im Hintergründe, jenseits des Jordan, die I)arge Transjordantem, Hier siedelt und arbeitet eine Gruppe Misrachi-Jugend, in strengen religiösen Formen lebend, sonst aber den übrigen Arbeitern des Landes gleichartig in leben und Arbeit. Die Gruppe ist allgemein sehr geachtet und. steht mit den anderen Arbeitergruppen in besten Beziehungen, Unsere Bilder zeigen (J) die Gesamtansicht der Vorderfront, (2.J zwei religiöse Jugendliche aus Deutschland ah Hilfspolizisten zu Pferd am Ausgang von Tirol Zwi, und (ß[ die Mädchen der Siedlung beim Wäschewaschen, pot11־ r, w־H«ck