Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1938)
- Date
- 1938-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCH! RUNDSCHAU Nr. 37, 10. 1938 Die Kommission lernt das Land kennen Von unserem palästinensischen Korrespondenten gb lei Aviv, 3. Mai Beginn der Rundreise Die ,,technische Kommission", tlie in! Aufträge der englischen Regierung die Möglichkeiten einer Teilung Palästinas durchführen soll, beginn; ihre \1beit im Lande mit einer Tour durch die Stande und Ddifci. Bereits einige Tage nach der Ankunft besuchten die Mitglieder Jaffa und Tel Aviv, sie hespiaclun sieh mit IDgicrungsInMmten mul mit Vertretern der Bevölkern!! g. Zwim1h1:׳ den beiden Nachbar- Städten, deren <iren/en sie feM/uMeilen suchten (Tel Aviv lind Jaffa gehen ja ohne Zw iM'lienrauin ineinander über), suchten sie vermutlich muh der Lagerung des berühmten Korridors, der leer den )mienvom Aruherstaat trennen soll, erkundigten sich bunt Besuch des Tel Aviver Hafens nach der Entfernung zu isgln n den beiden Naehbarhäfen, stellten L'r;1gcn über’ Bestelle: ung. Kanalisation, Wasserversorgung der bettle״ Städte. 1 ).!mit koniint die Kommission scholl mitten in die ihr gestellte!) praktischen Probleme hinein, in die Aufgabe, das Land so zu teilen, da(l nirgends lebenswichtige Organe beschädigt oder ahge*ehnürt werden. Ls werdet! sich im Laufe der Untersuchung zahlreiche Detailfragen finden, die vermutlich nicht immer ideal werden gelöst werden können. Worauf es ankonmit, ist auch nicht eine vollkommene Lösung aller dieser Lin/clproblemc (die es gar nicht gelten kamt), sondern die Feststellung, ob sich zwei lebensfähige Staatsgebilde ,1us dem heutigen Palastina schaffen lassen. Neue Terror ־ Aktionen Die Ums lande, unter de ■n;1 du■ Kommission ihre Arbeit beginnt, erschweren diese ertiebüch. Die Verstärkung des arabischen T ' e r r <> r י /:!;;!! mpfung (in־ Kommission ist sehr deiitiieli und a!- (ru1 neu. I H ״סח׳■Uralion gegen jede Tciltingsab-ii ht rid.DdU. N־;i H ugeiul jciliniul in dieser Be- ׳zu!1!mg und! Z'wdc; luge: M! klaren die Versuche, die Araber in di ן! י Snidu•;! /;t 1 ■!fu ProteDDreik zu bewegen, jede Ungewi: :hu:!. Du "iw Idu u 1u״.mg bheb jedoch In den Anfängen dm v k c n \ of a'; u ,.a wc ■m der scharfen Maßnahmen der Reg!״!•.!: d:e In 1 u;d r s:ad: :dr Abschreckung eine Spirr«‘:׳::dr \ oH ־\? s-’:׳;. k׳׳t ••■1•:■ •;׳ ] ״־!!rn1!te. Uns genügte. um (i;e tu.״ ־:;n> ■, ■ : י rg :1 .׳ di r ״ס ver-amlrte. Tin!,•!!;,״״! Ht. ' 7 1> ־( n x , •י- י, ., , i! u n 1011 *»rs Nt, daH or sie it ge:! le ni d! H 7 Hl. 1׳ \\ . , :1 c n<ker als f! über auch g!. >g 1 ״ 1 d i. A 1 a : v i י r;;; h ׳, dr־ cutw!■der polnisch mein!■ua:;!; ,1 i.r: (i;c i 1״d(:!mgeit der Terrorist«, :1 ׳ 17 ־; ( j: '! ,,.1 M,!:-1• ״!!:. In e! fülle!!. Morde in den I >•.. r,;;;t! ••: :::; .;: \,1 bat, 1 Vöcrf.iile auf arabische 1'״ DH! " - י’־■'/' u. :״.! ־, M,rd1!1:׳!g und fordern zahlreu 'v 11 ft ״ 'eg’ l'-D/iwcn von den Terroristen! H’M unk!ס M'l:: I :!■;h K1!״! genommen werden, ״:״'.!'י!!,)■-. ist ‘;:!7 ' H . t V «11s nation«1!u \ u! .!er •-:!■! :״ ec /;;,יי׳ r ä eine (ictahr für s!e. Mir der Te: ul■’;/ ::::■;׳, d!e Zahl de:־ arabischen 1 |]!fspe!!z!-U! 1 /;t \ ׳ n' ־ U7״ ii -1 /:!gleich den Eor־1.1:< wohn . derunga; du anibweiw׳:! D׳ btVr iue1: "rhut/ gegen Hebergriffe e!1* :,cg r!t / ■s; . 1' 11 ' f \ ■OD, rht, vci mehren sielt zugleich die Ziele fnr <J: 1,' -x־!nvri1 enden Banden, Die Ermordung sechs arab:w her P< 'i/i-vn in einem arabi-cheii Dorfe vor einigen Tag״!1 ist ein Z.eieln ,11׳ für die Sicherheit, mit denen die Angrcifa ־ ihre < );her zu truHi-Hi! wN'Cn. Die Nachbarländer Die u ni 1 i e g e n d e n a r a b i s e St o t! V ü 1 k 0 r in Syrien, Aegypten und Irak haben die Ankitnf t der Kommission mit feindlichen I iumvw rat :onen begriilit. Sie waren vielleicht nicht sehr inaditvod, und die Versuche, einen Streik an diesem Tag ׳!׳ zu organisiert!:, blieb!: ז in den ersten Aufänden sie;:׳ keil: aber immerhin zeig• len auch diese Teilaktionen, t In ff die arabische־ pu: 1st1m־nM«che Propaganda in den Nach!!« vUrtduni 7׳h ach wie vor von dem bei lk 7' i-r־jj .Mutti :t)!!;!■׳/!!.: , nliiit stillgelegt ist. Es 1s; oc•■;, a Di SU I;>!■h7m! •׳7 idr jt dl;■ Syrer ■oder die Acßvplcr <v 7,, itt(r g ■;■>; 7':*: 1fr:: :: 1 (i! r pa' 1s;ine1!'!'cl1־e!1 Sache zu 7t w י, ׳■ n 5 ׳ן w 1 ■1!)י:׳!,!! sein Mab eigener borgen In:; -■!"־ י־.׳ ׳ ־ ׳■ 7: -י: ״!• [ h nivtgantla nicht locker 1r:<i ׳Di!! ■ 1 1:7 '׳!!":׳׳ *־׳ auf/uw eisen. Der Grenzzaun r> d! 7:; I - :■;/־. ■! f.LH ׳ s /um Ueberdruli;:! ״ darauf DD׳ .־ ■. ■־...־' v .! 7 7..* 7• ׳■::rfuug■ des Terrors In lDDs/;g! H vt‘| 1■J ״H :rg /(־:•! kann, wenn die Znfuhr <■>־: A! g \!. ,:bar! indem ahgcschmit ־,׳:: \th i ) /::■■ה:!:־:;u 1.1׳: sh!’ der palasliileiisis( heit um! -v: :״־ ״ '!> ::: ־!־• 1 D ׳ ' ' 1 rt . ■ein "1!u;e u!!•der und tv i e: D ־' > W: ׳.! ׳ 7 ׳!; 1 ■ '1! : :< ■־ jז/ ■ ׳ zu einer Mahn w ' , ■־.1־ ־;!, i * f f t n -: < ־! r m 1! lg rg 11 an der No: dg: euer :.':'1; . '■ י־ mac'ioM soll 11m! die einen durchaus 11־•w d.ta.•, de״ ( ■A\r tt.igt. An der gesamten Norc!gre:1/e w׳rd eia 1; : יי , b e ' d r :1'1 t / a!! 11 angelegt, sein Bau ist bereis dem ,>׳־': i B׳e:, :!׳: » ,״:er jüdischen Baug(■Seilschaft, lAr'rge: worden. 1!:11'־'!' Za;m wird sich von Ras el N.akm 1 Ins 'AI!, eventuell himintei' bis Zemacli ziehen t!ml 11 1:::;' dm i rtd nach d!״n I ibanon zu abrlcgeln. Die Du: cididu m:g v, m i \tci Dchl 1,<011:1, aber anscheinend wissen die Sube: h<!,serg.üic keinen ,'!:!deren k\ eg, mit die Dinge in Ordnung zu bringen. Wie gründlich man .sich in Palästina an auße’ordeMfiiebe Dinge gewöhn! hat, sieht man daran, daß diese Maßnahme - die Abgrenzung eines Landes mit Stscbcklrahl! ~ kaum als eine Sensation empfunden wird. Da» einzige, was man fragt, i-t, welche Mittel min wohl die Terroristen ainvcmbcn wurden, tun über diese* neue . Hindernis hinweg/ukominen. Dia Prozedur dar Komml*8ion*-Beratungen Wenn die Kommission eine besondere Demonitration nötig biittc, ttnier wrlrhcn Bedingungen sie ihre Arbeit 711 machen hat, so könnte sie keine bessere bekommen, als diese» Projekt de« (ircnz/aim». Die Regierung und die Kornnti**ion lassen sich jedoch durch die etwa» ungewöiin- heben Verhältnisse nicht von ihrer normalen Arbeit ahbringen, Die crs'e Milteihing der Kommission an das paliistinermbehr Ptililiktitn war die Bekanntgabe der von Ihr bcah*ichtigle1t Prozedur. Zuerst wird in einer Tour von einigen Wochen da« Land bereist. Dann nimmt die Kommission ihren Platz in dein srhon berühmt gewordenen Gebäude in Jfru«is'c‘tn ein, wo im vorigen Jahre die Pce!*K0n1missio!1 tagte. י'ml Be ist dann bereit, von allen, die etwa* z.u sagen!!.dw-•;, «ch!iftlielies und mündliches Zeugnis, *ei es in offen'hch״r, sei e« in geschlossener Sitzung, entgegenzunehnten, W r D־tD1׳־ also hier genau die gleiche Prozedur vor!111 -, v '■< ' 1 - König'! eben Dntmttrhtingskontmis- *Ion. :11 it 1ic1-t t •״־־ : d, ״ab m,a!1 sich diese* Mal viel mehr sds!!!:;•:׳< ■! >, :adtiagen wird altzugehen haben. Wenn man •״. it da־ ■ r ־.׳־•,cv*. wie lange die Vorarbeiten der Po!1 -11,;ן■!!,!bei!, wie sie in einer Flut von I';״!!׳.:’״<-! \r׳■. ״! wird jcilein bei der Vor- *teilt.״ w eine: \V <■ 11•! uw: d I *;״/edtii■ reithlicb bange. Denn ab es den!«: etf lau.׳<• M1:::,׳'t 11m. die allein mit der Santitihwu dw M,!•׳.:;!h- ׳< er ׳׳ ’:•■:! w erden. ILs bleibt nur Zehnjahresfest in Ben Schemen Die Feste, die das Kinderdorf Ben Schemen veranstaltet, sind im ganzen Land berühmt. Und sie sind wirklich in vieier Hinsicht vorbildlich. Idir den Musikunterricht, die Konzerte Und die musikalische Festgestalturig *orgt Uhannrt Eisenstiidt, ein vor fünf Jahren au* Frankfurt 8. M. cingcwandcrfcr junger und sehr begabter Kapellmeister und Komponist, eine Gerneinsehaftsnatur voller Musikbegeistenmg. In Ben Sehemen beginnen die Kinder schon vor dem (1. Lebensjahr mit dem Musikunterricht: iin Singen, Blockflöte, Mandoline, Ziehharmonika, Solfegc, Schlagoreliestcr. Die Aeltemi haben von Zeit zu Zeit einen ״Mmtikkrcis“ (Musikgeschichte, I ormeniehre 118W.). Mail ist gerade dabei, einen Schiiimusikplan auszuarbeiten, in dem alles für den systematischen Unterricht in einem I antle f ziehungsheini Notwendige Platz finden soll. Insbesondere wird man dafür Sorge tragen müssen, dal! die Vorbereitung der Feste so in den Stundenplan von Beginn des Jahres Ungeordnet wird, daß sie die regelmäßige Arbeit nicht unterbricht. Das große Fest de* Jahres ist hier Peßaeh. Ls wird am sorgsamsten vorbereitet Und als ״Kimiß“ (d. h, Treffen) gefeiert, liier findet *ich immer — und zwar am letzten Peßachtag — nicht nur aus den Nachbarsicdlungen, sondern aus dem ganzen Land eine Schar von Gästen zusammen: vor allem die früheren Schüler und die Eltern der Kinder. Aus dem einen Tag werden tiu'hrere. Es ist ein großes Volksfest mit vit■! Theater, Musik, Tänzen und einer Ausstcl- 11mg von Zeichnungen und Handarbeiten der Schüler. Im Freien, im weiten Itmenliof sind große llol/tischc gedeckt. Hunderte von Kerzen ergeben in dieser Landschaft ein märchenhaftes Bild. Diesmal wurde, mit besonderem Aufwand an Kunst und Gastlichkeit, das zehnte Peßaeh begangen: als Feier des zehnjährigen Bestehens von B e!1 S e h e m e n. Das Fest begann mit der Verlesung von vier weltanscliauliehet! Fragen, die durch einen Midrasch beantwortet wtirden, — des Sinns, daß der Mensch von Himmel und Erde geschaffen sei. — Margarete Czapsky sang mit sfar• kem Ausdruck eine Arie von Händel. Nach der Seuda spielten die Kinder — unter bester choreographischer Leitung von 1 anja W c 1111 ö 11 n e r — pantomimisch entzückend dir joscphgesclüehte, die zwischendurch immer abschnittsweise aus dem Tenacli verlesen wurde. Die Vorleserin stand im Srhcinwcrfcrlicht auf der höchsten Stufe der Treppe, auf der sich die ganze Pantomime bewegte. Die Begleitmusik war aus Mandel, Gluck lind Rameatt ziisaiiimengcstcllt. Am zweiten Abend wurde eine Bearbeitung des Ander• srnschtn Märchens von der chinesischen Nachtigall aufgcfuhrt, Hier konnte sich die kindliche Produktivität und Phantasie nach Herzenslust auslcbeii. Spiel, Musik (Eisenstädt), Dekorationen, Kostüme (von dem Zeichenlehrer Ernst Lehmarin entworfen), die unaufhörliche Bewegung von Farbe, Ton, Wort und Geste, die wirklich kindliche Spontaneität und Phantastik der jugendlichen Schauspieler, — «II das war eine I eistmig von durchaus künstlerischem Wert. AI* dritte große Darbietung durch die Kinder wurde die schon von früher bekannte Serie von Volkstänzen ans vie• len I ändern (diesmal um mehrere vermehrt) vorgeführt, in den Trachten der Länder, begleitet durch das Kinderschlagorchester. Die Einstudierung der Tänze hat wieder Tanja Weilltöliner besorgt. Besonders eindrucksvoll wirkte eine neue Form der liorra, die sich wohl einbürgern dürfte. Viel Phantasie, Formenreichtum lind Annult äußerte sich auch hier. So sehr alle diese Aufführungen durch sich selbst pSdagogisch wertvoll sind und ihre Vorbereitung jeweils schon als Gegensatz, zum ländlichen Arbeiten erfrischen soll, bletet sich auch den Erziehern Gelegenheit, die Kinder von neuen Seiten kennenz.uleruen. Sie nehmen es sehr ernst ad notam, wenn sie eine übertriebene, krampfhafte Ausdrucksweise beobachten, aufdringlich eigenwillige Großspurigkeit oder etwa noch eine gewisse Befangenheit. Die pädagogische Idee des Zusammenspiels dient weniger der ,.schöpferischen•‘ Selbstbefreiung des Kindes als der Gemeinsehaftsklee, der Unterordnung unter die Sache, der Besehe!- düng des Einzelnen, der Disziplin Und dabei doch dem natürlidieu Bewegungsausdruck. So weiß der Regisseur Zw! iedem Kinde seine Rolle so evident zu erklären, daß es sie selbständig und lebensvoll geben kann. Ferner fanden noch zwei Morgeiikonzerte statt, die «Ina Beurteilung nach rein künstlerischen Gesichtspunkten bean- Sprüchen dürfen. Das von Chanan Eisenstädt begründete Orchester, das aus Angehörigen verschiedener Kibbuzim, hauptsächlich aus Giwat Brenner, besteht, war diesmal durch Jerusalemer Gäste (Berufsmusiker) auf achtzehn Spieler verstärkt. Außer der ״Bühnenmusik“ spielte es ein Werk von Paul Hindcmith, Stücke von PurecII, Cazati, Brahms, Mozart. Dazu Gesänge von Gluck, Gatti und Rosenmüllcr (Klagelieder Jeremias). Besonders auffallend sang eine begabte junge Chawern aus Giwat Brenner. Alle diese jugendlichen Muaiker leisten tagsüber schwere körperliche Arbeit. Um so erstaunlicher war ihr künstlerisches Niveau. Auch die technische Organisation des ״Kinuß“ klappte vortrefflich. Und es sei hiermit auch den anonymen Helfern noch besonders gedankt, die mit der Versorgung der Gäste wahrhaft keine geringe Muhe gehabt haben. Alice Jacob- Loewenson Festwochen der Hebräischen Universität Die Tage um das Peßaehfcst waren in Palästina wiihrend der letzten Jahre Festtage besonderer Art. Touristen aus allen Ländern kamen ins Land, die Freude des Wieder- Sehens und der persönlichen Nähe verlieh diesen Tagen einen besonderen Glanz. Seit Beginn der Unruhen ist die Zahl der Touristen wesentlich gesunken, und die Sorge um die Zukunft beeinträchtigt die Festesfreude. Dennoch fanden auch in diesem Jahre in Tel Aviv und Jerusalem Festlichkeiten statt, deren Mittelpunkt die Universität war. Die ״Jüdische Rundschau“ hat bereits über die ״Barmizv a h - F c i c r" der Universität berichtet, sow ie über die Promotionsfestllcbkeit im Amphitheater der Universität, die die Erinnerung an die glänzende Eröffnungsfeier lebendig machte, die a!1 diesem Orte vor 11 Jahren begangen wurde, im Anschluß an diese Feiern fand m Jerusalem zum ersten Male eine 7.11 s a m men k u n f t der Absolventen der Hebräischen Universität statt, deren Zahl ttunmelir schon über hundert betrügt. Die Konferenz hörte wissenseliaftlichc Vorträge der Mitglieder und widmete den größten Teil der Tagungszcit den Fragen der beruflichen Stellung der Akademiker und ihrer Teilnahme an der Arbeit für die Hebräische Universität. Eine besonders lebhafte Diskiission erzeugte ein Vorschlag des Präsidenten der Universltat, l>r. Magnes, daß die ehemaligen Studenten der Universitat hebräische Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora übernehmen sollen. Die festliche Stimmung der Peßach-Tage hielt noch an, als nach den Feiertagen der regelmäßige Allt a g s 11 n t e r r 1 c h t wlederaufgenommcn wurde. Die Universitiit hatte anwesende Gelehrte aus Deutschland, Holland, Polen, Aegypten (ungeladen, Gastvorlesungen zti halten, mul diese Gastvorlesungen In deutscher, englischer und fran- 7״s!»cher Sprache neben den hebräischen Vorlesungen der Universitäfsdozenfen brachten den merkwürdig nafional-internationalen Charakter der Universität auf dem Skopus zum Ausdruck. Den Höhepunkt dieser Tage bildete die Antritts• Vorlesung B ubers über das Thema: ״Die Forderung des Geistes und die geschichtliche Wirklichkeit“, mit welcher Bu her seine Lehrtätigkeit über die Philosophie der Ge- Seilschaft begann. Ruber vertritt gegenüber acr Soziologie der Jahrhundertwende, welche sieh damit beschied, wertfrei zu sein, weil sie nicht mehr an die Macht des Geistes glaubte, die Idee einer Soziologie die sich das Recht der Kritik und der Forderung nimmt. Und hier wiederum stellte er der Gestalt Platos, der sieh int Besitze einer allgemeinem und zeitlosen Wahrheit über die Gesellschaft glaubte, den Propheten in der Gestalt Jesajas entgegen, der kein allgemein gültiges Bild der Vollkommenheit vor die Menschen liinstellt, sondern immer mir eine Botschaft für eine bestimmte Situation empfängt. Gerade deshalb aber redet sein Wort noch nach Jahrtausenden zu den wechselnden Sltuatloneu der Geschichte. Wir Juden leben bis heute von der Begegnung Jesajas mit dem König an der Straße zum Wüschcrfelde (Jesaja Kapitel 7), leben davon, daß hier mit dem Königtum Gottes für die Wirklichkeit Ernst gemacht wurde. So sieht Bubcr den sozialen Denker, der wohl kein Prophet ist, keine Botschaft, sondern eine Lehre hat, dem aber für diese Lehre die jesajanisefte Aufgabe der Kritik und Forderung für die jeweilige Situation bestimmend ist. Btibers hebräische Antrittsvorlesung hielt die zahlreichen Zuhörer 1 יT Stunden in ihrem Bann. Außer den Studenten waren viele Professoren erschienen, ferner Gäste au* den geistig interessierten jüdischen Kreisen der Stadt. Noch lange nach der Vorlesung standen Gruppen von Studenten vor dem von Erich Mcndelsolin gebauten neuen Universitätsgebiiude, in dem die Vorlesung stattgofnnden hatte, und diskutierten, über die Brüstung nach der ewigen Stadt hinübersehend, Btibers Ansichten vom Sinn der jüdischen Geschichte. zu hoffen, daß die Vorbereitung des Materials durch die zuständigen Steilen (Regierung und Juden, die Araber sind bisher von ihrer Boykoitstelltmg nicht abgegangen) so gri'mdlieh und dabei so knapp ist, daß man der Kommission und dem Lande möglichst viel Zeit spart. Denn gewartet hat man jetzt in Palästina in der Tat lange genug! Ben Qurlon über das Teilungsprojekt Eine Broschüre Ben Guriott, der Vorsitzende der Paiästina-Exckutive der Jewlsh Agency, bat bei einer der Tagungen, die dem Züricher Kongreß im vergangenen Jahre vorangingen, eine Rede Über den Peel-Bericht und den Juden staat gehalten, deren Text nunmehr itt deutscher Sprache in einer Ausgabe der Hitachduth Olci Germania voriiegt. In dieser Rede erörtert Ben Gurion den Inhalt des Peel-Rericlites und seine Vorschläge in sachlicher und zugleich kritischer Weise und setzt sich mit den Problemen, die sich auf Grund des Tcilungsvorschlagcs ergeben, auseinander. Er hebt besonders die Bedeutung des Staatsvorschlages hervor, der da* Größte an dem Bericht sei, und behandelt die Fragen, die sich an* dem Staatsprojekt des Peel-Berichtes ergeben. Die Kenntnis dieser Rede dürfte insbesondere als Leitfaden für das kritische Studium des Peel-Berichtes und für die Kenntnis der Stellung der Exekutive der Jewisb Agency zu den Eiirzeifragcn von größtem Werte sein. Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 29. April 1018 hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel Aviv folgende Kurse: Allgemeine IHypothekenbank 5 "Dge Pfandbriefe 1<H8 '55 *JB1 (1 ״״!ge Pfandbriefe HG4 54 101 י X, ft Doge kuin. Vorzugsaktien IO!)1״׳, gewöhnliche Inhaberaktien 108:י(, P. I . I). C. gewöhnliche Inhaberaktien 87! ״0 6 ,״!ge ktitn. Vorzugsaktien OB D, Keren Kajcmctli Lejisrael 2';״״ige Pfandbriefe 75, Blzur Ltd. 6 ״״ige Pfandbriefe OS1(!, Nir Ltd. 4 ״״ige Pfandbriefe 1037,51 ST1,'!. (Mitgctcilt von der Eilcrn’s Bank Ltd., Tel Aviv.) Gemeinsame Feier von Juden und Arabern Aus Tel Aviv wird uns geschrieben: lieber eine vom Bund palästinensischer Arbeiter in Haifa veranstaltete Feier, an der Juden und Araber teilnalimcn, berichtet S. Dawid (S.ikkai) im ״Dawar“: Hätte es mir jemand erzählt, ich hätte ihm nicht geglaubt, lind obgleich ich es doch «elbst gesehen habe, kommt cs mir vor wie ein Traum: Ich kam in einen Saal, und sah viele In Reihen aufgcstellte Stühle, und auf ihnen saßen Juden und Araber zusammen. Darunter alte und junge Menschen, viele in arabischer Tracht. Ich verstand die arabischen Reden nicht, aber immer wieder vernahm ich die arabischen Worte für Freundschaft und Brüderlichkeit. In den Pausen zwischen Rede und Rede wurden arabische Melodien gespielt. Als das letzte Lied verklungen war, sab ich, wie sich Juden und Araber durch Händedruck Voneinander verabschiedeten. Wann war das und wo? Mußte nicht das Auto, das mich zurikkbrachte, eilen, um die gefährlichen arabischen Quartiere noch vor Anbruch der Dunkelheit zu passieren? Warnte man mich nicht am seiben Tage, In die Stadt zu gehen, well cs gefährlich sei? Sah ich nicht die Feuersäule der von Terroristen in Brand gesteckten Petrotleumlcitung? Und trotzdem — 160 Araber waren zum Fest in das jüdische Viertel Hadar Hakarmei gekommen, Die Nationale Vereinigung für Kultur und Religion ״Beth Israel“, Tel Aviv, hat mit ihrer Arbeit begonnen. Mit der Gründung von Bet 11 Israel soll nicht eine neue Synagogengemeinde an die Seite der bestehenden gesetzt werden, sondern die Sammlung derer erfolgen, die neue Wege suchen, um die kulturelle und religiöse Entwicklung vor Stagnation zu bewahren. Nachdem zu Peßaeh ein neuer Weg gottesdienstlicher Gestaltung beschritten worden Ist, wird am 16. Mai eine Feierstunde S’firat Kaomcr stattfinden, hei der die tragenden Ideen von Betli Israel durch I)r. Elk (Haifa), l)r. Rosen he rg (Tel Aviv) und Dr. Wilhelm (Jentsalern) dargcstellt werden.