Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1938)
- Date
- 1938-05-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr 37, 10 V. 1938 Buenos. Aires abseits von den Hauptstraßen erfüllte Wohnhaus Dr, Wcizmanns, von Erich Mendel söhn erbaut, dessen Blumengarten ein Musterstück der Garten- Kultur ist, welch ein gesegneter!irdenfleck! Und welche Bürde lastet auf dtni Mann, der hier, neben seiner leidenschaftlich betriebenen wissenschaftlichen Arbeit als Chemiker, die oberste Verantwortung für die jüdische Arbeit in Palästina und für Palästina zu tragen hat. Dieses Reehowotli, abseits vom Getriebe der Großstadt, ist ein kleines, richtungw eisendes Zentrum geworden. Agr. VC i 1 k a n s k y, der von Teiltperament und Begeisterung überspnidelnde, unvermindert jugendliche Leiter vier landwirtschaftlichen Versuchsstation, baute hier eine Modell-Wirtschaft, einen richtigen Bauernhof, dessen Wirtschaftszweige nach den neuesten Ergebnissen der Experimente eingerichtet, in allen Einzelheiten überprüft und beobachte! werden, um den Weg zu finden, wie mit den billigsten Mitteln und größter Zweckmäßigkeit eine rentable Form der gemischten Wirtschaft für Palästina errichtet werden kann, - - ein Problem von entscheidender, lebenswichtiger Bedeutung für das Land und die jüdische Landwirtschaft; ihm hat Wilkanskv auch sein neues Buch (englisch und hebräisch erschienen) gewidmet. Denn bisher gibt es auf diesem (lebiet noch so manchen Mißerfolg, Wilkanskv ist ein strenger Kritiker, ein Hasser des Dilettantismus und Lanatiker der Betricbswissenschaft; sein Ansehen in! Lande ist groll, auch bei der Regierung, die mit der Versuchsstation in Reehowotli eng zusammenarbeitet, auch einen erheblichen Teil des Budgets tragt. (Ls handelt sieh, was auch der Laie versteht, z. B. um das Problem, ob und wie bei der Anlage von Urangenpflanzungen in den ersten 6—7 Jahren, wahrend der Pardess noch keine Frucht gibt, zwischen den Ba unireihen ges.it werden kann, um dem Pflanzer einen!:!trag aus anderen (,Hn-Ilen zu sichern. Wie wichtig das ist, lieg reif’ man, wenn man hört, wie viele Siedler — auch solche aus Deutschland - schwer daran ZU leiden haben, da!! sie die Zeit bis zur ersten Frucht nicht durcblialfeii können und den Pardess verfallen lassen müssen, weil sie die noch geforderten Zuschüsse nicht mehr aufbringen können.) Am anderen I'nde, südlich von Reehowotli, ist das Gebiet, das vor S |;!11ren mvh das ״ru-11 erschlossene“ war; dort ist lieber, der ״k'wu/ah Schüler“ weithin sichtbar O i w a t B r e int 0 r, einer der wichtigsten Punkte des ״Kibbuz iiioiicha!'", dem aueli \ ie'e < .'lialu/im aus Deutschland angeboren ■ ■ einst ein euwarnes mul schwer Zugangliclus Zehlager, hei Me eine Gruppe von stattliehen Gebäuden inmitten ton wGiit mwickehm I eklem und Pflanzungen. Hier herrscht reges inneres Lehen, nicht nur in Arlxät und Wirtschaft, sondern auch kulturell. Die Kulturzentral e von Giwat Brenner stellt z. B. zu Au-stellungs/wecken Serien von Reproduktionen der Werke bedeutender Künstler zusammen, die dann in den Siedliingspunkten des Kibbuz mit hebräischen Erläuterungen gezeigt werden. So gab es «ine Van Gogh-Au.-.siell!!t1g in R a 111 a t i! II a k o w e s c h, einer nun Kibbuz meuchad gehörigen neuen Siedlung bei Kfar Saba im Scharon. Seltsamer Kontrakt, in der noch unfertigen, mit Stacheldraht umgebenen Siedlung von dem Wachtturm von Ramath Hakowesch, wo die jüdischen Hilfspolizisten mit ihrem Gewehr Madie halten, zu dem benachbarten Klubhaus mit seinem Leseraum und der Ausstellungsgalerie hinüberzukommen. Die jüdischen Jungen aus Deutschland sind in bei dem zu Hause, im Wachestehen und in dem Drang nach kulturellen Gütern. Wenn von Reehowotli die Rede ist, darf eine Institution besonderer Art nicht vergessen werden, die hier beheimatet ist. An der Peripherie des Ortes hat Maja Rosenberg ihren Kindergarten für jemenitische Kinder und eine Handfertigkeitsschule, in Reehowotli gibt es seit Jahrzehnten ein armseliges Jemenitcn-Vieru■!. Die jemenitischen Mädchen kommen aus großer Armut und Primitivität, sie gehet! oft .schon mit 10 (Hier Id Jahren als Hausgehilfinnen für geringes Entgelt arbeiten, ihre Schulbildung ist un/ulanglieh. Dieser Mädchen hat Maja •״ich angenommen, seit Jahren arbeitet sie für sie, wirkt I leunde in aller Welt, und Was entstanden kt, ist eines der sccleiivolisten, menschlich ergreifendsten Werke im lande. Wenn man dieses Heim betritt, diese saubere״ Gehende in ihrer (:artem-infassnng, spürt man den Cueist der MeiisHili-ehkeit und ( inte, der־ die besten [ riebe in den Menschen weckt, eine heghkkemle Atmosphäre der Harmonie und, des inneren Werdens. Wie hübsch sind dit,׳s(.■ Kinder mit ihrer braunen flaut und ihren dunkeln, ,stirililendeii Annen! hie lernen gern, arbeiten sehr geschickt, u t-r.K-n zu produktiven, selbstbewußten, lebensbejahenden Gliedern der < 1«-svll-1haft.!)war Leistung, die hier abseits vom Wege von Majas Zauhcrhamleii vollbracht wird, zeigt, was getan werden kann, wenn ein wahrhafter lind echter Men-ch .<■ imganze Liehe -- freilich auch seine großen p.alagog!-eheii und ot gamsatori-chen (.)allen — in den Dienst der Volk-arbcit stellt. Wir haben wenige Punkte im Lande wie diesen. Hier in Red 1011 <>t 11 wurde das Alfe ausgebaut und vieles Neue kam hinzu. Aehnlieh ist es im benachbarten R i s c 11 o n le-Zion, •der er.'ten Kolonie, nun 56 Jahre alt, mit ihrem berühmten Weinkeller, dem jetzt die modern ausgestattete Bier-Fabrik angesthlosseii ist (das .,\escher"-Bier, mit dem Adler als ,Marke, ist ein vorzügliches und beliebtes Landes- Produkt, aber der Konsum reicht vorläufig nicht aus; an der Fabrik sind die Pica und die Pariser Bankhäuser Drcyfus und Rothschild beteiligt). Rischon hat nicht nur ein neues Industrieviertel (die Rasierklingenfabrik soll besonders guten Erfolg haben), sondern auch viele nette Wohnhäuser; ein ganz neues Viertel, ״Gan Herzl״, ist fast ausschließlich von Juden ans Deutschland bewohnt. Und nahe bei dem zwischen Rischon und Reehowotli liegenden Ness-Ziona ist die Mädehcnlehrfarm Ajanot, ein vorzüglicher Betrieb, von der Wizo begründet und in den letzten Jahren stark ausgebaut. Hier waltet unermüdlich Ada Fisch mann, die begeisterte Führer in der Arbeiterinnen, die schon ganze Generationen von ."Mädchen zur Landarbeit erzogen hat. Wir treffen dort vielt■ Mädchen aus Deutschland, die sich der ziemlich schwer en Arbeit mit Erfolg anpassen. Ist liier da;;älteste Siedlungsgebiet gewachsen, so Ist jenseits des ״Korridors•‘, im Scharon, fast alles neu, jedenfalls Nach kr iegs -Schöpfung. Ein Dorf wie Ramot Maschaw i tu, ein Ort von bezaubernder Lieblichkeit, war vor 4 Jahren noch nicht vorhanden. Oft ist diese fast ganz auf Hühnerzucht gedeihe Siedlung beschrieben worden. Wenn man von der Chaussee nach dem Dorf einbiegt, empfängt einen das freundliche Gegacker der 30 000 Hühner (mit ihien 70 000 Küken). Die Bauern sind fast durchweg frühere Akademiker aus Deutschland,!י dem behaglichen Restaurant, vor den Erfahrungen eines Einwanderers Dem Hilfsverein der dcutsclisprediemien Juden in Buenos Aires sei besonders dafür gedankt, daß er unk eine Pension angewiesen hat, die man wohl als Informationsbiiro bezeichnen kann. Wo und wie die ungefähr 40 Gäste untergebracht sind, weiß mir der Besitzer der Pension. Die merkwürdigsten Gäste sind die frisch hin/!!gekommenen Immigranten, die eine herrliche Seereise hinter sich haben. Eigenartige Gefühle nehmen von ihnen Besitz. Die gewandtesten Leute kommen sich hier schüchtern vor und — schweigen. Man gibt ihnen auch nicht die Gelegenheit, zu sprechen; denn die ,,Alten" haben viel zu erzählen. Man sagt: Hören Sie auf, alles mit den europäischen Zuständen zu vergleichen. Regen Sie sich nicht über dies und jenes auf, sondern nehmen Sie alles hin wie ein Geschenk und passen Sie sich an. Der hiesige Hilfsverein tut wirklich viel Gutes, aber wie jede Hilfs-Institution schadet auch er manchmal durch allzu große Versprechungen. Wer sich wundert, daß der Hilfsverein ״nur“ 5—6 Wochen lang Unterstiitzungen gibt, der wird sich überhaupt über manches wundern müssen. Und wer in 2—3 Wochen noch nichts gefunden hat oder zumindest noch nicht weiß, was ihm bevorsteht, der wird auch nach 5 — 6 Wochen auf demselben Punkt stehen. In der ersten Zeit muß man hier alles, was sich einem bietet, anpacken. Nach und nach erst kommt jeder wieder in sein Fach hinein. Mindestens die Hälfte aller Einwanderer hat so begonnen. Zudem stellt man bald fest, dal! es hier unzählige Arbeiten gibt, die einen höheren Lohn cinbrrngcn, als die Facharbeit. Erlernung der Sprache Wer nach Südamerika auswandert und im stillen allzu große Hoffnungen auf die Hilfsorganisationen setzt, schadet sich und den Organisationen. Niemand soll sich auf sein Fach und seinen Beruf versteifen. Keine Arbeit ist so schwer, wie man sie sich vorstellt. Und nur während der. Arbeit, während des Verdienstes also, kann man in aller Ruin*!lenken; früliej־ oder später kommt man von selbst in sein Fach wieder zurück. Das Allerwirhtigste jedoch bei jeder Arbeit ist die Kenntnis der Sprache. Jeder Auswandt rungs-Kandidat weiß das; in unzähligen Berichten ist dies 1 hema behandelt worden. Und doch Kommen sehr viele ohne die notwendigsten Sprachkenntnissc ins Land. Woran liegt das? Die Meinung, daß man die Sprache i!!1 Lande schneller lernt, ist wohl wahr, aber bei der Gestaltung tinseres Lebens ist sie grundfalsch. Wer in Europa zur Erlernung der Sprache des betreffenden Immigrationslandes die Geduld nicht auf br in gen kann, der wird sie hier erst recht nicht haben und die Sprache nie richtig erlernen. Auf der Reise, auch wenn sie 4—5 Wochen dauert, kann man alles mögliehe tun und lassen, mir nicht lernen. Und nichts trifft ein, was der Auswanderer sich vom Iminigrationsland vorstellt. Buchstäblich das ganze Leben gestaltet sich in Amerika anders. Es gehören große Summen Geld dazu, um sieh das Leben nach eigenem Willen und Geschmack eiiizurichten. Aber das fäilt niemandem ein, nicht einmal dem Kapitalisten; denn auch er — und vielleicht gerade er muß sich um so schneller umstellen, d. h. sich dem hiesigen Leben anpassen. Im Vergleich zur hiesigen Hast ist der aufgeregteste Europäer geruhsam. Damit aber ist nicht gesagt, daß man ein Stümper bleiher! muß. Gewiß lernt man mit der Zeit auch die schwierigste Sprache, aber erst mit der Zeit. Wenn man bedenkt, was man alles während dieser kostbaren, ersten Zeit durch die Unkenntnis der Sprache versäumt, dann begreift man die ungeheure Wichtigkeit dieser Frage. Sie ist so wichtig, daß man ihr zuliebe selbst die besten .Auswanderungs-Gelegenheiten verschieben soll, bis man die Sprache wenigstens einigermaßen beherrscht; denn dies Manko hemmt den Mut und den Unternehmungsgeist des mit noch so guten Plänen ausgerüsteten Immigranten. Fs ist nicht übertrieben, wenn behauptet wird, daß man sich in Buenos Aires mit Jiddisch einigermaßen helfen kann. Viele aber verstellen nur ein paar Brocken Jiddisch und glauben es zu beherrschen. Andere haben unter Ostjudcn gelebt, mit denen sie sich gut verständigen konnten, und sind gleichfalls derselben Meinung. Ihnen muß gesagt werden, daß ungefiihr 75 w! der in deutschsprechemien Ländern lebenden Ostjuden kein richtiges Jiddisch mehr sprechen; daß es selbst diesen Einwanderern seine erfüllt, sieh mit ihren Landsleuten gut zu verständigen. Die Ostjudcn Westeuropns sind mehr assimiliert, als sie ahnen. Erst in den grollen ostjiidischen Zentren jenseits des O/eans machen sie diese Entdeckung; zudem befindet sich die jiddische Sprache noch immer in einem Fntwickinngsstadium, dem die Ostin de ח in Westeuropa nicht folgten, immerhin war einst ihre Muttersprache jiddisch, in die sie sich nach und nach wieder Unruhen ein beliebter Abend-Ausflug der Tel Aviver, schaltet als Wirtin eine einst bekannte Schauspielerin aus Frankfurt am Main. An wenigen Platzen Palästinas kommt einem die große Wandlung der Zeit (in ihrer soziologischen Aus- Wirkung) so zum Bewußtsein wie hier und in dem von einem ähnlichen Mcnschentvp aufgehauten Naharia (im Norden bei Akko). V erschöllt und vergrößert innerhalb der alten Rayons — dazu tritt die Expansion, der Vorstoß in neue Gebiete. Am stärksten 711 spüren ist die Bewegung im Norden. Dort herrscht heute ein Geist des Grenzertums, der fieberhaften Erweiterung und Neubesetzung, ln den Städten spürt man nicht viel davon, liier oben aber ist Wagemut, Kühnheit, Furchtlosigkeit, Entschlossenheit, lieber die ״neue Kolonisation“ des Jordantals wurde an dieser Stelle gerade in letzter Zeit mehrfach berichtet. Unter diesen Siedlungsptinkfeit sind manche von besonderer Originalität, so z. B. das ganz, einsam und abseits gelegene Ti rat Zwi, in Deutschland bekannt durch den Kurzfilm des Keren Hajessotl; die Siedler sind streng religiös lebende Jugendliche, die Mehrzahl aus Deutschland. (Siehe die, Bilder auf Seite 7 — Red.) Diese Siedlung wird gewiß noch sehr lim ihre wirtschaftliche Fundierüng zu kämpfen und zu arbeiten haben, sie hat auch bereits gezeigt, dal! sie sich zu verteidigen versteht; besonders wichtig aber ist die kulturelle Note, die diese Leute in unsere Landbevölkerung bringen. Sie haben — dank ihrer religiösen Formen — einen Lebensstil, den die anderen nicht besitzen, und all- Verantwortlicher Redakteur! Dr. Robert Welt *eh, Berlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwortlieh fiir den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. (.billig Anzeigen• Preidiste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung! Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A. 1/1938 : 20043. — Druck« Siegfried Schalem, BcrlmSchöneberg. einlebcn können. Es ist bekannt, daß Jiddischsprechende schwer Deutsch lernen, doch noch schwieriger ist es für Deutschsprechende, die jiddische Sprache zu erlernen. Die Lebenshaltungskosten Was die Lebenshaltungskosten anbetrifft, so kamt ein kinderloses Ehepaar, das einen selbständigen Haushalt führt und gut 7.u wirtschaften versteht, mit zwei Pesos pro Tag auskominen, wenn sie sehr sparsam sind. Wie überall kann erst recht liier ein Ehepaar besser zurechtkommeti als ein alleinstellender Mann. Fiir den Preis, für den ein Ehepaar bürgerlich leben kann, muß ein Junggeselle in einer Pension sich mit dem Notwcndigsten zufriedengeben und das Zimmer noch obendrein mit zwei bis drei Mann teilen. Ehepaare mit kleinen Kindern dagegen haben es viel schwieriger. Selten gelingt es einen! solchen, ein anständiges Zimmer mit Küche za bekommen. Die meisten Familien sind darum gezwungen, Wohnungen, die hier groß sind, zu mieten. Auch hierbei stoßen viele auf Schwierigkeiten, Anders ist es bei großen Familien mit erwachsenen Kindern, die beruflich tätig sind. Diese stehen sich am allerbesten. Je größer die Kopfzahl, desto lohnender ist der Haushalt, natürlich bei einer relativ nicht allzu teuren Miete. Dem! der Mietpreis für eine Wohnung ist höher als die Verpflegungskosten; er steht auch in keinem Verhältnis zum lohn. Jedes Fand hat seine teuren und billigen Produkte und Fabrikate. Wo Kleidung und Wäsche billig ist, sind oft Fleisch, Butter, Früchte usvv. teuer und umgekehrt. Was tut die praktische Hausfrau? Sie kauft zwei Dutzend Pfirsiche, so groß wie die Zitronen, zwei Dutzend Aprikosen, so groß wie die Eier, und zwei Zitroneu, so groß wie die Ethfogim, alles zusammen für einen Peso, und macht dawkc vier Gläser Marmelade, die viel besser schmeckt als die Fabrikerzeugnisse. Eigentlich ist es gut so, daß hier fast alles per Dutzend verkauft wird (Stoffe kann man hier sogar kiloweise und Ocl pfundweise kaufen). Die besten Geschäfte machen die Knoblauch-Händler. Morge ns ziehen sie mit dem Achselstück, auf jeder Seite 10—15 Zöpfe Knoblauch, los und am Mittag kehren sie mit dem ßanibtissfock unterm Arm wieder nach Hause. Ob man’s glauben wird oder nicht: die Juden essen am wenigsten Knoblauch. Von den Juden aus Deutschland gar nicht zu reden. Fm Vergleich zu allen Fleischarten ist das Geflügel sehr teuer. Während man ein Kilo gutes Fleisch fiir 60 bis 70 Centavos bekommt, muß man für ein mittleres Huhn 2 Pesos bezahlen. Aber man kann auch ein halbes oder ein viertel Huhn haben, wenn man Geflügel essen will. Was soll man mitbringen? Vor Jahren schon warnte man, daß man möglichst wenig Möbel und Haushaltungsgegenstüiide mitnehmen soll. Und wenn unzählige Familien, besonders die ans Deutschland, es trotzdem tun, so geschieht es nur darum, weil man ihnen die damit verbundenen Schwierigkeiten und Strapazen nicht verraten hat. Und diese sind leider so kompliziert, daß man dringend abraten muß, es zu tun. Erstens verpflichteil diese Holzberge zu kostspieligen Wohnungen. Verkaufeil? Oft ist die Frachtrechnung höher als der Verkaufspreis. Zweitens verschlingen diese Stinke, von denen man sich nicht trennen kann, soviel Geld, daß man sich hier für dasselbe geeignetere Gegenstände anscliaffen kamt. Drittens — und das passiert nicht selten — kommen statt Möbel und Porzellan Splitter und Scherben an. Daß Zoll bezahlt werden muß — und oft sehr hohe Beträge — ist selbstverständlich. Aber vor 4—5 Wodien bekommt man die Sachen nicht heraus. Und während der Zeit muß man in einer Pension oder gar in einem Hotel wohnen, wo man schnell das notwendigste Geld für den Anfang los wird. Und wenn alles gut klappt, das heißt wenn die Sachen unter Dach und Fach stehen, dann fragt man sich erstaunt und bitter: Was haben, wir mm erreicht? Dann hat man auch Zeit, die Zeitungen zu lesen. Und darin stellen folgende Anzeigen: ״Se vendc... Se vendz‘... Se vende...“ (Zu verkaufen.) Kleidung und Wäsche dagegen soll man mitnchmen, und zwar von der besten Sorte, also nur reine Seide und leichte Wolle. Dann aber Sachen wie Schreib- und Nähmaschinen, Feueranzünder, Uhren, Photoapparate und dergleichen. Teure Koffer leiden unterwegs dermaßen, daß sie hier als wertlose Objekte ankommen. Fs empfiehlt sich ferner mitziinehinen: gute, reine Woli- und Daunen- Steppdecken, sämtliche Handwerks/euge und Betriebseinrichtungen, gleich welcher Art. Folgendes Beispiel zur Illustration: Ein Tiscltlerggeselle aus Baven! war so ״unpraktisch“ lind brachte eine komplette Werkstatt-Ausrüstung nach Buenos Aires mit. Die Leute haben ihn ausgelacht. Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten. Der Geselle hat es erlebt, daß bei ihm heute zwei Schrcmeriueister arbeiten. Und er ist kaum vier Monate liier. Und er hält schon Umschau nach einem Laden. Moses Katz mählich verstehen immer mehr Menschen, daß ein Lebensstil für eine sich bildende Volksgemeinschaft unerläßlich ist. — Unter den vielen anderen Punkten fällt vor allem Ej n s e h auf, wegen seiner geographischen Lage (am Ostufer des Tiberias-Sces) besonders bemerkenswert (vgl. den Bericht im heutigen Palästina-Blatt — Red.). An den älteren Orten festgegründetes, sich erweiterndes Leben, in den neuen Regionen heroische Bezwingung von Neuland, in ständiger Bereitschaft zur Abwehr von Angriffen, Keimzellen eines sich erst allmählich entwickelnden Werdens. Das Gerippe eines jüdischen Gemeinwesens ist vorhanden. Man empfindet besonders stark die Probleme, die׳ noch ungelöst sind — innerer und äußerer Art. Man weiß heute, wie eingangs gesagt, um die Zusammenhänge mit anderem, fernen Geschehen. Unsere Zeit ist ja voll mit Fragezeichen. Wir sind vorsichtig genug, sie cinzusetzen. Aber wir fühlen auch: hier ist unaufhaltsames, clementarcs Leben, das sich zu behaupten hat. jCeicste■ LSnderkampf Eresr. Israel gegen Aegypten 42:70. Der erste l.änderkampf, den die leichtathletische Auswahlmann* schalt von Ercz Israel gegen Aegypten bestritt, ergab eine eindeutige Niederlage der palästinensischen Mannschaft. Die Aegypter gewannen allb Wettbewerbe, und den Palästinensern gelang es mir, eine Reihe von zweiten Plätzen zu erringen. Der Länderkanipf iiat im König-Larouk-Stadion in Kairo stattgefunden. Vorrunde zur Makkabimelsterschaft In Hamburg, ln Hambürg standen sich in der ersten Vorrunde um die Makkabimeisterschaft in Fußball und Handball Makkabi Düsseldorf und Bar Koeliba Hamburg gegenüber. Die Hamburger erzielten überraschend eindeutige Siege. Sic siegten im Fußball mit 9:2, itn Handball mit 5:3 Toren,